Ms-128
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§
1[1]Wenn ich nun sage “Ich erwarte …” – ist das die Feststellung: die Situation, meine Handlungen, Gedanken, etc. seien die des Erwartens eines bestimmten Ereignisses? Oder gehören die Worte “Ich erwarte …” selbst zu den Vorgängen des Erwartens? Unter gewissen Umständen wird “Ich erwarte …” einfach heißen ( …) “Ich glaube das & das wird geschehen.” manchmal auch “Mach Dich darauf gefaßt, daß …”. Ich sage jemandem: “Ich habe gehört er wird kommen; ich erwarte ihn schon den ganzen Tag.” Dies ist ein Bericht darüber wie ich den Tag verbringe. Ich komme in einem Gespräch zu dem Ergebnis, daß ein bestimmtes Ereignis zu erwarten sei & ziehe diesen Schluß indem ich sage: “Ich muß also jetzt seinen Besuch erwarten.” Dies kann der erste Gedanke dieser Erwartung sein Der Ausruf “Ich erwarte ihn sehnsüchtig!” ist ein Akt des Erwartens, wenn sich die Spannung der Erwartung in ihm Luft macht. Ich kann aber dieselben Worte als Resultat – – –
If now I say “I expect…” – is this stating that the situation, my actions, thoughts, etc., are those of expecting a certain event? Or do the words “I expect…” themselves belong to the processes of expecting? Under certain circumstances, “I expect…” will simply mean (…), “I believe that this and that will happen,” sometimes even “Be prepared that…” I say to someone, “I heard that he will come; I have been expecting him all day.” This is a report of how I have spent the day. In a conversation, I arrive at the conclusion that a certain event is to be expected, and I draw this conclusion by saying, “I must now expect his visit.” This can be the first thought of this expectation. The exclamation “I am eagerly awaiting him!” is an act of expecting, if the tension of the expectation finds expression in it. But I could also have the same words as a result—
§
1[2] &2[1]
Wie weiß ich daß ich den Satz als Mitteilung gemeint habe. War, das wenige was beim Aussprechen in dieser Richtung wies, wirklich genug, daß ich mit Sicherheit sagen kann ich hätte ihn so gemeint? Aber wenn hier von Deutung die Rede sein kann, kann ich jene Zeichen mißdeuten? (Was wäre dafür das Kriterium?) Ist es nicht so: ich gehe bei meiner Deutung in einer gewissen Richtung fort? Es ist als hätte ich den Keim, der in jenen rudimentären Handlungen lag, dann einfach wachsen lassen. Und er zeige nun wovon er der Keim war.
How do I know that I meant the sentence as a communication? Was the little that pointed in that direction when I spoke it really enough for me to say with certainty that I meant it that way? But if we can speak of interpretation here, can I misinterpret those signs? (What would be the criterion for that?) Is it not the case that, in my interpretation, I proceed in a certain direction? It is as if I had simply allowed the seed that lay in those rudimentary actions to grow. And it now shows what it was the seed of.
§
2[2]Aber wie ist es, wenn ich mich daran erinnere, was ich damals gemeint habe? Wie wäre es zu beweisen, daß mich mein Gedächtnis trügt?
But what if I recall what I meant back then? How could I provide a proof that my memory is deceiving me?
§
2[3]Kann denn die Evidenz nicht zu spärlich sein? Ja, wenn man ihr nachgeht scheint sie außerordentlich spärlich; aber das ist vielleicht, weil man die Vorgeschichte dieser Evidenz außer acht läßt. Wenn ich im Begriffe bin meinem Lehrer mit geheucheltem Unwohlsein zu kommen, so geschah dies nicht aus blauem Himmel. Dem mußten allerlei Gedanken u.a. vorangegangen sein.
Can the evidence not be too sparse? Yes, if one examines it, it seems extraordinarily sparse; but that is perhaps because one disregards the history of that evidence. If I am about to come to my teacher with feigned discomfort, this did not happen out of the blue. All sorts of thoughts, among other things, must have preceded it.
§
2[4]Und wenn nun die Evidenz zu spärlich wäre – was würde ich da sagen? Daß es fast scheint als hätte ich den Satz als Mitteilung gemeint? Aber kommt denn so ein Fall vor? Und warum nicht?
And if the evidence were too sparse—what would I say then? That it almost seems as if I meant the sentence as a communication? But does such a case occur? And why not?
§
2[5] &3[1]
Sagt man je: “Wenn ich zurückdenke in welchem Ton & mit welcher Bewegung ich das gesagt habe, so scheint es ich habe gemeint …”? Nein. Und das kann nur sein, weil man hier nicht Evidenz vermutungsweise deutet. Man behandelt sie überhaupt nicht als Evidenz, aus der Schlüsse gezogen werden. Obwohl auch nicht als unwesentliche Nebenerscheinungen. Die Deutung ist einfach die Nachgeschichte dieser Handlungen.
Does one ever say: “When I think back on the tone and manner in which I said that, it seems I meant …”? No. And that can only be because one does not interpret evidence here on the basis of conjecture. One does not treat it at all as evidence from which conclusions are drawn. Nor, however, as insignificant side effects. The interpretation is simply the aftermath of these actions.
§
3[2]Aber nehmen wir selbst an ich hätte zu mir selbst, ehe ich laut den Satz aussprach “Ich fühle mich nicht wohl” gesagt: “Ich werde diesen Satz als Mitteilung meinen”. (Und mehr Evidenz kann man doch nicht verlangen!) Aber ich hätte ja auch jenen Satz sagen können ohne ihn im Ernst zu meinen. Wenn ich mich nun daran erinnere, mir selbst dies gesagt zu haben ist nicht doch auch hier jetzt eine Auffassung, Deutung meinerseits nötig? Ist es genug mich zu erinnern ich hätte mir dies gesagt? Ist nicht selbst diese Evidenz noch ungenügend?
But let us assume that I said to myself, before I uttered the sentence aloud, “I am not feeling well,” “I will mean this sentence as a communication.” (And one could not ask for more evidence!) But I could also have said that sentence without seriously meaning it. If I now remember saying this to myself, is not an interpretation on my part still necessary here? Is it enough to remember that I said this to myself? Is not even this evidence still insufficient?
§
3[3] &4[1]
Es ist hier wieder, als erinnern wir uns jener feinen Gefühlsnuance des Meinens die erst, was immer ich tat oder sagte, zum Ausdruck des Meinens machte. Meine Bewegung, Miene, mein Tonfall wären allerdings allein keine Evidenz des Meinens gewesen, fühlt man; zum Meinen machte sie erst das Meinen. Nur sonderbar daß man sich überhaupt an diesen ‘Ausdruck’ hängt. Und noch sonderbarer: Wenn ich mir was geschah in die Erinnerung rufe finde ich nur diesen Ausdruck & allerdings fühlt er sich wie ein Ausdruck an. Wenn ich nämlich irgendeine Rolle spiele so fühlt sich ja auch ein Blick als das & das an. Und was heißt das?
It is here again, as if we remember that subtle nuance of feeling that only made whatever I did or said into an expression of meaning. My movement, my facial expression, my tone of voice would certainly not have been evidence of meaning in themselves, one might think; it was the meaning that made them into an expression of meaning. Only it is strange that one clings to this “expression” at all. And even stranger: If I recall something that happened, I only find this expression, and indeed, it feels like an expression. If, indeed, I am playing some role, then a glance also feels like this and that. And what does that mean?
§
4[2]Wenn ich zitiere “Ja, ja 's ist zu begreifen Herr Minister …” so nehme ich einen ironischen Ton an & weiß genau daß es einer ist & was mit ihm gemeint ist.
If I quote, “Yes, yes, it is understandable, Mr. Minister…,” I adopt an ironic tone and know exactly that it is one and what is meant by it.
§
4[3]“Gottlob noch etwas weniges hat man geflüchtet vor den Fingern der Kroaten”. Wenn ich das laut lese, kann jemand sagen es sei zu wenig Evidenz da zu sagen wie es gemeint sei.
“Thank God, at least something has escaped the clutches of the Croats.” If I read that aloud, someone might say that there is not enough evidence to say how it is meant.
§
4[4]Und worin bestand nun: es ironisch meinen?? In dieser Situation leben & es so sagen, wie ich es in dieser Situation sagen würde.
And what, then, was it: to mean it ironically? To live in this situation & say it as I would say it in this situation.
§
4[5]Wenn ich einen ironisch lächelnden Blick auf jemanden werfe, indem ich etwa denke “Der Esel!” ist da irgendein Zweifel, wie dieser Blick zu deuten ist?
If I cast an ironically smiling glance at someone, thinking something like “What an ass!”, is there any doubt as to how this glance should be interpreted?
§
4[6]Könnte ich sagen: Ich fühle viel genauer, wie ich lächle, als es der Andere sieht?
Could I say: I feel much more precisely how I smile than the other person sees?
§
4[7]Könnte ich nicht, wenn ichs wollte, den Blick, den Ton des Satzes die Bewegung meines Körpers wiederholen? Und zwar ungefähr auch mit den Empfindungen, etc., die sie begleiteten? Und ist, was ich so wiederhole, nicht Evidenz genug?
Couldn't I, if I wanted to, repeat the glance, the tone of the sentence, the movement of my body? And do so, more or less, with the sensations, etc., that accompanied it? And isn't what I repeat evidence enough?
§
5[1]Mich an das, was ich tat, als Ausdruck des Meinens erinnern hängt doch mit meiner Fähigkeit die Situation zu reproduzieren zusammen! Und beim Reproduzieren, wie empfinde ich da die Meinung die ich ja dann gar nicht habe?!
My remembering what I did as an expression of my opinion is connected with my ability to reproduce the situation! And when reproducing, how do I experience the opinion that I don't even have then?
§
5[2]Man sagt manchmal: “In dieser winzigen Bewegung, diesem Schatten eines Lächelns, lag schon die ganze Bedeutung.” Und wäre nicht dennoch ein Irrtum möglich?
One sometimes says: “In this tiny movement, this shadow of a smile, lay the whole meaning.” But wouldn't a mistake still be possible?
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5[3]Ich meine: muß ich mich nicht irren können, wenn der Andere sich irren kann, der mich beobachtet? (Zugegeben, daß er nicht alles sieht, was ich wahrnehme.)
I mean: must I not be able to be mistaken if the other person observing me can be mistaken? (Admittedly, he does not see everything that I perceive.)
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5[4]Aber kann er sich immer irren? Weiß ich es immer besser als er, was ich gemeint habe? Kann er nicht sagen: “Ich habe genau gesehen & gehört was Du gemeint hast; glaubst Du jetzt etwas anderes, so täuscht Du Dich.”
But can he always be mistaken? Do I always know better than he does what I meant? Can’t he say: “I saw and heard exactly what you meant; if you now believe something else, you are mistaken.”
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5[5] &6[1]
Könnte man sagen: Mein embryonales Benehmen mag absolut charakteristisch für ein gewisses ausgewachsenes Benehmen sein; so wie etwa ein kleines Fragment eines Blattes für eine Pflanze. Oder es mag noch verschiedene Deutungen zulassen. Wenn ich es in diesem Falle dennoch mit Bestimmtheit deute so – will ich sagen – entwickle ich das Unentwickelte weiter.
