Ms-127
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§
IIr[1]F Mathematik & Logik
F. Mathematics & Logic
§
1[1]06.01.1943
Schränken wir einen Ort nach & nach durch zwei Reihen von unvollständigen Dezimalbrüchen ein, die wir sowohl als die Reihung selbst nach & nach weiter führen (z.B. als das Ergebnis von Experimenten) dann kann man die Einschränkung des Orts durch einen unvollständigen Dezimalbruch darstellen.
06.01.1943
Suppose we gradually restrict a place by means of two series of incomplete decimals, which we also gradually extend (e.g., as the result of experiments); then the restriction of the place can be represented by one incomplete decimal.
§
1[2]Denk Dir die intensionale Allgemeinheit in Merkzeichen gebraucht.
Think of intentional generality used in mnemonic devices.
§
1[3] &2[1]
Wenn man sagen wollte: es fehlt dem Begriff an Exaktheit & die extensionalen Pseudoerklärungen geben sie ihm nicht – nun was macht dieser Mangel an Exaktheit??
If one were to say: the concept lacks precision, and extensional pseudo-explanations do not give it – what does this lack of precision do?
§
2[2]Denke Dir eine Morphologie der Kurven, ohne Gleichungen oder dergl.
Imagine a morphology of curves, without equations or the like.
§
2[3] &3[1]
Von den Mathematikern kann man nur Mathematik lernen, aber nicht die Philosophie der Mathematik. Ich meine man kann ihnen nur absehen was sie treiben indem man ihnen zusieht aber ihnen nicht glauben, wenn sie darüber Rechenschaft ablegen.
One can only learn mathematics from mathematicians, but not the philosophy of mathematics. I mean, one can only observe what they are doing by watching them, but not believe them when they explain it.
§
3[2] &4[1]
In den allgemeinen intensionalen Sätzen von den Funktionen wird einerseits eine Technik des Rechnens festgehalten, die man dann auf ein gegebenes Beispiel anwenden kann; anderseits eine Teilung des Materials bewirkt in solches was sich mit dieser Formel behandeln läßt & solches was so nicht zu behandeln ist.
In the general intentional sentences of functions, on the one hand, a technique of calculation is fixed, which can then be applied to a given example; on the other hand, a division of the material results in what can be treated with this formula and what cannot be treated in this way.
§
4[2]Wie ist es also mit dem Muß dieser allgemeinen Sätze?
So what about the necessity of these general sentences?
§
4[3]Nimm, an es gäbe nur ein Beispiel & den allgemeinen Kalkül. –
Suppose there were only one example and the general calculus.
§
4[4] &5[1]
07.01.1943
Aber es ist doch kein Zweifel, daß wir durch eine Reihe von Beispielen einen allgemeinen Begriff von einem ‘Prinzip der Zuordnung’, von einem ‘Prinzip der Teilung’, u.s.w., gewinnen! Das heißt doch: wir lernen durch diese Beispiele ein neues Sprachspiel; ähnlich in gewissem Sinne dem neue Multiplikationen auszuführen, wenn wir multiplizieren gelernt haben.
07.01.1943
But there is no doubt that we gain a general concept of a ‘principle of association’, of a ‘principle of division’, etc., through a series of examples! That is, we learn a new language-game through these examples; similar in a certain sense to learning to perform new multiplications when we have learned to multiply.
§
5[2] &6[1]
Wenn wir nun, wie ich vielleicht sagen möchte, einen unklaren Begriff von dem ‘Prinzip der Zuordnung’ (z.B.) haben, – kann, & soll, man ihn durch einen klarern ersetzen? Oder ist es gerade die Vagheit, die uns gute Dienste leistet?
If we now have, as I might say, an unclear concept of the ‘principle of association’ (for example), can and should we replace it with a clearer one? Or is it precisely the vagueness that serves us well?
§
6[2]Der allgemeine Begriff einer Zuordnungs-Technik.
The general concept of an association technique.
§
6[3] &7[1]
Denk' Dir daß die Menschen durch gewisse Zeichen etwa von der Art der Chinesischen Siegel dazu bewogen würden Ziffernfolgen hinzuschreiben & zwar alle Menschen übereinstimmend, wenn sie einmal erst durch eine Art Schulung gegangen sind. Dann können sie diese Ziffernfolgen, oder vielmehr die Zeichen, die ihre Fortführung leiten, als Zahlen auffassen. Und es müßte auch da kein System solcher Zahlen geben.
Imagine that people, through certain signs, such as the type of Chinese seals, would be induced to write number sequences, and that all people would do so consistently, once they had undergone a kind of training. Then they can regard these number sequences, or rather the signs that guide their continuation, as numbers. And there would not necessarily have to be a system of such numbers.
§
7[2] &8[1]
Wie, wenn man die reellen Zahlen nicht durch das Aufzeigen irrationaler Zahlen sondern einfach durch Umwandeln der rationalen in reelle Zahlen einführte. (Diesen kann man dann immer die irrationalen Zahlen hinzufügen.) Und nun, ehe man noch von irrationalen Zahlen spricht, beweist man Dedekinds Satz!
What if one introduced the real numbers not by pointing out irrational numbers but simply by transforming the rational numbers into real numbers? (One can then always add the irrational numbers to these.) And now, before one even speaks of irrational numbers, one proves Dedekind’s theorem!
§
8[2] &9[1]
Angenommen wir gäben einem Prinzip der Teilung aller reellen Zahlen einen Namen. Geben wir den Namen dem Prinzip der Teilung auf die rationalen Zahlen angewandt? Kann man die irrationalen Zahlen teilen als indem man die rationalen teilt. Denn bezieht sich die Teilung nicht nur über den Umweg der rationalen Zahlen auf die irrationalen, dann kann auch der Name eine ganz andere Zahlenart als die reelle bedeuten.
Suppose we give a principle of dividing all real numbers a name. Do we give the name to the principle of division applied to the rational numbers? Can one divide the irrational numbers by dividing the rational numbers? For if the division does not only refer via the detour of the rational numbers to the irrational numbers, then the name may also mean a completely different kind of number than the real one.
§
9[2]Sagt die allgemeine intensionale Behandlung mit ihren Variablen nicht: “so muß es ausschauen”?
Doesn’t the general intentional treatment with its variables say: “this is what it must look like”?
§RFM V
10[1]08.01.1943
Die extensionalen Erklärungen der Funktionen, der reellen Zahlen, etc. übergehen alles Intensionale – obwohl sie es voraussetzen – & beziehen sich auf die immer wiederkehrende äußere Form.
08.01.1943
The extensional explanations of functions, real numbers, etc., ignore everything intentional – although they presuppose it – and refer to the ever-recurring external form.
§
10[2]Die Funktion hat sozusagen eine extensionale Äußerung.
The function, as it were, has an extensional manifestation.
§
10[3]Der allgemeine Begriff der Funktion als heuristisches Prinzip.
The general concept of the function as a heuristic principle.
§
11[1] &12[1]
Denken wir wieder an das Beispiel des Zaubers gewisser Symbole (etwa geschriebener) die die Menschen dazu bringen übereinstimmend Zahlenfolgen zu schreiben oder eine Zahl einer gegebenen anderen zuzuordnen. Es sei also y = f(x) und f =
,
& dies Symbol ist eines von denen welches uns einem beliebigen rationalen x ein y zuordnen läßt. Kann man nun mit diesem Begriff den Begriff bilden?
Let us think again of the example of the magic of certain symbols (e.g., written) that bring people to consistently write number sequences or assign a number to a given other number. So let y = f(x) and f =
,
and this symbol is one of those that allows us to assign a y to any rational x. Can one now form the concept with this concept?
§RFM V
12[2] &13[1]
09.01.1943
Unsre Schwierigkeit fängt eigentlich schon mit der unendlichen Geraden an; obwohl wir schon als Knaben lernen, eine Gerade habe kein Ende, & ich weiß nicht, daß diese Idee irgend jemand Schwierigkeiten bereitet hätte. Wie, wenn ein Finitist versuchte diesen Begriff durch den einer geraden Strecke von bestimmter Länge zu ersetzen?!
Aber die Gerade ist ein Gesetz des Fortschreitens.*
January 9, 1943
Our difficulty actually begins with the infinite line; although we learn as boys that a line has no end, & I do not know of anyone for whom this idea has ever posed a difficulty. What if a finitist tried to replace this concept with that of a straight line segment of definite length?!
But the line is a law of progression.*
§RFM IV
13[2]Die Verteilung der Primzahlen wäre ein ideales Beispiel für das was man synthetisch a priori nennen könnte, denn man kann sagen, daß sie jedenfalls durch eine Analyse des Begriffs der Primzahl nicht zu finden ist.
The distribution of prime numbers would be an ideal example of what one might call synthetic a priori, because one can say that it can in any case not be found through an analysis of the concept of prime number.
§RFM V
13[3] &14[1]
Die Allgemeinheit der Funktionen ist sozusagen eine ungeordnete Allgemeinheit. Und unsere Mathematik ist auf so eine ungeordnete Allgemeinheit aufgebaut.
The generality of functions is, so to speak, an unordered generality. And our mathematics is built upon such an unordered generality.
§
14[2]10.01.1943
Ich lese in “Chemical History of a Candle”: “Water is one individual thing – it never changes”.
10.01.1943
I read in “Chemical History of a Candle”: “Water is one individual thing – it never changes”.
§
14[3] &15[1]
Denken wir uns das Zeichen “”, dessen Physiognomie ich immer wiedererkennen kann (so nehme ich an) gebe uns Allen die gleiche endlose Folge von 0 & 1 ein, entspricht also einem unendlichen Dezimalbruch. Wir behandeln daher dieses Zeichen als ein Zahl-Zeichen.
Let us imagine the sign “”, whose physiognomy I can always recognize (so I assume) gives us all the same endless sequence of 0 & 1, which corresponds to an infinite decimal fraction. We therefore treat this sign as a number sign.
§
15[2]Du kannst über die reellen Zahlen nicht in's Klare kommen außer über den Begriff der Technik. Denn sie sind ja Techniken der Entwickelung (oder Zuordnung).
One cannot gain clarity about real numbers except through the concept of technique, because they are techniques of development (or assignment).
§
15[3] &16[1] &
17[1]
Was, wenn die irrationalen Zahlen Seltenheiten unter den rationalen wären? So daß man etwa sagen könnte: unter den rationalen Zahlen gibt es verstreut 50 irrationale. Oder auch: es gibt 50 Reihen irrationaler Zahlen. Warum sollte man ihnen in diesem Falle einen gemeinsamen Gattungsnamen geben? – Ja – man könnte es tun. Und was wäre die Ähnlichkeit die einen dazu bewegte?
Nun die Techniken haben eine äußere Ähnlichkeit. (Gleichsam wie Apparate, oder Futterale von Apparaten.) Eine Ähnlichkeit ist natürlich, daß jede von ihnen eine besondere & immer gleichbleibende Zahlenfolge erzeugt.
What if the irrational numbers were rarities among the rational ones? So that one could say, for example: among the rational numbers there are 50 irrational ones scattered about. Or also: there are 50 series of irrational numbers. Why should one give them a common generic name in this case? – Yes – one could do so. And what would be the similarity that prompted one to do so?
Well, the techniques have an external similarity. (Much like apparatus, or cases for apparatus.) One similarity is, of course, that each of them generates a specific and always constant sequence of numbers.
§RFM V
17[2]Der Begriff des Limes & der Stätigkeit, wie sie heute eingeführt werden, hängen, ohne daß dies ausgesprochen wird mit dem Begriff des Beweises zusammen. Denn wir sagen , wenn bewiesen werden kann, daß … Das heißt, wir gebrauchen Begriffe, die unendlich viel schwerer zu fassen sind als die, die wir offen herzeigen.
The concepts of the limit and continuity, as they are introduced today, are implicitly linked to the concept of proof. For we say when it can be proven that … That is to say, we use concepts that are infinitely more difficult to grasp than those we openly present.
§
17[3] &18[1]
Die Definition der Kontinuität hat zwar eine extensionale Illustration aber nicht eine extensionale Anwendung. Eine Gerade der ein Punkt fehlt – – –
The definition of continuity has an extensional illustration but not an extensional application. A straight line missing a point – – –
§
18[2]Kann denn aber eine Erlaubnis nicht kontinuierlich sein?
But can a permission not be continuous?
§
18[3] &19[1]
Denk Dir eine Maschine: wenn ich in sie Zahlwörter hineinspreche, so gibt sie mir Zahlwörter zur Antwort. Und ein Mensch kann ja so eine Maschine sein. Denn die Rechnung, durch die er etwa seine Antwort erhält braucht mich nichts anzugehen & ich brauche sie nicht zu verstehen.
Imagine a machine: if I speak number words into it, it gives me number words in response. And a human being can be such a machine. Because the calculation through which it obtains its answer need not concern me, & I do not need to understand it.
§
19[2] &20[1]
Könnte man nun durch Beobachtung solcher Maschinen zu den Begriffen des Limes, der Kontinuität etc. gelangen, – wenn auch nur, zur Bildung von Hypothesen über ihr Verhalten? Hätte es z.B. Sinn von einer solchen Maschine zu sagen daß sie, so & so eingestellt, auf ins Unbegrenzte wachsende Zahlen, mit Zahlen antwortet die sich unbegrenzt der 0 nähern.
Könnte man, z.B., das Verhalten so einer Maschine hypothetisch dahin beschreiben daß sie unbegrenzt auf Zahlen, je größer diese werden mit Zahlen antwortet die sich mehr & mehr der Null nähern.
Could one now, through observation of such machines, arrive at the concepts of the limit, continuity, etc.—even if only to form hypotheses about their behavior? Would it make sense, for example, to say of such a machine that, when set up in a certain way, it responds to numbers growing to infinity with numbers that approach 0 infinitely.
Could one, for example, hypothetically describe the behavior of such a machine as responding to numbers—the larger they become—with numbers that approach zero more and more closely?
§RFM V
20[2] &21[1] &
21[2] &
22[1]
12.01.1943
Die irreführende Idee in der D'schen extensionalen Auffassung ist, daß die reellen Zahlen in der Zahlenlinie alle ausgebreitet da liegen. – Man kennt sie nicht alle, aber was macht das? Und so braucht man nur zu schneiden, oder in Klassen teilen & hat sie alle geteilt, die bekannten & die unbekannten.
Das Irreführende an der D'schen extensionalen Auffassung ist die Idee daß die reellen Zahlen in der Zahlenlinie ausgebreitet daliegen. Man mag sie kennen oder nicht; das macht nichts. Und so braucht man nur zu schneiden, oder in Klassen teilen & has dealt with them all.
12.01.1943
The misleading idea in D's extensional view is that the real numbers are all spread out there in the number line. – One does not know them all, but what does that matter? And so one only has to cut, or divide into classes, & one has divided them all, the known ones & the unknown ones.
The misleading thing about D's extensional view is the idea that the real numbers are spread out there in the number line. One may or may not know them; that makes no difference. And so one only has to cut, or divide into classes, & has dealt with them all.
§RFM V
22[2] &23[1]
Es ist durch die Kombination der Rechnung & der Konstruktion, daß man die Idee erhält es müßte auf der Geraden ein Punkt ausgelassen werden, nämlich P,
wenn man nicht die √2 als ein Maß der Entfernung von O zuließe. ‘Denn, wenn ich wirklich genau konstruierte, so müßte dann der Kreis die Gerade zwischen ihren Punkten hindurch schneiden’.
It is through the combination of calculation & construction that one obtains the idea that a point must be omitted on the line, namely P,
if one does not allow √2 as a measure of the distance from O. ‘For, if I really constructed it accurately, then the circle would have to cut the line between its points’.
§RFM V
23[2]Das ist ein schrecklich verwirrendes Bild.
This is a terribly confusing picture.
§RFM V
23[3]15.01.1943
Die irrationalen Zahlen sind – könnte man sagen – Einzelfälle.
15.01.1943
The irrational numbers are – one might say – isolated cases.
§
23[4]Warum sollte ich nicht die Regeln welche alle die gleiche Entwicklung ergeben in größere & kleinere teilen?
Why should I not divide the rules, which all produce the same development, into larger & smaller ones?
§RFM V
24[1]18.01.1943
Was ist die Anwendung des Begriffes der Geraden, der ein Punkt fehlt? Die Anwendung muß ‘hausbacken’ sein. Der Ausdruck “Gerade, der ein Punkt fehlt” ist ein fürchterlich irreleitendes Bild. Der klaffende Spalt zwischen Illustration & Anwendung.
18.01.1943
What is the application of the concept of a line from which a point is missing? The application must be ‘down-to-earth’. The expression “line from which a point is missing” is a terribly misleading picture. The gaping chasm between illustration & application.
§
24[2] &25[1]
19.01.1943
Soll man sagen, zur Beurteilung der Kontinuität einer Kurve sei die x- & y-Achse das Vergleichsobjekt? Das heißt, gleichsam: was so ist wie die x-Achse, ist kontinuierlich.
19.01.1943
Should one say that, in assessing the continuity of a curve, the x- and y-axes are the object of comparison? That is, as it were: what is like the x-axis is continuous.
§
25[2]Oder wie, wenn ich Stätigkeit der Bewegung auf der x-Achse definierte?
Diese ‘Bewegung’ eines Punktes auf der x-Achse würde einer Zahlenfolge entsprechen mit einem Zeichen, welches anzeigen soll, daß die Pfeile zusammenhängen. (Also z.B. [C; 0,7,1,4,2,5˙5,4˙2])
Or how about if I defined the continuity of motion on the x-axis?
This ‘motion’ of a point on the x-axis would correspond to a sequence of numbers with a sign that indicates that the arrows are connected. (So, for example, [C; 0,7,1,4,2,5˙5,4˙2])
§
25[3] &26[1]
Kann man als Hypothese annehmen, ein Vorgang werde ohne Ende weiterlaufen? Kann man also z.B. von meinen Rechenmaschinen annehmen, sie werden, wenn nichts sie stört, ohne Ende Ziffern auf Ziffern liefern?
Can we assume as a hypothesis that a process will continue indefinitely? Can we, for example, assume that my calculating machines, if nothing interferes with them, will produce digits upon digits indefinitely?
§
26[2] &27[1]
Wenn man den allgemeinen Kalkül der Funktionen als die allgemeine Form einer Menge existierender Beispiele, & anderseits als einen Standard zur Klassifikation noch zu erwartender auffaßt –, so erhebt sich die Frage: wie, wenn es, im extremen Fall, gar keine Beispiele gäbe? Welche Rolle könnte dann ein allgemeiner Funktionen-Kalkül spielen?
If one regards the general calculus of functions as the general form of a set of existing examples, and on the other hand as a standard for classifying those yet to be expected—then the question arises: what if, in the extreme case, there were no examples at all? What role could a general calculus of functions play then?
§VB
27[2] &28[1]
20.01.1943
Denk' Dir jemand hätte vor 2000 Jahren die Form
erfunden & gesagt, sie werde einmal die Form eines Instruments der Fortbewegung sein. Oder vielleicht: es hätte jemand den vollständigen Mechanismus der Dampfmaschine konstruiert, ohne die geringste Ahnung, wie er als Motor benützt werden könnte
20.01.1943
Imagine that someone 2000 years ago invented the form
& said that it would one day become the form of an instrument of locomotion. Or perhaps: someone constructed the complete mechanism of the steam engine, without the slightest idea of how it could be used as a motor.
§
28[2]Warum sollte Einer nicht den Russellschen Kalkül erfunden haben können ehe man die Verwendung kannte, die er später erhielt?
Why should someone not have been able to invent the Russell calculus before the use for which it later became known?
§
28[3] &29[1]
Was für Sätze widersprechen sich denn im Russellschen Widerspruch? Erfahrungssätze? Mathematische Sätze?
What kind of sentences contradict each other in the Russell paradox? Sentences about experience? Mathematical sentences?
§
29[2]Ich sage: Als Abkürzung für ‘~f(f)’ führe ich ‘F(f)’ ein– – dann muß ich folgerecht ‘~F(F)’ abkürzen: ‘F(F)’. D.h., diese Abkürzung führt zu der, das Verneinungszeichen in einem Satz auszulassen. Oder, wenn Du willst, dazu: den positiven & den negativen Satz gleich zu schreiben.
I say: As an abbreviation for ‘~f(f)’ I introduce ‘F(f)’ – then I must logically abbreviate ‘~F(F)’ as ‘F(F)’. That is, this abbreviation leads to the omission of the negation sign in a sentence. Or, if you will, to: writing the positive & the negative sentence the same.
§
30[1]‘’ heißt: Es gibt beweisbar algebraisch für beliebiges δ eine Funktion
g(δ), so daß
❘Φ(n) ‒ ℓ❘ < δ,
für jedes n ≧ g(δ)
‘’ means: there exists a function g(δ) for any δ, which can be proven algebraically, such that
❘Φ(n) ‒ ℓ❘ < δ,
for every n ≧ g(δ)
§
30[2] &31[1]
‘’ heißt: Zwischen zwei Funktionen, Φ(n) & g(x), besteht die Relation: Wenn n ≧ g(x) ist, ist
❘Φ(n) ‒ ℓ❘ < x
‘’ means: between two functions, Φ(n) & g(x), there is the relation: if n ≧ g(x), then
❘Φ(n) ‒ ℓ❘ < x
§
31[2]§
31[3]Eigentlich ist der Ausdruck “” nur dann treffend, wenn die Bedingung gegeben ist, daß für kein n φ(n) = ℓ wird.
Actually, the expression “” is only accurate if the condition holds that for no n is φ(n) = ℓ.
§RFM V
31[4] &32[1]
Wenn man sich den allgemeinen Funktionen-Kalkül ohne die Existenz von Beispielen denkt, dann sind eben die vagen Erklärungen durch Wertetafeln & Zeichnungen, wie man sie in den Lehrbüchern findet, am Platz, als Andeutungen, wie etwa diesem Kalkül einmal ein Sinn gegeben werden möchte.
If one conceives of general functional calculus without the existence of examples, then the vague explanations provided by truth tables and diagrams, as found in textbooks, are appropriate as hints as to how one might wish to give a sense to this calculus.
§RFM V
32[2]Denk' Dir Einer sagte: “Ich will eine Komposition hören, die so geht:”
Imagine someone said: “I want to hear a composition that goes like this:”
§RFM V
32[3] &33[1]
Müßte das unsinnig sein? Könnte es nicht eine Komposition geben von der sich zeigen ließe daß sie, in irgend einem wichtigen Sinne, dieser Linie entspräche?
Would that be nonsensical? Could there not be a composition from which it could be shown that it, in some important sense, corresponds to this line?
§
33[2]21.01.1943
Eine Definition ist doch gewiß eine Begriffsbestimmung – aber wie ist es mit dem bloßen Schema einer Definition.
21.01.1943
A definition is certainly a determination of a concept – but what about the mere schema of a definition?
§
33[3]Eine Definition muß nicht zur Verkürzung eines Zeichenausdrucks dienen. Sie könnte auch zur Verlängerung oder zur Ersetzung durch ein schöneres Zeichen dienen.
A definition does not necessarily have to serve to shorten an expression. It could also serve to lengthen it or to replace it with a more beautiful expression.
§
34[1]Könnte man sich die Definition im Kalkül nicht ausgelassen denken – & nur die Substitution die ihr entspricht gemacht & nur etwa mit dem Vermerk, dies möge eine gestattete Substitution sein?
Could one not think of the definition in the calculus as being omitted – and only the substitution that corresponds to it being made, and perhaps with the note that this is an allowed substitution?
§
34[2]‘Wer dieser Regel folgt, der folgt auch einer Regel, …’ Z.B.: ‘der folgt auch einer Regel, die verbietet, daß …’
‘Whoever follows this rule also follows a rule, …’ For example: ‘whoever follows a rule that forbids that …’
§
34[3] &35[1]
22.01.1943
Wer eine neue Regel einführt, der führt einen neuen Begriff ein. Denn die neue Regel ist eine neue Art die Dinge zu sehen. –
22.01.1943
Whoever introduces a new rule also introduces a new concept. For the new rule is a new way of seeing things.
