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§

IIIr[1]

Prof. L. Wittgenstein

Trinity College

Cambridge

Prof. L. Wittgenstein

Trinity College

Cambridge

§

IIIv[1] &
IVr[1] &
IVv[1] &
Vr[1] &
Vv[1] &
VIr[1] &
VIv[1]

Vorwort

In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, die die Früchte von philosophischen Untersuchungen der vergangenen 16 Jahre sind. Sie betreffen eine große Mannigfaltigkeit von Gegenständen: den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Sinnesdaten & anderes. – Alle diese Gedanken habe ich ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, den gleichen Gegenstand betreffend; manchmal in raschem Wechsel vom einen zum andern überspringend. – Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich schien mir, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern wohlgeordnet fortschreiten sollten. Vor etwa 10 Jahren machte ich den ersten Versuch einer solchen Zusammenschweißung. Das Ergebnis war gekünstelt & unbefriedigend; & ich machte weitere Versuche. Endlich sah ich ein, daß eine (auch nur) halbwegs befriedigende Darstellung so nicht entstehen könne. Es wurde mir klar, daß das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden, & auch, daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, einem Geleise entlang weiterzuzwingen. Und dies hing auch mit der Natur der Probleme selbst zusammen. Denn diese zwingen uns ein weites Gedankengebiet kreuz & quer, nach allen Richtungen hin zu durchstreifen. Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind gleichsam eine Menge von Landschaftsskitzen, die auf diesen langen & verwickelten kreuz & quer Zügen gezeichnet wurden. Die gleichen Punkte der Landschaft, oder beinahe die gleichen, wurden unzählige Male von verschiedenen Richtungen her berührt & immer neue Bilder entworfen. Eine Unzahl von diesen war verzeichnet, oder uncharakteristisch; mit allen Mängeln eines schwachen Zeichners behaftet. Und wenn man diese ausschied, (so) blieben eine Anzahl halbwegser übrig, die nun so angeordnet & beschnitten werden mußten, daß sie dem Betrachter einen Begriff der Landschaft geben konnten. Eine solche Zusammenstellung solcher Skitzen ist dieses Buch. Ich hatte bis vor kurzem den Gedanken an ihre Veröffentlichung zu meinen Lebzeiten eigentlich aufgegeben. Er wurde allerdings von Zeit zu Zeit rege gemacht; & zwar hauptsächlich weil ich erfahren mußte, daß die Resultate meiner Arbeit, die ich in Vorlesungen, Skripten & Diskussionen weitergegeben hatte, vielfach mißverstanden, mehr oder weniger verwässert, oder verstümmelt im Umlauf waren (mit & ohne Quellenangabe). Dadurch wurde meine Eitelkeit aufgeregt & ich mußte sie jedesmal mit Mühe beruhigen. – Vor 2 Jahren nun hatte ich Veranlassung einen Teil meines ersten Buches, der “Log. Phil. Abh.“, zu lesen & zu erklären. Da schien es mir plötzlich, daß ich dies Buch & die neuen Gedanken zusammen veröffentlichen sollte, & daß diese nur durch den Kontrast, & auf dem Hintergrund der philosophischen Denkungsweise der Abhandlung, ihre eigentliche Bedeutung erhalten könnten. Seit ich nämlich, vor 16 Jahren, mich wieder mit Philosophie zu beschäftigen anfing, mußte ich schwere Irrtümer in dem Gedanken erkennen, was ich in der “Log. Phil. Abh.” niedergelegt hatte. Diese Irrtümer einzusehen, hat mir – in einem Maße, das ich kaum selbst zu beurteilen vermag – die Kritik geholfen, die meine Ideen durch Frank Ramsey erfahren haben, – mit welchem ich sie, während der zwei letzten Jahre seines Lebens in zahllosen Gesprächen erörtert habe. – Mehr noch als dieser – stets kraftvollen & sichern – Kritik verdanke ich derjenigen, die ein Lehrer dieser Universität, Herr P. Sraffa, durch viele Jahre, unablässig an meinen Gedanken geübt hat. Diesem Ansporn schulde ich die folgereichsten der Ideen dieser Schrift. Aus mehr als einem Grunde wird, was ich hier veröffentliche, sich mit dem berühren, was Andere heute schreiben. – Tragen meine Bemerkungen keinen Stempel an sich, der sie als die meinen kennzeichnet, – so will ich sie (auch) weiter nicht als mein Eigentum beanspruchen. Ich übergebe sie mit zweifelhaften Gefühlen der Öffentlichkeit. Daß es ihnen in ihrer Dürftigkeit & der Finsternis dieser Zeit, beschieden sein sollte, Licht in ein oder das andere Gehirn zu werfen, ist nicht unmöglich – aber nicht wahrscheinlich. Ich möchte nicht mit meiner Schrift Andern das Denken ersparen. Sondern, wenn es möglich wäre, jemand zu eigenen Gedanken anregen.

Cambridge

Preface

In what follows, I share thoughts that are the fruits of philosophical investigations of the past 16 years. They concern a wide variety of objects: the concept of meaning, understanding, the sentence, logic, the foundations of mathematics, sense data, and so on. – I originally wrote all these thoughts as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains, concerning the same object; sometimes jumping rapidly from one to another. – My intention was to bring all this together in a book, of whose form I had different ideas at different times. It seemed essential to me that the thoughts should progress in an orderly manner from one object to another. About 10 years ago, I made the first attempt at such a consolidation. The result was artificial & unsatisfactory; & I made further attempts. Finally, I saw that a (even only) halfway satisfactory presentation could not arise in this way. It became clear to me that the best thing I could write would always only be philosophical remarks, & also that my thoughts would soon flag if I tried to force them, against their natural inclination, to move along one track. And this was also connected with the nature of the problems themselves. For these force us to traverse a wide area of thought criss-cross, in all directions. The philosophical remarks in this book are, as it were, a collection of landscape sketches drawn on these long & complicated criss-cross journeys. The same points of the landscape, or almost the same, were touched countless times from different directions, & always new images were created. A large number of these were recorded, or uncharacteristic; burdened with all the defects of a weak draftsman. And if one eliminated these, (then) a number of intermediate ones remained, which now had to be arranged & trimmed in such a way that they could give the viewer an idea of the landscape. Such a compilation of these sketches is this book. Until recently, I had actually given up the idea of publishing it during my lifetime. However, it was repeatedly revived; & namely mainly because I had to realize that the results of my work, which I had communicated in lectures, scripts & discussions, were often misunderstood, more or less diluted, or mutilated in circulation (with & without source references). This stirred my vanity & I had to calm it down with effort each time. – Two years ago, I had occasion to read & explain a part of my first book, the “Log. Phil. Abh.” At that moment, it suddenly seemed to me that I should publish this book & the new thoughts together, & that these could only gain their proper meaning through the contrast, & against the background of the philosophical mode of thought of the treatise. Since, namely, 16 years ago, I began to engage with philosophy again, I had to recognize serious errors in what I had set down in the “Log. Phil. Abh.” To recognize these errors has – to an extent that I can hardly judge myself – helped the criticism that my ideas have received from Frank Ramsey, – with whom I discussed them in countless conversations during the last two years of his life. – More than this – always powerful & certain – criticism, I owe it to the one that a teacher at this university, Mr. P. Sraffa, has tirelessly applied to my thoughts for many years. To him I owe the most consequential of the ideas in this work. For more than one reason, what I am publishing here will touch on what others are writing today. – If my remarks do not bear a stamp that identifies them as mine, – then I do not want to claim them any further as my property. I hand them over to the public with dubious feelings. That in their poverty & in the darkness of this time, it should be their fate to shed light into one or another brain, is not impossible – but not probable. I do not want to spare others the trouble of thinking with my writing. Rather, if possible, to stimulate someone to their own thoughts.

Cambridge

§

VIIr[1] &
VIIv[1] &
VIIIr[1]

Vorwort.

In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, die die Früchte von philosophischen Untersuchungen der vergangenen 16 Jahre sind. Sie betreffen viele Gegenstände: den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Sinnesdaten und anderes. Alle diese Gedanken habe ich als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, über den gleichen Gegenstand, manchmal vom einen zum andern hin & her springend. – Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen; von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien mir ursprünglich, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern in einer natürlichen und lückenlosen Folge (wohlgeordnet) fortschreiten sollten. Nach mannigfachen Versuchen meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, mußte ich einsehen, daß mir dies nie gelingen werde. Ich erkannte , daß das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden, & daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, in einer Richtung weiterzuzwingen. Und dies hing freilich mit der Natur der Untersuchung selbst zusammen. Diese nämlich zwingt uns, ein weites Gedankengebiet kreuz & quer, nach allen Richtungen hin zu durchwandern. – Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind die Darstellung einer Landschaft durch eine große Menge von Skitzen, wie sie auf diesen langen & verwickelten (kreuz & quer) Zügen entstanden ist.

Preface.

In what follows, I share thoughts that are the fruits of philosophical investigations over the past 16 years. They concern many objects: the concept of meaning, understanding, the sentence, logic, the foundations of mathematics, sense data, and others. I have written down all these thoughts as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains, on the same object, sometimes jumping back and forth from one to another. – My intention was to bring all of this together in one book, and at different times I had different ideas about its form. But it seemed essential to me at first that the thoughts should proceed from one object to another in a natural and continuous sequence (well-ordered). After many attempts to weld my results into such a whole, I had to realize that this would never succeed. I recognized that the best I could write would always only be philosophical remarks, and that my thoughts soon flagged when I tried to force them, against their natural inclination, in one direction. And this was, of course, connected with the nature of the investigation itself. This forces us to traverse a wide field of thought, crisscrossing it in all directions. – The philosophical remarks in this book are the representation of a landscape through a large number of sketches, as they arose on these long and complicated (crisscrossing) journeys.

§

VIIIr[2]

Die gleichen Punkte der Landschaft, oder beinahe die gleichen, wurden stets von neuem, von verschiedenen Richtungen her berührt & immer neue Bilder entworfen. Eine Unzahl dieser war verzeichnet, oder uncharakteristisch, mit allen Mängeln eines schwachen Zeichners behaftet. Und wenn man diese ausschied, blieben eine Anzahl halbwegser (übrig), die nun so angeordnet, oft beschnitten, werden mußten, daß sie dem Betrachter möglicherweise einen Begriff von der Landschaft geben konnten.

The same points of the landscape, or almost the same, were always touched on anew, from different directions, and always new images were created. A large number of these were recorded, or were uncharacteristic, and fraught with all the defects of a weak draftsman. And when one excluded these, a number of half-finished ones remained, which now had to be arranged, often trimmed, in such a way that they might give the reader an idea of the landscape.

§

VIIIr[3] &
VIIIv[1]

Ich hatte bis vor kurzem den Gedanken an ihre Veröffentlichung zu meinen Lebzeiten eigentlich aufgegeben. Er wurde allerdings von Zeit zu Zeit rege gemacht, & zwar hauptsächlich dadurch, daß ich erfahren mußte, daß die Ergebnisse meiner Arbeit, die ich in Vorlesungen, Skripten & Diskussionen weitergegeben hatte, vielfach mißverstanden, mehr oder weniger verwässert, oder verstümmelt im Umlauf waren (mit & ohne Quellenangabe). Hierdurch wurde meine Eitelkeit gereizt, & ich hatte immer (wieder) Mühe, sie zu beruhigen. Vor zwei Jahren nun hatte ich Veranlassung, einen Teil meines ersten Buches (der “Log. Phil. Abh.”) wieder zu lesen, & seine Gedanken zu erklären. Da schien es mir plötzlich, daß ich jene alten Gedanken & die neuen zusammen veröffentlichen sollte, & daß diese nur durch den Gegensatz, & auf dem Hintergrund meiner ältern Denkungsweise ihre eigentliche Bedeutung erhalten könnten. Seit ich nämlich …

Until recently, I had actually given up the idea of publishing them during my lifetime. It was, however, revived from time to time, and mainly by the fact that I had to realize that the results of my work, which I had presented in lectures, scripts, and discussions, were often misunderstood, more or less diluted, or mutilated in circulation (with and without references). This irritated my vanity, and I always had (again) trouble calming it. Two years ago, I had occasion to reread part of my first book (the “Log. Phil. Abh.”) and to explain its thoughts. Suddenly, it seemed to me that I should publish these old thoughts and the new ones together, and that these would only gain their proper meaning through the contrast and against the background of my older way of thinking. For since I …

§

Xr[1]

In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, Ergebnisse philosophischer Untersuchungen, die mich in den letzten 16 Jahren beschäftigt haben. Sie betreffen viele Gegenstände: den Begriff der Bedeutung … & anderes. Ich habe sie alle als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, über den gleichen Gegenstand, manchmal von einem Gegenstand zum andern hin & her springend. Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien es mir ursprünglich, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern in einer natürlichen & lückenlosen Folge fortschreiten sollten.

In what follows, I share thoughts, the results of philosophical investigations that have occupied me in the last 16 years. They concern many objects: the concept of meaning … and others. I have written them all down as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains, on the same object, sometimes jumping back and forth from one object to another. My intention was to bring all of this together in one book, and at different times I had different ideas about its form. But it seemed essential to me at first that the thoughts should proceed from one object to another in a natural and continuous sequence.

§

Xv[1] &
XIr[1] &
XIv[1]

In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, die die Ergebnisse philosophischer Untersuchungen der letzten 16 Jahre sind. Sie betreffen viele Gegenstände: den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Bewußtseinszustände & anderes.

Ich habe alle diese Gedanken als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, über den gleichen Gegenstand, manchmal in raschem Wechsel von einem Gebiet zum andern überspringend. – Meine Absicht war es von Anfang, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien es mir daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern in einer natürlichen & lückenlosen Folge fortschreiten sollten. Nach manchen mißglückten Versuchen meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, daß mir dies Unternehmen nie gelingen würde. Ich erkannte, daß das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, in einer Richtung weiterzuzwingen. – Und dies hing freilich auch mit der Natur der Untersuchung selbst zusammen. Sie nämlich zwingt uns, ein weites Gedankengebiet, kreuz & quer, nach allen Richtungen hin zu durchreisen. – Die Philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind gleichsam eine Menge von Landschaftsskitzen, die auf diesen verwickelten Fahrten entstanden sind. Die gleichen Punkte der Landschaft, oder beinahe die gleichen, wurden stets von neuem von verschiedenen Richtungen her berührt und immer neue Bilder entworfen. – Eine Unzahl dieser war verzeichnet, oder uncharakteristisch; mit allen Mängeln eines schwachen Zeichners behaftet. Und wenn man diese ausschied, blieb eine Anzahl halbwegser übrig, die nun so angeordnet, oftmals beschnitten, werden mußten, daß sie dem Betrachter möglicherweise ein Bild der Landschaft geben konnten.

In what follows, I share thoughts, the results of philosophical investigations of the last 16 years. They concern many objects: the concept of meaning, understanding, the sentence, logic, the foundations of mathematics, states of consciousness & others.

I have written all of these thoughts down as remarks, short paragraphs. Sometimes in longer chains, about the same object, sometimes jumping rapidly from one area to another. – My intention was from the beginning to bring all of this together in one book, about the form of which I had different ideas at different times. But it seemed essential to me that in it the thoughts should proceed from one object to another in a natural & continuous sequence. After some unsuccessful attempts to weld my results into such a whole, I saw that this enterprise would never succeed. I realized that the best I could write would always only be philosophical remarks; that my thoughts soon petered out when I tried to force them, against their natural inclination, in one direction. – And this was, of course, also connected with the nature of the investigation itself. For it forces us to traverse a wide field of thought, criss-cross, in all directions. – The philosophical remarks in this book are as it were a collection of landscape sketches that arose on these complex journeys. The same points in the landscape, or almost the same, were always touched on again from different directions, and always new images were created. – A large number of these were recorded, or were uncharacteristic; burdened with all the shortcomings of a weak draftsman. And if one excluded these, there remained a number of half-finished ones, which now had to be arranged, often trimmed, in such a way that they could possibly give the viewer an image of the landscape.

§

XIv[2] &
XIIr[1]

Ich hatte bis vor kurzem den Gedanken an eine Veröffentlichung meiner Arbeit bei meinen Lebzeiten eigentlich aufgegeben. Er wurde allerdings von Zeit zu Zeit rege gemacht, & zwar hauptsächlich dadurch, daß ich erfahren mußte, daß meine Ergebnisse, die ich in Vorlesungen, Skripten & Diskussionen weitergegeben hatte, vielfach mißverstanden, mehr oder weniger verwässert, oder verstümmelt im Umlauf waren. Hierdurch wurde meine Eitelkeit gereizt, & ich hatte immer wieder Mühe, sie zu beruhigen. Vor zwei Jahren (nun) hatte ich Veranlassung mein erstes Buch wieder zu lesen & seine Gedanken zu erklären. Da schien es mir plötzlich, daß ich jene alten Gedanken & die neuen zusammen veröffentlichen sollte; & daß diese nur durch den Gegensatz, & auf dem Hintergrund meiner ältern Denkweise ihre eigentliche Bedeutung zeigen könnten. Seit ich nämlich vor 16 Jahren mich wieder mit Philosophie zu beschäftigen anfing …

Until recently, I had actually given up the idea of publishing my work during my lifetime. However, it was repeatedly revived, namely mainly because I had to realize that my results, which I had presented in lectures, scripts & discussions, were often misunderstood, more or less watered down, or mutilated in circulation. This stimulated my vanity, & I always had trouble calming it down. Two years (ago) I had occasion to reread my first book & to explain its thoughts. Then it suddenly seemed to me that I should publish those old thoughts & the new ones together; & that these could only show their actual meaning through the contrast, & against the background of my earlier way of thinking. For since I began to concern myself with philosophy again 16 years ago…

§

1[2]

17.08.1944

Aber wie ist es überhaupt möglich, daß man in Versuchung ist, zu glauben, man meine einmal mit einem Wort die Allen bekannte Farbe, einmal: den ‘visuellen Eindruck’, den ich jetzt erhalte? Wie kann hier auch nur eine Versuchung sein? – Ich wende in diesen Fällen der Farbe nicht die gleiche Art der Aufmerksamkeit zu. Meine ich – wie ich sagen möchte – den mir zu eigen gehörenden Farbeindruck: so vertiefe ich mich in die Farbe. Ungefähr, wie wenn ich mich an einer Farbe ‘nicht satt sehen kann’. Daher ist es leichter, dieses Erlebnis zu erzeugen, wenn man auf eine leuchtende Farbe sieht, die sich stark einprägt.

17.08.1944

But how is it even possible that one is tempted to believe that one knows at one moment the one color that is familiar to everyone, at another: the ‘visual impression’ that I receive now? How can there even be a temptation here? – I do not apply the same kind of attention to the color in these cases. When I think of – as I would like to say – the color impression that is my own, I immerse myself in the color. Approximately, as if I could not get enough of a color. Therefore, it is easier to create this experience if one looks at a bright color that is strongly imprinted.

§

1[3] &
2[1]

Wie bin ich von Mitleid für diesen Menschen erfüllt? Wie zeigt es sich, welches Objekt das Mitleid hat?

How am I filled with compassion for this person? How does it show itself, what object does the compassion have?

§

2[2]

Ja; ich kann von Leblosem sagen, es habe Schmerzen: im Spiel mit Puppen z.B. Hat es aber nicht Sinn zu sagen, daß dies ein sekundärer Gebrauch des Schmerzbegriffs ist, der primäre aber auf Lebendes Anwendung hat? Versuche, Dir vorzustellen, man sage nur von Leblosem, es habe Schmerzen, bemitleide nur Puppen, z.B.. (Wenn Kinder Eisenbahn spielen, hängt ihr Spiel auf mannigfache Weise mit ihrer Kenntnis der Eisenbahn zusammen Man könnte sich aber denken, Kinder eines Volksstammes, dem Eisenbahnen unbekannt sind, hätten das Eisenbahnspiel von andern übernommen, & es unterhielte sie, obwohl sie nicht wissen, daß damit etwas nachgeahmt wird. Man würde dann vielleicht sagen, ihr Spiel habe nicht denselben Sinn, wie das unsere.)

Yes; I can say that something inanimate has pain: in the game of playing with dolls, for example. But doesn’t it make sense to say that this is a secondary use of the concept of pain, while the primary use applies to living beings? Try to imagine saying that only inanimate things have pain, and only showing compassion for dolls, for example. (When children play with trains, their game is connected to their knowledge of trains in many ways. But one could imagine children from a tribe that is unfamiliar with trains having taken over the train game from others, & it entertains them, even though they do not know that something is being imitated. One might then say that their game does not have the same sense as ours.)

§

3[1]

“Wenn die Menschen immer nur in ihrem Innern zu sich selbst sprächen, so täten sie bloß dasjenige beständig, was sie heute manchmal tun.” – Es ist also ganz leicht, sich dies vorzustellen; man braucht nur den leichten Übergang von einigen auf alle zu machen. (Ähnlich: “Eine unendlich lange Baumreihe ist einfach eine, die nicht zu einem Ende kommt.”) Unser Kriterium dafür, daß Einer zu sich selbst spricht, ist das, was er uns sagt & sein übriges Verhalten; & wir sagen nur von dem, er spreche zu sich selbst, der, im gewöhnlichen Sinne, sprechen kann. Und wir sagen es auch nicht von einem Papagei; sowenig wie von von einem Grammophon.

“If people always spoke only to themselves internally, then they would simply do what they do sometimes today.” – So it is quite easy to imagine this; one only needs to make the slight transition from some to all. (Similarly: “An infinitely long row of trees is simply one that does not come to an end.”) Our criterion for whether someone is speaking to themselves is what they tell us and their other behaviour; and we only say that someone is speaking to themselves if, in the ordinary sense, they can speak. And we do not say it of a parrot either; nor of a gramophone.

§

3[2] &
4[1]

Aber könnten wir uns nicht vorstellen, daß Gott einem Papagei plötzlich Verstand schenkte, & dieser nun zu sich selbst redete? – Aber es ist wichtig, daß ich, zu dieser Vorstellung, die Vorstellung von Gott zu Hilfe nahm.

But couldn’t we imagine that God suddenly bestowed understanding upon a parrot, & that it now spoke to itself? – But it is important that, in this image, I drew upon the image of God.

§

4[2]

“Aber ich weiß doch von mir selbst, was es heißt, ‘zu sich sprechen’. Und würde ich der Organe des lauten Sprechens beraubt, so könnte ich dennoch (in mir) Selbstgespräche führen.” Weiß ich's nur von mir selbst, dann weiß ich also nur, was ich so nenne, nicht, was ein Andrer so nennt.

“But I know from myself what it means to ‘speak to oneself’. And if I were deprived of the organs of loud speech, I could still have conversations with myself (internally).” If I only know this from myself, then I only know what I call it, not what someone else calls it.

§

4[3] &
5[1]

Um zu zeigen, daß man denken kann ohne zu sprechen, zitiert James die Erinnerungen eines Taubstummen, Ballou, der schreibt, er habe schon als Knabe, ohne sprechen zu können, über Gott und die Welt philosophiert. – Was das wohl heißen mag! – “It was during those delightful rides, some 2 or 3 years before my initiation into the rudiments of written language, that I began to ask myself the question: How came the world into being?” – Are you sure that this is a correct translation from your wordless thought into words? – möchte ich fragen. Und warum reckt diese Frage auf einmal ihren Kopf hervor, die doch sonst nicht zu existieren scheint? – Will ich sagen, es täusche den Autor sein Gedächtnis? – Ich weiß nicht einmal, ob ich das sagen würde. Diese Erinnerungen sind ein seltsames Gedächtnisphänomen, & ich weiß nicht, welche Schlüsse man auf das Knabenalter des Erzählers ziehen soll.

To show that one can think without speaking, James quotes the memoirs of a deaf-mute, Ballou, who writes that he already philosophized about God and the world as a boy, without being able to speak. – What might that mean! – “It was during those delightful rides, some 2 or 3 years before my initiation into the rudiments of written language, that I began to ask myself the question: How came the world into being?” – Are you sure that this is a correct translation from your wordless thought into words? – I would like to ask. And why does this question suddenly raise its head, when otherwise it does not seem to exist? – Am I saying that it deceives the author's memory? – I do not even know if I would say that. These memories are a strange phenomenon of memory, and I do not know what conclusions one should draw about the narrator's childhood.

§

5[2] &
6[1]

“Was manchmal geschieht, könnte immer geschehen.” – Was wäre das für ein Satz. Ein ähnlicher wie dieser: Wenn “φ(a)” Sinn hat, hat “(x)φ(x)” Sinn. “Wenn es vorkommen kann, daß Einer in einem Spiel falsch zieht, so könnte es sein, daß die Menschen in allen Spielen nur falsche Züge machten.” – Das zeigt, daß wir die Logik dieser Ausdrücke, den Gebrauch unsrer Worte, nicht recht verstehen.

“What sometimes happens could always happen.” – What kind of sentence would that be? One similar to this: If “φ(a)” has sense, then “(x)φ(x)” has sense. “If it is possible that someone makes a wrong move in a game, then it could be that people in all games make only wrong moves.” – This shows that we do not quite understand the logic of these expressions, the use of our words.

§

6[2] &
7[1]

“Diese Taubstummen haben alle nur eine Gebärdensprache gelernt, jeder aber spricht zu sich selbst eine Lautsprache.” – Nun, verstehst Du das nicht? – Wie weiß ich nur, ob ich's verstehe?! – Was kann ich mit dieser Mitteilung (wenn's eine ist) anfangen? Die ganze Idee des Verstehens wird hier dubios. Ich weiß nicht, ob ich sagen soll, ich versteh's, oder ich versteh's nicht. Ich möchte antworten: “Es ist ein deutscher Satz; scheinbar ganz in Ordnung – ehe man nämlich mit ihm arbeiten will; er steht mit andern Sätzen in einem Zusammenhang, der es schwierig macht, zu sagen, man wisse eigentlich nicht, was er uns mitteilt; Jeder, der nicht philosophisch anästhesiert ist, merkt, daß hier etwas nicht stimmt.”

“These deaf-mutes have all only learned a language of gestures, but each speaks to himself a language of sounds.” – Now, don't you understand that? – How can I even know whether I understand it?! – What can I do with this communication (if it is one)? The whole idea of understanding becomes dubious here. I don't know whether I should say that I understand it, or that I don't understand it. I would like to answer: “It is a German sentence; apparently quite in order – until one wants to work with it; it stands in a context with other sentences that makes it difficult to say that one doesn't really know what it communicates to us; Anyone who is not philosophically anæsthetized realizes that something is not right here.”

§

7[2]

Wir sagen nicht, ein Hund spreche möglicherweise zu sich selber. Ist das, weil wir seine Seele so genau kennen? Nun, man könnte so sagen. Wenn man das Benehmen des Lebewesens sieht, sieht man seine Seele. Aber sage ich auch von mir, ich spreche mit mir selber, weil ich mich so & so benehme? – Ich sage es nicht auf die Beobachtung meines Benehmens hin; aber es hat nur Sinn, weil ich mich so benehme. – So hat es also nicht darum Sinn, weil ich es meine?

We don't say that a dog possibly speaks to itself. Is this because we know its mind so well? Well, one could say that. If one looks at the behavior of the living being, one sees its mind. But do I also say of myself that I speak to myself because I behave in such and such a way? – I don't say it based on the observation of my behavior; but it only makes sense because I behave in that way. – So, it doesn't have sense because it is mine?

§

7[3] &
8[1]

Ein Grammophon spricht ja; & könntest Du nicht annehmen, es habe eine Seele & meine mit ihr, was es spricht? Ich verstehe wohl – es ist schwer, eine Seele mit einer Maschine zur Deckung zu bringen. Und nun noch gar das Denken dieser Seele mit dem Sprechen der Maschine! Es ist schwer; aber ist es unmöglich?

A gramophone does speak; and couldn't you assume that it has a mind and that it has mine in what it speaks? I suppose – it is difficult to bring a mind and a machine into correspondence. And now even the thinking of this mind with the speaking of the machine! It is difficult; but is it impossible?

§

8[2] &
9[1]

Wie weiß ich, was das heißt “zu mir selber (im Innern) sprechen”? Es ist doch kein ganz selbstverständlicher Übergang von der Bedeutung des Wortes “sprechen”, wenn dies heißt: Laute hervorbringen – zu einer Bedeutung, in der es das nicht heißt. Wenn ich jemand zumute, einen solchen Übergang zu machen, wie weiß ich da, wozu er übergehen wird? Wenn ich zu jemand sagte: “Verwende das Wort ‘Zucker’ in ähnlicher Bedeutung, wie der alltäglichen, nur für etwas, was nicht süß, noch eßbar ist” – so ist nicht klar, was er nun “Zucker” nennen wird.

How do I know what it means to “speak to myself (internally)”? It is not a completely self-evident transition from the meaning of the word “speak,” when this means: to produce sounds, to a meaning in which it does not mean that. If I ask someone to make such a transition, how do I know what he will transition to? If I said to someone, “Use the word ‘sugar’ in a similar meaning to the everyday one, only for something that is not sweet or edible,” then it is not clear what he will now call “sugar.”

§

9[2]

Der Sessel spricht zu sich selber: “ …”. Wo spricht er es? In einem seiner Teile? Oder außerhalb seiner selbst; in der Luft um ihn? Oder gar nicht irgendwo? Aber was ist dann der Unterschied zwischen dem Sprechen dieses Sessels & dem eines andern, der neben ihm steht? – Aber wie ist es dann mit dem Menschen: wo spricht er zu sich selbst? Wie kommt es, daß diese Frage sinnlos scheint – & keine Ortsbestimmung nötig ist, außer der, daß eben dieser Mensch zu sich selbst spricht – während die Frage, wo der Sessel mit sich selbst spreche, eine Antwort zu erheischen scheint? Ich glaube, der Grund ist der: Wir wollen wissen, wie der Sessel einem Menschen entsprechen soll. Ob der Kopf z.B. am obern Ende der Lehne ist; usw.

The armchair speaks to itself: “…”. Where does it speak it? In one of its parts? Or outside of itself; in the air around it? Or not anywhere? But what then is the difference between the speaking of this armchair and that of another one standing next to it? – But what about humans: where does he speak to himself? How is it that this question seems senseless – and no localization is necessary, except that this human is speaking to himself – while the question of where the armchair speaks to itself seems to require an answer? I believe the reason is: We want to know how the armchair is supposed to correspond to a human. For example, whether the head is at the top of the backrest, etc.

§

10[1]

“Kann man denken, ohne zu reden?” – Und was ist Denken? – Nun, denkst Du nie? Kannst Du Dich nicht beobachten & sehen, was da vorgeht? Das sollte doch einfach sein. Du mußt ja darauf nicht, wie auf ein astronomisches Ereignis, warten; & dann etwa in Eile Beobachtungen machen.

“Can one think without speaking?” – And what is thinking? – Well, don't you ever think? Can you not observe yourself and see what is going on there? It should be simple. You don't have to wait for it, like for an astronomical event, and then make observations in haste.

§

10[2]

[69] Nun, was nennt man noch “denken”? Wofür hat man gelernt, das Wort zu benützen? – Wenn ich sage, ich habe gedacht, – muß ich da immer recht haben? Welche Art von Irrtum ist da möglich? Gibt es Umstände, unter denen man (sich) fragen würde: “War, was ich da getan habe, wirklich ein Denken; irre ich mich nicht?” Wenn Jemand in einem Gedankengang, eine Messung ausführt, hat er das Denken unterbrochen, wenn er beim Messen nicht zu sich selbst spricht?

[69] Well, what else is called “thinking”? What has one learned to use the word for? – When I say I have thought, – must I always be right? What kind of error is possible here? Are there circumstances under which one might ask oneself: “Was what I did there really thinking; am I not mistaken?” When someone performs a calculation in the course of a train of thought, has he interrupted his thinking if he does not speak to himself while calculating?

§

10[3] &
11[1]

Wie ist das, wenn man im Innern zu sich spricht, was geht da vor? – Wie soll ich's erklären? Nun, nur so, wie Du Einen die Bedeutung des Ausdrucks “zu sich selbst sprechen” lehren kannst. Und als Kinder lernen wir ja diese Bedeutung. – Nur daß niemand sagen wird, wer sie uns lehrt, sage uns, ‘was da vorgeht’.

What is it like when one speaks to oneself internally, what is going on there? – How should I explain it? Well, only in the way you can teach someone the meaning of the expression “to speak to oneself.” And as children, we learn this meaning. – Only that no one will say, who teaches it to us, tells us ‘what is going on there’.

§

11[2]

[70] Vielmehr scheint es uns, als ob der Lehrer in diesem Fall dem Schüler die Bedeutung beibringt, ohne sie ihm direkt zu sagen; daß aber der Schüler endlich dazu gebracht wird, sich selbst die richtige hinweisende Definition zu geben. Und hierin liegt unsre Illusion.

[70] Rather, it seems to us as if, in this case, the teacher teaches the student the meaning without telling him directly; but that the student is ultimately led to give himself the correct, ostensive definition. And herein lies our illusion.

§

11[3]

Oder habe ich etwas übersehen?

Or have I overlooked something?

§

11[4] &
12[1]

Ist es nicht merkwürdig, daß man nicht sagt: “… und dann sprach ich lange Zeit nicht mit mir”, oder: “… und als ich das zu mir gesagt hatte, schwieg ich eine lange Zeit”? – Aber wenn ich, z.B., eine Melodie pfeife, so spreche ich dabei meistens nicht zu mir.

Isn't it strange that one doesn't say: “… and then I didn't speak to myself for a long time,” or: “… and when I had said that to myself, I was silent for a long time”? – But if I, for example, whistle a melody, I usually don't speak to myself while doing so.

§

12[2]

Erfindungen von Sprachspielen, die ich hier benütze mögen manchen phantastisch erscheinen. Aber was würden Menschen, denen Philosophie nicht bekannt ist, sagen, wenn man ihnen von dem erzählen wollte, was Philosophen geschrieben haben! Würden sie das für möglich halten?

Inventions of language-games that I use here may seem fantastic to some. But what would people, to whom philosophy is unknown, say if one were to tell them what philosophers have written! Would they consider that possible?

§

12[3]

“Du sagst zwar nicht, es könne keine Empfindung geben, wenn sie nicht ausgedrückt wird; aber sagst Du nicht doch, Wesen, die keines Ausdrucks fähig wären, empfänden nicht?” – Ich sage, vom Blinden, er sehe nicht, & vom Tauben, er höre nicht. Ich sage nicht: “Dieser Mann ist blind, aber vielleicht sieht er dennoch.”

“You don't say that no sensation could exist if it weren't expressed; but don't you say that entities incapable of any expression would not have sensations?” – I say that the blind man does not see, and the deaf man does not hear. I don't say: “This man is blind, but perhaps he sees nonetheless.”

§

12[4] &
13[1]

“Folgt aus dem, was Du sagst, nicht, daß, wenn es keinen Ausdruck gäbe, es keine Empfindungen in der Welt gäbe? Und es ist doch gewiß vorstellbar, daß es Empfindungen gäbe & nichts, was wir einen Ausdruck der Empfindungen nennen würden!” (Dabei stelle ich mir die Empfindungen förmlich in der Welt herumschwimmend vor.)

“Doesn't it follow from what you say that if there were no expression, there would be no sensations in the world? And isn't it certainly imaginable that there could be sensations and nothing that we would call an expression of sensations!” (Here I imagine sensations floating around in the world.)

§

13[2]

Aber wenn ich Empfindung nur von mir selbst kenne, gibt es ja überhaupt verflucht wenig davon auf der Welt! (Und dann werden wir ohne das Bißchen auch noch auskommen.)

But if I only know sensation from myself, then there are damn few of them in the world! (And then we can also manage without that little bit.)

§

13[3]

“Ich bin nicht sicher, ob ich mir nicht vorstellen kann, daß dieser Sesselfuß Schmerzen hat.” – Und wenn ich's nun kann – was weiter? Inwiefern ist das interessant? Welche Verbindungen hat es mit dem übrigen Leben?

“I'm not sure whether I can imagine that this chair leg has pain.” – And if I can – what then? In what respect is that interesting? What connections does it have with the rest of life?

§

13[4] &
14[1]

Ich kann mir vielleicht auch vorstellen (obwohl es nicht leicht ist), jeder der Leute, die ich auf der Straße sehe, habe Schmerzen; verberge sie aber kunstvoll. Und es ist wichtig: daß ich mir ein kunstvolles Verbergen vorstellen muß. Daß ich mir also nicht einfach sage: “Seine Seele hat Schmerzen; aber was muß das mit seinem Leib zu tun haben!” – Wenn ich mir dies nun vorstelle – wie mache ich's?

I can perhaps also imagine (although it's not easy) that each of the people I see on the street has pain, but skillfully conceals it. And it is important: that I must imagine a skillful concealment. That I don't simply say: “His mind has pain; but what does that have to do with his body!” – If I imagine this now – how do I do it?

§

14[2]

“Wenn ich mir vorstelle, er habe Schmerzen, geht … vor”, oder “geht eigentlich nur … in mir vor”. Diese Analyse führt uns zu nichts. Ein andrer sagt dann: “Ich glaube, ich kann es mir auch vorstellen, ohne dabei … zu denken”. Das ist alles ganz irrelevant. Dieser Versuch, um die philosophische Schwierigkeit herumzukommen, (ist) abortiv.