Could one say: My embryonic behaviour may be absolutely characteristic of a certain developed behaviour; just as a small fragment of a leaf is characteristic of a plant. Or it may allow for different interpretations. If, in this case, I interpret it with certainty, do I mean to say that I am developing the undeveloped further?
§
6[2]Wenn ich sage “Ich habe es so gemeint” – beurteile ich den Samen & sage das ist der Same einer solchen Pflanze; oder lasse ich ihn wachsen & zeige welche Pflanze aus ihm wird?
If I say “I meant it this way,” do I judge the seed & say that this is the seed of such a plant; or do I let it grow & show what plant will come from it?
§
6[3] &7[1]
Nehmen wir an, ich sage: “Ich wollte Dich vorhin für einen Augenblick betrügen.” Wenn es nur für einen Augenblick war, war es ein ausgewachsenes Betrügen-Wollen? (Freilich kann ich mich irren, denn mein Gedächtnis kann sich ja immer irren; aber darum geht es nicht.) Wenn ich mich an alles was damals geschah klar erinnere, habe ich ein Recht, zu sagen, es sei der Wille gewesen, zu betrügen?
Let's say I say: “I wanted to deceive you for a moment.” If it was only for a moment, was it a fully developed intention to deceive? (Of course, I can be wrong, because my memory can always be wrong; but that's not what it's about.) If I clearly remember everything that happened at the time, do I have the right to say that it was the will to deceive?
§
7[2]Ja, ich habe freilich nur einen Samen, & bin vielleicht kein Samenkenner; aber ich hatte ihn von einer Mohnblume genommen. (Seine Vorgeschichte gab den Ausschlag.)
Yes, I only have a seed, & perhaps I'm not a seed expert; but I took it from a poppy. (Its history was decisive.)
§
7[3]“Wie kannst Du so sicher sein, daß Du mich betrügen wolltest? Waren nicht Deine Handlungen & Gedanken viel zu rudimentär?”
“How can you be so sure that you wanted to deceive me? Weren't your actions & thoughts too rudimentary?”
§
7[4]Wenn Illo sagt “Es ist das erste mal nicht Herr Minister …”, weiß er da schon, was er später sagen wird? Sollen wir sagen: “er hat einen ungefähren Begriff davon”?
If Illo says “It wasn't Mr. Minister this time…,” does he already know what he will say later? Should we say: “He has an approximate idea of it”?
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7[5]Die Meinung, möchte ich sagen, entwickelt sich.
The opinion, I would like to say, develops.
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7[6]Wenn ich sage “Ich wollte Dich für einen Augenblick betrügen” , kann man doch fragen: Wie weit ging Deine Absicht? Es gibt doch da Einzelheiten!
If I say “I wanted to deceive you for a moment,” one can ask: How far did your intention go? There are details!
§
7[7]Und wenn es so ist, so muß es doch den Fall geben, in dem die Einzelheiten nicht hinreichen, um die Absicht zu bestimmen.
And if that is the case, then there must be a case in which the details are not sufficient to determine the intention.
§
8[1]Wenn mir einer sagt “Für einen Augenblick wollte ich Dich betrügen” – wie kommt es, daß ich ihn verstehe?! Wie habe ich diese Worte anwenden gelernt? – Und was denke ich, daß er meint? Nun, der Gedanke sei ihm durch den Kopf gegangen.
If someone says to me “For a moment I wanted to deceive you,” how is it that I understand him?! How have I learned to apply these words? – And what do I think he means? Well, the thought occurred to him.
§
8[2]“Dieser Gedanke knüpft an Gedanken an, die ich früher einmal gehabt habe.” – Wie tut er das? Durch ein Gefühl der Anknüpfung? Aber kann das Gefühl die Gedanken wirklich verknüpfen? Daß ein Zusammenhang besteht läßt sich später zeigen.
“This thought connects to thoughts I once had.” – How does he do that? Through a feeling of connection? But can a feeling really link thoughts? That a connection exists can be shown later.
§
8[3]Ist also gar nichts in meiner Idee, die deutenden Worte wüchsen aus dem Gedeuteten heraus als dessen Fortsetzung?
So is there nothing in my idea that the interpreting words grow out of the interpreted as its continuation?
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8[4]Ist “Ich meinte …” immer nur ein Bericht?
Is “I meant…” always just a report?
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8[5] &9[1]
Jemand sagt “Ich wollte Dich für einen Moment betrügen”. Ich antworte: “Das liest Du nur in die Situation hinein”. Er: “Nein, ich erinnere mich genau – ich wollte Dich betrügen.”
Someone says “I wanted to deceive you for a moment.” I reply: “You're only reading that into the situation.” He: “No, I remember clearly – I wanted to deceive you.”
§
9[2]Anderseits sagt jemand: “Mit dieser Bemerkung meinte ich Dich!” Er will ihn dadurch noch einmal treffen.
On the other hand, someone says: “With this remark, I meant you!” He wants to hit him with it again.
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9[3]Ich schäme mich, daß ich ihn damals betrügen wollte. Daß ich diese Absicht hatte. Wessen schäme ich mich nun? Ich rufe mir den Vorfall in's Gedächtnis – wie ich ihn anschaute etc. etc. Ich bin also ganz sicher damals etwas Böses getan zu haben.
I am ashamed that I wanted to deceive him back then. That I had this intention. What am I ashamed of now? I recall the incident in my memory – how I looked at him, etc., etc. So I am quite certain that I did something bad at the time.
§
9[4]Fragt man nun: ‘War es wirklich so schlimm ihn so anzuschauen, etc., ja mir zu sagen “Ich will ihn betrügen”?’ so ist die Antwort “Das Schlechte war die Seele des Ganzen”.
If one asks: ‘Was it really so bad to look at him like that, etc., to say to him “I want to deceive him”?’ the answer is: ‘The bad thing was the essence of the whole thing.’
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9[5] &10[1]
Wenn ich sage: “Ich habe ihn in diesem Augenblick gehaßt” – was geschah da. Besteht es nicht in Gedanken & Gefühlen? Und wenn ich so eine Szene mime, so mache ich ein bestimmtes Gesicht, denke an gewisse Fakten, atme in bestimmter Weise, bringe in mir gewisse Gefühle hervor. Ich könnte ein Gespräch aufschreiben, eine ganze Szene erdenken in der dieser Haß aufflammen würde. Und ich könnte diese Szene mit Gefühlen spielen, die denen in einer Szene des wirklichen Lebens sehr nahe kämen. Dabei wird mir natürlich die Tatsache helfen daß ich solche Szenen wirklich durchlebt habe.
If I say: “I hated him at that moment,” what happened? Doesn’t it consist of thoughts & feelings? And if I mime such a scene, I make a certain face, think of certain facts, breathe in a certain way, bring about certain feelings within myself. I could write down a conversation, imagine an entire scene in which this hatred would flare up. And I could play this scene with feelings that are very close to those in a scene from real life. Of course, the fact that I have actually experienced such scenes will help me.
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10[2]Wenn ich mich nun dieses Vorfalls schäme, schäme ich mich des Ganzen; des giftigen Tones, der Worte, u.s.w..
If I am now ashamed of this incident, I am ashamed of the whole thing: the poisonous tone, the words, etc.
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10[3]Ich kann gewisse Worte in einem charakteristischen Ton aussprechen; sagen wir: “Das wirst Du besser wissen, als ich.” Ich spreche es in dem Tonfall aus in dem es eine Anspielung auf etwas ist, was ich nicht nenne. – Ich kann mir nun verschiedene Szenen um diese Äußerung (mit stets demselben Tonfall, & Blick) gebaut denken. Und diese Szenen werden meinen Worten, dem Tonfall etc. verschiedenen Sinn geben.
I can utter certain words in a characteristic tone; let’s say: “You know better than I do.” I utter it in the tone in which it is an allusion to something that I do not name. – I can now imagine various scenes around this utterance (with always the same tone of voice & look). And these scenes will give my words, the tone of voice, etc., different meanings.
§
11[1]Die Worte könnten z.B. sein: “Ich fühle mich nicht wohl.” Aber um sie in der besondern Art meinen zu können von der ich geredet habe, braucht es die Szene mit der Übersetzung. Und die Szene müßte doch eine gewisse Länge haben & bestimmte Verhältnisse muß man sich dazu denken.
The words could be, for example: “I don’t feel well.” But in order to be able to mean them in the special way that I have been talking about, it requires the scene with the interpretation. And the scene would have to have a certain length & one would have to imagine certain circumstances for it.
§
11[2]“Ich schäme mich nicht dessen was ich damals tat, sondern der Absicht die ich hatte.” – Aber lag die Absicht nicht auch in dem, was ich tat? Worin bestand das Beabsichtigen? Nur in dem was ich damals dachte, zu mir selber sagte? Wodurch ist die Absicht gegeben? Durch die ganze Geschichte –.
“I am not ashamed of what I did at the time, but of the intention I had.” – But was the intention not also in what I did? What did intending consist of? Only in what I thought at the time, what I said to myself? What gives the intention? The whole story.
§
11[3]Die Gegenwart ist hier zu ersetzen durch eine Geschichte.
The present must be replaced here by a story.
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11[4]Die Worte “Gottlob noch etwas weniges …” mit dem richtigen Ton & Blick gesprochen scheinen allerdings schon ihre ganze Bedeutung in sich zu tragen. Aber das kommt daher, daß wir diese Worte in dieser Szene sehen. Nehmen wir uns die Mühe eine ganz andere Szene um sie herum zu bauen (der Ton der Worte etc. bleibt erhalten) so sehen wir daß es nicht die Worte mit ihrem Tonfall sind, die die Bedeutung in sich tragen.
The words “Thank God, just a little bit more…” spoken with the right tone & look seem to contain their whole meaning in themselves. But this is because we see these words in this scene. Let us take the trouble to build a completely different scene around them (the tone of the words, etc., remains the same), and we will see that it is not the words with their tone of voice that contain the meaning in themselves.
§
12[1]Laß einen Menschen zornig, hochmütig ironisch blicken; & nun verhänge sein Gesicht mit einem Tuch aber laß die Augen in denen der ganze Ausdruck vereint schien unbedeckt. Du wirst sehen, wie überraschend vieldeutig nun der Ausdruck dieser Augen ist.
Let a person look angry, haughty, ironic; & now cover his face with a cloth, but leave the eyes, in which all the expression seemed to be concentrated, uncovered. You will see how surprisingly ambiguous the expression of these eyes now is.
§
12[2]“Es liegt alles schon in …” Wie kommt es, daß der Pfeil zeigt?
→
Scheint er nicht schon etwas außerhalb seiner selbst in sich zu tragen? “Nein es sind nicht die toten Striche; nur das Psychische, die Bedeutung kann dies.” Das ist wahr & falsch. Der Pfeil zeigt nur in der Anwendung die das Lebewesen von ihm macht. Dieses Zeigen ist nicht ein hocus pocus das nur die Seele vollziehen kann.