§
35[2]Ein unentschiedener Satz der Mathematik ist ein Satz der weder als Regel noch als das Gegenteil einer Regel anerkannt ist & der die Form einer mathem. Regel hat. – Was heißt aber dies letztere? Ist es ein klar umschriebener Begriff?
An undecidable sentence in mathematics is a sentence that is neither recognized as a rule nor as the opposite of a rule, and that has the form of a mathematical rule. But what does this latter mean? Is it a clearly defined concept?
§
36[1]Denke dir den als eine Eigenschaft eines Musikstückes (etwa). Aber natürlich nicht so, daß das Stück unendlich weiterliefe, sondern als eine dem Ohr erkennbare Eigenschaft (gleichsam algebraische Eigenschaft) des Stückes.
Think of as a property of a piece of music (for example). But of course not in the sense that the piece would go on indefinitely, but as a property of the piece that is recognizable to the ear (an algebraic property, as it were).
§RFM V
36[2] &37[1]
Oder wie, wenn man die Stätigkeit als Eigenschaft des Zeichens “x² + y² = z²” ansähe – natürlich nur, wenn diese Gleichung & andere gewohnheitsmäßig einer bestimmten Art der Prüfung unterzogen würden. ‘So stellt sich diese Regel (Gleichung) zu dieser bestimmten Prüfung.’ Eine Prüfung die mit einem Streifblick auf eine Art Extension geschieht.
Or as if one were to regard finiteness as a property of the expression “x² + y² = z²”—of course, only if this equation and others were habitually subjected to a certain kind of examination. ‘Thus does this rule (equation) present itself to this particular examination.’ An examination that takes place with a glance at a kind of extension.
§RFM V
37[2] &38[1]
Es wird bei jener Prüfung der Gleichung etwas vorgenommen was mit gewissen Extensionen zusammenhängt. Aber nicht als handelte es sich da um eine Extension, die der Gleichung selbst irgendwie äquivalent wäre. Es wird nur auf gewisse Extensionen sozusagen, angespielt. – Nicht die Extension ist hier das Eigentliche, das nur faute de mieux intensional beschrieben wird; sondern die Intension wird beschrieben – oder dargestellt – vermittels gewisser Extensionen, die sich da & dort aus ihr ergeben.
In that examination of the equation, something is undertaken that is connected with certain extensions. But not as if it were an extension that would in some way be equivalent to the equation itself. It merely alludes, so to speak, to certain extensions. – It is not the extension that is the essential element here, which is described intensionally only faute de mieux; rather, the intension is described—or represented—by means of certain extensions that arise from it here and there.
§RFM V
38[2] &39[1]
Der Verlauf gewisser Extensionen wirft ein Streiflicht auf die algebraische Eigenschaft der Funktion. In diesem Sinne könnte man also sagen, es werfe die Zeichnung einer Hyperbel ein Streiflicht auf die Hyperbelgleichung.
The course of certain extensions casts a glancing light on the algebraic property of the function. In this sense, one could say that the sketch of a hyperbola casts a glancing light on the hyperbola equation.
§RFM V
39[2]Dem widerspricht nicht, daß jene Extensionen die wichtigste Anwendung der Regel wären; denn es ist eines eine Ellipse zeichnen, & ein anderes, sie mittels ihrer Gleichung konstruieren.
This is not contradicted by the fact that those extensions would be the most important application of the rule; for it is one thing to draw an ellipse, and another to construct it by means of its equation.
§RFM V
39[3] &40[1]
25.01.1943
Wie, wenn ich sagte: Die extensionalen Überlegungen (z.B. der Heine-Borelsche Satz) zeigen: so sollen die Intensionen behandelt werden.
January 25, 1943
As if I were to say: The extensional considerations (e.g., the Heine-Borel theorem) show that this is how intensions should be treated.
§RFM V
40[2]Das Theorem gibt uns, in großen Zügen, eine Methode, wie mit Intensionen zu verfahren ist. Es sagt etwa: ‘So wird es ausschauen müssen’.
The theorem gives us, in broad strokes, a method for dealing with intensions. It says, roughly: ‘This is how it will have to look.’
§RFM V
40[3] &41[1]
Und man wird dann etwa zu einem Verfahren mit bestimmten Intensionen eine bestimmte Illustration zeichnen können. Die Illustration ist ein Zeichen, eine Beschreibung, die besonders übersichtlich, einprägsam, ist.
And one will then perhaps be able to draw a particular illustration for a method with certain intensions. The illustration is a sign, a description, that is particularly clear and memorable.
§RFM V
41[2]Die Illustration wird hier eben ein Verfahren angeben.
In this case, the illustration specifies a procedure.
§
41[3]Eine Prozedur.
A procedure.
§RFM V
41[4] &42[1]
26.01.1943
Lehre, wie Figuren in einem Bilde (Gemälde) zu placieren sind, – aus allgemeinen ästhetischen Rücksichten etwa – abgesehen davon, ob diese Figuren nun kämpfen, oder einander liebkosen, etc..
26.01.1943
The teaching of how figures are to be placed in a picture (painting) – from general aesthetic considerations – apart from whether these figures are now fighting or caressing each other, etc.
§RFM V
42[2]Die Lehre von den Funktionen als ein (allgemeines) Schema, in das, einerseits, eine Unmenge von Beispielen paßt, & das, anderseits, als ein Standard zur Klassifikation von Fällen aufgestellt ist.
The doctrine of functions as a (general) schema into which, on the one hand, a multitude of examples fit, & which, on the other hand, is established as a standard for the classification of cases.
§RFM V
42[3] &43[1]
Das Irreführende der üblichen Darstellung besteht darin, daß es scheint, als ließe sich die allgemeine auch ohne alle Beispiele, ohne einen Gedanken an Intensionen (im Plural) ganz verstehen, da sich eigentlich alles extensional abmachen ließe, wenn es aus äußeren Gründen nicht unmöglich wäre.
The misleading aspect of the usual representation consists in the fact that it seems as if the general case could be completely understood even without any examples, without a thought for intentions (in the plural), since in principle everything could be settled extensionally if it were not impossible for external reasons.
§RFM V
43[2]27.01.1943
Vergleiche die beiden Formen der Erklärung:
“Wir sagen ,
wenn es sich zeigen läßt, daß ‥‥”, & “ heißt:
es gibt für jedes ε ein δ‥‥”
27.01.1943
Compare the two forms of explanation:
“We say ,
if it can be shown that ‥‥”, & “ means:
for every ε there is a δ‥‥”
§
43[3] &44[1]
Die Möglichkeit der math. Induktion liegt im Wesen der Regel & der Technik, einer Regel zu folgen.
The possibility of mathematical induction lies in the essence of the rule & the technique of following a rule.
§
44[2]Nach einer allgemeinen Darstellung der Lehre vom Limes (z.B.) könnte man sagen: ‘Du wirst nun sehen, wie fruchtbar diese Überlegungen sind’. – Denn sie bringen, sozusagen, unerwartete Früchte.
After a general presentation of the doctrine of the limit (e.g.), one could say: ‘You will now see how fruitful these considerations are’. – Because they yield, as it were, unexpected results.
§
44[3]“Ich kann jedes ∆ durch ein n² übersteigen” – was für eine Art Satz ist das?
“I can exceed every ∆ by an n²” – what kind of sentence is that?
§
45[1]Man kann sich dabei einfach die unendliche Extension der Quadrate vorstellen, oder aber auch die Methode, zu jeder Zahl eine zu finden deren Quadrat sie übersteigt.
One can simply imagine the infinite extension of the squares, or also the method of finding a number for each number whose square exceeds it.
§
45[2] &46[1]
Der Ausdruck “wie groß auch immer” & das “→ ∞” beziehen sich auf eine bestimmte Verwendungsweise. Wenn man nämlich sagen will: Je weiter Du (auf der x-Achse) gehst desto mehr nähert sich die Kurve der Linie … ohne sie aber zu erreichen; gehst Du noch weiter, so wird die Kurve ihr noch näher kommen. Endlich werden deine Augen auslassen & die Annäherung nicht mehr erkennen lassen.
The expression “however large” & the “→ ∞” refer to a specific use. For if one wants to say: The further you go (on the x-axis) the more the curve approaches the line… without, however, reaching it; if you go further, the curve will come even closer to it. Finally, your eyes will give up & no longer be able to detect the approximation.
§
46[2] &47[1]
28.01.1943
Das Erreichen der Genauigkeitsgrenze ist mit bestimmten Phänomenen verbunden. D.h., es gewährt ein gewisses Bild, sieht so & so aus.
28.01.1943
Reaching the limit of accuracy is associated with certain phenomena. That is, it provides a certain picture, looks like this and so.
§
47[2]Wie soll es heißen: –
a) ‘’, oder
b) ‘für jedes u läßt sich ein n finden, für welches ’?
How should it be phrased: –
a) ‘’, or
b) ‘for every u, a number n can be found for which ’?
§
47[3]Vor allem: der zweite Satz ist auch ein mathematischer Satz. Denn er bezieht sich nicht auf den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnis, sondern auf bestimmte mathem. Methoden.
Above all: the second sentence is also a mathematical sentence. Because it does not refer to the current state of our knowledge, but to certain mathematical methods.
§RFM V
47[4] &48[1] &
49[1]
01.02.1943
Ein Beweis, daß 777 in der Entwicklung von π vorkommt, der nicht zeigt, wo, müßte diese Entwicklung von einem ganz neuen Standpunkt ansehen, sodaß er etwa Eigenschaften von Regionen der Entwickelung zeigte von denen wir nur wüßten, daß sie sehr weit entfernt liegen. Es schwebt mir dabei vor daß man sehr weit draußen in π sozusagen eine dunkle Zone von unbestimmter Länge annehmen müßte, wo unsere Rechenhilfsmittel nicht mehr verläßlich sind & noch weiter draußen dann eine Zone, wo man auf andere Weise wieder etwas sehen kann.
01.02.1943
A proof that 777 occurs in the development of π, which does not show where, would have to view this development from a completely new point of view, so that it shows, for example, properties of regions of the development of which we only know that they lie very far away. I have in mind that one would have to assume a dark zone of indefinite length very far out in π, where our calculating aids are no longer reliable, & even further out then a zone where one can again see something in another way.
§
49[2]02.02.1943
Eine Ziffernreihe die nach einem quasi ästhetischen Prinzip fortgesetzt wird. Gegeben ist etwa der Anfang 4831, & nun fragt man: ‘was für eine weitere Ziffer fordert diese Zifferngruppe?’
02.02.1943
A sequence of digits that is continued according to a quasi-aesthetic principle. Given is, for example, the beginning 4831, & now one asks: ‘what further digit demands this sequence of digits?’
§
49[3] &50[1]
Denk Dir eine Regel, die uns, sozusagen, viel zu hoch ist.
(Wie wir etwa ein Musikstück nicht verstehen.)
Imagine a rule that is, so to speak, too advanced for us.
(As with how we don't understand a piece of music.)
§
50[2]Der Begriff der Funktion, wie er eingeführt wird, setzt einen Begriff der mathematischen Operation, oder Ableitung voraus, der zwar durch Beispiele illustriert aber nicht irgendwo scharf gefaßt wurde. Es soll ja eine mathematische Abhängigkeit sein.
The concept of a function, as it is introduced, presupposes a concept of mathematical operation, or derivation, which is illustrated by examples but has not been defined precisely anywhere. It is supposed to be a mathematical dependence.
§
50[3] &51[1]
03.02.1943
Das Benehmen eines Stammes, der nach den äußeren Symptomen zu urteilen, Rechnungen ausführt, die uns aber ganz unverständlich sind.
03.02.1943
The behaviour of a tribe that, judging by the external symptoms, performs calculations that are completely incomprehensible to us.
§
51[2]Farben als Argumente & Funktionswerte.
Colours as arguments & function values.
§
51[3]Beispiele nur um der Phantasie zu helfen. Gleichsam, damit das Schema nicht gänzlich trocken ist.
Examples are only to help the imagination. As if to prevent the scheme from being completely dry.
§
51[4]Denk wieder daran, wieviel Sinn noch in einem Unsinn-Gedicht liegt!
Remember how much sense there still is in a nonsensical poem!
§
52[1]22.02.1943
Ich möchte sagen, daß die sog. Teilung der reellen Zahlen, also der Regeln zur Erzeugung etc., den Begriff solcher Regeln weiter bestimmt.
February 22, 1943
I would like to say that the so-called division of the real numbers, that is, the rules for their generation, etc., further defines the concept of such rules.
§
52[2] &53[1]
Etwa so: ‘Es ist natürlich, zu sagen, daß alles was wir eine solche Regel nennen können rechts oder links von diesem Punkte liegen wird’. Oder: ‘Eine weitere Bestimmung des Begriffes einer solchen Regel ist es, daß sie rechts oder links von diesem Punkte liegen muß’.
For example: ‘It is natural to say that everything that we can call such a rule will lie to the right or left of this point’. Or: ‘A further determination of the concept of such a rule is that it must lie to the right or left of this point’.
§
53[2] &54[1]
23.02.1943
Der Cantorsche Diagonal-Beweis – auch wenn man ihn so formuliert, daß er für ein bestimmtes System unendlicher Dezimalbrüche zeigt, daß es Dezimalbrüche außerhalb des Systems gibt – kann doch als Beweis alle Regeln betreffend aufgefaßt werden, die unendliche Dezimalbrüche erzeugen. D.h., die Unbestimmtheit des Begriffes solcher Regeln scheint uns hier nicht zu stören. Wenn der Beweis gezeigt hat, daß man aus dem System der Regeln √2, (√2)³, (√2)⁵, … eine Regel ableiten kann die nicht zum System gehört, dann wollen wir sagen: “& das muß also für alle Systeme solcher Regeln gelten”. –
23.02.1943
Cantor's diagonal proof – even if one formulates it in such a way that it shows for a specific system of infinite decimal fractions that there are decimal fractions outside the system – can still be understood as a proof concerning all rules that generate infinite decimal fractions. That is to say, the indeterminacy of the concept of such rules does not seem to bother us here. If the proof has shown that one can derive a rule from the system of rules √2, (√2)³, (√2)⁵, … that does not belong to the system, then we want to say: “& this must therefore apply to all systems of such rules”. –
§
54[2]Aber warum muß es? Wie zeigt der Beweis das?
But why must it? How does the proof show that?
§
54[3] &55[1]
Man möchte sagen: “Was der Beweis zeigt gilt für jedes System von Regeln, nicht für ‘alle Systeme’”. Und ebenso: “Jede Regel wird (oder muß) rechts oder links …liegen”, nicht: “Alle Regeln …”. Aber was bedeutet diese Wahl des Ausdrucks?
One would like to say: “What the proof shows applies to every system of rules, not to ‘all systems’”. And likewise: “Every rule will (or must) lie to the right or left …”, not: “All rules …”. But what does this choice of expression mean?
§
55[2]Man will etwa sagen: “Für alles, was man eine ‘Regel’ nennen kann, muß das gelten”. Das hieße, man will die Begriffsbestimmung von einer Aussage, die den Begriff verwendet, trennen.
One wants to say, for example: “For everything that one can call a ‘rule’, this must apply”. This would mean that one wants to separate the conceptual definition from a statement that uses the concept.
§
55[3] &56[1] &
57[1]
24.02.1943
Warum die Parteilichkeit für “irgendein” & gegen “alle”. Die Antwort kommt gewöhnlich darauf hinaus daß “alle” ein falsches Bild heraufbeschwört. Man sagt, das Wort “alle” lasse es so erscheinen, als ob die Regeln (z.B.) alle schon vor uns lägen, wie Äpfel in einer Kiste, und dergl.. Aber was schadet dieses Bild? Regeln sind ja nicht wie Äpfel & sind auch in keiner Art von Kiste, also kann das Bild so keine Verwirrung erzeugen. Es wäre dann höchstens kindisch & unnütz. – Wie aber ist es irreführend?
24.02.1943
Why the partiality for “any” & against “all”. The answer usually comes down to the fact that “all” evokes a false image. One says that the word “all” makes it appear as if the rules (for example) are all already in front of us, like apples in a box, and so on. But what is wrong with this image? Rules are not like apples & are not in any kind of box, so this image cannot create any confusion. At most, it would be childish & useless. – But how is it misleading?
§
57[2]Was schadet es, z.B., zu sagen, Gott kenne alle irrationalen Zahlen? Oder: sie seien schon alle da, wenn wir auch nur gewisse kennen? Warum sind diese Bilder nicht harmlos?
What is wrong with saying, for example, that God knows all irrational numbers? Or: that they are all there, even if we only know certain ones? Why are these images not harmless?
§
57[3]Einmal verstecken sie gewisse Probleme.
First, they conceal certain problems.
§RFM V
57[4] &58[1] &
58[2] &
59[1]
Dedekind gibt ein allgemeines Schema der Ausdrucksweise; sozusagen eine logische Form des Raisonnements. Eine allgemeine Formulierung des Vorgangs. Der Effekt ist ein ähnlicher, wie der der Einführung des Wortes “Zuordnung” zur allgemeinen Erklärung der Funktionen. Es wird eine allgemeine Redeweise eingeführt, die zur Charakterisierung eines mathem. Vorgangs sehr nützlich ist. (Ähnlich wie in der Aristotelischen Logik). Die Gefahr aber ist, daß man mit dieser allgemeinen Redeweise die vollständige Erklärung der einzelnen Fälle zu besitzen glaubt (die gleiche Gefahr wie in der Logik).
Dedekind gives a general scheme of expression; as it were, a logical form of reasoning. A general formulation of the process. The effect is similar to the introduction of the word “mapping” for the general explanation of functions. A general mode of expression is introduced, which is very useful for characterizing a mathematical process. (Similar to Aristotelian logic). But the danger is that one believes that one possesses the complete explanation of the individual cases with this general mode of expression (the same danger as in logic).
§RFM V
59[2] &60[1]
Wir bestimmen den Begriff der Regel zur Bildung eines unendlichen Dezimalbruches weiter & weiter. Aber der Inhalt des Begriffes?! – Nun, können wir denn nicht das Begriffsgebäude ausbauen als Behältnis für welche Anwendung immer daherkommt? Kann ich denn nicht die Form ausbauen (die Form zu der mir irgendein Inhalt die Anregung geboten hat) & gleichsam eine Sprachform vorbereiten für mögliche Verwendung? Denn diese Form wird auch, wenn sie leer bleibt, die Gestalt der Mathematik bestimmen helfen.
We are further and further determining the concept of the rule for forming an infinite decimal fraction. But what about the content of the concept?! – Well, can we not expand the conceptual structure as a container for whatever application comes along? Can I not expand the form (the form to which some content has provided the stimulus) & as it were prepare a linguistic form for possible use? For even if this form remains empty, it will help to determine the shape of mathematics.
§RFM V
60[2]25.02.1943
Ist denn nicht die Subjekt-Prädikat-Form in dieser Weise offen & wartet auf die verschiedensten neuen Anwendungen?
25.02.1943
Is not the subject-predicate form open in this way & waiting for the most diverse new applications?
§RFM V
60[3] &61[1]
D.h.: ist es wahr, daß die ganze Schwierigkeit, die Allgemeinheit des mathem. Funktionsbegriffs betreffend, schon in der Aristotelischen Logik auftritt, da die Allgemeinheit der Sätze & Prädikate von uns ebensowenig überblickt werden kann, wie die der mathem. Funktionen?
That is to say: is it true that the entire difficulty concerning the generality of the mathematical concept of function already arises in Aristotelian logic, since the generality of sentences and predicates can be grasped by us no more than that of mathematical functions?
§
61[2]Wenn ich von der Mathematik sagte, ihre Sätze bilden Begriffe, so ist das vag, denn ‘2 + 2 = 4’ bildet einen Begriff in anderem Sinne, als “p⊃p”, (x).f(x) ⊃ fa, oder der Dedekind'sche Satz.
When I said of mathematics that its propositions form concepts, this is vague, for ‘2 + 2 = 4’ forms a concept in a different sense than “p⊃p”, (x).f(x) ⊃ fa, or Dedekind’s theorem.
§
62[1] &63[1]
Der Begriff der Regel zur Bildung eines unendlichen Dezimalbruchs ist – natürlich – kein spezifisch mathematischer. Es ist ein Begriff in Zusammenhang mit einer bestimmten Tätigkeit im menschlichen Leben. Der Begriff dieser Regel ist nicht mathematischer als der, der Regel zu folgen. Oder auch: dieser letztere ist nicht weniger scharf definiert als der Begriff so einer Regel selbst: – Ja, der Ausdruck der Regel & sein Sinn ist nur ein Teil des Sprachspiels: ‘der Regel folgen’.
The concept of the rule for forming an infinite decimal fraction is—of course—not a specifically mathematical one. It is a concept related to a specific activity in human life. The concept of this rule is no more mathematical than that of following a rule. Or, to put it another way: the latter is no less sharply defined than the concept of such a rule itself: – Indeed, the expression of the rule and its sense are only part of the language-game: ‘following the rule’.
§
63[2]Man kann mit dem gleichen Recht allgemein von solchen Regeln reden, als von den Tätigkeiten ihnen zu folgen.
One can speak of such rules in general terms with just as much justification as one can speak of the activities of following them.
§
63[3] &64[1]
26.02.1943
Man sagt freilich: “das liegt alles schon in unserm Begriff”– von der Regel, z.B. – aber das heißt nur: zu diesen Begriffsbestimmungen neigen wir. Denn was haben wir denn im Kopf, was alle diese Bestimmungen schon enthält?!
February 26, 1943
Of course, one says: “All of that is already contained in our concept”—of the rule, for example—but that only means: we tend toward these definitions. For what do we have in our minds that already contains all these definitions?!
§
64[2]Man könnte sagen: Daß etwas aus dem Begriff zu folgen scheint ist nur der Ausdruck dafür, wie natürlich dieser Übergang für uns ist.
One could say: that something seems to emerge from the concept of following is only the expression of how natural this transition is for us.
§
64[3]Der Begriff des Bruches ein anderer, ehe an ein Ordnen der Brüche in eine Reihe gedacht wird, & danach.
The concept of the fraction is different before and after the idea of ordering the fractions in a series.
§RFM V
64[4] &65[1]
01.03.1943
Begriffe die in ‘notwendigen’ Sätzen vorkommen müssen auch in nicht-notwendigen auftreten & eine Bedeutung haben.
01.03.1943
Concepts that occur in ‘necessary’ sentences must also occur in non-necessary sentences and have meaning.
§
65[2]06.03.1943
Überlege die Idee: Eine Technik, zur Bildung von Zeichen (z.B.), hat eine ihr zugeordnete Anzahl. Wir charakterisieren dann eine endlose Technik durch ein Merkmal das man auch Anzahl nennen kann.
March 6, 1943
Consider the idea: A technique for forming signs (e.g.) has a number assigned to it. We then characterize an endless technique by a feature that can also be called a number.
§
65[3] &66[1]
08.03.1943
Wenn zwei Klassen reeller Zahlen so beschaffen sind, daß die eine ganz oberhalb der andern liegt, daß keine Entfernung zwischen beiden besteht, & daß sie gegen einander zu offen sind, dann liegt eine reelle Zahl zwischen ihnen; & es können nicht zwei reelle Zahlen von verschiedener Größe zwischen ihnen liegen. Man kann das so ausdrücken: es liegt ein & nur ein reeller Punkt zwischen ihnen.
March 8, 1943
If two classes of real numbers are such that one lies entirely above the other, that there is no distance between them, & that they are open toward one another, then a real number lies between them; & there cannot be two real numbers of different magnitudes lying between them. One can express this as follows: there is one & only one real point between them.
§
66[2]Zwei reelle Punkte sind zwei miteinander vergleichbare reelle Zahlen.
Two real points are two real numbers that are comparable to one another.