“When I imagine that he has pain, … goes on,” or “actually only … goes on in me.” This analysis leads us nowhere. Another says: “I think I can also imagine it without thinking … at the same time.” All of this is quite irrelevant. This attempt to get around the philosophical difficulty is abortive.

§

14[3] &
15[1] &
16[1]

“Aber wenn ich mir vorstelle, daß Einer, der lacht, in Wirklichkeit Schmerzen hat, so stelle ich mir doch kein Schmerzbenehmen vor, denn ich sehe eben davon das Gegenteil. Was stelle ich mir also vor?” – Ich habe es schon gesagt. Und ich stelle mir dazu nicht notwendigerweise vor, daß ich Schmerzen fühle. – “Aber wie geht es also vor sich, wenn ich mir das vorstelle?” Diese Frage könnte ich nur beantworten, indem ich den Fragenden die Bedeutung der Worte “sich … vorstellen” lehrte; ähnlich nämlich, wie ich sie als Kind gelernt habe. § Wo, außerhalb der Philosophie, verwenden wir denn die Worte “Ich kann mir vorstellen, daß er Schmerzen hat”, oder “Ich stelle mir vor …”, oder “Stell Dir vor …”. Man kann Einem sagen: “Stell Dir einmal vor, daß dieser Mann dort mit dem lachenden Gesicht starke Schmerzen hat!” – & dabei gibt man ihm keine Anleitung, was er eigentlich tun soll. (Darum ist auch jene Analyse gar nicht zur Sache.) Es könnte der Befehl etwa in einem Spiel gegeben werden; & wir schauen nun dem zu, der sich dies schwer Vorzustellende vorstellt.

“But when I imagine that someone who is laughing is actually in pain, I don't imagine pain-behaviour, because I see the opposite of that. What do I imagine, then?” – I have already said that. And I don't necessarily imagine that I am feeling pain. – “But how does it happen, then, when I imagine that?” I could only answer this question by teaching the person asking the meaning of the words “to imagine …”; in a way similar to how I learned them as a child. § Where, outside of philosophy, do we use the words “I can imagine that he has pain,” or “I imagine …,” or “Imagine …”? One can say to someone: “Imagine that this man over there with the laughing face has severe pain!” – and in doing so, one gives him no instruction as to what he is actually supposed to do. (That is why that analysis is not relevant at all.) The command could, for example, be given in a game; and we now watch the one who is imagining this, which is difficult to imagine.

§

16[2]

Es besteht eine Unklarheit darüber, welche Rolle das Sich-vorstellen -können in unserer Untersuchung spielt. Inwiefern es nämlich den Sinn eines Satzes sicherstellt.

There is an ambiguity about what role the ability to imagine plays in our investigation. In what respect does it ensure the meaning of a sentence.

§

16[3] &
17[1] &
18[1]

[81] “Ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß Einer so handelt & doch nichts Schandbares in der Handlung sieht” – und nun folgt eine Beschreibung, wie man sich das vorzustellen habe. “Ich kann mir eine Gesellschaft von Menschen vorstellen in welcher es als unanständig gilt, zu rechnen, außer zum Zeitvertreib”. Das heißt ungefähr so viel wie: ich könnte mir dieses Bild leicht weiter ausmalen. “Es hat Sinn von einer endlosen Baumreihe zu reden. Ich kann mir doch vorstellen, daß eine Baumreihe ohne ein Ende weiterläuft.” D.h. etwa: Wenn es Sinn hat zu sagen, die Baumreihe komme hier zu einem Ende, muß es Sinn haben, zu sagen, sie komme hier nicht zu einem Ende; und also auch: sie komme nirgends zu einem Ende. Die visuelle Vorstellung ist etwa die einer Baumreihe, die ‘unabsehbar’ weiterläuft. Ein solches Bild verbürgt natürlich den Sinn jenes Wortausdrucks so wenig, als es ihn erklärt. “Ich kann mir doch vorstellen, unsere Maßstäbe zögen sich immer zusammen, wenn …” heißt: Wenn sich unsre Maßstäbe so benähmen, würden wir nicht anstehen, zu sagen … Dies erklärt den Sinn einer bestimmten Ausdrucksweise. “Ich kann mir doch vorstellen, wie der Andre in seinem Bauch Schmerzen hat!” (Ich könnte etwa dazusetzen: jetzt z.B. tue ich's gerade.) Erklärt dies, was es heiße, der Andre habe Schmerzen? (Ich kann mir die Schmerzen des Andern besser vorstellen, wenn ich mich selbst nicht ganz wohl fühle.)

[81] “I can very well imagine someone acting in such a way, yet seeing nothing reprehensible in the action” – and now follows a description of how one is to imagine this. “I can imagine a society of people in which it is considered improper to count, except as a pastime.” This means roughly the same as: I could easily elaborate on this image further. “It makes sense to speak of an endless row of trees. I can imagine a row of trees continuing endlessly.” This means something like: If it makes sense to say that the row of trees comes to an end here, then it must make sense to say that it does not come to an end here; and therefore also: that it comes to an end nowhere. The visual image is something like a row of trees that continues ‘indefinitely.’ Such an image, of course, guarantees the sense of that expression as little as it explains it. “I can imagine how the other person has pain in their stomach!” (I could add, for example: I am doing so right now.) Does this explain what it means for the other person to have pain? (I can imagine the other person’s pain better if I don’t feel completely well myself.)

§

18[2]

Wenn man sich den Schmerz des Andern nach dem Vorbild des eigenen vorstellen muß, dann ist das keine so leichte Sache, da ich mir (doch) nach (den) Schmerzen, die ich fühle, Schmerzen vorstellen soll, die ich nicht fühle. Ich habe nämlich in der Vorstellung nicht einfach einen Übergang von einem Ort des Schmerzes zu einem andern zu machen. Wie von Schmerzen in der Hand zu Schmerzen im Arm. Denn ich soll mir nicht das vorstellen, daß ich an einer Stelle seines Körpers Schmerz empfinde. (Was auch möglich wäre.) Das Schmerzbenehmen kann auf eine schmerzhafte Stelle deuten, aber die leidende Person ist die, welche klagt.

If one has to imagine the other person’s pain based on the model of one’s own, then this is not such an easy matter, since I am supposed to imagine, based on the pain that I feel, pain that I do not feel. I am not simply to make a transition in my imagination from one location of pain to another. For example, from pain in the hand to pain in the arm. Because I am not supposed to imagine that I am feeling pain in a place on their body. (Which would also be possible.) Pain-behaviour can point to a painful spot, but the person who is suffering is the one who complains.

§

19[1] &
20[1]

Woher kommt uns auch nur der Gedanke, Wesen, Gegenstände, könnten ‘etwas fühlen’?? Meine Erziehung hätte mich darauf geführt, indem sie mich auf die Gefühle in mir aufmerksam machte, & nun übertrage ich die Idee auf Objekte außer mir? Ich erkenne, es ist da (in mir) etwas, was ich, ohne mit dem Wortgebrauch der Andern in Widerspruch zu geraten, “Schmerzen” nennen kann? Auf Steine & Pflanzen, etc. übertrage ich meine Idee nicht. Könnte ich mir nicht denken, ich hätte fürchterliche Schmerzen & würde während sie andauern zu einem Stein? Ja, wie weiß ich, wenn ich die Augen schließe, daß ich nicht zu einem Stein geworden bin? – Und wenn das nun geschehen ist, inwiefern wird der Stein Schmerzen haben. Inwiefern wird man es vom Stein aussagen können? Ja warum soll der Schmerz hier überhaupt einen Träger haben?! Und kann man von dem Stein sagen, er habe eine Seele & die hat Schmerzen? Was hat eine Seele, was haben Schmerzen mit einem Stein zu tun? Nur von dem, was sich benimmt, wie ein Mensch, kann man sagen, daß es Schmerzen hat. Denn man muß es von einem Körper sagen, oder, wenn Du willst, von einer Seele, die einen Körper hat. Und wie kann ein Körper eine Seele haben?

Where does the very idea come from that beings, objects, could ‘feel’ something?? Did my upbringing lead me to this by drawing my attention to the feelings in me, and now I am transferring the idea to objects outside of me? I recognize that there is something (in me) that, without contradicting the way others use words, I can call “pain”? I do not transfer my idea to stones and plants, etc. Could I not imagine that I have terrible pain and turn into a stone while it lasts? Yes, how do I know that, when I close my eyes, I have not turned into a stone? – And if that has now happened, in what sense will the stone have pain? In what sense can it be said of the stone? Yes, why should pain even have a bearer here?! And can it be said of the stone that it has a mind, and that has pain? What does a mind have to do with pain, what does it have to do with a stone? Only of something that behaves like a human being can it be said that it has pain. Because one must say it of a body, or, if you will, of a mind that has a body. And how can a body have a mind?

§

20[2] &
21[1]

Aber ist es nicht absurd, von einem Körper zu sagen, er habe Schmerzen? – Und warum fühlt man darin eine Absurdität? Inwiefern fühlt meine Hand nicht Schmerzen; sondern ich in meiner Hand? Was ist denn das für eine Streitfrage: Ist es sein Körper der Schmerzen fühlt? – Wie ist sie zu entscheiden? Wie macht es sich geltend, daß es nicht der Körper ist? – Nun, etwa so: Wenn Einer in der Hand Schmerzen hat, so sagt's die Hand nicht (außer sie schreibt's), & man spricht nicht der Hand Trost zu, sondern dem Leidenden & sieht ihm in die Augen.

But is it not absurd to say of a body that it has pain? – And why does one feel an absurdity in this? In what sense does my hand not feel pain; rather, I feel it in my hand? What is this a question of: Is it its body that feels pain? – How is it to be decided? How does it assert itself that it is not the body? – Well, something like this: If someone has pain in their hand, then the hand does not say so (unless it writes it down), and one does not comfort the hand, but the person who is suffering, and looks them in the eye.

§

21[2]

Wenn Du sagst, Einer hat Schmerzen, so meinst Du doch, es wäre wahr, wenn er sagte “Ich habe Schmerzen”, auch wenn er es nicht sagen kann. Wie, wenn ich hier sagte: “Es wäre angemessen, wenn er stöhnte, – auch wenn er nicht stöhnen kann”? Oder: “Es wäre angemessen, wenn er Schmerzbenehmen zeigte, – auch wenn ihm dies Benehmen so wenig möglich ist, wie einem Stein”?

If you say that someone is in pain, don't you mean that it would be true if he said, “I am in pain,” even if he can't say it? How, if I were to say here, “It would be appropriate for him to groan, – even if he cannot groan”? Or: “It would be appropriate for him to show pain-behaviour, – even if this behaviour is as impossible for him as for a stone”?

§

21[3]

Eine ‘Erklärung’ ist etwas nur unter gewissen Umständen. Unter welchen Umständen ist es eine Erklärung des Sprachspiels ‘Farbige Gegenstände auf Befehl hin bringen’, zu sagen, es beruhe auf den Farbeneindrücken der Beteiligten?

An ‘explanation’ is something that applies only under certain circumstances. Under what circumstances is it an explanation of the language-game ‘Bring coloured objects on command’ to say that it is based on the colour impressions of those involved?

§

22[1]

“Aber meinen wir denn nicht wenigstens etwas ganz bestimmtes, wenn wir auf eine Farbe hinschauen & den Farbeindruck benennen?” Es ist doch förmlich, als lösten wir den Farbeindruck wie ein Häutchen, von dem gesehenen Gegenstand ab. (Dies sollte unsern Verdacht erregen.)

“But do we not, at least, mean something quite specific when we look at a colour & name the colour impression?” It is almost as if we were peeling the colour impression off, like a skin, from the object that is seen. (This should arouse our suspicion.)

§

22[2]

Was wir “Beschreibungen” nennen, sind Instrumente für besondere Verwendung. Denke dabei an eine Maschinenzeichnung, einem Schnitt, einem Aufriß mit den Maßen, den der Mechaniker vor sich hat. Wenn man an eine Beschreibung als ein Wortbild der Tatsachen denkt, so hat das etwas Irreführendes, weil man dabei etwa an Bilder denkt, wie sie an unsern Wänden hängen; die schlechtweg abzubilden scheinen, wie ein Ding aussieht, wie es beschaffen ist. (Diese Bilder sind gleichsam müßig.)

What we call ‘descriptions’ are instruments for particular use. Think of a machine drawing, a section, an elevation with the dimensions that the mechanic has before him. If one thinks of a description as a word picture of the facts, this has something misleading about it, because one then thinks of pictures, like those that hang on our walls; which seem merely to depict how a thing looks, what it is like. (These pictures are, as it were, superfluous.)

§

23[1]

“Ich weiß, wie mir die Farbe Grün erscheint.” – Nun, das hat doch Sinn! – Gewiß; welche Verwendung des Satzes denkst Du Dir?

“I know how green looks to me.” – Well, that makes sense! – Of course; what use of the sentence are you thinking of?

§

23[2] &
24[1]

Einer malt ein Bild, um zu zeigen, wie er sich etwas (sagen wir, eine Szene auf dem Theater) vorstellt. – Und nun sage ich: “Dies Bild hat eine doppelte Funktion: Es teilt Andern etwas mit, wie Bilder, oder Worte eben etwas mitteilen. Aber für den Mitteilenden ist es noch eine Darstellung (oder Mitteilung?) anderer Art: für ihn ist es das Bild seiner Vorstellung, wie es das für keinen Andern sein kann. Sein privater Eindruck des Bildes sagt ihm, was er sich vorgestellt hat, in einem Sinne, welchem es das Bild für die Andern nicht kann.” – Und mit welchem Recht redest Du in diesem zweiten Falle von Darstellung, oder Mitteilung, – wenn diese Worte im ersten Falle richtig angewandt waren?

Someone paints a picture to show what something (let's say, a scene in the theatre) looks like to him. – And now I say: “This picture has a double function: it communicates something to others, as pictures or words do. But for the communicator, it is also a representation (or communication?) of another kind: for him, it is the image of his imagination, as it cannot be for anyone else. His private impression of the picture tells him what he imagined, in a sense in which the picture cannot do so for others.” – And with what justification do you speak in this second case of representation, or communication, – if these words were rightly applied in the first case?

§

24[2]

Sind die Regeln der privaten Sprache Eindrücke von Regeln? Die Waage, auf der man die Eindrücke wägt – könnte man sagen – ist nicht der Eindruck von einer Waage. – Wollte man nun fortsetzen: “sondern eine wirkliche Waage”, so wäre dies zwar wahr; aber irreführend, weil der Ton nicht auf der Unterscheidung zwischen wirklich & unwirklich ruht.

Are the rules of a private language impressions of rules? The scales on which one weighs the impressions – one might say – are not the impression of scales. – If one were to continue: “but a real scale,” this would be true; but misleading, because the emphasis is not on the distinction between real and unreal.

§

24[3]

Siehst Du ein Ding von einer Seite, so kannst Du's nicht von der andern sehn. Deckst Du die eine Seite auf, so deckst Du damit die andere zu.

If you see a thing from one side, you cannot see it from the other. If you cover one side, you cover the other.

§

24[4] &
25[1]

Kann ich mir vorstellen, wie es ist, wenn ich etwas Weißes sehe, während ich es nicht sehe? – Auf den ersten Blick weiß man nicht, soll man ja oder nein sagen. – Dann aber erinnere ich mich, daß es in einem Gespräch heißen könnte: “Stell Dir vor, Du sähest etwas Weißes vor Dir & …”.

Can I imagine what it is like to see something white while not seeing it? – At first glance, one does not know whether to say yes or no. – But then I remember that in a conversation it could be said: “Imagine you see something white in front of you &…”.

§

25[2]

Man könnte sagen: Seele ist der Körper, so gesehen.

One could say: the mind is the body, seen in this way.

§

25[3]

Oder: Man kann Gesichter in verschiedener Weise miteinander vergleichen; & auch: auf ihren Ausdruck hin. Und man kann das Verhalten der Körper in verschiedenem Sinne mit einander vergleichen; & auch: auf ihre Seelen hin.


Or: one can compare faces in different ways; and also: according to their expression. And one can compare the behaviour of bodies in different senses; and also: according to their minds.

§

25[4]

“Aber wie kann mich eine Regel lehren, was ich an dieser Stelle zu tun habe? – Was immer ich tue, ist doch durch irgendeine Deutung mit der Regel zu vereinbaren.” – Nein, so sollte es nicht heißen; sondern so: Jede Deutung hängt, mitsamt dem Gedeuteten, in der Luft; sie kann ihm nicht als Stütze dienen. Die Deutungen allein bestimmen die Bedeutung nicht.

“But how can a rule teach me what to do in this case? – Whatever I do is to be made consistent with the rule by some interpretation.” – No, that is not how it should be said; but rather: every interpretation hangs, together with what is interpreted, in the air; it cannot serve as a support for it. Interpretations alone do not determine the meaning.

§

26[1]

“Also ist, was immer ich tue, mit der Regel vereinbar?” – Laß mich so fragen: Was hat der Ausdruck der Regel – sagen wir, der Wegweiser – mit meinen Handlungen zu tun? Welche Verbindung besteht da? – Etwa die: ich bin zu einem bestimmten Reagieren auf dieses Zeichen abgerichtet worden, und nun reagiere ich so.

“So whatever I do is consistent with the rule?” – Let me put it this way: what has the expression of the rule – let's say, the signpost – to do with my actions? What connection is there? – Perhaps this: I have been trained to react in a certain way to this sign, and now I react in that way.

§

26[2]

Aber nun hast Du nur einen kausalen Zusammenhang angegeben. Du hast nur erklärt, wie es dazu kam, daß wir uns jetzt nach dem Wegweiser richten; nicht worin dieses dem-Zeichen-Folgen eigentlich besteht. Nein, ich habe mehr getan. Ich habe angedeutet, daß sich Menschen nur dann nach Wegweisern richten, wenn sie sich ständig in gleicher Weise nach ihnen richten.

But now you have only indicated a causal connection. You have only explained how it came about that we now follow the signpost; not what this following of the sign actually consists in. No, I have done more. I have suggested that people only follow signposts when they constantly follow them in the same way.

§

26[3] &
27[1]

Ist, was wir “einer Regel folgen” nennen, etwas, was nur ein Mensch, & nur einmal im Leben, tun könnte? – Das ist natürlich eine Anmerkung zur Grammatik des Ausdrucks “der Regel folgen”.

Is what we call “following a rule” something that only one person, and only once in a lifetime, could do? – This is, of course, a remark about the grammar of the expression “following a rule”.

§

27[2]

Es könnte nicht einmal nur jemand einem Wegweiser gefolgt sein. Es könnte nicht einmal nur eine Mitteilung gemacht; ein Befehl gegeben; oder verstanden worden sein. – Einer Regel folgen, eine Mitteilung machen, einen Befehl geben, oder verstehen, eine Schachpartie spielen, sind Gepflogenheiten. (Gebräuche, Institutionen.)

It could not be the case that only once someone followed a signpost. It could not be the case that only once a communication was made, a command given, or understood. – Following a rule, making a communication, giving a command, or understanding, playing a game of chess, are customs. (Usages, institutions.)

§

27[3]

Einen Satz verstehen, heißt, eine Sprache verstehen. Eine Sprache verstehen, heißt eine Technik beherrschen.

Understanding a sentence means understanding a language. Understanding a language means mastering a technique.

§

27[4] &
28[1]

Es ist freilich denkbar, daß in einem Volke, welches Spiele nicht kennt, zwei Leute sich an ein Schachbrett setzen & die Züge einer Schachpartie ausführen; ja auch mit allen seelischen Begleiterscheinungen. Und sähen wir dies, so würden wir sagen, sie spielten Schach. Aber nun denk Dir eine Schachpartie nach gewissen Regeln in eine Reihe von Handlungen übersetzt, die wir nicht gewohnt sind, mit einem Spiel zu assoziieren; etwa ein Ausstoßen von Schreien & Stampfen mit den Füßen. Und jene Beiden sollen nun, statt die uns geläufige Form des Schach zu spielen, schreien & stampfen; & zwar so, daß dies sich nach geeigneten Regeln in eine Schachpartie übersetzen ließe. Wären wir nun noch geneigt, zu sagen, sie spielten ein Spiel; & mit welchem Recht könnte man das sagen?

It is indeed conceivable that in a society which does not know games, two people sit down at a chessboard & carry out the moves of a game of chess; yes, even with all the accompanying mental processes. And if we saw this, we would say that they were playing chess. But now imagine a game of chess translated into a series of actions according to certain rules, which we are not accustomed to associate with a game; for example, a series of shouts and foot-stamping. And let these two people, instead of playing the chess we are familiar with, shout and stamp; and let them do so in such a way that it could be translated into a game of chess according to suitable rules. Would we still be inclined to say that they were playing a game; and on what grounds could we say that?

§

28[2] &
29[1]

Ich kann, wie die Sachen stehen, ein Spiel erfinden, das nie von jemandem gespielt wird. – Wäre aber auch dies möglich: die Menschheit hat nie Spiele gespielt; einmal aber hat Einer ein Spiel erfunden, das dann allerdings nie gespielt wurde?

I can, as things stand, invent a game that has never been played by anyone. – But would it also be possible for humanity never to have played games; but once, one person invented a game, which was then never played?

§

29[2]

“Das ist ja das Merkwürdige an der Intention, am seelischen Vorgang, daß für ihn das Bestehen der Gepflogenheit, der Technik, nicht nötig ist. Es ist denkbar, daß zwei Menschen, in einer Welt, in der sonst nie gespielt wird, den Anfang einer Schachpartie spielen, & dann gestört werden.” Ist aber das Schachspiel nicht durch seine Regeln definiert? Und wie sind diese Regeln im Geist dessen vorhanden, der intendiert Schach zu spielen?

“This is what is remarkable about intention, about the mental process, that the existence of the custom, the technique, is not necessary for it. It is conceivable that two people, in a world in which no games are ever played, play the beginning of a game of chess, and then are interrupted.” But is the game of chess not defined by its rules? And how are these rules present in the mind of the one who intends to play chess?

§

29[3]

Einer Regel folgen, ist analog dem: einen Befehl befolgen. Man wird dazu abgerichtet, & nun reagiert man auf ihn in bestimmter Weise. – Aber wie, wenn nun der Eine so, der Andre anders auf Befehl & Abrichtung reagiert. Wer hat dann recht?

Following a rule is analogous to: obeying a command. One is trained to do so, and now one reacts to it in a certain way. – But what if one person reacts this way, and the other reacts that way to the command and training. Who is right then?

§

30[1]

Denk Dir, Du kämest als Forscher in ein unbekanntes Land mit Dir gänzlich fremder Sprache. Unter welchen Umständen würdest Du sagen, daß die Leute dort Befehle geben, Befehle verstehen, (sie) befolgen, sich gegen Befehle auflehnen, u.s.w.?

Imagine that you come as a researcher to an unknown country with a language that is completely foreign to you. Under what circumstances would you say that the people there give commands, understand commands, (obey) them, rebel against commands, etc.?

§

30[2] &
31[1]

Denken wir uns, daß die Leute in jenem Land gewöhnliche menschliche Tätigkeiten verrichten & sich dabei, wie es scheint, einer artikulierten Sprache bedienen. Sieht man ihrem Treiben zu, so ist es verständlich, erscheint uns ‘logisch’. Versuchen wir aber ihre Sprache zu erlernen, so finden wir, daß es unmöglich ist. Es besteht nämlich bei ihnen keine regelmäßige Zuordnung des Gesprochenen, der Laute, mit den Handlungen; dennoch aber ist ihr Sprechen nicht überflüssig: wenn wir nämlich einen dieser Leute knebeln, so hat dies ähnliche Folgen, wie bei uns. Ohne Laute geraten ihre Handlungen in Verwirrung (wie ich mich ausdrücken will). Sollen wir sagen, diese Leute hätten eine Sprache; Befehle, Mitteilungen, u.s.w.? Zu dem, was wir “Sprache” nennen fehlt die Regelmäßigkeit.

Let us imagine that the people in that country perform ordinary human activities & in doing so, as it seems, use an articulated language. When one observes their activities, it is understandable, it seems ‘logical’ to us. However, if we try to learn their language, we find that it is impossible. There is, in fact, no regular connection between what is said, the sounds, & the actions; nevertheless, their speech is not superfluous: for if we were to gag one of these people, this would have similar consequences as with us. Without sounds, their actions become confused (as I would like to express it). Should we say that these people have a language; commands, communication, etc.? What we call “language” lacks regularity.

§

31[2] &
32[1]

So erkläre ich also, was “Befehl” & was “Regel” heißt, durch “Regelmäßigkeit”? Wie erkläre ich jemandem die Bedeutung von “regelmäßig”, “gleichförmig”, (oder) “gleich”? – Einem der, sagen wir, nur Französisch spricht, werde ich diese Wörter durch die entsprechenden französischen erklären. Wer aber diese Begriffe noch nicht besitzt, den werde ich die Worte durch Beispiele & durch Übung gebrauchen lehren. Und dabei teile ich ihm nicht weniger mit, als ich selber weiß. Ich werde ihm also in diesem Unterricht gleiche Farben, gleiche Längen, gleiche Figuren zeigen, ihn sie finden & herstellen, lassen, u.s.w. Ich werde ihn etwa dazu anleiten, Reihenornamente (wie ) auf einen Befehl ‘gleichmäßig’ fortzusetzen. – Und auch dazu, eine Reihe

so fortzusetzen:

Ich mach's ihm vor; er macht es mir nach; & ich beeinflusse ihn durch (die) Äußerungen der Zustimmung, der Abweisung, der Erwartung, der Aufmunterung. Ich lasse ihn gewähren; halte ihn zurück; u.s.w. Denke, Du wärest Zeuge eines solchen Unterrichts. Es würde darin kein Wort durch sich selbst erklärt, kein logischer Zirkel gemacht.

So, am I explaining what “command” & what “rule” mean by means of “regularity”? How do I explain to someone the meaning of “regular,” “uniform,” (or) “similar”? – To someone who, let’s say, only speaks French, I will explain these words by means of the corresponding French words. But someone who does not yet possess these concepts, I will teach the words by means of examples & by means of practice. And in doing so, I will impart to him no less than what I myself know. So, in this instruction, I will show him identical colors, identical lengths, identical figures, let him find & produce them, etc. I will guide him, for example, to continue a series of ornaments (like ) in a ‘uniform’ manner. – And also to continue a series

like this:

I demonstrate it to him; he imitates me; & I influence him through expressions of approval, disapproval, expectation, encouragement. I let him proceed; I hold him back; etc. Imagine that you are witnessing such instruction. In it, no word would be explained by itself, no logical circle would be made.

§

32[2]

Auch das Wort “und so weiter”, & “und so weiter ad inf.”, wird in diesem Unterricht erklärt werden. (Es kann dazu unter anderem auch eine Gebärde dienen.)

Also, the word “and so on,” & “and so on ad inf.,” will be explained in this instruction. (It can also serve, among other things, as a gesture.)

§

33[1]

“Aber erklärst Du ihm wirklich, was Du selber verstehst? Läßt Du ihn das Wesentliche nicht erraten? Du gibst ihm Beispiele; er aber muß ihre Tendenz erraten. Also Deine Absicht.” – Jede Erklärung, die ich mir selbst geben kann, gebe ich auch ihm. “Er errät, was ich meine” würde heißen: ihm schweben verschiedene Interpretationen meiner Erklärung vor, & er rät auf eine von ihnen. Er könnte also in diesem Falle fragen. Und ich könnte, & würde, ihm antworten.

“But are you really explaining to him what you yourself understand? Aren’t you letting him guess the essential thing? You give him examples; but he must guess their tendency. That is, your intention.” – Every explanation that I can give myself, I also give to him. “He guesses what I mean” would mean: he has various interpretations of my explanation in mind, & he guesses one of them. He could, therefore, ask in this case. And I could, & would, answer him.

§

33[2]

“Wie immer Du ihn im Fortführen des Reihenornaments unterrichtest – wie kann er wissen, wie er es selbständig fortzusetzen hat?” Nun, wie weiß ich's? – – – Wenn das heißt: habe ich Gründe? so ist die Antwort: die Gründe werden mir bald ausgehen. Und ich werde dann, ohne Gründe, handeln.

“However you teach him to continue the series of ornaments – how can he know how to continue it independently?” Well, how do I know? – – – If that means: do I have reasons? then the answer is: the reasons will soon run out. And then I will act without reasons.

§

33[3] &
34[1]

“Wie kann ich einer Regel folgen?” – Wenn das nicht eine Frage nach den Ursachen ist, so ist es eine nach der Rechtfertigung, die ich dafür angeben kann, daß ich so nach der Regel handle. Habe ich die Begründung erschöpft, so bin ich nun auf dem harten Felsen angelangt; & mein Spaten biegt sich zurück. Ich bin dann geneigt zu sagen: “So handle ich eben.”

“How can I follow a rule?” – If this is not a question about causes, then it is a question about the justification that I can give for the fact that I am acting in this way according to the rule. If I have exhausted the justification, then I have now reached a hard rock; & my spade bends back. I am then inclined to say: “That is simply how I act.”

§

34[2]

Wenn jemand, den ich fürchte, mir den Befehl gibt, die Reihe fortzusetzen, so werde ich schleunig, mit völliger Sicherheit handeln, & das Fehlen der Gründe stört mich nicht.

If someone, whom I fear, gives me the command to continue the series, then I will quickly act with complete certainty, & the lack of reasons does not bother me.

§

34[3] &
35[1]

“Aber dieser Reihenanfang konnte doch offenbar verschieden gedeutet werden (durch algebraische Ausdrücke, z.B.) & Du mußtest also erst eine solche Deutung wählen.” – Durchaus nicht! Es war, unter Umständen, ein Zweifel möglich. Aber das sagt nicht, daß ich gezweifelt habe, oder auch nur zweifeln konnte. (Damit steht in Zusammenhang, was über die psychologische ‘Atmosphäre’ eines Vorgangs zu sagen ist.)

“But this beginning of the series could obviously be interpreted in different ways (by means of algebraic expressions, for example), & so you had to choose one such interpretation.” – Not at all! It was, under certain circumstances, possible to have a doubt. But that does not mean that I doubted, or even could doubt. (This is connected with what can be said about the psychological ‘atmosphere’ of an event.)

§

35[2]

Nur Intuition konnte diesen Zweifel heben? – Wenn sie eine innere Stimme ist, – wie weiß ich, wie ich ihr folgen soll? Und wie weiß ich, daß sie mich nicht irreleitet? Denn kann sie mich richtig leiten, dann kann sie mich auch irreleiten.

Could only intuition dispel this doubt? – If it is an inner voice, – how do I know how to follow it? And how do I know that it is not misleading me? For if it can guide me correctly, then it can also mislead me.

§

35[3]

“So sagst Du also, daß die Übereinstimmung der Menschen entscheide, was richtig & falsch ist?” – Richtig & falsch ist, was wir sagen; & in der Sprache stimmen die Menschen überein. Das ist keine Übereinstimmung der Meinungen, sondern der Lebensformen.

“So you are saying that the agreement of people decides what is right & wrong?” – Right & wrong are what we say; & in language, people agree. This is not an agreement of opinions, but of forms of life.

§

35[4]

“Aber reicht denn nicht das Verständnis weiter, als alle Beispiele?” – Ein sehr merkwürdiger Ausdruck, & ganz natürlich.

“But doesn’t understanding go further than all the examples?” – A very remarkable expression, & quite natural.

§

35[6] &
36[1]

Ein Unterricht, der bei den vorgeführten Beispielen stehen bleiben will, & ein Unterricht, der über sie ‘hinausweist’, unterscheiden sich ja von einander.

An instruction which wants to remain with the examples presented, & an instruction which points beyond them, are different from each other.

§

36[2]

Wenn man Beispiele aufzählt & dann sagt “und so weiter”, so wird dieser letztere Ausdruck auf andere Weise erklärt, als die Beispiele.

If one lists examples & then says “and so on,” this latter expression is explained in a different way than the examples.

§

36[3]

Denn das “und so weiter” könnte man, einerseits, durch einen Pfeil ersetzen, der anzeigt, das Ende der Beispielreihe solle nicht ein Ende ihrer Anwendung bedeuten. Anderseits heißt “und so weiter” auch: Es ist genug (Du hast mich verstanden); wir brauchen keine weiteren Beispiele.

For “and so on” could, on the one hand, be replaced by an arrow, which indicates that the end of the series of examples should not mean the end of their application. On the other hand, “and so on” also means: It is enough (you have understood); we need no further examples.

§

36[4]

Die Geste “und so weiter” hat eine Funktion vergleichbar der, des Zeigens auf einen Gegenstand, oder auf einen Ort.

The gesture “and so on” has a function comparable to that of pointing to an object, or to a place.

§

36[5] &
37[1]

Ein Mensch kann sich selbst ermahnen, sich selbst befehlen, gehorchen, tadeln, bestrafen, eine Frage vorlegen & auf sie antworten. Man könnte sich also auch Menschen denken, die nur monologisch sprächen. Ihre Tätigkeiten mit Selbstgesprächen begleiteten. – Einem Forscher, der sie beobachtet & ihre Reden belauscht könnte es gelingen, ihre Sprache in die unsre zu übersetzen. (Er wäre übrigens dadurch in den Stand gesetzt, Handlungen dieser Leute richtig vorherzusagen, denn er hört sie auch Vorsätze & Entschlüsse fassen.) Wäre aber auch eine Sprache denkbar, in der Einer seine inneren Erlebnisse – seine Gefühle, Stimmungen, etc. – für den eigenen Gebrauch aufschreiben, oder aussprechen könnte? – Können wir denn das in unsrer gewöhnlichen Sprache nicht tun? – So meine ich's nicht. Die Wörter dieser Sprache sollen sich auf das beziehen, wovon nur der Sprechende wissen kann; auf seine unmittelbaren, privaten, Empfindungen. Ein Anderer kann diese Sprache natürlich nicht verstehen.

A person can remind himself, give himself orders, obey, reproach, punish, put a question & answer it. So one could also imagine people who only spoke monologically. Their activities were accompanied by self-talk. – A researcher who observes them & listens to their speeches might succeed in translating their language into ours. (He would, by the way, be in a position to predict the actions of these people correctly, because he also hears them making plans & decisions.) But would a language also be conceivable, in which one could write down, or express, his inner experiences – his feelings, moods, etc. – for his own use? – Can't we do that in our ordinary language? – That's not what I mean. The words of this language are supposed to refer to what only the speaker can know; to his immediate, private, sensations. Another person cannot, of course, understand this language.

§

38[1]

Wie beziehen sich Wörter auf Empfindungen? – Darin scheint kein Problem zu liegen; denn reden wir nicht täglich von Empfindungen & benennen sie? Aber wie wird die Verbindung des Namens mit dem Benannten hergestellt? Die Frage ist die gleiche, wie die: wie lernt ein Mensch die Bedeutung der Namen von Empfindungen? Z.B. des Wortes “Schmerz”. Im Groben etwa so: Es werden Worte mit dem ursprünglichen, natürlichen, Ausdruck der Empfindung verbunden & an dessen Stelle gesetzt. Ein Kind hat sich verletzt, es schreit, & nun sprechen ihm die Erwachsenen zu & bringen ihm Ausrufe & später Sätze bei. Sie lehren das Kind ein neues Schmerzbenehmen. “So sagst Du also, daß das Wort ‘Schmerz’ eigentlich das Schreien bedeutet?” – Im Gegenteil; es ersetzt das Schreien & beschreibt es nicht.

How do words relate to sensations? – There doesn’t seem to be a problem in this; for aren’t we talking about sensations every day & naming them? But how is the connection between the name & what is named established? The question is the same as: how does a person learn the meaning of the names of sensations? E.g. of the word “pain.” Roughly, it is like this: Words are connected with the original, natural, expression of the sensation & put in its place. A child has hurt itself, it cries, & now the adults speak to it & teach it exclamations & later sentences. They teach the child a new pain-behaviour. “So you are saying that the word ‘pain’ actually means the crying?” – On the contrary; it replaces the crying & does not describe it.

§

39[1] &
40[1]

Inwiefern sind nun meine Empfindungen privat? Nun, nur ich kann wissen, ob ich wirklich Schmerzen habe; der Andre kann es nur vermuten. – Das ist in einer Weise falsch, in einer andern unsinnig. Wenn wir das Wort “wissen” gebrauchen, wie es normalerweise gebraucht wird (und wie sollen wir es denn gebrauchen!) dann wissen es andere sehr häufig, wenn ich Schmerzen habe. – Ja, aber doch nicht mit der Sicherheit, mit der ich selbst es weiß! – Von mir kann man überhaupt nicht sagen (außer etwa im Spaß) ich wisse, daß ich Schmerzen habe. Was soll es denn heißen? außer etwa, daß ich Schmerzen habe? Man kann nicht sagen, die Andern lernen meine Empfindung ‘nur’ durch mein Benehmen; denn von mir kann man nicht sagen, ich lernte sie. Ich habe sie. Das ist richtig: es hat Sinn, von Andern zu sagen, sie seien im Zweifel darüber, ob ich Schmerzen habe, aber nicht, das von mir selbst zu sagen.