“It is all already in…” How does it come about that the arrow points?
→
Doesn’t it already seem to contain something outside of itself? “No, it is not the dead strokes; only the psychological, the meaning, can do this.” That is true & false. The arrow only points in the application that the living being makes of it. This pointing is not a hocus pocus that only the mind can accomplish.
§
12[3] &13[1]
In einer Erzählung heißt es etwa “N maß ihn mit feindseligem Blick & sagte …”. Der Leser versteht es ohne einen Zweifel. Nun sagst Du: “Wohl, er denkt sich die Bedeutung hinzu, er errät sie”. Aber in dieser Erzählung ist diese Beschreibung eindeutig. Gewiß unter andern Umständen könnte, der mit feindseligem Blick etwas sagt, sich verstellt haben oder das Ganze könnte auf der Bühne geschehen. Es ist auch möglich daß der Leser wenn er diesen Satz liest noch nicht die wahre Interpretation kennt & sie erst nachher herauskommt. Aber was kommt in so einem Fall an den Tag? –
In a story it says, for example, “N looked at him with a hostile gaze & said…” The reader understands it without a doubt. Now you say: “Well, he adds the meaning to it, he guesses it.” But in this story, this description is unambiguous. Certainly, under other circumstances, the one who says something with a hostile look could be pretending or the whole thing could take place on stage. It is also possible that the reader, when he reads this sentence, does not yet know the true interpretation & only finds it out later. But what comes to light in such a case? –
§
13[2]Aber der Leser kann also in gewissen Fällen zweifelhaft sein wie diese Blicke & Worte wirklich gemeint seien & wirklich auf etwas raten, wenn das auch nicht der gewöhnliche Vorgang ist. – Aber dann rät er vor allem auf einen andern Zusammenhang. Er sagt sich etwa: die Beiden die hier so feindlich tun, sind in Wirklichkeit Freunde, etc. etc.
But in certain cases, the reader can be doubtful about how these looks & words were really meant & can indeed guess at something, even if that is not the usual process. – But then he guesses primarily at a different context. He says to himself, for example: the two who are behaving so hostilely are actually friends, etc., etc.
§
13[3] &14[1]
“Ich weiß ich wollte Dich in dem Moment betrügen, & ich schäme mich dessen.” – Aber es kann sein, daß er sich über alles was er tat Vorwürfe machen wollte, jede Bewegung, jeden Blick als das Zeichen einer bösen Absicht deutete. Ja, daß er oft gleichsam den Bösewicht spielte, um sich dann Vorwürfe machen zu können. So daß man in diesem Falle sagen müßte, er habe das & das getan, um es später so deuten zu können & habe ihm dann diese Deutung gegeben.
“I know I wanted to deceive you at that moment, and I am ashamed of it.” – But it may be that he wanted to reproach himself for everything he did, interpreting every movement, every glance as a sign of evil intention. Yes, that he often played the villain, as it were, so that he could then reproach himself. So that in this case one would have to say that he did this and that in order to be able to interpret it that way later, and then gave it that interpretation.
§
14[2]Aber er selbst würde doch das nicht zugeben, sondern sagen, er erinnere sich deutlich … .
But he himself would not admit that, but say that he remembers clearly … .
§
14[3]Aber wie konnte ich so eine Beschreibung (jemand spiele den Bösewicht, um sich nachher Vorwürfe machen zu können) überhaupt geben? Was für eine Erfahrung konnte mich dazu berechtigen?
But how could I give such a description at all (someone plays the villain in order to be able to reproach himself later)? What kind of experience could authorize me to do so?
§
14[4] &15[1]
“Ich wollte Dich für einen Augenblick betrügen” – “D.h., ich habe ein bestimmtes Gefühl, inneres Erlebnis; & ich erinnere mich daran.” – Und nun erinnere Dich recht genau – – – da scheint das “innere Erlebnis” des Wollens wieder zu verschwinden. Statt dessen erinnert man sich an gewisse Gedanken, an Zusammenhänge mit früheren Situationen & andere mehr oder weniger für die Situation eines Betrügens charakteristische Einzelheiten. (Es ist als hätte man die Einstellung des Mikroskops verändert & was jetzt im Brennpunkt liegt lag früher außerhalb.)
“I wanted to deceive you for a moment” – “That is to say, I have a certain feeling, an inner experience; & I remember it.” – And now remember quite precisely – – – there the “inner experience” of wanting seems to vanish again. Instead, one remembers certain thoughts, connections to earlier situations, and other details more or less characteristic of the situation of deception. (It is as if one had changed the setting of the microscope, and what is now in focus was previously outside it.)
§
15[2]“Nun, das zeigt nur – sagst Du – daß Du dein Mikroskop falsch eingestellt hast. Du solltest eine Schicht des Präparats ansehen & siehst nun eine andre.”
“Well, that only shows – you say – that you have set your microscope incorrectly. You should look at one layer of the preparation & you are now looking at another.”
§
15[3]“Ich wollte Dich betrügen.” – Bist Du sicher? Legst Du das nicht jetzt in Deine Worte? – “Nein, nein; ich weiß genau wie es war. Ich hatte schon früher oft diese Absicht …” – – Oder aber:
“Nein ich irre mich nicht; ein böser Geist kam plötzlich in mich.” – Nun in diesem Falle müßten wir ihm nicht glauben.
“I wanted to deceive you.” – Are you sure? Are you not putting that into your words now? – “No, no; I know exactly how it was. I had this intention before…” – Or rather:
“No, I am not mistaken; an evil spirit suddenly came into me.” – Now in this case we would not have to believe him.
§
15[4] &16[1]
“Ich wollte Dich für einen Augenblick betrügen” ist nicht anders als “Ich wollte für einen Augenblick mich an Dich wenden” oder “Ich wollte für einen Augenblick auf ihn zeigen” etc. etc. Ich erinnere mich dabei richtig oder falsch verschiedener Tatsachen, die auch von Andern bestätigt werden können. Die Frage ist nur ob die Darstellung dieser Tatsachen als Absicht eine Deutung ist.
“I wanted to deceive you for a moment” is no different from “I wanted to turn to you for a moment” or “I wanted to point at him for a moment,” etc., etc. In doing so, I recall—correctly or incorrectly—various facts that can also be confirmed by others. The question is simply whether the presentation of these facts as an intention is an interpretation.
§
16[2]Wenn nämlich der Andre, was er an mir sieht, als Absicht deutet, warum nicht ich? Kann man sagen, ich wisse das Wesentliche, was er bloß vermutet?! Oder deutet auch er nicht immer mein Benehmen als Absicht, sondern sieht die Absicht in ihm, wie ich sie sehe.
If the other person interprets what he sees in me as an intention, why shouldn’t I? Can one say that I know the essential thing that he merely suspects?! Or doesn’t he also always interpret my behaviour as an intention, but rather sees the intention in it, just as I see it.
§
16[3]“Nur ich kenne eben meine innersten Gedanken.” – Oder soll ich fortsetzen: “& ich auch nicht”?
“Only I know my innermost thoughts.” – Or should I continue: “& I don’t”?
§
16[4]Wie lernte ich die Worte “Ich hatte die Absicht …”, “Ich war schon im Begriffe …”? Wird Einem gezeigt, wie das ist wenn man die Absicht hat? – Nun, in gewisser Beziehung, ja. –
How did I learn the words “I had the intention …”, “I was already in the process of …”? Is one shown what it is like to have an intention? – Well, in a certain sense, yes. –
§
16[5] &17[1]
“Nur Du kannst wissen, ob Du die Absicht hattest”. Das könnte man jemandem sagen, wenn man ihm die Bedeutung des Wortes “Absicht” erklärt. Es heißt dann nämlich: so gebrauchen wir es.
“Only you can know whether you had the intention.” One could say that to someone when giving an explanation of the meaning of the word “intention.” It then means: that is how we use it.
§
17[2]Und wenn nun jemand sagt: “Ja ich sah, Du hattest die Absicht etwas zu sagen”. Als was deutet er da was er sah? Was ist der Sinn dieser Deutung? Was sagen uns seine Worte? Was erriet er? – Er hätte, z.B., einem Andern zuflüstern können: “L.W. wird jetzt etwas sagen”.
And if someone now says: “Yes, I saw that you had the intention to say something.” How does he interpret what he saw? What is the sense of this interpretation? What do his words tell us? What did he guess? – He could have, for example, whispered to someone else: “L.W. is about to say something.”
§
17[3]Was nützt es wenn ich sage “Ich hatte schon die Absicht …”, was teilt dies dem Andern mit? Ich hätte ihm auch mitteilen können – zu ungefähr dem gleichen Zweck – was ich damals dachte.
What good does it do if I say “I already had the intention …”? What does this communicate to the other person? I could just as well have communicated this—for roughly the same purpose—to him.
§
17[4]Wir könnten uns auch den Fall denken, daß ich meine Absichten notiere. Vielleicht um später ein Zeugnis zu haben. Es lassen sich aus diesen Notizen etwa wichtige Schlüsse ziehen.
We could also imagine the case that I write down my intentions. Perhaps in order to have testimony later. Important conclusions can be drawn from these notes.
§
18[1]“Ich habe die Absicht …” ist unter Umständen eine Äußerung, z.B. die Äußerung eines Entschlusses. Manchmal die Beschreibung einer Situation. “Warum packst Du?” “Ich habe die Absicht nach … zu reisen.” Ich habe vielleicht schon meine Fahrkarten genommen.
“I have the intention…” is, under certain circumstances, an utterance, e.g. the utterance of a decision. Sometimes it is the description of a situation. “Why are you packing?” “I have the intention to travel to…” I may have already taken my tickets.
§
18[2]“Ich hatte, wie Du weißt, die Absicht nach … zu reisen.” Der Andre kann dies so sicher wissen wie ich selbst. Ja sich genauer an meine Absicht erinnern als ich.
“As you know, I had the intention of traveling to ….” The other person may know this as surely as I do. Indeed, they may remember my intention more precisely than I do.
§
18[3]Wenn ich mich meiner Absicht erinnere, muß ich mich eines einzigen Gemütszustandes, oder Gedankens erinnern?
If I remember my intention, must I remember a single state of mind, or thought?
§
18[4]Warum soll die ausgesprochene Absicht immer unzweifelhafter sein als die durch Gesten etc. ausgedrückte?
Why should an expressed intention always be more unambiguous than one expressed through gestures, etc.?
§
18[5] &19[1]
Warum soll mir die Erinnerung an die Worte, die ich damals sagte, mehr sagen, als die Erinnerung an einen Blick oder eine Bewegung. Bedenke: auch diese stehen ja in einem alten Zusammenhang.
Why should remembering the words I said back then tell me more than remembering a look or a movement? Consider: these too are part of an old context.
§
19[2]Ich sagte aber damals diese Worte, & jetzt sage ich andere Worte. Deute ich also nicht die früheren Worte durch die neuen?
But I said those words back then, and now I'm saying different words. Am I not interpreting the earlier words through the new ones?