§
66[3] &67[1]
Hier ist von einer Teilung aller reellen Zahlen nicht die Rede.
There is no mention here of a division of all real numbers.
§
67[2]Die Idee daß die Untersuchung die ‘Geschlossenheit des Kontinuums’ zeigt scheint mir abgeschmackt.
The idea that the investigation shows the ‘closedness of the continuum’ seems absurd to me.
§
67[3] &68[1]
Die Untersuchung zeigt, daß eine reelle Zahl zwischen den beiden offenen reellen Klassen liegt; nicht, daß ‘nur wiederum eine reelle Zahl zwischen ihnen liegt & nicht etwa eine ganz andere Art von Zahlen’. Denn von einer anderen Art die sich dabei ergeben könnte ist gar nicht die Rede. Und auf die Frage “ergibt sich dabei eine ganz neue Zahlengattung, oder nur wieder eine Zahl der alten Art?” kann man eigentlich gar nichts antworten.
The investigation shows that a real number lies between the two open real classes; not that ‘there is again only a real number between them and not some other kind of numbers’. Because there is no question of another kind that might emerge. And the question “does this result in a completely new kind of number, or only another number of the old kind?” cannot actually be answered.
§
68[2]Die Frage kann etwa sein: “liegt zwischen diesen Klassen noch eine Zahl oder nicht?”. Aber man kann nicht weiter fragen: “und ist es etwa eine ganz neue Art?” weil wohl eine ganz neue Art auch zwischen ihnen liegen kann, aber das gar nicht untersucht würde.
The question might be: “is there still a number between these classes or not?”. But one cannot ask any further: “and is it perhaps a completely new kind?” because a completely new kind could also lie between them, but this would not be investigated.
§
69[1]Anderseits schließen die reellen Zahlen wirklich ein Kapitel ab – aber wird dies durch den Beweis bewiesen?
On the other hand, the real numbers really do bring a chapter to a close – but is this proven by the proof?
§
69[2] &70[1]
09.03.1943
Die Zahl ist, wie Frege sagt, eine Eigenschaft eines Begriffs ‒ ‒ aber in der Mathematik ist sie ein Merkmal eines mathematischen Begriffs. ist ein Merkmal des Begriffs der Kardinalzahl, – & die Eigenschaft einer Technik. ist ein Merkmal des Begriffs des unendlichen Dezimalbruchs; aber wovon ist diese Zahl eine Eigenschaft. D.h.: von welcher Art von Begriff kann man sie empirisch aussagen?
March 9, 1943
The number is, as Frege says, a property of a concept ‒ ‒ but in mathematics it is a characteristic of a mathematical concept. is a characteristic of the concept of the cardinal number, – & the property of a technique. is a characteristic of the concept of the infinite decimal fraction; but of what is this number a property? That is to say: of what kind of concept can it be empirically stated?
§
70[2]ist die Zahl, das Merkmal, einer besonderen Unbestimmtheit.
is the number, the characteristic, of a particular indeterminacy.
§VB
70[3]04.04.1943
Was Du für ein Geschenk hältst, ist ein Problem das Du lösen sollst.
04.04.1943
What you consider a gift is a problem you have to solve.
§VB
70[4]Genie ist das, was uns das Talent des Meisters vergessen macht.
Genius is what makes us forget the talent of the master.
§VB
70[5] &71[1]
Genie ist das, was uns das Talent vergessen macht.
Genius is what makes us forget the talent.
§VB
71[2]Wo das Genie dünn ist kann das Geschick durchschauen. (Meistersinger Vorspiel.)
Where genius is lacking, one can see through the skill. (From the Meistersinger prelude.)
§VB
71[3]Genie ist das, was macht daß wir das Talent des Meisters nicht sehen können.
Genius is what makes it so that we cannot see the master’s talent.
§VB
71[4]Nur wo das Genie dünn ist, kann man das Talent sehen.
Only where genius is lacking can one see the talent.
§VB
72[1] &73[1]
27.02.1944
Warum soll ich nicht Ausdrücke entgegen ihrem ursprünglichen Gebrauch verwenden? Tut das z.B. nicht Freud, wenn er auch einen Angsttraum einen Wunschtraum nennt? Wo ist der Unterschied? In der wissenschaftlichen Betrachtung ist der neue Gebrauch durch eine Theorie gerechtfertigt. Und ist diese Theorie falsch, dann ist auch der neue, ausgedehnte Gebrauch aufzugeben. In der Philosophie aber sind es nicht wahre oder falsche Meinungen über Naturvorgänge, auf die sich der ausgedehnte Gebrauch stützt. Keine Tatsache rechtfertigt ihn (&) keine kann ihn stützen.
27.02.1944
Why shouldn’t I use expressions contrary to their original use? Doesn’t Freud, for example, do this when he calls a frightening dream a wish dream? What is the difference? In scientific consideration, the new use is justified by a theory. And if this theory is false, then the new, expanded use should also be abandoned. But in philosophy, it is not true or false opinions about natural phenomena on which the expanded use is based. No fact justifies it & no fact can support it.
§VB
73[2] &74[1]
Wir sagen: “Du verstehst doch diesen Ausdruck? Nun, so wie Du ihn immer verstehst, so gebrauche auch ich ihn.” [Nicht: “… in der Bedeutung …”]
Als wäre die Bedeutung eine Aura, die das Wort in jederlei Verwendung herübernimmt.
We say: “You understand this expression, don’t you? Well, use it as you always understand it, and that is how I will use it.” [Not: “… in the meaning…”]
As if the meaning were an aura that the word carries over into every kind of use.
§
74[2]28.02.1944
Ein Traum: Mir fiel das Wort “Feura Eisen Krieg” ein, das ich in meiner Jugend viel gehört habe. Es heißt eigentlich ‘Feuer & Eisen Krieg’ & bezieht sich auf irgend einen Krieg im letzten Jahrhundert in der Zeit ungefähr des österreichisch-preußischen. Die Generation meiner älteren Geschwister und Cousins (Robby) habe oft vom ‘Feura Eisen Krieg’ gesprochen. Ich denke, wie viele Wörter man heute nicht mehr hört, die damals gang & gäbe waren die Konversation charakterisiert haben.
28.02.1944
A dream: I remembered the words “Fire & Iron War”, which I often heard in my youth. It actually means ‘Fire & Iron War’ & refers to some war in the last century, around the time of the Austro-Prussian War. My older siblings and cousins (Robby) often spoke of the ‘Fire & Iron War’. I think of how many words one no longer hears today, which were common at the time and characterized the conversation.
§
74[3] &75[1]
29.02.1944
Wer sagt, daß er den Satz “ich sehe dies” (oder “dies ist hier”, oder “ich bin hier”) versteht, & daß also dieser Satz Sinn hat, der rufe sich die besonderen Umstände ins Gedächtnis in denen diese Sätze (außerhalb der Philosophie) gebraucht werden. In diesem Zusammenhang haben sie freilich Sinn.
29.02.1944
Whoever says that he understands the sentence “I see this” (or “this is here”, or “I am here”), and that therefore this sentence has sense, should recall the particular circumstances in which these sentences are used (outside of philosophy). In this context, they certainly have sense.
§
75[2] &76[1]
01.03.1944
Log. Phil. Abh. (4˙22) Der Elementarsatz … ist … eine Verkettung von Namen. 3˙21 Der Konfiguration der einfachen Zeichen im Satzzeichen entspricht die Konfiguration der Gegenstände in der Sachlage.
3˙22 Der Name vertritt im Satz den Gegenstand.
3˙14 Das Satzzeichen besteht darin, daß sich seine Elemente, die Wörter, in ihm auf bestimmte Art & Weise zu einander verhalten. Das Satzzeichen ist eine Tatsache.
2˙03 Im Sachverhalt hängen die Gegenstände ineinander, wie die Glieder einer Kette.
2˙0272 Die Konfiguration der Gegenstände bildet den Sachverhalt.
2˙01 Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen.)
01.03.1944
Log. Phil. Abh. (4.22) The elementary proposition … is … a linkage of names. 3.21 The configuration of simple signs in the sign corresponds to the configuration of objects in the state of affairs.
3.22 The name stands for the object in the sentence.
3.14 The sign is composed in such a way that its elements, the words, are related to one another in it in a specific way. The sign is a fact.
2.03 In the state of affairs, the objects are connected with one another, like the links of a chain.
2.0272 The configuration of objects forms the state of affairs.
2.01 The state of affairs is a combination of objects (things).
§
76[2] &77[1]
Die sprachwidrige Verwendung des Wortes “Gegenstand” & “Konfiguration”! Eine Konfiguration kann aus Kugeln in gewissen räumlichen Beziehungen bestehen; aber nicht aus den Kugeln und ihren räumlichen Beziehungen. Und wenn ich sage: “ich sehe hier drei Gegenstände”, so meine ich nicht: zwei Kugeln & ihre gegenseitige Lage.
The ungrammatical use of the word “object” & “configuration”! A configuration can consist of balls in certain spatial relations; but not of the balls and their spatial relations. And when I say: “I see three objects here,” I do not mean: two balls & their mutual arrangement.
§
77[2] &78[1]
Man kann allerdings, für Andere verständlich, von Kombinationen von Farben mit Formen sprechen (der Farben rot & blau, z.B., mit den Formen Quadrat & Kreis) & von Kombinationen verschiedener Formen mit (verschiedenen) Lagebeziehungen (übereinander, nebeneinander etc.). Und hier ist eine Wurzel meines schiefen Ausdrucks.
One can, however, speak, in a way understandable to others, of combinations of colors with shapes (the colors red & blue, for example, with the shapes square & circle) & of combinations of different shapes with (different) spatial relations (on top of each other, next to each other, etc.). And here is a root of my twisted expression.
§
78[2] &79[1]
Wenn wir unsere Sätze umformen: “die Flasche hat die Eigenschaft Blau” sagen, statt “die Flasche ist blau”; “die Flasche steht zum Glase in der Beziehung Rechts”, statt “die Flasche steht rechts vom Glase” u.s.f. – so kann es scheinen den Anschein gewinnen, als sei jeder Satz eine Verbindung von Namen. Denn alle Wörter mit, sozusagen, materieller Bedeutung erscheinen hier verstreut in einem Netz rein logischer Beziehungen. Und wieder: Allen Wörtern im Satz entsprechen Gegenstände. Z.B. im Satz “Peter ißt drei Äpfel” bezeichnet “Peter” das, “ißt” das, “drei” das & “Äpfel” das.
When we reformulate our sentences: saying “the bottle has the property of being blue” instead of “the bottle is blue”; “the bottle is in relation to the glass in the relation of being to the right,” instead of “the bottle is to the right of the glass,” etc. – it may seem as if every sentence is a combination of names. Because all the words with, so to speak, material meaning appear here scattered in a network of purely logical relations. And again: All the words in the sentence correspond to objects. For example, in the sentence “Peter eats three apples,” “Peter” designates that, “eats” that, “three” that, & “apples” that.
§
79[2]Ein Bild ‥‥‥ wiederholen.
A picture ‥‥‥ repeat.
§
79[3] &80[1]
Wenn Einer z.B. sagt, der Satz “Dies ist hier” (wobei er auf einen Gegenstand zeigt) habe für ihn Sinn, so möge er sich fragen, unter welchen besonderen Umständen man diesen Satz verwendet. In diesen hat er dann Sinn.
When someone says, for example, that the sentence “This is here” (while pointing to an object) has meaning for him, he should ask himself under what particular circumstances this sentence is used. In these circumstances, it then has meaning.
§
80[2]03.03.1944
+ Und warum soll man hier nicht das Vorschweben eines Phantasiebildes durch das Sehen eines gemalten Bildes ersetzen können? Ist das letztere etwa zu lebhaft?
March 3, 1944
+ And why should one not be able to replace the mental image of a fantasy by seeing a painted picture? Is the latter perhaps too vivid?
§RFM IV
80[3] &81[1]
04.03.1944
“Warum soll es in der Mathematik keinen Widerspruch geben dürfen?” – Nun, warum darf es in unsern einfachen Sprachspielen keinen geben? (Da besteht doch gewiß ein Zusammenhang.) Ist das also ein Grundgesetz, das alle denkbaren Sprachspiele beherrscht?
04.03.1944
“Why shouldn't there be a contradiction in mathematics?” – Well, why shouldn't there be one in our simple language-games? (Surely there is a connection.) Is this then a fundamental law that governs all conceivable language-games?
§RFM IV
81[2]Angenommen ein Widerspruch in einem Befehl z.B. bewirkt Staunen & Unentschlossenheit – & nun sagen wir: das eben ist der Zweck des Widerspruchs in diesem Sprachspiel.
Suppose a contradiction in an order, for example, causes amazement & indecision – and now we say: that is precisely the purpose of the contradiction in this language-game.
§RFM IV
81[3]Es ist eines eine mathem. Technik zu gebrauchen, die darin besteht, den Widerspruch zu vermeiden, & ein anderes gegen den Widerspruch in der Mathematik überhaupt zu philosophieren.
It is one thing to use a mathematical technique that consists in avoiding contradiction, and quite another to philosophize against contradiction in mathematics in general.
§VB
82[1]Friede in den Gedanken.
Peace in one’s thoughts.
§
82[2]A hat beim Bauen die Länge & Breite einer Fläche gemessen & gibt dem B einen Befehl der Form “Bring mir 15 × 18 Platten”. B ist dazu abgerichtet 15 mit 18 auf dem Papier zu multiplizieren & dem Resultat entsprechend eine Menge von Platten abzuzählen.
A, while building, measured the length & width of an area & gives B an order of the form “Bring me 15 × 18 plates”. B is trained to multiply 15 by 18 on paper & to count out a number of plates corresponding to the result.
§
82[3]Der Satz 15 × 18 = – – – – braucht natürlich nie ausgesprochen zu werden.
The sentence 15 × 18 = – – – – naturally never needs to be uttered.
§
82[4] &83[1]
Sagt denn der Widerspruch nichts? Nun, macht er mich auf nichts aufmerksam?!
Does the contradiction say nothing? Well, does it not draw my attention to anything?!
§RFM IV
83[2]Der Widerspruch. Warum grad dieses eine Gespenst? Das ist doch sehr verdächtig.
The contradiction. Why precisely this one ghost? That is very suspicious.
§RFM IV
83[3]Warum sollte eine Rechnung zu einem praktischen Zweck angestellt die einen Widerspruch ergibt mir nicht sagen: “Tu wie Dir's beliebt, ich die Rechnung entscheide darüber nicht.”?
Why should a calculation carried out for a practical purpose, which yields a contradiction, not say to me: “Do as you please; the calculation does not decide that.”?
§RFM IV
83[4]Der Widerspruch könnte als Wink der Götter aufgefaßt werden, daß ich handeln soll & nicht überlegen.
The contradiction could be understood as a hint from the gods that I should act & not deliberate.
§
83[5] &86[1]
‘Es gibt eine Klasse von Klassen, aber nicht einen Löwen von Löwen.’
‘There is a class of classes, but not a lion of lions.’
§
84[2]– – – Um jemand drauf aufmerksam zu machen, daß “Löwe” nicht etwas bezeichnet, was selbst ein Löwe sein kann; “Klasse” aber etwas, was eine Klasse ist.
– – – In order to draw someone’s attention to the fact that “lion” does not designate something that can itself be a lion; “class,” however, designates something that is a class.
§
84[3] &85[1]
Man kann sagen: das Wort ‘Klasse’ wird reflexiv gebraucht; auch dann, z.B. wenn man Russells Theorie der Typen anerkennt. Denn es wird ja auch in ihr reflexiv gebraucht.
One can say: the word ‘class’ is used reflexively; also, for example, when one accepts Russell’s theory of types. Because it is also used reflexively in it.
§
85[2]‘Klassen bilden eine Klasse, Löwen aber keinen Löwen.’
‘Classes form a class, but lions do not form a lion.’
§
85[3]– – – daß ‘Löwe’ & ‘Klasse’ Klassenwörter sind, aber ‘Löwe’ ein Klassenwort, das nicht einen Löwen bezeichnet, ‘Klasse’ aber ein Klassenwort …
– – – that ‘lion’ & ‘class’ are class words, but ‘lion’ is a class word that does not designate a lion, ‘class’ however is a class word …
§
85[4] &86[1]
Die Klasse der Katzen ist keine Katze: Die Bezeichnung “die Klasse der Katzen” wird grundverschieden verwendet von der für eine Katze. – Die Klasse der Klassen ist eine Klasse: es hat Sinn von Klassen von Katzen, Hunden, etc., zu reden & auch von Klassen von Klassen. Und die Verwendung in diesen beiden Fällen ist in vieler Beziehung ähnlich. Es ist also nicht so wie wenn ich sage “Löwe ist ein Löwe” etc. …
The class of cats is not a cat: the designation “the class of cats” is used in a fundamentally different way than the designation for a cat. – The class of classes is a class: it makes sense to speak of classes of cats, dogs, etc., and also of classes of classes. And the usage in these two cases is similar in many respects. So it is not like when I say “a lion is a lion,” etc. …
§
86[2]Was die Katzen ‘bilden’ ist doch nicht eine Katze; aber Klassen bilden eine Klasse.
What the cats ‘form’ is not a cat; but classes form a class.
§
86[3] &87[1]
“Ich lüge immer.” – Du hast Deine eigene Aussage als falsch erwiesen. Denn ist es wahr so hast Du jetzt die Wahrheit gesprochen & lügst nicht immer, ist es aber falsch so lügst Du nicht immer. Wenn ich nun fragte: kann man diesem Menschen trauen?
“I always lie.” – You have shown your own statement to be false. For if it is true, then you have now spoken the truth & do not always lie; but if it is false, then you do not always lie. If I now ask: can one trust this person?
§
87[2]Oder er sagt: “Ich spreche immer die Unwahrheit; nimm also immer das Gegenteil von dem an, was ich sage”. Dies soll eine Regel sein. Wie soll man sich nun nach ihr richten.
Or he says: “I always speak the untruth; therefore always take the opposite of what I say”. This is supposed to be a rule. How is one to act according to it?
§
87[3] &88[1]
Denke Dir ein Spiel das als Orakel verwendet wird; sein Ausgang bestimmt was in einem bestimmten Falle zu geschehen hat. Und nun ändern wir dieses Spiel ohne uns der Folgen bewußt zu sein in solcher Weise ab, daß es widersprechende Entscheidungen gibt. In welcher Situation befinden sich nun diese Menschen? Was sollen sie tun? Sie können diese Variante des Spiels aufgeben & sagen: Das ist kein Orakelspiel. Oder sie können sagen: “Der Gott will zu uns nicht sprechen”; & anderes.
Imagine a game that is used as an oracle; its outcome determines what is to happen in a particular case. And now we change this game without being aware of the consequences in such a way that it gives contradictory decisions. In what situation are these people now? What should they do? They can abandon this variant of the game & say: This is not an oracle game. Or they can say: “The god does not want to speak to us”; & other things.
§RFM IV
88[2] &89[1]
Einer kommt zu Leuten & sagt: “Ich lüge immer”. Sie antworten: “Nun, dann können wir dir trauen!”. – Aber konnte er meinen, was er sagte? Und warum nicht? Gibt es nicht ein Gefühl, man sei unfähig etwas wirklich Wahres zu sagen; sei es was immer. –
Someone comes to people & says: “I always lie.” They reply: “Well, then we can trust you!”. – But could he have meant what he said? And why not? Is there not a feeling that one is incapable of saying anything truly true; whatever it may be. –
§RFM IV
89[2]“Ich lüge immer!” – Nun, & wie war's mit diesem Satz? – “Der war auch gelogen!” – Aber dann lügst du also nicht immer! – “Doch, alles ist gelogen!” Wir würden vielleicht von diesem Menschen sagen, er meint mit “wahr” & mit “lügen” nicht dasselbe was wir meinen. Er meine etwa, alles, was er sage, flimmere; oder nichts komme wirklich vom Herzen.
“I always lie!” – Well, what about this sentence? – “That one was a lie too!” – But then you don’t always lie! – “Yes, everything is a lie!” We might say that this person doesn’t mean the same thing by “true” and “lying” as we do. He might mean that everything he says flickers, or that nothing really comes from the heart.
§RFM IV
89[3] &90[1]
Man könnte auch sagen: sein “ich lüge immer” war eigentlich keine Behauptung. Eher war es ein Ausruf.
One could also say: his “I always lie” wasn’t actually an assertion. Rather, it was an exclamation.
§RFM IV
90[2]Man kann also sagen: “Wenn er jenen Satz nicht ohne Gedanken aussprach, – so mußte er die Worte so & so meinen, er konnte sie nicht auf die gewöhnliche Weise meinen”? aussprechen”?
So one can say: “If he did not utter that sentence without thinking, – then he must have meant the words in such and such a way; he could not have meant them in the usual way”? utter”?
§
90[3]Wenn eine Regel Dich nicht zwingt, so folgst du keiner Regel.
If a rule does not compel you, then you do not follow any rule.
§
90[4]Aber wie soll ich ihr denn folgen; wenn ich ihr doch folgen kann, wie ich will?
But how am I supposed to follow it if I can follow it as I please?
§
91[1]Wie soll ich dem Wegweiser folgen, wenn alles, was ich tue, ein Folgen ist?
How am I supposed to follow the signpost if everything I do is a matter of following?
§
91[2]Aber daß alles auch als ein Folgen gedeutet werden kann, heißt doch nicht, daß alles ein Folgen ist.
But the fact that everything can also be interpreted as following does not mean that everything is following.
§
91[3] &92[1]
Aber wie deutet denn also der Lehrer dem Schüler die Regel? (Denn der soll ihr doch gewiß eine bestimmte Deutung geben.) – Nun, wie anders, als durch Worte & Abrichtung? Und der Schüler hat die Regel (so gedeutet) inne, wenn er so & so auf sie reagiert. Das aber ist wichtig, daß diese Reaktion, die uns das Verständnis verbürgt, nur unter bestimmten Umständen, in der Umgebung bestimmter Lebens- und Sprachformen existieren kann. (Wie es keinen Gesichtsausdruck gibt ohne Gesicht.) (Dies ist eine wichtige Gedankenbewegung.)
But how, then, does the teacher teach the student the rule? (For surely the teacher must give it a specific interpretation.) – Well, how else but through words and training? And the student has grasped the rule (as interpreted) when he reacts to it in such and such a way. But it is important that this reaction, which guarantees our understanding, can exist only under certain circumstances, within the context of specific forms of life and language. (Just as there is no facial expression without a face.) (This is an important train of thought.)
§
92[2] &93[1]
– – – D.h.er kann antworten, wie ein verständiger Mensch & doch das Spiel mit uns nicht spielen.
– – – That is, he can respond as a reasonable person and yet not play the game with us.
§
93[2]– – – Und Denken und Schließen (sowie das Zählen) ist für uns natürlich nicht durch eine willkürliche Definition begrenzt, sondern durch natürliche Grenzen, dem Körper dessen entsprechend was wir die Rolle des Denkens und Schließens in unserm Leben nennen können.
– – – And thinking and reasoning (as well as counting) are not naturally limited by an arbitrary definition, but by natural limits, corresponding to the body of what we can call the role of thinking and reasoning in our lives.
§
93[3] &94[1]
Zwingt mich eine Linie dazu ihr nachzufahren? Nein; aber wenn ich mich dazu entschlossen habe sie so als Vorlage zu gebrauchen, dann zwingt sie mich. – Nein; dann zwinge ich mich, sie so zu gebrauchen. Ich halte mich gleichsam an ihr fest. – Aber wichtig ist hier doch, daß ich sozusagen ein für allemal den Entschluß mit der allgemeinen Deutung fassen kann, & nicht bei jedem Schritt von frischem deute.
Does a line force me to follow it? No; but once I have decided to use it as a guide, then it forces me. – No; then I force myself to use it that way. I cling to it, as it were. – But what is important here is that I can, so to speak, make the decision once and for all with the general interpretation, & not interpret anew at every step.