In what respect are my sensations private? Well, only I can know whether I really have pain; another person can only guess. – This is, in one way, false, and in another way nonsensical. If we use the word “know” in the way it is normally used (and how else should we use it?), then others very often know it when I have pain. – Yes, but not with the certainty with which I myself know it! – One cannot say of me (except perhaps in jest) that I know that I have pain. What is it supposed to mean? Other than that I have pain? One cannot say that others learn my sensation ‘only’ through my behaviour; for one cannot say of me that I learn it. I have it. That is correct: it makes sense to say of others that they are in doubt as to whether I have pain, but not to say it of myself.

§

40[2] &
41[1]

“Der Andre kann nicht meine Schmerzen haben.” – Das ist Unsinn. Welches sind meine Schmerzen? Was gilt hier als Kriterium der Identität? Überlege, was es möglich macht, im Fall physikalischer Gegenstände von “zwei genau gleichen” zu sprechen. Z.B. zu sagen “Dieser Sessel ist nicht derselbe, den Du gestern hier gesehen hast, aber er ist ein genau gleicher”. Soweit es Sinn hat, zu sagen, mein Schmerz sei der gleiche, wie seiner, soweit können wir auch beide den gleichen Schmerz haben. (Auch das wäre denkbar, daß zwei Leute an der gleichen – nicht nur homologen – Stelle Schmerz empfanden. Ob es bei siamesischen Zwillingen der Fall ist, weiß ich nicht.) Ich habe gesehen, wie jemand, in einer Diskussion über diesen Gegenstand, sich an die Brust schlug & sagte: “Aber er kann doch nicht diese Schmerzen haben!” – Die Antwort darauf ist, daß man durch das emphatische Betonen des Wortes “diese” kein Kriterium der Identität definiert. Die Emphase spiegelt uns vielmehr nur den Fall vor, daß ein solches Kriterium bereits vorhanden ist & wir nur noch daran erinnern müssen.

“The other person cannot have my pains.” – That is nonsense. Which are my pains? What counts as a criterion of identity here? Consider what makes it possible, in the case of physical objects, to speak of “two exactly the same.” E.g., to say “This chair is not the same one that you saw here yesterday, but it is exactly the same.” To the extent that it makes sense to say that my pain is the same as his, to that extent we can both have the same pain. (It would also be conceivable that two people experience pain at the same – not only homologous – location. Whether this is the case with Siamese twins, I do not know.) I have seen someone, in a discussion about this topic, strike his chest and say: “But he cannot have these pains!” – The answer to this is that by emphatically stressing the word “these,” one does not define a criterion of identity. Rather, the emphasis merely reflects the fact that such a criterion already exists and we only need to remind ourselves of it.

§

41[2] &
42[1]

Auch das Ersetzen des Wortes “gleich” durch “identisch” ist ein typisches Auskunftsmittel in der Philosophie. Als redeten wir von Abschattungen der Bedeutung, & es handle sich nur darum, mit unsern Worten die richtige Nuance zu treffen. Und darum handelt sich's beim Philosophieren nur dann, wenn die Aufgabe ist, die Versuchung, das & das zu sagen, psychologisch genau darzustellen. Was wir so zu sagen versucht sind, ist natürlich nicht Philosophie; sondern es ist ihr Rohmaterial. Was also ein Mathematiker, z.B., über Objektivität & Realität der Mathematik zu sagen geneigt ist, ist nicht eine Philosophie der Mathematik, sondern etwas, was Philosophie zu behandeln hätte.

Replacing the word “equal” with “identical” is also a typical means of expression in philosophy. It is as if we were talking about shades of meaning, and it is only a matter of hitting the right nuance with our words. And that is what philosophizing is all about only when the task is to represent psychologically accurately the temptation to say this and that. What we are trying to say is, of course, not philosophy; but it is its raw material. What a mathematician, for example, is inclined to say about the objectivity and reality of mathematics is not a philosophy of mathematics, but something that philosophy would have to deal with.

§

42[2] &
43[1] &
44[1]

Wie ist es nun mit der Sprache, die meine innern Erlebnisse beschreibt & nur ich selbst verstehen kann? Wie bezeichne ich meine Empfindungen mit Worten? – So wie wir's gewöhnlich tun? Sind also meine Empfindungsworte mit meinen natürlichen Empfindungsäußerungen verknüpft? – In diesem Falle ist meine Sprache nicht ‘privat’. Ein Anderer könnte sie verstehen, wie ich. – Aber wie, wenn ich keine natürlichen Äußerungen der Empfindung, sondern nur die Empfindung besäße? Und nun assoziiere ich einfach Namen mit den Empfindungen & verwende diese Namen in einer Beschreibung. – Stellen wir uns davon einen einfachen Fall vor. Ich will über das Wiederkehren einer gewissen Empfindung ein Tagebuch anlegen. Dazu assoziiere ich sie mit dem Zeichen “E” & schreibe in einem Kalender zu jedem Tag, an dem ich die Empfindung habe dies Zeichen. Ich will zuerst bemerken, daß sich eine Definition dieses Zeichens nicht aussprechen läßt. – Aber ich kann sie doch mir selbst als eine Art hinweisende Definition geben! – Wie? Kann ich auf die Empfindung zeigen? – Nicht im gewöhnlichen Sinne, aber ich spreche oder schreibe das Zeichen, & dabei konzentriere ich meine Aufmerksamkeit auf die Empfindung. Zeige also gleichsam im Innern auf sie. – Aber wozu diese Zeremonie? denn nur das scheint es zu sein! Eine Definition dient doch dazu, die Bedeutung eines Zeichens festzulegen. – Nun, das geschieht eben durch das Konzentrieren der Aufmerksamkeit; denn dadurch präge ich mir die Verbindung des Zeichens mit der Empfindung ein. – ‘Ich präge sie mir ein’ kann doch nur heißen: dieser Vorgang bewirkt, daß ich mich in Zukunft richtig an die Verbindung erinnere. Aber in unserm Falle habe ich ja kein Kriterium für die Richtigkeit. Man möchte hier sagen: richtig ist, was immer mir als richtig erscheinen wird – – – & das heißt nur, daß hier von ‘richtig’ nicht geredet werden kann.

Now, what about the language that describes my inner experiences & that only I myself can understand? How do I designate my sensations with words? – In the way we usually do? Are my sensation words, then, linked to my natural manifestations of sensation? – In that case, my language is not ‘private’. Another person could understand it, just as I do. – But what if I had no natural manifestations of sensation, but only the sensation itself? & now I simply associate names with the sensations & use these names in a description. – Let us imagine a simple case of this. I want to keep a diary of the recurrence of a certain sensation. To this end, I associate it with the sign “E” & write in a calendar on each day that I have the sensation, this sign. I want first to notice that a definition of this sign cannot be stated. – But I can give it to myself as a kind of ostensive definition! – How? Can I point to the sensation? – Not in the usual sense, but I speak or write the sign, & in doing so, I concentrate my attention on the sensation. I point, as it were, inwardly to it. – But what is the purpose of this ceremony? For it seems to be only that! A definition is supposed to serve to fix the meaning of a sign. – Well, that is precisely what happens through the concentration of attention; for by means of it, I impress the connection of the sign with the sensation upon myself. – ‘I impress it upon myself’ can only mean: this process causes me to remember the connection in the future correctly. But in our case, I have no criterion for the correctness. One would like to say here: what will always appear correct to me is correct – – – & that simply means that ‘correct’ cannot be spoken of here.

§

44[2] &
45[1]

“Nun, ich glaube, daß dies wieder die Empfindung E ist.” – Du glaubst es wohl, zu glauben! So hätte sich also, der das Zeichen in den Kalender eintrug, gar nichts notiert? – Sieh's nicht als selbstverständlich an, daß Einer sich etwas notiert, wenn er Zeichen, in einen Kalender z.B. einträgt. Eine Notiz hat ja eine Funktion; & das “E” hat, soweit, keine.

“Well, I believe that this is again sensation E.” – You probably believe that you believe it! So, did the person who wrote the sign in the calendar not write down anything? – Don’t take it for granted that someone writes something down when they write signs into a calendar, for example. A note has a function; & “E” does not, as far as that goes.

§

45[2]

Frage Dich, was der Sinn, der Zweck, einer Notiz ist. Denke so: “Ist es nicht merkwürdig, daß wir manchmal Zeichen in einen Kalender einschreiben – wozu tun wir das eigentlich?!”

Ask yourself, what is the meaning, the purpose, of a note. Think like this: “Isn’t it remarkable that we sometimes write signs in a calendar – what exactly do we do it for?”

§

45[3] &
46[1]

Aber ferner: Welchen Grund haben wir “E” das Zeichen für eine Empfindung zu nennen? “Empfindung” ist nämlich ein Wort unsrer allgemeinen, Allen verständlichen, Sprache. Der Gebrauch dieses Worts bedarf also einer Rechtfertigung, die Alle verstehen. – Und es hülfe auch nichts, zu sagen: es müsse keine Empfindung sein; wenn er “E” schreibt, habe er Etwas – & mehr könnten wir nicht sagen. Aber “haben” & “etwas” gehören auch zur allgemeinen Sprache. – So gelangt der Philosoph am Ende dahin, nur noch einen unartikulierten Laut ausstoßen zu wollen. – Und ein solcher ist nur unter gewissen Bedingungen ein Ausdruck.

But further: what reason do we have for calling “E” the sign for a sensation? “Sensation” is, after all, a word in our common language, understandable to everyone. The use of this word, therefore, requires a justification that everyone can understand. – And it would also be of no use to say: it doesn’t have to be a sensation; when he writes “E,” he has something – and we couldn’t say anything more. But “to have” and “something” also belong to the common language. – In the end, the philosopher will only want to utter an unarticulated sound. – And such a sound is only an expression under certain conditions.

§

46[2] &
47[1]

Denken wir uns nun eine Verwendung der Eintragung “E”. Ich mache folgende Erfahrung: Wenn immer ich eine bestimmte Erfahrung habe, sehe ich an einem Manometer, daß mein Blutdruck steigt. Dadurch werde ich in den Stand gesetzt, ein Steigen meines Blutdrucks ohne Zuhilfenahme eines Apparats anzusagen. Ein nützliches Ergebnis. Und nun scheint es hier ganz gleichgültig zu sein, ob ich die Empfindung richtig wiedererkannt habe, oder nicht. Nehmen wir an, ich irrte mich beständig bei ihrer Identifizierung, so macht es gar nichts. Und das zeigt schon, daß die Annahme dieses Irrtums nur ein Schein war. (Wir drehten an einem Knopf, der aussah, als könnte man mit ihm etwas an der Maschine einstellen; aber es war ein leeres Zierat & nicht mit dem Mechanismus in Verbindung. Und welchen Grund haben wir hier, “E” die Bezeichnung für eine Empfindung zu nennen? Vielleicht die Art & Weise, wie es in diesem Sprachspiel verwendet wird. – Und warum eine ‘bestimmte Empfindung’, d.h., jedesmal die gleiche? Nur darum, weil ich jedesmal das gleiche Zeichen verwende.

Let us now imagine a use of the entry “E.” I make the following observation: whenever I have a certain experience, I see on a manometer that my blood pressure rises. This enables me to announce an increase in my blood pressure without the aid of an apparatus. A useful result. And now it seems to be quite irrelevant whether I have correctly recognized the sensation or not. Let us assume that I consistently made mistakes in its identification; it would make no difference. And this already shows that the assumption of this error was only an illusion. (We turned a knob that looked as if it could be used to adjust something on the machine; but it was an empty ornament and not connected to the mechanism. And what reason do we have here to call “E” the designation for a sensation? Perhaps the way it is used in this language-game. – And why a ‘certain sensation,’ that is, the same one each time? Only because I use the same sign each time.

§

47[2] &
48[1]

Aber ist das alles? Gibt es nicht eine noch tiefere Erklärung; oder muß nicht doch das Verständnis der Erklärung tiefer sein? – Ja, hab ich denn selbst ein tieferes Verständnis? Habe ich mehr, als ich in der Erklärung gebe? – Woher aber dann das Gefühl, ich hätte mehr? Ist es, daß ich das nicht Begrenzte als Länge deute, die über jede Länge hinausreicht? (Die nicht begrenzte Erlaubnis, als Erlaubnis zu etwas Grenzenlosem.) Gewisse Vergleiche, in die Sprache aufgenommen, erzeugen in uns einen geistigen Schwindel.

But is that all? Isn’t there a deeper explanation; or must the understanding of the explanation not be deeper? – Yes, do I myself have a deeper understanding? Do I have more than what I offer in the explanation? – But where does the feeling then come from that I have more? Is it that I interpret the unlimited as a length that extends beyond every length? (The unlimited permission, as permission for something limitless.) Certain comparisons, when taken into language, create a mental dizziness in us.

§

48[2]

“Denke Dir einen Menschen, der es nicht im Gedächtnis behalten kann, was das Wort ‘Schmerz’ bedeutet; & daher immer wieder etwas anderes so nennt – das Wort aber immer in Übereinstimmung mit den gewöhnlichen Zeichen & Voraussetzungen des Schmerzes verwendete!” – Das Rad gehört nicht zur Maschine, das man drehen kann, ohne daß anderes sich mitbewegt.

“Imagine a person who cannot remember what the word ‘pain’ means, and therefore calls something else ‘pain’ again and again – but always uses the word in accordance with the usual signs and assumptions of pain!” – The wheel does not belong to the machine that one can turn without something else moving with it.

§

49[1]

“Wenn ich sage ‘Ich habe Schmerzen’, bin ich jedenfalls vor mir selbst gerechtfertigt.” – Heißt das: “Wenn der Andre wissen könnte, was ich ‘Schmerz’ nenne, würde er zugeben, daß ich das Wort richtig verwende”?

“When I say ‘I have pain,’ I am in any case justified before myself.” – Does this mean: “If the other person could know what I call ‘pain,’ would he admit that I am using the word correctly”?

§

49[2] &
50[1]

“Wenn ich mir etwas vorstelle, so geschieht doch wohl etwas!” Nun, es geschieht etwas – & wozu mache ich dann einen Lärm? Wohl dazu, was geschieht, mitzuteilen. – Aber wie teilt man denn überhaupt etwas mit? Wann sagt man, etwas werde mitgeteilt? – Was ist das Sprachspiel des Mitteilens? Ich möchte sagen: Du siehst es für viel zu selbstverständlich an, daß man jemandem etwas mitteilen kann. Das heißt: wir sind so sehr an die Mitteilung durch Sprechen, im Gespräch, gewöhnt, daß es uns scheint, es läge der ganze Witz der Mitteilung darin: daß ein Andrer den Sinn der Worte (ein ätherisches Ding) auffaßt; sozusagen in's Gehirn aufnimmt. Wenn er dann auch noch etwas damit anfängt, so gehört das nicht mehr zum direkten Zweck der Sprache. Man möchte sagen: “Die Mitteilung bewirkt, daß ich weiß, daß der Andre Schmerzen hat, sie bewirkt dies geistige Phänomen; alles andere ist der Mitteilung unwesentlich.” Was dieses merkwürdige Phänomen des Wissens ist – damit läßt man sich Zeit. Seelische Vorgänge sind eben merkwürdig. (Ähnlich wäre es, zu sagen: “Die Uhr zeigt uns die Zeit an – – – Was die Zeit ist, ist noch nicht entschieden; & zu welchen Zwecken wir die Zeit ablesen, das gehört nicht hierher.”)

“If I imagine something, then something probably happens!” Well, something does happen – & why then do I make such a fuss? Probably to communicate what happens. – But how does one communicate something at all? When does one say that something is communicated? – What is the language-game of communication? I would like to say: You take it for granted that one can communicate something to someone. That is: we are so accustomed to communication through speech, in conversation, that it seems to us that the whole point of communication lies in this: that another person grasps the sense of the words (an ethereal thing); as if absorbing it into the brain. If he then does something with it, that no longer belongs to the direct purpose of language. One might say: “The communication causes me to know that the other has pain, it causes this mental phenomenon; everything else is immaterial to the communication.” What this remarkable phenomenon of knowledge is – one takes one's time with that. Mental processes are indeed remarkable. (It would be similar to say: “The clock shows us the time – – – What time is, is not yet decided; & for what purposes we read the time, that does not belong here.”)

§

50[2] &
51[1]

Wie ist es nun z.B. mit dem Worte “rot” – soll ich sagen, dies bezeichne etwas ‘uns Allen Gegenüberstehendes’, & Jeder sollte eigentlich außer diesem Wort noch eines haben zur Bezeichnung seiner eigenen Empfindung von Rot? Oder ist es so: das Wort “rot” bezeichnet etwas uns gemeinsam Bekanntes; & für Jeden, außerdem, etwas nur ihm Bekanntes? (Oder vielleicht besser: es bezieht sich auf etwas nur ihm bekanntes.)

How is it, for example, with the word “red” – should I say that this designates something ‘facing us all,’ and that everyone should actually have another word to designate his own sensation of red? Or is it like this: the word “red” designates something that is familiar to us all; and for everyone, in addition, something that is only familiar to him? (Or perhaps better: it refers to something that is only familiar to him.)

§

51[2]

Das Wesentliche am privaten Erlebnis ist eigentlich nicht, daß jeder sein eigenes Exemplar besitzt, sondern daß Keiner weiß, ob der Andre auch dies hat, oder etwas anderes. Es wäre z.B. die Annahme möglich – wenn auch nicht zu verifizieren – ein Teil der Menschheit habe die eine Rotempfindung, ein anderer Teil eine andere.

The essential thing about private experience is not actually that everyone has his own copy, but that no one knows whether the other person also has this, or something else. For example, it would be possible to assume – although not verifiable – that one part of humanity has one visual impression of red, and another part has another.

§

51[3] &
52[1]

Schau auf das Blau des Himmels, & sag' zu Dir selbst: “Wie blau der Himmel ist!” – Wenn Du es spontan tust – nicht mit philosophischen Absichten – so kommt es Dir nicht in den Sinn, dieser Farbeneindruck gehöre nur Dir. Und Du hast kein Bedenken, diesen Ausruf an einen Andern zu richten. Und wenn Du bei den Worten auf etwas zeigst, so ist es der Himmel. Ich meine: Du hast nicht das Gefühl des in-Dich-selber-Zeigens, das oft das ‘Benennen der Empfindung’ begleitet, wenn man über die ‘private Sprache’ nachdenkt. Du denkst auch nicht, Du solltest eigentlich nicht mit der Hand, sondern nur mit der Aufmerksamkeit auf die Farbe zeigen. (Überlege, was es heißt “mit der Aufmerksamkeit auf etwas zeigen”.)

Look at the blue of the sky and say to yourself: “How blue the sky is!” – If you do it spontaneously – not with philosophical intentions – then it does not occur to you that this color impression belongs only to you. And you have no hesitation in addressing this exclamation to another person. And if you point to something with the words, it is the sky. I mean: you do not have the feeling of pointing inwards, that often accompanies the ‘naming of the sensation’ when one thinks about the ‘private language.’ You also do not think that you should actually point to the color not with the hand, but only with attention. (Consider what it means to “point with attention at something.”)

§

52[2] &
53[1]

Es hilft uns natürlich nichts zum Begreifen der Funktion des Wortes “rot”, zu sagen, es ‘beziehe sich auf’, statt ‘es bezeichne’ das Private; aber es ist der psychologisch treffendere Ausdruck für ein bestimmtes Erlebnis beim Philosophieren. Es ist, als werfe ich beim Aussprechen des Worts einen Seitenblick auf die eigene Empfindung, gleichsam um mir zu sagen, ich wisse schon, was ich damit meine.

It certainly doesn't help us to understand the function of the word “red” to say that it “refers to” the private, rather than “designating” it; but it is the more psychologically accurate expression for a particular experience when philosophizing. It is as if, when uttering the word, I cast a sidelong glance at my own sensation, as if to say to myself, I already know what I mean by it.

§

53[2] &
54[1]

“Aber kommt, was Du sagst, nicht darauf hinaus, es gebe keinen Schmerz ohne Schmerzbenehmen?” – Es kommt darauf hinaus: man könne nur vom lebenden Menschen, & was ihm ähnlich ist (sich ähnlich benimmt) sagen, es habe Empfindungen; sehe; sei blind; höre; sei taub; sei bei Bewußtsein; oder bewußtlos.

“But doesn’t what you say amount to the claim that there is no pain without pain-behaviour?” – It does amount to that: one could only say of a living person, and of something similar to it (something that behaves similarly), that it has sensations; that it sees; that it is blind; that it hears; that it is deaf; that it is conscious; or unconscious.

§

54[2] &
53[1]

“Aber im Märchen kann doch auch der Topf sehen & hören!” (Gewiß; aber er kann auch sprechen.) “Aber das Märchen erdichtet doch nur, was nicht der Fall ist; es spricht doch nicht Unsinn. – Das ist so einfach nicht. Ist es Unwahrheit, oder Unsinn, zu sagen, ein Topf rede? Macht man sich ein klares Bild davon, unter welchen Umständen wir von einem Topf sagen würden, er rede? (Auch ein Unsinngedicht ist nicht Unsinn in der Weise, wie das Lallen eines Kindes.) Ja; wir sagen von Leblosem, es habe Schmerzen: im Spiel mit Puppen z.B. Aber diese Verwendung des Schmerzbegriffs ist eine sekundäre. Versuchen wir, uns den Fall vorzustellen, Leute sagten uns von Leblosem, es habe Schmerzen, bedauerten nur Puppen! (Wenn Kinder Eisenbahn spielen, hängt ihr Spiel mit ihrer Kenntnis der Eisenbahn zusammen. Es könnten aber Kinder eines Volksstammes, dem Eisenbahnen nicht bekannt sind, dies Spiel von andern übernommen haben, & es spielen, ohne zu wissen, daß damit etwas nachgeahmt wird. Man könnte sagen, dies Spiel habe für sie nicht den gleichen Sinn, wie für uns.)

“But in a fairy tale, can’t the pot also see & hear?” (Certainly; but it can also speak.) “But the fairy tale only invents what is not the case; it doesn’t speak nonsense. – That isn’t so simple. Is it falsehood, or nonsense, to say that a pot speaks? Does one form a clear picture of the circumstances under which one would say that a pot speaks? (Even a nonsensical poem is not nonsense in the same way as the babbling of a child.) Yes; we say of inanimate things that they are in pain: in play with dolls, for example. But this use of the concept of pain is secondary. Let us try to imagine the case of people saying to us that inanimate things are in pain, lamenting only dolls! (When children play trains, their play is connected with their knowledge of trains. But children of a tribe that is not familiar with trains could have taken over this play from others, & play it without knowing that something is being imitated. One could say that this play does not have the same sense for them as it does for us.)

§

55[2] &
56[1]

Schau einen Stein an & denk' Dir er hat Empfindungen! Man sagt sich: Wie könnte man auch nur auf die Idee kommen einem Ding eine Empfindung zuzusprechen? Man könnte sie ebensogut einer Zahl zuschreiben. – Und nun schau auf eine zappelnde Fliege & sofort ist diese Schwierigkeit verschwunden & der Schmerz scheint hier angreifen zu können, wo früher alles gegen ihn, sozusagen, glatt war. Und so scheint uns auch ein Leichnam dem Schmerz gänzlich unerreichbar! – Unsere Einstellung zum Lebenden ist nicht die zum Toten. Alle unsere Reaktionen sind verschieden. Sagt Einer: Das kann nicht einfach daran liegen, daß das Lebendige sich so & so bewegt und das Tote nicht”, so will ich ihm bedeuten, hier liege ein Fall des Übergangs ‘von der Quantität zur Qualität’ vor.

Look at a stone and imagine that it has sensations! One says to oneself: how could one even come up with the idea of ascribing a sensation to a thing? One could just as easily ascribe it to a number. – And now look at a wriggling fly, and immediately this difficulty disappears, and pain seems to be able to take hold here, where previously everything was, as it were, smooth against it. And so, a corpse also seems completely inaccessible to pain! – Our attitude towards the living is not the same as towards the dead. All our reactions are different. If someone says that this cannot simply be due to the fact that the living moves in this way and the dead does not, I want to point out to him that this is a case of the transition ‘from quantity to quality’.

§

56[2]

Denke an das Erkennen des Gesichtsausdrucks; die Beschreibung des Gesichtsausdrucks, die nicht darin besteht, daß man die Maße des Gesichts angibt! Denke auch daran, wie man das Gesicht eines Menschen nachahmen kann, ohne das eigene dabei im Spiegel zu sehen.

Think of recognizing a facial expression; the description of a facial expression that does not consist in giving the measurements of the face! Also, think about how one can imitate a person’s face without looking at one’s own in the mirror.

§

56[3] &
57[1] &
58[1]

Ich erstarre zu Stein & meine Schmerzen dauern an. – Und wenn ich mich nun irrte & es nicht mehr Schmerzen wären! – Aber ich kann mich doch hier nicht irren – es heißt doch nichts, zu zweifeln, ob ich Schmerzen habe! – D.h.: wenn einer sagte “Ich weiß nicht, ist das ein Schmerz, was ich habe; oder ist es etwas anderes?” so dächten wir etwa, er wisse nicht, was das Wort “Schmerz” bedeute & würden's ihm erklären. – Wie? – Vielleicht durch Gebärden, oder indem wir ihn stächen und sagen: “Siehst Du, das ist Schmerz”. Er könnte diese Worterklärung, wie jede andre, richtig, falsch, oder gar nicht verstehen. Und welches er tut, wird er im Gebrauch des Wortes zeigen, wie auch sonst. Wenn er nun z.B. sagte “Oh, ich weiß, was ‘Schmerz’ heißt, aber ob das Schmerzen sind, was ich jetzt hier habe, das weiß ich nicht” – da würden wir bloß die Köpfe schütteln & müßten seine Worte für eine seltsame Reaktion ansehen, mit der wir nichts anzufangen wissen. (Es wäre etwa, wie wenn wir jemand, im Ernste, sagen hörten: “Ich erinnere mich deutlich, gerade vor meiner Geburt geglaubt zu haben, …”) Jener Ausdruck des Zweifels gehört nicht zu dem Sprachspiel. Aber wenn nun der Ausdruck der Empfindung, das menschliche Benehmen, ausgeschlossen ist, dann scheint es, ich dürfe wieder zweifeln. Daß ich hier versucht bin zu sagen, man könne die Empfindung für etwas anderes halten, als was sie ist, kommt daher: Wenn ich das normale Sprachspiel mit dem Ausdruck der Empfindung abgeschafft denke, brauche ich nun ein Kriterium der Identität für sie; & dann bestünde auch die Möglichkeit des Irrtums.

I become stiff as a stone & my pains continue. – And what if I am now mistaken & it is no longer pain? – But I cannot be mistaken here – it means nothing to doubt whether I have pain! – I.e.: if someone said “I don’t know if what I have is pain, or something else,” we would think that he doesn’t know what the word “pain” means & we would explain it to him. – How? – Perhaps through gestures, or by pricking him & saying: “See, that is pain.” He could understand this explanation of the word, like any other, correctly, incorrectly, or not at all. And whichever he does, he will show it in the use of the word, as he does otherwise. If, for example, he said “Oh, I know what ‘pain’ means, but whether this is pain that I have here, I don’t know” – we would just shake our heads & have to regard his words as a strange reaction, with which we do not know what to do. (It would be something like hearing someone, seriously, say: “I remember clearly that, just before my birth, I believed that …”) This expression of doubt does not belong to the language-game. But if the expression of sensation, of human behaviour, is now excluded, then it seems as if I may doubt again. The fact that I am trying to say here that one can take sensation to be something other than what it is comes from this: if I imagine that I have abolished the normal language-game with the expression of sensation, then I need a criterion of identity for it; & then the possibility of error would also arise.

§

58[2] &
59[1] &
60[1]

Wenn ich von mir selbst sage, ich wisse nur vom eigenen Falle, was das Wort “Schmerz” bedeutet, muß ich das nicht auch von den Andern sagen? Und wie kann ich denn den einen Fall in so unverantwortlicher Weise verallgemeinern? – Nun, ein Jeder sagt es mir von sich, er wisse nur von sich selbst, was Schmerzen seien! – Angenommen, es hätte Jeder eine Schachtel, darin wäre etwas, was wir “Käfer” nennen. Niemand kann je in die Schachtel des Andern schauen; & jeder sagt, er wisse nur vom Anblick seines Käfers, was ein Käfer ist. Da könnte es ja sein, daß Jeder ein anderes Ding in seiner Schachtel hätte. Ja, man könnte sich vorstellen, daß sich ein solches Ding fortwährend veränderte. – Aber wenn nun das Wort “Käfer” dieser Leute doch einen Gebrauch hätte? – so wäre er nicht den der Bezeichnung eines Dings. Das Ding in der Schachtel gehört überhaupt nicht zum Sprachspiel, auch nicht einmal als ein Etwas: denn die Schachtel könnte auch leer sein. – Nein; durch dieses Ding in der Schachtel kann ‘gekürzt’ werden; es hebt sich weg, was immer es ist. Das heißt: Wenn man die Grammatik des Ausdrucks der Empfindung nach dem Muster, von ‘Gegenstand & Bezeichnung’ konstruiert, dann fällt der Gegenstand als irrelevant aus der Betrachtung heraus.

If I say of myself that I only know from my own case what the word “pain” means, must I not also say that of others? And how can I generalize from the one case in so irresponsible a way? – Well, everyone says to me that he only knows from himself what pain is! – Suppose everyone had a box in which there was something that we call a “beetle.” No one can look inside another’s box; & each says that he knows only what is in his own box. It could be that each one has a different thing in his box. Yes, one could imagine that this thing changes continuously. – But if the word “beetle” has a use for these people, is it not the use of designating a thing? The thing in the box does not belong to the language-game at all, not even as an something: for the box could also be empty. – No; the thing in the box can be ‘shortened’; it is removed, whatever it is. That is to say: if one constructs the grammar of the expression of sensation according to the pattern of ‘object & designation,’ then the object falls out of the consideration as irrelevant.

§

60[2] &
61[1]

Und was soll “Ich weiß nur vom eigenen Fall …” überhaupt für ein Satz sein? Ein Erfahrungssatz? Nein. – Ein grammatischer? Ich denke mir also: Jeder sage von sich selbst, er wisse nur vom eigenen Schmerz, was Schmerz sei. Nicht, daß die Menschen das wirklich sagen, oder auch nur bereit sind zu sagen. Aber wenn nun Jeder es sagte – nun, es könnte eine Art Ausruf sein. Und wenn er auch als Mitteilung nichtssagend ist, so ist er doch ein Bild; & warum sollten wir uns so ein Bild nicht vor die Seele rufen wollen? Denke Dir statt der Worte ein gemaltes, allegorisches Bild. Ja, wenn wir beim Philosophieren in uns schauen, bekommen wir oft gerade so ein Bild zu sehen. Förmlich, eine bildliche Darstellung unserer Grammatik. Nicht Fakten; sondern gleichsam illustrierte Redewendungen.

And what is “I only know from the own case …” supposed to be? An empirical proposition? No. – A grammatical one? I imagine that each person says of himself that he only knows from his own pain what pain is. Not that people actually say that, or are even willing to say it. But if everyone said it – well, it could be a kind of exclamation. And if it is meaningless as a communication, it is still an image; & why shouldn’t we want to conjure up such an image for ourselves? Instead of the words, imagine a painted, allegorical image. Yes, when we are philosophizing and looking into ourselves, we often see just such an image. Formally, a pictorial representation of our grammar. Not facts; but rather illustrated idioms.

§

61[2]

“Ja aber es ist doch da ein Etwas, was meinen Ausruf des Schmerzes begleitet! Und um dessentwillen ich ihn mache. Und dieses Etwas ist das, was wichtig ist, & schrecklich.” Wem sagen wir das nun und bei welcher Gelegenheit? Könnte es nicht sehr wichtig sein, daß wir das sagen wollen?!

“But there is something there that accompanies my exclamation of pain! & for the sake of which I make it. & this something is what is important & terrible.” To whom are we saying this, & on what occasion? Could it not be very important that we want to say it?!

§

61[3] &
62[1]

Daß wir so gerne sagen möchten “Das Wichtige ist das”, indem wir für uns selbst auf die Empfindung deuten – zeigt schon, wie sehr wir geneigt sind, etwas zu sagen, was keine Mitteilung ist.

The fact that we so much like to say “The important thing is that,” while pointing to the sensation for ourselves – already shows how much we are inclined to say something that is not a communication.

§

62[2]

In meinem “Es ist doch da ein Etwas …” ist schon das falsche Bild. Denn ich sagte “Etwas”, um die Möglichkeit offen zu lassen, daß es nicht immer das Gleiche sein müsse; sondern nur irgend etwas, woran sich der Schmerzensruf lehnen kann.

In my “There is something there…” the false picture already emerges. Because I said “something” in order to leave open the possibility that it doesn’t always have to be the same thing; but only something, to which the exclamation of pain can refer.

§

62[3]

“Es ist da ein Etwas …” – Das ist wirklich falsche Bescheidenheit. Warum nicht gleich sagen, es sei ein Schmerz? Es ist nicht weniger zweifellos, daß es ein Schmerz, als daß es Etwas ist.

“There is something there…” – This is truly false modesty. Why not just say that it is pain? It is no less certain that it is pain than that it is something.

§

62[4] &
63[1]

“Ich kann nur glauben, daß der Andre Schmerzen hat, aber ich weiß es, wenn ich sie habe.” – Ja, man kann sich dafür entschließen, zu sagen “Ich glaube, er hat Schmerzen” statt “Er hat Schmerzen”; & “Ich weiß, ich habe Schmerzen” statt “Ich habe Schmerzen”. Aber das ist alles. – Was hier wie eine Erklärung, oder Aussage über die seelischen Vorgänge, ausschaut, ist in Wahrheit ein Vertauschen einer Redeweise für eine andere, die, während wir philosophieren, uns die treffendere erscheint. Versuch einmal, in einem wirklichen Fall, die Angst, die Schmerzen des Andern zu bezweifeln!

“I can only believe that the other person is in pain, but I know it when I am in pain.” – Yes, one can decide to say “I believe he is in pain” instead of “He is in pain”; and “I know I am in pain” instead of “I am in pain.” But that is all. – What here looks like an explanation, or statement about the mental processes, is in reality a substitution of one way of speaking for another, which, while we are philosophizing, seems more appropriate to us. Try, in a real case, to doubt the fear, the pain of the other person!

§

63[2] &
64[1]

“Aber Du wirst doch zugeben, daß ein Unterschied ist, zwischen Schmerzbenehmen mit Schmerzen & Schmerzbenehmen ohne Schmerzen.” – Zugeben? Welcher Unterschied könnte größer sein! – “Und doch gelangst Du immer wieder zum Ergebnis, die Empfindung selbst sei ein Nichts.” – Nicht doch. Sie ist kein Etwas, aber auch nicht ein Nichts! Das Ergebnis war nur, daß ein Nichts die gleichen Dienste täte, wie ein Etwas, worüber sich nichts aussagen läßt. Wir verwarfen nur die Grammatik, die sich uns aufdrängen will. Das Paradox verschwindet nur dann, wenn wir radikal mit der Idee brechen, die Sprache funktioniere immer auf eine Weise, diene immer dem gleichen Zweck: – Gedanken zu übertragen, – seien diese nun Gedanken über Häuser, Schmerzen, Gut & Böse, oder was immer.

“But you will surely admit that there is a difference between pain-behaviour with pain and pain-behaviour without pain.” – Admit? What difference could be greater! – “And yet you always come to the conclusion that the sensation itself is nothing.” – Not at all. It is not something, but it is also not nothing! The result was only that nothing would serve the same purpose as something, about which nothing can be said. We have only discarded the grammar that wants to impose itself on us. The paradox only disappears when we radically break with the idea that language always functions in one way, always serves the same purpose: – to convey thoughts, – whether these are thoughts about houses, pain, good and evil, or whatever.

§

64[2] &
65[1]

Ich sage jemandem, ich habe Schmerzen. Seine Einstellung zu mir wird nun die des Glaubens sein; des Unglaubens; des Mißtrauens; u.s.w.. Nehmen wir an, er sagt: “Es wird nicht so schlimm sein.” – Ist das nicht der Beweis dafür, daß er an etwas glaubt, das hinter der Schmerzäußerung steht? – Seine Einstellung ist ein Beweis seiner Einstellung. Denke Dir nicht nur den Satz “Ich habe Schmerzen”, sondern auch die Antwort “Es wird nicht so schlimm sein” durch Naturlaute & Gebärden ersetzt!

I tell someone that I am in pain. His attitude towards me will now be that of belief; disbelief; mistrust; etc. Let us assume that he says: “It won’t be that bad.” – Isn’t that proof that he believes in something that lies behind the utterance of pain? – His attitude is proof of his attitude. Don’t just think of the sentence “I am in pain,” but also imagine the answer “It won’t be that bad” being replaced by natural sounds and gestures!

§

65[2] &
66[1]

“Welcher Unterschied könnte größer sein!” – Im Falle der Schmerzen glaube ich, ich könne mir diesen Unterschied privat vorführen. Den Unterschied aber zwischen einem nicht abgebrochenen & einem abgebrochenen Zahn kann ich Jedem vorführen. Aber zu der privaten Vorführung brauchst Du Dir gar nicht Schmerzen hervorrufen, sondern es genügt, wenn Du Dir sie vorstellst, z.B. ein wenig das Gesicht verziehst. Und wie weißt Du, daß, was Du Dir so vorführst, Schmerzen sind & nicht z.B. ein Gesichtsausdruck? Wie weißt Du auch, was Du Dir vorführen sollst, ehe Du Dir's vorführst? Diese private Vorführung ist eine Illusion.