§
19[3]Ich sagte Dir z.B. damals “Ich beabsichtige …”. Jetzt sage ich: “Wie ich Dir damals schon sagte, beabsichtigte ich …”.
For example, I said to you back then, “I intend to…” Now I say: “As I already said to you back then, I intended to…”
§
19[4]“Wenn ich die Worte gesagt hätte ‘Ich will ihn jetzt betrügen’, hätte ich die Absicht nicht sicherer gehabt als so.” – Aber wenn Du jene Worte gesagt hättest, mußtest Du sie da im vollen Ernste meinen?
“If I had said the words ‘I want to deceive him now,’ I wouldn’t have had the intention any more certainly than I do now.” – But if you had said those words, would you not have meant them in all seriousness?
§
19[5]I remember the whole setup.
I remember the whole setup.
§
19[6]Ich sagte, ich deute meine rudimentären Handlungen später als Absicht. Aber warum tue ich das? Was ist der Zweck? Ist es eine Art Wahnsinn?
I said that I later interpret my rudimentary actions as intentions. But why do I do that? What is the purpose? Is it a kind of madness?
§
19[7]Hätte ich eine von zwei Beschreibungen geben können: einerseits die Beschreibung der erinnerten Handlungen & etwa der Gedanken & Gefühle – anderseits die Beschreibung des Geschehens als Absicht?
Could I have given one of two descriptions: on the one hand, a description of the remembered actions and perhaps the thoughts and feelings – on the other hand, a description of the events as intentions?
§
19[8] &20[1]
Es scheint, daß manchmal die Beschreibung der Handlungen etc. ohne Erwähnung von Absicht genügt & manchmal nicht.
It seems that sometimes the description of the actions, etc., without mentioning intention is sufficient, and sometimes it is not.
§
20[2]Ich sage “Ich stand auf und ging ans Fenster um die Konversation nicht hören zu müssen”.
Oder: “Ich dachte ‘ich halte dieses Geschwätz nicht länger aus’, stand auf & ging ans Fenster.”
I say, “I got up and went to the window so as not to have to listen to the conversation.”
Or: “I thought, ‘I can’t stand this chatter any longer,’ got up, and went to the window.”
§
20[3]Das letztere ist nicht so deutlich. Warum nicht?
The latter is not so clear. Why not?
§
20[4]Man sagt nun: “Ich wollte von ihnen weg kommen”. Aber was dachte & fühlte ich da? Die Tatsache, daß ich in eine entfernte Ecke ging, wo mich nichts anzog, daß ich ein angeekeltes Gesicht machte, daß es mich erleichterte, mich von der Gruppe zu entfernen (the whole set-up) auch ohne den Gedanken “nur fort!”, das macht die Absicht aus, mich von den Leuten zu entfernen. (Ein Schauspieler könnte diese Absicht wieder vollkommen zur Anschauung bringen.)
One says now: “I wanted to get away from them.” But what did I think and feel then? The fact that I went to a remote corner where nothing attracted me, that I made a disgusted face, that it relieved me to move away from the group (the whole setup), even without the thought “just get away!” – that constitutes the intention of moving away from the people. (An actor could bring this intention to full display.)
§
20[5] &21[1]
Wäre es möglich gewesen, statt der Beschreibung “Ich wollte Dich für einen Augenblick betrügen” eine andere (Beschreibung) zu geben in der von Absicht nicht die Rede ist? Eine Beschreibung die (, gleichsam,) den Vorgang der Absicht analysiert zeigt, (aber) ohne dabei etwas erraten zu lassen, was das Wort “Absicht” ausgesprochen hätte?
Would it have been possible to give another (description) instead of the description “I wanted to deceive you for a moment,” in which intention is not mentioned? A description that, as it were, analyzes the process of intention, without letting anything be guessed that the word “intention” would have implied?
§
21[2]Nun, darauf ist zu sagen, daß, wenn mir bei der Erinnerung das Wort Absicht in den Mund kommt, daß eher etwas anderes ist, als wenn mir statt dessen die Analyse der Absicht kommt. Ich denke ja nicht erst die Analyse & fasse sie dann beiläufig mit dem Wort “Absicht” zusammen.
Well, to this it must be said that when the word “intention” comes to mind as I recall the event, that is rather something different than if, instead, the analysis of the intention comes to mind. I do not first think of the analysis and then casually summarize it with the word “intention.”
§
21[3]Ich könnte auch sagen “Ich hatte die Absicht zu sprechen”, ohne daß mir dabei der Vorgang des Öffnens des Mundes etc. etc. vorschwebte. Meine Erinnerungsreaktion war: “Ich hatte die Absicht”.
I could also say, “I had the intention to speak,” without my mind being on the process of opening my mouth, etc., etc. My memory reaction was: “I had the intention.”
§
21[4]Man kann doch auch sagen: “Ich machte damals Anstalten abzureisen” & dabei sind uns nicht alle diese Anstalten gegenwärtig.
One can also say, “I made preparations to leave at that time,” and we are not conscious of all these preparations.
§
21[5] &22[1]
Der Erzähler sagt ja auch: “Für einen Augenblick huschte der Gedanke durch seinen Kopf ihn zu hintergehen; dann …”. Deutet da der Erzähler? Wozu täte er es?
The narrator also says: “For a moment, the thought flashed through his mind to deceive him; then…” Is the narrator interpreting here? Why would he do it?
§
22[2]Denk aber an den Traum. Und betrachte ihn als Erinnerungsphänomen. Und dann denk Dir, Einer sagt “Nur ich kann wissen was ich geträumt habe”!
But think of the dream. And consider it as a phenomenon of memory. And then imagine someone says, “Only I can know what I dreamed!”
§
22[3]“Nur ich kann wissen, was ich denke.” Nun freilich; nur ich sage es. – Aber weiß ich es nur, wenn ich es sage? Nun, Wissen ist ein Zustand. Und das Kriterium für ihn?
“Only I can know what I think.” Now, of course, only I say it. – But do I only know it when I say it? Well, knowledge is a state. And what is the criterion for it?
§
22[4]Meine Erinnerungsreaktion ist: “Ich hatte die Absicht Dich zu betrügen”; seine: “Du schienst die Absicht zu haben …”.
My memory reaction is: “I had the intention to deceive you”; his: “You seemed to have the intention to…”
§
22[5]Aber könnte nicht auch seine Erinnerungsreaktion sein: “Du wolltest ihn betrügen”? Könnte nicht auch er vollkommen sicher sein?
But couldn’t his memory reaction also be: “You wanted to deceive him”? Couldn’t he also be completely sure?
§
23[1]In allen Fällen einer solchen Erinnerung von einer Deutung zu reden, hat keinen Sinn; denn dann heißt “Deutung” eben dasselbe wie “Erinnerung”.
In all cases of such a memory, to speak of an interpretation makes no sense, because then “interpretation” simply means the same as “memory.”
§
23[2]Was liegt nicht z.B. in der Stellung der Worte, oder in der Wahl eines Wortes für ein beinahe gleichbedeutendes. Ein Wort spielt z.B. auf einen Ideenkreis an. Den Witz dieser Anspielung wird nur der verstehen, der in verschiedenen Ideenkreisen zu Hause ist usw. Wie verstehen wir nun diese Anspielung? Machen wir augenblicklich, wenn wir dieses Wort lesen einen Abstecher in seinen Ideenkreis? Nun wir reagieren vor allem auf das Wort mit Lachen oder anders. Denken wir weiter darüber nach oder wollen wir's einem Andern erklären so gehen wir näher darauf ein.
What, for example, is not contained in the arrangement of the words, or in the choice of a word for a nearly synonymous one? A word, for example, alludes to a circle of ideas. Only someone who is at home in different circles of ideas will understand the joke of this allusion, etc. How do we understand this allusion? Do we immediately, when we read this word, take a detour into its circle of ideas? Well, we primarily react to the word with laughter or something else. If we think further about it or want to explain it to someone else, then we go into it more closely.
§
23[3]Ich glaube das Hauptproblem liegt in der Frage: Was für ein Kriterium gibt es dafür daß die Erinnerung meiner Absicht richtig oder falsch ist. – Gibt es kein solches Kriterium, dann kann man von einer Deutung statt von einer Erinnerung reden.
I believe that the main problem lies in the question: What criterion is there for whether the memory of my intention is correct or incorrect? If there is no such criterion, then one can speak of an interpretation rather than a memory.
§
23[4] &24[1]
Du bist aufgestanden & ans Fenster getreten. Später sagst Du “Ich stand auf um von den Leuten wegzukommen”. Ein Anderer sagt: “Das legst Du jetzt hinein. Du bist nur aufgestanden um Deine Glieder zu strecken.”
You got up and walked to the window. Later you say, “I got up to get away from the people.” Another person says: “You are only putting that in now. You just got up to stretch your limbs.”
§
24[2]Aber was soll ich also hineingelegt haben? Jenes Ungreifbare, die Absicht?
But what did I put in there? That elusive thing, the intention?
§
24[3]Und warum ist sie ungreifbar? Zahnschmerzen erscheinen uns nicht in diesem Sinne ungreifbar. Oder ich könnte sagen: eine Absicht erscheint uns noch um einen Grad ungreifbarer als Schmerzen. Das ist doch gar zu verdächtig. Es muß daher kommen daß wir versucht sind eine Art der Beschreibung hier anzuwenden & diesen Versuch dann fallen lassen. (Etwa wie im Fall “diese Schmerzen” & anderen Fällen.)
And why is it elusive? Toothache does not seem elusive to us in this sense. Or I could say: an intention seems to us to be even more elusive than pain. That is far too suspicious. It must be because we are tempted to apply a certain kind of description here and then abandon this attempt. (Something like in the case of “this pain” and other cases.)
§
24[4] &25[1]
Es ist nun wirklich wahr: Wir sagen: “Ich wollte von diesen Leuten wegkommen”. Dabei sind wir uns bewußt, daß dieser Ausdruck eine Menge von möglichen Fällen deckt & daß es anderseits nicht leicht ist den besonderen Fall zu beschreiben. Eine Art so einer Beschreibung wäre z.B. die ganze Szene zu wiederholen & meinen Gesichtsausdruck, Gang etc. zu reproduzieren. Ich könnte mich dabei gewisser Gedanken erinnern die meine Handlung begleiteten. (Ein Andrer der diese Reproduktion sähe, könnte sagen: “Ich versichere Dich, so hast Du's damals gar nicht gemacht”.)
It is indeed true: We say, “I wanted to get away from these people.” We are conscious that this expression covers a lot of possible cases and that, on the other hand, it is not easy to describe the particular case. One kind of description would be, for example, to repeat the whole scene and reproduce my facial expression, gait, etc. I could remember some of the thoughts that accompanied my action. (Another person who saw this reproduction could say: “I assure you, you didn’t do it that way back then.”)
§
25[2]“Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, wohl aber der Absicht, in der ich sie sprach.” – Ein Andrer sagt darauf: “Das kann ich bezeugen, Du sagtest damals …”
Ebenso kann man manchmal sagen: “Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, aber wohl an den Geist meiner Worte.”