§
94[2] &95[1]
Die Linie, könnte man sagen, gibt's mir ein, wie ich gehen soll. Aber das ist natürlich nur ein Bild. Und gäbe sie mir jedesmal etwas anderes ein, so folgte ich ihr nicht als Regel. Und was “anderes” & was “das gleiche” heißt, wie ist das zu beurteilen. Rolle der Wörter in unserm Leben.
The line, one might say, tells me how to proceed. But that is, of course, only a metaphor. And if it told me something different each time, I would not follow it as a rule. And what “different” and what “the same” mean—how is that to be judged? The role of words in our lives.
§
95[2]“Die Linie gibt mir ein, wie ich gehen soll”, das ist eigentlich nur eine Paraphrase der Aussage, daß sie mein letztes Kriterium dafür ist wie ich gehen soll.
“The line tells me how to go”—that is really just a paraphrase of the statement that it is my final criterion for how I should go.
§
95[3]– – – und was “anderes” & was “das gleiche” heißt, das kann nun nur noch von der übrigen Verwendung dieser Wörter im Leben abhängen.
– – – and what “different” and what “the same” means, that can only depend on the rest of the use of these words in life.
§
95[4] &95[1]
Wann sagen wir, daß Leute in ihrer Ausdrucksweise übereinstimmen? – Nun was kann die Sprache hier sagen? Etwa, daß sie alle diese Farbe “rot” nennen, dieses Ding “einen Tisch”, diese Dinge als “gleich” oder “übereinstimmend” beschreiben, u.s.f.
When do we say that people agree in their way of expressing themselves? – Now, what can language say here? For example, that they all call this color “red,” this thing “a table,” and describe these things as “equal” or “consistent,” etc.
§
96[2]“– – und gäbe sie mir jedesmal etwas andres ein – – –”. Das heißt ja doch: nur dann ist sie meine Regel, wenn sie mir etwas regelmäßiges eingibt! Und das heißt doch nichts.
“– – and gave me something different every time – – –”. That means, after all: it is only my rule if it gives me something with regularity! And that means nothing.
§
96[3] &97[1]
Denke Dir einer folgte einer Linie als Regel auf diese Weise: Er hält einen Zirkel dessen eine Spitze er der Linie entlang führt während die andere Spitze eben die neue Linie zeichnet, die der Regel folgt. Und wie er so der Regel-Linie entlang geht öffnet & schließt er den Zirkel anscheinend mit großer Genauigkeit wobei er immer auf die Regel schaut als bestimme sie was er tut. Wir nun, die wir ihm zuschauen, sehen keinerlei Regelmäßigkeit in seinem Folgen. Wir glauben ihm aber die Linie habe ihm eingegeben was er tat.
Imagine someone following a line as a rule in this way: He holds a compass, one point of which he guides along the line while the other point draws the new line that follows the rule. And as he walks along the rule line, he apparently opens and closes the compass with great precision, always looking at the rule as if it determined what he does. We, who watch him, see no regularity in his following. But we believe that the line gave him the way to act.
§
97[2]Wir würden hier wirklich sagen: Die Vorlage scheint ihm einzugeben wie er zu gehen hat. Aber sie ist keine Regel.
We would really say here: The template seems to give him a way to walk. But it is not a rule.
§
98[1]– – – das kann nur das Leben entscheiden.
– – – that can only be decided by life.
§
98[2]Nimm an Einer folgt der Reihe x = 1, 3, 5, 7, … indem er die Reihe der y = x² + 1 hinschreibt; & er fragte sich: “aber tue ich auch immer das Gleiche, oder jedesmal etwas anderes?”
Suppose someone follows the sequence x = 1, 3, 5, 7, … by writing down the sequence y = x² + 1; and he asks himself: “But am I always doing the same thing, or something different each time?”
§
98[3]“Das Gleiche tun” ist mit “der Regel folgen” verknüpft.
“Doing the same thing” is linked to “following the rule”.
§
98[4]Wie ist das zu entscheiden, ob er immer das gleiche tut wenn er sich von der Linie eingeben läßt wie er gehen soll?
How is it to be decided whether he always does the same thing when he lets the line dictate how he should proceed?
§
99[1]Wollte ich nicht sagen: nur das gesamte Bild der Verwendung des Wortes gleich in seiner Verwebung mit den Verwendungen der andern Wörter kann entscheiden, ob er das Wort verwendet wie wir?
Didn’t I want to say: only the complete picture of the use of the word, in its interweaving with the uses of the other words, can decide whether he is using the word as we do?
§
99[2] &100[1]
Tut er nicht immer das Gleiche, nämlich, es sich von der Linie eingeben zu lassen, wie er gehen soll? Wie aber, wenn er sagt, die Linie gebe ihm einmal dies einmal jenes ein? Könnte er nun nicht sagen: er tue in einem Sinne immer das Gleiche, aber einer Regel folge er doch nicht? Und kann aber auch nicht der, der einer Regel folgt, doch sagen, in einem gewissen Sinne tue er jedesmal etwas Anderes? So bestimmt also, ob er das Gleiche tut, oder immer etwas anderes, nicht, ob er der Regel folgt.
Doesn’t he always do the same thing, namely, let the line dictate how he should proceed? But what if he says that the line gives him something different each time? Couldn’t he now say: he does, in a certain sense, always the same thing, but he is not following a rule? And can’t even the one who follows a rule say that, in a certain sense, he does something different each time? Thus, whether he does the same thing or always something different is not determined by whether he follows the rule.
§
100[2]Nur so kann man den Vorgang einer-Regel-Folgen beschreiben, daß man in anderer Weise beschreibt, was wir dabei tun.
Only in this way can the process of following a rule be described, in that one describes in another way what we do in doing so.
§
100[3] &101[1]
Hat es einen Sinn, zu sagen: Wenn die Leute in ihren Handlungen nicht übereinstimmten, würden wir es nicht “einer Regel folgen” nennen? – Doch, es hat Sinn. Wenn wir in ein fremdes Land kämen & fänden etwas in mancher Beziehung einer Regel ähnliches vor & Leute handelten nachdem sie dies Regelähnliche ansähen aber jeder, soweit wir sehen könnten, auf andere Weise, so würden wir sagen. Dies schaut zwar wie eine Regel aus ist aber nicht was wir Regel nennen. – – –
Would it make sense to say: If people did not agree in their actions, we would not call it “following a rule”? – Yes, it does make sense. If we were to come to a foreign country & find something in some respects similar to a rule, & people acted according to this rule-like thing, but each one, as far as we could see, in a different way, then we would say: This looks like a rule, but it is not what we call a rule. – – –
§
101[2] &102[1]
Kann ich aber auch sagen: “Ich stimme mit den Andern nicht überein also folge ich offenbar nicht einer Regel.”? – Könnte ich aber nicht dennoch sagen: “Ich stimme mit niemand beim Multiplizieren (z.B.) überein; ich muß verrückt sein; ich folge offenbar nicht einer Regel obwohl ich glaube ihr zu folgen”?
Can I also say: “I do not agree with the others, so I am obviously not following a rule”? – Couldn’t I still say: “I don’t agree with anyone in multiplying (for example); I must be crazy; I am obviously not following a rule, although I believe I am”?
§
102[2]Die Andern folgen einer Regel, wenn ich sie von ihnen absehen kann.
The others are following a rule, if I can see it from them.
§
102[3][In der Philosophie halt machen]
[Let’s pause in philosophy]
§
102[4] &103[1]
Ich lerne nicht Regeln folgen indem ich lerne mit Andern übereinstimmen. Weil das eine ebenso schwer zu lernen ist wie das andere.
I do not learn to follow rules by learning to agree with others, because one is just as difficult to learn as the other.
§
103[2]Wer “Übereinstimmen” nicht versteht, kann auch “einer Regel folgen” nicht verstehen; & wer dieses nicht versteht, auch jenes nicht.
Whoever does not understand “agreement” cannot understand “following a rule”; & whoever understands neither, cannot understand the other.
§
103[3]Hätte es einen Sinn zu sagen: “Wenn er jedesmal etwas anderes täte, würden wir nicht sagen: er folge einer Regel”? Das hat keinen Sinn.
Would it make sense to say: “If he did something different each time, we would not say that he is following a rule”? That makes no sense.
§
103[4] &104[1] &
105[1]
Einer-Regel-Folgen ist ein bestimmtes Sprachspiel. Wie kann man es beschreiben? Wann sagen wir, er habe die Beschreibung verstanden? – Wir tun dies & das; wenn er nun so & so reagiert hat er das Spiel verstanden. Aber wohl gemerkt: das “dies & das” & “so & so” enthält (noch) kein “und so weiter”. Denn verwendete ich bei der Beschreibung ein “und so weiter” & einer fragte mich was heißt das so müßte ich es wieder durch spezielle Handlungen erklären oder aber etwa durch eine Geste. Und ich würde es dann etwa als Zeichen des Verständnisses von “und so weiter” ansehen wenn er die Geste mit einem verständnisvollen Gesichtsausdruck wiederholte & auch (gewisse) Beispiele in der & der Weise ausführte.
Following a rule is a particular language-game. How can it be described? When do we say that he has understood the description? – We do this & that; if he now reacts in such & such a way, he has understood the game. But note: the “this & that” & “so & so” does not (yet) contain “and so on”. For if I used “and so on” in the description & someone asked me what that means, I would have to explain it again through specific actions, or perhaps through a gesture. And I would then see it as a sign of understanding “and so on” if he repeated the gesture with an understanding facial expression & also performed (certain) examples in the this & that way.
§
105[2]Wenn man Beispiele aufzählt & dann sagt “und so weiter” so wird dieser Ausdruck auf andere Weise erklärt, als die Beispiele.
When one lists examples & then says “and so on,” this expression is explained in a different way than the examples.
§
106[1]Wer von einem Tag auf den andern verspricht “morgen werde ich das Trinken aufgeben”, verspricht der jeden Tag dasselbe, oder jeden Tag etwas anderes?
If someone promises from one day to the next, “tomorrow I will give up drinking,” does he promise the same thing every day, or something different each day?
§
106[2] &107[1]
Nimm an eine Linie gebe mir ein wie ich ihr folgen soll; d.h., wenn ich ihr mit den Augen folge, so sagt mir etwa eine innere Stimme: zieh so. – Nun, was ist der Unterschied zwischen diesem Vorgang, einer Art Inspiration zu folgen & dem Vorgang einer Regel zu folgen? Denn sie sind doch nicht das Gleiche. Nun, in dem Fall der Inspiration warte ich auf die Anweisung. Ich werde einen Andern nicht meine Technik lehren können der Linie zu folgen. Es sei denn ich lehre ihn eine Art des Hinhorchens, der Rezeptivität etc. Aber dann kann ich natürlich nicht überrascht sein wenn er nun der Linie anders folgt als ich.
Suppose a line tells me how to follow it; i.e., if I follow it with my eyes, then an inner voice tells me: move like this. – Now, what is the difference between this process, of following a kind of inspiration, & the process of following a rule? For they are not the same. Well, in the case of inspiration, I wait for the instruction. I will not be able to teach another my technique for following the line. Unless I teach him a kind of listening, of receptivity, etc. But then, of course, I cannot be surprised if he now follows the line differently than I do.
§
107[2] &108[1]
Man könnte sich auch so einen Unterricht in einer Art von Rechnen denken. Die Kinder können dann ein jedes auf seine Weise rechnen; solange sie nur auf die innere Stimme horchen & ihr folgen. Dieses Rechnen wäre wie ein Komponieren.
One could also imagine a teaching in a kind of calculation. The children can then each calculate in their own way; as long as they only listen to the inner voice & follow it. This calculation would be like composing.
§
108[2]Denn gehört nicht dazu einer Regel zu folgen die Möglichkeit einen Andern im Folgen abzurichten? Und zwar durch Beispiele. Und das Kriterium seines Verständnisses muß die Übereinstimmung der einzelnen Handlungen sein. Also nicht wie beim Unterricht in der Rezeptivität.
For does not following a rule include the possibility of training another to follow? And indeed, through examples. And the criterion of his understanding must be the consistency of the individual actions. Not, then, as in teaching receptivity.
§
108[3] &109[1]
Wie folgst du der Regel? Ich mach es so ‥․. & nun folgen allgemeine Erklärungen & Beispiele. Wie folgst Du dem was Dir die Linie eingibt? Ich sehe auf sie hin, halte mich ganz still etc.
How do you follow the rule? I do it like this... and now there are general explanations & examples. How do you follow what the line tells you? I look at it, remain completely still, etc.
§
109[2]‘Ich würde nicht sagen daß sie mir immer etwas anderes eingebe, wenn ich ihr als Regel folgte’. Kann man das sagen?
‘I wouldn't say that it always tells me something different, if I am following it as a rule.’ Can one say that?
§
109[3] &110[1]
Wann sagen wir: “Sie gibt mir das als Regel ein – immer das Gleiche”. Und anderseits: “Sie gibt mir immer wieder ein, was ich zu tun habe; sie ist keine Regel.” Im ersten Fall heißt es: ich habe keine weitere Instanz dafür was ich zu tun habe. Die Regel tut es ganz allein; ich brauche ihr nur zu folgen (& folgen ist eben nur eins). Ich fühle nicht etwa, es ist seltsam daß mir die Linie immer etwas sagt. – Der andre Satz sagt: Ich weiß nicht zum voraus was ich tun werde die Linie wird's mir sagen.
When do we say: “It gives me the rule – always the same.” And, on the other hand: “It keeps giving me what I have to do; it is not a rule.” In the first case, it means: I have no further instance for what I have to do. The rule does it all by itself; I only have to follow it (& following it is just one thing). I don't feel that it is strange that the line always tells me something. – The other sentence says: I don't know in advance what I will do; the line will tell me.
§
110[2]Die Kunstrechner, die zum richtigen Resultat gelangen, aber nicht sagen können, wie. Sollen wir sagen: sie rechnen nicht? (Eine Familie von Fällen.)
The artful calculators who arrive at the correct result, but cannot say how. Should we say: they are not calculating? (A family of cases.)
§
110[3] &111[1]
[Bemerkung: diese Dinge sind feiner gesponnen, als grobe Hände ‥‥․]
[Remark: these things are more finely spun than coarse hands…]
§
111[2]Kann ich nicht einer Regel zu folgen glauben? Gibt es diesen Fall nicht? [Siehe lesen, träumen]
Can I not believe that I am following a rule? Is this case not possible? [See reading, dreaming]
§
111[3]Es kann eine Ethik geben die Fälle beschreibt, zusammenstellt, & fragt: was sagst Du nun dazu? Sieh' wie Du von dem & dem Faktor beeinflußt wirst, u.s.w.
Could there not also be an ethics that describes cases, puts them together, & asks: what do you say about that? See how you are influenced by this & that factor, etc.
§
111[4] &112[1]
Und kann ich dann nicht auch keiner Regel zu folgen glauben & doch einer folgen. Würden wir nicht auch etwas so nennen?
And can I then not also believe that I am following no rule & yet follow one? Wouldn't we also call something that?
§
112[2]Wie kann ich das Wort “gleich” erklären? – Nun, durch Beispiele. – Aber ist das alles? gibt es nicht eine noch tiefere Erklärung; oder muß nicht jedenfalls das Verständnis der Erklärung tiefer sein? – Ja, hab ich denn selbst ein tieferes Verständnis? Habe ich mehr als ich in der Erklärung gebe?
How can I explain the word “same”? – Well, through examples. – But is that all? Is there not an even deeper explanation? Or must the understanding of the explanation, in any case, be deeper? – Yes, do I even have a deeper understanding? Do I have more than I give in the explanation?
§
112[3] &113[1]
Woher aber (dann) das Gefühl, ich meinte mehr, als ich sagen kann? Ist es, daß ich das nicht Begrenzte als immer weitergehend deute? (Dauerlauf – Ziel)
But where does the feeling come from (then), that I meant more than I can say? Is it that I interpret what is not limited as always going further? (Endless run – goal)
§
113[2]Die Verwendung des Wortes “Regel” ist mit der Verwendung des Wortes “Gleich” verwoben.
The use of the word “rule” is interwoven with the use of the word “same.”
§
113[3]Überlege Dir: Unter welchen Umständen wird der Forschungsreisende sagen: Das Wort … dieses Stammes heißt soviel wie unser “und so weiter”? Stelle Dir Einzelheiten ihres Lebens & ihrer Sprache vor, die ihn dazu berechtigen würden.
Consider: under what circumstances would the explorer say: the word... of this tribe means something like our “and so on”? Imagine details of their life & their language that would justify it.
§
113[4]“Ich weiß doch, was ‘gleich’ heißt!” – Daran zweifle ich nicht; ich weiß es auch.
“I do know what ‘same’ means!” – I don't doubt that; I know it too.
§
114[1]“Die Linie gibt's mir ein …”: Hier ist der Ton auf dem Ungreifbaren dieses Eingebens. Eben darauf daß nichts meine Handlung von der Regel trennt, daß nichts zwischen der Regel & der Handlung steht.
“The line gives it to me…”: Here, the emphasis is on the elusive nature of this giving. Namely, on the fact that nothing separates my action from the rule, that nothing stands between the rule & the action.
§
114[2]… und was hier “anderes”, & was “das Gleiche” heißt kann nur das Leben lehren in welchem diese Worte stehn; & ihre Verwendung ist mit der des Wortes “Regel” verknüpft.
… and what here is “different” and what is “the same” can only be taught by the life in which these words stand; & their use is connected with that of the word “rule.”
§
114[3] &115[1]
… Und urteilte ich, sie gäbe mir jedesmal etwas anderes ein. Und urteilte ich, sie gäbe mir willkürlich, gleichsam “verantwortungslos” “unvorhersehbar” dies & das ein, so folgte ich ihr nicht als Regel.
– Man könnte sich denken, daß einer mit solchen Gefühlen multipliziert, richtig multipliziert; immer wieder sagt: “Ich weiß nicht – jetzt gibt mir die Regel auf einmal das ein!” & wir antworten: “Freilich; Du gehst ja ganz der Regel gemäß vor”.
… And if I judge that it gives me something different each time. And if I judge that it gives me, arbitrarily, as it were “irresponsibly,” “unpredictably,” this or that, then I am not following it as a rule.
– One could imagine that someone, with such feelings, multiplies correctly, always says: “I don't know – now the rule suddenly gives me that!” & we reply: “Of course; you are following the rule completely.”
§
115[2] &116[1]
Einer Regel folgen: das läßt sich verschiedenem entgegensetzen. Der Forschungsreisende wird unter anderm auch die Umstände beschreiben müssen unter denen ein Einzelner von diesen Leuten nicht von sich selbst sagt, er folge einer Regel.
Following a rule: this can be contrasted with various things. Among other things, the explorer will also have to describe the circumstances under which an individual of these people does not say of himself that he is following a rule.
§
116[2]… Und urteile ich, sie gebe mir, gleichsam verantwortungslos, dies, oder das ein, so würde ich nicht sagen, ich folgte ihr als einer Regel.
… And if I judge that it gives me, as it were irresponsibly, this or that, then I would not say that I am following it as a rule.
§
116[3] &117[1]
Aber könnten wir nicht auch rechnen, wie wir rechnen (Alle übereinstimmend etc.) & doch bei jedem Schritt das Gefühl haben, von den Regeln wie von einem Zauberstab geleitet zu werden; etwa erstaunt darüber, daß wir übereinstimmen? (Der Gottheit etwa für diese Übereinstimmung dankbar.)
But could we not also calculate as we calculate (all in agreement, etc.) & yet at every step have the feeling that we are being guided by the rules as by a magic wand; perhaps even being surprised that we agree? (Perhaps being grateful to the deity for this agreement.)
§
117[2]Daraus siehst du nur, wieviel zu der Physiognomie dessen gehört, was wir im alltäglichen Leben “einer Regel folgen” nennen!
From this you can see how much is involved in the physiognomy of what we call “following a rule” in everyday life!
§
117[3]Man folgt der Regel ‘mechanisch’. Man vergleicht sich also mit einem Mechanismus.
One follows the rule ‘mechan_ically.’_ One thus makes a comparison of oneself with a mechanism.
§
117[4]Ich habe mir oft in Newcastle vorgesagt “it's always darkest before the dawn”, & nie geglaubt, es könne noch einen Morgen geben.
I often told myself in Newcastle, “It’s always darkest before the dawn,” and never believed there could be another morning.
§
117[5] &118[1]
Der Körper der großen Menschen muß sehr gesund sein. Wie könnte er die geistigen Erschütterungen der großen Werke aushalten?
The bodies of great people must be very healthy. How could they withstand the mental shocks of great works?
§
118[2]‘Mechanisch’, das heißt: ohne zu denken. Aber ganz ohne zu denken? Ohne nachzudenken.
‘Mechanically,’ that is: without thinking. But completely without thinking? Without reflecting.
§
118[3]Wir könnten sagen: Sie folgen Regeln, aber es sieht doch ganz anders aus als bei uns.
We could say: they follow rules, but it looks quite different from how it is with us.
§
118[4] &119[1]
Kann man sagen, daß das mechanische Ergreifen & Verfolgen der Regel eine Naturerscheinung der menschlichen Psychologie ist? Daß z.B. der Forscher sagen kann: Diese Leute zeigen ihren Kindern gewisse Tätigkeiten, geben ihnen Beispiele & dann machen die Kinder, wenn man ihnen den Regelausdruck zeigt, dasselbe, was die Erwachsenen tun.
Can one say that the mechanical grasping and following of a rule is a natural phenomenon of human psychology? That, for example, the researcher can say: these people show their children certain activities, give them examples, and then the children, when shown the rule-expression, do the same as the adults do.
§
119[2]Wie handelt man nach einer Regel? – Man tut etwas mit Sicherheit nach ihr? – Aber irgend etwas? – Nein, wir müssen vom Andern die Regel lernen können, so daß wir dann übereinstimmend mit ihm nach ihr handeln. – Und was heißt übereinstimmend mit ihm handeln? – Nun da kann ich nur Beispiele geben.
How does one act according to a rule? – Does one certainly do something in accordance with it? – But just anything? – No, we must be able to learn the rule from the other person, so that we then act in accordance with it in harmony with him. – And what does it mean to act in harmony with him? – Well, I can only give examples.
§
120[1]Die Liebe hat sozusagen zwei Temperaturen; einen Hitzegrad und einen Wärmegrad.
Love, as it were, has two temperatures; a heat level and a warmth level.
§
120[2]Ist es denn aber möglich, eine Beobachtung zu machen
~g ⊃ ~s?
Nun ich kann z.B. beobachten s ∙ g. Wie, wenn ich sagte: Wer ~g ⊃ ~s beobachtet, wenn er s ∙ g vor sich sieht, der sieht das Factum anders an? Es interessiert ihn daran ein andrer Aspekt.
But is it possible to make the observation
~g ⊃ ~s?
Now I can, for example, observe s ∙ g. How, if I said: whoever observes ~g ⊃ ~s when he sees s ∙ g, sees the fact differently? Another aspect interests him in it.
§
120[3] &121[1]
Kann ich denn nicht weiß vor mir sehen & beobachten ~g? oder kann ich dies nur schließen?
Can I not see white in front of me and observe ~g? or can I only infer this?
§
121[2]Kann ich nicht auf die Beobachtung von grün, oder ~grün eingestellt sein? Etwa dadurch daß ich eine grüne Vorlage zum Vergleich vor mir habe. Oder ich habe eine Vorlage vor mir der Art
Der Beobachter ist ganz auf diesen Aspekt der Sache eingestellt. Seine Aufmerksamkeit ganz von ihm eingenommen.
Can I not be attuned to the observation of green, or ~green? Perhaps by having a green template in front of me for comparison. Or I have a template in front of me of the kind
The observer is completely attuned to this aspect of the matter. His attention is completely absorbed by it.