“What difference could be greater!” – In the case of pain, I believe I can demonstrate this difference privately. But the difference between a tooth that has not been broken and a tooth that has been broken, I can demonstrate to everyone. But for the private demonstration, you don’t need to cause yourself pain, but it is enough if you imagine it, for example, by slightly contorting your face. And how do you know that what you are imagining is pain and not, for example, a facial expression? How do you know what you should imagine before you imagine it? This private demonstration is an illusion.

§

66[2] &
67[1]

Aber sind die Fälle des Zahnes & der Schmerzen nicht doch wieder ähnlich? Denn dem Gesichtsbild im einen entspricht die Schmerzempfindung im andern. Die Gesichtsempfindung kann ich mir so wenig vorführen, oder so gut, wie die Schmerzempfindung. Denken wir uns diesen Fall: Die Oberflächen der Dinge, die uns umgeben (Steine, Pflanzen, etc. etc.) hätten Flecken & Zonen, die unsrer Haut bei der Berührung Schmerz verursachten (etwa durch die chemische Beschaffenheit dieser Oberflächen; aber das brauchen wir nicht zu wissen). Wir würden nun, so, wie heute von einem rotgefleckten Blatt einer bestimmten Pflanze, von einem Blatt mit Schmerzflecken reden. Ich denke mir, daß die Wahrnehmung dieser Flecken & ihrer Gestalt für uns von Nutzen wäre, daß wir aus ihr Schlüsse auf wichtige Eigenschaften der Dinge ziehen könnten.

But are the cases of the tooth and the pain not similar after all? For the visual image in one corresponds to the sensation of pain in the other. I can no more demonstrate the facial sensation, or as well, as I can the sensation of pain. Let us imagine this case: The surfaces of the things that surround us (stones, plants, etc., etc.) had spots and zones that caused pain to our skin when touched (perhaps through the chemical composition of these surfaces; but we don’t need to know that). We would then, as today, speak of a red-spotted leaf of a certain plant, of a leaf with pain spots. I imagine that the perception of these spots and their shape would be useful to us, that we could draw conclusions about important properties of things from it.

§

67[2]

Ich kann Schmerzen vorführen, wie ich Rot vorführe, und wie ich gerade und krumm und Baum und Stein vorführe. – Das nennen wir eben “vorführen”.

I can demonstrate pain as I demonstrate red, and as I demonstrate straight and curved, and tree and stone. – We simply call that “demonstration.”

§

67[3]

Ich identifiziere meine Empfindung freilich nicht nach Kriterien, sondern ich gebrauche den gleichen Ausdruck. Aber damit endet ja das Sprachspiel nicht; damit fängt es an. Aber fängt es nicht mit der Empfindung an – die ich beschreibe? – Das Wort “beschreiben” hat uns da vielleicht zum besten. Ich sage “Ich beschreibe meinen Seelenzustand” & “Ich beschreibe meinen Tisch”. Man muß sich die Verschiedenheiten der Sprachspiele in's Gedächtnis rufen.

I certainly don’t identify my sensation by means of criteria, but I use the same expression. But that doesn’t mean the language-game ends there; it begins there. But doesn’t it begin with the sensation – the one I describe? – Perhaps the word “describe” is what helps us most here. I say “I describe my state of mind” & “I describe my table.” One must keep in mind the differences between language-games.

§

67[4] &
68[1]

Könnte der das Wort “Schmerz” verstehen, der nie Schmerz gefühlt hat? – Soll die Erfahrung mich lehren, ob es so ist, oder nicht? – Und wenn Du sagst “Einer kann sich Schmerzen nicht vorstellen, außer er hat sie einmal gefühlt” – woher weißt Du das? Wie läßt sich entscheiden, ob das wahr ist?

Could someone understand the word “pain” who has never felt pain? – Should experience teach me whether that is the case or not? – And if you say “One cannot imagine pain except by having felt it once” – how do you know that? How can it be decided whether that is true?

§

68[2]

Es zeigt ein fundamentales Mißverständnis an, wenn ich meinen gegenwärtigen Zustand der Kopfschmerzen zu betrachten geneigt bin, um über das philosophische Problem der Empfindung ins Klare zu kommen.

It reveals a fundamental misunderstanding if I am inclined to consider my present state of headache in order to clarify the philosophical problem of sensation.

§

68[3] &
69[1]

Um über die Bedeutung des Wortes “denken” klar zu werden, schauen wir uns selbst beim Denken zu: Was wir da beobachten, werde das sein, was das Wort bedeutet! Aber so wird dieses Wort eben nicht gebraucht. (Es wäre ähnlich, wenn ich, ohne Kenntnis des Schachspiels, durch genaues Beobachten des letzten Zuges einer Schachpartie herausbringen wollte, was das Wort “mattsetzen” bedeutet.)

In order to become clear about the meaning of the word “thinking,” let us observe ourselves while thinking: what we observe will be what the word means! But that is not how this word is actually used. (It would be similar if, without knowledge of chess, I were to try to understand what the word “checkmate” means by carefully observing the last move of a chess game.)

§

69[2]

Wäre es denkbar, daß Menschen nie eine hörbare Sprache sprächen, wohl aber eine im Innern zu sich selber?

Is it conceivable that people would never speak an audible language, but would have one internally, to themselves?

§

69[3] &
70[1]

Befehle werden manchmal nicht befolgt. Aber wie würde es aussehen, wenn Befehle nie befolgt würden?

Commands are sometimes not obeyed. But what would it look like if commands were never obeyed?

§

70[2] &
71[1]

Wenn wir sprechen, oder schreiben (ich meine nicht gedankenlos), so werden wir, im allgemeinen, nicht sagen, wir dächten schneller, als wir sprechen; sondern der Gedanke erscheint hier vom Ausdruck nicht abgelöst. Anderseits aber redet man von der Schnelle des Gedankens, wie ein Gedanke uns blitzartig durch den Kopf geht, wie Probleme uns mit einem Schlage klar werden, etc.. Da liegt es nahe, sich zu fragen: geschieht beim blitzartigen Denken das gleiche wie beim denkenden Sprechen, nur äußerst beschleunigt? So daß also im ersten Fall das Uhrwerk gleichsam mit einem Ruck abschnurrt, das im zweiten, durch die Sprache gehemmt, Schritt für Schritt zu Ende läuft?

When we speak or write (I don’t mean thoughtlessly), we generally don’t say that we think faster than we speak; rather, the thought here is not detached from the expression. On the other hand, one speaks of the speed of thought, how a thought flashes through our minds, how problems become clear to us in an instant, etc. It is tempting to ask: does the same thing happen in rapid thinking as in thoughtful speaking, only extremely accelerated? So that in the first case, the mechanism, as it were, runs through with a jerk, which in the second, inhibited by language, runs to its end step by step?

§

71[2]

Ich kann in demselben Sinn blitzartig einen Gedanken vor mir sehen, oder verstehen, wie ich ihn mit wenigen Worten, oder Strichen notieren kann. Was macht diese Notiz zu einer Zusammenfassung dieses Gedankens?

I can, in the same sense, suddenly see or understand a thought before me, as I can note it with a few words or strokes. What makes this note a summary of this thought?

§

71[3] &
72[1]

Der blitzartige Gedanke kann sich zum ausgesprochenen verhalten, wie die algebraische Formel zu einer Zahlenfolge, die ich aus ihr entwickle. Wird mir irgendeine algebraische Funktion gegeben, so bin ich sicher ich werde ihre Werte für die ganzzahligen Argumente [unreadable] 1 bis 10 berechnen können. Man wird diese Sicherheit ‘wohlbegründet’ nennen, denn ich habe gelernt, solche Funktionen zu berechnen, u.s.w.. In andern Fällen wird sie nicht begründet sein, aber durch den Erfolg dennoch gerechtfertigt.

The sudden thought can relate to the expressed thought as the algebraic formula relates to the sequence of numbers that I derive from it. If any algebraic function is given to me, I am certain that I can calculate its values for the integer arguments [unreadable] 1 to 10. This certainty will be called “well-founded,” because I have learned to calculate such functions, etc. In other cases, it will not be justified, but it will be justified by success.

§

72[2] &
73[1]

“Jetzt weiß ich weiter!” ist ein Ausruf. Er entspricht einem Naturlaut; einem freudigen Aufzucken. Aus meiner Empfindung folgt natürlich nicht, daß ich auch wirklich weiter kann, & nicht steckenbleibe, sowie ich versuche weiter zu gehen. Es gibt (da) Fälle, in denen ich sagen werde: “Als ich sagte, ich wisse weiter, da war es wahr.” Das wird man z.B. sagen, wenn eine unvorhergesehene Störung eingetreten ist. Aber das Unvorhergesehene durfte nicht einfach das sein, daß ich stecken blieb. Es wäre auch denkbar, daß Einer immer wieder Scheinerleuchtungen hätte & ausriefe ‘Jetzt hab ich's!’ & es dann nie durch die Tat rechtfertigen könnte. Es könnte ihm scheinen, als vergäße er augenblicklich wieder die Bedeutung des Bildes, das ihm vorschwebte.

“Now I know what to do!” is an exclamation. It corresponds to a natural sound; a joyful jump. It does not follow from my sensation that I can actually go on and not get stuck, as I try to go on. There are cases in which I will say: “When I said I knew what to do, it was true.” This is what one would say, for example, if an unforeseen disturbance occurred. But the unforeseen thing must not simply be that I got stuck. It is also conceivable that someone would have repeated false hopes and exclaim “Now I’ve got it!” and then never be able to justify it with an action. It might seem as if he immediately forgets the meaning of the image that is in his mind.

§

73[2] &
74[1]

Jemand könnte sagen, es handle sich hier um Induktion & ich sei so sicher, daß ich die Reihe werde fortsetzen können, wie ich es bin, daß dieses Buch zur Erde fallen wird, wenn ich es auslasse; & ich wäre nicht erstaunter, wenn ich plötzlich ohne offenbare Ursache im Entwickeln der Reihe steckenbliebe, als ich es wäre, wenn das Buch, statt zu fallen, in der Luft schweben bliebe. – Darauf will ich sagen, daß wir eben auch zu dieser Sicherheit keine Gründe bedürfen. Was könnte die Sicherheit mehr rechtfertigen, als der Erfolg?

Someone might say that this involves induction & that I am as certain that I will be able to continue the series as I am that this book will fall to the ground if I let it go; & I would not be more surprised if I suddenly got stuck in the process of developing the series for no apparent reason than I would be if the book, instead of falling, remained suspended in the air. – What I want to say is that we don't actually need reasons for this kind of certainty. What could justify certainty more than success?

§

74[2] &
71[1]

Wenn wir sprechen, oder schreiben (ich meine nicht gedankenlos), so werden wir, im allgemeinen, nicht sagen, wir dächten schneller, als wir sprechen; sondern der Gedanke erscheint hier vom Ausdruck nicht abgelöst. Anderseits aber redet man von der Schnelle des Gedankens, wie ein Gedanke uns blitzartig durch den Kopf geht, wie Probleme uns mit einem Schlage klar werden, etc.. Da liegt es nahe, sich zu fragen: geschieht beim blitzartigen Denken das gleiche wie beim denkenden Sprechen, nur äußerst beschleunigt? So daß also im ersten Fall das Uhrwerk gleichsam mit einem Ruck abschnurrt, das im zweiten, durch die Sprache gehemmt, Schritt für Schritt zu Ende läuft?

When we speak, or write (and I don’t mean when we think carelessly), we generally don’t say that we think faster than we speak; rather, thought here appears to be not detached from expression. On the other hand, one speaks of the speed of thought, how a thought flashes through our minds, how problems suddenly become clear to us, etc. It is tempting to ask: does the same thing happen in rapid thinking as in thinking while speaking, only at an extremely accelerated rate? So that in the first case, the mechanism, as it were, whirs off at once, while in the second, it runs to completion step by step, constrained by language.

§

74[2]

Er macht eine Berechnung im Kopf. Das Ergebnis verwendet er, sagen wir, im Bau einer Brücke, oder Maschine. – Willst Du sagen, er habe diese Zahl eigentlich ohne Berechnung gefunden? Sie sei ihm etwa, nach einer Art Träumerei, in den Schoß gefallen? Es mußte doch da gerechnet werden, & ist gerechnet worden. Denn er weiß, daß, & wie, er gerechnet hat; & das richtige Resultat wäre ohne Rechnung nicht erklärbar. – Wie aber, wenn ich sagte: “Es kommt ihm vor, er habe gerechnet. Und warum soll sich das richtige Resultat erklären lassen? Ist es nicht unverständlich genug, daß er ohne ein Wort, oder ein Schriftzeichen, rechnen konnte?”

He does a calculation in his head. He uses the result, let’s say, in building a bridge or a machine. – Do you want to say that he actually found this number without calculation? That it somehow, after a sort of daydreaming, fell into his lap? There must have been calculation, & it was done. Because he knows that, & how, he calculated; & the correct result would be inexplicable without calculation. – But what if I said: “It seems to him that he calculated. And why should the correct result be explainable? Isn't it strange enough that he could calculate without a word or a written sign?”

§

74[3] &
75[1]

Ist das Rechnen im Kopf in gewissem Sinne unwirklicher, als das auf dem Papier? Es ist das wirkliche – Rechnen im Kopf. – Ist es ähnlich dem Rechnen auf dem Papier? – Ich weiß nicht, ob ich es ähnlich nennen soll. Ist ein Stück weißes Papier mit schwarzen Strichen drauf einem menschlichen Körper ähnlich?

Is calculating in one’s head in some sense more unreal than calculating on paper? It is the real – calculation in one’s head. – Is it similar to calculating on paper? – I don’t know if I should call it similar. Is a piece of white paper with black lines on it similar to a human body?

§

75[2]

Spielen der Sultan und Recha im “Nathan” eine wirkliche Schachpartie? – Freilich. Sie geben nicht bloß vor, eine zu spielen (wie es wohl in einem Stücke geschehen könnte). – Aber diese Partie hat doch z.B. keinen Anfang! – Doch; – wie eben jede richtige Schachpartie.

In “Nathan,” do the Sultan and Recha play a real game of chess? – Of course. They don’t just pretend to play one (as might happen in a play). – But this game doesn’t have a beginning, for example! – But it does; – just like any real game of chess.

§

75[3] &
76[1]

Ist das Rechnen im Kopf unwirklicher, als das Rechnen auf dem Papier? – Man ist vielleicht geneigt, so etwas zu sagen; kann sich aber auch zur gegenteiligen Ansicht bringen, indem man sich sagt, Papier, Tinte, etc. seien nur logische Konstruktionen. “Ich habe die Multiplikation … im Kopfe ausgeführt” – glaube ich etwa so eine Aussage nicht? – Aber war es wirklich eine Multiplikation? – Es war nicht bloß ‘eine’ Multiplikation, sondern diese – im Kopfe. Dies ist der Punkt, an dem ich irre gehe. Denn ich will jetzt sagen: es war irgend ein, dem Multiplizieren auf dem Papier entsprechender, geistiger Vorgang. So daß es Sinn hätte zu sagen: “Dieser Vorgang im Geiste entspricht diesem Vorgang auf dem Papier.” Und es hätte dann Sinn von einer Methode der Abbildung zu reden, nach welcher die Vorstellung des Zeichens das Zeichen selbst darstellt.

Is calculating in one’s head more unreal than calculating on paper? – One might be inclined to say so; but one can also be brought to the opposite view by saying that paper, ink, etc., are merely logical constructions. “I carried out the multiplication… in my head” – do I not believe such a statement? – But was it really a multiplication? – It was not just ‘a’ multiplication, but this – in one’s head. This is the point where I go wrong. Because I now want to say: it was some mental process that corresponds to multiplying on paper. So that it would make sense to say: “This process in the mind corresponds to this process on paper.” And it would then make sense to speak of a method of depiction, according to which the image of the sign represents the sign itself.

§

76[2] &
77[1]

Hier möchte man wieder fragen: “Wie ist das, – was geht da vor, wenn Einer im Kopfe rechnet?” Und im besondern Fall kann die Antwort sein: “Ich addierte zuerst 17 und 18, dann subtrahierte ich 39 ….” Aber das ist nicht die Antwort auf unsre Frage. Was es heißt, im Kopfe rechnen, wird auf solche Weise nicht erklärt.

Here, one would again like to ask: “How is that, – what is going on when someone calculates in his head?” And in the particular case, the answer could be: “I first added 17 and 18, then I subtracted 39….” But this is not the answer to our question. What it means to calculate in one’s head is not explained in this way.

§

77[2]

Wäre es denkbar, daß Einer im Kopfe rechnen lernte, ohne je schriftlich oder mündlich zu rechnen? – “Es lernen” heißt wohl: dazu gebracht werden, daß man's kann. Es fragt sich nur, was als Kriterium dafür gelten wird, daß jemand es kann. Ist aber auch dies möglich, daß einem Volke nur das Kopfrechnen bekannt ist & kein andres? Hier muß man sich fragen: “Wie wird das aussehen?” – Man wird sich dies also, als einen Grenzfall, ausmachen müssen, & sich dann fragen: ob wir hier noch den Begriff des ‘Kopfrechnens’ anwenden wollen, oder ob er unter solchen Umständen seine Pointe (für uns) verloren hat.

Would it be conceivable that one could learn to calculate in one's head without ever calculating in writing or orally? – “To learn” probably means: to be brought to the point where one can do it. The question is only what will be accepted as the criterion for whether someone can do it. But is it also possible that only mental calculation is known to a people and no other form? Here one must ask oneself: “What would that look like?” – One must therefore identify this as a borderline case and then ask oneself: whether we still want to apply the concept of ‘mental calculation’ here, or whether it has lost its point (for us) under such circumstances.

§

77[3] &
78[1] &
79[1]

“Aber warum traust Du Dir selbst sowenig? Du weißt doch sonst immer, was “rechnen” heißt. Wenn Du also sagst, Du habest in der Vorstellung gerechnet, so wird es eben auch so sein. Hättest Du nicht gerechnet, so würdest Du's nicht sagen. Ebenso, – wenn Du sagst, daß Du etwas Rotes in der Vorstellung siehst, so wird es eben rot sein. Du weißt ja sonst was “rot” ist. – Und weiter: Du verläßt Dich ja nicht immer auf die Übereinstimmung mit den Andern; denn oft berichtest Du, Du habest etwas gesehen, was niemand andrer gesehen hat.” Aber ich traue mir ja; ich sage ja ohne Bedenken, ich habe dies im Kopf gerechnet, eine Farbe mir vorgestellt. Nicht das ist die Schwierigkeit, daß ich zweifle, ob ich mir wirklich etwas Rotes vorgestellt habe. Sondern dies: Wenn die Vorstellung ein Abbild der Wirklichkeit ist, – kann ich da die Frage stellen: “Wie muß eine richtige Vorstellung dieser Farbe aussehen”, oder “Wie muß sie beschaffen sein“? Kann ich das lernen? Der tiefe Aspekt entschlüpft leicht.

Ich schaue Einen an & denke mir “Das muß schwer sein, zu lachen, wenn man solche Schmerzen hat”, & viel dergleichen. Ich spiele gleichsam eine Rolle, ‘tue’, als hätten die Andern Schmerzen.

“But why do you trust yourself so little? You always know what ‘calculating’ means. If you say that you calculated in your imagination, then it will indeed be so. If you hadn’t calculated, you wouldn’t say so. Likewise, – if you say that you see something red in your imagination, then it will indeed be red. You know what ‘red’ is. – And further: you don’t always rely on agreement with others; for often you report that you saw something that no one else saw.” But I do trust myself; I say without hesitation that I calculated this in my head, that I imagined a color. The difficulty is not that I doubt whether I really imagined something red. But this: if the imagination is a copy of reality, can I then ask: “What must a correct image of this color look like,” or “What must its nature be”? Can I learn that? The deep aspect easily escapes one.

I look at someone and think to myself, “It must be difficult to laugh when one has such pain,” and much the same. I, as it were, play a role, ‘act’ as if the others had pain.

§

80[1]

Man unterweist, z.B., Einen in der Rolle eines Theaterstücks, und sagt ihm: “Du mußt Dir vorstellen, daß dieser Mensch …”. – & man gibt ihm keine Anleitung, was er eigentlich tun soll. Darum ist auch jene Analyse nicht zur Sache.

One instructs someone, for example, in the role of a play and says to him: “You must imagine that this person…” – and one gives him no instruction as to what he actually should do. Therefore, that analysis is not relevant.

§

80[2] &
81[1]

“Aber wenn ich mir vorstelle, daß Einer, der lacht, Schmerzen hat, so stelle ich mir doch kein Schmerzbenehmen vor, denn ich sehe eben davon das Gegenteil. Was stelle ich mir also vor?” – Ich habe es schon gesagt. – Und ich stelle mir dazu nicht notwendigerweise vor, daß ich Schmerzen fühle. – “Aber wie geht es also vor sich, wenn ich mir das vorstelle?” – Wo, außerhalb der Philosophie, verwenden wir denn die Worte “Ich kann mir vorstellen, daß er Schmerzen hat”, oder “Ich stelle mir vor, …” oder “Stell Dir vor, …”? Unter was für Umständen würden wir jemand fragen: “Was ist da in Dir vorgegangen, wie Du Dir das vorgestellt hast?” – Was für eine Antwort erwarten wir uns da?

“But if I imagine that someone who is laughing has pain, then I am not imagining pain-behaviour, because I see the opposite of that. What am I imagining, then?” – I have already said it. – And I do not necessarily imagine that I am feeling pain. – “But how does it happen when I imagine this?” – In what context, outside of philosophy, do we use the words “I can imagine that he has pain,” or “I imagine,” or “Imagine…”? Under what circumstances would we ask someone: “What was going on in you, how did you imagine that?” – What kind of answer do we expect?

§

81[3]

“Aber wie geht es also vor sich, wenn ich mir das vorstelle?” – Hier ist, wie immer, der erste Fehler den wir in einer philosophischen Untersuchung machen, die Frage selbst.

“But how does it happen when I imagine this?” – Here, as always, the first mistake we make in a philosophical investigation is the question itself.

§

81[4] &
82[1] &
83[1]

Das Gefühl der Unüberbrückbarkeit der Kluft zwischen Bewußtsein & Gehirnvorgang: wie kommt es, daß das in die Betrachtungen des gewöhnlichen Lebens nicht hineinspielt? Die Idee dieser Artverschiedenheit ist mit einem leisen Schwindel verbunden; der auftritt, wenn wir logische Kunststücke ausführen. (Es ist ein Zeichen der Verwirrung, nicht der Schwierigkeit des Gegenstandes. Mengenlehre.). Wann tritt dieses Gefühl auf? Nun, wenn ich z.B. meine Aufmerksamkeit in bestimmter Weise auf mein Bewußtsein lenke & mir dabei sage: dies solle durch einen Gehirnvorgang erzeugt werden! indem ich mir gleichsam an die Stirne greife. – Aber was kann das heißen “Meine Aufmerksamkeit auf mein Bewußtsein lenken”? Es ist doch nichts merkwürdiger, als das es so etwas gibt! Was ich so nannte (denn diese Worte werden ja im gewöhnlichen Leben nicht gebraucht) war ein Akt des Schauens. Ich schaute steif vor mich hin, aber nicht auf irgend einen bestimmten Punkt, oder Gegenstand. Meine Augen waren weit offen, meine Brauen nicht zusammengezogen – wie sie es meistens sind, wenn ein bestimmtes Objekt mich interessiert. Kein solches Interesse war dem Schauen vorangegangen. Mein Blick war ‘vakant’, oder ähnlich dem eines Menschen, der die Beleuchtung des Himmels bewundert und das Licht eintrinkt. Bedenk' nun, daß an dem Satz, den ich als Paradox aussprach – dies werde durch einen Gehirnvorgang erzeugt – gar nichts Paradoxes war. Ich hätte ihn während eines Experiments aussprechen können, dessen Zweck es war, zu zeigen, der Beleuchtungseffekt den ich sehe, werde durch die Erregung einer bestimmten Gehirnpartie erzeugt.. – Aber ich sprach den Satz nicht in der Umgebung aus, in welcher er einen alltäglichen & nicht-paradoxen Sinn gehabt hätte. Und meine Aufmerksamkeit war nicht von der Art, die dem Experiment gemäß gewesen wäre. (Mein Blick wäre dann ‘intent’, nicht ‘vakant’ gewesen.)

The feeling of the unbridgeable gap between consciousness & brain process: how does it come about that this does not enter into the considerations of everyday life? The idea of this kind of difference is associated with a slight dizziness; which occurs when we perform logical tricks. (It is a sign of confusion, not of the difficulty of the subject. Set theory.) When does this feeling occur? Well, when I, for example, direct my attention in a certain way to my consciousness & tell myself: this is to be produced by a brain process! as if I were touching my forehead. – But what can it mean to “direct my attention to my consciousness”? It is after all nothing more remarkable than the fact that such a thing exists! What I called that (because these words are not used in everyday life) was an act of looking. I looked straight ahead, but not at any particular point or object. My eyes were wide open, my eyebrows not furrowed – as they usually are when a particular object interests me. No such interest preceded the looking. My gaze was ‘vacant’, or similar to that of a person who admires the illumination of the sky and absorbs the light. Now, consider that in the sentence that I uttered as a paradox – this is produced by a brain process – there was nothing paradoxical about it. I could have uttered it during an experiment whose purpose was to show that the illumination effect that I see is produced by the excitation of a particular part of the brain. – But I did not utter the sentence in the environment in which it would have had an everyday & non-paradoxical meaning. And my attention was not of the kind that would have been appropriate for the experiment. (My gaze would then have been ‘intent’, not ‘vacant’.)

§

84[1]

Hier haben wir einen Fall von Introspektion; nicht unähnlich derjenigen, durch welche W. James herausbrachte das ‘Selbst’ bestehe hauptsächlich aus ‘peculiar motions in the head & between the head & throat’. Und was die Introspektion James' zeigte, war nicht die Bedeutung des Wortes ‘Selbst’ (sofern dies etwas ähnliches bedeutet, wie ‘Person’, ‘Mensch’, ‘er selbst’, ‘ich selbst’) noch eine Analyse eines solchen Wesens, sondern den Aufmerksamkeitszustand eines Philosophen, der sich das Wort ‘Selbst’ vorspricht & seine Bedeutung analysieren will. (Und daraus ließe sich vieles lernen.)

Here we have a case of introspection; not unlike the one through which W. James brought out that the ‘self’ consists mainly of ‘peculiar motions in the head & between the head & throat’. And what James' introspection showed was not the meaning of the word ‘self’ (insofar as this means something similar to ‘person’, ‘human being’, ‘himself’, ‘myself’), nor an analysis of such a being, but the state of attention of a philosopher who says the word ‘self’ to himself & wants to analyze its meaning. (And much can be learned from this.)

§

84[2] &
85[1]

Die Menschen stimmen mit einander überein, daß sie sehen, hören, fühlen etc. (wenn auch Mancher blind & Mancher taub ist). Sie bezeugen also von sich, sie haben Bewußtsein.” Aber wie merkwürdig! wem mache ich eigentlich eine Mitteilung, wenn ich sage “Ich habe Bewußtsein”? Was ist der Zweck, mir das zu sagen, & wie kann der Andere mich verstehen? – Nun, Sätze, wie “Ich sehe”, “Ich höre”, “Ich bin bei Bewußtsein”, haben ja wirklich ihren Gebrauch. Dem Arzt sage ich “Jetzt höre ich wieder auf diesem Ohr”; dem, der mich ohnmächtig glaubt etwa: “Ich bin wieder bei Bewußtsein”, u.s.w..

People agree with each other that they see, hear, feel, etc. (although some are blind & some are deaf). They therefore testify of themselves that they have consciousness. But how strange! To whom am I actually communicating when I say “I am conscious”? What is the purpose of saying this to myself, & how can the other person understand me? – Well, sentences like “I see”, “I hear”, “I am conscious”, really have their use. I tell the doctor “Now I can hear again with this ear”; I tell the one who thinks I am unconscious: “I am conscious again”, etc.

§

85[2] &
86[1]

Beobachte ich mich also & nehme wahr, daß ich sehe, oder bei Bewußtsein bin? Und wozu überhaupt von Beobachtung reden! Warum nicht einfach sagen: “Ich nehme wahr, daß ich bei Bewußtsein bin”? – Aber wozu hier die Worte “Ich nehme wahr” – warum nicht sagen: “Ich bin bei Bewußtsein”? – Aber zeigen die Worte “Ich nehme wahr” hier nicht an, daß ich auf mein Bewußtsein aufmerksam bin? (Was doch gewöhnlich nicht der Fall ist.) – Wenn es so ist, dann sagt der Satz “Ich nehme wahr, daß …” nicht, daß ich bei Bewußtsein bin, sondern, daß meine Aufmerksamkeit so & so eingestellt sei. Aber ist es denn nicht eine bestimmte Erfahrung, die mich veranläßt, zu sagen “Ich bin wieder bei Bewußtsein”? – Welche Erfahrung? Zu welcher Situation sagen wir dies?

So do I observe myself & notice that I see, or that I am conscious? And why even talk about observation! Why not just say: “I notice that I am conscious”? – But what is the purpose of the words “I notice” here – why not say: “I am conscious”? – But do not the words “I notice” here indicate that I am paying attention to my consciousness? (Which is usually not the case.) – If that is so, then the sentence “I notice that…” does not say that I am conscious, but that my attention is set in such and such a way. But is it not a certain experience that makes me say “I am conscious again”? – Which experience? To what situation do we say this?

§

86[2]

Ist, daß ich Bewußtsein habe, eine Erfahrungstatsache? – Aber sagt man nicht vom Menschen, er habe Bewußtsein, vom Baum, oder Stein aber, sie haben keines? – Wie wäre es, wenn's anders wäre? – Wären die Menschen alle bewußtlos? – Nein; nicht im gewöhnlichen Sinne dieses Worts; aber ich, z.B., hätte nicht Bewußtsein; – wie ich's jetzt tatsächlich habe.

Is the fact that I have consciousness an empirical fact? – But don't we say that humans have consciousness, but trees or stones do not? – What if it were different? – Would all people be unconscious? – No; not in the ordinary sense of the word; but I, for example, would not have consciousness – as I actually do now.

§

86[3] &
87[1]

Aber kann ich mir nicht denken, die Menschen um mich seien Automaten, haben kein Bewußtsein, wenn auch ihre Handlungsweise die gleiche ist, wie immer? – Wenn ich mir's jetzt – allein in meinem Zimmer – vorstelle, sehe ich die Leute mit starrem Blick (etwa wie im trance) ihren Verrichtungen nachgehen – & die Idee ist vielleicht ein wenig unheimlich. – Aber nun versuch einmal im gewöhnlichen Verkehr, oder auf der Straße, an dieser Idee festzuhalten! Sag Dir z.B.: “Diese Kinder dort sind bloße Automaten; alle ihre Lebendigkeit ist bloß Schein.” Und diese Worte werden Dir entweder gänzlich nichtssagend werden; oder Du wirst in Dir etwa eine Art unheimliches Gefühl, oder dergleichen, erzeugen. Einen lebenden Menschen als Automaten sehen, ist ganz analog dem, irgend eine Figur als Grenzfall, oder Variation einer andern zu sehen, z.B. ein Fensterkreuz als Swastika.

But can I not imagine that the people around me are automata, that they have no consciousness, even if their way of acting is the same as always? – If I imagine it now – alone in my room – I see the people with a vacant look (as if in a trance) going about their business – and the idea may be a little unsettling. – But now try to hold on to this idea in ordinary conversation, or on the street! Say to yourself, for example: “These children there are mere automata; all their vitality is merely appearance.” And these words will either become completely meaningless to you; or you will create in yourself something like a kind of eerie feeling, or the like. To see a living person as an automaton is quite analogous to seeing some figure as a borderline case, or a variation of another, e.g. a window cross as a swastika.

§

87[3] &
88[1]

Es scheint uns paradox, daß wir in einem Bericht Körper- und Bewußtseinszustände kunterbunt durcheinander mischen: “Er litt große Qualen & warf sich unruhig umher.” Das ist ganz gewöhnlich; warum erscheint es mir also paradox? Weil wir sagen wollen, der Satz handle von Greifbarem & Ungreifbarem. – Aber findest Du etwas dabei, wenn ich sage: “Diese 3 Stützen geben dem Bau Festigkeit”? Sind 3 & Festigkeit greifbar? – Sieh den Satz als Instrument an, und seinen Sinn als seine Verwendung!

It seems paradoxical to us that in one account we jumble up bodily and conscious states: “He suffered great pain & tossed and turned restlessly.” That is quite ordinary; why does it seem paradoxical to me? Because we want to say that the sentence is about something tangible & something intangible. – But do you find anything wrong with me saying: “These 3 supports give the building stability”? Are 3 & stability tangible? – See the sentence as an instrument, and its sense as its use!

§

88[2]

Es ist natürlich wohl zu unterscheiden: das “& so weiter”, welches eine Abkürzung der Schreibweise ist, von dem, welches dies nicht ist. “1 + ½ + ¼ + ⅛ + … u.s.w. ad inf.” ist keine abgekürzte Schreibweise!

It is of course to be distinguished: the “and so on” which is a shortening of the writing, from the one which is not a shortening. “1 + ½ + ¼ + ⅛ + … etc. ad inf.” is not a shortened form!

§

88[3] &
89[1]

Wer uns die Sprache eines Volks beschreibt, beschreibt eine Gleichförmigkeit ihres Benehmens. Und wer eine Sprache beschreibt, die Einer mit sich allein spricht, der beschreibt eine Gleichförmigkeit seines Benehmens & nicht etwas, was sich einmal zugetragen hat. – “Eine Sprache sprechen” aber werde ich nur ein Verhalten nennen, das unserem, gleichen Namens, analog ist.

Whoever describes the language of a people, describes a uniformity of their behaviour. And whoever describes a language that one speaks to oneself, describes a uniformity of one’s behaviour and not something that happened once. – “Speaking a language,” however, I will only call a behaviour that is analogous to our, similarly named, one.

§

89[2]

Die gemeinsame menschliche Handlungsweise ist das Bezugssystem, mittels welches wir uns eine fremde Sprache deuten.

The common human way of acting is the frame of reference by means of which we interpret a foreign language.

§

89[3]

Erinnere Dich, daß wir manchmal Erklärungen fordern, nicht ihres Gehalts wegen, sondern der Form der Erklärung wegen. Unsere Forderung ist eine architektonische, & die Erklärung eine Art Scheingesims.

Remember that we sometimes demand explanations, not because of their content, but because of the form of the explanation. Our demand is an architectural one, and the explanation is a kind of mock cornice.

§

89[4]

Das Wort ohne Rechtfertigung (zu) gebrauchen, heißt nicht, es zu Unrecht gebrauchen.

To use a word without justification is not the same as using it improperly.

§

90[1]

Kannst Du Dir absolutes Gehör vorstellen, wenn Du es nicht hast? – Kannst Du es Dir vorstellen, wenn Du es hast? – Kann ein Blinder sich das Sehen vorstellen? Kann ich mir es vorstellen? Kann ich mir vorstellen, daß ich so & so spontan reagiere, wenn ich's nicht tue? Kann ich mir's besser vorstellen, wenn ich's tue?

Can you imagine absolute pitch if you don't have it? – Can you imagine it if you do have it? – Can a blind person imagine seeing? Can I imagine it? Can I imagine that I react spontaneously in such and such a way if I don't do it? Can I imagine it better if I do it?

§

90[2]

Kann ich aber das Sprachspiel spielen, wenn ich nicht so reagiere?

But can I play the language-game if I don't react in that way?

§

90[3]

Könnte man sich vorstellen, daß ein Stein Bewußtsein hätte? Und wenn's Einer kann – warum soll das nicht bloß beweisen, daß dieses Vorstellen für uns keinen Wert hat?

Could one imagine that a stone has consciousness? And if one can – why should that not simply prove that this imagining has no value for us?

§

90[4] &
91[1]

Ist denken eine Art sprechen? Man möchte sagen, es ist das, was denkendes Sprechen vom gedankenlosen unterscheidet. – Und also scheint es eine Begleitung des Sprechens zu sein. – Ein Vorgang der vielleicht auch etwas anderes begleiten, oder selbständig ablaufen kann. Sag also den Satz: “Die Feder ist wohl stumpf. Nu, nu, sie geht.” Erst denkend; dann gedankenlos; endlich denk nur den Gedanken, aber ohne die Worte. – Nun, ich könnte, im Laufe einer Tätigkeit, die Spitze meiner Feder prüfen, ein Gesicht schneiden, wie Einer der sagt, sie sei nicht besonders gut, dann mit einer Gebärde der Resignation weiterschreiben. Ich könnte auch, mit irgendwelchen Messungen beschäftigt, so handeln, daß man von mir sagen könnte, habe ohne Worte gedacht: “Sind zwei Größen einer dritten gleich, so sind sie untereinander gleich.” Aber was da vor sich geht, ist nicht das, was die Worte begleiten muß, wenn sie, nicht papageienhaft, ausgesprochen werden.