“I don’t remember my words anymore, but I do remember the intention with which I spoke them.” Another person says: “I can attest to that, you said at the time…”
Similarly, one can sometimes say: “I don’t remember my words anymore, but I do remember the spirit of my words.”
§
25[3]Man könnte das Seltsame sagen: Jede Erzählung ist nicht nur eine andere Erzählung sondern auch ‘Erzählung’ in einem andern Sinn.
One could say that every narrative is not only a different narrative but also ‘narrative’ in a different sense.
§
25[4] &26[1]
Man sagt auch von einem Tier es wollte entfliehen. Das was es tat, ist eben, was man “entfliehen wollen” nennt.
One also says of an animal that it wanted to escape. What it did is precisely what one calls “wanting to escape.”
§
26[2]Wie kommt es, – daß ich dann trotzdem geneigt bin ein Deuten darin zu sehen, wenn ich sage “Ich wollte Dich für einen Augenblick betrügen”? Ist es, weil ich das was in jenem Augenblick geschah durch die Umgebung & Vorgeschichte deute, d.h. mit dieser zusammen charakterisiere?
How is it that I am nevertheless inclined to see an interpretation in it when I say “I wanted to deceive you for a moment”? Is it because I interpret what happened in that moment through the environment and the history, i.e., characterize it together with it?
§
26[3] &27[1]
Daran ist etwas Wahres.
Aber nimm an ich erinnerte mich (mit einer bestimmten Einstellung der Linsen) an eine Empfindung – wie kann ich sagen, daß sie das ist was ich die ‘Absicht’ nenne? Es konnte sein daß ein bestimmter Kitzel(, z.B.) jede meiner Absichten begleitete. Lernen wir das Wort Absicht wie das Wort für eine Empfindung? Was ist der natürliche Ausdruck der Absicht. Sieh eine Katze an wenn sie sich an einen Vogel heranschleicht, oder ein Tier das entfliehen will.
There is some truth in that.
But suppose I remembered (with a certain adjustment of the lenses) one sensation – how can I say that it is what I call ‘intention’? It may be that a certain tingling sensation, for example, accompanied all my intentions. Do we learn the word intention the same way we learn the word for a sensation? What is the natural expression of intention? Look at a cat when it creeps up on a bird, or an animal that wants to escape.
§
27[2]“Du hattest gestern die Absicht in die Stadt zu gehen.” – “Ich habe nicht diese Absicht gehabt.” – “Nun, ich konnte natürlich nicht in Dich hineinschauen.” – Was hätte er gesehen, wenn er in mich hineingeschaut hätte? Nun, etwa meine Gedanken. Er hätte ja auch mein Notizbuch finden können in dem ich meine geheimen Gedanken aufzeichne (in das ich sie sozusagen hineindeute).
“You had the intention yesterday to go to town.” “I didn’t have that intention.” “Well, I couldn’t have looked inside you, could I?” What would he have seen if he had looked inside me? Well, perhaps my thoughts. He could also have found my notebook in which I write down my secret thoughts (in which I, as it were, interpret them).
§
27[3]“Warum packst Du?” – “Ich habe die Absicht morgen nach … zu reisen.” Ist das Packen zusammen mit andern Tätigkeiten etc. die Absicht haben? Schau in die Lade in der Du die Absicht erwartest – sie ist leer. Wann hast Du die Absicht? Immer oder intermittierend? Schau in die Lade in der Du sie erwartest. Die Lade ist leer. Du hattest sie unter den Empfindungen gesucht.
“Why are you packing?” “I intend to travel to… tomorrow.” Is the packing, together with other activities, the intention? Look in the drawer where you expect the intention – it is empty. When do you have the intention? Always or intermittently? Look in the drawer where you expect it. The drawer is empty. You had looked for it among the sensations.
§
27[4]“Ich habe die Absicht” sagt Dir – beiläufig – was Du zu erwarten hast.
“I have the intention” tells you – casually – what you can expect.
§
28[1]Wenn der Andre sehen kann, daß ich einen Augenblick lang im Begriffe war …, warum soll ich's nicht wissen? Aber wenn sich der Andre darin irren konnte, warum ich mich nicht auch – zugegeben, daß ich mehr weiß als er.
If the other person can see that for a moment I was about to …, why shouldn’t I know it? But if the other person could be mistaken about that, why shouldn’t I be too—admittedly, I know more than he does.
§
28[2]Und kann ich mich nicht täuschen?
And can’t I be mistaken?
§
28[3] &29[1]
Jemand will mich überreden einen Plan aufzugeben. Ich sage “Das überzeugt mich nicht; ich habe noch immer die Absicht zu reisen”. Diese Worte sind eine Äußerung der Absicht. Sind sie eine Äußerung eines Gefühles? Sie sind jedenfalls die Träger eines bestimmten Tonfalles & den kann man den Ausdruck eines Gefühls nennen. Aber es ist nicht immer der gleiche Ton & also nicht immer das gleiche Gefühl. Anderseits aber ist es eine Wortreaktion die auf eine zukünftige Handlung des Sprechenden weist & nicht eine Vermutung über sein Handeln.
Someone wants to persuade me to give up a plan. I say, “That doesn’t convince me; I still intend to travel.” These words are an utterance of intention. Are they an utterance of a feeling? They are, in any case, the vehicle for a certain tone, and one could call that the expression of a feeling. But it is not always the same tone, and therefore not always the same feeling. On the other hand, it is a verbal reaction that refers to a future action by the speaker and not a conjecture about his action.
§
29[2]Der Satz ist ähnlich dem: “Ich werde jetzt aufstehen”. Es ist dies nicht eine Voraussage wie “Er wird jetzt aufstehen” oder “ich werde wahrscheinlich jetzt erbrechen”. Diese ‘Willensäußerung’ gehört zu einem ganz andern Sprachspiele.
The sentence is similar to: “I will now get up.” This is not a prediction like “He will now get up” or “I will probably vomit now.” This ‘utterance of will’ belongs to a completely different language-game.
§
29[3]“Ich werde mich jetzt an ihn wenden.” “Ich wollte mich damals gerade an ihn wenden, als er plötzlich aufstand.”
“I will now turn to him.” “I wanted to turn to him at that time, just as he suddenly stood up.”
§
29[4]“Ich werde mich jetzt an ihn wenden” ⌇ist von der Art des Satzes:⌇ “Ich werde jetzt meine Hand heben”. Es würde jeden überraschen, wenn ich statt dessen sagte: “Meine Hand wird sich jetzt heben” obwohl ja auch diese Vorhersage erfüllt wird wenn ich meine Hand hebe. Sagt also der Satz “Ich werde jetzt …” etwas, was sehr schwer zu verstehen ist, & was nur der oberflächliche Laie so ohne weiteres hinnehmen kann?
“I will now turn to him” is of the type of sentence: “I will now raise my hand.” It would surprise everyone if, instead, I said: “My hand will now raise itself,” although this prediction would also be fulfilled if I raise my hand. Does the sentence “I will now…” say something that is so difficult to understand, and which the superficial layman can simply accept?
§
29[6] &30[1] &
30[2]
Betrachte das Sprachspiel: A befiehlt dem B eine Bewegung zu machen; B macht sie. Eine Variante davon ist: Mach diese Bewegung (sie wird vorgemacht, oder ist schon benannt worden) wenn ich in die Hände klatsche. Eine andere Variante: Gib Dir den Befehl selbst & vollziehe ihn, wenn ich in die Hände klatsche.
Consider the language-game: A commands B to make a movement; B makes it. A variation of this is: Make this movement (it is demonstrated, or has already been named) when I clap my hands. Another variation: Give yourself the command and carry it out when I clap my hands.
§
30[3]Betrachte diese beiden Sprachspiele:
-
A befiehlt dem B bestimmte Bewegungen mit Armen & Beinen zu machen oder bestimmte Körperstellungen einzunehmen (der Turnlehrer & die Zöglinge).
-
Einer beobachtet irgend welche regelmäßige Vorgänge (etwa die Reaktionen verschiedener Metalle auf verschiedene Säuren) & macht daraufhin Vorhersagen welche Reaktion zwischen diesem Stoff & jenem eintreten wird.
Consider these two language-games:
-
A commands B to make certain movements with arms and legs or to assume certain body positions (the gymnastics teacher and the students).
-
One observes certain regular processes (for example, the reactions of different metals to different acids) and then makes predictions about which reaction will occur between this substance and that.
§
30[4] &31[1]
Eine Variante dieses Sprachspiels ist: Der Schüler befiehlt sich selbst welche Bewegung er ausführen wird & führt sie, etwa nach einem bestimmten Zeitintervall, aus.
A variation of this language-game is: The student commands himself to make the movement he will carry out, and carries it out, perhaps after a certain interval.
§
31[2]Es ist zwischen diesen beiden Sprachspielen eine offenbare Verwandtschaft & auch Grundverschiedenheit. In beiden könnte man die Worte eine Voraussage nennen. (Ein Befehl wird oft in den Worten gegeben: “Du wirst jetzt …”.) Vergleiche aber nun die Abrichtung, die zu der ersten Technik gehört, mit der Abrichtung zur zweiten!
There is an obvious kinship and also a fundamental difference between these two language-games. In both, one could call the words a prediction. (A command is often given in the words: “You will now…”) But compare the training that belongs to the first technique with the training for the second!
§
31[3]Ich kann die beiden Fälle einander äußerlich noch näher bringen indem ich im zweiten mit meinem eigenen Körper experimentiere. (“Ich werde jetzt 3 Kniebeugen ausführen; & dann wird mein Herz heftig schlagen.”) Es erklärt nun nichts, wenn ich sage, im ersten Fall sei ich das agens im zweiten bloß der Beobachter. Oder: im ersten Falle sähe ich den kausalen Zusammenhang von innen im zweiten von außen & vieles Ähnliche.
I can bring the two cases even closer together externally by experimenting with my own body in the second one. (“I will now perform 3 squats; & then my heart will beat rapidly.”) There is no explanation, however, if I say that in the first case I am the agent, while in the second I am merely the observer. Or: in the first case I would see the causal connection from the inside, in the second from the outside, & many similar things.
§
31[4]Es ist auch nicht zur Sache zu sagen daß ja eine ‘Voraussage’ der Art “Ich werde Kniebeugen machen” sowenig immer zutrifft wie eine Voraussage der zweiten Art.
It is also not relevant to say that a ‘prediction’ of the kind “I will do squats” is as little always correct as a prediction of the second kind.
§
31[5] &32[1]
Der fundamentale Unterschied liegt darin daß wir die beiden unter gänzlich verschiedenen Umständen machen. Ich hatte mich nicht beobachtet & sage nun “es scheint ich werde jetzt 3 Kniebeugen machen”. Die Äußerung “ich werde” hatte nicht ihren Grund in der Beobachtung einer Regelmäßigkeit; auch natürlich nicht derjenigen daß meistens wenn ich dies will, es geschieht. Auch will ich nicht sagen: in diesem Falle sei die Voraussage die Ursache & ihre Erfüllung der Effekt. (Darüber lassen wir Physiologen sich die Köpfe zerbrechen.) Obwohl an jener Aussage etwas ist: Wir können wirklich aus den Äußerungen des Entschlusses von Menschen häufig ihre Handlungen vorhersagen. Ein wichtiges Sprachspiel.
