Ms-135

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12 published remarks, VB
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§

1v[1]

12.07.1947

Muß man, um die analoge Struktur zweier mathematischer Ausdrücke zu erkennen, sie in bestimmter Weise sehen? Oder ist es richtig zu sagen: den Ausdruck so zu sehen, helfe die Ähnlichkeit zu erkennen? Dies klingt sehr verdächtig! Und kann man nicht doch sagen: “Ich sah den Ausdruck plötzlich so – so phrasiert –, da fiel mir die Ähnlichkeit mit ‥‥ auf”?

12.07.1947

Must one, in order to recognize the analogous structure of two mathematical expressions, see them in a certain way? Or is it correct to say: to see the expression in this way helps to recognize the similarity? This sounds very suspicious! And can one not say: “I suddenly saw the expression like this – so phrased – and then I noticed the similarity with …”?

§

1v[2]

Dieses das als das Sehen scheint manchmal ein Sinneseindruck, manchmal eine Bereitschaft das & das zu tun. Nur Erfahrung könnte lehren, daß wirklich das so-Sehen diesem Handeln entgegenkommt.

This seeing it as it is sometimes seems to be a sense impression, sometimes a readiness to do this and that. Only experience could teach that really, this seeing it in this way is conducive to this action.

§

1v[3] &
2r[1]

Man muß da bedenken, daß das so-Sehen eine ähnliche Wirkung haben kann, wie ein Verändern des Gesehenen, z.B. durch ein Setzen von Klammern, ein Unterstreichen, Zusammenfassen auf die oder jene Art, etc., & daß das so-Sehen in dieser Weise wieder mit dem Vorstellen Ähnlichkeit hat. Niemand wird doch läugnen, daß ein Unterstreichen, ein Setzen von Klammern, dem Erkennen einer Ähnlichkeit günstig sein kann.

One must bear in mind that this seeing it in this way can have a similar effect to changing what is seen, e.g. by placing parentheses, underlining, grouping it in one way or another, etc., and that this seeing it in this way in this way is similar to imagining. No one will deny that underlining, placing parentheses, can be conducive to recognizing a similarity.

§

2r[2]

Es ist doch klar, daß nur der, welcher das doppeldeutige Bild als Hasen sieht, den Gesichtsausdruck des Hasen wird nachahmen können. Sieht er das Bild also auf diese Weise so wird ihm dies ermöglichen, eine gewisse Ähnlichkeit zu beurteilen.

It is clear that only the one who sees the ambiguous image as a rabbit will be able to imitate the rabbit’s facial expression. So, if one sees the image in this way, it will enable him to judge a certain similarity.

§

2r[3] &
2v[1]

Man wird auch gewisse Dimensionen nur dann richtig schätzen, wenn man das Bild auf diese Weise sieht.

One will also only be able to properly estimate certain dimensions if one sees the image in this way.

§

2v[2]

Und doch fehlt meiner ganzen Betrachtung noch etwas Wesentliches, irgend etwas Fundamentales. Ich sehe noch etwas unter einem falschen Schema.

And yet, something essential is still missing from my whole consideration, something fundamental. I am still seeing something under a false schema.

§

2v[3] &
3r[1]

Es besteht kein Grund anzunehmen, daß eine Menge gewöhnlicher Menschen dasselbe leisten können, also dieselben Effekte hervorbringen können, die ein ungewöhnlicher Mensch hervorbringen kann. Das heißt nicht nur, daß eine Anzahl mittelmäßiger Komponisten nicht das Wohltemperierte Klavier hätten schreiben können, sondern kein Grund zur Annahme besteht es hätte ein weittragendes geschichtliches Ereignis, das einen Mann zum Zentrum hatte, ähnlich auch von einer Masse sehr gewöhnlicher Menschen ohne einen außerordentlichen Führer bewirkt werden können. Es ist in keinem Sinne klar, daß zur Erzeugung eines großen weitausgebreiteten Effekts nicht eine Konzentration großer Energie in einem Menschen nötig sei. Dies von vornherein anzunehmen ist eine Dummheit, die sich kein Wissenschaftler in seiner Wissenschaft erlauben könnte.

There is no reason to assume that a group of ordinary people can achieve the same, i.e. produce the same effects that one unusual person can produce. This does not only mean that a number of mediocre composers could not have written the Well-Tempered Clavier, but there is no reason to assume that it could be a far-reaching historical event that had one man at its center, just as it could be caused by a mass of very ordinary people without an extraordinary leader. It is not at all clear that a concentration of great energy in one person is necessary to generate a large, widespread effect. To assume this from the outset is a stupidity that no scientist could allow in his science.

§

3r[2]

Diese Beschreibung scheint plötzlich zu passen, dann jene! – Aber ist das nicht nur darum so, weil eben jetzt dies in irgendeinem Sinne da ist, dann jenes? In irgend einem Sinne. – Man könnte natürlich auch sagen: Jetzt ist es so, jetzt so. Aber was damit gemeint wäre könnte nur die weitere Verwendung zeigen.

This description suddenly seems to fit, then that one! – But is that not only because right now, this is in some sense there, then that? In some sense. – One could, of course, also say: Now it is like this, now like that. But what is meant by that can only be shown by its further use.

§

3r[3] &
3v[1]

“Ich sehe diese Figur jetzt so erzeugt, jetzt so.” “Jetzt zu diesem System gehörig, jetzt zu jenem.” “Jetzt zu dieser Ordnung, jetzt zu jener gehörig.

“I see this figure now like this, now like that.” “Now belonging to this system, now to that.” “Now belonging to this order, now to that.

§

3v[2]

Und wie, wenn das alles Wahnsinn wäre?! Was unterscheidet es von diesem?

And what if all this were madness?! What distinguishes it from that?

§

3v[3] &
4r[1]

Das ‘Schachbrett’ einmal so, einmal so sehen hat anscheinend sehr geringe Wichtigkeit. Und doch möchte man glauben, es müßte von der allergrößten Wichtigkeit sein. – Daß man das Schachbrett so & so auffassen kann, ist offenbar von der größten Wichtigkeit. (Die Mathematik beruht auf dieser Fähigkeit.) Aber ist ‘es so auffassen’ & ‘es so sehen’ das Gleiche? Muß wer es so auffassen kann, es so sehen können? Oder begünstigt das so-sehen Können das so-auffassen Können sosehr, wie etwa die Existenz von Landkarten die Entwicklung der Geographie. Darstellende Geometrie

Seeing the ‘chessboard’ once like this, once like that, apparently has very little importance. And yet one would like to believe that it must be of the greatest importance. – The fact that one can grasp the chessboard in this way and that way is obviously of the greatest importance. (Mathematics is based on this ability.) But is grasping it in this way and seeing it in this way the same thing? Must the one who can grasp it in this way also be able to see it in this way? Or does the ability to see it in this way favor the ability to grasp it in this way as much as the existence of maps favors the development of geography? Descriptive geometry.

§

4r[2]

Aber habe ich je von einem Mathematiker gehört, es sei dieses So-sehen Können eine wichtige Qualifikation des Mathematikers. Habe ich je einen davon reden hören? Laboriere ich hier nicht unter einem Mißverständnis?

But have I ever heard a mathematician say that this ability to see it in this way is an important qualification of the mathematician? Have I ever heard one of them talk about it? Am I not laboring under a misunderstanding here?

§

4r[3]

13.07.1947

Man könnte freilich das So-sehen Können zur Phantasie rechnen, & die gehört wohl zur Ausrüstung des Mathematikers

13.07.1947

One could, of course, count the ability to see it in this way as imagination, and that probably belongs to the equipment of the mathematician.

§

4r[4] &
4v[1]

Denke, es sei mir ein mathem. Ausdruck gegeben & ich schreibe ihn nun neu an mit neuen Klammern, etc., mit neuer Organisation. – War es dagegen nötig, daß ich zuerst den alten Ausdruck anders sah? Es hätte sich so abspielen können, daß ich den alten Ausdruck ansah & sagte “Jetzt sehe ich ihn auf neue Art”, & nun schreibe ich ihn anders organisiert an. Aber so mußte es nicht geschehen.

Think, a mathematical expression is given to me & I now write it anew with new parentheses, etc., with new organization. – Was it, on the other hand, necessary that I first see the old expression differently? It could have happened that I looked at the old expression & said “Now I see it in a new way”, & now I write it with new organization. But it didn't have to happen that way.

§

4v[2]

Könnte es nicht Menschen geben, die nicht im Kopf rechnen & nicht leise lernen könnten, dabei aber sonst sehr intelligente Menschen wären & in keinem Sinne ‘schwachsinnig’?

Could there not be people who cannot do arithmetic in their heads and cannot learn quietly, but who are otherwise very intelligent people and in no sense ‘feeble-minded’?

§

4v[3]

Denn das So-sehen hat in seiner Anwendung viel Ähnlichkeit mit dem Kopfrechnen.

For this kind of seeing has much in common with mental arithmetic in its application.

§

4v[4] &
5r[1]

Man möchte sagen “Ich sehe jedesmal etwas ganz verschiedenes”. Wie kann das nicht von der größten Bedeutung sein? Z.B. sehe ich, wie man dies Schachbrett aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen kann. Ich mache eine Art geometrischer Entdeckungen von der größten Wichtigkeit.

One might say, “I see something quite different each time.” How can that not be of the greatest importance? For example, I see how this chessboard can be put together from different parts. I make a kind of geometrical discoveries of the greatest importance.

§

5r[2]

Bedenke, daß man sagen kann: “Du mußt diese Melodie so hören, & dann auch entsprechend spielen”.

Consider that one can say: “You must hear this melody in this way, and then also play it accordingly.”

§

5r[3]

Denk Dir z.B. Einer sagt “Jetzt sehe ich wieder eine neue Art der Zusammensetzung!” – dann schickt er sich an, sie zu erklären. Diese Situation ist ähnlich der Situation “Jetzt weiß ich weiter!”.

Imagine, for example, that someone says, “Now I see a new kind of composition!” – Then he proceeds to explain it. This situation is similar to the situation “Now I know what to do!”

§

5r[4] &
5v[1]

Und doch ist das Entdecken einer neuen Art der Zusammensetzung nicht immer mit einem Sehen dieser Zusammensetzung verbunden, & wenn mit dem Sehen eines besondern Aspektes, nicht notwendigerweise immer mit dem Sehen des gleichen Aspektes.

And yet, discovering a new kind of composition is not always associated with seeing this composition, and if it is associated with seeing a particular aspect, it is not necessarily always associated with seeing the same aspect.

§

5v[2]

Ich glaube, daß man einen Aspekt oft durch eine Augenbewegung, durch eine Bewegung des Blicks, hervorruft.

I believe that one often evokes an aspect by a movement of the eyes, by a movement of the gaze.

§

5v[3]

Aber wie seltsam! könnte man sagen – Wenn man eine Art der Zusammensetzung entdecken kann, – wie ist es möglich sie auch zu sehen?! – – Wie ist es möglich, mit einem Schlage zu wissen, was man sagen will? Ist dies nicht ebenso merkwürdig?

But how strange! one might say – if one can discover a kind of composition, how is it possible to also see it?! – How is it possible to know, in one fell swoop, what one wants to say? Is this not equally remarkable?

§

5v[4] &
6r[1]

Nehmen wir an ich hätte die Fähigkeit Aspekte zu sehen nicht, ein Andrer aber habe sie & mache dementsprechende Äußerungen: Was würde ich von ihnen denken, was könnte ich mit ihnen anfangen. Ich könnte sie etwa für eine Art von Halluzinationen halten; aber das würde mich nicht hindern von dieser Erscheinung Gebrauch zu machen, wenn sie sich gebrauchen läßt. Und wenn sie für den Andern nützlich ist, kann sie es für mich durch ihn sein.

Suppose I do not have the ability to see aspects, but another person does, and makes corresponding statements: What would I think of them, what could I do with them? I might consider them to be a kind of hallucination; but that would not prevent me from making use of this phenomenon if it can be used. And if it is useful for the other person, it can be useful for me through him.