§
122[1] &123[1]
Ist es denn denkbar, daß jemand r ∙ s beobachtet & auch ~ r beobachtet? Ist es denkbar, daß jemand eine Gruppe von Äpfeln als 2 + 2 Äpfel sieht & auch als 5 Äpfel? Nun, es ist möglich daß er sie nicht als 4 sondern immer nur als 2 + 2 sieht & wenn er nun trachtet sie zusammenzufassen, daß sie ihm als 5 erscheinen. Nur ist das jedenfalls eine sehr seltene Erscheinung. Und wir schließen sie aus den Beobachtungen von denen wir Notiz nehmen aus.
Is it conceivable that someone observes r ∙ s and also ~r? Is it conceivable that someone sees a group of apples as 2 + 2 apples and also as 5 apples? Well, it is possible that he does not see them as 4 but always only as 2 + 2, and if he now tries to add them together, that they appear to him as 5. Only, this is in any case a very rare phenomenon. And we exclude it from the observations that we take note of.
§
123[2]– – – und wäre das nicht, wie könnte ein Satz wie “What's done cannot be undone” uns etwas sagen?
– – – and wouldn't that be, how could a sentence like “What's done cannot be undone” tell us something?
§
123[3]Der Eine sucht nur nach einer roten Blume mit blauem Stern in der Mitte. Ihm fällt nur dieser Komplex von Farben und Formen auf, oder sein Fehlen. Oder Einer sucht nach etwas Rotem; er sieht jene Blume, kennt sie wohl, hat oft nach ihr, nach diesem Farbenkomplex, gesucht; aber es fällt ihm nicht auf, daß hier ja etwas Rotes ist.
“Ach da ist ja Rot”, könnte er sagen, “ich habe immer nur an etwas ganz rotes gedacht!”
One person is looking only for a red flower with a blue star in the center. He notices only this complex of colors and shapes, or its absence. Or someone is looking for something red; he sees that flower, knows it well, has often looked for it, for this complex of colors; but it does not occur to him that there is indeed something red here.
“Oh, there is red after all,” he might say, “I’ve always only thought of something completely red!”
§
124[1]”Der Eine beobachtet r ⊃ b.” Er sieht etwa einmal unter den 6 Streifen einen roten & einen blauen; dann ändert sich das Bild & es ist kein roter & kein blauer da; dann wieder ein blauer, & kein roter. Und immer sagt der Beobachter, es habe sich nichts geändert. Nun aber erscheint einmal ein roter Streifen ohne einen blauen, & er sagt, jetzt sehe er etwas anderes.
“One observes r ⊃ b.” He sees, for example, once among the 6 stripes a red and a blue; then the picture changes and there is no red and no blue; then again a blue, and no red. And the observer always says that nothing has changed. But then a red stripe appears without a blue, and he says that he now sees something different.
§
124[2] &125[1]
“Daß das auch rot ist, daran habe ich gar nicht gedacht; ich habe es nur als Teil des mehrfärbigen Ornaments gesehen.”
“The fact that it is also red, I didn't even think of; I only saw it as part of the multicolored ornament.”
§
125[2]Könnte nun Einer sagen: “Ja, ich sehe rot , insofern ich blau – & – rot sehe; aber anders nicht”?
Could someone now say: “Yes, I see red, insofar as I see blue—and—red; but not otherwise”?
§
125[3]Man könnte es sich aber auch so denken: Der, welcher beobachtet, daß r ⊃ b, kann meinetwegen auch r ∙ b sehen, aber er sagt nur “r ⊃ b”, weil das allein ihn interessiert. Ein anderer sagt aus demselben Grund “g ⌵ r” & ein Dritter schließt
“g ⌵ b”.
But one could also think of it this way: The one who observes that r ⊃ b may, for all I care, also see r ∙ b, but he says only “r ⊃ b” because that alone interests him. Another says “g ⌵ r” for the same reason, and a third concludes
“g ⌵ b”.
§
125[4] &126[1]
”Aus ‘x hat Farbe’ folgt ‘x hat Form’ und umgekehrt; & doch sagen die beiden Sätze nicht dasselbe”. Wie aber, wenn ich sagte: Nur eine Form kann eine Farbe haben? Wo sind dann die beiden Sätze, die auseinander folgen & verschiedenen Sinn zu haben scheinen?
“From ‘x has color’ it follows that ‘x has form’ and vice versa; and yet the two sentences do not say the same thing.” But what if I said: only a form can have a color? Where then are the two sentences, which seem to follow from each other and to have different meanings?
§
126[2]Ich könnte Erfahrungsschluß & logischen Schluß unterscheiden. Der Schluß von “x ist rot” auf “x ist nicht blau” ist ein logischer Schluß, obwohl x ∊ r ⊃ ~(x ∊ b) natürlich keine Tautologie ist.
I could distinguish between inferential reasoning & logical deduction. The inference from “x is red” to “x is not blue” is a logical deduction, although x ∊ r ⊃ ~(x ∊ b) is certainly not a tautology.
§
126[3]Wie aber kann ich definieren was ich unter logischen Schluß verstehe?
But how can I define what I mean by logical deduction?
§
127[1]Man könnte sagen: logischer Schluß ist einer Logischer Schluß ist ein Übergang der gerechtfertigt ist, wenn er einem bestimmten Paradigma folgt, & dessen Rechtmäßigkeit nicht an Ergebnisse der Erfahrung geknüpft ist.
One could say: logical deduction is a logical deduction; it is a transition that is justified if it follows a certain paradigm, & the validity of which is not based on the results of experience.
§
128[1]Auch der Teufel in der Hölle hat eine Form des Lebens; & die Welt wäre nicht vollständig ohne sie.
Even the devil in hell has a form of life; & the world would not be complete without it.
§
128[2]Wenn Kinder in der Geometrie zuerst den Begriff des Zylinders kennen lernen, fällt es ihnen oft schwer eine Münze als Zylinder aufzufassen, deren Dicke als Höhe des Zylinders. Ähnlich könnte es jemand schwer fallen, etwas schwarz & weiß Gestreiftes als zusammengesetzt zu sehen aus schwarzen Stücken & weißen Stücken.
When children first learn the concept of a cylinder in geometry, they often find it difficult to conceive of a coin as a cylinder, with its thickness as the height of the cylinder. Similarly, someone might find it difficult to see something black and white striped as composed of black and white pieces.
§
129[1]r ∙ b ⊃ s․⊃․w Wenn ich irgendwo 5 Gegenstände sehe, kann nicht, was mir auffällt sein: “mehr als 3”, oder “weniger als 7”, oder “zwischen 3 & 7”, oder “weniger als die Hälfte von 20”, oder “eine ungerade Zahl”, oder “kein Quadrat” etc.
r ∙ b ⊃ s․⊃․w If I see 5 objects somewhere, what I notice cannot be: “more than 3,” or “less than 7,” or “between 3 & 7,” or “less than half of 20,” or “an odd number,” or “not a square,” etc.
§
129[2]One question a counter-irritant to another question.
One question is a counter-irritant to another question.
§
129[3] &130[1]
Meine Frage ist nur: Kann es einem Menschen scheinen als sähe er r ∙ b und auch als sähe er ~r? So daß er also sagen müßte: aus r ∙ b folgt r & wenn wirklich r ∙ b da ist, so muß ich mich in der zweiten Beobachtung irren.
My question is only: Can it seem to a person as if he sees r ∙ b and also as if he sees ~r? So that he would have to say: from r ∙ b it follows that r & if r ∙ b is really there, then I must be mistaken in the second observation.
§
130[2]Erinnere dich daran, daß ein Rhombus als Raute angesehen oft nicht wie ein Parallelogramm ausschaut. Nicht aber, als schauten die gegenüberliegenden Seiten nicht parallel aus, sondern wir übersehen sie nur gleichsam.
Remember that a rhombus, when viewed as a diamond, often does not look like a parallelogram. Not that the opposite sides do not look parallel, but we simply overlook them.
§
130[3] &131[1]
Ich könnte mir denken, daß Einer sagt, er sähe einen weiß-gelben Stern aber nichts Gelbes – weil er den Stern gleichsam als eine Verbindung von Farbteilen sieht, die er nicht zu trennen vermag. Er hätte z.B. Figuren, wie die folgenden vor sich
& gefragt, ob er ein rotes Fünfeck sieht, würde er ‘ja’ sagen, aber auf die Frage, ob er ein gelbes sieht ‘nein’. Ebenso würde er sagen, er sähe kein rotes Dreieck, aber wohl ein blaues. – Auf die roten Dreiecke & die gelben Fünfecke in den Sternen aufmerksam gemacht würde er etwa sagen: “Ja, jetzt seh' ich's; ich hatte die Sterne nicht so aufgefaßt”.
I could imagine that someone says that he sees a white-yellow star but nothing yellow – because he sees the star as a combination of color parts that he cannot separate. He might have figures like the following in front of him:
& if asked whether he sees a red pentagon, he would say ‘yes,’ but to the question of whether he sees a yellow one, he would say ‘no.’ Similarly, he would say that he sees no red triangle, but he does see a blue one. – If his attention were drawn to the red triangles & the yellow pentagons in the stars, he might say something like: “Yes, now I see it; I hadn’t thought of the stars in that way.”
§
132[1]Und so könnte es ihm auch vorkommen, man könne die Farben im Stern nicht trennen, weil man die Formen nicht trennen kann.
And so it might also seem to him that one cannot separate the colors in the star because one cannot separate the shapes.
§
132[2]Was aber ist die Relevanz aller dieser Fragen?
But what is the relevance of all these questions?
§
132[3]Der kann die Geographie einer Gegend nicht übersehen lernen, der sich so langsam in ihr (herum)bewegt, daß er ein Stück längst vergessen hat wenn er zu einem andern kommt.
One cannot learn to overlook the geography of an area if one moves around in it so slowly that one has long forgotten one place when one arrives at another.
§
132[4]Es scheint mir etwas in meinem Begriff des Schließens nicht in Ordnung zu sein.
It seems to me that something is not quite right in my concept of deduction.
§
133[1]Ich möchte natürlich sagen: die Arithmetik lehre uns rechnen, aber nicht zählen.
I would, of course, like to say: arithmetic teaches us to calculate, but not to count.
§
133[2] &134[1]
Wir sagen: “Wenn ihr beim Multiplizieren wirklich der Regel folgt, muß das Gleiche herauskommen.” Nun, wenn dies nur die etwas hysterische Ausdrucksweise der Universitätserziehung ist, so braucht sie uns nicht sehr zu interessieren. Es ist aber der Ausdruck einer Stellungnahme zu der Technik des Rechnens, die sich überall in unserm Leben zeigt. Die Emphase des Muß entspricht nur der Unerbittlichkeit einer bestimmten Einstellung sowohl zur Technik des Rechnens, als auch zu unzähligen verwandten Tätigkeiten.
We say: “If you really follow the rule when multiplying, the same thing must come out.” Well, if this is only the somewhat hysterical expression of university education, then it does not need to interest us very much. But it is the expression of a statement about the technique of calculation, which is evident everywhere in our lives. The emphasis on “must” only corresponds to the inflexibility of a certain attitude, both towards the technique of calculation and towards countless related activities.
§
134[2]Das mathematische Muß ist nur ein andrer Ausdruck dafür, daß die Math. Begriffe bildet. Und Begriffe dienen zum Begreifen. Sie dienen zu einer ganz bestimmten Behandlung der Sachlagen. Denn es ist ja durchaus nicht klar, daß wir auf Situationen in der Art reagieren müssen, wie wir es tun.
Mathematical necessity is only another expression for the fact that mathematical concepts are formed. And concepts serve to understand. They serve a very specific treatment of situations. Because it is not at all clear that we must react to situations in the way that we do.
§
135[1]Die Mathematik bildet ein Netz von Normen.
Mathematics forms a network of norms.
§
135[2]Es ist wie wenn ein Maßkörper verschiedene Facetten hätte & mit ihnen verschiedene Gegenstände zugleich & ihre gegenseitige Lage mäße.
It is as if a measuring instrument had different facets & with them measures different objects at the same time & their mutual arrangement.
§
135[3]Wir messen Längen von Gegenständen mit Eisenstäben und nicht mit Teigstäben.
We measure the lengths of objects with iron rods and not with dough rods.
§
135[4]… Und ich muß einen Fehler machen dürfen ohne daß alles falsch ist was ich sage.
… And I must be allowed to make a mistake without everything I say being wrong.
§
135[5] &136[1]
Man sagt manchmal: “Ja, das ist wieder einer von den beiden”; wenn man z.B. zwei Leute die man nicht genauer kennt wieder & wieder beisammen & einzeln begegnet. Die Beobachtung ist dann: “hier sehe ich wieder den A oder den B”.
One sometimes says: “Yes, that’s one of the two again”; for example, when one repeatedly encounters two people, whom one doesn’t know well, both together and separately. The observation is then: “Here I see A or B again.”
§
136[2]Denke, Du hast ein Paradigma
& benützt es zur Beurteilung von Flächen
in der Art, daß die Färbung mit dem Paradigma übereinstimmt, wenn eine der Farben r, g auf der Fläche vorkommt. Das Muster nenne ich in diesem Falle “rot-oder-grün”.
I think you have a paradigm
& use it to judge surfaces
in such a way that the coloring matches the paradigm if one of the colors r or g appears on the surface. In this case, I call the pattern “red-or-green.”
§
136[3] &137[1]
Es ist möglich den Komplex aus A & B sehen, ohne A, oder B, zu sehen. Es ist sogar möglich den Komplex den “Komplex von A & B” zu nennen & sich einzubilden, diese Benennung deutete nur auf eine Art Verwandtschaft dieses Ganzen mit A & B hin. Es ist also möglich zu sagen, man sehe den Komplex von A & B, aber weder A noch B. Etwa wie man sagen könnte, es sei hier ein rötlich-gelb, aber weder rot noch gelb.
It is possible to see the complex of A & B without seeing A or B. It is even possible to call the complex “the complex of A & B” and imagine that this designation only indicates a kind of kinship of this whole with A & B. So it is possible to say that one sees the complex of A & B, but neither A nor B. Something like saying that there is a reddish-yellow color here, but neither red nor yellow.
§
137[2] &138[1]
Kann ich nun A & B vor mir haben, & auch beide sehen, aber nur A ⌵ B beobachten? Nun in gewissem Sinne ist das doch möglich. Und zwar dachte ich mir es so, daß der Beobachter von einem gewissen Aspekt eingenommen sei; daß er etwa eine bestimmte Art von Paradigma vor sich habe, in einer bestimmten Routine der Anwendung begriffen sei. – Und wie er nun auf A ⌵ B eingestellt sein kann so auch auf A ∙ B. Es fällt ihm also nur A ∙ B auf & nicht z.B. A. Auf A ⌵ B eingestellt sein heiße, könnte man sagen, mit dem Begriff A ⌵ B auf die Situation zu reagieren. Und genau so kann man natürlich auch A ∙ B tun.
Now, can I have A & B in front of me, and also see both of them, but only observe A ⌵ B? Now, in a certain sense, that is possible. And indeed, I thought of it like this: the observer is taken by a certain aspect; that he has a certain kind of paradigm in front of him, is engaged in a certain routine of application. – And just as he can be focused on A ⌵ B, so too can he be focused on A ∙ B. He only notices A ∙ B, and not, for example, A. Being focused on A ⌵ B means, one could say, reacting to the situation with the concept A ⌵ B. And one can, of course, also do A ∙ B.
§
139[1]Soll nun aber, wer A & B vor sich hat & mit A ⌵ B reagiert, auch vielleicht leugnen daß A ∙ B da ist, wenn er z.B. gefragt wird? Wenn er das täte käme er uns sinnverwirrt vor. Oder, sagen wir, er hätte A vor Augen & reagierte mit A ⌵ B, soll er dann, wenn gefragt, leugnen können, daß er A sieht?
But if someone has A & B in front of them and reacts with A ⌵ B, should they perhaps deny that A ∙ B is there, if, for example, they are asked? If they did, they would seem confused to us. Or, let’s say, they have A in front of them and react with A ⌵ B, should they then, when asked, be able to deny that they see A?
§
139[2] &140[1]
Wenn einer urteilt “A ⌵ B”, muß ich ihn denn nicht fragen können: ‘Welchen besonderen Fall von “A ⌵ B” siehst Du jetzt?’? Ich meine nicht daß es möglich ist einen Menschen so abzurichten, daß er bei A ⌵ B “ja” sagt & bei ~ (A ⌵ B) “nein” & im übrigen weder auf A noch auf B etc. reagiert. Aber würden wir von ihm sagen er verstände den Ausdruck “A⌵B”?
If someone asserts “A ⌵ B,” must I not be able to ask them: “What particular case of ‘A ⌵ B’ do you see now?” I do not mean that it is possible to train a person so that they say “yes” to A ⌵ B and “no” to ~ (A ⌵ B) and otherwise react neither to A nor to B, etc. But would we say that he understands the expression “A ⌵ B”?
§
140[2]Sagen wir, es interessiert Einen nur A ∙ B, & er urteilt also, was immer geschieht, nur “A ∙ B”, oder “~ (A ⌵ B)”; so kann ich mir denken daß er “A ∙ B” urteilt & auf die Frage “siehst du B” sagt “nein, ich sehe A ∙ B”. Etwa wie mancher, der A ∙ B sieht nicht zugeben wird, er sehe A ⌵ B.
Let’s say that one is only interested in A ∙ B, and therefore judges, whatever happens, only “A ∙ B” or “~ (A ⌵ B)”; so I can imagine that he judges “A ∙ B” and, when asked “do you see B,” says “no, I see A ∙ B.” Something like how some people who see A ∙ B will not admit that they see A ⌵ B.
§
141[1]Aber die Fläche ‘ganz rot sehen’ & ‘ganz blau sehen’ sind doch gewiß ‘echte’ Erfahrungen & doch sagen wir Einer könne sie nicht zu gleicher Zeit haben.
But seeing the surface ‘completely red’ and ‘completely blue’ are certainly ‘genuine’ experiences, and yet we say that one cannot have them at the same time.
§
141[2]Wenn Einer uns nun versicherte er sehe diese Fläche ganz rot & zugleich ganz blau? Wir müßten sagen: “Du machst Dich uns nicht verständlich.”
If someone assures us that they see this surface completely red and at the same time completely blue? We would have to say: “You are not making yourself understood.”
§
141[3] &142[1]
Der Satz “1 Fuß = … cm” ist bei uns zeitlos. Man könnte sich aber auch den Fall denken, in welchem sich das Fußmaß & das Metermaß nach & nach etwas veränderten & dann immer wieder verglichen werden um in einander umgerechnet zu werden.
The sentence “1 foot = … cm” is timeless with us. But one could also imagine the case in which the foot measure and the meter measure gradually change and then are compared again and again in order to be converted into each other.
§
142[2]Ist aber nicht auch bei uns die relative Länge des Meters & Fußes experimentell bestimmt worden? Doch; aber das Ergebnis wurde zu einer Regel gestempelt.
But is not the relative length of the meter and foot also experimentally determined with us? Yes; but the result was stamped as a rule.
§
142[3]Ist nun ein Schluß von “A ∙ B” auf “A ⌵ B die Umrechnung von einem Maß auf ein anderes?
Is the inference from “A ∙ B” to “A ⌵ B” the conversion of one measure into another?
§
142[4]Die Mathematik hat schon alles vorbereitet.
Mathematics has already prepared everything.
§
142[5] &143[1]
Eine Reihe hat doch für uns ein Gesicht! Wohl; aber welches? Nun doch das algebraische, & ein Stück Extension. Oder hat sie sonst noch eins? Aber in dem liegt doch schon alles! Wohl; aber das ist keine Feststellung, – – – – –
A series does have a face for us! Probably; but which one? Well, the algebraic one, & a bit of extension. Or does it have another one? But everything is already contained in that one! Probably; but that is not a statement, – – – – –
§
143[2]Woher die Idee, als wäre die angefangene Reihe ein sichtbares Stück unsichtbar bis ins Unendliche gelegter Geleise?
Where does the idea come from, as if the started series were a visible piece of track laid invisibly into infinity?
§
143[3] &144[1]
– – – keine Feststellung über das Reihenstück, oder etwas, was wir darin sehen, sondern die Feststellung daß wir nur auf den Ausdruck der Regel schauen, & tun, & nicht noch irgend eine Bestimmung treffen.
– – – no assertion about the series piece, or something we see in it, but the assertion that we only look at the expression of the rule, and do, and do not make any further determination.
§
144[2]Wenn er weiter weiß, so wird er weiter gehen & die Regel als den einzigen Grund seines Vorgehens angeben.
If he knows more, then he will go further and state the rule as the only basis for his procedure.
§
144[3]Der Vorgang des Ableitens hat einen Grund (Boden).
The process of derivation has a basis.
§
144[4] &145[1]
“Aber du siehst doch …” Nun, das ist eben die charakteristische Äußerung Eines, der von der Regel gezwungen ist. Nimm an er stampfte dabei auf den Boden: nun hier hast Du einen seelischen Zustand, wie Du ihn immer gewünscht hast.
“But you can see that…” Well, that is precisely the characteristic utterance of one who is compelled by the rule. Suppose he stamped his foot: now here you have a mental state, just as you always wanted it to be.
§
145[2]– – – Wohl; aber das ist keine Feststellung über das Reihenstück, oder über etwas, was wir darin erblicken, sondern eben ein Ausruf charakteristisch für die psychologische Situation & der Ausdruck dafür, ‥․
– – – Yes; but that is not a statement about the series piece, or about something we see in it, but rather an exclamation characteristic of the psychological situation & the expression of that, …
§
145[3]“Es ist schon alles …, ich brauche nur mehr … !”
“It is already all there, I just need more…”!
§
145[4]Also so ein Bild kommt Dir vor Augen! – könnte ich sagen.
That’s the kind of image that comes to mind! – I might say.
§
145[5] &146[1]
Warum aber: “es liegt doch schon alles in ihr”? Ich brauche nur noch die Kurbel drehen, alles übrige macht die Maschine. Und die Kurbel drehen ist etwas so einfaches: ich kann es automatisch tun.
But why: “isn’t everything already in it”? I just need to turn the crank; the machine does the rest. And turning the crank is something so simple: I can do it automatically.
§
146[2]Ich glaube im Reihenstück ganz fein eine Zeichnung zu erblicken, die nur mehr das “u.s.w.” bedarf, um in die Unendlichkeit zu reichen.
I think I can see a very fine drawing in the series piece, which only needs the “etc.” to extend into infinity.
§
146[3] &147[1]
“Ich erblicke ein Charakteristikum in ihr.” – Nun doch etwas, was dem algebraischen Ausdruck entspricht. “Ja, aber nichts Geschriebenes, sondern förmlich etwas ätherisches.” – Welches seltsame Bild. – “Etwas, was nicht der algebraische Ausdruck ist, sondern wofür dieser eben nur der Ausdruck ist.”
“I see a characteristic in it.” – Now something that corresponds to the algebraic expression. “Yes, but nothing written, rather something ethereal.” – What a curious image. – “Something that is not the algebraic expression, but for which this is only the expression.”
§
147[2]Ich erblicke etwas in ihr – ähnlich, wie die Gestalt im Vexierbild. Und sehe ich das, so sage ich: das ist alles, was ich brauche. Wer den Wegweiser sieht, sucht nun nicht nach einer weiteren Instruktion, sondern geht.
I perceive something in it—similar to the figure in a picture puzzle. And when I see that, I say: that is all I need. Whoever sees the signpost does not now look for further instructions, but goes.
§
147[3]– – – sondern die Feststellung, daß wir an keine weitere Anleitung mehr appellieren.
– – – but the statement that we no longer appeal to any further instruction.
§
148[1]– – – sondern der Ausdruck dafür daß wir an keine weitere Anleitung mehr appellieren.
– – – but the expression of the fact that we no longer appeal to any further instruction.
§
148[2]Die Regel kann mich zwingen in mehr als einem Sinne, psychologisch & soziologisch z.B. durch die Macht der Gewohnheit oder menschliche Vorschriften. Aber an diesen Zwang denke ich nicht. Ich meine den viel härteren der darin besteht, daß die Regel schon alles vorgemacht hat, was ich ihr nachmachen kann, daß sie in logischer Schrift schon alles vorgeschrieben hat.