The fundamental difference lies in the fact that we make the two under entirely different circumstances. I had not observed myself & now say “it seems I will now do 3 squats.” The statement “I will” was not based on the observation of a regularity; nor, of course, on the fact that most of the time when I want this, it happens. Nor do I want to say that in this case the prediction is the cause and its fulfilment the effect. (We’ll leave that for physiologists to puzzle over.) Although there is something to that statement: we can indeed often predict people’s actions from their expressions of resolve. An important language-game.
§
32[2] &33[1]
AAer wenn Du sagst “Ich habe die Absicht abzureisen”, so meinst Du's doch! Es ist eben hier wieder das geistige Meinen, das den Satz belebt. Sagst Du den Satz als Sprachübung, oder sprichst Du ihn jemandem nach um dessen Sprechweise zu imitieren so sagst Du ihn ohne jenes Meinen.
But when you say, “I intend to leave,” you do mean it! Here, again, it is the mental intention that animates the sentence. If you utter the sentence as a language exercise, or if you repeat it to someone in order to imitate their way of speaking, then you utter it without that intention.
§
33[2]Ja, das scheint uns so, wenn wir philosophieren. Aber denke Dir doch wirklich verschiedene Situationen Gespräche usw. & wie der Satz in ihnen ausgesprochen wird. Entdeckst Du da wirklich den geistigen Unterton? Und es gibt auch den Fall in welchem ich jemandem meine Absicht mitteile & dabei (etwa zum Spaß) den Ton eines Andern nachahme.
Yes, that seems to be the case when we philosophize. But consider various situations, conversations, etc., and how the sentence is uttered in them. Do you really discover a mental undertone there? And there is also the case in which I communicate my intention to someone, and at the same time (perhaps for fun) imitate the tone of another.
§
33[3] &34[1]
“Ich wälze die Absicht in mir herum, abzureisen.” Daraus wird man vor allem entnehmen an was der Andre denkt & was er fühlt. Er könnte auch hinzusetzen “Ich kann jetzt an nichts anderes denken”. (Beschreibung eines Gemütszustandes) Damit zu vergleichen: Jemand fragt mich “Wielange bleibst Du hier”. Ich antworte “Morgen reise ich ab; meine Ferien gehn zu Ende”. – Anderseits aber sage ich am Ende eines Streites: “Wenn es so ist reise ich morgen ab”. (Ich fasse einen Entschluß.)
“I am toying with the intention of leaving.” From this, one would primarily infer what the other person is thinking and feeling. He might also add, “I can’t think of anything else right now.” (Description of a state of mind.) Compare this to: Someone asks me, “How long will you stay here?” I reply, “I’m leaving tomorrow; my vacation is ending.” On the other hand, at the end of an argument, I say, “If that’s how it is, I’m leaving tomorrow.” (I make a decision.)
§
34[2]“Ich hatte schon den Mund geöffnet, das zu sagen”.
“I had already opened my mouth to say it.”
§
34[3]Sich in eine Situation wieder hineindenken. Man ruft sich alle Umstände ins Gedächtnis. Als ich unterbrochen wurde, war ich im Begriff zu sagen … “Ich weiß nicht welche Worte ich gesprochen hätte aber ich wollte ihm ein Argument dieser Art geben: …” Mußte ich mir das Argument also schon zurechtgelegt haben? Etwa wie durch eine Notiz.
To think oneself back into a situation. One recalls all the circumstances. When I was interrupted, I was about to say… “I don’t know what words I would have spoken, but I wanted to give him an argument of this kind…” Did I have to have already formulated the argument? Perhaps like with a note.
§
34[4]“Was wolltest Du sagen als Du (damals) unterbrochen wurdest?” – “Ich wollte ungefähr sagen …”
“What did you want to say when you were interrupted (back then)?” – “I wanted to say something along the lines of…”
§
34[5] &35[1]
“Du sagtest damals ‘ …’ dann wurdest Du unterbrochen. Weißt Du noch was Du sagen wolltest?” Wenn ich's nun weiß & es sage – heißt das, daß ich es schon früher gedacht & nur nicht gesagt hatte? Nein. Es sei denn, daß Du die Sicherheit, mit der ich den unterbrochenen Satz weiterführe, als Kriterium dafür nimmst, daß der Gedanke damals schon fertig war. Aber es lag freilich schon alles mögliche in der Situation & in meinen Gedanken, das dem Satz weiterhalf.
“You said ‘…’ back then, and then you were interrupted. Do you remember what you wanted to say?” If I now know it and say it, does that mean that I had already thought it earlier and just hadn’t said it? No. Unless you take the certainty with which I continue the interrupted sentence as a criterion for the fact that the thought was already complete back then. But, of course, there was already all sorts of things in the situation and in my thoughts that helped to continue the sentence.
§
35[2]Wenn ich den unterbrochenen Satz später fortsetze & sage so hätte ich ihn damals fortsetzen wollen; so ist es setzte ich ihn nach Notizen fort, die ich damals gemacht hatte.
If I later continue the interrupted sentence and say it the way I would have wanted to continue it back then; that is, if I continued it based on notes I had made at the time.
§
35[3]Und deute ich also diese Notizen nicht? War nur eine Fortsetzung unter jenen Umständen möglich? Gewiß nicht. Aber ich wählte nicht eine dieser Deutungen. Ich erinnerte mich, daß ich das sagen wollte.
And am I not interpreting these notes? Was only one continuation possible under those circumstances? Certainly not. But I didn’t choose one of these interpretations. I remembered that I wanted to say that.
§
35[4] &36[1]
Denn wenn ich mich erinnere daß ich dies sagen wollte, erinnere ich mich freilich nicht an das was geschehen wäre wenn ich damals gesagt hätte: “Ich will sagen … …” Wohl aber hätte ein Freund meinen unterbrochenen Satz, ohne daß ich es wußte, weiterschreiben können. Und er sagt dann “Ich weiß daß Du das sagen wolltest.”
Because if I remember that I wanted to say that, I am certainly not remembering what would have happened if I had said, “I want to say…” However, a friend could have continued my interrupted sentence, without me knowing, and he says, “I know that you wanted to say that.”
§
36[2]“Weißt Du daß Du jedes Wort des Satzes so sagen wolltest?” – “Nein aber der Gang des Arguments stand schon in mir fest.”
“Do you know that you wanted to say each word of the sentence exactly like that?” – “No, but the course of the argument was already fixed in my mind.”
§
36[3]“Ich wollte auf … lossteuern.”
“I wanted to set out towards…”
§
36[4]Wenn einem Andern mein Gedankenweg vorgezeichnet scheint wie soll er mir nicht vorgezeichnet scheinen?
If my train of thought seems obvious to another person, why shouldn’t it seem obvious to me?
§
36[5]“Ich sah, Du wolltest so schnell als möglich von dort wegkommen.” Die Absicht, die Tendenz, zu beschreiben ist, was jemand tut von einem bestimmten Gesichtspunkte beschreiben.
“I saw that you wanted to get away from there as quickly as possible.” The intention, the tendency, is to describe what someone is doing from a certain point of view.
§
36[6]Ich meine nicht: Du legst hinein was nicht da war – denn wozu solltest Du das tun? Aber Du beschreibst es – vielleicht gänzlich richtig – durch einen bestimmten Begriff.
I don’t mean: you are adding something that wasn’t there – because why would you do that? But you are describing it – perhaps completely correctly – through a certain concept.
§
37[1]Zu sagen, ich deute, wenn ich mich daran erinnere, was ich hatte sagen wollen, – ist eigentlich falsch, weil das hieße, ich baute um gewisse [unreadable] eine mögliche Deutung. Während ich nicht anders kann, als diesen Gedankenweg zu gehen.
To say that I am interpreting when I remember what I wanted to say is actually false, because that would mean that I am constructing a possible interpretation around certain [unreadable] things. Whereas I cannot do anything other than follow this train of thought.
§
37[2][Die Meinung entwickelt sich.]
[Opinion develops.]
§
37[3]“Trachte, was immer geschieht, dieses Haus zu erreichen” charakterisiert ein anderes Sprachspiel als: “Geh 100 Schritt gradaus, dann rechts …, dann wirst Du zu dem Haus kommen”. Ebenso gehören “Ich trachte zu diesem Haus zu kommen” & “Ich ging die Straße die zu dem Haus führt” zu verschiedenen Sprachspielen.
“Try to reach this house, whatever happens” characterizes a different language-game than: “Go 100 steps straight ahead, then turn right …, and then you will get to the house.” Similarly, “I am trying to get to this house” and “I walked the road that leads to the house” belong to different language-games.
§
37[4]Was geschieht wenn ich ein bestimmtes Buch suche. Wie unterscheidet es sich davon, daß ich ein anderes Buch suche; angenommen daß ich nicht finde, was ich suche.
What happens if I am looking for a specific book? How does it differ from the fact that I am looking for a different book, assuming that I don’t find what I’m looking for?
§
37[5] &38[1]
Und nun denk an den Fall wenn man im Suchen unterbrochen wird & dann sagt: “Was war es nur, was ich suchte? Ach ja es war …!”
And now think of the case when one is interrupted while searching & then says: “What was it that I was looking for? Oh yes, it was …!”
§
38[2]Ich gebe jemandem eine Erklärung bleibe aber stecken & sage um ihm einen beiläufigen Begriff zu geben: “Ich steuere auf diesen Gedanken los: …” Das ist ähnlich wie wenn ich sage “Ich suche nach dem Buch …”
I give someone an explanation but get stuck & say to give them a casual term: “I am aiming at this thought: …”. This is similar to when I say “I am looking for the book…”.
§
38[3]Der Befehl “Suche das Buch …!” ist nicht derselbe wie “Lies die Titel aller dieser Bücher ab!” Aber in beiden Fällen mag die Befolgung die gleiche Handlung sein.
The command “Look for the book…!” is not the same as “Read the titles of all these books!”. But in both cases, following the command might be the same action.
§
38[4]“Ich suche dieses Buch” heißt nicht dasselbe wie “Ich lese die Titel aller dieser Bücher” obwohl ich vielleicht eben dies tue. Aber zu sagen die beiden Sätze bezögen sich auf verschiedene Tätigkeiten wäre als sagte man der Satz “Heute ist mein Geburtstag” & “Der 26te ist mein Geburtstag” bezögen sich auf verschiedene Tage.
“I am looking for this book” does not mean the same as “I am reading the titles of all these books”, although I might be doing just that. But to say that the two sentences refer to different activities would be like saying that the sentence “Today is my birthday” & “The 26th is my birthday” refer to different days.
§
38[5]Suche das Buch A ist nicht derselbe Befehl wie “Suche das Buch B”. Aber was ich bei der Befolgung dieser beiden Befehle tue mag genau das gleiche sein.
Looking for book A is not the same command as “Look for book B”. But what I do in following these two commands might be exactly the same.