§

6r[2]

Ist denn die Erscheinung des Aspekts seltsamer, als meine Erinnerung an eine bestimmte, wirkliche Person von der ich ein Erinnerungsbild habe? Ja es ist sogar eine Ähnlichkeit zwischen beiden. Denn man fragt sich auch hier: Wie ist es möglich, daß ich von ihm ein Vorstellungsbild habe & es keinen Zweifel daran gibt, daß es sein Bild sei?

Is the appearance of the aspect stranger than my memory of a particular, real person of whom I have a memory-image? Yes, there is even a similarity between the two. For one also asks here: How is it possible that I have a mental image of him, and there is no doubt that it is his image?

§

6r[3]

14.07.1947

Könnte der Aspekt durch eine Modifikation des Bildes erzeugt werden? – Das modifizierte Bild könnte doch wieder so, oder so gesehen werden. Und doch ist das nicht ganz richtig; denn sonst könnte man nicht ein Thema so hören & es dem entsprechendend spielen.

14.07.1947

Could the aspect be created by a modification of the image? – The modified image could, after all, be seen in this way, or in that way. And yet, this is not quite right; for otherwise one could not hear a theme in this way and play it accordingly.

§

6v[1]

Ich bin eigentlich auch ein Gelehrter; nur ist meine Gelehrtheit nicht durch viel-lesen, sondern durch denken angehäuft worden.

I am actually a scholar too; only my scholarship has been accumulated not by much reading, but by thinking.

§

6v[2]

Wie kann man etwas so sehen, wie man es auffaßt? Man sollte glauben, ein Aspekt könnte einer Auffassung nur günstig sein, nicht aber der Ausdruck der Auffassung der einzig mögliche Ausdruck des Aspekts. (Hier liegt die Analogie mit dem Vorstellungsbild einer bestimmten Person.)

How can one see something in the way one understands it? One would think that an aspect could only be favorable to an understanding, not that the understanding is the only possible expression of the aspect. (Here lies the analogy with the mental image of a particular person.)

§

6v[3]

Die Philosophie löst eine Schwierigkeit oft nur indem sie sagt: Hier ist sowenig eine Schwierigkeit, wie da.

Philosophy often resolves a difficulty only by saying: “There is as little difficulty here as there.”

§

7r[1]

Indem sie, also, ein Problem heraufbeschwört, wo keines war.

That is, it conjures up a problem where there was none.

§

7r[2]

Sie sagt: “Ist es nicht etwas merkwürdig, daß …” & läßt es dabei bewenden.

It says: “Isn’t it rather strange that…” and leaves it at that.

§

7r[3]

Welches ist die Verwendung des Befehls “Faß es so auf!”?

What is the use of the command, “Take it in this way!”?

§

7r[4]

Man sagt z.B.: “Du wirst es Dir leichter merken, wenn Du es so auffaßt.”

One says, for example: “You will remember it more easily if you understand it in this way.”

§

7r[5]

Wie kommt man dem Befehl also nach? Doch indem man den Gegenstand nun so (& so) behandelt. Ihn in dieser Reihenfolge beschreibt, zeichnet, etc. etc..

How does one comply with the command? But by now treating the object in this way (and so). By describing it in this order, drawing it, etc. etc.

§

7r[6] &
7v[1]

Wie befolgt man den Befehl “Stell dir N.N. vor!”? Wie weiß man, daß der Befehl befolgt wurde? Wie weiß Einer, daß er ihn befolgt hat? Wozu ist der Zustand der Vorstellung hier nütze? – Ich will sagen, es verhalte sich ähnlich beim Sehen eines Aspekts.

How does one comply with the command, “Imagine N.N.”? How does one know that the command has been obeyed? How does one know that one has obeyed it? What is the use of the state of the imagination here? – I want to say, it is similar to seeing an aspect.

§

7v[2]

Immer kommen wir hier auf elementare Wörter, wie “Zustand”, vergessen aber, daß wir ihre Anwendung auch umgraben müssen.

Again and again we come to elementary words, such as “state”, but we forget that we must also examine their application.

§VB

7v[3] &
8r[1]

Es könnte sein, daß die Wissenschaft & Industrie, & ihr Fortschritt, das Bleibendste der heutigen Welt ist. Daß jede Mutmaßung eines Zusammenbruchs der Wissenschaft & Industrie einstweilen, & auf lange Zeit, ein bloßer Traum sei & daß Wissenschaft & Industrie noch & mit unendlichem Jammer die Welt einigen werden, ich meine, sie zu einem Reich zusammenfassen werden, in dem dann freilich alles eher als der Friede wohnen wird. Denn die Wissenschaft & die Industrie entscheiden doch die Kriege, oder so scheint es.

It could be that science & industry, & their progress, are the most enduring aspects of the world today. That any speculation about a collapse of science & industry is, for the time being, & for a long time, merely a dream, & that science & industry will continue to unite the world, with infinite pain, I mean, to consolidate it into a single realm, in which, of course, everything will dwell more peacefully than before. For science & industry do, after all, determine the wars, or so it seems.

§

8r[2]

Was weiß ich von dem Gleichbleiben seines Zustands, & also von dem meinigen?

What do I know about the constancy of its state, & thus, about my own?

§

8r[3]

Ich sehe es (das Schachbrett) jetzt so. Es ist als hättest Du mir diese schematische Zeichnung gegeben. Z.B.

oder

.

I see it (the chessboard) now in this way. It is as if you had given me this schematic drawing. For example:

or

.

§

8r[4] &
8v[1]

Die Figur als die ich die andere sehe, ist doch nicht eindeutig bestimmt. Denke Dir ein Dreieck im Film um

den Punkt schwingend dargestellt & dann stehen bleibend. Und nun könnte es sein als wirke diese zeitliche Umgebung auf das endlich ruhende Bild ein “Hängend” möchte ich sagen. “Aber entspricht dem denn nichts?” Doch gewiß! Aber das heißt nur daß ich nicht lüge, & daß der Ausdruck des Aspekts eine Verwendung hat. “Welche Anwendung?!” mußt Du Dich immer fragen.

The figure, as I see it, is not uniquely determined. Imagine a triangle in a film moving around

the point, depicted, & then coming to rest. & now it could be that this temporal environment affects the finally resting image, as if it were “hanging.” I would say. “But doesn’t anything correspond to that?” Of course! But that only means that I am not lying, & that the expression of the aspect has a use. You must always ask, “What application?”

§

8v[2]

Denke, man sagte statt “Ich sehe die Zeichnung jetzt so”: “Es kommt mir vor, ich sähe sie jetzt so”, wo ich die Möglichkeit irgendeiner Täuschung offenlasse. Dadurch ginge dem Ausdruck nichts an Kraft verloren; & nun würde es sich offenbar darum handeln, was mit ihm anzufangen sei.

Suppose one said instead of “I see the drawing now in this way”: “It seems to me that I see it now in this way,” leaving open the possibility of any illusion. This would not diminish the power of the expression; & now it would apparently be a question of what to do with it.

§

8v[3]

Merkwürdig erscheint doch, daß ein Bewußtseinszustand mit einer Bereitschaft zusammenfällt.

It does seem strange that a state of consciousness coincides with a readiness.

§

8v[4] &
9r[1]

Denke Dir den Dauerzustand als eine Täuschung! & was bleibt, die Geneigtheit zu einem bestimmten Ausdruck.

Imagine the permanent state as an illusion! & what remains is the predisposition to a certain expression.

§

9r[2]

Man möchte immer wieder vom Erlebnis, vom Privaten, als einem Gegenstand Gebrauch machen. Daher will man's sich immer vergegenwärtigen. Es vor sich hinstellen. Man will es ins Auge fassen, & darin liegt der Fehler, den wir machen.

One always wants to make use of experience, the private, as an object. Therefore, one always wants to visualize it. To have it before one’s eyes. And that is where we make the mistake.

§

9r[3]

15.07.1947

Man möchte immer das Erlebnis, das Private als Gegenstand behandeln, dem unsre Beschreibung gelte.

15.07.1947

One always wants to treat experience, the private, as an object to which our description applies.

§

9r[4] &
9v[1]

Man könnte die Schachbrettzeichnung als Werkzeichnung betrachten, nach welcher Stücke herzustellen sind, die das Schachbrett ergeben. Man kann diese Zeichnung auf verschiedene Weise verwenden; & man kann sie auch auf verschiedene Weise, solchen Verwendungen entsprechend, sehen.

One could regard the chessboard drawing as a technical drawing according to which pieces are to be manufactured that form the chessboard. This drawing can be used in different ways; & it can also be seen in different ways, corresponding to such uses.

§

9v[2]

Denke, man erklärte das so, daß der Aspekt durch verschiedene, dem visuellen Bild superponierte Vorstellungen & Erinnerungen entstehe. Natürlich interessiert mich diese Erklärung nicht als Erklärung, sondern als logische Möglichkeit, also begrifflich (mathematisch).

Suppose one explained it in such a way that the aspect arises from various images & memories superimposed on the visual image. Of course, I am not interested in this explanation as an explanation, but as a logical possibility, i.e., conceptually (mathematically).

§

9v[3] &
10r[1]

“Es ist nicht nur eine grüne Form gegenwärtig (& mit echter Dauer), sondern Blätter.” “Wenn ich mir ein Zimmer vorstelle, so stelle ich mir nicht nur ein visuelles Bild vor, eine Anordnung von Farben im Raume, – sondern ein Zimmer, & dieses dauert in meiner Vorstellung.”

“Das Grüne, was ich dort sehe, ist blatthaft. Diese Dinge dort augenhaft.” (Welche Dinge sind es?)

“It is not only a green shape present (& with genuine duration), but leaves.” “When one imagines a room, one does not only imagine a visual image, an arrangement of colors in space, – but a room, & this endures in one’s imagination.”

“The green that I see there is leaf-like. These things there are eye-like.” (Which things are they?)

§

10r[2]

Wie kann etwas das Bild von Zinnen sein, d.h. als solches gesehen werden?

How can something be the picture of ramparts, i.e., be seen as such?

§

10r[3]

Es scheint hier das Objekt des Sehens zu sein, was nicht Objekt des Sehens sein kann. Als sagte man, man sehe Töne. (Aber man sagt ja wirklich ein Vokal habe diese Farbe.)

It seems that here the object of seeing is what cannot be an object of seeing. As if one said, one sees sounds. (But one does, in fact, say that a vowel has this color.)

§

10r[4]

Ich sehe, in einem Sinne, das:

oder das:

obwohl ich in einem andern Sinne beidemale das Gleiche sehe.

I see, in one sense, this:

or this:

although, in another sense, I see the same thing in both cases.

§

10r[5]

Es ist nur eben hier etwas fundamental unklar im Gebrauche des Wortes “ich sehe”.

It is only here that something is fundamentally unclear in the use of the word “I see.”

§

10v[1]

Wie könnte denn Assoziation ein Dauerzustand sein? Wie könnte ich denn fünf Minuten lang Zinnen mit diesen Linien assoziieren?

How could association be a permanent state? How could I associate ramparts with these lines for five minutes?

§

10v[2]

Ich will sagen “Was ich sehe ist jetzt das, ist so & so zusammengesetzt. – Nun, warum soll ich's nicht sagen? Ich gebrauche ja zu der Beschreibung wirklich Gegenstände? – Aber ich will nun sagen: “Ich sehe eben Gegenstände.” “Ich habe jedesmal etwas anderes vor mir!” Gut! aber was? Und nun folgt doch eben die hier passende Beschreibung! Einerseits nämlich die durch eine Zeichnung, anderseits die durch Worte & Bilder.

I want to say: “What I see now is that, it is composed in such & such a way. – Well, why shouldn’t I say it? After all, I do use objects in the description? – But I want to say: “I see objects.” “Each time I have something different in front of me!” Good! but what? And now the description that fits here follows. On the one hand, it is done through a drawing, on the other hand, through words & images.

§

10v[3] &
11r[1]

Ich sehe doch dies als Schuh! Und nun möchte man die Schuhhaftigkeit erfassen, vorführen, herausstellen, das Objekt des Sehens.

After all, I see this as a shoe! And now one would like to grasp the shoe-like quality, to demonstrate it, to highlight it, the object of seeing.

§

11r[2]

Die Lösung ist natürlich nicht: “Man kann eben auch solche Dinge, solche Objekte, wirklich sehen” – sondern: Das Wort “sehen” hat eine Verwendung, die nicht dem von uns angenommenen Schema folgt.