Is thinking a kind of speaking? One might say, it is what distinguishes thoughtful speaking from thoughtless speaking. – And so it seems to be an accompaniment to speaking. – A process that might also accompany something else, or that can occur independently. So say the sentence: “The pen is probably blunt. Well, well, it works.” First, thinking; then thoughtlessly; finally, just think the thought, but without the words. – Now, in the course of an activity, I could examine the tip of my pen, sketch a face, as someone might say that it is not very good, then continue writing with a gesture of resignation. I could also, while engaged in some measurements, act in such a way that one might say that I thought, without words: “If two magnitudes are equal to a third, then they are equal to each other.” But what is happening here is not what must accompany the words when they are spoken, not parrot-fashion.

§

91[2] &
92[1] &
93[1]

Denken ist kein unkörperlicher Vorgang, der dem Reden Leben & Sinn leiht, & den man vom Reden ablösen könnte, wie der Böse den Schatten Schlemihls vom Boden aufnimmt. Aber wie – “kein unkörperlicher Vorgang”? So gibt es unkörperliche Vorgänge, & das Denken ist nicht einer von ihnen? Nein; das Wort “unkörperlicher Vorgang” nahm ich mir zu Hilfe, in meiner Verlegenheit, da ich dem Wort “denken” seine Bedeutung auf primitive Weise beilegen wollte. Freilich könnte man sagen, Denken sei ein unkörperlicher Vorgang; wenn man die Grammatik des Wortes “denken” z.B. von der des Wortes “essen” unterscheiden will. Schlecht daran ist nur, daß der Unterschied der Bedeutungen nun zu gering erscheint. (Ähnlich ist es, wenn man sagt: die Zahlzeichen seien wirkliche, die Zahlen nicht wirkliche Gegenstände.) Eine schlechte Ausdrucksweise ist das sicherste Mittel, in einer Verwirrung steckenzubleiben. Sie verriegelt gleichsam den Ausweg aus ihr.

Thinking is not an incorporeal process that lends life & meaning to speech, and that one could detach from speech, as the evil spirit picks up Schlemihl's shadow from the ground. But how – “not an incorporeal process”? So there are incorporeal processes, and thinking is not one of them? No; I took the word “incorporeal process” as a crutch, in my confusion, because I wanted to ascribe a meaning to the word “thinking” in a primitive way. Of course, one could say that thinking is an incorporeal process; if one wants to distinguish the grammar of the word “thinking” from that of the word “eating,” for example. The only problem with this is that the difference in meanings now seems too small. (It is similar when one says that number signs are real, but numbers are not real objects.) A bad way of expressing oneself is the surest way to remain in a state of confusion. It locks, as it were, the way out of it.

§

93[2]

Aber ist es nicht unser Meinen, das dem Satz Sinn gibt? (Und dazu gehört natürlich: Sinnlose Wortreihen kann man nicht meinen.) Und das Meinen ist etwas im seelischen Bereich. Aber es ist auch etwas Privates! Es ist das ungreifbare Etwas; vergleichbar nur dem Bewußtsein selbst.

Wie könnte man das lächerlich machen! es ist ja, gleichsam, ein Traum unserer Sprache.

But isn’t it our meaning, that gives the sentence sense? (And this, of course, includes: one cannot mean nonsensical sequences of words.) And meaning is something in the mental realm. But it is also something private! It is the elusive something; comparable only to consciousness itself.

How could one make fun of it! It is, as it were, a dream of our language.

§

93[3] &
94[1]

Ich könnte mir denken, daß Einer sagte: “Eigentlich redet Jeder nur für sich selber. Denn auch nur er weiß, was er meint. Daß Andere [unreadable] es hören, sich danach richten, etc. sei keine eigentliche Mitteilung (mehr). Aber hätte er dann nicht sagen sollen: “Eigentlich redet Jeder nur für mich; denn ich allein weiß, was gemeint ist.” Warum aber sollte mich in der Philosophie diese psychische Erscheinung interessieren?

I could imagine someone saying: “Actually, everyone only speaks for themselves. Because only he knows what he means. That others hear it, act accordingly, etc., is no longer a real communication.” But wouldn’t he then have to say: “Actually, everyone only speaks for me; because I alone know what is meant.” But why should this psychological phenomenon interest me in philosophy?

§

94[2]

“Dadurch, daß ich den Satz meine, erhält er Leben.” Aber ich muß ihm ja ein ganz bestimmtes Leben geben, – nicht nur Leben. Einen Sinn & nicht einen andern. Wenn ich ihn meine, muß ich ihn meinen. Die Worte müssen auf ihre Bedeutungen blicken. – Aber der lebendige Blick des Wortes auf seine Bedeutung beruht auf den steten Bewegungen im Felde der Anwendung.

“By meaning the sentence, I give it life.” But I must give it a very specific life – not just life. One sense & not another. If I mean it, I must mean it. The words must refer to their meanings. – But the lively reference of the word to its meaning is based on the constant movements in the field of application.

§

94[3] &
95[1]

Wie denke ich an Jemanden? Wie ziele ich auf ihn mit einem Gewehr? Ist hier eine Ähnlichkeit? Was ist die Beziehung dieses Denkvorganges, dieser Worte, zu ihm? Ich gebrauche seinen Namen. Aber der kann der Name andrer Menschen sein, & doch denke ich nur an einen. Gefragt: “Welchen meinst Du?”, gebe ich eine Antwort. Die Antwort bestimmt dem Namen eine Anwendung. Sie wird auch vielleicht dem Andern meine Gedanken begreiflich machen, & Handlungen, zu denen sie führen. – Das Bild drängt sich uns auf, daß der Name auf diesen Menschen (der in Raum & Zeit von mir getrennt ist) hinzeigt. Und vielleicht wird man sagen, das geschehe, indem der Name sein Bild vor meine Seele führt. Aber ist dies Bild wirklich so gut getroffen? Erkenne ich das Vorstellungsbild als sein Bildnis? Und was soll das heißen?? Worin besteht es, daß ich an ihn denke? Frage Dich: “Worin besteht es, daß ich an ihn schreibe?”

How do I think of someone? How do I aim at him with a rifle? Is there a similarity here? What is the relationship of this thought process, these words, to him? I use his name. But it could be the name of other people, and yet I only think of one. Asked: “Which one do you mean?” I give an answer. The answer determines an application for the name. It will also perhaps make my thoughts comprehensible to the other, and lead to actions. – The image suggests itself that the name points to this person (who is separated from me in space & time). And perhaps one will say that this happens by the name bringing his image before my mind. But is this image really so well captured? Do I recognize the mental image as his image? And what does that mean? What is it that I think of him? Ask yourself: “What is it that I write to him?”

§

95[2] &
96[1]

Das Meinen erscheint uns wie ein Pfeil, oder wie Pfeile, – die vom Satz auf etwas weisen. Was ist das für ein seltsames Phänomen (beinahe wie eine Fieberphantasie)? Und doch ist es verständlich: Das Zeigen spielt ja bei der Erklärung der Bedeutung eine so große Rolle.

My intending seems to us like an arrow, or like arrows, pointing from the sentence to something. What is this strange phenomenon (almost like a feverish fantasy)? And yet it is understandable: after all, pointing plays such a large role in the explanation of meaning.

§

96[2] &
97[1]

[→ ] Wir sagen, wir meinen einen Satz nicht, wenn wir ihn, z.B., als bloße Sprachübung hersagen. Ich sage den Satz “Ich fühle mich nicht wohl” in einer Übersetzung aus dem Französischen; ein andermal aber als wahre, oder erlogene, Mitteilung über mein Befinden. Was geht nun beim Mitteilen vor, was es von der Sprachübung unterscheidet? – Die Umgebung des Satzes ist verschieden. – Aber das allein ist es nicht. Ich könnte mitten in einer Sprachübung jenen Satz als Mitteilung meinen & & der Andre wüßte es vielleicht nicht. Geht nun immer, wenn ich den Satz als Mitteilung ausspreche ein Gleiches (in mir) vor? sei es von welcher Art immer – Und wie begleitet es den Satz? Hüllt es ihn ein, wie eine Wolke, oder meine ich ein jedes Wort besonders? Ich bin zur ersten Antwort geneigt, & daß da ein Gefühl ist, das den Satz gleichsam gehaltvoll macht.

We say that we do not mean a sentence when we recite it, for example, as a mere linguistic exercise. I say the sentence “I don’t feel well” in a translation from French; at other times, however, as a true, or false, communication about my condition. What is happening in the communication that distinguishes it from the linguistic exercise? – The environment of the sentence is different. – But that alone is not it. I could, in the middle of a linguistic exercise, mean that sentence as a communication, and the other person might not know it. Is there always something the same (in me) whenever I utter the sentence as a communication – of whatever kind? And how does it accompany the sentence? Does it envelop it, like a cloud, or do I intend each word individually? I am inclined to the first answer, and that there is a feeling that, as it were, gives the sentence content.

§

97[2]

Es gibt charakteristische Arten des Tonfalls& des Benehmens, charakteristische Gedanken & Gefühle für die Mitteilung; & andere für die Sprachübung. Aber Tonfall & Benehmen können im besondern Fall irreführen, & jedenfalls können sie mißdeutet werden. Könnte also ich nicht auch sie, mitsamt den Gedanken & Empfindungen, mißdeuten? – “Vielleicht die Empfindungen die Dein Benehmen in Dir hervorruft, aber natürlich nicht die zentrale Empfindung des Meinens” wird man antworten.

There are characteristic types of tone and behaviour, characteristic thoughts and feelings for communication; and others for the linguistic exercise. But tone and behaviour can be misleading in a particular case, and in any case they can be misinterpreted. Couldn’t I also misinterpret them, along with the thoughts and sensations? – “Perhaps the sensations that your behaviour evokes in you, but certainly not the central sensation of intending,” one will answer.

§

97[3] &
98[1] &
99[1]

Ich kann in einem Gespräch etwas für die Ohren eines der Anwesenden sagen & absichtlich nicht auf ihn schauen; es ist sagen wir eine Anspielung auf seine Handlungsweise; ich sage sie mit einem Lächeln; oder in absichtlich unschuldigem Ton; etc. etc..– . Wenn ich nun auf ihn abziele, ihn treffen will: habe ich irgend einen Grund zu sagen, es gehe da immer das Gleiche in mir vor; etwa ein bestimmter Gedanke an ihn? Liegt, daß ich ihn meine nicht eben in der ganzen Situation? Aber kann es denn nicht auch nach allen äußern Anzeichen scheinen, als meinte ich ihn, & habe ihn doch nicht gemeint; ich dachte tatsächlich gar nicht an ihn & es schien nur durch einen Zufall so? Gewiß. – Und so ist es also doch, als ob hier die wesentliche Verbindung nicht bestanden hätte, die eben das Meinen ausmacht! Aber welche Verbindung immer ich mir als diese wesentliche vorstelle – was nützt sie mir? Was ist ihre Wichtigkeit? Was hat sie mit der Funktion des Satzes zu tun? “Als ich das sagte, dachte ich an seine Bemerkung.” Nun dann bestand hier eben darin die Verbindung.

I can say something in a conversation for the ears of one of those present and deliberately not look at him; it is, let us say, an allusion to his way of acting; I say it with a smile; or in a deliberately innocent tone; etc. etc. – If I now aim at him, want to hit him: do I have any reason to say that the same thing always happens in me; perhaps a specific thought about him? Does the fact that I mean him not lie precisely in the whole situation? But can it not also be the case that, according to all external signs, it seems as if I mean him, and yet I do not mean him; I was not actually thinking of him, and it only seemed so by chance? Certainly. – And so it is, as if the essential connection, which is precisely what constitutes intending, did not exist here! But whatever connection I imagine as this essential one – what is its use to me? What is its importance? What does it have to do with the function of the sentence? “When I said that, I was thinking of his remark.” Then the connection consisted precisely in that.

§

99[2]

Wenn die Situation zweideutig ist; ist es dann zweifelhaft, ob ich ihn meine? Bei meiner Aussage, ich habe ihn, oder habe ihn nicht gemeint, urteile ich nicht nach der Situation. Und wenn ich nun nicht nach der Situation urteile, wonach urteile ich? Scheinbar nach gar nichts. Denn ich erinnere mich wohl an die Situation, aber deute sie. Ich kann z.B. meinen Seitenblick auf ihn jetzt nachahmen, aber das Meinen erscheint als eine ganz ungreifbare, feine Atmosphäre des Sprechens & Handelns. (Ein verdächtiges Bild!)

If the situation is ambiguous, is it then doubtful whether I mean him? In my statement, I have or have not meant him; I do not judge according to the situation. And if I do not judge according to the situation, what do I judge according to? Apparently according to nothing. Because I do remember the situation, but I interpret it. I can, for example, imitate my sidelong glance at him now, but the intending appears as a completely elusive, fine atmosphere of speaking and acting. (A suspicious image!)

§

100[1]

Aber bin ich mir auch bewußt, daß ich ihn meine, während ich so spreche? Ja, das kommt drauf an – – – ich sage mir dabei nicht, daß ich ihn meine. Das sage ich erst später. Wenn ich es sage, so setze ich die angefangene Linie in bestimmter Richtung fort.

But am I also conscious that I mean him while I speak like this? Yes, that depends—I don’t tell myself at the time that I mean him. I only say that later. When I say it, I continue the line I’ve begun in a certain direction.

§

100[2]

“Als ich das sagte, wollte ich nur ihm einen Wink geben.” – Wie kann ich wissen, daß ich es nur sagte, um ihn einen Wink zu geben? Nun, diese Worte “Als ich es sagte …” beschreiben eine bestimmte uns verständliche Situation. Wie schaut die Situation aus? Um sie zu beschreiben, muß ich eine Umgebung beschreiben. “Ich hatte keinen andern Grund, das zu sagen” – das liegt in der Geschichte meiner Bemerkung.

“When I said that, I only wanted to give him a hint.” – How can I know that I only said it in order to give him a hint? Well, these words, “When I said it…”, describe a certain situation that is understandable to us. What does the situation look like? To describe it, I must describe an environment. “I had no other reason to say that” – that lies in the history of my remark.

§

100[3] &
101[1]

“Ich wollte mit dieser Bemerkung ihn treffen.” Wenn ich das höre, so kann ich mir dazu eine Situation, eine Geschichte, vorstellen. Ich könnte sie auf dem Theater darstellen, mich in den Seelenzustand versetzen, in dem ich ‘ihn treffen’ will. – Aber wie ist der Seelenzustand zu beschreiben? zu identifizieren? – Ich denke mich in die Situation hinein, nehme eine gewisse Miene & Stimme an, etc.. Was verbindet meine Worte mit ihm? Die Situation und meine Gedanken. Und meine Gedanken nicht anders als Worte, die ich ausspreche.

“I wanted to get to him with that remark.” When I hear that, I can imagine a situation, a story. I could act it out on stage, put myself in the state of mind where I want to ‘get to him.’ – But how can that state of mind be described? Identified? – I put myself in the situation, adopt a certain expression and tone of voice, etc. What connects my words to him? The situation and my thoughts. And my thoughts are nothing other than the words I speak.

§

101[2]

“Ich mußte plötzlich an ihn denken.” Sein Bild schwebte mir etwa plötzlich vor. Wußte ich, daß es sein, des N., Bild war? Ich sagte es mir nicht. Worin lag es also, daß es das seine war? Vielleicht in dem, was ich später sagte, oder tat.

“I suddenly had to think of him.” His image perhaps suddenly appeared before me. Did I know that it was the image of N.? I didn’t tell myself that. So what was it that it was his image? Perhaps in what I said or did later.

§

101[3] &
102[1]

“Er fiel mir plötzlich ein und ich sagte die Worte, indem ich an ihn dachte.” “Er schwebte mir bei diesen Worten vor.” Wie nahe muß der Zusammenhang mit ihm sein?” könnte man fragen.

“He suddenly came to mind, and I spoke the words while thinking of him.” “He floated before me as I spoke these words.” “How close must the connection to him be?” one might ask.

§

102[2]

Wie, wenn ich einmal eine scheinbar unschuldige Bemerkung mache & sie mit einem verstohlenen Seitenblick auf jemand begleite; ein andermal, vor mich hin sehend, offen über den Anwesenden rede, indem ich seinen Namen nenne – denke ich wirklich eigens an ihn, wenn ich seinen Namen gebrauche?

For instance, when I make a seemingly innocent remark and accompany it with a furtive sideways glance at someone; or another time, looking ahead, I speak openly about the person present, mentioning his name—am I really thinking specifically of him when I use his name?

§

102[3]

Wie tritt er in diese Vorgänge ein: Ich stach nach ihm, ich sprach zu ihm, ich rief ihn, ich sprach über ihn, ich stellte mir ihn vor, ich achte ihn? (Das sind natürlich grammatische Fragen.)

How does he enter into these processes: I reached out to him, I spoke to him, I called him, I spoke about him, I imagined him, I respect him? (These are, of course, grammatical questions.)

§

102[4] &
103[1]

Es ist hier ein ähnlicher Fall, wie wenn jemand sich vorstellt, man könne einen Satz mit der merkwürdigen Wortstellung der deutschen, oder lateinischen Sprache nicht einfach denken, wie er da steht. Man müsse ihn zuerst denken, & dann bringt man die Wörter in jene seltsame Ordnung. (Ein französischer Politiker schrieb einmal, es sei eine Eigenheit der französischen Sprache, daß in ihr die Worte in der Ordnung stehen, wie man sie denkt.)

It is a similar case here as when someone imagines that one cannot simply think of a sentence with the peculiar word order of German or Latin as it stands. One must first think it, and then one puts the words in that strange order. (A French politician once wrote that it is a characteristic of the French language that the words are in the order in which one thinks of them.)

§

103[2]

Aber habe ich nicht die Gesamtform des Satzes, z.B., schon an seinem Anfang beabsichtigt? Also war er mir doch schon im Geiste, ehe er noch ausgesprochen war! – Wenn er mir im Geiste war, dann, im allgemeinen, nicht mit anderer Wortstellung. Aber wir machen uns hier wieder ein irreführendes Bild vom ‘Beabsichtigen’; d.h., vom Gebrauch dieses Worts. Die Absicht ist eingebettet in der Situation, unsern Gepflogenheiten & Institutionen. Ohne die Technik des Schachspiels, so könnte ich nicht beabsichtigen, eine Schachpartie zu spielen. Soweit ich die Satzform im voraus beabsichtige, beruht das darauf, daß ich Deutsch sprechen kann.

But don’t I already have the overall form of the sentence in mind at its beginning? So wasn’t it already in my mind before it was even spoken! – If it was in my mind, then, in general, not with a different word order. But we are again creating a misleading picture of “intending”; that is, of the use of this word. The intention is embedded in the situation, our customs & institutions. Without the technique of chess, I could not intend to play a game of chess. To the extent that I intend the sentence form in advance, it is based on the fact that I can speak German.

§

103[3] &
104[1]

Ich erwarte jeden Augenblick eine Explosion. Ich bin nicht im Stande einer anderen Sache meine volle Aufmerksamkeit zu geben; schaue in ein Buch, aber ohne zu lesen. Auf die Frage, warum ich zerstreut, oder nervös scheine, sage ich, ich erwarte jeden Augenblick die Explosion. – Wie war es nun: Beschrieb dieser Satz eben jenes Verhalten? Aber wie unterscheidet sich dann der Vorgang der Erwartung der Explosion vom Vorgang der Erwartung eines ganz anderen Ereignisses, z.B. eines bestimmten Signals. Und wie unterscheidet sich die Erwartung eines Signals von der Erwartung eines etwas andern Signals? Oder war meine Handlungsweise nur Nebenerscheinung der eigentlichen Erwartung, & diese ein geistiger Vorgang? Und war dieser Vorgang homogen, oder gegliedert, wie ein Satz (mit internem Anfang & Ende)? – Wie weiß aber der, in dem er vorgeht, welches Ereignisses Erwartung der Vorgang ist. Er scheint nämlich nicht darüber im Ungewissen. Es ist nicht als konstatierte er einen seelischen, oder andern Zustand & machte eine Vermutung über dessen Ursache.

I have an expectation of an explosion at any moment. I am unable to give my full attention to anything else; I look at a book, but without reading. When asked why I seem distracted or nervous, I say I have an expectation of an explosion at any moment. – So how was it: Did this sentence just describe that behavior? But how, then, does the process of expecting an explosion differ from the process of expecting a completely different event, e.g., a specific signal? And how does the expectation of a signal differ from the expectation of a somewhat different signal? Or was my way of acting merely a side effect of the actual expectation, & was this a mental process? And was this process homogeneous, or structured, like a sentence (with an internal beginning and end)? – But how does the person in whom it takes place know which event the process is the expectation of? For he does not seem to be in the dark about it. It is not as if he were observing a mental or other state and making a conjecture about its cause.

§

105[1]

Er mag wohl sagen: “Ich weiß nicht, ist es nur diese Erwartung, die mich heute so unruhig macht”, aber er wird nicht sagen: “Ich weiß nicht, ist dieser Seelenzustand die Erwartung einer Explosion, oder von etwas anderm.”

He might say: “I don’t know if it’s just this expectation that is making me so restless today,” but he wouldn’t say: “I don’t know if this state of mind is the expectation of an explosion, or of something else.”

§

105[2]

Die Aussage “Ich erwarte jeden Moment einen Knall” ist eine Äußerung der Erwartung. Diese Wortreaktion ist der Ausschlag des Zeigers, der die Art der Erwartung anzeigt.

The statement “I expect a bang at any moment” is an expression of expectation. This verbal reaction is the swing of the pointer indicating the nature of the expectation.

§

105[3]

Und ähnlich ist es mit der Äußerung des Wunsches. Zu sagen “Ich habe Lust auf einen Apfel” heißt nicht: “Ich glaube ein Apfel wird mein Gefühl der Unbefriedigung stillen. Dieser Satz ist keine Äußerung des Wunsches, sondern der Unbefriedigung.

And it is similar with the expression of a wish. To say “I feel like an apple” does not mean: “I believe an apple will satisfy my feeling of dissatisfaction.” This sentence is not an expression of a wish, but of dissatisfaction.

§

105[4] &
106[1]

Wir sind durch eine bestimmte Abrichtung, Erziehung, so eingestellt, daß wir unter bestimmten Umständen Wunschäußerungen von uns geben. (Ein solcher ‘Umstand’ ist natürlich nicht der Wunsch.) Eine Frage, ob ich weiß, was ich wünsche, ehe mein Wunsch erfüllt ist, kann in diesem Spiele gar nicht auftreten. Und daß ein Ereignis meinen Wunsch zum Schweigen bringt, bedeutet nicht, daß es die Wunscherfüllung ist. Ich wäre vielleicht nicht befriedigt, wäre mein Wunsch befriedigt worden. Anderseits wird auch das Wort “wünschen” so gebraucht: Man sagt “Ich weiß selbst nicht, was ich mir wünsche”. Und in Hermann & Dorothea: “Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte.”

We are, through a certain training and education, conditioned in such a way that we express wishes under certain circumstances. (Such a ‘circumstance’ is, of course, not the wish itself.) The question of whether I know what I wish before my wish is fulfilled cannot arise in this game. And the fact that an event silences my wish does not mean that it is the fulfilment of the wish. I might not be satisfied if my wish were fulfilled. On the other hand, the word “to wish” is also used in such a way: One says, “I don’t even know what I wish for.” And in Hermann & Dorothea: “For wishes conceal from us even what is wished for.”

§

106[2]

Wie ein Wort funktioniert kann man nicht erraten. Man muß seine Anwendung ansehen & daraus lernen. Die Schwierigkeit aber ist, das Vorurteil zu beseitigen, das diesem Lernen entgegensteht. (Dies ist kein dummes Vorurteil.)

One cannot guess how a word works. One must observe its application and learn from it. The difficulty, however, lies in dispelling the prejudice that stands in the way of this learning. (This is not a foolish prejudice.)

§

106[3] &
107[1]

Ich erwarte zwei Leute A & B. Ich sage vor mich hin “Wenn er doch nur käme!” – Jemand fragt mich “Wen meinst Du?” – Ich sage: “Ich habe an den A gedacht.” – Ein andermal aber antworte ich: “Ich habe an ein Gedicht gedacht, in dem diese Worte vorkommen.” – Die Verbindungen, Anknüpfungen, dessen was ich sage, mache ich im Laufe meiner Gedanken. (Ich glaube, diese Betrachtung hängt mit dem zusammen, was W. James “the stream of thought” nennt. Wenn er freilich auch a priori & a posteriori, Erfahrungssätze & grammatische, nicht unterscheidet.)

I am expecting two people, A and B. I say to myself, “If only he would come!” – Someone asks me, “Who do you mean?” – I say, “I was thinking of A.” – But at another time, I reply, “I was thinking of a poem in which these words occur.” – The connections, the associations, of what I say, I make in the course of my thoughts. (I believe this observation is related to what W. James calls “the stream of thought.” Although, of course, he does not distinguish a priori and a posteriori, factual sentences and grammatical ones.)

§

107[2] &
108[1]

Der Schrei “Er ist da!” muß nicht als Mitteilung dienen. Und nicht als Mitteilung gemeint sein. Und wie unterscheidet sich der eine Fall vom andern? Nicht immer auf gleiche Weise. – Ich erwarte die Ankunft eines Freundes. Ich stehe auf dem Bahnsteig unter lauter fremden Menschen. Ich werde meinen Freund gewahr & rufe “Da ist er!”; ich will mich dabei aus irgend einem seltsamen Grunde an die Fremden um mich wenden. Stell Dir den Fall vor! Und nun diesen: Meine Familie erwartet mit mir die Ankunft des Freundes. Ich sehe ihn zuerst & rufe “Da ist er!” Es ist schwer, mich nicht dabei an die Andern zu wenden; mich gänzlich zu isolieren.

The cry “He’s here!” need not serve as a communication. Nor is it intended as a communication. And how does one case differ from the other? Not always in the same way. – I am expecting the arrival of a friend. I am standing on the platform among a crowd of strangers. I see my friend & call out “There he is!”; for some strange reason, I want to turn to the strangers around me as I do so. Imagine that scenario! And now this one: My family expects the friend’s arrival with me. I see him first & call out “There he is!” It is hard not to turn to the others as I do so; to isolate myself completely.

§

108[2]

Ist Erwarten ein Denken? So wird das Wort “erwarten” nicht gebraucht. Erwarten bezeichnet keine Tätigkeit. Ich kann jemand erwarten, ohne an ihn zu denken. Aber wenn ich Einen ‘ängstlich erwarte’, so werden viele meiner Gedanken & Handlungen mit ihm in Verbindung sein.

Is expecting a form of thinking? The word “to expect” is not used in this way. Expecting does not denote an activity. I can expect someone without thinking of him. But if I “anxiously expect” someone, then many of my thoughts and actions will be connected with him.

§

108[3] &
109[1]

Ich pfeife, & jemand fragt mich, warum ich guter Dinge bin. Ich antworte: “Ich hoffe N. wird heute kommen.” Aber während ich pfiff, dächte ich nicht an ihn. Und doch wäre es falsch zu sagen: ich hätte aufgehört zu hoffen, als ich zu pfeifen anfing.

I whistle, and someone asks me why I am in such good spirits. I reply, “I hope N. will come today.” But while I was whistling, I was not thinking of him. And yet it would be wrong to say that I stopped hoping when I started whistling.

§

109[2]

Wenn Einer sagt “Ich hoffe, er wird kommen” – ist das ein Bericht über seinen Seelenzustand, oder eine Äußerung seiner Hoffnung? – Ich kann es z.B. zu mir selbst sagen. Und mir mache ich doch keine Mitteilung. Es kann ein Seufzer sei; aber muß kein Seufzer sein. Sage ich jemandem: “Ich kann heute meine Gedanken nicht bei meiner Arbeit halten; ich denke immer an sein Kommen” – so wird man das eine Beschreibung meines Gemütszustandes nennen.

When someone says “I hope he will come”—is that a report on their state of mind, or an expression of their hope?—I can say it to myself, for example. And yet I am not communicating anything to myself. It may be a sigh; but it need not be a sigh. If I say to someone, “I cannot keep my thoughts on my work today; I am always thinking of his coming”—then one would call that a description of my state of mind.

§

109[3] &
110[1]

Auch “glauben” heißt nicht denken. Als ich mich niedersetzte, glaubte ich natürlich, der Sessel werde mich tragen. Ich dachte gar nicht, daß er zusammenbrechen könnte. Aber: “Trotz allem was er tat, hielt ich an dem Glauben fest, …” Hier wird gedacht, & etwa immer wieder eine bestimmte Einstellung erkämpft. Aber alles das sagt uns ja nicht, was glauben ist. Es ist keine Definition des Wortes “glauben”; & ich kann keine geben; weil es keine gibt. Wir haben eben hier eine Familie von Fällen. Sie beschreiben heißt uns die Anwendung des Wortes “glauben” lehren.

“Believing” does not mean thinking either. When I sat down, I naturally believed that the chair would support me. I did not think at all that it might collapse. But: “Despite everything he did, I held fast to the belief, …” Here, one is thinking, and a certain attitude is fought for, time and again. But all of this does not tell us what believing is. It is not a definition of the word “believe”; and I cannot provide one; because there is none. We simply have a family of cases here. Their description teaches us the application of the word “believe.”

§

110[2]

Nun könnte man aber so sagen: Das Gesicht eines Menschen ist durchaus nicht immer dieselbe Gestalt. Es ändert sich von Minute zu Minute; manchmal wenig, manchmal äußerst stark. Dennoch ist es möglich, das Bild seiner Physiognomie zu geben. Freilich, ein Bild, auf dem es lächelt, zeigt nicht, wie es weinend aussieht. Aber es läßt darauf immerhin Schlüsse zu. – Und so wäre es auch möglich, eine Art ungefähre Physiognomie des Glaubens (z.B.) zu zeichnen.

Now, one could say this: The face of a person is not always the same shape. It changes from minute to minute; sometimes little, sometimes greatly. Nevertheless, it is possible to give a picture of his physiognomy. Of course, a picture of him smiling does not show how he looks when he is crying. But it does at least allow one to draw conclusions. – And so it would also be possible to draw a kind of approximate physiognomy of belief (for example).

§

111[1]

Warum kann ein Hund nicht Schmerzen heucheln? Weil er zu ehrlich ist? Könnte man einen Hund Schmerzen heucheln lehren? Man kann ihm vielleicht beibringen, bei bestimmten Gelegenheiten wie im Schmerz zu heulen, ohne daß er Schmerzen fühlt. Aber zum eigentlichen Heucheln fehlt diesem Benehmen noch immer die richtige Umgebung.

Why can’t a dog feign pain? Because it is too honest? Could one teach a dog to feign pain? One can perhaps teach it, on certain occasions, to howl as if in pain, without it feeling any pain. But this behaviour still lacks the right context for genuine feigning.

§

111[2]

Kann ich sagen: “Hoffen ist Denken & Fühlen”? Warum aber nicht: denken, fühlen & tun, & zwar unter bestimmten Umständen?

Can I say: “To hope is to think & to feel”? But why not: to think, to feel & to act, under certain circumstances?

§

111[3]

Denke an den Gebrauch der Worte “grüßen”, “danken”, “bitten”. “Ich danke Dir” kann selbst ein Dank, “Ich grüße Dich” ein Gruß sein. “Er grüßt Dich”, “Ich habe Dich gegrüßt” berichtete über eine Handlung.

Consider the use of the words “greet,” “thank,” “ask.” “I thank you” can itself be a thank-you, “I greet you” a greeting. “He greets you,” “I have greeted you” report an action.

§

111[4] &
112[1]

“Aber Du sprichst ja, als hoffte ich nicht eigentlich jetzt, – da ich zu hoffen glaube. Als hätte, was jetzt geschieht, keine tiefe Bedeutung.” Was jetzt geschieht hat Bedeutung – in dieser Umgebung. Die Umgebung gibt ihm die Wichtigkeit Und das Wort “hoffen” bezieht sich auf ein Phänomen in der menschlichen Lebensweise. (Ein lächelnder Mund lächelt nur im menschlichen Gesicht.)

“But you speak as if I weren’t actually hoping now—since I believe I am hoping. As if what is happening now had no depth of meaning.” What is happening now has meaning—in this context. The context gives it its significance. And the word “hope” refers to a phenomenon in the human way of life. (A smiling mouth smiles only on a human face.)

§

112[2]

Wenn ich nun in meinem Zimmer sitze & hoffe N. werde kommen & mir Geld bringen, & eine Minute dieses Hoffens könnte isoliert, aus ihrem Zusammenhang herausgeschnitten, werden: wäre, was in dieser Minute geschieht, dann kein Hoffen? – Denke, z.B., an die Worte, die Du etwa in dieser Minute aussprichst. Sie gehören nun nicht mehr zu dieser Sprache. Vielleicht zu einer, in der sie etwas gänzlich anderes bedeuten. Und die Institution des Geldes gibt es in einer andern Umgebung nicht. U.s.w.

If I now sit in my room & hope that N. will come & bring me money, & a minute of this hoping could be isolated, taken out of its context: would what happens in that minute then not be hoping? – Think, for example, of the words you might speak in that minute. They no longer belong to that language. Perhaps they belong to a language in which they mean something completely different. And the institution of money does not exist in another context. Etc.

§

113[1]

180/1 Eine Königskrönung ist das Bild der Pracht & Würde. – Nehmen wir eine Minute dieses Vorgangs aus ihrer Umgebung heraus. Der König im goldgewirkten Krönungsmantel sitzt auf dem Thron; die Krone wird ihm auf's Haupt gesetzt. – In einer andern Umgebung nun laß Gold das billigste Metall sein. Durch die Maschinen ist die Herstellung dieses Gewebes (des Krönungsmantels) die aller einfachste: Die Krone ist die Parodie eines anständigen Hutes, der hohe, dekorierte Stuhl dient als Pranger.

180/1 A king’s coronation is the image of splendor & dignity. – Let us take a minute of this process out of its context. The king in the gold-embroidered coronation robe sits on the throne; the crown is placed on his head. – In another context, let gold be the cheapest metal. Through machines, the production of this fabric (the coronation robe) is very simple: the crown is a parody of a decent hat, the high, decorated chair serves as a pillory.

§

113[2]

Wir sagen, der Hund fürchtet, sein Herr werde ihn schlagen; aber nicht er fürchte sein Herr werde ihn morgen schlagen. Warum nicht?

We say the dog fears that its master will beat it; but not that it fears that its master will beat it tomorrow. Why not?

§

113[3]

Wir erwarten dies & werden von dem überrascht; aber die Kette der Gründe hat ein Ende.

We have an expectation of this & are surprised by it; but the chain of reasons has an end.

§

114[1]

Man könnte sagen: Ich hätte keinen Eindruck von dem Zimmer als ganzes, könnte ich nicht meinen Blick schnell in ihm dahin & dorthin schweifen lassen & mich nicht frei in ihm herumbewegen. (Stream of thought.) James. Aber wie manifestiert es sich, daß ich von ihm als ganzes einen Eindruck habe? In der Selbstverständlichkeit, mit der ich mich in ihm zurechtfinde; in der Abwesenheit von Suchen, Zweifeln & der Verwunderung; darin, daß eine Unzahl von Tätigkeiten durch seine Wände begrenzt sind; daß ich alles das als “mein Zimmer” in der Rede zusammenfasse.

One could say: I would not have an impression of the room as a whole if I could not quickly let my gaze wander around in it & move freely in it. (Stream of thought.) James. But how does it manifest that I have an impression of it as a whole? In the obviousness with which I find my way in it; in the absence of searching, doubting & wondering; in the fact that a multitude of activities are limited by its walls; that I summarize all this as “my room” in speech.

§

114[2]

Bist Du nicht doch ein verkappter Behaviourist? Sagst Du nicht doch im Grunde, daß alles Fiktion ist, außer dem menschlichen Benehmen? – Wenn ich von einer Fiktion rede, dann von einer grammatischen Fiktion.

Aren’t you just a behaviorist in disguise? Aren’t you basically saying that everything is fiction, except for human behaviour? – When I speak of fiction, I mean grammatical fiction.

§

114[3] &
115[1]

Den Begriff ‘Schmerz’ hast Du mit der Sprache gelernt.

You learned the concept of ‘pain’ through language.

§

115[2]

Gedankenloses & nicht gedankenloses Sprechen ist zu vergleichen: gedankenlosem Spielen eines Musikstücks & nicht gedankenlosem Spielen.

Thoughtless & non-thoughtless speaking is to be compared with: thoughtless playing of a piece of music & non-thoughtless playing.

§

115[3]

Du gibst jemandem ein Signal, wenn Du Dir etwas vorstellst; Du benützt verschiedene Signale für verschiedene Vorstellungen. – Wie vereinbart ihr, was jedes Signal bedeuten soll?

You give someone a signal when you imagine something; you use different signals for different imaginings. – How do you agree on what each signal is supposed to mean?

§

115[4] &
116[1]

Was ist das Kriterium der Gleichheit zweier Vorstellungen? D.h.: wie werden Vorstellungen verglichen? – Ein Logiker denkt vielleicht: gleich ist gleich– es ist eine psychologische Frage: wie der Mensch sich von der Gleichheit überzeugt. (Höhe ist Höhe – es gehört in die Psychologie, daß der Mensch sie manchmal sieht, manchmal hört.) Was ist das Kriterium der Gleichheit zweier Vorstellungen? – Was ist das Kriterium der Röte einer Vorstellung? Für mich, wenn der Andere sie hat – was er sagt & tut. Für mich, wenn ich sie habe – gar nichts. Und was für “rot” gilt, gilt auch für “gleich”.