The rule can compel me in more than one sense—psychologically and sociologically, for example, through the power of habit or human regulations. But I am not thinking of this compulsion. I mean the much harsher one that consists in the fact that the rule has already demonstrated everything I can imitate, that it has already prescribed everything in logical writing.
§
148[3]Einer Regel folgen: da gibt es viele verschiedene charakteristische Arten des Benehmens [Lesen].
Following a rule: there are many different characteristic types of behavior [reading].
§
148[4] &149[1]
Was wir ‘Sprache’ nennen ist eine Institution. Es könnte nicht einmal in der Geschichte der Menschheit ein Satz ausgesprochen & verstanden werden. Und so auch kein Befehl, & keine Regel. (Vergleiche damit den Gedankengang über die Möglichkeit einer privaten Sprache, zusammenhängend mit Idealismus und Solipsismus.)
What we call ‘language’ is an institution. Not even a single sentence could have been uttered and understood in the history of humanity. And thus neither a command nor a rule. (In this comparison, consider the line of thought regarding the possibility of a private language, connected with idealism and solipsism.)
§
149[2]Inwiefern kann man sagen, ein Satz der Arithmetik gebe uns einen Begriff. Nun, denken wir uns ihn nicht als Satz als Entscheidung einer Frage, sondern als eine, irgendwie anerkannte, Verbindung von Begriffen.
.
In what sense can one say that a sentence of arithmetic gives us a concept? Well, let us not think of it as a sentence, as a decision of a question, but as a kind of recognized connection of concepts.
.
§
150[1]Die Frage ist aber: Was ist der Beweis & was ist der Satz ohne den Beweis. Denn der Beweis schafft eine Begriffsverbindung der Satz auch eine.
The question is, however: What is the proof & what is the sentence without the proof. For the proof creates a conceptual connection, and the sentence also creates one.
§
150[2]Und die Sätze müssen eine Möglichkeit sein Beweise zu katalogisieren [Ursell]. Denn wie wüßte man sonst welchen Satz wir den von dem Beweis bewiesenen nennen sollten?
And the sentences must be a possibility to catalog proofs [Ursell]. For how else would one know which sentence we should call the one whose proof has been proven?
§
150[3] &151[1]
Wie ist es aber mit unbewiesenen Sätzen? Nun, die warten eben noch auf Beweise die sie katalogisieren oder sie sind ihre eigenen Beweise (Axiome).
But what about unproven sentences? Well, they are just waiting for proofs to catalog them, or they are their own proofs (axioms).
§
151[2]Der Beweis verschafft dem Satz Anerkennung.
The proof gives the sentence recognition.
§
151[3]Der Beweis zieht eine Kette von Begriffsverbindungen.
The proof draws a chain of conceptual connections.
§
151[4]“Wir untersuchen eine bestimmte Verbindung der Begriffe; wenn diese Verbindung existiert, dann verwenden wir die Begriffe so & so.” Aber was ist das denn für eine Verbindung? Denn es ist nicht die Verbindung der Zeichen.
“We are examining a certain connection of concepts; if this connection exists, then we use the concepts in this way.” But what is this connection? For it is not the connection of the signs.
§
151[5]Der Beweis reiht den Satz in ein System ein.
The proof places the sentence in a system.
§
151[6] &152[1]
Könnte man sagen, daß der Beweis von 25² = 625 zeigt inwiefern 25² = 625 ist? Denn “y = 2x²” ist auch eine Gleichung, aber ihr Sinn ist eben ganz anders.
Could one say that the proof of 25² = 625 shows in what sense 25² = 625? For “y = 2x²” is also an equation, but its sense is quite different.
§
152[2]Der Satz “25² = 625” gibt mir, könnte man sagen, eine Anweisung wie die Begriffe 25² & 625 verwendet werden können.
The sentence “25² = 625” gives me, one could say, an instruction as to how the concepts 25² & 625 can be used.
§
152[3]Der Satz & der Beweis müssen jeder in anderem Sinne eine Begriffsverbindung sein.
The sentence and the proof must each, in a different sense, be a conceptual connection.
§
152[4]Die Gleichung 25² = 625 verändert den Gebrauch von 25 & 625.
The equation 25² = 625 changes the use of 25 & 625.
§
153[1]Das Gleichgesetzte 25² & 625 gibt mir nun könnte man sagen einen neuen Begriff. Und der Beweis zeigt was es mit dieser Gleichheit für eine Bewandtnis hat.
The equated 25² & 625 gives me, one could say, a new concept. And the proof shows what the meaning of this equality is.
§
153[2]625, mit 25² gleichgesetzt, ist ein neuer Begriff.
625, equated with 25², is a new concept.
§
153[3]Man könnte schreiben: “Ich verteile
Nüsse unter die 25 Leute”.
One could write: “I am distributing nuts among the 25 people.”
§
153[4]Wie kann man den Satz von seinem Beweis loslösen? Dieser Satz zeigt natürlich eine falsche Auffassung.
How can one separate the sentence from its proof? This sentence clearly shows a false conception.
§
153[5]Der Beweis ist eine Umgebung des Satzes.
The proof is a context for the sentence.
§
154[1]“25² = 625” ist eine Anweisung zum Gebrauch jener Zahlbegriffe. Und von jeder solchen Anweisung möchte ich sagen, sie gebe uns neue Begriffe. Denn was die Verwendungsart unserer Begriffe ändert, ändert unsre Begriffe.
“25² = 625” is an instruction for the use of those numerical concepts. And of every such instruction, I would like to say that it gives us new concepts. For what changes the way our concepts are used, changes our concepts.
§
154[2]Denn mit 625 = 25² zähle ich auch.
For with 625 = 25², I also count.
§
154[3]‘Begriff’ ist ein vager Begriff.
‘Concept’ is a vague concept.
§
154[4]Nicht in jedem Sprachspiel gibt es etwas, was man “Begriffe” nennen kann.
Not in every language-game is there something that one can call “concepts.”
§
154[5] &155[1]
Begriff ist etwas wie ein Bild womit man Gegenstände vergleicht. Und man urteilt daß der Gegenstand mit dem Bild übereinstimmt oder nicht übereinstimmt.
A concept is something like a picture with which one compares objects. And one judges that the object corresponds to the picture or does not correspond to it.
§
155[2] &156[1]
Im Sprachspiel (2) gibt es keine Begriffe. Man könnte es aber leicht durch eine solche Technik erweitern, die Begriffe zur Anwendung brächte. Man könnte z.B. Bilder einführen nach welchen B die Bausteine, die er bringen soll erkennt, oder B lernte diese Formen zeichnen, oder beschreiben etc. Es ist hier natürlich keine scharfe Grenze zwischen Sprachspielen die mit Begriffen arbeiten, & andern. Wichtig aber ist, daß das Wort “Begriff” sich auf eine Art von Behelf im Mechanismus der Sprachspiele, bezieht. Aber man könnte es leicht so erweitern daß ‘Platte’ … zu Begriffen würden.
In language-game (2), there are no concepts. But it could easily be extended by a technique that would bring concepts into application. For example, one could introduce pictures by which B recognizes the building blocks that he is supposed to bring, or B learns to draw or describe these shapes, etc. Here, of course, there is no sharp boundary between language-games that work with concepts and others. But it is important that the word “concept” refers to a kind of tool in the mechanism of language-games. But one could easily extend it so that ‘plate’… would become concepts.
§
156[2] &157[1]
Es gibt nun unter diesen Bildern(, den Begriffen,) auch bewegliche. Oder, was auf dasselbe hinausläuft, wir lernen eine Konstruktionstechnik durch die wir aus einem Bild ein anderes erhalten. (Denn ich könnte z.B. zu einem Kreis durch einen Mechanismus oder durch Konstruktion eine entsprechende Ellipse zeichnen.)
There are now also movable ones among these pictures (the concepts). Or, which amounts to the same thing, we learn a construction technique by which we obtain one picture from another. (For I could, for example, draw a corresponding ellipse to a circle by means of a mechanism or by construction.)
§
157[2]Denke nun an den Mechanismus, und während
ein Punkt einen Kreis beschreibt beschreibt der andere eine 8. Nun aber schreiben wir das, als ‘Satz’, auf in der Form .
Now consider the mechanism, and while
one point describes a circle, the other describes a figure 8. Now, however, let us write this down as a ‘sentence’ in the form .
§
157[3] &158[1]
Wenn Begriffe Maßbehelfe sind, wer sagt denn daß meine Maßbehelfe starre Stäbe und dergl. & nicht Mechanismen sein dürfen? Was ist aber dann jener Satz den ich durch den Mechanismus gewonnen habe? Nun, ersetzt er mir nicht den Mechanismus in einem besonderen Fall? Ist er nicht sozusagen ein Bild des Mechanismus in einer besonderen Lage?
If concepts are measuring tools, who is to say that my measuring tools cannot be mechanisms rather than rigid rods and the like? But what, then, is that sentence I have derived from the mechanism? Well, does it not replace the mechanism for me in a particular case? Is it not, so to speak, an image of the mechanism in a particular situation?
§
158[2] &159[1]
Das Klavierspielen dient dazu Musik zu machen. Aber könnte einer nicht auf der Klaviatur spielen um seine Finger gelenkig zu machen (etwa auf Anraten des Orthopäden); oder um jemand eine chiffrierte Mitteilung zu machen. Was soll man noch Klavierspielen nennen, was nicht mehr. So ist es mit der Mathematik. – Was wäre nun reines Klavierspielen. Wäre es eine Tätigkeit bei der es erstens auf den Zweck nicht ankäme, zweitens natürlich auch nicht auf das äußere Mittel der Klaviatur?
Playing the piano serves to make music. But could one not play on the keyboard to make one’s fingers more flexible (perhaps on the advice of an orthopedist); or to communicate a coded communication to someone? What else should one call playing the piano, and what not? So it is with mathematics. – What, then, would constitute pure piano playing? Would it be an activity in which, first, the purpose is irrelevant, and second, naturally, the external medium of the keyboard is also irrelevant?
§
159[2] &160[1]
Der Begriff, könnte man sagen, ist eine Methode des Beurteilens. Einen Begriff also bildet der, der eine neue Methode der Beurteilung erfindet. In diesem Sinne bildet die Mathematik immer neue Begriffe, die ‘mathematischen’ Begriffe. Aber jeder mathematische Beweis ist wieder ein Begriff; gleichsam ein sich bewegendes Bild. Und der bewiesene Satz ist ein Bild dieses Bildes, nach bestimmten Regeln der Abbildung.
The concept, one could say, is a method of judging. So one forms a concept who invents a new method of judging. In this sense, mathematics always creates new concepts, the ‘mathematical’ concepts. But every mathematical proof is again a concept; as it were, a moving picture. And the proven sentence is a picture of this picture, according to certain rules of depiction.
§RFM V
160[2] &161[1]
Würde man von Einem sagen, er verstehe den Satz “563 + 437 = 1000”, der nicht wüßte, wie man ihn beweisen kann? Kannst Du leugnen, daß es ein Zeichen des Verstehens des Satzes ist, wenn Einer weiß, wie er zu beweisen wäre?
Would one say of someone that he understands the sentence “563 + 437 = 1000” if he did not know how to prove it? Can you deny that it is a sign of understanding the sentence if one knows how to prove it?
§
161[2]Wie ist es dann aber mit den nicht entscheidbaren Sätzen?
How is it then with the undecidable sentences?
§
161[3]Würde mir der Fermatsche Satz bewiesen, so verstünde ich ihn nachher besser als vorher.
If the Fermat theorem were proven to me, I would understand it better afterwards than before.
§RFM V
161[4]Das Problem eine mathematische Entscheidung eines Theorems zu finden könnte man mit einigem Recht das Problem nennen einer Formel mathematischen Sinn zu geben.
The problem of finding a mathematical proof of a theorem could rightly be called the problem of giving mathematical meaning to a formula.
§RFM V
162[1]Die Gleichung kuppelt (zwei) Begriffe; so daß ich nun von einem zum andern übergehen kann.
The equation couples (two) concepts, so that I can now go from one to the other.
§
162[2]Merke: der falsche math. Satz hat nicht einen falschen Beweis, sondern gar keinen.
Note: a false mathematical sentence does not have a false proof, but no proof at all.
§
162[3]Wenn die Gleichung zwei Begriffe kuppelt, dann auch die falsche. Also z.B. 25 × 25 = 10.
If the equation couples two concepts, then the false one does too. For example, 25 × 25 = 10.
§
162[4]Wenn ich aber einen Fehler im Beweis mache & so den falschen Satz falsch beweise!
But if I make a mistake in the proof & thus prove the false sentence falsely!
§RFM V
162[5] &163[1]
Die Gleichung bildet eine Begriffsbahn. Aber ist eine Begriffsbahn ein Begriff?? Und wenn nicht, ist eine scharfe Grenze zwischen ihnen?
The equation forms a path of concepts. But is a path of concepts a concept? And if not, is there a sharp boundary between them?
§RFM V
163[2]Denke Du hast jemand eine Technik des Multiplizierens gelehrt. Er verwendet sie in einem Sprachspiel. Damit er nun nicht immer von neuem multiplizieren muß, schreibt er sich die Multiplikation in verkürzter Form, als Gleichungen nämlich auf & benützt diese, wo er früher multipliziert hat.
Suppose you have taught someone a technique of multiplying. He uses it in a language-game. So that he doesn’t always have to multiply from scratch, he writes down the multiplication in abbreviated form, as equations, and uses these where he used to multiply.
§
163[3] &164[1]
[Man könnte sich aber auch den Fall denken daß Menschen durch einen merkwürdigen Zufall in den Besitz der Multiplikationstabelle (oder einer Rechenmaschine) gekommen wären. Und daß sie nun diese Dinge zu gewissen praktischen Zwecken benützten.]
One could also imagine the case that people, through a strange coincidence, came into possession of the multiplication table (or a calculator). And that they now use these things for certain practical purposes.
§RFM V
164[2] &165[1]
Von der Technik des Multiplizierens sagt er, daß sie Verbindungen zwischen den Begriffen schlägt. Er wird dasselbe auch von der Multiplikation sagen. Und endlich auch von der Gleichung: Denn es ist ja wesentlich, daß sich der Übergang auch einfach durch das Schema der Gleichung muß darstellen lassen. Daß also der Übergang nicht immer von neuem gemacht werden muß. Wird er nun aber geneigt sein, vom Prozeß des Multiplizierens zu sagen, er sei ein Begriff?
Regarding the technique of multiplication, he says that it establishes connections between concepts. He will say the same about multiplication itself. And finally, he will say the same about the equation: For it is essential that the transition must also be able to be represented simply through the scheme of the equation. That is, the transition must not have to be made anew each time. But will he now be inclined to say that the process of multiplying is a concept?
§RFM V
165[2]Er ist doch eine Bewegung. Eine Bewegung, scheint es, zwischen zwei Ruhepunkten; diese sind die Begriffe.
It is, after all, a movement. A movement, it seems, between two points of rest; these are the concepts.
§RFM V
165[3] &166[1]
Fasse ich den Beweis als eine Bewegung von einem Begriff zum andern auf, dann werde ich von ihm nicht auch sagen wollen er gebe nur einen neuen Begriff Aber kann ich nicht die angeschriebene Multiplikation als ein Bild auffassen vergleichbar einem Zahlzeichen, & kann sie nicht auch als Begriffszeichen funktionieren?
If I conceive of the proof as a movement from one concept to another, then I will not want to say of it that it merely provides a new concept. But can I not regard the written multiplication as an image comparable to a numerical sign, and can it not also function as a conceptual sign?
§
166[2]Warum fühle ich mich nun versucht zu sagen die Gleichung gebe mir einen neuen Begriff? (Sozusagen einen kombinierten Begriff.) Ist denn nicht ein scharfer Unterschied zwischen dem was Du mit der Gleichung & dem was Du mit ihren beiden Seiten tust?
Why do I now feel tempted to say that the equation gives me a new concept? (As it were, a combined concept.) Isn’t there a sharp difference between what you do with the equation and what you do with its two sides?
§
166[3]Ich möchte sagen: die beiden Seiten der Gleichung sind zwei Seiten desselben Begriffs.
I would like to say: the two sides of the equation are two sides of the same concept.
§RFM V
167[1]Ich möchte sagen: Wenn wir einmal die eine, einmal die andre Seite der Gleichung verwenden, verwenden wir zwei Seiten desselben Begriffs.
I would like to say: if we use one side or the other side of the equation, we are using two sides of the same concept.
§
167[2]Aber warum soll ich zwei miteinander verbundene Begriffe einen Begriff nennen?
But why should I call two concepts connected to each other a concept?
§
167[3]Weil, so möchte ich sagen, keiner der beiden Teile das wäre, was er ist, wenn diese Verbindung nicht existierte.
Because, I would like to say, neither of the two parts would be what it is if this connection did not exist.
§
167[4]Du hast die begriffliche Institution geändert, als Du die Verbindung der beiden machtest.
You have changed the conceptual institution when you made the connection between the two.
§RFM V
168[1]Ist der begriffliche Apparat ein Begriff?
Is the conceptual apparatus a concept?
§
168[2]Könnte nicht der Beweis von 25² = 625 beschrieben werden als: “25² 625 ergebend”? Man könnte sagen: das zeigt Dir wie 25² 625 ergibt.
Could not the proof of 25² = 625 be described as: “25² yielding 625”? One could say: it shows you how 25² yields 625.
§
168[3]Die Gleichung 25² = 625 ist das Bild des Übergangs von “25²” auf “625”.
The equation 25² = 625 is the picture of the transition from “25²” to “625”.
§
168[4]Ist der begriffliche Apparat nicht etwas anderes, als der einzelne Begriff?
Isn’t the conceptual apparatus something different from the individual concept?
§
168[5] &169[1]
Man kann die Erfindung einer Rechnungsart eine mathematische Entscheidung nennen.
One can call the invention of a method of calculation a mathematical decision.
§
169[2]Die beiden Begriffe werden in ein Bild aufgenommen; das, wie sie selbst, aufbewahrt wird.
The two concepts are incorporated into an image; one that, like them, is preserved.
§
169[3]Der math. Beweis knüpft eine neue Begriffsverbindung.
The mathematical proof establishes a new connection of concepts.
§
169[4]Das Bild des Experiments ist kein Experiment; das Bild des Beweises aber ein Beweis.
The picture of the experiment is not an experiment; but the picture of the proof is a proof.
§
169[5]‘Er macht den Übergang nach dieser Gleichung.’ Ist also die Gleichung nicht das Bild dieser Handlung?
‘He makes the transition according to this equation.’ So is the equation not the picture of this action?
§
169[6] &170[1]
“Inhaltlich gedeutet”: ein elender Ausdruck! Wie deutet man denn inhaltlich? Was ist das für ein Vorgang? Ein psychischer? Und wann deutet man inhaltlich? Wenn uns gewisse Bilder in der Phantasie vorschweben; oder wenn wir den Satz anwenden? Oder wenn wir durch eine bestimmte Übersetzung uns zu einer bestimmten Anwendung vorbereiten?
“Interpreted in terms of content”: a wretched expression! How does one interpret in terms of content? What kind of process is that? A psychological one? And when does one interpret in terms of content? When certain images float before our imagination; or when we apply the sentence? Or when we prepare ourselves for a specific application through a particular translation?
§
170[2] &171[1]
Es ist (ja) etwas sehr Eigentümliches, daß wir uns mit Tautologien überhaupt abgeben. Es ist nichts weniger als selbstverständlich. Und das würde uns noch klarer, wenn wir in Russells Tautologien eine Anzahl Sätze statt der p, q, r etc. verwendeten.
It is (indeed) something very peculiar that we engage in tautologies at all. It is anything but self-evident. And that would become even clearer if we used a number of sentences instead of p, q, r, etc. in Russell’s tautologies.
§
171[2] &172[1]
Verstehe ich den Fundamentalsatz der Algebra nicht besser, wenn ich ihn beweisen kann, als wenn ich ihn nicht beweisen kann? Wie kann es sein, daß der Beweis nicht zu meinem Verständnis beiträgt, da er doch erst zeigt, wo dieser Satz zu Hause ist? Oder ist es hier wie mit “non” & “ne” wenn
non non p = p ist aber
ne ne p = ne p.
Do I understand the fundamental theorem of algebra better if I can prove it, than if I cannot prove it? How can it be that the proof does not contribute to my understanding, since it only shows where this sentence belongs? Or is it here as with “non” & “ne” if
non non p = p but
ne ne p = ne p.
§
172[2]Hat der den gleichen Begriff der Fünf wie wir, der nur bis 5 zählen kann?
Does he have the same concept of five as we do, who can only count up to five?
§RFM V
172[3]Wie zeigt denn einer, daß er einen mathematischen Satz versteht? Darin, etwa, daß er ihn anwendet. Also nicht auch darin, daß er ihn beweist?
How does one show that he understands a mathematical sentence? In that he applies it, perhaps. So not also in that he proves it?
§RFM V
172[4]Ich möchte sagen: der Beweis zeigt mir einen neuen Zusammenhang, daher gibt er mir auch einen neuen Begriff.
I would like to say: the proof shows me a new connection, therefore it also gives me a new concept.
§RFM V
173[1]Ist der neue Begriff nicht der Beweis selbst?
Isn’t the new concept the proof itself?
§RFM V
173[2]Du kannst doch gewiß, wenn der Beweis erbracht ist, ein neues Urteil bilden. Denn Du kannst doch nun von einer bestimmten Figur sagen, sie sei, oder sei nicht, dieser Beweis.
Surely, once the proof has been provided, you can form a new judgment. Because now you can say of a certain figure that it is, or is not, this proof.
§RFM V
173[3] &174[1]
Ja, aber ist der Beweis als Beweis betrachtet, gedeutet, eine Figur? Als Beweis, könnte ich sagen, soll er mich von etwas überzeugen. Ich soll, auf ihn hin, etwas tun, oder lassen. Und auf einen neuen Begriff hin tue, oder lasse ich nichts. Ich will also sagen: der Beweis ist das Beweisbild in bestimmter Art verwendet. Und das, wovon er mich überzeugt kann nun sehr verschiedener Art sein. (Denke an Beweise Russellscher Tautologien, Beweise in der Geometrie, & in der Algebra.)
Yes, but is the proof, when considered and interpreted as proof, a figure? As proof, I might say, it is supposed to convince me of something. I am supposed, based on it, to do something, or refrain from doing something. And based on a new concept, I do nothing, or refrain from doing nothing. So I want to say: the proof is the image of proof used in a certain way. And what it can convince me of can now be of very different kinds. (Think of proofs of Russellian tautologies, proofs in geometry, and in algebra.)
§RFM V
174[2]Der Mechanismus … kann mich von etwas überzeugen (kann etwas beweisen). Aber unter welchen Umständen – in welcher Umgebung von Tätigkeiten & Problemen – werde ich sagen er überzeuge mich von etwas?
The mechanism... can convince me of something (can prove something). But under what circumstances – in what environment of activities & problems – will I say that it convinces me of something?
§
174[3] &175[1] &
176[1]
Der Beweis davon daß die 3-Teilung des Winkels mit Lineal & Zirkel unmöglich ist überzeugt mich von dieser Unmöglichkeit & ich gebe daraufhin jeden weitern Versuch des Konstruierens auf. Der Beweis hat meine Tätigkeit geändert. Muß ich nun sagen, der Beweis gibt mir eine Überzeugung & auf die Überzeugung hin gebe ich eine gewisse Tätigkeit auf & sage Anderen sie sei fruchtlos? Warum soll ich nicht sagen: ich sehe den Beweis & gebe darauf diese Versuche auf & so hat er mich also von etwas überzeugt. Ich meine: kann denn das Ereignis der Überzeugung nicht aber im Aufgeben der Versuche bestehen?