The solution, of course, is not: “One can also really see such things, such objects” – but: The word “to see” has a use that does not follow the schema we have assumed.

§

11r[3]

Es sind falsche Vergleiche, die die Frage “Wie kann man ‥‥” “Wie ist es möglich ‥‥” hervorrufen ‘Das Mißverstehen unsrer Sprachlogik’!

It is false comparisons that give rise to the question “How can one…?” “How is it possible…?” ‘The misunderstanding of our logic of language!’

§

11r[4] &
11v[1]

Wie man die doppeldeutige Zeichnung als Kopf des Hasen oder der Ente sehen kann, so einen beliebigen Strich als alles Mögliche.

Z.B. als Kontur eines Kopfes, oder als Haken, etc. etc.

Just as one can see the ambiguous drawing as the head of a rabbit or a duck, so one can see any line as anything imaginable.

For example, as the outline of a head, or as a hook, etc. etc.

§

11v[2]

Nun, wie sieht es alles in der dritten Person aus? Und was für die dritte Person gilt, gilt dann, so seltsam das scheinen mag, auch für die erste.

Now, how does it all look from the third person’s point of view? And what applies to the third person also applies to the first, however strange that may seem.

§

11v[3]

16.07.1947

Was überzeugt mich denn, daß der Andre ein gewöhnliches Bild dreidimensional sieht? – Daß er's sagt? Unsinn – – wie weiß ich denn, was er mit dieser Versicherung meint?

16.07.1947

What convinces me that the other person sees a normal picture in three dimensions? – That he says so? Nonsense – how do I know what he means by this statement?

§

11v[4]

Nun, daß er sich darin auskennt; die Ausdrücke auf das Bild verwendet die er auf den Raum anwendet; sich vor einem Landschaftsbild benimmt wie vor einer Landschaft, etc. etc.

Now, that he is familiar with it; he uses the expressions on the picture that he applies to space; he behaves in front of a landscape picture as he would in front of a landscape, etc. etc.

§VB

12r[1]

Interessier Dich nicht für das, was, vermeintlich, Du allein tust!

Don’t be concerned with what you, supposedly, do alone!

§

12r[2]

Ich kann von ihm nicht wissen, ob er wirklich sieht. Nun, dann kann ich's von mir natürlich auch nicht wissen. Denn wie weiß ich daß ich jetzt das Gleiche so nenne, wie früher, & daß ich das Gleiche “gleich” nenne.

I cannot know from him whether he really sees. Well, then I cannot know it of myself either. For how do I know that I now call the same thing by the same name as I did before, and that I call the same thing “the same”?

§

12r[3]

“Mein Gesichtsbild organisiert sich: es formt sich ein Viereck & ein Stern in der Mitte (etc.). Ein andermal bildet sich eine homogene Masse von Feldern, etc. etc..”

“My visual image organizes itself: a square and a star form in the middle (etc.). At other times, a homogeneous mass of fields forms, etc. etc.”

§

12r[4] &
12v[1]

Denke dir wir erklärten die verschiedenen Aspekte durch verschiedene “Ladungen” der Teile des Netzhautbildes, (oder dergleichen). Würde nun so eine (oder irgendeine) Erklärung unser Problem lösen? Unser Problem betrifft die Grammatik der Wahrnehmung.

Imagine we explained the different aspects through different “charges” of the parts of the retinal image (or something similar). Would such an (or any) explanation solve our problem? Our problem concerns the grammar of perception.

§

12v[2] &
13r[1]

Denk Dir eine physiologische Erklärung dafür, daß ich eines (A) als Variation des andern (B) sehe. Es könnte sich zeigen, daß wenn ich A als B sehe, auf meiner Retina gewisse Vorgänge stattfinden, die sich sonst zeigen, wenn ich wirklich B sehe. Und dies könnte nun manches in meinem Benehmen erklären. Man könnte z.B. sagen, daß ich mich darum beim Anblick von A als B gesehen leichter so benehme als sähe ich B, als ich's für gewöhnlich tue wenn ich A sehe, aber nicht als B. Aber diese Erklärung meines Benehmens ist für uns überflüssig. Ich nehme das Benehmen ebenso hin, wie einen Vorgang auf der Retina, oder im Gehirn. Ich will sagen: Die physiologische Erklärung ist zuerst scheinbar eine Hilfe, zeigt sich aber dann gleich als bloßer Katalysator der Gedanken. Ich führte sie nur ein, um sie gleich wieder los zu werden.

Imagine a physiological explanation for the fact that I see one (A) as a variation of the other (B). It could turn out that when I see A as B, certain processes take place on my retina that would otherwise occur when I really see B. And this could now explain many things in my behaviour. One could, for example, say that when I see A as B, I behave more easily as if I were seeing B than I usually do when I see A, but not as B. But this explanation of my behaviour is superfluous for us. I take behaviour just as much into account as a process on the retina, or in the brain. I want to say: the physiological explanation is initially apparently a help, but then turns out to be just a catalyst for thoughts. I only introduce it in order to get rid of it immediately.

§

13r[2]

Ich sehe beidemale dasselbe, & ich sehe beidemale doch durchaus nicht dasselbe.

I see the same thing both times, and yet I do not see exactly the same thing both times.

§

13r[3] &
13v[1]

Warum zieht man denn in einer geometrischen Zeichnung gewisse Striche stark aus, andere dünn, andere punktiert, etc.? Um die Übersicht zu erleichtern. Also um es mir leichter zu machen so & so nach der Zeichnung zu handeln. Nun man kann das Gleiche auch so erreichen, indem man Einem sagt: “Du mußt die Zeichnung so sehen ‥‥” & nun gibt man eine Erklärung.

Why does one in a geometrical drawing draw certain lines thickly, others thinly, others in dotted lines, etc.? To make the overview easier. That is, to make it easier for me to act according to the drawing. Now, one can achieve the same thing by telling one: “You must see the drawing in this way…” and then one gives an explanation.

§

13v[2]

Und was da “in ihm” vorgeht ist von ähnlicher Bedeutung, wie das Kopfrechnen.

And what is “in him” is of similar importance to mental arithmetic.

§

13v[3] &
14r[1]

Denk Dir es sage uns Einer, er sähe ein Schachbrett immer als Stern. Und nun erklärt er uns ein kompliziertes Sternornament. – Wie würde es sich zeigen, daß er dies im gewöhnlichen Sinne meint? daß er versteht was wir mit solchen Wörtern meinen? Oder denke, es sagte Einer für ihn veränderte sich das Ornament immer wieder; & nun gäbe er uns eine lange Reihe von Aspekten, die das Schachbrett für ihn annehme; & dabei verwende er es aber ganz so wie jeder Andere. Würden wir nicht meinen, es müßten diese unnützen Aspekte seine Aufmerksamkeit von dem, was er tut (z.B. Schachspielen) abziehen? Aber warum sollten diese Spiele des Aspekts nicht gerade der Tätigkeit einen Reiz geben? Auch das wäre möglich, aber es würde sich das Tun mit dem Aspekt doch irgendwie vermählen.

Imagine someone tells us that he always sees a chessboard as a star. And now he explains to us a complicated star ornament. – How would it show that he means this in the usual sense? that he understands what we mean by such words? Or imagine someone says that the ornament changes for him again and again; and now he gives us a long series of aspects that the chessboard takes on for him; and in doing so he uses it exactly as everyone else does. Wouldn’t we think that these useless aspects must distract his attention from what he is doing (e.g. playing chess)? But why shouldn’t these games of aspect actually give the activity a stimulus? That, too, would be possible, but the doing would somehow be linked with the aspect.

§

14r[2]

Ich rede noch wild um das Problem herum.

I am still rambling around the problem.

§

14r[3] &
14v[1]

Das heißt, ich kümmere mich um alles mögliche, worum ich mich am Ende gar nicht kümmern darf. Denn die Lösung muß mir alles dies ersparen.

That is, I am concerned with all sorts of things that I should not be concerned with in the end. Because the solution must spare me all of this.

§

14v[2]

Denke die physiologische Erklärung erklärte das Reden vom Aspekt als einen Irrtum. Der Physiologe sagte: “Darum meinen die Leute, sie sähen das Schachbrett als dies Ornament. – Würde es so eine Erklärung nicht auch tun? würde sie nicht genügen? (“Darum meinen die Leute ein Vokal sei gelb ‥‥”)

Suppose the physiological explanation explained the talk of aspect as a mistake. The physiologist would say: “That is why people think they see the chessboard as this ornament. – Wouldn’t such an explanation also do the trick? Wouldn’t it suffice? (“That is why people think a vowel is yellow…”)

§

14v[3]

Die physiologische Erklärung hat das Gute, daß sie unsere Aufmerksamkeit von dem privaten Objekt des Sehens abzieht.

The physiological explanation has the advantage that it distracts our attention from the private object of seeing.

§

14v[4] &
15r[1]

Denk nur ja nicht, Du wüßtest im vorhinein, was Bewußtseinszustand in diesem Falle bedeutet! Laß Dich die Bedeutung durch den Gebrauch lehren.

Don’t even think that you know in advance what state of consciousness means in this case! Let the meaning be taught to you by the use.

§

15r[2]

Hätte ich mir das Phänomen der Vorstellung erklären können? wenn man uns gesagt hätte, es sähe Einer mit offenen Augen etwas was nicht vor ihm ist & zugleich doch was vor ihm ist & es störten sich die beiden Gesichtsobjekte nicht?!

Could I have explained the phenomenon of imagination? If one were told that someone with open eyes sees something that is not in front of him, and at the same time something that is in front of him, and that the two visual objects do not interfere with each other?!

§

15r[3]

Und es wäre nun natürlich ganz falsch zu sagen: “Und doch geschieht das Seltsame” oder “das Unglaubliche”. Vielmehr ist aber, was geschieht nicht seltsam & nur falsch als Seltsames gesehen!

And it would, of course, be quite wrong to say: “And yet the strange thing happens” or “the unbelievable thing.” Rather, what happens is not strange, and is only wrongly seen as strange!

§

15r[4] &
15v[1]

Die alte Ansicht von der Rolle der Anschauung in der Mathematik. Ist diese Anschauung nicht eben das Sehen der Komplexe in verschiedenen Aspekten?

The old view of the role of intuition in mathematics. Isn’t this intuition just seeing the complexes in different aspects?

§

15v[2]

Muß der Maler einer Phantasielandschaft diese vor seinem innern Auge sehen, ehe er sie malt? Kann er sie nicht vielleicht einfach malen? Und ist nicht doch auch möglich, daß er, ehe er sie malt in der Vorstellung vor sich sieht, dies etwa auch sagt? Ist es aber nicht auch möglich, daß er das Gegenteil sagt? Muß der Mathematiker, den Ausdruck, so abgeteilt, sehen, ehe er ihn nun in dieser Weise verwendet, hinschreibt? Und kann er ihn nicht doch auch so sehen, & das etwa auch sagen?

Must the painter of a fantasy landscape see it before his inner eye before he paints it? Can’t he perhaps just paint it? And isn’t it also possible that he sees it in his imagination before he paints it, and perhaps even says so? But isn’t it also possible that he says the opposite? Must the mathematician see the expression, in this separated way, before he uses it in this way, writes it down? And can’t he also see it in that way, and perhaps even say so?

§

15v[3] &
16r[1]

‘Ich wußte, wie ich fortzusetzen habe? – Ich sagte es, & handelte dann so & so. Aber bestand nicht doch auch jener Geisteszustand? Welcher? Ich weiß ja nur, wie ich ihn nannte. – Aber es war eben da nicht etwas, was ich so & so nannte. Die Wörter hatten einen andern Gebrauch!

“I knew how to continue? – I said it, and then acted so and so. But didn’t that state of mind also exist? Which one? I only know how I named it. – But it was not something that I named in that way. The words had a different use!