What is the criterion of equality between two ideas? That is: how are ideas compared? – A logician might think: equal is equal—it is a psychological question: how a person convinces themselves of equality. (Height is height—it belongs to psychology that people sometimes see it, sometimes hear it.) What is the criterion for the equality of two ideas? – What is the criterion for the “redness” of an idea? For me, when the other person has it—what they say & do. For me, when I have it—nothing at all. And what applies to “red” also applies to “equal.”

§

116[2] &
117[1] &
118[1]

[→ 182/1] Wie erkenne ich, daß dies rot ist? – Ich bin in Verlegenheit, was ich sagen soll. – Wie erkenne ich, daß diese zwei Bäume gleich hoch sind. Hier bin ich nicht in Verlegenheit. Ich weiß verschiedene Antworten. – Wie erkenne ich, daß dies rot ist? Soll ich sagen: “Ich schaue es an & sehe, daß es rot ist”? Was heißt “sehen, daß es rot ist”? Heißt es: erkennen, daß das Wort “rot” hier paßt? oder ein Wort das auf gleiche Weise angewendet wird. Ich sehe, daß es rot ist – – – aber was hilft mir das, wenn ich nicht weiß, was ich zu sagen habe, oder sonst meine Erkenntnis zum Ausdruck bringen soll. Denn einmal muß ich nun den Übergang zum Ausdruck machen. Und bei diesem Übergang lassen mich nun alle Regeln in Stich. Denn sie hängen nun alle wirklich in der Luft. Alle guten Lehren helfen mir nichts, denn am Ende muß ich einen Sprung machen: Ich muß sagen “das ist rot”, oder in einer Weise handeln, die auf's selbe hinauskommt. Der Übergang von jenem Gesehenen zu den Worten ist ein privater. Darum hängen hier die Regeln in der Luft. Kann der Übergang vom Schauen zum Wort “rot” nicht unvermittelt gemacht werden, dann auch nicht über Regeln.

[→ 182/1] How do I know that this is red? – I am at a loss as to what to say. – How do I know that these two trees are the same height? Here I am not at a loss. I know various answers. – How do I know that this is red? Should I say: “I look at it & see that it is red”? What does “seeing that it is red” mean? Does it mean: recognizing that the word “red” applies here? or a word that is applied in the same way. I see that it is red – – – but what does that help me if I don’t know what to say, or otherwise express my knowledge. For at some point I must make the transition to expression. And at this transition, all rules fail me. Because they all really hang in the air now. All good teachings don’t help me, because in the end I have to make a leap: I have to say “this is red,” or act in a way that amounts to the same thing. The transition from that seen thing to the words is private. That is why the rules hang in the air here. If the transition from looking to the word “red” cannot be made directly, then it cannot be made via rules either.

§

118[2]

Ich wollte etwa sagen: Ich schaue & sehe, es ist so. Und davon gehe ich nun zu dem Wort über. → Ich sehe, daß es diese Farbe ist; & nun weiß ich, daß die Farbe so heißt. Diese? – Welche?

I wanted to say something like: I look & see that it is so. And from that I now move on to the word. → I see that it is this color; & now I know that the color is called that. This? – Which?

§

118[3]

Welche Art der Antwort hat auf diese Frage Sinn? (Du kannst die Farbe nennen, auf sie zeigen, sie beschreiben, etc.) Du steuerst immer wieder auf eine innere hinweisende Erklärung hin!

What kind of answer makes sense to this question? (You can name the color, point to it, describe it, etc.) You always keep coming back to an inner ostensive explanation!

§

118[4] &
119[1]

“Ehe ich urteile, daß zwei meiner Vorstellungen gleich sind, muß ich sie doch als gleich erkennen. “Und wenn das geschehen ist, wie werde ich dann wissen, daß das Wort “gleich” meine Erkenntnis beschreibt? Nur dann, wenn ich diese Erkenntnis auf andre Weise ausdrücken, & ein Anderer mich lehren kann, daß hier “gleich” das richtige Wort ist.

“Before I judge that two of my images are the same, I must recognize them as being the same.” And when that has happened, how will I know that the word “same” describes my recognition? Only if I can express this recognition in another way, & someone else can teach me that “same” is the right word here.

§

119[2]

Denn bedarf ich eine Berechtigung dafür, ein Wort zu gebrauchen, dann muß es eine auch für den Andern sein.

For if I need a warrant for using a word, then there must also be one for the other person.

§

119[3]

Ich erkenne es erst als das; & nun erinnere ich mich daran, wie das genannt wird. Bedenke: In welchen Fällen kann man das wirklich sagen?

I only recognize it as that; & now I remember how it is called. Consider: in what cases can one really say that?

§

119[4] &
120[1]

Unser Paradox war dies: eine Regel könnte keine Handlungsweise bestimmen, da eine jede mit der Regel in Übereinstimmung zu bringen sei. Die Antwort war: Ist jede mit der Regel in Übereinstimmung zu bringen, dann auch zum Widerspruch. Daher gäbe es hier überhaupt – weder Übereinstimmung, noch Widerspruch. Das Mißverständnis zeigt sich darin, daß wir (überhaupt) in diesem Gedankengang Deutung hinter Deutung setzen; wodurch wir nämlich zeigen, daß es (für uns) eine Auffassung einer Regel gibt, die nicht eine Deutung ist, sondern sich von Fall zu Fall der Anwendung darin äußert, was wir der Regel folgen & was wir ihr entgegenhandeln nennen. (Weshalb eine Neigung besteht, zu sagen: jedes Folgen sei auch ein Deuten. “Deuten” aber sollte man nur nennen: einen Ausdruck der Regel durch einen andern ersetzen.)

Our paradox was this: a rule could not determine a way of acting, since every action would have to be brought into accord with the rule. The answer was: if every action is brought into accord with the rule, then also with the contradiction. Therefore, here there is neither agreement nor contradiction. The misunderstanding shows itself in the fact that we (at least) place interpretation upon interpretation in this line of thought; whereby we show that there is (for us) a conception of a rule that is not an interpretation, but manifests itself from case to case in the application, in what we call following the rule & what we call acting against it. (Which is why there is a tendency to say: every following is also interpreting. But one should only call “interpreting”: replacing one expression of the rule with another.)

§

120[2] &
121[1]

(Daß wir eine Regel ‘aufgefaßt haben’, zeigt sich, unter anderem, an der Sicherheit, ich meine, dem Fehlen des Zweifelns, & Testens, bei der Anwendung.)

(That we have ‘understood’ a rule shows itself, among other things, in the certainty, i.e. the absence of doubt and testing, in the application.)

§

121[2]

Darum ist ‘der Regel folgen’ eine Praxis. Und der Regel zu folgen glauben ist nicht: der Regel folgen. Und darum kann man nicht der Regel privatim folgen, weil sonst der Regel zu folgen glauben, dasselbe wäre, wie der Regel folgen.

That is why ‘following the rule’ is a practice. And believing one is following the rule is not the same as following the rule. And that is why one cannot follow the rule privately, because otherwise believing one is following the rule would be the same as following the rule.

§

121[3]

Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du kommst von einer Seite & kennst Dich aus; Du kommst von einer andern zur selben Stelle, und kennst Dich nicht mehr aus.

Language is a labyrinth of ways. You come from one side & you know your way around; you come from another to the same place, and you no longer know your way around.

§

121[4] &
122[1]

Aber ist es nicht richtig zu sagen: Ich sehe die Farbe & erkenne sie als rot? Wir müssen über den Gebrauch des Wortes “erkennen” klarer werden. – Ich gehe auf der Straße. Dies Gesicht kommt mir bekannt vor. Wer ist es nur? – Es ist … – Das ist ein Vorgang des Erkennens. – Aber erkenne ich mein Zimmer & meine Möbel nicht, die ich täglich sehe. – Ich frage mich: “Wo hab ich diesen Farbton nur vor kurzem gesehen?”; dann erkenn ich ihn: ich habe ihn dort & dort gesehen. Ich sage “Der Himmel ist blau”; also erkenne ich doch die Farbe – aber was wollte man hier (den) Vorgang des Erkennens nennen? Untersuche den Gebrauch des Wortes “erkennen”.

But is it not correct to say: I see the color & recognize it as red? We must become clearer about the use of the word “recognize.” – I am walking down the street. This face seems familiar to me. Who is it? – It is … – That is a process of recognizing. – But don’t I recognize my room & my furniture, which I see every day? – I ask myself: “Where did I see this shade of color recently?”; then I recognize it: I saw it there & there. I say “The sky is blue”; so I do recognize the color – but what do you want to call the process of recognizing here? Examine the use of the word “recognize.”

§

122[2] &
123[1] &
124[1]

Es ist hier nützlich sich zu überlegen, was man über ein Phänomen, wie das folgende, sagt:

einmal als

,

einmal als sein Spiegelbild sehen. Nun will ich fragen: Worin besteht es, die Figur einmal so einmal anders sehen? Sehe ich wirklich jedesmal etwas anderes? oder deute ich nur, was ich sehe, auf verschiedene Weise? – Ich bin geneigt, das erste zu sagen. Aber warum? Nun, Deuten ist eine Handlung. Es kann z.B. darin bestehen, daß Einer sagt “Das soll ein

sein”; oder daß er's nicht sagt, aber das Zeichen beim Kopieren durch ein

ersetzt; u.a. oder sich überlegt: “Was mag das wohl sein? Es wird ein

sein, das dem Schreiber mißglückt ist.” – Sehen ist keine Handlung, sondern ein Zustand. Und wenn ich es nie für etwas anderes, als ein

,

gehalten, mir nie überlegt habe, was es wohl sein mag, so wird man sagen, ich sehe das Zeichen als

;

wenn man nämlich weiß, daß es sich auch anders sehen läßt. Wie ist man denn überhaupt zu dem Begriff des ‘Etwas als Etwas sehen’ gekommen? Bei welchen Gelegenheiten war für ihn ein Bedürfnis? (Sehr häufig in der Kunst.) Dort überall, wo es sich um ein Phrasieren durch's Aug oder Ohr handelt. Wir sagen “Du mußt diese Takte als Einleitung hören”, “Du mußt nach dieser Tonart hin hören”, “Wenn man diese Figur einmal als … gesehen hat, ist es schwer sie anders zu sehen”, etc. etc. “Ich höre das französische ‚ne … pas’ als zweiteilige Verneinung aber nicht als ‘nicht einmal ein Schritt’”. Ist es nun ein wirkliches Sehen und Hören? Nun, so nennen wir es; mit diesen Worten reagieren wir in bestimmten Situationen. Und auf diese Worte reagieren wir wieder durch bestimmte Handlungen.

It is useful here to consider what one says about a phenomenon such as the following:

sometimes as

,

sometimes as its mirror image. Now I want to ask: What does it mean to see the figure one way one time and another way another time? Do I really see something different each time? Or am I just interpreting what I see in different ways? – I am inclined to say the former. But why? Well, interpretation is an action. It can consist, for example, of someone saying “That is supposed to be a

”; or of them not saying it, but replacing the symbol with a

; or, for example, thinking: “What could that be? It must be a

that the writer failed to draw.” – Seeing is not an action, but a state. And if I never took it for anything other than a

,

and never wondered what it might be, then one will say that I see the sign as

;

namely, because one knows that it can also be seen differently. How did we even arrive at the concept of ‘seeing something as something’? On what occasions was there a need for it? (Very frequently in art.) Anywhere where it involves interpreting through the eye or the ear. We say, “You must hear these measures as an introduction,” “You must listen for this key,” “Once you’ve seen this figure as …, it’s hard to see it any other way,” etc., etc. “I hear the French ‘ne … pas’ as a two-part negation, but not as ‘not even a step.’” Is this really seeing and hearing? Well, that’s what we call it; we react with these words in certain situations. And we react to these words again through certain actions.

§

125[1]

Wie lehrt man jemand, leise für sich selbst lesen? Wie weiß man, daß er's kann? Wie weiß er selbst, daß er's kann?

How does one teach someone to read silently to themselves? How does one know that he can do it? How does he himself know that he can do it?

§

125[2]

Ein Schrei entringt sich dem Menschen. Worte entringen sich ihm.

A cry bursts forth from the human being. Words burst forth from him.

§

125[3]

Worte sind Taten. Die Wahrheit sagen, wenn die Lüge uns helfen kann, ist schwer.

Words are actions. Saying the truth when a lie could help us is difficult.

§

125[4]

Wenn die Andern Automaten sein könnten; dann ich auch. –

If the others could be automata, then so could I. –

§

125[5]

Wenn die Sehnsucht aus mir spricht “Wenn er doch nur käme!”, so gibt das Gefühl den Worten ‘Bedeutung’. Gibt es aber den Wörtern des Satzes ihre Bedeutungen?

If longing speaks from within me, “If only he would come!”, then the feeling gives the words ‘meaning’. But does it give the words in the sentence their meanings?

§

126[1]

Man könnte hier aber auch sagen: das Gefühl gebe dem Satze Wahrheit. Und da siehst Du, wie hier die Begriffe in einander fließen. (Es erinnert an die Frage: Was ist der Sinn eines mathematischen Satzes.)

One could also say here that the feeling gives the sentence truth. And there you see how the concepts flow into one another here. (It is reminiscent of the question: What is the sense of a mathematical sentence?)

§

126[2]

Wenn man aber sagt “Ich hoffe, er wird kommen”, gibt das Gefühl nicht dem Worte “hoffen” seine Bedeutung? (Und wie ist es mit dem Satz: “Ich hoffe nicht mehr, daß er kommen wird”?) Das Gefühl gibt dem Worte “hoffen” vielleicht seinen besonderen Klang. – Wenn das Gefühl dem Wort seine Bedeutung gibt, so heißt “Bedeutung” hier: das, worauf es ankommt. Warum aber kommt es auf's Gefühl an?

But if one says “I hope he will come”, does the feeling not give the word “hope” its meaning? (And how is it with the sentence: “I hope no longer that he will come”?) The feeling may give the word “hope” its special tone. – If the feeling gives the word its meaning, then “meaning” here means: that which is important. But why is the feeling important?

§

126[3]

Ich könnte sagen, ein Stöhnen, ein Lachen seien voll von Bedeutung. Und das heißt ungefähr: Es ließe sich viel aus ihnen ablesen.

I could say that a groan, a laugh are full of meaning. And this means roughly: One could read a lot from them.

§

126[4]

Unter welchen Umständen werde ich sagen, ein Stamm habe einen Häuptling? Und der Häuptling muß doch Bewußtsein haben? Er darf doch nicht ohne Bewußtsein sein!

Under what circumstances will I say that a tribe has a chief? And the chief must have consciousness? He must not be without consciousness!

§

127[1]

Worin liegt denn die Macht und Bedeutung des Hoffens? Nicht im Leben des Hoffenden?

In what lies the power and meaning of hoping? Not in the life of the one who hopes?

§

127[2]

Ich gebe ihm also einen Befehl. Setze die Reihe … fort (– ∙ ∙ )→ oder (– ∙ ∙ ∙ –)→ Nun, was will ich, daß er tun soll? Die beste Antwort, die ich mir selbst darauf geben kann, ist, diese Befehle selber ein Stück weit auszuführen. Oder glaubst Du, ein algebraischer Ausdruck dieser Regel setze weniger voraus?

So I give him a command. Continue the series … (– ∙ ∙ )→ or (– ∙ ∙ ∙ –)→ Well, what do I want him to do? The best answer I can give myself to that is to carry out these commands myself for a while. Or do you think that an algebraic expression of this rule presupposes less?

§

127[3]

Hier ist die Versuchung überwältigend, noch etwas zu sagen, wenn schon alles beschrieben ist. – Woher dieser Drang? Welche Analogie, welche falsche Interpretation erzeugt ihn?

Here the temptation is overwhelming to say something more, even if everything has already been described. – Where does this urge come from? What analogy, what false interpretation creates it?

§

127[4] &
128[1]

Es bricht kein Streit darüber aus, ob der Regel gemäß vorgegangen wurde, oder nicht. Es kommt darüber z.B. nicht zu Tätlichkeiten. Das gehört zu dem Gerüst, von welchem aus unsere Sprache wirkt (z.B. eine Beschreibung gibt).

There is no dispute about whether the rule has been followed or not. It does not lead, for example, to acts of violence. That is part of the framework within which our language works (e.g. a description).

§

128[2]

Nicht Empirie, aber Realismus – das ist für uns ein schwerer Weg in der Philosophie. Einer schreibt eine Folge von Zahlen an. Endlich sage ich “Jetzt versteh ich's: ich muß immer …”. Und dies ist doch der Ausdruck der Regel. Aber doch nur in einer Sprache!

Not empiricism, but realism – that is a difficult path for us in philosophy. One writes a sequence of numbers. Finally, I say, “Now I understand: I must always…” And this is, after all, the expression of the rule. But only in one language!

§

128[3]

Was wir, in einer komplizierten Umgebung “einer Regel folgen” nennen, würden wir, wenn es isoliert dastünde, gewiß nicht so nennen.

What we call “following a rule” in a complicated environment, we certainly would not call so if it stood in isolation.

§

128[4] &
129[1]

Zur Verständigung durch die Sprache gehört nicht nur eine Übereinstimmung in den Definitionen, sondern (so seltsam dies klingen mag) eine Übereinstimmung in Urteilen. Dies scheint die Logik aufzuheben; hebt sie aber nicht auf. – Eines ist, die Meßmethode festzulegen, ein Anderes Messungsergebnisse zu finden & auszusprechen. Aber was wir “messen” nennen, ist auch durch eine gewisse Konstanz der Messungsergebnisse bestimmt.

Communication through language does not only involve agreement in definitions, but (as strange as this may sound) agreement in judgments. This seems to negate logic; but it does not. One thing is to establish the method of measurement, another is to find and state the results of the measurement. But what we call “measuring” is also determined by a certain consistency of the measurement results.

§

129[2]

Eine Erklärung ist etwas nur – zu einem bestimmten Zweck. Sie füllt eine bestimmte Lücke. Wenn ich z.B. Einem das Sprachspiel (2) erkläre, erkläre ich's dem, der schon die Sprache beherrscht. Sage ihm schon, daß es so, & nicht so, ist.

An explanation is something only – for a specific purpose. It fills a specific gap. For example, if I explain the language-game (2) to someone, I explain it to someone who already knows the language. I tell him that it is like this, and not like that.

§

129[3] &
130[1]

Ein Wort in dieser Bedeutung hören. Wie seltsam, daß es so etwas gibt. So phrasiert, so betont, so gehört, ist der Satz der Anfang eines Übergangs zu diesen Sätzen, Bildern, Handlungen.

To hear a word in this sense. How strange that there is such a thing. Phrased like this, emphasized like that, heard in this way, the sentence is the beginning of a transition to these sentences, images, actions.

§

130[2]

Denke Dir statt Momentaufnahmen unserer Bekannten benützten wir eine Art kinematographischer Bilder, die eine ganz kleine Bewegung wiedergäben. Und das nennten wir bloß ein lebendes Bildnis, im Gegensatz zu einem toten, & faßten es nicht als Bild einer Bewegung, einer Lageveränderung auf.

Imagine that instead of snapshots of our acquaintances, we used a kind of cinematographic images that would reproduce a very small movement. And we would simply call it a living portrait, as opposed to a dead one, and not think of it as a picture of a movement, a change of position.

§

130[3]

Das Wort “Übereinstimmung” & das Wort “Regel” sind mit einander verwandt, sie sind Vettern. Lehre ich jemand den Gebrauch des einen Wortes, so lernt er damit auch den Gebrauch des andern.

The word “agreement” & the word “rule” are related to each other; they are cousins. If I teach someone the use of one word, then he also learns the use of the other with it.

§

130[4] &
131[1]

Wenn eine Drossel die gleiche Phrase stets einigemale wiederholt, sagen wir sie gebe sich vielleicht beim erstenmal eine Regel, der sie dann folgt?

Das Vorstellungsbild ist das Bild, das meiner Vorstellung entspricht.

If a thrush repeats the same phrase several times, do we say that it perhaps established a rule for itself the first time, and then follows it?

The mental image is the image that corresponds to my imagination.

§

131[2] &
132[1]

“Aber wenn ich mir vorstelle, daß Einer, der lacht, in Wirklichkeit Schmerzen hat, so stelle ich mir doch kein Schmerzbenehmen vor, denn ich sehe eben davon das Gegenteil. Was stelle ich mir also vor?” – Ich habe es schon gesagt; – & ich stelle mir dazu nicht notwendigerweise vor, daß ich Schmerzen fühle. – “Aber wie geht es also vor sich, wenn ich mir das vorstelle?” – Wo, ich meine außerhalb der Philosophie, verwenden wir denn die Worte “Ich kann mir vorstellen, daß er Schmerzen hat”, oder “Ich stelle mir vor, …”, oder “Stell Dir vor, …!”? Man sagt z.B. dem, der eine Theaterrolle zu spielen hat: “Du mußt Dir (hier) vorstellen, daß dieser Mensch …” – & dazu wird ihm nicht gesagt, was er eigentlich tun soll. Darum ist auch jene Analyse gar nicht zur Sache. – Wir beobachten nun den Schauspieler, der sich das Leiden des Andern vorstellt.

“But if I imagine that someone who is laughing is actually in pain, then I am not imagining pain-behavior, because I see the opposite of it. What am I imagining, then?” – I have already said it; and I do not necessarily imagine that I am in pain. – “But how does it happen when I imagine that?” – Where, I mean outside of philosophy, do we use the words “I can imagine that he is in pain,” or “I imagine…,” or “Imagine…!”? One says, for example, to someone who has to play a role in a play: “You must imagine (here) that this person…” and he is not told what he is actually supposed to do. Therefore, that analysis is not relevant. – We now observe the actor who is imagining the suffering of the other.

§

132[2]

Unter was für Umständen würden wir jemand fragen: “Was ist da eigentlich in Dir vorgegangen, wie Du Dir das vorgestellt hast?” Und was für eine Antwort erwarten wir uns da?

Under what circumstances would we ask someone: “What was actually going on inside you, how did you imagine it?” And what kind of answer do we expect?

§

132[3]

[Aber das allein ist es nicht.] Ich könnte jenen Satz in mitten einer Sprachübung aussprechen & ihn als Mitteilung meinen, obgleich er auch in die Sprachübung passen würde; & der Andre wüßte vielleicht nicht, wie ich den Satz gemeint habe.

[But that alone is not it.] I could utter that sentence in the middle of a language exercise and mean it as a communication, even though it would also fit into the language exercise; and the other person might not know how I meant the sentence.

§

132[4] &
133[1]

Du erinnerst Dich, daß Du die Absicht hattest – – wie war es also, wie Du sie hattest? Wenn Du nachdenkst – was fällt Dir da ein? Mir fällt manches ein; – aber nichts davon ist die Absicht. Und doch scheint, was mir einfällt relevant für die Absicht.

You remember that you had the intention – so how was it, how did you have it? When you think about it – what comes to mind? Many things come to mind; but none of them is the intention. And yet, what comes to mind seems relevant to the intention.

§

133[2]

[→ 167/3] Im Laufe eines Gespräches will ich auf etwas zeigen; ich habe bereits den Anfang einer Zeigebewegung gemacht; führe sie aber nicht aus. Später sage ich “Ich wollte damals darauf zeigen. Ich erinnere mich noch deutlich, daß ich schon den Finger aufgehoben hatte.”

[→ 167/3] In the course of a conversation, I want to point to something; I have already begun a pointing movement; but I do not carry it out. Later I say, “I wanted to point to that then. I still remember clearly that I had already raised my finger.”

§

133[3] &
134[1]

Und ich erinnere mich nicht nur an die Absicht & auch an das Aufheben des Fingers, sondern an das Aufheben des Fingers als Ausdruck der Absicht. Es ist aber auch nicht so, daß ich mich erinnere, den Finger gehoben zu haben & mir jetzt sage: “Ich muß wohl die Absicht gehabt haben mit dem Finger zu zeigen; wozu hätte ich ihn sonst aufgehoben?”

And I not only remember the intention and the raising of the finger, but also the raising of the finger as an expression of the intention. But it is also not the case that I remember raising my finger and now say: “I must have had the intention to point with my finger; why else would I have raised it?”

§

134[2] &
135[1]

Soll ich sagen, wer diese Absicht hat, erlebt eine Tendenz? Es gebe bestimmte Tendenzerlebnisse? – Erinnre Dich an diesen Fall: Wenn man in einer Diskussion dringend eine Bemerkung, einen Einwurf, machen will, geschieht es häufig, daß man den Mund öffnet, den Atem einzieht, & anhält. Entscheidet man sich dann, den Einwurf zu unterlassen, so läßt man den Atem aus. Das Erlebnis dieses Vorgangs ist offenbar das Erlebnis einer Tendenz, zu sprechen. Wer mich beobachtet, wird erkennen, daß ich etwas sagen wollte, & mich dann anders besonnen habe. In dieser Situation nämlich. – In einer andern würde er mein Benehmen so nicht deuten, so absolut charakteristisch es auch in der gegenwärtigen Situation für die Absicht zu sprechen ist. Und ist irgend ein Grund vorhanden anzunehmen, dieses selbe Erlebnis könnte in einer ganz andern Situation nicht auftreten, wo es mit einer Tendenz nichts zu tun hat?

Should I say that someone who has this intention experiences a tendency? Are there specific instances of experiencing tendencies? – Recall this case: when in a discussion one urgently wants to make a remark, an interjection, it often happens that one opens one's mouth, inhales, and holds one's breath. If one then decides to forego the interjection, one exhales. The experience of this process is evidently the experience of a tendency to speak. Someone observing me will recognize that I wanted to say something and then changed my mind – in this situation. – In another situation, they would not interpret my behaviour in this way, however characteristic it may be in the present situation for the intention to speak. And is there any reason to assume that this same experience could not occur in a completely different situation, where it has nothing to do with a tendency?

§

135[2]

Ich hätte meine Absicht ja auch durch die Worte ausdrücken können: “Ich habe die Absicht …” Und mit diesem Satz beschreibe ich dem Andern nicht meine Empfindungen; obwohl er manchmal auch auf meine Empfindungen wird Schlüsse ziehen können.

I could also express my intention through the words: “I intend to…” And with this sentence, I do not describe the other person's sensations; although sometimes they may also be able to draw conclusions about my sensations.

§

135[3] &
136[1]

Wie ist das: die Absicht haben, etwas zu tun? Was kann ich drauf antworten? Eine Art der Antwort wäre: das zu sagen, was ein Romanschriftsteller, sagt Dostojewski etwa,, wenn er die Seelenzustände einer Person beschreibt, die die Absicht hat. – Es wird vielleicht in dieser Beschreibung nirgends der Ausdruck gebraucht, die Person “habe diese Absicht”. Aber wenn wir den Gang des Romans erzählen, werden wir dies sagen.

What is it to have the intention to do something? What can I say in response? One kind of answer would be: to say what a novelist, such as Dostoevsky, says when describing the mental state of a person who has an intention. – In this description, the expression “this person has this intention” may not be used anywhere. But when we recount the events of the novel, we will say this.

§

136[2] &
137[1]

Eine Erwartung ist in einer Situation eingebettet, aus der sie entspringt. Die Erwartung einer Explosion kann z.B. aus einer Situation entspringen, in der eine Explosion zu erwarten ist. Der sie erwartet hatte zwei Leute flüstern gehört: “Morgen um 10 Uhr wird die Lunte angebrannt”. Später denkt er: vielleicht will jemand hier ein Haus in die Luft sprengen. Um 10 Uhr wird er unruhig, fährt bei jedem Lärm zusammen, & endlich antwortet er auf die Frage, warum er so nervös sei: … Diese Antwort wird z.B. sein Benehmen verständlich machen. Sie wird uns auch in den Stand setzen, uns seine Gedanken & Gefühle auszumalen.

An expectation is embedded in a situation from which it arises. The expectation of an explosion can, for example, arise from a situation in which an explosion is to be expected. The person who expected it heard two people whispering: “Tomorrow at 10 o'clock the fuse will be lit.” Later, he thinks: perhaps someone here wants to blow up a house. At 10 o'clock, he becomes restless, jumps at every noise, and finally answers the question of why he is so nervous: … This answer will, for example, make his behaviour understandable. It will also enable us to imagine his thoughts and feelings.

§

137[2]

Es wäre aber auch denkbar, daß jemand ohne jede Ursache oder Vorgeschichte in seinen Gedanken urplötzlich eine erwartende Stellung einnähme & sagte “Ich erwarte jeden Augenblick eine Explosion”. Wir würden ihn dann vielleicht für verrückt halten. Und wenn er auf die Frage, warum er eine Explosion erwartet, nichts zu antworten wüßte & nur immer (wieder) die Erwartung äußerte, so wüßten wir nicht, ob wir von ihm sagen sollten, er habe wirklich eine Erwartung. Nicht aber, weil wir nicht in seine Seele sehen können, sondern weil dies ein Grenzfall eines Vorgangs der Erwartung ist.

However, it is also conceivable that someone, without any cause or antecedent, suddenly takes on an expectant posture in their thoughts and says, “I expect an explosion any moment.” We might then consider him crazy. And if, when asked why he expects an explosion, he has nothing to answer and only ever (repeatedly) expresses the expectation, then we would not know whether to say that he really has an expectation. Not because we cannot see into his mind, but because this is a borderline case of the process of expectation.

§

137[3]

Ein Vorgang der Erwartung besteht aus Handlungen, Gedanken, Gefühlen in bestimmten Umgebungen.

A process of expectation consists of actions, thoughts, and feelings in certain environments.

§

137[4] &
138[1]

Ich schaue auf die brennende Lunte, folge mit höchster Spannung dem Fortschreiten des Brandes, & wie er sich dem Explosivstoff nähert. Ich denke vielleicht überhaupt nichts, oder eine Menge abgerissener Gedanken. Das ist gewiß ein Fall des Erwartens.

I look at the burning fuse, follow with the greatest intensity the progress of the fire, and how it approaches the explosive. I may not think anything at all, or have many disjointed thoughts. This is certainly a case of expecting.

§

138[2] &
139[1]

Wenn ich nun sage “Ich erwarte …”, – ist das die Feststellung: meine Situation, meine Gedanken, etc. bildeten eine Erwartung – oder sind meine Worte selbst ein Teil des Erwartungsvorgangs Unter gewissen Umständen wird “Ich erwarte …” einfach heißen (ersetzt werden können durch) “Ich glaube das & das wird geschehen”, manchmal auch: “Mach Dich auf … gefaßt”. Wenn ich sage “Ich erwarte ihn sehnsüchtig”, so wird das, unter Umständen, die Äußerung der Erwartung sein, also ein Teil des Vorgangs der Erwartung. Aber diese Worte können auch als Resultat der Selbstbeobachtung ausgesprochen werden, & etwa heißen: “Also nach allem, was vorgegangen ist, erwarte ich ihn dennoch mit Sehnsucht.” Es kommt darauf an: Wie ist es zu diesen Worten gekommen.

[Worte entringen sich ihm …] [Grüßen …]

Now, if I say “I expect…”, is this the statement that my situation, my thoughts, etc., constitute an expectation – or are my words themselves part of the process of expectation? Under certain circumstances, “I expect…” simply means (can be replaced by) “I believe that this and that will happen,” and sometimes also: “Be prepared for…” If I say “I eagerly await him,” then, under certain circumstances, this will be the utterance of the expectation, i.e., part of the process of expectation. But these words can also be spoken as a result of self-observation, and may mean something like: “So, after everything that has happened, I still eagerly await him.” It depends: how did these words come about?

[Words are drawn from him …] [Greetings …]

§

139[2]

Wenn Einer, statt zu sagen “Ich erwarte jeden Moment die Explosion”, flüstert: “Es wird gleich losgehen”, so beschreiben doch seine Worte keine Empfindung; obgleich sie & ihr Ton eine Äußerung seiner Empfindung sein mögen.

If someone, instead of saying “I expect the explosion any moment,” whispers: “It will start soon,” then his words do not describe a sensation; although they and their tone may be an expression of his sensation.

§

139[3] &
140[1] &
141[1]

Wenn ich nun sage “Ich erwarte …” – ist das die Feststellung: die Situation, meine Handlungen, Gedanken etc. seien die des Erwartens dieses Ereignisses; oder gehören die Worte “Ich erwarte …” zum Vorgang des Erwartens? Unter gewissen Umständen wird “Ich erwarte …” einfach heißen (ersetzt werden können durch) “Ich glaube, das & das wird eintreten”. Manchmal auch: “Mach Dich darauf gefaßt, daß …”. Ich sage jemandem: “Ich habe gehört er wird kommen; ich erwarte ihn schon den ganzen Tag.” Dies ist ein Bericht darüber, wie ich den Tag verbracht habe. Ich komme in einem Gespräch zum Ergebnis, daß ein bestimmtes Ereignis zu erwarten sei & ziehe diesen Schluß, indem ich sage: “Ich muß also jetzt … erwarten”. Das kann man den ersten Gedanken, den ersten Akt, dieser Erwartung nennen. Der Ausruf “Ich erwarte ihn sehnsüchtig!” ist ein Akt des Erwartens, wenn sich die Spannung der Erwartung in ihm Luft macht. Ich kann aber dieselben Worte als das Resultat einer Selbstbeobachtung aussprechen, & sie hießen dann etwa: “ …” [→ ]

Now, if I say “I expect…”, is this the statement that my situation, my actions, thoughts, etc., constitute the expectation of this event; or do the words “I expect…” belong to the process of expectation? Under certain circumstances, “I expect…” simply means (can be replaced by) “I believe that this and that will happen.” Sometimes also: “Be prepared for…” I say to someone: “I heard that he will come; I have been expecting him all day.” This is a report of how I spent the day. I come to the conclusion in a conversation that a certain event is to be expected & draw this conclusion by saying: “I must now expect…” This can be called the first thought, the first act, of this expectation. The exclamation “I eagerly await him!” is an act of expectation, when the tension of the expectation finds release in it. But I can also utter the same words as the result of self-observation, and they would then mean something like: “…”. It depends: how did these words come about?

§

141[2]

[→ [170/ 1]] Erwartung ist, grammatisch, ein Zustand. Wie: einer Meinung sein, etwas hoffen, wissen, können. Aber um die Grammatik dieser Zustände zu verstehen, muß man fragen: “Was gilt als Kriterium dafür, daß sich jemand in diesem Zustand befindet?”

[→ [170/ 1]] Expectation is, grammatically, a state. Like: to have an opinion, to hope for something, to know, to be able. But to understand the grammar of these states, one must ask: “What counts as a criterion for someone being in this state?”

§

141[3]

Wie weiß ich, daß ich den Satz als Mitteilung gemeint habe. War das wenige, was beim Aussprechen in dieser Richtung wies, wirklich genug, daß ich mit Sicherheit sagen kann, ich hätte ihn so gemeint?

How do I know that I meant the sentence as a communication? Was the little that, when uttered, pointed in this direction, really enough for me to say with certainty that I meant it that way?

§

141[4] &
142[1]

“Wie kannst Du so sicher sein, daß Du einen Augenblick lang mich betrügen wolltest? Waren nicht Deine Handlungen & Gedanken viel zu rudimentär?”

“How can you be so sure that you wanted to deceive me for a moment? Weren’t your actions and thoughts much too rudimentary?”

§

142[2]

Kann denn die Evidenz nicht zu spärlich sein? Ja, wenn man ihr nachgeht, scheint sie außerordentlich spärlich; aber das ist vielleicht, weil man die Vorgeschichte dieser Evidenz außer acht läßt. Wenn ich einen Augenblick lang die Absicht hätte dem Andern Unwohlsein vorzuheucheln, so brauchte es dazu eine Vorgeschichte.

Can’t the evidence be too sparse? Yes, if one examines it, it seems extraordinarily sparse; but this is perhaps because one neglects the background of this evidence. If I had the intention, even for a moment, to feign discomfort in the other person, this would require a background.

§

142[3] &
143[1]

“Dieser Gedanke knüpft an Gedanken an, die ich früher einmal gehabt habe.” – Wie tut er das? Durch ein Gefühl der Anknüpfung? Aber wie kann das Gefühl die Gedanken wirklich verknüpfen? – Das Wort “Gefühl” ist hier sehr irreleitend. Aber es ist möglich daß Einer mit Sicherheit sagt: “Dieser Gedanke hängt mit jenem früheren zusammen”, ohne daß er doch den Zusammenhang anzugeben vermag Dies gelingt vielleicht später.

“This thought connects to thoughts that I had before.” – How does it do that? Through a feeling of connection? But how can the feeling really connect the thoughts? – The word “feeling” is very misleading here. But it is possible that one says with certainty: “This thought is connected to that earlier one,” without being able to specify the connection. This may succeed later.

§

143[2]

“Wenn ich die Worte gesagt hätte, ‘Ich will ihn jetzt betrügen’, hätte ich die Absicht nicht gewisser gehabt, als so.” – Aber wenn Du jene Worte gesagt hättest, mußtest Du sie da im vollen Ernste meinen?

“If I had said the words, ‘I want to deceive him now,’ I would not have had the intention any more certainly than that.” – But if you had said those words, did you have to mean them seriously?