§
38[6] &39[1]
Ich kann von dem was geschah eine Reihe verschiedener Beschreibungen geben. Verschiedenes auslesen & zusammenfassen. Es unter verschiedenen Gesichtspunkten durch verschiedene Begriffe beschreiben. Und zu sagen “ich wollte damals das sagen” heißt was ich tat dachte etc. unter dem Gesichtspunkt der Absicht beschreiben.
I can give a series of different descriptions of what happened. Select different things & summarize them. Describe it from different perspectives through different concepts. And to say “I wanted to say that at that time” means describing what I did, thought, etc., from the perspective of intention.
§
39[2]“Ich trachte mit allen Mitteln dorthin zu kommen” charakterisiert, was geschieht, in bestimmter Weise. Von [Mann auf der steilen Straße]
einem bestimmten Gesichtspunkt … gibt ein bestimmtes Bild der Ereignisse, bringt bestimmte Züge der Ereignisse heraus.
“I am striving to get there by all means” characterizes what happens in a certain way. From [Man on the steep street] a certain perspective… it gives a certain picture of the events, brings out certain features of the events.
§
39[3]Es wäre seltsam, zu sagen “Ich trachte mit allen Mitteln dorthin zu kommen”, wenn ich weiter nichts tun brauche, als eine Viertelstunde zu gehen.
It would be odd to say “I am striving to get there by all means” if I have nothing else to do but walk for a quarter of an hour.
§
39[4] &40[1]
Auch wenn Du irgendwie zu sehen glaubst, daß die Absicht eine Art von Empfindung ist – warum sollst Du glauben, daß die gleiche Absicht immer die gleiche Empfindung ist? Man könnte sich denken, in einer Armee habe bei gewissen Anlässen der General eine Uniform zu tragen, welche bei andern Anlässen der Leutnant trägt, & umgekehrt. (Der General sollte etwa bei gewissen Anlässen als der Diener der ganzen Armee erscheinen, bei andern als ihr Herr.)
Even if you somehow see that intention is a kind of sensation—why should you believe that the same intention is always the same sensation? One might imagine that in an army, on certain occasions the general must wear a uniform that the lieutenant wears on other occasions, and vice versa. (The general should, for example, appear on certain occasions as the servant of the entire army, and on others as its master.)
§
40[2]Das Sprachspiel: “Trachte dorthin zu kommen”. (Abrichtung dazu.)
The language-game: “Strive to get there”. (Training for it.)
§
40[3]Wer dies Spiel spielt, sagt sich oder einem Andern etwa: “Ich muß das Haus erreichen!” Sag ich's mir so ist es eine Wortreaktion wie “Es muß gehen!” Oder eine Erklärung meiner Handlungsweise für den Andern, eine Bitte um Hilfe etc.
Whoever plays this game says to himself or to another: “I must reach the house!” If I say it to myself in this way, it is a verbal reaction like “It must work!” Or an explanation of my way of acting for the other person, a request for help, etc.
§
40[4]In diesem Buch veröffentliche ich philosophische Bemerkungen, die ich im Laufe der letzten 16 Jahre niedergeschrieben habe. Sie betreffen eine große Mannigfaltigkeit von Gegenständen ‥‥․
In this book, I publish philosophical remarks that I have written down over the past 16 years. They concern a great variety of subjects…
§
40[5]Diese Arbeit nun ist ein Konglomerat solcher Bemerkungen.
This work is now a conglomerate of such remarks.
§
40[6] &41[1]
Ich mußte sie endlich doch in eine gewisse Ordnung bringen wenn diese auch vielfach nur lose ist & so entstand das Konglomerat welches ich hier veröffentliche.
I finally had to put them in some kind of order, even if this is only loose in many cases, and this is how the conglomerate that I am publishing here came about.
§
41[2]Dennoch aber war es nötig meine Bemerkungen einigermaßen zu ordnen wenn auch …
Nevertheless, it was necessary to arrange my remarks in some way, even if…
§
41[3]Diese Bemerkungen sind also gleichsam Bilder die auf einer langen & verwickelten kreuz & quer-Fahrt durch ein weites Terrain aufgenommen wurden. Die gleichen Punkte der Landschaft oder beinahe die gleichen wurden unzählige male von verschiedenen Richtungen her erreicht & immer wieder neue Bilder aufgenommen. Eine Unzahl von diesen waren uncharakteristisch oder verzeichnet & mit allen Mängeln eines schwachen Zeichners behaftet & wenn man diese ausschied so blieben eine Anzahl halbwegser übrig die man nun ungefähr so anordnen & beschneiden mußte, daß sie dem Betrachter einen möglichst guten Begriff von der Landschaft geben. Und eine solche Sammlung solcher Zeichnungen ist dieses Buch.
These remarks are thus, as it were, pictures taken on a long & winding journey through a vast terrain. The same points of the landscape or almost the same were reached countless times from different directions & new pictures were taken again & again. A large number of these were uncharacteristic or distorted & had all the flaws of a weak draftsman & if one excluded these, a number of half-finished ones remained which one now had to arrange & trim more or less so that they gave the viewer the best possible idea of the landscape. And such a collection of such drawings is this book.
§
41[4]Diese Bemerkungen sind nun gleichsam eine Menge von Landschaftsskitzen, die auf diesen langen & verwickelten kreuz & quer-Fahrten durch ein weites Terrain entstanden sind.
These remarks are thus, as it were, a collection of landscape sketches that arose on these long & winding journeys through a vast terrain.
§
41[5]Diese Bemerkungen sind also gleichsam Darstellungen einer Landschaft, die auf langen & verwickelten Kreuz & Querzügen gezeichnet wurden.
These remarks are thus, as it were, depictions of a landscape that were drawn on long & winding journeys.
§
42[1]In dem Folgenden will ich einen Teil der philosophischen Bemerkungen veröffentlichen, die ich im Lauf der letzten 16 Jahre geschrieben habe. Sie betreffen: den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Sinnesdaten & vieles andere. Ich habe alle meine Gedanken über diese Gegenstände ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, über denselben Gegenstand, manchmal in raschem Wechsel von einem Gebiet zum andern übergehend. – Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, – von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien mir, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern wohlgeordnet fortschreiten sollten.
In what follows, I want to publish some of the philosophical remarks that I have written over the last 16 years. They concern: the concept of meaning, understanding, the sentence, logic, the foundations of mathematics, sense data & much else. Originally, I wrote all my thoughts about these objects as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains, about the same object, sometimes rapidly changing from one area to another. – My intention was to bring all this together in one book – about the form of which I had different ideas at different times. But it seemed essential to me that the thoughts should progress in an orderly fashion from one object to another.
§
43[1]In dem Folgenden will ich Gedanken mitteilen, die die Früchte meiner philosophischen Untersuchungen der letzten 16 Jahre sind. Sie betreffen den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Sinnesdaten & vieles andere. Alle meine Gedanken über diese Gegenstände habe ich ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten über denselben Gegenstand, manchmal in raschem Wechsel von einem Gebiet zum andern übergehend. – Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, – von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien mir, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern wohlgeordnet fortschreiten sollten.
In what follows, I will communicate thoughts that are the fruits of my philosophical investigations of the last 16 years. They concern the concept of meaning, understanding, the sentence, logic, the foundations of mathematics, sense data & much else. I originally wrote all my thoughts about these objects as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains about the same object, sometimes rapidly changing from one area to another. – My intention was to bring all this together in one book – about the form of which I had different ideas at different times. But it seemed essential to me that the thoughts should progress in an orderly fashion from one object to another.
§
43[2]Vor etwa 10 Jahren … weitere Versuche …
Endlich sah ich ein, daß ich ein befriedigendes Ergebnis nicht erwarten durfte. Es zeigte sich mir, daß das Beste … Endlich sah ich ein daß eine auch nur halbwegs befriedigende Darstellung so nicht zu erzeugen war. Es wurde mir klar, daß das beste was ich schreiben konnte … bleiben würden; wie auch, daß meine Gedanken bald erlahmten.
About 10 years ago... further attempts...
Finally, I realized that I could not expect a satisfactory result. It became clear to me that the best thing... Finally, I saw that it was not possible to produce even a halfway satisfactory representation in this way. It became clear to me that the best thing I could write... would remain; and also that my thoughts soon flagged.
§
43[3]… & ich mußte sie jedesmal mit Mühe wieder beruhigen. Vor etwa 2 Jahren nun hatte ich Veranlassung einen Teil meines ersten Buches, die “L.P.A.”, zu lesen. Da …
...& I had to calm them down with difficulty each time. About 2 years ago, I had occasion to read a part of my first book, the “L.P.A.”. And...
§
43[4]In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, die die Früchte von philosophischen Untersuchungen der vergangenen 16 Jahre sind. Ich machte zahlreiche Versuche meine … Nach zahlreichen Versuchen aber meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen mußte ich einsehen daß mir dies nie gelingen werde. Es wurde mir nämlich klar …
In what follows, I communicate thoughts that are the fruits of philosophical investigations of the past 16 years. I made numerous attempts to combine my... But after numerous attempts to weld my results into such a whole, I had to realize that this would never succeed. It became clear to me...
§
44[1]Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind, gleichsam eine Menge von Ansichten einer Landschaft, & sind auf diesen langen … entstanden.
Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind die Darstellung einer Landschaft durch eine Menge von Skitzen, wie sie auf diesen langen und verwickelten Wegen entstanden sind.
Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind eine solche Menge von Landschaftsskitzen die auf jenen verwickelten Wegen gezeichnet wurden.
The philosophical remarks in this book are, as it were, a collection of views of a landscape, and arose on these long...
The philosophical remarks in this book are the depiction of a landscape through a collection of sketches, as they arose on these long and winding paths.
The philosophical remarks in this book are such a collection of landscape sketches that were drawn on those winding paths.
§
44[2]In einer andern Umgebung nun ist Gold das billigste Metall, unsere Edelsteine & Perlen häufig wie Kieselsteine, das Gewebe des Mantels durch vorhandene Maschinen billig herzustellen. Die Krone wird als Parodie eines anständigen Hutes empfunden & Einem als Abzeichen der Schande aufgesetzt.
In a different environment, gold is the cheapest metal, our precious stones and pearls are as common as pebbles, the fabric of the cloak can be cheaply produced by available machines. The crown is felt as a parody of a decent hat and placed on one as a badge of shame.
§
44[3]Mehr noch als dieser – stets kraftvollen & sichern – Kritik verdanke ich derjenigen, die ein Lehrer dieser Universität, Herr P. Sraffa durch viele Jahre unablässig an meinen Gedanken geübt hat. Diesem Ansporn verdanke ich die folgereichsten der Gedanken die ich hier veröffentliche.
Even more than this – this ever-powerful and reliable – criticism, I owe it to the one that a teacher at this university, Mr. P. Sraffa, has tirelessly applied to my thoughts for many years. I owe the most significant of the thoughts that I publish here to this stimulus.
§
45[1]Der Reisende macht Skitze um Skitze dieser Landschaft.
The traveler makes sketch after sketch of this landscape.