§

16r[2] &
16v[1] &
16v[2]

17.07.1947

Muß man aber nicht doch unter den Aspekten rein optische von anderen unterscheiden? Daß sie untereinander sehr verschieden sind, ist klar: Es tritt z.B. in ihre Beschreibung manchmal die dritte Dimension ein, manchmal nicht; manchmal ist der Aspekt eine bestimmte ‘Gruppierung’, wenn man aber Striche als Gesicht sieht so hat man sie nicht nur visuell zu einer Gruppe zusammengefaßt; man kann die schematische Zeichnung eines Würfels als offene Kiste oder als soliden Körper sehen, auf der Seite liegend oder stehend; die Figur

kann nicht nur auf zwei, sondern auf sehr viele verschiedene Arten gesehen werden.

17.07.1947

Must one not distinguish purely optical aspects from other aspects? That they are very different from each other is clear: for example, the third dimension sometimes appears in their description, sometimes not; sometimes the aspect is a certain ‘grouping’, but if one sees lines as faces, then they are not only visually grouped together; one can see the schematic drawing of a cube as an open box or as a solid body, lying on its side or standing; the figure

can be seen not only in two, but in very many different ways.

§

16v[3] &
17r[1]

Man hängt Bilder, stellt Photographien auf von Landschaften, Innenräumen, Menschen, & gebraucht & betrachtet sie nicht wie Werkzeichnungen. Man liebt sie anzusehen, wie die Gegenstände selbst; man lächelt die Photographie an, wie den Menschen, den sie zeigt. Wir lernen nicht eine Photographie verstehen wie eine Blaupause. – Es wäre freilich möglich, daß wir eine Abbildungsart erst mit Mühe verstehen lernen müssen um sie später als natürliches Bild gebrauchen zu können. Dies mühsame Lernen wäre später nur mehr Geschichte & das Bild würden wir nun ebenso betrachten, wie jetzt unsre Photographien.

One hangs pictures, puts up photographs of landscapes, interiors, people, and uses and looks at them not like working drawings. One likes to look at them, like the objects themselves; one smiles at the photograph, like the person it shows. We do not learn to understand a photograph like a blueprint. – Of course, it would be possible that we first have to learn to understand a type of depiction with effort in order to use it later as a natural picture. This laborious learning would later only be history, and we would now look at the picture in the same way as we look at our photographs now.

§

17r[2] &
17v[1]

Es könnte doch auch Menschen geben, die Photographien nicht, wie wir, verstünden, sähen; die zwar verstünden, daß auf diese Weise ein Mensch dargestellt werden kann, die ihn auch ungefähr nach einer Photographie modellieren könnten, die aber die Photographie doch nicht als Bild sähen. Wie würde sich das äußern? Was würden wir als Äußerung dessen betrachten?? Das ist vielleicht nicht leicht zu sagen. Diese Leute hätten vielleicht nicht Freude an Photographien wie wir. Sie würden nicht sagen “Schau, wie er lächelt!” & dergleichen; sie würden eine Person oft nicht gleich nach dem Bild erkennen; müßten die Photographie lesen lernen & lesen; sie hätten Schwierigkeiten zwei gute Aufnahmen desselben Gesichts als Bilder etwas verschiedener Stellungen zu erkennen.

There could also be people who do not understand photographs as we do, who see them; who understand that a person can be depicted in this way, who could even model him approximately from a photograph, but who do not see the photograph as a picture. How would that manifest itself? What would we consider as a manifestation of that? This may not be easy to say. These people might not enjoy photographs as we do. They would not say “Look how he smiles!” and the like; they would often not immediately recognize a person from the picture; they would have to learn to read the photograph and read it; they would have difficulty recognizing two good shots of the same face as pictures of somewhat different positions.

§

17v[2]

Denke eines der europäischen Völker schriebe F so: “” & nun fragte ich mich: Schreiben sie's verkehrt, oder verschoben? Wie könnte das entschieden werden? Etwa geschichtlich! Ohne weiteres wäre es nicht zu entscheiden, hätte die Frage noch keinen Sinn. Wenn mir jemand mitteilt: “Ich sehe es als verkehrtes F” – was kann ich damit tun? Ich könnte ihm etwa sagen: “Dann sieht es nicht kühn oder flott oder energisch aus, sondern hinkend & philiströs”, oder: “dann stimmt es nicht zum übrigen Charakter der Schrift”. Es könnte aber für mich auch das lahme Aussehen verlieren & sozusagen ein ganz anderer Buchstabe werden, der auch wieder unenergisch aussehen kann.

Suppose one of the European peoples wrote F like this: “”, and now I ask myself: are they writing it incorrectly, or differently? How could this be decided? Perhaps historically! Without further information, it would not be possible to decide, and the question would not yet have any sense. If someone communicates to me: “I see it as an inverted F”—what can I do with that? I could, for example, say to him: “Then it doesn't look bold or lively or energetic, but rather lame and Philistine,” or: “then it doesn’t match the overall character of the script.” But for me, it could also lose its lame appearance and, as it were, become a completely different letter, which could also look unenergetic again.

§

18r[1]

Das Wort “Venus” habe ich früher immer so gehört wie “Wallnuß”. Und auch jetzt hat die Endung noch einen Schatten davon an sich. In einem Gesicht, oder in ausdrucksvoller Prosa könnte das Wort einen andern Klang für mich gewinnen, einen lateinischen Klang. Wenn ich dies Einem mitteilte, so könnte er manches daraus schließen, damit machen; aber es ist nicht ohne weiteres klar was.

I used to hear the word “Venus” in the same way as “Wallnut.” And even now, the ending still retains some of that. In a face, or in expressive prose, the word could acquire a different sound for me, a Latin sound. If I communicated this to someone, he could draw many conclusions from it and do something with it; but it is not immediately clear what.

§

18r[2] &
18v[1]

Hat es Sinn, zu sagen “Ich sehe

immer andauernd, als umgekehrtes

”?

Das scheint nicht möglich zu sein. Wenn uns jemand das mitteilte, was sollten wir daraus machen? (Bemerkung James' über die Aufmerksamkeit.) Hier liegt noch eine völlige Unklarheit. Denn es scheint dann, als könnte man den Aspekt nun im Zusammenhang mit Gedanken, mit einer Fähigkeit haben.

Does it make sense to say, “I see

constantly, as an inverted

”?

This does not seem to be possible. If someone communicated this to us, what should we make of it? (James' remark about attention.) Here lies a complete ambiguity. For it seems as if one could then have the aspect in connection with thoughts, with a capability.

§

18v[2]

Wenn mir Einer sagte, er habe die Figur eine halbe Stunde lang ohne Unterbrechung als umgekehrtes F gesehen, so würde ich annehmen, er habe fortwährend daran gedacht, sich damit beschäftigt.

If someone told me that he had seen the figure as an inverted F for half an hour without interruption, I would assume that he had been constantly thinking about it, engaging with it.

§

18v[3]

Ich verstehe es, wenn Einer sagt “Es ist jetzt für mich ein verkehrtes F”, aber nicht (merkwürdigerweise), wenn er sagt “Es ist für mich ununterbrochen ein verkehrtes F”.

I understand it when someone says, “It is now an inverted F for me,” but not (strangely) when he says, “It is constantly an inverted F for me.”

§

18v[4]

Es ist, als wäre der Aspekt etwas, was nur aufleuchtet, aber nicht stationär bleibt; & doch muß dies eine begriffliche Bemerkung sein, keine psychologische.

It is as if the aspect is something that only flashes, but does not remain stationary; and yet this must be a conceptual remark, not a psychological one.

§

18v[5] &
19r[1]

Es kann eine Figur die ich immer für dies anschaute, plötzlich für mich das werden, & es dann bleiben, aber das akute Erlebnis des Übergangs besteht dann nicht aus zwei aneinanderstoßenden Phasen, deren zweite nun einfach festgehalten wird. Beim Umschnappen erlebt man die zweite Phase in akuter Weise (entsprechend etwa dem Ausruf “Ach, es ist ein …!”) & hier beschäftigt man sich ja mit dem Aspekt. Im chronischen Sinne ist er nur die Art & Weise, wie wir die Figur wieder & wieder behandeln.

A figure that I always regarded as this can suddenly become that for me, and then remain that way, but the acute experience of the transition does not consist of two successive phases, the second of which is simply held on to. In the shift, one experiences the second phase acutely (corresponding to, for example, the exclamation “Ah, it is a …!”) and here one is engaged with the aspect. In the chronic sense, it is only the way we treat the figure again and again.

§

19r[2]

Was teil ich jemandem mit, dem ich sage, ich habe das Wort “Bank” ausgesprochen & es in der Bedeutung “Sitzbank” gemeint? Ich könnte etwa sagen “Ja, ich kenne das”. Achte aber auf die seltsame Verwendung der Worte, auf die seltsame ‘Mitteilung’.

What do I communicate to someone when I say that I pronounced the word “bank” and meant it in the sense of “bench”? I might say, “Yes, I know that.” But pay attention to the strange use of the words, to the strange ‘communication’.

§

19v[1]

Denn wir müssen bis zum Begriff der Mitteilung niedersteigen, um uns die Lage dieser Worte verständlich zu machen.

For we must descend to the concept of communication in order to make the situation of these words understandable.

§

19v[2]

Ich werde hier immer in Fragen verwickelt, die mich nichts angehen; muß mich aber in sie verwickeln lassen, um zu lernen, wie diese Verwicklungen zu vermeiden sind.

I keep getting involved in questions that don’t concern me; but I must get involved in them in order to learn how to avoid these entanglements.

§

19v[3] &
20r[1]

18.07.1947

“Ding” & “Hintergrund” sind visuelle Begriffe, wie rot & rund – will Köhler sagen. Die Beschreibung des Gesehenen schließt die Angabe was Ding, was Hintergrund ist, ebenso ein, wie die Angabe der Farbe & der Form. Und die Beschreibung ist ebenso unvollständig wenn nicht gesagt wird, was Ding, was Grund ist, wie sie es ist, wenn Farbe oder Form nicht angegeben wurden. Ich sehe das eine ebenso unmittelbar als das andere – will man sagen. Und was ist dagegen einzuwenden? Zuerst: wie sich das erkennen läßt; – ob durch Introspektion & ob Alle darin übereinstimmen müssen. Denn es handelt sich offenbar um die Beschreibung des subjektiv Gesehenen. Aber wie lernt man nur, das Subjektive durch Worte wiedergeben? Und was können uns diese Worte bedeuten? Denk statt um Worte handelte sich's um zeichnerische Wiedergabe; & den Wörtern “dinglich” & dergl. entsprächen in dieser Wiedergabe die Reihenfolge, Ordnung, in der wir die Zeichnung herstellen. (Ich nehme an, wir könnten außerordentlich rasch zeichnen.) Und nun sagte jemand: “Zur Darstellung des Gesehenen gehört die Reihenfolge ebenso wie Farben & Formen.” – Was hieße das?

18.07.1947

“Thing” & “background” are visual concepts, like red & round – that’s what Köhler wants to say. The description of what is seen includes the indication of what is the thing and what is the background, just as it includes the indication of the color & the form. And the description is just as incomplete if it doesn’t say what is the thing and what is the background, as it is if the color or form is not indicated. I see one thing just as immediately as the other – that’s what one wants to say. And what is there to object to that? First: how can one recognize it; – whether through introspection & whether everyone has to agree about it. Because it is obviously about the description of what is subjectively seen. But how does one learn to express the subjective through words? And what can these words mean to us? Suppose instead of words, it were a case of pictorial representation; & to the words “thing-like” & the like, the sequence, the order in which we produce the drawing would correspond in this representation. (I assume we could draw extraordinarily quickly.) And now someone says: “The sequence belongs to the depiction of what is seen just as much as colors & forms.” – What would that mean?

§

20v[1]

Man kann wohl sagen: Es gibt Gründe, zum zeichnerischen Beschreiben des Gesehenen nicht nur das gezeichnete Bild, sondern auch die Phrasierung beim Zeichnen zu rechnen. Es gehörten diese Reaktionen des Beschreibenden irgendwie zusammen. In gewisser Beziehung gehören sie zusammen, in anderer nicht.

One could say: there are reasons to include in the pictorial description of what is seen not only the drawn picture, but also the phrasing while drawing. These reactions of the describer somehow belong together. In one respect they belong together, in another they do not.