§

143[3] &
144[1] &
145[1]

[→ ]

Es ist hier wieder, als erinnerten wir uns jener feinen Gefühlsnuance des Meinens, die erst, was immer ich tat oder sagte, zum Ausdruck des Meinens machte. Meine Bewegung, Miene, mein Tonfall, wären allerdings allein keine Evidenz des Meinens gewesen, fühlt man, zum Ausdruck des Meinens machte sie erst das Meinen. Nur sonderbar, daß man sich überhaupt an diesen ‘Ausdruck’ hängt. Und noch sonderbarer: Wenn ich mir, was geschah, klar in die Erinnerung rufe, errufe ich nur diesen Ausdruck [Einzelheiten]. Kann ich nicht, wenn ich will, den Blick, den Ton des Satzes, die Bewegung meines Körpers wiederholen? Und zwar ungefähr mit den Empfindungen & Gedanken, die sie begleiteten? Und ist, was ich so wiederhole, nicht Evidenz genug?

Mich an das, was ich tat, als Ausdruck des Meinens erinnern, hängt zusammen mit meiner Fähigkeit, die Szene in einem bestimmten Geiste zu reproduzieren. Und beim Reproduzieren, wie empfinde ich da die Meinung, die ich ja dann gar nicht habe?

[→ ]

It is here again, as if we remembered that subtle nuance of meaning, which only makes whatever I did or said into an expression of meaning. My movement, my facial expression, my tone of voice would, of course, not have been evidence of meaning on their own; it is the feeling that they, only when combined, made it an expression of meaning. Only strangely, one clings to this ‘expression’ at all. And even stranger: when I clearly recall what happened, I only recall this expression [in detail]. Can I not, if I want to, repeat the look, the tone of the sentence, the movement of my body? And approximately with the feelings and thoughts that accompanied it? And isn’t what I repeat in this way evidence enough?

Remembering what I did as an expression of meaning is connected with my ability to reproduce the scene in a certain spirit. And when reproducing, how do I experience the opinion, which I then do not even have?

§

145[2]

“Ich habe ihn in diesem Augenblick gehaßt” – was geschah da? Bestand es nicht in Gedanken, Gefühlen & Handlungen? Und wenn ich so eine Szene darstellte, würde ich ein bestimmtes Gesicht machen, dächte an gewisse Geschehnisse, atmete in bestimmter Weise, brächte in mir gewisse Gefühle hervor. Ich könnte ein Gespräch, eine ganze Szene erdenken, in der dieser Haß aufflammte. Und ich könnte diese Szene mit Gefühlen spielen, die denen in einem Vorfall des wirklichen Lebens nahe kämen. Dabei wird mir natürlich helfen, daß ich Ähnliches wirklich durchlebt habe.

“I hated him at that moment” – what happened there? Wasn’t it composed of thoughts, feelings, & actions? And if I were to re-enact such a scene, wouldn’t I adopt a certain facial expression, recall certain events, breathe in a certain way, and evoke certain feelings within myself? I could imagine a conversation, an entire scene, in which this hatred flared up. And I could re-enact this scene with feelings that were close to those in an actual event. Of course, it would help me that I had actually experienced something similar.

§

145[3] &
146[1]

Wenn ich mich nun des Vorfalls schäme, schäme ich mich des Ganzen: der Worte, des giftigen Tones; u.s.w.

If I now feel ashamed of the incident, do I feel ashamed of the whole thing: the words, the venomous tone, and so on?

§

146[2]

“Ich schäme mich nicht dessen was ich damals tat, sondern der Absicht, die ich hatte.” – Aber lag die Absicht nicht auch in dem, was ich tat? Worin lag das Beabsichtigen? Nur in dem, was ich damals dachte, zu mir selber sagte? Wodurch ist die Absicht gegeben? Durch die ganze Geschichte.

“I am not ashamed of what I did at the time, but of the intention I had.” – But wasn’t the intention also contained in what I did? What was the intending? Only in what I thought at the time, in what I said to myself? How is the intention given? By the whole story.

§

146[3] &
147[1]

Die Worte “Gottlob! Noch etwas weniges hat man geflüchtet – vor den Fingern der Kroaten” mit ihrem Ton & Blick scheinen allerdings schon jede Nuance ihrer Bedeutung in sich zu tragen. Nur darum aber, weil wir sie als Teil einer bestimmten Szene kennen. (Eine Menge wohlbekannte Pfade führen von diesen Worten aus in allen Richtungen.) – Man könnte aber eine ganz andere Szene um diese Worte (ganz ebenso gesprochen) bauen; um zu zeigen, wie ihre besondere Seele in der Geschichte liegt, zu der sie gehören.

The words “Thank God! One more little thing has escaped – from the clutches of the Croats,” with their tone & expression, seem already to contain every nuance of their meaning. Only because we know them as part of a particular scene. (A lot of well-trodden paths lead from these words in all directions.) – One could, however, construct a completely different scene around these words (spoken in the same way); to show how their particular essence lies in the story to which they belong.

§

147[2]

Darum sagt man auch: “Es kommt drauf an, wer es sagt.”

That is why one also says: “It depends on who says it.”

§

147[3]

Laß einen Menschen zornig, hochmütig, ironisch, blicken; & nun verhäng sein Gesicht mit einem Tuch, daß nur die Augen frei bleiben; – in denen der ganze Ausdruck vereint schien. Ihr Ausdruck ist nun überraschend vieldeutig.

Let a person look angry, haughty, ironic; and now cover his face with a cloth, so that only the eyes remain free; – in which the whole expression seemed to be united. Its expression is now surprisingly ambiguous.

§

147[4] &
148[1]

“Es liegt alles schon in …” Wie kommt es, daß der Pfeil → zeigt? Scheint er nicht schon etwas außerhalb seiner selbst in sich zu tragen? – “Nein, es ist nicht der tote Strich; nur das Psychische, die Bedeutung, kann dies.” – Das ist wahr & falsch. Der Pfeil zeigt nur in der Anwendung, die das Lebewesen von ihm macht. Dieses Zeigen ist nicht ein hocus pocus, das nur die Seele vollziehen kann.

“It is all already in…” How does it come about that the arrow → points? Does it not already seem to carry something outside of itself? – “No, it is not the dead line; only the psychological, the meaning, can do this.” – That is true & false. The arrow only points in the application that the living being makes of it. This pointing is not a hocus pocus that only the mind can perform.

§

148[2] &
149[1]

“N. maß ihn mit feindseligem Blick & sagte …”. Der Leser der Erzählung versteht es; er hat keinen Zweifel in seiner Seele. Nun sagt Einer: “Wohl, er denkt sich die Bedeutung hinzu, er errät sie.” – Im allgemeinen: Nein. Im allgemeinen denkt er sich nichts hinzu, errät nichts. – Es ist aber auch möglich, daß der feindselige Blick & die Worte sich später als Verstellung erweisen, oder daß der Leser im Zweifel darüber erhalten wird, ob sie es sind, oder nicht, & daß er also wirklich auf eine mögliche Deutung rät. – Aber dann rät er vor allem auf einen Zusammenhang. Er sagt sich etwa: die Beiden, die hier so feindlich tun, sind in Wirklichkeit Freunde, etc. etc.

“N. measured him with a hostile look & said…”. The reader of the story understands it; he has no doubt in his mind. Now someone says: “Well, he adds the meaning himself, he guesses it.” – In general: No. In general, he adds nothing, he guesses nothing. – But it is also possible that the hostile look & the words later turn out to be pretense, or that the reader is left in doubt as to whether they are, or not, & that he is therefore actually guessing at a possible interpretation. – But then he is guessing primarily at a connection. He says to himself, for example: the two people who are acting so hostilely are actually friends, etc. etc.

§

149[2]

[→ ] “Einen Augenblick lang wollte ich entfliehen …” D.h., ich hatte ein bestimmtes Gefühl, inneres Erlebnis; und ich erinnere mich dran. – Und nun erinnere Dich recht genau – – –, da scheint das ‘innere Erlebnis’ des Wollens wieder zu verschwinden. Statt dessen erinnert man sich an Gedanken, Gefühle, Bewegungen auch, an Zusammenhänge mit früheren Situationen. Es ist als hätte man die Einstellung des Mikroskops verändert, & was jetzt im Brennpunkt liegt, lag früher außerhalb.

[→ ] “For a moment I wanted to escape…” That is, I had a certain feeling, an inner experience; and I remember it. – And now remember very precisely – – –, there the ‘inner experience’ of wanting seems to disappear again. Instead, one remembers thoughts, feelings, movements, and connections with earlier situations. It is as if one had changed the setting of the microscope, & what is now in focus was previously outside of it.

§

149[3] &
150[1]

“Nun das zeigt nur, daß Du Dein Mikroskop falsch eingestellt hast. Du solltest eine Schicht des Präparates anschauen, & siehst nun eine andere.”

“Now that only shows that you have your microscope set up incorrectly. You should look at one layer of the specimen, & now you are looking at another.”

§

150[2]

0

Daran ist etwas richtig. Aber nimm an ich erinnerte mich (mit einer bestimmten Einstellung der Linsen) an eine Empfindung; wie kann ich sagen, daß sie das ist, was ich die ‘Absicht’ nenne? Es könnte sein, daß ein bestimmter Kitzel (z.B.) jede meiner Absichten begleitete. Was ist der natürliche Ausdruck der Absicht? – Sieh eine Katze an, wenn sie sich an einen Vogel heranschleicht; oder ein Tier, wenn es entfliehen will. [Verbindung mit Sätzen über Empfindungen.]

0

There is something right about that. But suppose I remembered (with a certain setting of the lenses) one sensation; how can I say that it is what I call the ‘intention’? It could be that a certain tingling (for example) accompanied all of my intentions. What is the natural expression of intention? – Look at a cat when it sneaks up on a bird; or an animal when it wants to escape. [Connection with sentences about sensations.]

§

150[3] &
151[1]

[→ ] “Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, wohl aber der Absicht, in der ich sie sprach.” – Ein Andrer sagt etwa darauf: “Das kann ich bezeugen; Du sagtest damals …” Ebenso kann man manchmal sagen: “Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, aber wohl an den Geist meiner Worte.”

[→] “I no longer remember my words, but I do remember the intention with which I spoke them.” – Another person might say in response: “I can attest to that; you said at the time…” Similarly, one can sometimes say: “I no longer remember my words, but I do remember the spirit of my words.”

§

151[2]

“Aber sagtest Du nicht eben, die Absicht sei eine Art Konglomerat von Handlungen, Gedanken, etc., & das Wesentliche der Absicht sei nicht einer der Bestandteile?” Wohl; & dennoch ist es eines, mich an die Absicht, & ein anderes, mich an die Einzelheiten des Vorgangs zu erinnern. Ich kann mich auch daran erinnern, alle Anstalten für meine Abreise gemacht zu haben, ehe ich mich an irgend eine von ihnen erinnere, ja es muß zu diesem letztern überhaupt nicht kommen. Meine Erinnerungsreaktion waren eben die Worte: “Ich hatte die Absicht …”

“But didn’t you just say that intention is a kind of conglomerate of actions, thoughts, etc., and that the essential thing about intention is not one of the components?” True; and yet, it is one thing to remember the intention, and another to remember the details of the process. I can also remember having made all the preparations for my departure before I remember any one of them; in fact, it may not even come to that. My memory reaction was simply the words: “I had the intention…”

§

152[1]

“Nur Du kannst wissen, ob Du die Absicht hattest“. Das könnte man jemandem sagen, wenn man ihm die Bedeutung des Wortes “Absicht” erklärt. Es heißt dann nämlich: so gebrauchen wir es. (Und “wissen” heißt hier, daß der Ausdruck der Ungewißheit unsinnig ist.)

“Only you can know whether you had the intention.” One could say that to someone when explaining the meaning of the word “intention.” It then means: this is how we use it. (And “to know” here means that the expression of uncertainty is nonsensical.)

§

152[2] &
153[1]

Er ist aufgestanden & an's Fenster getreten. Später sagt er “Ich stand auf, um von diesen Leuten wegzukommen.” Ein Andrer sagt, “Das legst Du jetzt hinein. Du bist nur aufgestanden, um Deine Glieder zu strecken.” – Aber was soll er also hineingelegt haben? Jenes Ungreifbare; die Absicht? Und warum scheint sie uns ungreifbar; noch um einen Grad ungreifbarer, als etwa eine Schmerzempfindung? – Es muß daher kommen, daß wir versucht sind, eine Art der Beschreibung hier anzuwenden, – sie aber fallen lassen. Und dies nun so deuten, wir hätten versucht etwas aufzufassen, & es habe sich als ungreifbar erwiesen.

He got up and went to the window. Later, he says, “I got up in order to get away from these people.” Another person says, “You’re just putting that in now. You only got up to stretch your limbs.” – But what is he supposed to have put in? That elusive thing; the intention? And why does it seem elusive to us; perhaps even more elusive than, say, a sensation of pain? – It must be because we try to apply a certain kind of description here – but then abandon it. And this is then interpreted as if we had tried to grasp something, and it turned out to be elusive.

§

153[2]

“Ich habe die Absicht morgen zu verreisen.” – Wann hast Du die Absicht? Die ganze Zeit; oder intermittierend? Schau in die Lade, in der Du sie erwartest. Die Lade ist leer. (Ich glaube, Du hattest sie unter den Empfindungen gesucht.) Überlege, was das eigentlich heißen würde: “eine Absicht intermittierend haben”! Es hieße etwa die Absicht haben, sie fallen lassen, sie wieder aufnehmen u.s.f..

“I intend to travel tomorrow.” – When do you have the intention? All the time; or intermittently? Look in the drawer where you expect it to be. The drawer is empty. (I think you were looking for it among the sensations.) Consider what it would actually mean: “to have an intention intermittently”! It would mean, for example, having the intention to drop it, and then to pick it up again, and so on.

§

153[3]

“Ich habe die Absicht” sagt Dir – beiläufig – was Du zu erwarten hast.

“I have the intention” tells you – casually – what you can expect.

§

153[4] &
154[1]

“Ich hatte, wie Du weißt, die Absicht abzureisen.” Der Andre kann dies so sicher wissen, wie ich selbst. Ja, sich genauer an meine Absicht erinnern, als ich.

“I had, as you know, the intention to leave.” The other person can know this just as surely as I myself do. Yes, he can even remember my intention more accurately than I do.

§

154[2]

Wenn ich mich meiner Absicht erinnere, muß ich mich (auch) nur eines einzigen Gemütszustandes, oder Gedankens erinnern?

If I remember my intention, must I also remember only a single state of mind, or a single thought?

§

154[3]

Warum soll die ausgesprochene Absicht immer unzweifelhafter sein, als die durch Mienen u.s.w. ausgedrückte?

Why should the expressed intention always be more certain than the intention expressed through facial expressions, etc.?

§

154[4]

Warum soll mir die Erinnerung an die Worte, die ich damals sprach, mehr sagen, als die Erinnerung an einen Blick, oder eine Bewegung? Bedenke: auch diese stehen ja in einem alten Zusammenhang.

Why should the memory of the words I spoke at the time tell me more than the memory of a look or a movement? Consider: these, too, are connected to an earlier context.

§

154[5] &
155[1]

Wie kommt es, daß ich dann trotzdem geneigt bin, ein Deuten darin zu sehen, wenn ich sage “Einen Augenblick lang wollte ich Dich betrügen”? Ist es, weil ich das, was in jenem Augenblick geschah durch die Umgebung & Vorgeschichte deute, d.h. mit dieser zusammen charakterisiere?

How is it that I am still inclined to see an interpretation in it when I say “For a moment I wanted to deceive you”? Is it because I interpret what happened in that moment through the environment and the history, i.e., I characterize it together with that?

§

155[2]

[→ ] “Ich erinnere mich nicht mehr an meine Worte, aber ich erinnere mich genau an meine Absicht: ich wollte ihn damals beruhigen …” Was zeigt mir meine Erinnerung; was führt sie mir vor Augen? Nun, wenn sie nichts täte, als mir diese Worte einzugeben; & vielleicht noch andere, die die Situation noch genauer ausmalen!

[→] “I no longer remember my words, but I do remember my intention: I wanted to reassure him at the time…” What does my memory show me; what does it bring before my eyes? Well, if it did nothing more than give me these words; and perhaps also other words that describe the situation in even more detail!

§

155[3] &
156[1]

Glaub nicht immer, daß Du Deine Worte von Tatsachen abliest; diese nach Regeln in Worte abbildest! Denn die Anwendung der Regel im besondern Fall müßtest Du ja doch ohne Führung machen.

Don’t always think that you are reading your words from facts, that you are translating these facts into words according to rules! Because you would still have to apply the rule in the particular case without any guidance.

§

156[2] &
157[1]

“Ich wälze den Entschluß in mir herum, morgen abzureisen” (Das kann man eine Beschreibung des Gemütszustandes nennen). “Deine Gründe überzeugen mich nicht; ich bin noch immer der Absicht morgen abzureisen.” Hier wird man versucht sein, die Absicht ein Gefühl zu nennen. Das Gefühl ist das einer gewissen Steifigkeit; des unabänderlichen Entschlusses. (Aber es gibt auch hier viele verschiedene charakteristische Gefühle.) Jemand fragt mich: “Wie lang bleibst Du hier?” Ich antworte: “Morgen reise ich ab; meine Ferien gehen zu Ende.” Dagegen aber: ich sage am Ende eines Streits: “Nun gut; dann reise ich morgen ab.” Ich fasse einen Entschluß.

“I am weighing the decision of whether to leave tomorrow” (one can call this a description of the state of mind). “Your reasons do not convince me; I still intend to leave tomorrow.” Here, one is tempted to call the intention a feeling. The feeling is that of a certain rigidity, of an unalterable decision. (But there are also many different characteristic feelings here.) Someone asks me: “How long will you stay here?” I reply: “Tomorrow I will leave; my vacation is coming to an end.” In contrast, however: I say at the end of a dispute: “Very well, then I will leave tomorrow.” I make a decision.

§

157[2]

Dieser letzte Fall ist ähnlich dem: “Ich werde Dir ein Zeichen geben; ich werde die Hand heben.” – Es würde Jeden überraschen, wenn ich statt dessen sagte, “Meine Hand wird sich heben”, obwohl doch auch diese Voraussage erfüllt wird, wenn ich meine Hand hebe. Sagt also der Satz “Ich werde meine Hand heben” in Wirklichkeit etwas sehr schwer Verständliches; was nur – zu seinem Glück – dem Laien, der dies sagt, verborgen ist?

This last case is similar to: “I will give you a sign; I will raise my hand.” It would surprise anyone if, instead, I said, “My hand will raise itself,” even though this prediction would also be fulfilled if I raise my hand. So, does the sentence “I will raise my hand” actually say something very difficult to understand, which is only – fortunately – hidden from the layman who says it?

§

157[3] &
158[1]

Betrachte die beiden Sprachspiele: a) Einer gibt einem Andern den Befehl, bestimmte Armbewegungen zu machen, oder Körperstellungen einzunehmen (Turnlehrer und Zögling). Eine Variante dieses Sprachspiels ist dies: Der Schüler gibt sich selbst Befehle & führt sie, etwa nach einem kurzen Zeitintervall, aus. b) Jemand beobachtet gewisse regelmäßige Vorgänge – etwa die Reaktionen verschiedener Metalle auf (verschiedene) Säuren – & macht daraufhin Vorhersagen über die Reaktionen, die in bestimmten Fällen eintreten werden. Es ist zwischen diesen beiden Sprachspielen eine offenbare Verwandtschaft, & auch Grundverschiedenheit. Zu beiden könnte man die Worte ‘Voraussagen’ nennen. (Ein Befehl lautet oft “Du wirst …”) Vergleiche aber (nun) die Abrichtung, die zu der ersten Technik gehört, mit der Abrichtung für die zweite.

Consider these two language-games: a) One person gives another the command to make certain arm movements or to assume certain postures (gym teacher and pupil). A variant of this language-game is this: the pupil gives himself commands and executes them, perhaps after a short interval. b) Someone observes certain regular occurrences – for example, the reactions of different metals to (different) acids – and then makes predictions about the reactions that will occur in certain cases. There is an obvious kinship and also fundamental difference between these two language-games. One could call both of them ‘predictions’. (A command often says, “You will…”) But compare (now) the training that belongs to the first technique with the training for the second.

§

158[2] &
159[1] &
160[1]

“Ich werde jetzt zwei Pulver einnehmen; & eine halbe Stunde darauf werde ich erbrechen.” – Es erklärt nichts, wenn ich sage, im ersten Fall sei ich das Agens, im zweiten bloß der Beobachter. Oder: im ersten Falle sähe ich den kausalen Zusammenhang von innen, im zweiten von außen; & vieles Ähnliche. Es ist auch nicht zur Sache, zu sagen, daß eine Vorhersage der ersten Art so wenig unfehlbar ist, wie eine der zweiten Art. Nicht aufgrund von Beobachtungen meines Verhaltens sagte ich, ich würde jetzt zwei Pulver einnehmen. Die Antezedenzien dieses Satzes waren ganz andere. Ich meine die Gedanken, Handlungen, etc., die zu ihm hinleiteten; & es ist nur irreführend zu sagen: “Die einzige wesentliche Voraussetzung Deiner Äußerung war eben Dein Entschluß.

“I will now take two powders, and half an hour later I will vomit.” It explains nothing if I say that in the first case, I am the agent, and in the second, merely the observer. Or: in the first case, I see the causal connection from the inside, and in the second, from the outside; and much else along these lines. It is also not relevant to say that a prediction of the first kind is as fallible as one of the second kind. I did not say that I would now take two powders based on observations of my behaviour. The antecedents of this sentence were quite different. I mean the thoughts, actions, etc., that led up to it, and it is only misleading to say: “The only essential prerequisite for your utterance was your decision.”

§

160[2]

Wenige unserer Sprachformen haben so viele philosophische Irrtümer auf dem Gewissen, wie die Entgegenstellung: “Äußerung des Entschlusses” – “Entschluß”; “Äußerung der Erwartung” – “Erwartung”; u.s.f.. Ähnlich wie im Falle von Zahl & Zahlzeichen scheinen uns nur zwei Wege offen: Die beiden zu identifizieren – was nicht geht –, oder sie einander zu koordinieren – was ebensowenig geht.

Few of our forms of language have been responsible for so many philosophical errors as the opposition: “utterance of intention” – “intention”; “utterance of expectation” – “expectation”; and so on. Similar to the case of number and numeral, it seems that only two paths are open to us: to identify the two – which is not possible – or to coordinate them – which is equally impossible.

§

160[3] &
161[1]

Ich will nicht sagen: im Falle der Willensäußerung “Ich werde Pulver einnehmen” sei die Voraussage Ursache – & ihre Erfüllung der Effekt. (Das könnte vielleicht eine physiologische Untersuchung entscheiden). Soviel aber ist wahr: Wir können häufig aus der Äußerung des Entschlusses die Handlung eines Menschen vorhersagen. Ein wichtiges Sprachspiel.

I do not want to say that, in the case of the expression of will “I will take powder,” the prediction is the cause – and its fulfillment is the effect. (This might be decided by a physiological investigation.) But this much is true: we can often predict a person’s action from the utterance of his intention. An important language-game.

§

161[2] &
162[1]

“Aber wenn Du sagst ‘Ich habe die Absicht abzureisen’, so weißt Du's doch! Es ist eben hier wieder das geistige Meinen, das den Satz belebt. Sprichst Du den Satz bloß jemandem nach, etwa um seine Sprechweise zu verspotten, so sagst Du ihn ohne jenes Meinen.”. – Wenn wir philosophieren, so scheint es so. Aber denken wir uns doch (wirklich) verschiedene Situationen aus, & Gespräche, & wie jener Satz in ihnen ausgesprochen wird. – “Ich entdecke immer einen geistigen Unterton; vielleicht nicht immer den gleichen.” – Und war da kein Unterton vorhanden, als Du den Satz einem Andern nachsprachst? Und warum nun den ‘Unterton’ von dem übrigen Erlebnis des Sprechens, u.s.w., trennen?

“But when you say ‘I intend to leave,’ you know! It is here again the mental meaning that animates the sentence. If you merely repeat the sentence to someone, perhaps in order to mock his way of speaking, then you say it without that meaning.” – This is how it seems when we philosophize. But let us (really) think of different situations and conversations, and how that sentence is spoken in them. – “I always discover some mental undertone; perhaps not always the same.” – And was there no undertone present when you repeated the sentence to someone else? And why now separate the ‘undertone’ from the rest of the experience of speaking, etc.?

§

162[2]

[→ [169/ 3]] “Du sagtest damals …; dann wurdest Du unterbrochen. Weißt Du noch, was Du sagen wolltest?” – Wenn ich's nun weiß & es sage – heißt das, daß ich es schon früher gedacht, und nur nicht gesagt habe? Nein. Es sei denn, daß Du die Sicherheit, mit der ich den unterbrochenen Satz weiterführe, als Kriterium dafür nimmst, daß der Gedanke damals bereits fertig war. – Aber es lag freilich schon alles mögliche in der Situation & in meinen Gedanken, das dem Satz weiterhilft.

[→ [169/ 3]] “You said back then …; then you were interrupted. Do you still remember what you wanted to say?” – If I now know it & say it – does that mean that I had already thought it before, but just didn’t say it? No. Unless you take the certainty with which I continue the interrupted sentence as a criterion for the fact that the thought was already complete at that time. – But of course, everything imaginable was already present in the situation & in my thoughts, which helps to develop the sentence further.

§

162[3] &
163[1]

Wenn ich den unterbrochenen Satz fortsetze & sage so hätte ich ihn damals fortsetzen wollen, so scheint das ähnlich, wie wenn ich einen Gedankengang nach kurzen Notizen ausführe. Und deute ich also diese Notizen nicht? War nur eine Fortsetzung möglich? Gewiß nicht. Aber ich wählte nicht unter diesen Deutungen. Ich erinnerte mich; daß ich das sagen wollte. [Die Meinung entwickelt sich]

If I continue the interrupted sentence & say that I would have wanted to continue it that way at the time, then that seems similar to when I elaborate on a train of thought based on brief notes. And am I not, therefore, interpreting these notes? Was only one continuation possible? Certainly not. But I did not choose among these interpretations. I remembered that that is what I wanted to say. [The opinion develops.]

§

163[2]

“Ich wollte in meinem Gedankengang auf … lossteuern.” Mir schwebt dieses Ziel vor. Ich sah im Geist die Stelle des Buchs, auf die ich hinzielte. Die Absicht beschreiben, heißt, was vorging, unter einen bestimmten Gesichtspunkt, zu einem bestimmten Zweck, beschreiben.

“I wanted to steer my train of thought towards…” I have this goal in mind. I saw in my mind the place in the book that I was aiming for. To describe the intention means to describe what was happening under a certain point of view, for a certain purpose.

§

163[3] &
164[1]

Der Befehl “Trachte, was immer geschieht, dieses Haus zu erreichen” charakterisiert ein anderes Sprachspiel, als dieser: “Geh' 10 km gradeaus, dann rechts …”;; auch wenn ich so dies Haus erreiche. – Und so hat auch der Bericht “Ich trachtete dies Haus zu erreichen” nicht denselben Sinn wie ein Bericht, der meinen Weg dorthin beschreibt. Und vielleicht erreichte ich das Haus nicht, weil ich es unbedingt erreichen wollte.

The command “Try, whatever happens, to reach this house” characterizes a different language-game than this: “Go 10 km straight ahead, then right…”; even if I reach the house in that way. And so the statement “I tried to reach this house” does not have the same sense as a statement that describes my way to it. And perhaps I didn’t reach the house because I wanted to reach it so badly.

§

164[2]

Was geschieht, wenn ich ein bestimmtes Buch suche. Wie unterscheidet es sich davon, wenn ich ein anderes Buch suche? angenommen, daß ich, nicht finde, was ich suche. Ich werde im Suchen unterbrochen; dann sage ich: “Was war es nun, was ich finden wollte?”

What happens when I am looking for a specific book? How does it differ from when I am looking for a different book? Suppose I don’t find what I’m looking for. I am interrupted in my search; then I say, “What was it that I wanted to find?”

§

164[3] &
165[1]

“Suche das Buch A” heißt nicht “Suche das Buch B”. Aber ich mag bei der Befolgung beider Befehle genau das gleiche tun. Zu sagen, es müsse dabei etwas anderes geschehen, wäre ähnlich, als sagte man, die Sätze “Heute ist mein Geburtstag” & “Am 26. April ist mein Geburtstag” müssen sich auf verschiedene Tage beziehen, denn ihr Sinn sei nicht der gleiche.

“Look for book A” does not mean “Look for book B.” But I might do exactly the same thing when following both commands. To say that something different must happen in the process would be similar to saying that the sentences “Today is my birthday” & “My birthday is on April 26th” must refer to different days, because their sense is not the same.

§

165[2]

“Ich trachte mit allen Mitteln dorthin zu kommen” malt ein bestimmtes Bild der Vorgänge, bringt bestimmte Züge heraus.

“I try with all means to get there” paints a certain picture of the events, brings out certain features.

§

165[3]

Ich gebe jemandem eine Erklärung, bleibe aber stecken & sage, um ihm einen ungefähren Begriff zu geben: “Ich steuere auf den Gedanken hin, daß …” Das ist ungefähr als sagte ich ihm: ich suche das & das.

I give someone an explanation, but I get stuck and say, in order to give him an approximate idea: “I am aiming at the thought that…” That is roughly the same as saying to him: I am looking for this and that.

§

165[4] &
166[1]

Wenn es möglich war, daß einem Andern mein Gedanke vorgezeichnet schien, wie sollte er mir nicht auch vorgezeichnet scheinen können? Aber wenn es sich im Erraten meiner Intention irren kann, warum nicht auch ich mich?

If it was possible for someone else that my thought seemed obvious, how should it not be possible for me as well? But if one can be mistaken in guessing my intention, why not I as well?

§

166[2]

Wenn Einer mit allen Mitteln trachtet, einen Ort zu erreichen, so kann dies auch der Andere, der ihn beobachtet wahrnehmen.

If one tries with all means to reach a place, this can also be perceived by the other person who is observing him.

§

166[3]

Überlege die Verwendung des Satzes: “Ich will unbedingt dieses Haus erreichen.” Wenn zu dem Haus eine bequeme Straße führt, kann man da trachten, dies Haus unbedingt zu erreichen?

Consider the use of the sentence: “I absolutely want to reach this house.” If there is a convenient road leading to the house, can one try to reach this house absolutely?

§

166[4]

→ Auch wenn Du irgendwie zu sehen glaubst, daß die Absicht eine Art von Empfindung ist, – warum sollst Du glauben, daß die gleiche Absicht immer die gleiche Empfindung ist? Man könnte sich denken, daß, in einer Armee z.B., der General bei gewissen Anlässen eine Uniform zu tragen hat, die bei andern Anlässen den Leutnant kennzeichnet, und umgekehrt.

→ Even if you somehow believe that the intention is a kind of sensation, why should you believe that the same intention is always the same sensation? One could imagine that, in an army, for example, the general has to wear a uniform on certain occasions that marks the lieutenant on other occasions, and vice versa.

§

166[5]

“Mit dieser Bemerkung meinte ich Dich!” Ich will ihn dadurch nocheinmal treffen.

“With this remark, I meant you!” I want to hit him with it again.

§

167[1]

Die Meinung, möchte ich sagen, entwickelt sich. Aber auch darin liegt ein Fehler.

The opinion, I want to say, develops. But there is also a mistake in that.

§

167[2]

Wenn Du nun später sagst “Ich meinte …”, beurteilst Du da die ganze Situation.

If you now say later “I meant…”, are you not judging the whole situation?

§

167[3]

[→ ] “Ich nahm die Hand vom Mund & machte bereits eine Bewegung mit dem Finger.” In dem Strom dieser Vorgänge, Gedanken & Empfindungen war dies der Anfang einer Gebärde des Zeigens.

[→] “I took my hand from my mouth and made a movement with my finger.” In the stream of these events, thoughts, and sensations, this was the beginning of a gesture of pointing.

§

167[4]

Ja, wenn ich die ganze Gebärde machte & sagte “Er liegt dort drüben”, so wäre das kein Zeigen, wenn nicht diese Worte zu einer Sprache gehörten.

Yes, if I made the whole gesture and said “It’s over there,” that would not be pointing if these words did not belong to a language.

§

167[5] &
168[1]

Die Frage “Was geht da vor wenn …” (in dieser Art von Untersuchung) ist gänzlich irreführend. Die philosophische Frage selbst verstellt den Weg zur Klarheit.

The question “What is happening when…” (in this kind of investigation) is completely misleading. The philosophical question itself obscures the way to clarity.

§

168[2]

Es könnte Menschen geben, die immer, wenn sie an jemanden denken, sein Gesicht, ausgezeichnet getroffen, vor sich hin zeichneten. (Es fiele das ihnen so leicht, wie uns das Schreiben.) Aber man kann sich auch den Fall denken, daß Leute, ohne scheinbare Ursache, das Gesicht eines Bekannten hinzeichneten, & man nicht sagen könnte, sie dächten an ihn.

There might be people who, whenever they think of someone, draw the person’s face, excellently rendered, in front of them. (It would be as easy for them as writing is for us.) But one can also imagine the case that people, without any apparent reason, draw the face of an acquaintance, and one could not say that they are thinking of him.

§

168[3]

Man könnte auch von einer Empfindung des Zeigens reden; aber Zeigen hat eine Funktion, & die Empfindung zeigt nicht. Und nennt man eine Empfindung ‘Empfindung des Zeigens’, dann muß man mehr als eine Empfindung so nennen. (Feeling of ‘if’.)

One could also speak of a sensation of pointing; but pointing has a function, and the sensation does not point. And if one calls a sensation a ‘sensation of pointing’, then one must call more than one sensation that way. (Feeling of ‘if’.)

§

168[4] &
169[1]

Verwendung von “Ich meine Dich”. “Einer ist zuviel in diesem Zimmer. – Ich meine Dich.”

Use of “I mean you.” “There’s too many people in this room. – I mean you.”

§

169[2]

Man kann unter Umständen sagen: “Ich empfand, ich wollte es Dir sagen.” Aber das würde ich nicht sagen, wenn ich ohnehin mit ihm sprach.

Under certain circumstances, one can say: “I felt that I wanted to tell you.” But I wouldn’t say that if I were already talking to him.

§

169[3]

Gewiß, ich kann auf ihn anzuspielen scheinen & doch keine Anspielung meinen. Also lag der Unterschied in meinem Denken & Fühlen. Aber das sagt nicht, daß ‘meinen’ denken & fühlen heißt! Denn der Unterschied zwischen “es meinen” & “es nicht meinen” kann, im besondern Fall, der zwischen denken & nicht-denken sein.

Certainly, I can seem to allude to him and yet not mean any allusion. So the difference lay in my thinking and feeling. But that doesn’t say that ‘meaning’ is thinking and feeling! Because the difference between “meaning it” and “not meaning it” can, in a particular case, be the difference between thinking and not-thinking.

§

169[4] &
170[1]

[→ ] Unterbrich einen Menschen im gänzlich unvorbereiteten & fließenden Sprechen. – Dann frag ihn, was er hat sagen wollen; & er wird, in der Mehrzahl der Fälle, den angefangenen Satz fortführen können. – “Dazu mußte ihm schon vorgeschwebt haben, was er sagen wollte.” – Ist nicht vielleicht jenes Phänomen der Grund, warum wir sagen, die Fortsetzung habe ihm vorgeschwebt?

[→] Interrupt a person in completely unprepared and flowing speech. – Then ask him what he wanted to say; and in the majority of cases, he will be able to continue the sentence he had begun. – “He must have already had in mind what he wanted to say.” – Isn’t it possible that this phenomenon is the reason why we say that the continuation was already in his mind?

§

170[2] &
171[1]

[→ ] Eine Meinung haben, ist ein Zustand. – Ein Zustand wessen? Der Seele? des Verstandes? Nun, wovon sagt man, es habe eine Meinung? Vom Menschen N.N., z.B.. Man darf eben von der Antwort auf jene Frage noch keinen Aufschluß erwarten. Fragen, die tiefer dringen sind: Was sehen wir in besondern Fällen als die Kriterien dafür an, daß Einer die & die Meinung hat? Wann sagen wir: er sei damals zu dieser Meinung gekommen; wann: er habe seine Meinung geändert? U.s.w. Das Bild, welches die Antworten auf diese Fragen uns geben, zeigt, was hier grammatisch als Zustand behandelt wird.

[→] Having an opinion is a state. – A state of what? The soul? The mind? Well, of what do we say that it has an opinion? Of the person N.N., for example. One must not expect any further enlightenment from the answer to that question. The questions that delve deeper are: What do we consider to be the criteria in particular cases for someone having this or that opinion? When do we say: he came to have this opinion at that time; when: he changed his opinion? And so on. The picture that the answers to these questions give us shows what is grammatically treated here as a state.

§

171[2] &
172[1]

“Ist es nicht eigentümlich, daß ich nicht sollte denken können, es werde bald aufhören zu regnen, ohne die Existenz der Institution der Sprache & ihrer ganzen Umgebung?” – Willst Du sagen, es ist seltsam, daß Du Dir diese Worte nicht sollst sagen können & sie meinen ohne jene Umgebung? Nehmen wir an jemand rufe beim Anblick des Himmels aus: “ …” Da wir ihn fragen, was er meint, sagt er, das heiße “Gottlob, es wird bald aufhören zu regnen”. Ja, er erklärt uns auch, was die einzelnen Wörter bedeuten. – Ich nehme an, er möge plötzlich gleichsam aufwachen & sagen, jener Satz sei völliger Unsinn gewesen, sei ihm aber, als er ihn sprach wie der Satz einer ihm geläufigen Sprache erschienen, ja, wie ein wohlbekanntes Zitat. – Was soll ich nun sagen? Hat er diesen Satz nicht verstanden, als er ihn sagte? Trug der Satz nicht seine ganze Bedeutung in sich?