The proof that the trisection of an angle is impossible with ruler and compass convinces me of this impossibility, and I thereupon give up any further attempt at constructing it. The proof has changed my activity. Must I now say that the proof gives me a conviction, and in response to the conviction I give up a certain activity and tell others that it is fruitless? Why shouldn't I say: I see the proof and, in response to it, I give up these attempts, and so it has convinced me of something. I mean: can't the event of the conviction consist in giving up the attempts?
§RFM V
176[2]“Aber ein Begriff überzeugt mich doch von nichts, denn er zeigt mir nicht eine Tatsache.” – Aber warum soll mich ein Begriff nicht vor allem davon überzeugen, daß ich ihn gebrauchen will.
“But a concept does not convince me of anything, for it does not show me a fact.” – But why shouldn’t a concept convince me, above all, that I want to use it?
§RFM V
176[3]Warum soll der (neue) Begriff, einmal gebildet, mir nicht unmittelbar den Übergang zu einem Urteil gestatten?
Why shouldn’t the (new) concept, once formed, allow me to immediately transition to a judgment?
§
176[4] &177[1]
Im Beweis heißt es immer: “Das ist doch das; & das ist doch das; etc.” Dieses “doch” ist charakteristisch. “Davon”, heißt es, “willst Du doch nicht abgehen; etc.”.
In a proof, it always says: “That is this; and that is that; etc.” This “indeed” is characteristic. “You don’t want to depart from that,” it says, “etc.”
§
177[2]Das Wort “doch” könnte man sagen, zeigt, daß ich Dich nur an etwas erinnere.
The word “doch,” one might say, shows that I am merely reminding you of something.
§
177[3]“Du gibst doch das zu; & das; etc.”. – “Gewiß!”– könnte ich sagen –”wenn ich damit nichts zugebe.”
“You do admit that; & that; etc.” – “Certainly!” – I might say – “if I am not thereby admitting anything.”
§
177[4] &178[1]
Wer die Brüche in eine Reihe ordnet, der gibt mir einen neuen Begriff. Es hat jetzt Sinn zu fragen: “Den wievielten Bruch hast Du angeschrieben?”; aber auch: ”der wievielte Bruch stellt diese Länge dar?”.
Whoever orders the fractions into a series gives me a new concept. Now it makes sense to ask: “Which fraction have you written down?”; but also: “Which fraction represents this length?”
§
178[2]Ebenso erlaubt mir die Zuordnung von Konstruktionsmethoden zu Arten algebraischer Ausdrücke eine neue Beschreibung der Konstruktionen, neue Fragestellungen, neue Urteile.
Similarly, assigning construction methods to types of algebraic expressions allows for a new description of the constructions, new questions, new judgments.
§
178[3]Aber zugegeben das; ist denn der Beweis bloß diese Begriffsneubildung?
But granted that; is the proof merely this conceptual innovation?
§
178[4] &179[1]
Ich verstehe, wie die Figur
ein Bild zur Messung, sozusagen, solcher Punktanordnungen sein kann. Ich verstehe auch, daß so ein Maß so ausschauen kann
— — —
I have an understanding of how the figure
can be a representation for measuring, so to speak, such arrangements of points. I also have an understanding of how such a measure can look like this
— — —
§
179[2]Ich mache ein zusammengesetztes Paradigma aus den beiden Begriffen. Und ich kopiere nun dieses zusammengesetzte Bild. Es ist ein für allemal das Bild des richtigen Übergangs.
I create a composite paradigm from the two concepts. And I now copy this composite picture. It is once and for all the picture of the correct transition.
§
179[3] &180[1]
Ich mache ein zusammengesetztes Paradigma. – Aber wofür ist es ein Paradigma? Nun, jedenfalls für den Vorgang des Zusammensetzens.
I create a composite paradigm. – But what is it a paradigm for? Well, in any case, for the process of composition.
§
180[2]Nehmen wir an, uns hat jemand den Fundamentalsatz bewiesen. Und zwar so, indem er uns zeigt, wie für eine bestimmte Gleichung, , Approximationen für x zu finden sind.
Let's assume that someone has proven the fundamental theorem to us. And they did so by showing us how to find approximations for x for a specific equation, .
§
181[2] &182[1] &
183[1]
Thank you for your letter dated … The news of your entering the Roman Catholic church was indeed unexpected. But whether it's good or bad news, how should I know. This seems clear to me. The decision to become a Christian is like the decision to give up walking on the ground & to take up walking on a tightrope; where nothing is more easy than to slip & every slip can be fatal. Now if a friend of mine were to take up tightrope walking & told me that in order to do it he has to wear a particular garment I should say: If you're serious about the tightrope walking I'm certainly not the man to tell you what clothes you should or should not wear, as I've never tried the thing. Further your decision to wear those clothes is in a sense terrible, however one may look at it. For if they mean that you're going to do the tightrope walking this is terrible even though it may be the best & greatest thing you can do. And if you dress in these clothes & then don't do the tightrope act this is terrible in a different way. There's one thing however I'ld warn my friend against. There are certain devices (a weight attached in the right way to the body & hanging underneath the rope) which will make tightrope walking entirely easy. With such a device a man can go through all the motions of the tightrope walker and be in no more danger than on an ordinary footpath. – I should therefore say to my friend: I can't applaud your decision to go in for tightrope walking because a man who like myself has always stayed safely on the ground has no right to encourage another man to such an enterprise. On the other hand if I were asked whether my friend should rather go in for this dangerous life or for shamming it I'd have a right to say that the second would be by far more terrible than the first. My only wish for you can be that whatever you do you will remain capable of despairing, & that you will not despair.
Thank you for your letter dated … The news of your entering the Roman Catholic church was indeed unexpected. But whether it's good or bad news, how should I know. This seems clear to me. The decision to become a Christian is like the decision to give up walking on the ground & to take up walking on a tightrope; where nothing is more easy than to slip & every slip can be fatal. Now if a friend of mine were to take up tightrope walking & told me that in order to do it he has to wear a particular garment I should say: If you're serious about the tightrope walking I'm certainly not the man to tell you what clothes you should or should not wear, as I've never tried the thing. Further your decision to wear those clothes is in a sense terrible, however one may look at it. For if they mean that you're going to do the tightrope walking this is terrible even though it may be the best & greatest thing you can do. And if you dress in these clothes & then don't do the tightrope act this is terrible in a different way. There's one thing however I'ld warn my friend against. There are certain devices (a weight attached in the right way to the body & hanging underneath the rope) which will make tightrope walking entirely easy. With such a device a man can go through all the motions of the tightrope walker and be in no more danger than on an ordinary footpath. – I should therefore say to my friend: I can't applaud your decision to go in for tightrope walking because a man who like myself has always stayed safely on the ground has no right to encourage another man to such an enterprise. On the other hand if I were asked whether my friend should rather go in for this dangerous life or for shamming it I'd have a right to say that the second would be by far more terrible than the first. My only wish for you can be that whatever you do you will remain capable of despairing, & that you will not despair.
§
184[1]Ich will sagen, der Sinn der Mathematik ist es, daß sie mich die Dinge auf neue Art beurteilen lehrt.
I want to say that the sense of mathematics is that it teaches me to judge things in a new way.
§
184[2]Der Beweis zeigt eine neue Verbindung von Figuren, eine neue Bewegung. Und diese ist uns als Bild aus irgendeinem Grunde wichtig.
The proof shows a new connection of figures, a new movement. And this is important to us as a picture for some reason.
§RFM V
184[3] &185[1]
“Einen math. Satz verstehen” das ist ein sehr vager Begriff. Sagst du aber “Auf's Verstehen kommt's überhaupt nicht an. Die math. Sätze sind nur Stellungen in einem Spiel” so ist das auch Unsinn! ‘Mathematik’ ist eben kein scharf umgrenzter Begriff.
“To understand a mathematical sentence” is a very vague concept. But if you say “Understanding is not important at all. Mathematical sentences are just positions in a game,” that is also nonsense! ‘Mathematics’ is simply not a sharply defined concept.
§RFM V
185[2] &186[1]
Daher der Streit ob ein Existenzbeweis der keine Konstruktion ist ein wirklicher Existenzbeweis ist. Es frägt sich nämlich: verstehe ich den Satz “Es gibt …” wenn ich keine Möglichkeit habe zu finden wo es existiert. Und da gibt es zwei Gesichtspunkte: Als deutschen Satz z.B. verstehe ich ihn soweit ich ihn nämlich erklären kann (& merke, wie weit meine Erklärung geht!). Was aber kann ich mit ihm anfangen? Nun nicht das was mit einem Konstruktionsbeweis. Und soweit, was ich mit dem Satz machen kann, das Kriterium seines Verstehens ist soweit ist es nicht von vornherein klar, ob & wie weit ich ihn verstehe. Das ist der Fluch des Einbruchs der math. Logik in die Mathematik, daß nun jeder Satz sich in mathematischer Schreibung darstellen läßt & wir uns daher verpflichtet fühlen ihn zu verstehen. Obwohl ja diese Schreibweise nur die Übersetzung der vagen gewöhnlichen Prosa ist.
Hence the dispute about whether an existence proof that is not a construction is a real existence proof. The question is: do I understand the sentence “There exists…” if I have no way to find out where it exists. And there are two points of view: As a German sentence, I understand it in so far as I can explain it (and notice how far my explanation goes!). But what can I do with it? Well, not what I can do with a constructive proof. And as far as what I can do with the sentence is a criterion of its understanding, it is not from the outset clear whether and how far I understand it. This is the curse of the intrusion of mathematical logic into mathematics, that now every sentence can be represented in mathematical notation and we therefore feel obligated to understand it. Although this notation is only the translation of the vague, ordinary prose.
§
187[1]Der Beweis ist ein Begriff zur Beurteilung vor allem des Beweisens.
The proof is a concept for judging, especially the act of proving.
§
187[2]Verstehe den math. Satz: siehe Mult. Ax.. (“Es glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei auch etwas denken lassen”.)
(x) ∙ x ∊ Soldier ․⊃․ x is brave
(x) ∙ x ∊ Soldier
Understand the mathematical sentence: see Mult. Ax.. (“Man believes, when he only hears words, that one must also be able to think something in the process.”)
(x) ∙ x ∊ Soldier ․⊃․ x is brave
(x) ∙ x ∊ Soldier
§RFM V
187[3] &188[1]
Ein Begriff ist nicht wesentlich ein Prädikat. Wir sagen zwar manchmal: “dieses Ding ist keine Flasche” aber es ist dem Sprachspiel mit dem Begriff Flasche gar nicht wesentlich daß solche Urteile darin gefällt werden. Achte eben darauf wie ein Begriffswort (z.B. “Platte”) in einem Sprachspiel gebraucht wird.
A concept is not essentially a predicate. We sometimes say: “this thing is not a bottle,” but it is not essential to the language-game with the concept of a bottle that such judgments are made in it. Just pay attention to how a concept word (e.g., “plate”) is used in a language-game.
§RFM V
188[2]Es brauchte z.B. gar keinen Satz “dies ist eine Platte” geben; sondern etwa nur den: “hier ist eine Platte”.
For example, there doesn't need to be a sentence like “this is a plate”; rather, it could be something like: “here is a plate.”
§RFM V
188[3] &189[1]
Die “mathem. Logik” hat das Denken von Mathematikern & Philosophen gänzlich verbildet, indem sie eine oberflächliche Deutung der Formen unserer Umgangssprache zur Analyse der Strukturen der Tatsachen erklärte. Sie hat hierin freilich nur auf der Aristotelischen Logik weiter gebaut.
“Mathematical logic” has completely distorted the thinking of mathematicians & philosophers by presenting a superficial interpretation of the forms of our everyday language as an analysis of the structures of facts. It has, of course, only built on Aristotelian logic.
§
189[2] &190[1]
Ich könnte die Gleichung x⁹ + … x⁸ + … = 0 mit einem Bild der Art
verbinden & sagen, ich hätte bewiesen, daß der Ausdruck für irgendeinen Wert von x zu 0 wird ohne eine Methode zu geben dieses x zu finden; & dann könnte mein Beweis drauf hinaus kommen die Stätigkeit der Funktion zu zeigen zusammen mit der Form, der sich die Kurve für große x nähert. Und statt der Figur (…) hätte ich besser ein Modell verwendet, in dem das Stück A B nicht ein Strich, sondern ein Stück Faden ist.
I could associate the equation x⁹ + … x⁸ + … = 0 with a picture of the kind
& say that I have proven that the expression becomes 0 for some value of x without providing a method to find that x; & then my proof could end up showing the behavior of the function together with the form that the curve approaches for large x. And instead of the figure (…) I would have used a model in which the piece A B is not a line, but a piece of thread.
§
190[2] &191[1]
Von was Du Dich überzeugst das kann man dadurch ausdrücken; was Du daraufhin sagst.
What you are convinced of can be expressed by what you say afterward.
§
191[2]Uns kümmert der seelische Zustand der Überzeugtheit nicht. Wohl aber der Anblick, der dich überzeugt und die Konsequenz dieser Überzeugtheit. Daher sagt uns auch das Wort “Intuition” gar nichts in Verbindung etwa mit einem Induktionsbeweis.
We are not concerned with the psychological state of conviction. But we are concerned with the sight that convinces you and the consequence of that conviction. Therefore, the word “intuition” tells us nothing in connection with, for example, an inductive proof.
§
191[3]“Intuition” ist (nur) eine Ausrede – wo gar keine Ausrede nötig ist.
“Intuition” is (only) an excuse – where no excuse is needed.
§
191[4] &192[1]
Das Interessante am Mult. Ax. ist nicht der paradiesische Zustand den es zu beschreiben scheint, sondern vielmehr der tatsächliche Zustand gemessen an jenem Ideal also der fundamentale Gegensatz zwischen ‘endlichen’ & ‘unendlichen Klassen’.
The interesting thing about Mult. Ax. is not the paradisiacal state that it seems to describe, but rather the actual state measured against that ideal, i.e., the fundamental contrast between ‘finite’ & ‘infinite classes’.
§
192[2] &193[1]
Statt die Konsequenzen des Mult. Ax. zu entwickeln & dem Leser gleichsam das Idealbild zu zeigen, wie schön es wäre wenn es sich so verhielte, sollte das einzig Interessante gezeigt werden nämlich der Gegensatz der Mathematik zu diesem Bild. Und in dieser Weise kann das Mult. Ax. wirklich ein interessantes Licht auf die Mathematik der unendlichen Zahlen werfen.
Instead of developing the consequences of Mult. Ax. & showing the reader, as it were, the ideal image of how nice it would be if it were the case, the only interesting thing should be shown, namely the contrast between mathematics & this image. And in this way, Mult. Ax. can really shed an interesting light on the mathematics of infinite numbers.
§
193[2] &194[1]
Das Interessante am Mult. Ax. ist nicht der Ideal-Zustand den es uns gleichsam als wünschbar vor Augen führt, sondern, umgekehrt, die Tatsache, daß dies Axiom einem Vorurteil entspricht gegründet auf einer Vermischung der Begriffe & daß dieses Vorurteil der Mathematik ganz unwesentlich ist. Es ist interessant wenn es uns zeigt, wie gefährlich die Phraseologie ist, die es uns plausibel erscheinen läßt.
The interesting thing about Mult. Ax. is not the ideal state that it presents to us as desirable, but, conversely, the fact that this axiom corresponds to a prejudice based on a confusion of concepts & that this prejudice is completely irrelevant to mathematics. It is interesting if it shows us how dangerous the phraseology is that makes it seem plausible.
§RFM V
194[2] &195[1]
Es ist schon wahr: das Zahlzeichen gehört zu einem Begriffswort & nur mit diesem ist es, sozusagen, ein Maß.
It is true: the number sign belongs to a concept word & is, in a sense, a measure only with it.
§
195[2]Welcher Art war der Irrtum, worauf konnte er gegründet sein, daß alle möglichen unendlichen Dezimalbrüche darstellte?
What was the nature of the mistake, on what could it have been based, that represented all possible infinite decimal fractions?
§
195[3]Man kann das Zeichen “626” daraufhin beurteilen ob es bei der Multiplikation von 25 × 25 entsteht; oder wie weit es davon entfernt ist so zu entstehen.
One can judge the sign “626” by whether it arises in the multiplication of 25 × 25; or how far it is from arising.
§
195[4] &196[1]
Kann ich sagen, ich beurteile die Ziffer 6768 (als Tapetenmuster) danach ob sie größer oder kleiner oder gleich 392 ist? Kann man das, sozusagen, ein Messen jener Ziffer nennen? Nein. Nicht der Ziffer 6768; wohl aber der Ziffer in der rechten unteren Ecke der Tapete, die etwa 6768 ist.
Can I say that I judge the digit 6768 (as a wallpaper pattern) by whether it is greater or smaller than 392? Can one call this, in a sense, a measurement of that digit? No. Not of the digit 6768; but of the digit in the lower right corner of the wallpaper, which is, for example, 6768.
§
196[2]Es ist ein mathematischer Satz: daß das Thema … einen Kanon in der Unterquart bilden kann.
It is a mathematical sentence: that the theme … can form a canon in the lower fourth.
§
196[3]Der Beweis überzeugt Dich von etwas: das heißt, Du wirst etwas auf den Beweis hin tun.
The proof convinces you of something: that is, you will do something in response to the proof.
§
197[1]Oder auch: Du wirst überzeugt sein, daß Du das & das wirst tun können; Du wirst es unternehmen, Andern sagen, daß sie es unternehmen sollen, usw.
Or also: you will be convinced that you will be able to do this & that; you will undertake it, tell others that they should undertake it, etc.
§
197[2]Und wie läßt sich dies auf die Beweise der R.'schen Tautologien anwenden?
And how can this be applied to the proofs of Russell’s tautologies?
§
197[3]Nun der Beweis überredet Dich dazu, so & so zuschließen.
Now, the proof persuades you to conclude so & so.
§
197[4] &198[1]
Wie hängt die Überzeugungskraft des Beweises damit zusammen, daß er einen Begriff bildet?
How is the persuasive power of the proof related to the fact that it forms a concept?
§
198[2]Nun der Begriff gibt mir jedenfalls einen neuen Begriff zur Beurteilung des Satzes, welchen er beweist.
Now, the concept at least gives me a new concept for judging the sentence that it proves.
§RFM V
198[3]Der Philosoph muß sich so drehen & wenden, daß er an den mathematischen Problemen herumkommt, nicht gegen eines rennt, – das gelöst werden müßte ehe er weitergehen kann.
The philosopher must turn and twist in such a way that he avoids the mathematical problems, rather than rushing headlong into one that would have to be solved before he can proceed.
§RFM V
198[4] &199[1]
Sein Arbeiten in der Philosophie ist gleichsam eine Faulheit in der Mathematik.
His work in philosophy is, in a way, laziness in mathematics.
§
199[2]Ein bewiesener mathematischer Satz ist eine interessante Figur.
A proven mathematical sentence is an interesting figure.
§RFM V
199[3]Nicht ein neues Gebäude ist aufzuführen, oder eine neue Brücke zu schlagen, sondern die Geographie, wie sie jetzt ist, zu beschreiben.
It is not a matter of erecting a new building or building a new bridge, but of describing geography as it is now.
§RFM V
199[4]Wir sehen wohl Stücke der Begriffe, aber nicht klar die Abhänge, die den einen in andere übergehen lassen.
We see pieces of concepts, but not clearly the transitions that lead from one to another.
§RFM V
200[1]Darum hilft es in der Philosophie der Mathematik nichts Beweise in neue Formen zu bringen. Obwohl hier eine starke Versuchung liegt.
Therefore, it is of no use in the philosophy of mathematics to put proofs into new forms. Although there is a strong temptation to do so.
§RFM V
200[2]Auch vor 500 Jahren konnte es eine Philosophie der Mathematik geben, dessen was damals die Mathematik war.
Even 500 years ago, there could have been a philosophy of mathematics based on what mathematics was at the time.
§
200[3]Der math. Beweis muß Dir einen neuen Begriff geben, weil er es Dir möglich machen muß anders zu urteilen, ohne Dir etwas mitzuteilen.
The mathematical proof must give you a new concept, because it must make it possible for you to judge differently, without communicating anything to you.
§
201[1]“Schreibe diesen Satz auf, wenn er von dieser Figur bewiesen wird!”
“Write down this sentence if it is proven by this figure!”
§
201[2]“Sieh' nach, ob dieser Satz von dieser Figur bewiesen wird.”
“See if this sentence is proven by this figure.”
§
201[3]Wenn man sich “nicht vorstellen kann” daß 25 × 25 625 nicht ergibt, dann kann man auch nicht glauben, könnte man sagen, daß es 625 ergibt.
If one “cannot imagine” that 25 × 25 does not equal 625, then one cannot believe, one might say, that it equals 625.
§
201[4]Insofern man sich nicht vorstellen kann daß 25 × 25 nicht 625 ergibt, kann man auch nicht glauben daß es 625 ergibt.
Insofar as one cannot imagine that 25 × 25 does not equal 625, one cannot believe that it equals 625.
§
202[1]“Schreibe den Beweis des Satzes … aus den Sätzen … & … auf.”
“Write out the proof of the sentence … from the sentences … & … .”
§
202[2]Ich möchte sagen: der Beweis wird statisch gebraucht, nicht dynamisch. (Heißt das: als Bild, nicht als Experiment?)
I would like to say: the proof is used statically, not dynamically. (Does this mean: as a picture, not as an experiment?)
§
202[3]Und wenn der Beweis uns ein neues Bild ist, dann auch ein neuer Begriff.
And if the proof is a new picture for us, then it is also a new concept.
§
202[4]– – – Nun, Du beweist Dir den Satz, & nun verwendest Du ihn losgelöst vom Beweis.
– – – Now, you prove the sentence to yourself, and now you use it independently of the proof.
§RFM V
204[1] &205[1]
Wenn Du dieser Maus ins Maul schaust wirst du zwei lange Schneidezähne sehen. – Wie weißt du das? – Ich weiß daß alle Mäuse sie haben, also auch diese. (Und man sagt nicht: “& dieses Ding ist eine Maus, also hat auch sie …”) Warum ist das eine so wichtige Bewegung? Nun, wir studieren z.B. Tiere, Pflanzen etc. etc., bilden allgemeine Urteile & wenden sie im einzelnen Fall an. – Es ist aber doch eine Wahrheit daß diese Maus die Eigenschaft hat, wenn alle Mäuse sie haben! Das ist eine Bestimmung über die Anwendung des Wortes “alle”: Die tatsächliche Allgemeinheit liegt wo anders. Nämlich z.B. in dem allgemeinen Vorkommen jener Untersuchungsmethode & ihrer Anwendung.
If you look into this mouse’s mouth, you will see two long incisors. – How do you know that? – I know that all mice have them, so this one does too. (And one does not say: “& this thing is a mouse, so it too has …”) Why is this such an important step? Well, we study, for example, animals, plants, etc., form general judgments, and apply them to individual cases. – But it is still a fact that this mouse possesses the property if all mice have it! This is a stipulation regarding the use of the word “all”: the actual universality lies elsewhere. Namely_, for example,_ in the general prevalence of that method of investigation and its application.
§RFM V
205[2]Oder: “Dieser Mann ist ein Student der Math.”. Wie weißt du das? –“Alle Leute in diesem Zimmer sind Mathematiker; es sind nur solche zugelassen worden.” –
Or: “This man is a student of mathematics.” How do you know that? – “All the people in this room are mathematicians; only such people have been admitted.” –
§RFM V
205[3] &206[1]
Das interessante Allgemeine ist, daß wir oft ein Mittel haben uns von dem allgemeinen Satz zu überzeugen, ehe wir besondere Fälle in Betracht ziehen: & daß wir dann mittels der allgemeinen Methode den besondern Fall beurteilen.
The interesting generality is that we often have a way of being convinced of the general sentence before we consider individual cases: and that we then use the general method to judge the particular case.