§

20v[2] &
21r[1]

Köhler denkt ‘in terms of’ Vorgänge auf der Netzhaut & im Nervensystem. Er sagt, es könne eine Kontur nach dieser, oder nach der andern Seite gerichtet sein & erklärt es etwa durch Ströme, die so, oder so gerichtet sind. Und solange man physiologisch denkt, sind dann freilich Farbe, Form & Aspekt auf einer Stufe. Aber die physiologischen Vorgänge beim Sehen sind es nicht, die wir durch's Sehen wahrnehmen.

Köhler thinks ‘in terms of’ processes in the retina & in the nervous system. He says that a contour can be directed to this side, or to the other side, & explains it, for example, through currents that are directed in this way or that way. And as long as one thinks physiologically, then of course, color, form & aspect are on one level. But the physiological processes in seeing are not what we perceive through seeing.

§

21r[2]

Sagen wir so: Eine visuelle Kontur hat zwei ungleiche Seiten, die eine ist die positive, die andere die negative. Warum nicht? – Aber welches ist nun die Verwendung von “positiv” & “negativ”, wie zeigt es sich in unserm Benehmen, daß eine Seite positiv ist, etc.? Wie weiß ich, heißt das, daß der Andre “positiv” nennt, was ich so nenne? Spielt dabei die sonstige Funktion der Worte “positiv” & “negativ” eine Rolle.

Let’s say: a visual contour has two unequal sides, one is the positive one, the other the negative one. Why not? – But what is the use of “positive” & “negative” now, how does it show in our behaviour that one side is positive, etc.? How do I know, that is, that the other person calls what I call “positive,” “positive” too? Does the other function of the words “positive” & “negative” play a role in this?

§

21r[3] &
21v[1]

Denkt man an Ströme in der Netzhaut (oder dergleichen), so möchte man sagen: “Also ist der Aspekt so gut ‘gesehen’ wie Form & Farbe.” Aber wie konnte uns denn so eine Hypothese zu dieser Überzeugung helfen? Nun, sie kommt der Tendenz entgegen, hier zu sagen, wir sähen zwei verschiedene Gebilde. Aber diese Tendenz muß anders begründet sein.

If one thinks of currents in the retina (or the like), one would like to say: “So the aspect is ‘seen’ as well as form & color.” But how could such a hypothesis help us to this conviction? Well, it goes against the tendency to say here that we see two different things. But this tendency must have another basis.

§

21v[2]

Einen Aspekt möchte man oft vergleichen (mit) einer angeschlagenen Note, die ausklingt.

One often likes to compare an aspect (with) a struck note that fades away.

§

21v[3] &
22r[1]

Die Figur

könnte einer als Gesicht sehen nämlich so:

Wenn aber jemand sagte, er sähe sie immer als Gesicht, wie wüßten wir, daß dies nicht heißt, er halte die Figur für das Bild eines Gesichts? Wer in unserm Sinne sagt, er sehe die Figur als das, muß der sie nicht auch anders sehen können? Ist es unserm Sinne nicht wesentlich, daß verschiedene Aspekte möglich sind? Denn wie unterschiede sich sonst der Aspekt von dem, was objektiv ist?

The figure

could be seen as a face by someone, namely like this:

But if someone said that he always sees it as a face, how would we know that this doesn’t mean that he takes the figure to be the picture of a face? If someone in our sense says that he sees the figure as that, mustn’t he also be able to see it differently? Isn’t it essential to our sense that different aspects are possible? Because how else would the aspect differ from what is objective?

§

22r[2]

Der Ausdruck des Aspekts ist der Ausdruck einer Auffassung (also einer Behandlungsweise, einer Technik); aber gebraucht als Beschreibung eines Zustands.

The expression of the aspect is the expression of a conception (therefore a way of treating, a technique); but used as a description of a state.

§

22r[3]

Wenn es scheint, es wäre für diese logische Form kein Platz, so mußt Du sie in einer anderen Dimension suchen. Wenn hier kein Platz ist, so ist er eben in einer andern Dimension.

If it seems that there is no place for this logical form, then you must look for it in another dimension. If there is no place for it here, then it is in another dimension.

§

22r[4] &
22v[1]

Denn so fragt man: “Wie kann ich das Wort “Faß” in einer Bedeutung, oder in einer andern hören?” Und zu sagen “Es ist eben doch möglich – also hat dich ein Vorurteil gehindert es zu sehen” ist ganz irreleitend & zwar ganz so als sagte man, die Mathematik habe uns vom Vorurteil befreit unser Raum müsse 3-dimensional sein. Denn zwischen drei Dimensionen & vier Dimensionen ist nicht der Unterschied wie zwischen 3 Äpfeln & vier Äpfeln in einer Lade. Es ist noch ‘für einen vierten Apfel Platz’ aber nicht für eine vierte Dimension. In diesem Sinne ist auch auf der Zahlenlinie nicht für imaginäre Zahlen Platz. Und das heißt doch: Die Anwendung eines imaginären Zahlbegriffs ist grundverschieden von der einer Anzahl, etwa; verschiedener, als die mathematischen Operationen allein es offenbaren. Man muß also, um Platz für sie zu gewinnen, zu ihrer Anwendung hinuntersteigen & dann finden sie einen, sozusagen, ungeahnt, verschiedenen Platz.

For in this way, one asks: “How can I hear the word “barrel” in a meaning, or in another?” And to say “It is indeed possible – so a prejudice prevented you from seeing it” is completely misleading, just as if one said that mathematics has freed us from the prejudice that our space must be 3-dimensional. For between three dimensions and four dimensions, there is not the difference as between 3 apples and four apples in a box. There is still ‘room for a fourth apple’ but not for a fourth dimension. In this sense, there is also no room for imaginary numbers on the number line. And that means: The application of the concept of an imaginary number is fundamentally different from that of a number, for example; more different than the mathematical operations alone reveal. Thus, in order to create space for it, one must descend to its application, and then one finds it in a, so to speak, unexpected, different place.

§

23r[1]

Du mußt eine neue Dimension der Anwendung, der Sprachspiele, öffnen, aufsperren.

You must open, unlock, a new dimension of application, of language-games.

§

23r[2]

19.07.1947

Wenn diese Konstellation für mich stets & ständig im Gesicht ist, dann habe ich damit keinen Aspekt bezeichnet. Denn das hieße, daß ich ihr immer als Gesicht begegne, sie als Gesicht behandle; während das Eigentümliche des Aspekts ist, daß ich etwas in ein Bild hineinsehe. So daß man sagen könnte: ich sehe etwas, was gar nicht da ist, was nicht in der Figur liegt, so daß es mich überrascht, daß ich's sehen kann (mindestens, wenn ich später darüber reflektiere).

19.07.1947

If this constellation is constantly and continuously before me, then I have not designated an aspect with it. For that would mean that I always encounter it as a face, treat it as a face; while the peculiarity of the aspect is that I see something into a picture. So that one could say: I see something that is not there at all, that is not in the figure, so that it surprises me that I can see it (at least, if I reflect on it later).

§

23r[3]

Wenn das Sehen eines Aspekts einem Gedanken entspricht, dann kann es nur in einer Welt von Gedanken ein Aspekt sein.

If the seeing of an aspect corresponds to a thought, then it can only be an aspect in a world of thoughts.

§

23v[1]

Wenn ich einen Aspekt beschreibe, so setzt die Beschreibung Begriffe voraus, die nicht zur Beschreibung der Figur selbst gehören.

If I describe an aspect, then the description presupposes concepts that do not belong to the description of the figure itself.

§

23v[2]

Der Aspekt lebt nur, solange ich ihn am Leben erhalte.

The aspect lives only as long as I keep it alive.

§

23v[3]

“Ich kann das in die Form hineinsehen. Ich schaue es auf diese Weise an. Ich tue dabei etwas. Es ist eine Art Gedankentätigkeit.

“I can see this into the form. I look at it in this way. I do something in the process. It is a kind of mental activity.

§

23v[4] &
24r[1]

Es ist doch merkwürdig daß man bei der Beschreibung eines Gesichtseindrucks so ungemein selten das Wandern des Blicks in die Beschreibung einbezieht? Es wird so gut wie nie einbezogen, wenn der Gegenstand klein, z.B. ein Gesicht, ist; obgleich doch auch da der Blick fortwährend in Bewegung ist.

It is remarkable that one so rarely includes the movement of the gaze in the description of a visual impression? It is hardly ever included, if the object is small, e.g. a face; although even there the gaze is constantly in motion.

§

24r[2]

Der Wechsel des Aspekts gibt jedesmal gleichsam ein Aufzucken eines Aspekts. So wie unser Gesicht tatsächlich zuckt, sich erhellt, wenn er eintritt. Und dies Eintreten muß nicht ganz plötzlich geschehen, es kann durch ein längeres Schauen, ein Deuten erzwungen werden.

Deshalb kann auch nicht der Aspekt durch ein verändertes Bild ersetzt werden. Ich meine: deshalb können wir auch den Aspekt nicht wieder unter einem Aspekt wahrnehmen, als wäre er selbst ein Gesichtsbild.

The change of the aspect gives, each time, something like a flashing of an aspect. Just as our face actually twitches, brightens when it occurs. And this occurrence does not have to happen suddenly; it can be forced by longer looking, by interpretation.

Therefore, the aspect cannot be replaced by a changed picture. I mean: therefore, we cannot perceive the aspect again under an aspect, as if it were itself a visual image.

§

24r[3] &
24v[1]

Das Betrachten der Figur als ‥‥ Als ordnete man die Figur mit dem Blick, als tastete man sie auf einen bestimmten Aspekt hin ab. Wie man etwa ein Kleid zurechtlegt.

Looking at the figure as … As if one organized the figure with the gaze, as if one felt for it for a certain aspect. As one might, for example, arrange a dress.

§

24v[2]

1699 Der Aspekt kann plötzlich wechseln & es folgt dem Wechsel dann ein neues Betrachten. Man ist sich, z.B., des Gesichtsausdruckes bewußt, [ 430] betrachtet ihn.

1699 The aspect can suddenly change, and then a new looking follows. One is, for example, conscious of the facial expression, looks at it. [430]

§

24v[3]

Ich kann z.B. eine Photographie anschauen & mich mit dem Ausdruck des Gesichts beschäftigen, ihn mir sozusagen zu Gemüt führen, ohne mir oder einem Andern dabei etwas zu sagen. –

I can, for example, look at a photograph and engage with the expression of the face, let it, so to speak, sink in, without saying anything to myself or to anyone else.

§

24v[4] &
25r[1]

Ich lasse die Augen der Photographie zu mir sprechen. Ich sehe das Bild, vielleicht zum ersten mal, als wirkliches Gesicht. ‘Gehe auf den Ausdruck ein’. Frage nicht “Was geht dabei vor?”, sondern “Was tut man mit dieser Äußerung?”.

I let the eyes of the photograph speak to me. I see the picture, perhaps for the first time, as a real face. ‘Engage with the expression’. Don’t ask “What is going on here?”, but “What does one do with this utterance?”.

§

25r[2]

20.07.1947

Wir werden uns des Aspekts nur im Wechsel bewußt. Wie wenn sich Einer nur des Wechsels der Tonart bewußt ist, aber kein absolutes Gehör hat.

20.07.1947

We only become conscious of the aspect in the change. As if one is only aware of the change of key, but does not have absolute pitch.

§

25r[3]

Ich sage nur das & das, & sehe es dann so.

I only say this and that, and then see it like this.

§

25r[4]

Mein Blick, meine Betrachtung, kann sich mit einer Figur in gewissem Sinne beschäftigen.

My gaze, my looking, can in a certain sense engage with a figure.

§

25r[5]

Der Begriffshintergrund lebt in der Empfindung, während man sich des Aspekts bewußt ist. So nämlich möchte man sagen. Denn das sind alles Äußerungen nicht nähere Beschreibungen, oder Analysen, des Erlebnisses.

The conceptual background lives in the sensation, while one is conscious of the aspect. So, one would like to say. For these are all utterances, not closer descriptions or analyses of the experience.