“Isn’t it peculiar that I shouldn’t be able to think that it will soon stop raining without the existence of the institution of language and its whole environment?” – Do you mean to say that it is strange that you shouldn’t be able to say these words and mean them without that environment? Suppose someone, when looking at the sky, exclaims: “…”. When we ask him what he means, he says that it means “Thank God, it will soon stop raining”. Yes, he also explains to us what the individual words mean. – I suppose he might suddenly, as it were, wake up and say that that sentence was complete nonsense, but that when he spoke it, it seemed to him like the sentence of a language he was familiar with, yes, like a well-known quotation. – What shall I say? Did he not understand this sentence when he said it? Did the sentence not contain its whole meaning?

§

172[2]

Aber worin lag jenes Verstehen & die Bedeutung? Er sprach die Lautreihen in erfreutem Tone, indem er auf den Himmel zeigte, während es noch regnete aber schon lichter wurde; später machte er eine Verbindung seiner Worte mit deutschen Worten.

But what was this understanding and the meaning? He spoke the sequences of sounds in a joyful tone, while pointing at the sky while it was still raining but was getting brighter; later he made a connection between his words and German words.

§

172[3] &
173[1]

“Aber seine Worte fühlten sich eben wie die Worte einer ihm wohlbekannten Sprache an.” – Ja; das Kriterium dafür ist, daß er dies später sagte. Und nun sag ja nicht: “Die Wörter einer uns geläufigen Sprache fühlen sich eben in ganz bestimmter Weise an.”

“But his words just felt like the words of a language he was familiar with.” – Yes; the criterion for that is that he later said that. And now don’t say: “The words of a language we are familiar with just feel in a very specific way.”

§

173[2]

Ich hatte mit Absicht ein Beispiel gewählt, in dem er einer Empfindung Ausdruck gibt. Denn in diesem Fall sagt man, Laute, die keiner Sprache angehören, seien voll von Bedeutung.

I had deliberately chosen an example in which he expresses a sensation. For in this case, one says that sounds that do not belong to any language are full of meaning.

§

173[3]

So sind die Worte “Möchte er doch kommen!” mit meinem Wunsche geladen. Und Worte können sich uns entringen, wie ein Schrei. Worte können schwer auszusprechen sein. Worte des ‘Verzichtens’ z.B., oder das Eingestehen einer Schwäche.

So the words “I wish he would come!” are laden with my wish. And words can burst out of us, like a scream. Words can be difficult to utter. Words of ‘renunciation’, for example, or the admission of a weakness.

§

173[4] &
174[1]

Man könnte sich Menschen denken, die etwas einer Sprache nicht ganz unähnliches, besäßen: Lautgebärden; ohne Wortschatz oder Grammatik. (‘Mit Zungen reden’?)

One could imagine people who possess something not entirely unlike a language: sound gestures; without vocabulary or grammar. (‘Speaking with tongues’?)

§

174[2]

Der Laut “Hm” kann sehr bedeutungsvoll sein.

The sound “Hm” can be very meaningful.

§

174[3]

Worte eines Dichters können uns durch & durch gehen. Und das hängt, kausal, natürlich mit dem Gebrauch zusammen, den wir in unserm Leben von ihnen machen. (Aber der kausale Aspekt interessiert uns nicht.) Und es hängt auch damit zusammen, daß wir, dem Gebrauch dieser Worte entsprechend, unsere Gedanken dorthin & dahin in ihre wohlbekannte Umgebung schweifen lassen.

The words of a poet can permeate us completely. And that is, causally, of course, connected with the use we make of them in our lives. (But the causal aspect does not interest us.) And it is also connected with the fact that, according to the use of these words, we let our thoughts wander from here to there in their well-known environment.

§

175[1]

“Was wäre aber hier die Bedeutung der Laute?” – Was ist sie in der Musik? Obwohl ich gar nicht sagen will, daß diese Sprache der klanglichen Gebärden mit Musik verglichen werden müßte.

“But what would be the meaning of the sounds here?” – What is it in music? Although I don’t want to say that this language of sound gestures must be compared with music.

§

175[2]

Ich sehe ein Bild: es stellt einen alten Mann dar, der, auf einen Stock gestützt einen steilen Weg aufwärts geht. – Und wie das? Konnte es nicht auch so aussehen, wenn er in dieser Stellung die Straße hinunterrutschte? Ein Marsbewohner würde es vielleicht so beschreiben. Ich brauche nicht zu erklären, warum wir es nicht so beschreiben.

I see a picture: it depicts an old man, leaning on a cane, walking up a steep path. – And how is that? Couldn’t it also look like that if he were sliding down the street in that position? A Martian might describe it that way. I don’t need to explain why we don’t describe it that way.

§

175[3] &
176[1]

Damit es mir erscheinen kann, als hätte die Regel alle ihre Folgesätze zum voraus erzeugt, müssen sie mir selbstverständlich erscheinen. So selbstverständlich, wie es mir ist, diese Farbe “blau” zu nennen.

In order for it to seem to me as if the rule has generated all its subsequent sentences in advance, they must seem self-evident to me. As self-evident as it is for me to call this color “blue.”

§

176[2]

Woher die Idee, es wäre die angefangene Reihe ein sichtbares Stück unsichtbar bis in's Unendliche gelegter Geleise? Nun statt der Regel könnten wir uns Geleise denken. Und der nicht begrenzten Anwendung der Regel entsprechen Geleise, bis ins Unendliche.

Where does the idea come from that the started series is a visible stretch of track laid invisibly to infinity? Now, instead of the rule, we can think of tracks. And the unlimited application of the rule corresponds to tracks stretching to infinity.

§

176[3]

Warum aber: “Es liegt doch schon alles in ihr?”? – Ich brauche nur noch die Kurbel drehen, alles übrige tut die Maschine. Und die Kurbel drehen ist etwas so einfaches: ich kann es automatisch tun.

But why: “It’s all already in it?” – I only need to turn the crank, and the machine does the rest. And turning the crank is something so simple: I can do it automatically.

§

176[4]

Ich glaube im Reihenstück ganz fein eine Zeichnung zu erblicken, einen Zug, der nurmehr des “u.s.w.” bedarf, um in die Unendlichkeit zu reichen.

I think I can discern a fine drawing in the series, a move that only needs the “etc.” to extend into infinity.

§

176[5] &
177[1]

Man fühlt nicht, daß man immer des Winkes (der Einflüsterung) der Regel gewärtig sein muß. Im Gegenteil. Wir sind nicht gespannt darauf, was sie uns wohl jetzt sagen wird, sondern sie sagt uns immer dasselbe, & wir tun, was sie uns sagt. Man könnte sagen: wir sehen, was wir beim Folgen nach der Regel tun, unter dem Gesichtspunkt des immer Gleichen an. Man könnte dem, den man abrichtet, sagen: “Sieh, ich tue immer das gleiche; ich …”

One doesn’t feel that one must always be aware of the hint (the prompting) of the rule. On the contrary. We are not eager to hear what it will tell us now, but it always tells us the same thing, & we do what it tells us to do. One could say: we see what we do when we follow the rule, from the point of view of the always same. One could say to the one being trained: “Look, I always do the same thing; I…”

§

177[2]

(Faraday “The Chemical History of a Candle”) “Water is one individual thing – it never changes”.

(Faraday “The Chemical History of a Candle”) “Water is one individual thing – it never changes.”

§

177[3]

Einem beschreiben, wie man einer Regel folgt, heißt, ihn lehren Regeln zu folgen.

Describing to someone how to follow a rule means teaching him to follow rules.

§

177[4] &
178[1]

Aber eine Maschine kann doch nicht denken! – Ist das ein Erfahrungssatz? Nein. Wir sagen nur vom Menschen, & was ihm ähnlich ist, es denke. Wir sagen es auch von Puppen, & wohl auch von Geistern. Sieh das Wort “denken” als Instrument an!

But a machine can’t think! – Is that an empirical proposition? No. We only say that humans, and things similar to them, think. We also say it of dolls, and probably also of spirits. Consider the word “think” as an instrument!

§

178[2]

Wenn es einmal klar geworden ist, daß verschiedene Verben, z.B. die psychologischen – meinen, denken, fürchten, wollen, wissen, etc. – kaum mit einander vergleichbare Arten der Verwendung haben, wird die Untersuchung des besonderen Falles um vieles leichter fallen.

Once it has become clear that different verbs, e.g., the psychological ones – mean, think, fear, want, know, etc. – have hardly comparable types of use, the investigation of the particular case will become much easier.

§

178[3] &
179[1]

“Wenn ich Einen die Bildung der Reihe … lehre, meine ich doch, er solle an der 100sten Stelle … schreiben.” Ganz richtig: Du meinst es. Und offenbar ohne notwendigerweise auch nur daran zu denken. Das zeigt Dir wie verschieden die Grammatik des Wortes “meinen” von der des Wortes “denken” ist. Und nichts Verkehrteres, als “Meinen” eine geistige Tätigkeit zu nennen. Wenn man nämlich nicht darauf ausgeht Konfusion zu erzeugen. (Man könnte von einer Tätigkeit der Butter reden, wenn sie im Preise steigt; & wenn dadurch keine Probleme erzeugt werden, so ist es harmlos.)

“When I teach someone the formation of the series…, I mean that he should write at the 100th place…” Quite right: You mean it. And apparently without necessarily even thinking about it. This shows you how different the grammar of the word “mean” is from that of the word “think.” And there is nothing more misleading than calling “meaning” a mental activity. Unless one is trying to create confusion. (One could talk about the activity of butter if its price rises; & if this does not create any problems, then it is harmless.)

§

179[2]

Ich folge einer Regel nicht anders, als der Anweisung “Schlage zwei Eier in eine Pfanne”. Und gehörte dieser Satz keiner Sprache an, oder einer, die ich nicht verstehe, so folgte ich diesen Worten nicht, was immer ich täte.

I follow a rule no differently than the instruction “Crack two eggs into a pan.” And if this sentence did not belong to any language, or to one that I do not understand, then I would not follow these words, no matter what I did.

§

179[3]

Ich bin geneigt vom Toten zu reden als von einem, dem etwas abgeht. Ich sehe das Leben (unbedingt) als ein Plus an, als etwas dem Leblosen hinzugefügtes.

I am inclined to speak of the dead as someone who lacks something. I see life (unconditionally) as a plus, as something added to the lifeless.

§

179[4] &
180[1]

Wie erkenne ich, daß diese Farbe Rot ist? – Eine Antwort wäre: “Ich habe Deutsch gelernt.”

How do I recognize that this color is red? – One answer would be: “I have learned German.”

§

180[2]

Eine Königskrönung ist das Bild der Pracht & Würde. Nehmen wir eine Minute dieses Vorgangs aus ihrer Umgebung heraus. Dem König im goldgewirkten Krönungsmantel wird die Krone auf's Haupt gesetzt. – In einer andern Umgebung nun ist Gold das billigste Metall. Das Gewebe des Mantels ist durch die vorhandenen Maschinen billig herzustellen. Etc., etc.. Die Krone wird als Parodie eines anständigen Hutes empfunden & Einem zum Spott aufgesetzt.

A king’s coronation is the image of splendor and dignity. Let us take a minute of this event out of its context. The king in the gold-embroidered coronation robe has the crown placed on his head. – In a different context, now, gold is the cheapest of metals. The fabric of the robe is cheap to produce with the available machines. Etc., etc. The crown is felt as a parody of a decent hat and placed on someone’s head as a joke.

§

181[1]

Jemand, der nicht Deutsch kann, hört mich bei gewissen Anlässen ausrufen “Welch herrliche Beleuchtung!” Er errät den Sinn & gebraucht nun den Ausruf selber, wie wir es tun, ohne jedoch die drei Wörter zu verstehen. Versteht er den Ausruf? Wäre es ebenso leicht, sich den analogen Fall zu denken für den Satz: “Wenn der Zug nicht pünktlich um 5 Uhr ankommt, wird er den Anschluß versäumen”? Was hieße es etwa in diesem Falle: den Sinn erraten?

Someone who doesn't speak German hears me exclaim on certain occasions, “What glorious lighting!” He guesses the sense & now uses the exclamation himself, as we do, without, however, understanding the three words. Does he understand the exclamation? Would it be equally easy to imagine the analogous case for the sentence: “If the train does not arrive punctually at 5 o'clock, it will miss the connection”? What would it mean, in this case, to guess the sense?

§VB

181[2]

Es wird schwierig sein, meiner Darstellung zu folgen: denn sie sagt Neues, dem doch die Eierschalen des Alten ankleben.

It will be difficult to follow my representation, because it says something new, yet the eggshells of the old cling to it.

§

181[3] &
182[1]

Wissen, wie jemand geht: es sich vorstellen können – aber auch: es nachmachen können. Muß man sich's vorstellen, um es nachzumachen? Und ist es nachmachen nicht ebenso stark, als es sich vorstellen?

To know how someone walks: to be able to imagine it – but also: to be able to imitate it. Must one imagine it in order to imitate it? And isn’t imitation just as much like imagining it?

§

182[2] &
183[1]

[→ [116/ 1]] Wie erkenne ich, daß dies rot ist? – Ich bin in Verlegenheit, was ich sagen soll. – Wie erkenne ich, daß diese zwei Bäume gleich hoch sind? Hier bin ich nicht in Verlegenheit. Ich weiß verschiedene Antworten. – Wie erkenne ich, daß dies rot ist? Ich wollte etwa sagen: Ich schaue; & sehe es ist so. Und davon gehe ich nun zu dem Wort über. Ich sehe, daß es diese Farbe ist; nun weiß ich, daß diese Farbe so heißt. Diese? – Welche?! Welche Art der Antwort hat auf diese Frage Sinn? (Du steuerst immer wieder auf eine innere hinweisende Erklärung hin.) Auf den privaten Übergang von dem Gesehenen zum Wort könnte ich keine Regeln anwenden. Hier hingen die Regeln wirklich in der Luft; da die Institution ihrer Anwendung fehlt.

[→ [116/ 1]] How do I recognize that this is red? – I am at a loss as to what to say. – How do I recognize that these two trees are the same height? Here I am not at a loss. I know various answers. – How do I recognize that this is red? I wanted to say something like: I look; & see that it is so. And from this I now move to the word. I see that it is this color; now I know that this color is called so. This? – Which?! What kind of answer makes sense to this question? (You keep returning to an inner, ostensive explanation.) No rules could be applied to the private transition from the seen to the word. Here, the rules really hang in the air; because the institution of their application is lacking.

§

183[2]

Wenn ich auf Einen anspiele, & er nicht anwesend sei … Er kann auch tot sein. Muß er je gelebt haben? Muß ich jemals als eben in diesem Augenblick, geglaubt haben, es gebe ihn? Und worin bestand nun das Anspielen auf ihn? – Ja, wenn ich mir es vorstelle, denke ich, die Worte würden in einem geheimnisvollen, konspiratorischen Tone ausgesprochen. Später sagt er mir etwa: “Ich habe auf … angespielt.” Nun, das wäre eine Art der Verrücktheit, die mit unserm Auf-jemand-anspielen eine gewisse Verwandtschaft hätte.

If I allude to someone, & he is not present… He can also be dead. Must he ever have lived? Must I ever have believed, at that very moment, that he exists? And what was the allusion to him? – Yes, if I imagine it, I think the words would be spoken in a mysterious, conspiratorial tone. Later he tells me something like: “I alluded to…” Well, that would be a kind of madness that would have a certain kinship with our alluding to someone.

§

184[1]

Wie aber, wenn er mir sagte, bei jenen Worten habe er auf … (der nicht existiert) angespielt, – als er aber jene Worte äußerte, sei nicht zu bemerken gewesen, daß sie eine Anspielung waren?

But what if he told me that, in those words, he alluded to… (someone who does not exist), – yet when he uttered those words, it was not noticeable that they were an allusion?

§

184[2]

‘Anspielung’ werden wir eine Bemerkung nur in einer bestimmten Umgebung nennen. Und auch wenn uns Einer versichert, er habe damals auf jemand, oder auf den so & so, angespielt, werden wir dies nicht für Wahrheit (wenn auch dann nicht für eine Lüge) halten

We will only call a remark an ‘allusion’ in a certain environment. And even if someone assures us that he alluded to someone, or to so-and-so, at that time, we will not consider this to be true (even if we do not consider it to be a lie).

§

185[1]

Wenn mir jemand plötzlich mit haßerfülltem Ausdruck sagt: “Ich hasse den …” Und jener Name bezeichnet niemand, – soll ich sagen, dieser Mensch hasse jemand? Ich werde wohl so etwas sagen, wie: dieser Mensch hat Haßanfälle. Könnte man nun in einem ähnlichen Sinn sagen: Dieser Mensch hat Anspielungsanfälle? Warum nicht? – Aber diese Anfälle bestünden in den Erscheinungen des Anspielens.

If someone suddenly says to me with a hateful expression: “I hate the…” And that name refers to no one, – am I to say that this person hates someone? I will probably say something like: this person has fits of hatred. Could one say, in a similar sense, that this person has fits of allusion? Why not? – But these fits would consist of the phenomena of allusion.

§

185[2] &
186[1]

“Was geschieht, wenn ein Mensch plötzlich versteht?” – Die Frage ist falsch gestellt. Fragt sie nach der Bedeutung des Ausdrucks “plötzlich verstehen”, so ist die Antwort nicht das Hinweisen auf einen Vorgang, den wir so nennen. Die Frage könnte bedeuten: Was sind Anzeichen dafür, daß einer plötzlich versteht & charakteristische psychische Begleiterscheinungen, wie die Gefühle, die zu jenen Anzeichen gehören. Wenn ich z.B. plötzlich den Atem einziehe, so merkt es der Andere & ich fühle es auch.

“What happens when a person suddenly understands?” – The question is badly posed. If it asks for the meaning of the expression “suddenly understand,” the answer is not to point to a process that we call by that name. The question could mean: What are the signs that someone suddenly understands, and what are the characteristic psychological accompaniments, such as the feelings that belong to those signs? If, for example, I suddenly take a breath, the other person notices it, and I also feel it.

§

186[2]

Daß die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Ausdrucks mit dieser Beschreibung nicht gegeben ist, verleitet dann zu der Folgerung, das Verstehen sei eben ein spezifisches, undefinierbares Erlebnis. Man vergißt aber, daß was uns interessieren muß, die Frage ist: Wie vergleichen wir diese Erlebnisse; was legen wir fest als Kriterium der Identität des Geschehnisses?

The fact that the answer to the question about the meaning of the expression is not given by this description then leads to the conclusion that understanding is precisely a specific, indefinable experience. But one forgets that what must interest us is the question: How do we compare these experiences; what do we establish as the criterion for the identity of the event?

§

187[1]

Ist es richtig, wenn Einer sagt: “Als ich Dir diese Regel gabt, meinte ich Du solltest in diesem Falle …”? auch wenn er, als er die Regel gab, an diesen Fall gar nicht dachte? Freilich ist es richtig. ‘Dies meinen’ hieß eben nicht: daran denken. Die Frage ist nun aber: Unter welchen Umständen hat Einer Recht zu sagen, er habe damals das gemeint Daß er z.B. eine bestimmte Technik der Arithmetik & Algebra beherrschte & dem Andern den gewöhnlichen Unterricht im Entwickeln einer Reihe gab, ist so ein Kriterium.

Is it correct when someone says: “When I gave you this rule, I meant that you should do this in this case”? Even if, when he gave the rule, he didn't think about this case at all? Of course, it is correct. ‘To mean this’ simply didn't mean: to think about it. The question now is: under what circumstances does someone have the right to say that he meant that at the time? For example, that he mastered a certain technique of arithmetic & algebra and gave the other person the usual instruction in developing a series – that is such a criterion.

§

188[1]

Ein Satz & daher, im andern Sinne, ein Gedanke, kann der ‘Ausdruck’ des Glaubens, Hoffens, Erwartens, etc., sein. Aber Glauben ist nicht Denken. (Eine grammatische Bemerkung.) Die Begriffe des Glaubens, Erwartens, Hoffens sind einander viel ähnlicher als sie dem Begriff des Denkens sind

A sentence & therefore, in another sense, a thought, can be the ‘expression’ of belief, hope, expectation, etc. But belief is not thinking. (A grammatical remark.) The concepts of belief, expectation, and hope are much more similar to each other than they are to the concept of thinking.

§

188[2] &
189[1]

Eher noch kann man vergleichen: ‘Glauben’ & ‘von gewissen Gedanken beherrscht sein’. (Diese beiden wird man “Zustände” zu nennen geneigt sein. Einen Gedanken wird man nicht unter die Zustände rechnen.

One can even compare: ‘believing’ & ‘being dominated by certain thoughts’. (These two one will be inclined to call “states”. One would not count a thought among the states.)

§

189[2]

Denk Dir statt “Jetzt versteh ich's!” einen Naturlaut.

Imagine, instead of “Now I understand!”, a natural sound.

§

189[3]

Wie ein Wort verstanden wird, das sagen Worte allein nicht. (Theologie.)

Words alone cannot say how a word is understood. (Theology.)

§

189[4] &
190[1]

“Er grüßte mich freundlich”. Man kann fragen “Wie ging es vor?” & die Antwort wäre: Er ist so & so auf mich zugekommen, hat gelächelt etc., etc. Kann man in diesem Sinne fragen, “Wie hast Du ihn mit jenen Worten gemeint”? Ja & Nein. Man kann manchmal Einzelheiten angeben. Z.B. “Ich dachte …” oder “Ich sah ihn so & so an” etc. Aber das sind nicht Einzelheiten eines Vorgangs, der “ihn meinen” heißt! So wird “meinen” nicht gebraucht. Aber doch kämen diese “Einzelheiten” mit dem Meinen zusammen. Sonst wäre man überhaupt nicht versucht, in ihnen Einzelheiten des Meinens zu sehen.

“He greeted me kindly.” One can ask, “How was it before?” & the answer would be: He approached me in such & such a way, smiled, etc., etc. Can one, in this sense, ask, “How did you intend those words?” Yes & no. One can sometimes specify details. For example, “I thought…” or “I looked at him in such & such a way,” etc. But these are not details of a process that is called “intending him”! That is not how “intending” is used. But nevertheless, these “details” would come together with the intending. Otherwise, one would not even be trying to see details of the intending in them.

§

190[2]

Was ist das Kriterium davon, daß ich dies meinte? – Ein Kriterium ist, daß ich dies später sage. Aber woran erkannte ich, daß ich es meinte? An gar nichts. Ich ‘erkenne’ es nicht.

What is the criterion for the fact that I meant this? – One criterion is that I say this later. But how did I recognize that I meant it? I recognized it from nothing. I don’t “recognize” it.

§

190[3] &
191[1]

Wir analysieren nicht ein Phänomen (z.B. das Denken), sondern einen Begriff (z.B. den des ‘Denkens’),

& also die Anwendung eines Wortes. So kann es scheinen als wären wir Nominalisten. Nominalisten machen den Fehler, daß sie alle Wörter als Namen deuten, also ihre Verwendung nicht wirklich beschreiben, sondern nur eine Anweisung auf so eine Beschreibung geben.

We are not analyzing a phenomenon (e.g., thinking), but a concept (e.g., the concept of ‘thinking’), and thus the application of a word. So it may seem as if we were nominalists. Nominalists make the mistake of interpreting all words as names, so they do not really describe their use, but only give an instruction to such a description.

§

191[2]

Man kann nicht sagen “Ich meine jemanden, indem ich mit der Hand auf ihn zeige”. Meinen ist nicht ein Zeigen, auch nicht ein ‘geistiges’ Zeigen.

One cannot say, “I mean someone by pointing at him with my hand.” Meaning is not pointing, not even ‘mental’ pointing.

§

191[3] &
192[1]

Es wäre falsch zu sagen: “Ich meine ihn indem ich mit der Hand auf ihn zeige”, noch ist das Meinen ein geistiges Zeigen. Denn Meinen ist nicht eine geistige (oder andere) Tätigkeit. Statt “Ich habe ihn gemeint” kann man auch sagen “Ich habe von ihm gesprochen”. Und wie macht man das; mit diesen Worten von ihm sprechen? Warum klingt es falsch zu sagen “Ich habe von ihm gesprochen, indem ich bei diesen Worten auf ihn gezeigt habe“?

It would be wrong to say: “I mean him by pointing at him with my hand”; nor is meaning a mental act of pointing. For meaning is not a mental (or other) activity. Instead of “I meant him”, one can also say “I spoke of him”. And how does one do that; how does one speak of him with these words? Why does it sound wrong to say “I spoke of him by pointing at him with these words”?

§

192[2] &
193[1]

“Ihn meinen” heißt etwa: von ihm reden; nicht: auf ihn zeigen. Und wenn ich von ihm rede, besteht freilich eine Verbindung zwischen meiner Rede & ihm, aber diese Verbindung besteht in der Anwendung der Rede, nicht in einem Akt des Zeigens. Das Zeigen ist selbst nur ein Zeichen, & es kann im Sprachspiel die Anwendung der Sätze regeln, also, was gemeint ist, anzeigen.

“To mean him” means something like: to talk about him; not: to point at him. And when I talk about him, there is indeed a connection between my speech and him, but this connection lies in the application of the speech, not in an act of pointing. The pointing itself is only a sign, and it can regulate the application of the sentences in the language-game, i.e., indicate what is meant.

§

193[2]

“Ich habe das wirklich mehr zu mir selbst als zu Dir gesagt.” – Worin liegt es also, daß ich zu ihm spreche? – Nun, ich richte meine Worte an ihn! – Also gibt es hier wieder ein geistiges Zielen? – oder ist nur ein Benehmen gemeint, etwa dasjenige, dem Angesprochenen in die Augen zu schauen?

“I really said that more to myself than to you.” – So what is it that makes me speak to him? – Well, I address my words to him! – So, is there once again a mental aiming involved here? – Or is it merely a matter of behaviour, perhaps the act of looking the person being addressed in the eye?

§

193[3]

Man kann uns Nominalisten nennen, wenn wir uns nicht bewußt sind, daß die Grenze, die eine Definition zieht, nur der Wichtigkeit dieser Grenze willen gezogen ist. Und Sätze, die diese Wichtigkeit erklären, sind nun nicht solche über die Sprache.

One can call us nominalists if we are not aware that the boundary that a definition draws is drawn only because of the importance of that boundary. And sentences that explain this importance are not sentences about language.

§

194[1]

Was wir zur Erklärung der Bedeutung, ich meine der Wichtigkeit eines Begriffs sagen müssen, sind oft außerordentlich allgemeine Naturtatsachen, solche die wegen ihrer großen Allgemeinheit kaum je erwähnt werden. [Hierher die Bemerkung von den ‘kuriosen Beiträgen’.]

What we must say to explain the meaning, I mean the importance of a concept, are often extraordinarily general facts of nature, such that because of their great generality, they are hardly ever mentioned. [Here, the remark about the ‘curious contributions’.]

§

194[2]

Eine Klasse von Situationen.

A class of situations.

§

194[3]

Es ist so wenig für das Verständnis eines Satzes wesentlich, daß man sich bei ihm etwas vorstelle als das man nach ihm eine Zeichnung entwerfe.

It is not essential for the understanding of a sentence that one imagines something when encountering it, as opposed to sketching a drawing afterward.

§

194[4] &
195[1]

Denk Dir den Fall eines Menschen, der sich selbst, oder seinen Gliedmaßen, Befehle geben muß, damit sie sich bewegen. Dieser Fall wäre gewissen wirklichen Fällen vielleicht nicht ganz unähnlich. Aber dieser Mensch spräche doch, ohne sich erst diese Befehle zu geben.

Imagine the case of a person who has to give himself, or his limbs, commands in order for them to move. This case would perhaps not be entirely dissimilar to certain real cases. But this person would still speak without first giving himself these commands.

§

195[2]

“Wie zeigt es sich, daß das Sprechen nicht unwillkürlich ist?

“How does it show that speaking is not involuntary?”

§

195[3]

Die Vorstellung der Kraft als Charakteristikum der willkürlichen Handlungen. (Innervationsgefühl)

The idea of force as a characteristic of voluntary actions. (Feeling of innervation)

§

195[4] &
196[1]

“Das Wollen, wenn es nicht eine Art Wünschen sein soll, muß das Handeln selber sein. Darf nicht vor dem Handeln stehen bleiben.” Ist es das Handeln, so ist es dies im gewöhnlichen Sinne dieses Wortes; also: sprechen, schreiben, gehen, etwas heben, sich bemühen etwas zu heben, ein Wort auszusprechen trachten,, die Aufmerksamkeit auf etwas konzentrieren, sie auf etwas zu konzentrieren versuchen, sich etwas vorstellen, versuchen, dies zu tun.

“Willing, if it is not to be a kind of wishing, must be the action itself. It must not be allowed to precede the action.” If it is the action, then it is so in the ordinary sense of the word; that is: speaking, writing, walking, lifting something, trying to lift something, uttering a word, concentrating one’s attention on something, trying to concentrate one’s attention on it, imagining something, trying to do so.

§

196[2]

Was heißt es: sich die Gedanken & Gefühle des Andern ausmalen? Wie macht man das?

What does it mean to imagine the thoughts and feelings of another? How does one do it?

§

196[3]

Wenn ich meinen Arm hebe, so habe ich nicht gewünscht er möge sich heben. Die willkürliche Handlung schließt diesen Wunsch aus. Dagegen kann man allerdings sagen: “Ich hoffe ich werde den Kreis fehlerlos zeichnen”. Und damit drückt man einen Wunsch aus, die Hand möge sich so & so bewegen.

If I raise my arm, I did not wish for it to rise. Voluntary action excludes this wish. One can, however, say: “I hope I will draw the circle flawlessly.” And with that, one expresses a wish that the hand move in such and such a way.

§

197[1]

Man kann Einem befehlen: “Entschließ Dich!”, “Make up your mind!”. Also auch das ist ein Willensakt.

One can command someone: “Make up your mind!” Thus, this too is an act of will.

§

197[2]

Im Laboratorium, unter dem Einfluß elektrischen Stroms etwa, sagt Einer mit geschlossenen Augen: “Ich bewege meinen Arm auf & ab”, obgleich sich der Arm nicht bewegt. Er hat also das besondere Gefühl der Bewegung” sagen wir. – Beweg mit geschlossenen Augen Deinen Arm hin & her. Und nun versuch, während Du es tust, Dir zu sagen, der Arm stehe still, & Du habest nur gewisse seltsame Empfindungen in verschiedenen Muskeln etc.!

In the laboratory, under the influence of electric current, for example, a person says with closed eyes: “I am moving my arm up and down,” although the arm is not moving. He has, we say, the special feeling of movement. – Move your arm up and down with your eyes closed. And now try, while doing so, to say to yourself that the arm is still, and you will have only certain strange sensations in various muscles, etc.!

§

197[3] &
198[1]

“Wie weißt Du, daß Du Deinen Arm gehoben hast?” – “Ich fühle es”. Was Du also wiedererkennst ist die Empfindung? Und ist es sicher, daß Du sie richtig wiedererkennst? – Diese Äußerung machen ist das Kriterium das Maß des Wiedererkennens.

“How do you know that you raised your arm?” – “I feel it.” What you recognize, therefore, is the sensation? And is it certain that you recognize it correctly? – The act of making this statement is the criterion, the measure of recognition.

§

198[2] &
199[1]

“Ich glaube, das richtige Wort in diesem Fall ist …”. Zeigt das nicht, daß die Bedeutung des Worts ein Etwas ist, das uns vorschwebt & das gleichsam das genaue Bild ist, das wir hier brauchen wollen? Denke, ich wählte zwischen den Worten “stattlich”, “würdevoll”, “stolz”, “Achtung gebietend”; ist es nicht, als ob ich zwischen den Bildern in einer Mappe wählte. – Nein; daß man vom treffenden Wort redet, zeigt nicht die Existenz eines Etwas, welches, etc. Vielmehr ist man geneigt, von jenem bildartigen Wesen zu sprechen, weil man ein Wort als treffend empfinden kann, zwischen Worten oft, wie zwischen ähnlichen, aber doch nicht gleichen Bildern, wählt, weil man Bilder oft statt Wörtern oder zur Illustration von Wörtern gebraucht etc.

“I believe the right word in this case is …”. Doesn’t that show that the meaning of the word is something that occurs to us & is, as it were, the exact picture that we want to have here? I think I chose between the words “stately,” “dignified,” “proud,” “commanding respect”; isn’t it as if I were choosing between the pictures in a folder. – No; the fact that one speaks of the apt word does not show the existence of something, etc. Rather, one is inclined to speak of that image-like essence, because one can perceive a word as apt, one chooses between words, often as one chooses between similar, but not quite identical, pictures, because one often uses pictures instead of words or to illustrate words, etc.

§

199[2]

Wenn wir die Frage “warum” unterdrücken, fallen uns oft erst die wichtigen Tatsachen auf, die in unsre Untersuchung gehören.


When we suppress the question “why,” we often only then notice the important facts that belong in our investigation.

§

199[3] &
200[1]

“Ich fühle große Freude” – Wo? Das klingt blödsinnig. Und doch sagt man auch “Ich fühle eine freudige Erregung in meiner Brust”. – Warum, aber ist Freude nicht lokalisiert? Ist es, weil sie über den ganzen Körper verteilt ist? Auch dann ist sie nicht lokalisiert, wenn etwa das Gefühl, was sie erzeugt es ist; wenn wir uns etwa am Geruch einer Blume freuen. – Die Freude äußert sich im Gesichtsausdruck, im Benehmen. (Aber wir sagen nicht wir freuten uns im Gesicht.)

“I feel great joy” – Where? That sounds absurd. And yet one also says, “I feel a joyful excitement in my chest.” – But is joy not localized? Is it because it is distributed over the whole body? Even then, it is not localized, if what causes the feeling is; when we enjoy the smell of a flower, for example. – Joy manifests itself in facial expression, in behavior. (But we do not say we rejoiced in our face.)

§

200[2]

“Aber ich habe doch ein wirkliches Gefühl der Freude!” Ja, wenn Du Dich freust, so freust Du Dich wirklich. Und freilich ist Freude nicht freudiges Benehmen, noch auch ein Gefühl um die Mundwinkel & Augen. “Aber ‘Freude’ bezeichnet doch etwas Inneres.” Nein. “Freude” bezeichnet gar nichts. Weder Inneres noch Äußeres.

“But I do have a real feeling of joy!” Yes, if you are happy, then you are really happy. And of course, joy is not joyful behavior, nor is it a feeling around the corners of the mouth and eyes. “But ‘joy’ does refer to something inner.” No. “Joy” does not refer to anything. Neither inner nor outer.

§

200[3] &
201[1]

“Ich weiß genau, was ich sagen wollte!” Und doch hatte ich's nicht gesagt. – Und doch lese ich's nicht von irgend einem andern Vorgang ab, der damals stattfand & mir in der Erinnerung ist. Und ich deute auch nicht die damalige Situation & ihre Vorgeschichte. Denn ich überlege mir sie nicht & beurteile sie nicht.

“I know exactly what I wanted to say!” And yet I didn’t say it. – And yet I do not derive it from some other process that took place at the time and is in my memory. And I do not interpret the situation at that time and its history. Because I do not think about it and judge it.

§

201[2] &
202[1]

Die Anwendung des Imperativs. Man kann befehlen: Heb den Arm. Stell Dir … vor. Rechne … im Kopf. Überlege Dir … Konzentrier Deine Aufmerksamkeit auf diese Rechnung. Konzentriere Deine Aufmerksamkeit auf das Gefühl in Deinem Arm. Horch genau auf diesen Ton hin. Sieh diese Figur als Swastika an. Entschließe Dich, es zu tun! Aber auch dies? Beabsichtige es zu tun! Meine mit diesen Worten ihn! Vermute, daß es sich so verhält! Glaube, daß es so ist! Sei der festen Überzeugung …! Erinnere Dich daran, daß dies geschehen ist! Zweifle daran, ob es geschehen ist! Hoffe auf seine Rückkehr! Ist das der Unterschied, daß die erste, willkürliche, die zweite unwillkürliche Bewegungen des Geistes sind? Eher kann ich sagen: Die Verben der zweiten Gruppe bezeichnen keine Handlungen.

The application of the imperative. One can command: Raise your arm. Imagine … something. Calculate … in your head. Consider … something. Concentrate your attention on this calculation. Concentrate your attention on the feeling in your arm. Listen carefully to this tone. See this figure as a swastika. Resolve to do it! But also this? Intend to do it! Mean it with these words! Assume that it is so! Believe that it is so! Be firmly convinced …! Remember that this happened! Doubt whether it happened! Hope for his return! Is that the difference, that the first is an arbitrary, the second an involuntary movement of the mind? Rather, I can say: The verbs of the second group do not denote actions.

§

202[2]

Was ich Leute zu lehren versuche, ist, von einem nicht offenbaren Unsinn auf einen offenbaren übergehen

What I try to teach people is to move from an unobtrusive nonsense to an unobtrusive sense.