§RFM V
206[2]Wir haben dem Pförtner den Befehl gegeben nur Leute mit Einladungen hereinzulassen & rechnen nun darauf, daß dieser Mensch, der hereingelassen wurde, eine Einladung hat.
We have given the doorman the order to let in only people with invitations and now we expect that this person, who was let in, has an invitation.
§RFM V
206[3] &207[1]
Das interessante Allgemeine am logischen Satz ist nicht die Tatsache, die er auszusprechen scheint sondern die immer wiederkehrende Situation in der dieser Übergang gemacht wird.
The interesting generality in the logical sentence is not the fact that it seems to express, but the recurring situation in which this transition is made.
§
207[2]Ich bin überzeugt, nicht nur, daß ich das Resultat des Beweises, sondern auch das ganze Bild des Beweises erhalten kann, indem ich diese Paradigmen sukzessive auf die Prämissen anwende.
I am convinced that I can obtain not only the result of the proof, but also the entire picture of the proof, by successively applying these paradigms to the premises.
§
207[3]Der Beweis überzeugt Dich auch, daß Du die Beweisfigur durch Anwendung der Paradigmen nach der Reihe … erzeugen kannst.
The proof also convinces you that you can generate the proof figure by applying the paradigms in sequence … .
§
207[4] &208[1]
Hat der Beweis Dich unbedingt davon überzeugt, daß Du diesen Satz erhalten mußt, wenn Du nach diesen Paradigmen von diesem Ausgangspunkt weitergehst? Nein. Er hat Dich nur davon überzeugt, daß unter den Sätzen, die Du so erhalten kannst, auch dieser ist. Daß ein solcher Weg auch dahin führt, daß diese Figur ein solcher Weg ist.
Has the proof absolutely convinced you that you must obtain this proposition if you proceed from this starting point according to these paradigms? No. It has only convinced you that among the propositions you can obtain in this way, this one is included. That such a path also leads to this figure being such a path.
§
208[2]Der Beweis ordnet den Schlußsatz unter den Begriff “aus diesen Sätzen auf diese Art erhältlich“.
The proof places the concluding sentence under the concept of “obtainable from these sentences in this way.”
§
208[3] &209[1]
Wenn ich also meine Wand nur mit Sätzen schmücken will, die sich so erhalten lassen, brauche ich dazu nur Schlußsätze aus den Principia Mathematica zu kopieren. Oder, wenn ich die Wand nur mit Figuren schmücken will, die Wege nach solchen Übergängen sind, so brauche ich nur Beweise der Principia Mathematica zu kopieren.
So if I want to decorate my wall only with sentences that can be derived in this way, I need only copy concluding sentences from the Principia Mathematica. Or, if I want to decorate the wall only with figures that are paths to such transitions, I need only copy proofs from the Principia Mathematica.
§
209[2]Was so aussieht, ist ein Beweis dieses Satzes aus denen.
What looks like this is a proof of this theorem from those.
§
209[3] &210[1] &
211[1]
Ich beurteile eine Figur an der Wand nach dem Begriff “erzeugbar aus … nach …”. Nun kann mir ein allgemeines Prinzip gegeben sein wonach ich dies entscheiden kann. Es muß aber nicht so sein. Es können nur einzelne Beweise gegeben sein. Ich kann ‘durch Glück’ solche für die Figuren finden die ich zu beurteilen habe; oder es stehen solche schon in einem Buche, etwa. Bin ich nicht im Stande solche Beweise zu erfinden, finde aber, durch Zufall, zu einer meiner Figuren im Buche den Beweis, so kann ich nun sagen: dort stehe eine auf die bewußte Weise erhältliche Figur
I judge a figure on the wall according to the concept of “generatable from… according to…”. Now, a general principle may be given according to which I can decide this. But it does not have to be the case. There may only be individual proofs given. I can, ‘by chance’, find such proofs for the figures that I have to judge; or such proofs may already be in a book, for example. If I am not able to invent such proofs, but, by chance, find the proof for one of my figures in the book, then I can now say: there is a figure obtainable in this way.
§
211[2]Die Beweisfigur ist der Rekord eines Schlußvorgangs.
The proof figure is the record of a process of inference.
§
211[3]Gibt es angewandte Mathematik, so auch angewandte Logik. Nun, wie schaut angewandte Logik aus?
If there is applied mathematics, then there is also applied logic. Now, what does applied logic look like?
§
211[4]In der angewandten Math. werden die ‘math. Begriffe’ angewandt & Schlüsse (z.B. Substitutionen) nach den Sätzen der reinen Math.
In applied mathematics, the ‘mathematical concepts’ are applied, and inferences are made (e.g. substitutions) according to the sentences of pure mathematics.
§
212[1] &213[1]
Der Satz steht für das, wovon uns der Beweis überzeugt. – Der Beweis ist z.B. ein Bild, das mich überzeugt, ich werde durch die & die Art von Tätigkeit von dort immer dahin gelangen. Ich werde etwas Bestimmtes auf den Beweis hin wagen. Der Satz, der den Beweis beweist steht für das, was ich auf den Beweis hin wagen werde.
The sentence stands for what the proof convinces us of. – The proof is, for example, a picture that convinces me that I will always get from there to here through this and this kind of activity. I will venture something specific based on the proof. The sentence that proves the proof stands for what I will venture based on the proof.
§
213[2] &214[1]
– – – Der Satz entspricht etwa einem Bild des Mechanismus mit (den) eingezeichneten Bahnen der Punkte A & B. Er ist also in gewisser Beziehung ein Bild jener Bewegung. Er hält das fest, wovon mich der Beweis überzeugt; oder, wozu er mich überredet.
– – – The sentence corresponds approximately to a picture of the mechanism with (the) paths of the points A & B drawn in. So, in a certain respect, it is a picture of that movement. It captures what the proof convinces me of; or, to what it persuades me.
§
214[2]Wenn der Beweis das Vorgehn nach der Regel registriert, so erzeugt er (dadurch) einen neuen Begriff.
If the proof registers the procedure according to the rule, then it (thereby) creates a new concept.
§
214[3] &215[1]
Indem er einen neuen Begriff erzeugt, überzeugt er mich von etwas. Denn zu dieser Überzeugung ist es wesentlich, daß das Vorgehen nach diesen Regeln immer das gleiche Bild erzeugen muß. (‘gleich’ nämlich nach den gewöhnlichen Regeln des Vergleichens & Kopierens.)
In creating a new concept, it convinces me of something. Because for this conviction, it is essential that the procedure according to these rules must always produce the same picture. (‘same’ namely according to the usual rules of comparison and copying.)
§
215[2] &216[1]
Damit hängt es zusammen, daß man sagen kann, der Beweis müsse eine interne Relation zeigen. Denn die interne Relation von Strukturen ist die Operation die die eine aus der andern erzeugt äquivalent angesehen mit dem Bild dieser Strukturen selbst, so daß nun der Übergang dieser Bilderreihe gemäß eo ipso ein Übergang jenen Regeln gemäß ist.
This is related to the fact that one can say that the proof must show an internal relation. Because the internal relation of structures is the operation that generates one from the other, viewed as equivalent to the picture of these structures themselves, so that the transition of this series of pictures is, eo ipso, a transition according to those rules.
§
216[2]Indem der Beweis einen Begriff erzeugt, überzeugt er mich von etwas. Das, wovon er mich überzeugt ist in dem Satz ausgesprochen den er bewiesen hat.
In creating a concept, the proof convinces me of something. What it convinces me of is expressed in the sentence that it has proven.
§
216[3] &217[1]
Problem: Bedeutet das Wort, “mathematisch” jedesmal das gleiche: wenn wir von ‘mathematischen’ Begriffen, ‘mathematischen’ Sätzen & ‘mathematischen Beweisen’ reden?
Problem: Does the word “mathematical” mean the same thing every time: when we talk about ‘mathematical’ concepts, ‘mathematical’ sentences, and ‘mathematical’ proofs?
§
217[2]Was hat nun der bewiesene Satz mit dem Begriff zu tun, der den Beweis schuf. (Oder: was hat der bewiesene Satz mit der internen Relation zu tun, die der Beweis demonstrierte.
What does the proven sentence have to do with the concept that created the proof? (Or: what does the proven sentence have to do with the internal relation that the proof demonstrated?)
§
217[3]Das Beweisbild ist ein Instrument des Über-Zeugens.
The proof-picture is an instrument of persuasion.
§
217[4] &218[1]
Es ist klar, man kann auch den unbewiesenen math. Satz, ja auch den falschen, anwenden.
It is clear that one can also apply the unproven mathematical sentence, yes, even the false one.
§
218[2]Der math. Satz sagt mir: Verfahre so!
The mathematical sentence tells me: Proceed in this way!
§
218[3]Ich verfahre also auf den Satz hin wie auf den Beweis der mich davon überzeugt ich dürfe so verfahren.
So I proceed according to the sentence, just as I proceed according to the proof that convinces me that I am allowed to proceed in this way.
§
218[4] &219[1]
Wenn uns der Beweis von etwas überzeugt dann müssen wir auch von den Axiomen überzeugt sein. Wohl; aber nicht als von empirischen Sätzen; d.h., das ist ihre Rolle nicht. Sie sind im Sprachspiel von der Verifikation durch die Erfahrung ausgeschlossen. Sie sind nicht Erfahrungsurteile, sondern Prinzipien des Urteilens.
If the proof convinces us of something, then we must also be convinced of the axioms. Yes; but not as empirical sentences; that is, that is not their role. They are excluded from the language-game of verification through experience. They are not statements of experience, but principles of judgment.
§
219[2]Der Beweis überredet mich, so zu verfahren. Der bewiesene Satz sagt: “verfahre so!”
The proof persuades me to proceed in this way. The proven sentence says: “Proceed in this way!”
§
219[3]Ein Sprachspiel: Wie habe ich mir eins vorzustellen, in dem Axiome, Beweise & bewiesene Sätze auftreten?
A language-game: How can I imagine one in which axioms, proofs, and proven sentences occur?
§RFM V, VB
219[4] &220[1]
Der Philosoph ist der, der in sich viele Krankheiten des Verstandes heilen muß, ehe er zu den Notionen des gesunden Menschenverstandes kommen kann.
The philosopher is the one who must cure many diseases of the mind in himself before he can come to the notions of common sense.
§
220[2] &221[1] &
&
221[2]
Wer in der Schule zum erstenmal ein bißchen von der Logik hört, der ist gleich davon überzeugt, wenn man ihm sagt, ein Satz impliziere sich selbst, oder wenn er nun das Gesetz des Widerspruchs aussprechen hört, oder das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten. Warum ist er gleich davon überzeugt. Nun, diese Gesetze passen ganz in den Gebrauch der Sprache, den er ja beherrscht. – – –
When one first hears a little about logic in school, one is immediately convinced when one is told that a sentence implies itself, or when one now hears the law of contradiction, or the law of the excluded middle. Why is he immediately convinced? Well, these laws fit perfectly into the use of language, which he does master. – – –
§
221[3]Dann lernt er etwa kompliziertere Sätze der Logik beweisen. Die Beweise werden ihm vorgeführt, & er ist wieder überzeugt; oder er erfindet selbst einen Beweis. Er lernt so neue Techniken des Schließens. Und auch, auf welche Rechnung es zu setzen ist, wenn sich ein Fehler zeigt.
Then he learns to prove more complicated sentences of logic. The proofs are demonstrated to him, and he is convinced again; or he invents a proof himself. He thus learns new techniques of inference. And also, what to make of it when an error appears.
§
222[1]Der Beweis überzeugt ihn überredet ihn, daß er an dem Satz, an der Technik, die er vorschreibt, festhalten muß; aber (er) zeigt ihm auch, wie er an dem Satz festhalten kann & nicht Gefahr läuft, mit einer Erfahrung in Konflikt zu geraten.
The proof convinces him, persuades him, that he must adhere to the proposition, to the technique that it prescribes; but it also shows him how he can adhere to the proposition and not run the risk of coming into conflict with an experience.
§VB
222[2] &223[1]
Wenn wir im Leben vom Tod umgeben sind, so auch in der Gesundheit des Verstands vom Wahnsinn.
If in life we are surrounded by death, so too in the health of the mind we are surrounded by madness.
§
223[2]Nocheinmal: Man könnte den Beweis in den Worten beschreiben: “So geben 500 + 500 1000”, “So hat eine Gleichung n-ten Grades n Wurzeln”, “So gehen die rationalen Zahlen an der √2 vorüber”. Der Beweis zeigt Dir einen Vorgang & Du kannst nun nicht umhin ihn so & so zu nennen.
Once again: One could describe the proof in the words: “Thus, 500 + 500 equals 1000,” “Thus, an equation of the n-th degree has n roots,” “Thus, the rational numbers pass by √2.” The proof shows you a process, and you can now not help but name it in this way and that way.
§
223[3]Sieh', so geben 3 + 2 5.
⋎
Aus dem Beweis leitest Du eine Regel ab, oder einen Satz, der als Regel dient.
See, 3 + 2 equals 5.
⋎
From the proof, you derive a rule, or a theorem that serves as a rule.
§
224[1]Jeder Erfahrungssatz kann als Regel dienen wenn man ihn feststellt, ich meine unbeweglich macht, so daß sich nun alle Darstellung um ihn dreht & er zur Methode der Darstellung gehört & unabhängig von den Tatsachen wird.
Every experiential proposition can serve as a rule if you fix it, that is, make it unchangeable, so that now all representation revolves around it and it becomes part of the method of representation and is independent of the facts.
§
224[2]”So ist es, wenn dieser Satz aus diesem abgebildet wird. Das mußt Du doch zugeben.” Was ich zugebe ist, daß ich solchen Vorgang so nenne.
“That is how it is when this sentence is derived from that one. You must admit that.” What I admit is that I call such a process by that name.
§VB
224[3] &225[1]
Denken wollen ist eins; Talent zum Denken haben, ein Anderes.
Wishing to think is one thing; having a talent for thinking is another.
§
225[2]Wie steht der Beweis des Satzes hinter dem Satz? Steht er hinter dem Satz wie eine Anwendung des Satzes? ein Teil der Technik, in der der Satz sein Leben hat?
How does the proof of the proposition stand behind the proposition? Does it stand behind the proposition as an application of the proposition? A part of the technique in which the proposition has its life?
§
225[3]Könnte man sich eine Mathematik ganz ohne Beweise denken? Die Menschen lernten math. Sätze & würden von ihrer Wahrheit durch die Autorität des Lehrers überzeugt. –
Could one imagine mathematics without any proofs? People learned mathematical propositions, and they were convinced of their truth by the authority of the teacher.
§
225[4] &226[1]
Könnte man sich denken daß Physik so gelehrt würde. Der Schüler dürfte die Apparate sehen, aber kein Experiment. Es würde ihm gesagt: “Wenn man diese Drähte so & so verbindet & dann diesen Hebel niederdrückt gibt dieser Zeiger einen Ausschlag & …”
Could one imagine physics being taught in this way? The student would be allowed to see the apparatus, but no experiment. He would be told: “If you connect these wires in this way and then press this lever, this pointer will deflect and…”
§
226[2] &227[1]
Nun, lernt er nicht auch die Geographie Nord-Amerikas, ohne dort gewesen zu sein? Und man kann ihm doch auch beibringen, eine Zahl sei durch 9 teilbar, wenn ihre Ziffernsumme es ist; ohne daß er weiß, warum.
Well, doesn’t he also learn the geography of North America without having been there? And one can also teach him that a number is divisible by 9 if its digit sum is divisible by 9; without him knowing why.
§
227[2]Du prüfst den Zeichenausdruck (es muß kein Satz sein) formal & entscheidest so, ob er für Deinen Zweck zu brauchen ist.
You examine the sign expression (it does not have to be a proposition) formally and decide in this way whether it is useful for your purpose.
§
227[3] &228[1]
Wie ist es mit der Prüfung von Zeichenausdrücken daraufhin, ob sie Multiplikationen sind? Nun, nichts leichter, als sich so eine Prüfung vorzustellen. (Sie ist ganz analog der Prüfung eines Zahlzeichens daraufhin, ob es das einer Quadratzahl ist, oder der Prüfung eines Satzes daraufhin, ob er aus jenem Satz folgt; etc.)
What about testing sign expressions to see if they are multiplications? Well, nothing is easier than imagining such a test. (It is quite analogous to testing a numerical sign to see if it is that of a square number, or testing a sentence to see if it follows from that sentence; etc.)
§
228[2]Das Resultat so einer Prüfung kann der Satz sein: “Der Zeichenausdruck auf diesem Papier ist eine Multiplikation” – & dies ist kein mathematischer Satz. Oder aber: “Der Ausdruck ‘ …’ ist eine Multiplikation” – & dies ist ein mathematischer Satz.
The result of such a test could be the sentence: “The sign expression on this paper is a multiplication”—and this is not a mathematical sentence. Or: “The expression ‘…’ is a multiplication”—and this is a mathematical sentence.
§
228[3] &229[1]
Die Prüfung ist natürlich wieder analog der eines musikalischen Themas auf eine kontrapunktische Eigenschaft hin.
The examination is, of course, again analogous to that of a musical theme with regard to a contrapuntal property.
§
229[2]“Ich werde nur diejenigen der Zahlen 94, 81, 72, 31,144 dort hinschreiben, die Quadratzahlen sind.” Ist das gleichbedeutend mit dem Satz: ich werde von jenen Zahlen nur 81 & 144 hinschreiben?
“I will only write down those of the numbers 94, 81, 72, 31, 144 that are square numbers.” Is that equivalent to the proposition: I will only write down 81 and 144?
§
229[3]Wie steht der Beweis hinter dem Satz? – Wie ein Bild; das den Satz rechtfertigt.
How does the proof stand behind the proposition? – Like a picture; that justifies the proposition.
§RFM V
229[4] &230[1]
Wenn man vom Beweis sagt, er zeige wie (z.B.) 25 × 25 625 ergeben; so ist das natürlich eine seltsame Redeweise, da das arithmetische Ergeben ja kein zeitlicher Vorgang ist. Aber nun zeigt ja der Beweis auch keinen Vorgang.
If one says of the proof that it shows how (e.g.) 25 × 25 equals 625, this is of course a strange way of speaking, since the arithmetic result is not a temporal process. But then again, the proof does not show a process either.
§RFM V
230[2] &231[1]
Denke Dir eine Reihe von Bildern. Sie zeigen, wie zwei Leute nach den & den Regeln mit Rapieren fechten. Eine Bilderreihe kann das doch zeigen. Hier bezieht sich das Bild auf eine Wirklichkeit. Man kann nicht sagen, es zeige, daß so gefochten wird, aber wie gefochten wird. In einem andern Sinne kann man sagen, die Bilder zeigen, wie man in drei Bewegungen von dieser Lage in jene kommen kann. Und nun zeigen sie auch daß man auf diese Weise in diese Lage kommen kann.
Imagine a series of pictures. They show how two people fence with rapiers according to the rules. A series of pictures can indeed show that. Here, the picture refers to a reality. One cannot say that it shows that this is how one fences, but rather how one fences. In another sense, one can say that the images show how one can move from this position to that one in three movements. And now they also show that one can reach this position in this way.
§
231[2] &232[1]
In einem Sprachspiel kann man unter Umständen Sätze einander gleich setzen. So möchte ich sagen, daß der Satz “dieses Blatt ist grün” das gleiche sagt wie der: “dieses Blatt ist grün & nicht rot”. Und doch ist das nur in einem bestimmten Sprachspiel der Fall. Denn wir gebrauchen ja wirklich beide Sätze & ziehen einmal den einen, einmal den andern vor.
In a language-game, one can under certain circumstances equate sentences with each other. So I would like to say that the proposition “this leaf is green” says the same as: “this leaf is green and not red.” And yet, this is only the case in a certain language-game. Because we really do use both sentences and sometimes prefer the one, sometimes the other.
§
232[2]Kann man denn nicht sagen: die Multiplikation zeigt Dir, wie 25 × 25 625 ergibt? oder den Beweis: wie diese Gleichung eine Lösung hat?
Can one not say: The multiplication shows you how 25 × 25 equals 625? or the proof: how this equation has a solution?
§
232[3]Ich möchte sagen: die Ableitung der Lösung zeigt mir, in welchem Verhältnis die Lösung zur Gleichung steht; als zeigte sie mir das Kind, wie es in den Armen der Mutter ruht.
I would like to say: the derivation of the solution shows me the relationship between the solution and the equation; as if it showed me the child, how it rests in the arms of its mother.
§
233[1]Ich möchte sagen
dies Bild zeige mir, wie 3 × 3 9 ergibt. Ist das nun ganz falsch?
I would like to say:
this picture shows me how 3 × 3 equals 9. Is that completely wrong?
§
233[2] &234[1]
Denke Dir den Beweis (3 × 3 = 9) von drei Personen gesprochen. A zählt von 1 bis 9; B immer von 1 – 3, und C langsam von 1 – 3. Könnte das nicht Einen dazu bringen, daß er sagte: “Ja, so muß also 3 × 3 immer 9 ergeben!”? Oder einfach: “Ja, 3 × 3 ist 9.” – Nicht aber, als wäre hier das “ist” zeitlich, oder als meinte er, daß hier 3 × 3 9 ergeben habe, während es sonst nicht 9 ergibt; sondern nur, als wäre jener Vorgang ein Bild, eine Vorlage & der Satz nicht so sehr ein Satz, der beschreibt, was hier geschehen ist, sondern eine Lehre die ich aus dem Gesehenen ziehe, eine Regel die ich mir zu eigen mache. Der Vorgang aber rechtfertigt die Regel indem er sie mit andern Regeln in ein System einreiht & auf ihre Anwendung deutet.
Imagine the proof (3 × 3 = 9) spoken by three people. A counts from 1 to 9; B always from 1–3, and C slowly from 1–3. Couldn’t that lead one to say: “Yes, 3 × 3 must always equal 9!”? Or simply: “Yes, 3 × 3 is 9.” – Not as if the “is” were temporal here, or as if he meant that 3 × 3 equals 9 here, while it does not equal 9 otherwise; but only as if that process were a picture, a template, and the sentence is not so much a sentence that describes what happened here, but a teaching that I draw from what I have seen, a rule that I adopt. But the process justifies the rule by placing it in a system with other rules and pointing to its application.
§
235[1]Ich denke mir die Beweise der mathematischen Sätze auf der Bühne dargestellt, in eindrucksvollen Kostümen. Leute prägen sich solche Szenen fürs ganze Leben ein.
I imagine the proofs of mathematical sentences being presented on a stage, in impressive costumes. People remember such scenes for a lifetime.
§
235[2]Du ziehst aus dem Beweis eine Lehre.
You derive a teaching from the proof.
§VB
235[3]Wenn etwas an der Freudschen Lehre von der Traumdeutung ist; so zeigt sie, in wie komplizierter Weise der menschliche Geist Bilder der Tatsachen macht.
If there is something to the Freudian teaching on dream interpretation, then it shows in how complicated a way the human mind creates images of facts.
§VB
235[4] &236[1]
So kompliziert, so unregelmäßig ist die Art der Abbildung, daß man sie kaum mehr eine Abbildung nennen kann.
The manner of representation is so complicated, so irregular, that one can hardly call it a representation anymore.
§
236[2]Der Beweis ist ja dazu da, daß er Dich etwas lehre.
The proof is there to teach you something.
§
236[3] &237[1]
Wenn man sagt der mathematische Satz ist eine Regel, so natürlich nicht eine Regel in der Mathematik. In der Mathematik ist er ein Gesetz; ein Naturgesetz in der Welt der Mathematik.
If one says that the mathematical sentence is a rule, then it is not a rule in mathematics. In mathematics, it is a law; a law of nature in the world of mathematics.
§
237[2]Der Beweis ist ja dazu da, daß er Dich etwas lehrt. Und was er Dich lehrt, spricht der Satz aus, oder zeigt der Satz an, der bewiesen wurde.
The proof is there to teach you something. And what it teaches you is expressed by the sentence, or shown by the sentence that has been proven.