§

25v[1]

Wie Köhler sagen will “Das zeigt, daß ‥‥․”, sage ich: das zeigt gar nichts. Wenn man das Mittelmeer auf der Karte, bei anderer Kolorierung, nicht erkennt, so zeigt das nicht, daß hier wirklich ein anderer visueller Gegenstand vorliegt. Es könnte das höchstens einen plausiblen Grund für eine bestimmte Ausdrucksweise abgeben. Es ist eben nicht das Gleiche, zu sagen “Das zeigt, daß hier wirklich zwei verschiedene visuelle Objekte vorliegen” – & “unter diesen Umständen wäre es besser von zwei verschiedenen visuellen Objekten zu reden”.

As Köhler wants to say, “This shows that…”, I say: it shows absolutely nothing. If one does not recognize the Mediterranean on a map, with a different color scheme, then this does not show that actually a different visual object is present. It could at most provide a plausible reason for a specific mode of expression. It is simply not the same thing to say “This shows that there are really two different visual objects” – & “under these circumstances it would be better to talk about two different visual objects”.

§

25v[2]

Daß man einen Aspekt durch Gedanken hervorrufen kann, ist äußerst wichtig, obwohl es das Hauptproblem nicht löst.

The fact that one can evoke an aspect through thought is extremely important, although it does not solve the main problem.

§

26r[1]

Ja, es ist als wäre der Aspekt ein unartikulierter Fortklang eines Gedankens.

Yes, it is as if the aspect is an unarticulated afterglow of a thought.

§

26r[2]

Als hätte der Gedanke eine Katalognummer, ein Abzeichen, das ich sehe, wenn ich die Figur sehe.

As if the thought had a catalog number, a sign that I see when I see the figure.

§

26r[3]

Paraphrasierung ist keine Erklärung.

Paraphrasing is not an explanation.

§

26r[4]

Was sehe

ich wenn ich diese Figur einmal als etwas Stehendes, einmal als etwas Herabhängendes sehe? Es scheint unbeschreiblich. Dies war eben die Beschreibung. Und der Vergleich mit dem Sehen ist eben gefährlich. Und das müßte ich daraus lernen. Ja, es sind hier Analogien, aber auch begriffliche Verschiedenheiten.

What do I see

when I see this figure once as something standing upright, once as something hanging down? It seems indescribable. This was precisely the description. And the comparison with seeing is precisely dangerous. And that is what I should learn from it. Yes, there are analogies here, but also conceptual differences.

§

26r[5] &
26v[1]

Das Sehen einer Figur in einem bestimmten Aspekt ist vergleichbar dem Hören eines Worts in einer bestimmten Bedeutung, insofern als es ist als hätten die Figur & das Wort den Keim einer bestimmten Verwendung in sich. Damit ist aber wieder nichts über eine physiologische Funktion dieses Wahrnehmens gesagt. Es zeigt das nicht, z.B. daß dies ‘Sehen’ die Anwendung der Figur oder des Worts dann tatsächlich erleichtert; obwohl Erfahrung so etwas zeigen könnte.

Seeing a figure in a certain aspect is comparable to hearing a word in a certain meaning, in so far as it is as if the figure and the word contain the germ of a certain use. However, this does not say anything about the physiological function of this perception. It does not show that, for example, this ‘seeing’ actually makes the application of the figure or the word easier; although experience could show something like that.

§

26v[2] &
27r[1]

Ich höre zwei Leute reden, verstehe nicht, was sie sagen, höre aber das Wort “Bank”. Nun nehme ich an, sie sprächen von Geld. (Das kann sich als richtig oder unrichtig herausstellen.) Habe ich damit das Wort “Bank” in der Bedeutung gehört? Anderseits: Es sagt einer in einem Spiel doppeldeutige Wörter, ohne Zusammenhang; ich höre “Bank” & höre es in der Bedeutung Geldinstitut. Es ist beinahe, als wäre dies letztere ein wertloses Überbleibsel des ersten Vorgangs.

I hear two people talking, I don’t understand what they are saying, but I hear the word “bank.” Now I assume they are talking about money. (This may turn out to be correct or incorrect.) Have I then heard the word “bank” in that meaning? On the other hand: someone uses ambiguous words in a game, without any connection; I hear “bank” and I hear it in the meaning of a financial institution. It is almost as if the latter is a useless remnant of the first process.

§

27r[2] &
27v[1]

Warum soll nicht die überwältigende Neigung, ein gewisses Wort in unsrer Äußerung zu gebrauchen, bestehen? Und warum sollte dies Wort nicht dennoch irreführend sein, wenn wir über unser Erlebnis nachdenken?

Ich meine: warum sollen wir nicht “sehen” sagen wollen, obwohl der Vergleich mit dem Sehen in mancher Weise hinkt. Warum sollen wir nicht von einer Analogie beeindruckt sein, zum Nachteil aller Verschiedenheiten. Aber darum kann man sich auch nicht auf die Worte der Äußerung berufen. Die physiologische Betrachtung verwirrt hier nur. Weil sie von dem logischen, begrifflichen Problem ablenkt.

Why shouldn’t there be a strong tendency to use a certain word in our utterance? And why shouldn’t this word still be misleading when we think about our experience?

I mean: why shouldn’t we want to say “see,” even though the comparison with seeing is somewhat flawed. Why shouldn’t we be impressed by an analogy, to the detriment of all the differences. But one cannot simply refer to the words of the utterance. Physiological consideration only confuses things here. Because it distracts from the logical, conceptual problem.

§

27v[2] &
28r[1]

Die Verwirrung in der Psychologie ist nicht (Köhler) dadurch zu erklären, daß sie eine “junge Wissenschaft” ist. Ihr Zustand ist mit dem der Mechanik, z.B., in ihrer Frühzeit gar nicht zu vergleichen. Eher mit dem gewissen Zweige der Mathematik. Es besteht da nämlich einerseits eine gewisse experimentelle Methode, anderseits Begriffsverwirrung, so wie in manchen Teilen der Mathematik Begriffsverwirrung & Beweismethoden. Während man aber in der Mathematik ziemlich sicher sein kann, daß ein Beweis von Wichtigkeit sein wird, auch wenn er noch falsch interpretiert wird, ist man in der Psychologie der Fruchtbarkeit der Experimente durchaus nicht sicher. Vielmehr besteht in ihr Problematisches, & Experimente, die man für die Methode der Lösung der Probleme ansieht auch wenn sie an dem, was uns beunruhigt, ganz vorbei gehen.

The confusion in psychology is not (Köhler) explained by the fact that it is a “young science.” Its state is not comparable to that of mechanics, for example, in its early days. Rather, it is more like certain branches of mathematics. There is, on the one hand, a certain experimental method, and on the other hand, conceptual confusion, just as there is conceptual confusion and methods of proof in some parts of mathematics. However, while one can be quite sure in mathematics that a proof will be important, even if it is still misinterpreted, one is not at all sure of the fruitfulness of the experiments in psychology. Rather, there is problematic aspects to it, and experiments that one considers to be the method of solving the problems, even if they completely miss what concerns us.

§

28r[2]

Es handelt sich nicht darum, daß wir noch aller möglichen ungeahnten Entdeckungen gewärtig sein müssen (Köhler) – als wären die Naturgesetze, die die Psychologie lehrt , noch als Provisorium zu behandeln. Köhler selbst ist dabei ganz im Unklaren, welcher Natur solche Entdeckungen etwa sein könnten. Wie gesagt die Schwierigkeit in der Psychologie ist am ähnlichsten der der “Grundlagen” der Mathematik.

It is not the case that we must still be prepared for all sorts of unforeseen discoveries (Köhler) – as if the laws of nature that psychology teaches are still to be treated as provisional. Köhler himself is quite unclear about what nature such discoveries might be. As I said, the difficulty in psychology is most similar to that of the “foundations” of mathematics.

§

28r[3] &
28v[1]

Die Ähnlichkeit sehen. Ist dies ein sozusagen homogener Zustand? Die Ähnlichkeit fällt mir plötzlich auf; beginnt hier einfach ein neuer Zustand, der nun andauern kann?

To see the similarity. Is this a kind of homogeneous state? Does the similarity suddenly occur to me; does a new state simply begin here, which can now continue?

§

28v[2]

Ich sehe z.B. plötzlich die Ähnlichkeit zwischen Sohn & Vater, oder ich erkenne Italien auf der Karte. Inwiefern sehe ich hier etwas neues: D.h. nämlich: Inwiefern ist dies begrifflich mit dem Sehen eines neuen Komplexes von Farben & Formen verwandt?

I suddenly see, for example, the similarity between son & father, or I recognize Italy on the map. In what sense do I see something new here: That is to say: in what sense is this conceptually related to seeing a new complex of colors & shapes?

§

28v[3]

Es kommt z.B. in einer Figur die gleiche Form zweimal in verschiedenem Zusammenhang vor. Ich zeichne die Figur richtig nach, habe also die beiden gleichen Formen gesehen, die Gleichheit ist mir aber nicht aufgefallen, sie habe ich nicht gesehen.

For example, in a figure, the same shape appears twice in different contexts. I draw the figure correctly, so I have seen the two identical shapes, but I didn't notice the sameness; I didn't see it.

§

28v[4] &
29r[1] &
29v[1]

21.07.1947

Man könnte dazu verführt werden zu glauben, es gäbe eine bestimmte Art & Weise, wie man Jahreszahlen ausspricht, einen bestimmten Ton oder dergleichen. Denn eine Zahl wie 1854 kann für mich etwas Jahreszahlhaftes an sich haben. Man könnte glauben unser Erlebnis sei das einer bestimmten Einstellung des Geistes, die ihn für eine bestimmte Tätigkeit bereit macht, zu vergleichen also der Stellung des Körpers vor dem Sprung. Hier ist ein sehr verlockender Irrtum. Es ist Erfahrungstatsache, daß diese Stellung eine häufige, oder zweckmäßige, Vorbereitung für diese Tätigkeit ist. Wir aber haben nicht gelernt, daß dies Gefühl, diese Erfahrung, eine zweckdienliche Vorbereitung der & der Anwendung der Figur, Zahl, ist. Wie Erfahrung uns auch nicht gelehrt hat, daß diese Intention eine Vorbereitung zu dieser Handlung ist. Ausdrücke wie “Es ist als zitterte in dem Erlebnis bereits die künftige Verwendung”, “Es ist, als innervierten wir schon die Muskeln zu dieser bestimmten Tätigkeit”, etc., etc., sind nur paraphrasierte Äußerungen des Erlebnisses. (Als sagte man “Die Liebe zu … glüht mir im Herzen”) – Hier haben wir übrigens eine Andeutung des Ursprungs der mythischen Innervationsempfindung, die den Willensakt ausmachen soll.

21.07.1947

One might be tempted to believe that there is a specific way of pronouncing dates, a specific tone, or something similar. For me, a number like 1854 can have something date-like in itself. One might believe that our experience is that of a certain disposition of the mind, which prepares it for a certain activity, for comparison, i.e., the position of the body before the jump. Here is a very tempting mistake. It is an empirical fact that this position is a frequent, or purposeful, preparation for this activity. But we have not learned that this feeling, this experience, is a purposeful preparation for the use & the application of the figure, the number. Nor has experience taught us that this intention is a preparation for this action. Expressions such as “It is as if the future use was already trembling in the experience,” “It is as if we were already innervating the muscles for this specific activity,” etc., etc., are merely paraphrased utterances of the experience. (As if one said, “The love for … glows in my heart.”) – Here we have, by the way, a hint of the origin of the mythical innervation sensation, which is supposed to constitute the act of will.

§

29v[2] &
30r[1]

“Ich sehe in seinem Gesicht das Gesicht seines Vaters”? – auch wenn ich dieses gar nicht vor mir habe! “Jetzt sehe ich erst, wie ähnlich er dem ‥‥ sieht!” & habe doch nur das eine Gesicht vor mir! Und es erklärt nichts, zu sagen ich stelle mir das andere Gesicht dazu vor. Wie weiß ich denn, daß ich mir das rechte Gesicht vorstelle? Das Phänomen ist zu vergleichen dem des plötzlichen Wiedererkennens einer Person nach längerer Abwesenheit. Plötzlich erinnern wir uns in diesem Gesicht der früheren Züge! “Sehe ich nun sein Gesicht plötzlich anders?”