§
45[2]Der Reisende machte – – – – – – durch Skitzen dar, die der Niederschlag dieser Expedition sind.
Die Bemerkungen dieses Buches stellen jene Landschaft dar durch Skitzen.
The traveler made – – – – – – by sketching, the result of this expedition.
The remarks in this book depict that landscape through sketches.
§
45[3]“Die Übergänge sind eigentlich alle schon gemacht” heißt ich habe keine Wahl mehr. Die Regel einmal mit einer bestimmten Bedeutung gestempelt zieht die Linien ihrer Befolgung durch den ganzen Raum. Wenn ich der Regel folge wähle ich nicht. Aber wenn so etwas wirklich stattfände was hülfe es mir?
“The transitions have actually all been made,” meaning I have no choice left. Once the rule has been stamped with a certain meaning, it draws the lines of its application through the entire space. If I follow the rule, I do not choose. But if something like that really happened, what would it help me?
§
45[4]Nein; meine Beschreibung hatte nur Sinn wenn sie symbolisch zu verstehen war. – ‘So kommt es mir vor’, sollte ich sagen.
No; my description only made sense if it was to be understood symbolically. – ‘That’s how it seems to me’, I should say.
§
45[5]Ich folge der Regel blind könnte ich auch sagen.
I follow the rule blindly, I could also say.
§
45[6] &46[1]
Wann sage ich jemandem die Regel bestimme alle Schritte im voraus? Wann teile ich ihm das mit, oder lehre es ihn? Doch wohl nur, wenn er etwa das Gegenteil meint. Wenn er also glaubt er habe in einem bestimmten Falle noch eine Wahl. Also etwa an bestimmten Stellen im Unterricht in der Mathematik.
When do I tell someone that the rule determines all the steps in advance? When do I communicate this to him, or teach it to him? Surely only if he means something different. If, for example, he believes that he still has a choice in a certain case. Thus, for example, in certain places in mathematics instruction.
§
46[2]Welchen Zweck hat aber dann jener symbolische Satz? Er sollte einen Unterschied hervorheben zwischen kausaler Bedingtheit & logischer Bedingtheit.
What purpose does this symbolic sentence serve? It should highlight a difference between causal determination & logical determination.
§
46[3]Mein symbolischer Ausdruck war eigentlich eine mythologische Beschreibung des Gebrauchs einer Regel.
My symbolic expression was actually a mythological description of the use of a rule.
§
46[4]“Setzen Sie sich!” – “Ich?” “Nein der dort.” – Was ging da vor als ich ihn meinte? – Ja mußte denn damals etwas vorgehen?
“Sit down!” – “Me?” “No, him.” – What was happening there when I meant him? – Yes, must something have happened then?
§VB
46[5]Menschen sind in dem Maße religiös, als sie sich nicht so sehr unvollkommen, als krank glauben.
People are religious to the extent that they believe themselves to be not so much imperfect as sick.
§VB
46[6]Jeder halbwegs anständige Mensch glaubt sich höchst unvollkommen, aber der religiöse glaubt sich elend.
Every reasonably decent person believes himself to be highly imperfect, but the religious person believes himself to be miserable.
§VB
47[1]What's ragged should be left ragged.
What's ragged should be left ragged.
§VB
47[2]A miracle is, as it were, a gesture which God makes. As a man sits quietly & then makes an impressive gesture, God lets the world run on smoothly & then accompanies the words of a saint by a symbolic occurrence, a gesture of nature. It would be an instance if, when a saint has spoken, the trees around him bowed as if in reverence. – Now do I believe that this happens? I don't.
A miracle is, as it were, a gesture that God makes. Just as a man sits quietly & then makes an impressive gesture, God lets the world run on smoothly & then accompanies the words of a saint with a symbolic occurrence, a gesture of nature. It would be an instance if, when a saint has spoken, the trees around him bowed as if in reverence. – Now do I believe that this happens? I don't.
§VB
47[3]The only way for me to believe in a miracle in this sense would be to be impressed by an occurrence in this particular way. So that I should say e.g.: “It was impossible to see these trees & not to feel that they were responding to the words.” Just as I might say “It is impossible to see the face of this dog & not to see that he is alert & full of attention to what his master is doing.” And I can imagine that the mere report of the words & life of a saint can make someone believe the reports that the trees bowed. But I am not so impressed.
The only way for me to believe in a miracle in this sense would be to be impressed by an occurrence in this particular way. So that I would say, for example: “It was impossible to see these trees & not to feel that they were responding to the words.” Just as I might say “It is impossible to see the face of this dog & not to see that he is alert & full of attention to what his master is doing.” And I can imagine that the mere report of the words & life of a saint can make someone believe the reports that the trees bowed. But I am not so impressed.
§VB
47[4]When I came home I expected a surprise & there was no surprise for me, so, of course, I was surprised.
When I came home, I expected a surprise & there was no surprise for me, so, of course, I was surprised.
§
48[1]“Du brauchst etwas Grünes zum Ansehen & Du siehst, daß Grün ausgebreitet ist.
“You need something green to look at & you see that green is spread out.”
§
48[2]“Du siehst doch, es ist ausgebreitet!”
“You see, it is spread out!”
§
48[3]Warum ist dieser Satz so unnütz?
Why is this sentence so useless?
§
48[4]Denk Dir ihn in eine Gebärdensprache übersetzt! “Grün” wird durch Zeigen auf etwas Grünes ausgedrückt, & “ausgebreitet” durch eine ausbreitende Bewegung der Hände. – Hier haben wir also den Satz. Und wozu ist er nun zu verwenden?
Imagine it translated into a sign language! “Green” is expressed by pointing to something green, & “spread out” by an expansive movement of the hands. – Here we have the sentence. And what can it be used for?
§
48[5]Der Satz “Farbe ist ausgebreitet” ist anwendbar. Man könnte z.B. im ‘Abstrakten Erraten’ die Frage stellen: “Ist es ausgebreitet”; & wenn die Antwort ist: “Ja”, so kann das heißen: es kann eine Farbe sein; aber nicht, z.B., ein Ton oder ein Gemütszustand.
The sentence “Color is spread out” is applicable. One could, for example, in ‘Abstract Guessing’ ask the question: “Is it spread out”; & if the answer is: “Yes”, then this can mean: it can be a color; but not, for example, a sound or a state of mind.
§
48[6]Nun könnte man sagen: wer so rät, rät auf die Grammatik des Wortes.
Now one could say: whoever guesses like that is guessing on the grammar of the word.
§
49[1]Daß dieses Buch nicht gut ist, weiß ich. Aber ich glaube auch daß die Zeit in der es von mir verbessert werden könnte, vorüber ist. Dies hat mich zu seiner Veröffentlichung bewogen.
I know that this book is not good. But I also believe that the time in which it could be improved by me is over. This has led me to its publication.
§
49[2]“Wenn Einer beabsichtigt die Straße zu kreuzen so ist er in einem gewissen seelischen Zustand, den wir alle wohl kennen.” Du wirst mir doch nicht sagen, du wissest nicht wie das ist wenn man beabsichtigt etwa die Straße zu kreuzen. Aber könnten wir nicht alle das sagen & doch gänzlich verschiedenes meinen?
“If someone intends to cross the street, he is in a certain mental state, which we all probably know.” You will not tell me that you do not know what it is like to intend to cross the street. But could we not all say that & yet mean something completely different?
§
49[3]“He went there deliberately to …”
“He went there deliberately to …”
§
49[4]“Where are you going?” – “To …” Is this a prophecy?
“Where are you going?” – “To …” Is this a prophecy?
§VB
49[5]Glaube Du! Es schadet nicht.
Do you believe! It does no harm.
§VB
49[6] &50[1]
‘Glauben’ heißt, sich einer Autorität unterwerfen. Hat man sich ihr unterworfen, so kann man sie nun nicht, ohne sich gegen sie aufzulehnen, wieder in Frage ziehen & auf's neue glaubwürdig finden.
‘Belief’ means submitting to an authority. Once one has submitted to it, one cannot, without rebelling against it, question it again & find it credible anew.
§VB
50[2]Ein Notschrei kann nicht größer sein, als der eines Menschen.
A cry for help cannot be greater than that of one person.
§VB
50[3]Oder auch keine Not kann größer sein, als die, in der ein einzelner Mensch sein kann.
Or even no distress can be greater than that in which a single person can be.
§VB
50[4]Ein Mensch kann daher in unendlicher Not sein & also unendliche Hilfe brauchen.
A person can therefore be in infinite distress & thus need infinite help.
§VB
50[5]Die christliche Religion ist nur für den, der unendliche Hilfe braucht, also nur für den der unendliche Not fühlt.
The Christian religion is only for the one who needs infinite help, thus only for the one who feels infinite distress.
§VB
50[6]Der ganze Erdball kann nicht in größerer Not sein als eine Seele.
The whole globe cannot be in greater distress than one soul.
§VB
50[7]Der christliche Glaube – so meine ich – ist die Zuflucht in dieser höchsten Not.
The Christian faith – so I think – is the refuge in this highest distress.
§VB
51[1]Wem so in dieser Not gegeben ist sein Herz zu öffnen statt es zusammenzuziehen, der nimmt das Heilmittel ins Herz auf.
Whoever, in this distress, is given to open his heart instead of closing it, takes the remedy into his heart.
§VB
51[2]Wer das Herz so öffnet im reuigen Bekenntnis zu Gott, öffnet es auch für die Anderen. Er verliert damit seine Würde als besonderer Mensch & wird daher wie ein Kind. Nämlich ohne Amt, Würde, & Abstand vor den Andern. Sich vor den Andern öffnen kann man nur aus einer besonderen Art von Liebe. Die gleichsam anerkennt, daß wir alle böse Kinder sind.
Whoever opens their heart in this way, in a repentant confession to God, also opens it to others. They thereby lose their dignity as a special person & become like a child. Namely, without rank, dignity, & distance from others. One can only open oneself to others out of a special kind of love, which, as it were, acknowledges that we are all naughty children.
§VB
51[3]Man könnte auch sagen: Der Haß zwischen den Menschen kommt davon her, daß wir uns von einander absondern. Weil wir nicht wollen, daß der Andere in uns hineinschaut, weil es darin nicht schön ausschaut.
One could also say: The hatred between people comes from the fact that we separate ourselves from one another, because we do not want the other to look into us, because it doesn't look good in there.
§VB
51[4]Man soll nun zwar fortfahren sich seines Innern zu schämen, aber nicht sich seiner vor den Mitmenschen zu schämen.
One should continue to be ashamed of one's inner self, but not be ashamed of it in front of other people.
§VB
52[1]Größere Not kann nicht empfunden werden, als von einem Menschen. Denn wenn sich ein Mensch verloren fühlt so ist das die höchste Not!
No greater distress can be experienced than that of a human being, because when a person feels lost, that is the highest distress!
§
52[2][→ Philosophische Untersuchungen]
der Logisch-philosophischen Abhandlung entgegengestellt.
[→ Philosophical Investigations]
contrasted with the Tractatus Logico-Philosophicus.