“I see in his face the face of his father”? – even if I don’t have this in front of me! “Now I see how similar he looks to…!” and yet I only have the one face in front of me! And it explains nothing to say that I imagine the other face. How do I know that I am imagining the right face? The phenomenon is comparable to the sudden recognition of a person after a long absence. Suddenly, we remember in this face the features of the past! “Do I now suddenly see his face differently?”

§

30r[2]

Das Sehen ohne Augen. In welchem Falle würde man vom Augenlosen sagen, er habe ein Gesichtsbild?

Seeing without eyes. In what case would one say of a person without eyes that he has a visual image?

§

30r[3] &
30v[1]

Ich sage beim Erkennen: “Jetzt seh ich's – es sind dieselben Züge, nur ‥‥‥” – & es folgt eine Beschreibung der tatsächlichen Veränderungen. Denk Dir ich sagte “Das Gesicht ist runder, als es war” – soll ich sagen, es ist eine Eigentümlichkeit des Gesichtsbildes, des Gesichtseindrucks, die nur das zeigt? Freilich, man wird sagen: “Nein, hier kommt ein Gesichtsbild & eine Erinnerung zusammen”. Aber wie kommen diese zusammen? Ja – es ist als ob hier zwei Bilder verglichen würden. Aber es werden nicht zwei Bilder verglichen; & würden sie's so müßte man noch immer eines als das des früheren Gesichts anerkennen.

I say when recognizing: “Now I see it – it is the same features, only…” – and then follows a description of the actual changes. Imagine I say, “The face is rounder than it was” – am I to say that it is a peculiarity of the visual image, of the visual impression, that shows this? Of course, one will say: “No, here a visual image and a memory come together.” But how do these come together? Yes – it is as if two images are being compared here. But two images are not being compared; and even if they were, one would still have to recognize one of them as the face of the past.

§

30v[2] &
31r[1]

“Ich erkenne jetzt sein Gesicht. Was ich sehe scheint sich verändert zu haben.” – In wiefern hat es sich geändert? Was sehe ich jetzt, was ich früher nicht gesehen habe? “Nun, ich sehe jetzt (plötzlich) das alte Gesicht.” Ist das alles was Du sagen kannst? Worin besteht das alte Gesicht? “Nun, ich sehe jetzt daß die Wangen stärker geworden sind ‥‥․ aber die Augen & der Mund sind die alten” – Aber ist jetzt der Gesichtseindruck ein andrer als vor dem Wiedererkennen? Wenn er sich geändert hat, so möchte ich das durch ein verändertes Bild zum Ausdruck bringen. Nun etwa durch das Bild des ehemaligen Gesichts. In sofern sehe ich also wirklich etwas anderes: Was früher kein Bild des Gesehenen war ist jetzt eins.

“I now recognize his face. What I see seems to have changed.” – In what way has it changed? What do I see now that I didn’t see before? “Well, I now see (suddenly) the old face.” Is that all you can say? What constitutes the old face? “Well, I now see that the cheeks have become more prominent… but the eyes & the mouth are the same.” – But is the visual impression now different from before the recognition? If he has changed, I would like to express that through a changed image. Now perhaps through the image of the former face. In so far, I really see something different: what was not previously an image of what was seen is now one.

§

31r[2]

Ich kann doch sagen: Ich sehe, daß diese Figur in dieser enthalten ist, kann sie aber nicht darin sehen.

Ich kann also sagen: Diese Beschreibung paßt wohl für diese Figur, aber doch kann ich die Figur nicht dieser Beschreibung gemäß sehen. Und “sehen” heißt hier auch nicht “auf einen Schlag erkennen”. Denn es könnte wohl sein, daß jemand nicht im Stande wäre auf den ersten Blick die eine Figur in der andern zu sehen, daß er aber könnte, nachdem er das Enthaltensein der einen in der andern sozusagen stückweise erkannt hätte.

I can say: I see that this figure is contained in this one, but I cannot see it in it.

So I can say: This description is probably suitable for this figure, but I cannot see the figure according to this description. And “seeing” here does not mean “recognizing it at a glance.” For it could well be that someone would not be able to see the one figure in the other at first glance, but could, after having recognized the containment of the one in the other in a kind of piecemeal way.

§

31v[1]

Teile ich ihm mittels der zwei Bilder mit, die eine Figur sei in der andern enthalten, oder, ich erkenne, daß es so sei, so teile ich ihm damit nicht mit, ich sehe die eine in der andern. Worin liegt der Unterschied der beiden Mitteilungen. (Ihr Wortausdruck muß sich nicht unterscheiden.)

If I communicate to him by means of the two pictures that one figure is contained in the other, or, I recognize that this is the case, am I not communicating that I see the one in the other? What is the difference between the two communications? (The verbal expression need not differ.)

§

31v[2] &
32r[1]

Ich kann die Figur

nicht als eine Vereinigung von

 &

sehen die zusammengeschoben sind, daß sie sich halb überdecken, so daß das mittlere Feld gleichsam doppelt gilt. Wenn nun Einer sagte, er könne es so sehen, könnte ich es nicht verstehen? könnte ich es glauben? Sollte ich sagen, dies sei möglich – auch wenn mir derlei noch nie vorgekommen wäre? Müßte ich sagen “Der meint eben mit “so-sehen” etwas andres als ich”? – Und wenn ich es annähme, was wüßte ich nun, was könnte ich damit anfangen? (Eine physiologische Verwendung ist natürlich wieder möglich.)

I cannot see the figure

as a combination of

 &

that are pushed together so that they overlap, so that the middle field is, as it were, counted twice. If someone said that he could see it that way, could I not understand it? Could I believe it? Should I say that this is possible – even if the like has never happened to me? Would I have to say “He just means something different by ‘seeing it that way’ than I do”? – And if I assume it, what would I know now, what could I do with it? (A physiological employment is of course possible again.)

§

32r[2]

Hierher gehört die Frage “Was würde mir Einer mitteilen, der sagte, er könne ein regelmäßiges 50-Eck als solches sehen? Wie würde man seine Aussage prüfen? Was als Prüfung gelten lassen?

Here belongs the question: “What would someone communicate to me who said that he could see a regular 50-gon as such? How would one test his statement? What would be accepted as a test?

§

32r[3]

Mir scheint, es könnte nun sein, daß man gar nichts als Bestätigung dieser Aussage annehmen würde.

It seems to me that it could now be the case that one would accept nothing as confirmation of this statement.

§

32r[4]

Das erste was man sagen möchte, ist, daß das so-Sehen ein Zustand ist; ähnlich in dieser Beziehung dem Vorstellen, auch dem Sehen eines Nachbilds, etc..

The first thing one would like to say is that seeing it in this way is a state; similar in this respect to imagining, also to seeing an afterimage, etc.

§

32r[5] &
32v[1]

“Für mich ist es jetzt dieses Ornament.” Das “dieses” muß erklärt werden durch Hinweis auf eine Klasse von Ornamenten. Man kann etwa sagen “Es sind weiße Bänder auf etwas Schwarzem”. Ja – anders ist es nicht zu erklären. Obgleich man sagen möchte: “Es muß doch einen einfachern Ausdruck für das geben, was ich sehe!” Und vielleicht gibt es ihn auch. Denn vor allem könnte man den Ausdruck “hervortreten” benützen. Man kann sagen “Diese Teile treten hervor”. Und nun kann man sich ja eine primitive Reaktion eines Menschen denken, der dies nicht durch Worte ausdrückt, sondern etwa auf die “hervortretenden” Teile mit den Fingern tupft. Aber dieser primitive Ausdruck wäre damit noch nicht äquivalent dem Wortausdruck “weißes Bandornament”.

“For me, it is now this ornament.” The “this” must be explained by reference to a class of ornaments. One could, for example, say “They are white stripes on something black.” Yes – there is no other way to explain it. Although one might say: “There must be a simpler expression for what I see!” And perhaps there is. For above all, one could use the expression “protruding.” One can say “These parts protrude.” And now one can imagine a primitive reaction of a person who does not express this in words, but taps on the “protruding” parts with his fingers. But this primitive expression would not yet be equivalent to the verbal expression “white stripe ornament.”

§

33r[1]

Es wäre aber auch das möglich: daß eine große Menge von Ausdrücken, Begriffen für jemand in diesem Fall ganz gleichbedeutend wäre. Und sollte man in diesem Fall sagen der beschriebene Aspekt sei rein optisch?

But it is also possible that a large number of expressions, concepts would be completely synonymous for someone in this case. And should one say in this case that the described aspect is purely optical?

§

33r[2]

Es ist aber die Frage, warum die primitive Reaktion des Klopfens mit dem Finger ein Ausdruck des so-Sehens genannt werden soll. Ohne weiteres wird man sie doch so nicht nennen können. Nur wenn sie sich mit andern Ausdrücken vereinigt.

But the question is, why should the primitive reaction of tapping with one's finger be called an expression of seeing it in this way? One cannot simply call it that. Only if it is combined with other expressions.

§

33r[3]

“Ich sehe es so” – & nun könnte man es auch durch Gesten ausdrücken.

“I see it like this” – and now one could also express it through gestures.

§

33r[4] &
33v[1]

Denke, es drückte Einer das so-Sehen immer durch eine Erinnerung aus! Er sagte z.B.: Jetzt erinnert mich die Figur an eine Tapete die ich einmal gesehen habe; jetzt an ein Tischtuch …” etc. Was könnte ich mit dieser Mitteilung anfangen?

Imagine that someone always expresses seeing it in this way through a memory! He says, for example: Now the figure reminds me of a wallpaper that I once saw; now of a tablecloth…” etc. What could I do with this communication?

§

33v[2]

Ich möchte fragen: “Was weiß ich von Einem, der mir das sagt?

I would like to ask: “What do I know about someone who tells me this?

§

33v[3]

Kann mich etwas eine halbe Stunde lang an das Tischtuch erinnern? Es sei denn, daß ich mich mit dieser Erinnerung beschäftige.

Can something remind me of the tablecloth for half an hour? Unless I am occupied with this memory.

§

33v[4]

22.07.1947

“Es ist mir, als sehe ich ‥‥․” Und daraus kann ich etwa darauf schließen, wie er die Figur kopieren wird. Verschiedene “Bilder”, “Darstellungen”, “Kopien” der Figur.

22.07.1947

“It seems to me as if I see…” And from this I can, for example, conclude how he will copy the figure. Various “pictures,” “representations,” “copies” of the figure.

§

33v[5]

“Ich weiß jetzt woran es mich erinnert”, sage es aber noch nicht.

“I know now what it reminds me of,” but I don’t say it yet.

§

34r[1]

“Es ist mir(wenn ich die Figur ansehe) als sehe ich ein unvollständiges Ornament mit weißen Streifen. –” Wie ist mir denn also, wenn ich ein unvollständiges Ornament sehe? – Was kann der Andre daraus lernen? Nun, es könnte mich z.B. zu einer Zeichnung, einem Bild anregen. In diesem Falle, wäre das Sehen des Aspektes ähnlich einer Vorstellung, die durch die Figur angeregt wurde. Es könnte ein solches Sehen auch einer mathematischen Entdeckung vorangehen. Oder der Andre könnte aus meiner Äußerung nur entnehmen, daß ich ein müßiges Spiel der Vorstellung treibe.

“When I look at the figure, it’s as if I see an incomplete ornament with white stripes.” So, what is it like when I see an incomplete ornament? What can the other person learn from this? Well, it could inspire me to draw a picture. In this case, seeing the aspect would be similar to an image that has been evoked by the figure. Such seeing could also precede a mathematical discovery. Or the other person might only infer from my statement that I am indulging in a trivial game of imagination.

§

34r[2] &
34v[1]

Wenn es sich nun so verhält, daß es ein Bedeutungserlebnis zwar gibt, dies aber etwas Nebensächliches ist, – wie kann es dann so sehr wichtig scheinen? Kommt das daher daß dies Phänomen einer gewissen primitiven Deutung unsrer Grammatik (Sprachlogik) entgegenkommt? So, wie man sich auch oft vorstellt, es müsse die Erinnerung an ein Ereignis ein Vorstellungsbild sein, & wie ja so ein Bild manchmal wirklich existiert.

If it is the case that there is a meaning-experience, but it is something secondary, how can it seem so important? Does this come from the fact that this phenomenon corresponds to a certain primitive interpretation of our grammar (logic of language)? Just as one often imagines that the memory of an event must be a mental image, and indeed such an image sometimes actually exists.

§

34v[2] &
35r[1]

Wenn ich die Figur

einen schwarzen Ring nenne & die Figur

einen weißen Ring, – so ist es auffallend, daß es schwer oder unmöglich ist, die Figur

als Ineinander eines weißen & schwarzen Rings zu sehen. Dies könnte sich aus unsrer Unfähigkeit erklären, die Augen in der & der Weise zu bewegen; & es könnte gefunden werden, daß, wer im Stande ist die Augen so zu bewegen, jenen Aspekt erhält. Sage ich aber “Ich kann die Figur nicht so sehen”, so meine ich nicht, ich kann die Augen so nicht bewegen (selbst wenn dies die Bedingung für das Eintreten des Aspekts wäre).

If I call the figure

a black ring & the figure

a white ring, – then it is striking that it is difficult or impossible to see the figure

as an intermingling of a white & black ring. This could be explained by our inability to move the eyes in this or that way; & it might be found that whoever is able to move the eyes in that way obtains that aspect. But if I say “I cannot see the figure in that way,” I do not mean that I cannot move the eyes in that way (even if this were the condition for the occurrence of the aspect).

§

35r[2]

Wenn ich sage, es könnte gefunden werden, daß, wer die Augen so bewegen kann, jenen Aspekt erhält, – so wird dafür das Zeichen sein, daß er uns sagt, er sehe die Figur so. Und was verbürgt uns nun, daß hier z.B. kein Mißverständnis ist? – daß er wirklich die Figur so sieht? Gibt es hier ein andres Kriterium, außer seiner Versicherung? Sind wir genötigt, sie hier anzuerkennen?

If I say that it might be found that whoever can move his eyes in that way perceives that aspect, then the sign of this will be that he tells us that he sees the figure in that way. And what assures us that there is no misunderstanding here, for example? – that he really sees the figure in that way? Is there another criterion here, apart from his assertion? Are we obliged to accept it here?

§

35r[3] &
35v[1]

Wenn es nämlich hier keine weitere Verwendung jener Versicherung gibt, – kann man sie nicht einfach abstoßen, solange wir z.B. nicht einmal das Spiel mit ihr spielen können “Jetzt seh ich's so & Du so”. Fände man aber physiologische Zusammenhänge mit den Aspekten, dann könnte die Aussage eines Einzelnen, er sähe etwas wie kein Andrer es sehen könne, Bedeutung gewinnen.

If, in fact, there is no further use for that assertion, one cannot simply dismiss it, as long as we do not even play the game with it: “Now I see it like this, and you see it like that.” But if physiological connections with the aspects were found, then the statement of an individual that he sees something in a way that no one else can see it could gain significance.

§

35v[2]

Von einem Ornament könnte man freilich sagen: “Es wird Dir nur dann Vergnügen bereiten wenn Du es so siehst.”

One could, of course, say of an ornament: “It will only give you pleasure if you see it in this way.”

§

35v[3] &
36r[1]

So verschwommen auch mein Gesichtsbild sein mag, (so) muß es doch eine bestimmte Verschwommenheit haben, so muß es doch ein bestimmtes Gesichtsbild sein. Das heißt wohl es muß einer genauen passenden Beschreibung fähig sein, wobei eher die Beschreibung die gleiche Vagheit haben müsse wie das Beschriebene. – Aber nun wirf einen Blick auf das Bild & gib eine in diesem Sinne passende Beschreibung! Diese Beschreibung sollte eigentlich ein Bild, eine Zeichnung sein! Aber hier handelt sich's eben nicht um eine verschwommene Kopie eines verschwommenen Bildes. Was wir sehen, ist in ganz anderm Sinne unklar. Und ich glaube, die Lust von einem privaten Gesichtsobjekt zu reden, könnte einem vergehen, wenn man öfter an dies Bild dächte.

However blurred my visual image may be, it must nevertheless have a specific blurriness; it must be a specific visual image. Presumably, this means it must be capable of a precise, fitting description, whereby the description itself should have the same vagueness as what is being described. – But now, take a look at the picture & give a description that fits in this sense! This description should actually be a picture, a drawing! But here, we are not dealing with a blurred copy of a blurred picture. What we see is unclear in a completely different sense. And I believe that one might lose interest in talking about a private visual object if one thought about this picture more often.

§

36r[2]

Die Abbildung, die sonst möglich ist, ist eben hier unmöglich.

The depiction that would otherwise be possible is precisely impossible here.

§

36r[3] &
36v[1]

“Du mußt Dein Geld in eine Bank legen” sage ich jemandem & denke dabei an ein Sitzgerät, will ihm aber dennoch mitteilen, er solle das Geld in eine Geldbank legen. Denk an das Beispiel des Satzes “a b c d e” = “es wird heute nicht regnen”. Merkwürdiger aber noch wäre der Fall, daß die Worte “es wird heute nicht regnen” in einer andern Sprache der Reihe nach bedeuteten “Du sollst nicht immer reden”. (“Who came?” – “You sang”) “Als ich die Worte mißverstand, – mußte ich nicht ein anders Erlebnis haben, als das des richtigen Verständnisses?” ‘Mußte’?! Ich konnte eins haben.

“You must put your money in a bank,” I say to someone, while thinking of a piece of furniture, but I still want to communicate to him that he should put the money in a money bank. Think of the example of the sentence “a b c d e” = “it will not rain today.” But even stranger would be the case in which the words “it will not rain today” in another language successively meant “you should not always talk.” (“Who came?” – “You sang.”) “When I misunderstood the words, did I not have a different experience than that of correct understanding?” ‘Did’ I have to? I could have.

§

36v[2]

“Ich habe bei diesen Worten an … & nicht an … gedacht.” So hast Du also während des Redens gedacht?

“I thought of… and not of… when I said these words.” So, were you thinking this while you were speaking?

§

36v[3] &
37r[1]

Aber es ist uns doch eben möglich, & nicht leicht, Worte mit einer Intention zu gebrauchen & sie privat anders zu meinen. Und wiederum ist die Frage: Was teile ich einem mit, dem ich sage “Ich habe ihm das in dieser Absicht gesagt, mir aber dabei das gedacht”?

But isn't it quite possible for us, & not difficult, to use words with one intention & to mean them privately differently? And again, the question is: what am I communicating to someone when I say, “I said that to him with this intention, but I thought of this while doing so”?

§

37r[2]

Ist denn, daß uns der Witz “Weiche, Wotan, weiche!” zum Lachen reizt, ein Beweis dafür daß das Wort “Weiche” je nach seiner Bedeutung immer mit einem bestimmten Erlebnis ausgesprochen wird?

Is the fact that the joke “Weiche, Wotan, weiche!” makes us laugh proof that the word “weiche” is always uttered with a specific experience, depending on its meaning?

§

37r[3] &
37v[1]

Wenn ich sage “Er hat sich im Park auf eine Bank gesetzt”, so ist es freilich schwierig dabei an eine Geldbank zu denken, sich eine vorzustellen; aber das beweist nicht, daß man sich sonst eine andere Bank vorgestellt hätte. Es könnte uns z.B. leichtfallen während des Redens gewisse Bilder zu zeichnen, die der Rede entsprechen, & sehr schwer dabei Bilder zu zeichnen, die der Absicht, oder dem Zusammenhang der Rede zuwider sind. Aber das würde nicht beweisen, daß wir beim Reden immer zeichnen.

If I say, “He sat down on a bench in the park,” it is indeed difficult to think of a money bank while doing so, to imagine one; but this does not prove that one would otherwise have imagined a different kind of bench. It might be easy for us, for example, while speaking, to conjure up certain images that correspond to the speech, & very difficult to conjure up images that contradict the intention or the context of the speech. But that wouldn't prove that we always conjure up images when speaking.

§

37v[2]

Aber es hat einen Sinn von einem ‘privaten Meinen’ eines Satzes zu reden im Gegensatz zum intendierten Sinn des Satzes für den Andern, also im Gegensatz zu seinem Zweck. Und dieses ‘private Meinen’ ist vergleichbar mit einem Vorstellen, einem Zeichnen während des Sprechens.

But it makes sense to speak of a ‘private meaning’ of a sentence as opposed to the intended sense of the sentence for the other person, that is, as opposed to its purpose. And this ‘private meaning’ is comparable to a representation, an illustration during speech.

§

37v[3]

Denk an mögliche Variationen der Bedeutung von “Beabsichtigen” z.B.: Das Denken an die Absicht, das Äußern der Absicht, die Vorbereitungen zum Ausführen der Absicht.

Consider possible variations in the meaning of “to intend,” e.g., thinking about the intention, expressing the intention, preparing to carry out the intention.

§

37v[4] &
38r[1]

Wenn man sich die falsche Bedeutung zum Worte “Bank” denkt stellt man es sich in einem andern Zusammenhang gebraucht vor. Und man könnte nun sagen: Es ist merkwürdig, daß dies möglich ist, daß es möglich ist, sich mit einem Schlage einen andern Zusammenhang vorzustellen.

If one thinks of the wrong meaning for the word “bank,” one imagines it being used in a different context. And one could now say: it is remarkable that this is possible, that it is possible to imagine a different context at once.

§

38r[2] &
38v[1]

Wenn ich jetzt beim Philosophieren allein den Satz “Du mußt das Geld in die Bank legen” sage & ihn so & so meine, – heißt das, daß in mir beim Aussprechen des Satzes das Gleiche vorgeht, wie wenn ich den Satz bei einer wirklichen Gelegenheit jemand in dieser Bedeutung sage? Was könnte so eine Annahme rechtfertigen?? Höchstens, daß ich nach ihm sage “Ich habe das Wort Bank jetzt in der Bedeutung ‥‥ gemeint. Und hier handelt sich's doch um eine Art optische Täuschung! Denn was mich im praktischen Gebrauche zu dieser Feststellung berechtigt, ist ja nicht ein das Sprechen begleitender Vorgang. Wenn auch Vorgänge das Sprechen begleiten können die auf diese Bedeutung hinweisen. (Die Richtung des Blicks z.B..)

If, while philosophizing, I now simply say the sentence “You must put the money in the bank” & mean it in such & such a way, – does that mean that when I utter the sentence, the same thing is happening in me as when I say the sentence to someone on a real occasion in that meaning? What could justify such an assumption? At most, that I say afterward, “I meant the word ‘bank’ now in the meaning ‥‥.” And here we are dealing with a kind of optical illusion! For what justifies me in this statement in practical use is not a process that accompanies the speaking. Although processes can accompany the speaking that indicate this meaning. (The direction of the gaze, for example.)

§

38v[2]

23.07.1947

“Für mich ist es noch immer …”

23.07.1947

“For me, it is still…”

§

38v[3]

Die Schwierigkeit ist, sich unter den Begriffen der ‘psychologischen Erscheinungen’ auszukennen. Sich unter ihnen zu bewegen ohne anzustoßen. Also die Wege zu kennen die vom einen zum andern führen, so daß man sich frei in ihnen bewegen kann

The difficulty is in becoming familiar with the concepts of ‘psychological phenomena.’ To move among them without stumbling. To know the paths that lead from one to the other, so that one can move freely in them.

§

38v[4] &
39r[1]

D.h., man muß die Verwandtschaften & Unterschiede der Begriffe beherrschen. Wie man den Übergang von irgend einer Tonart in eine andere beherrscht, von der einen in die andere moduliert.

That is, one must master the kinship & differences of the concepts. As one masters the transition from one key to another, modulates from one to the other.

§

39r[2]

Was nicht unersetzlich ist, mag Allen gehören.

What is not irreplaceable may belong to everyone.

§

39r[3]

Mathematische Fragen & Antworten, mathematische Probleme & ihre Lösungen. Vergleich eines mathem. Problems mit dem, einen Satz, ein Gedicht, einen Dialog aus einer Sprache in eine andere zu übersetzen. (Interessanter & weitgehender Vergleich.)

Mathematical questions & answers, mathematical problems & their solutions. A comparison of a mathematical problem with the task of translating a sentence, a poem, or a dialogue from one language into another. (A more interesting & far-reaching comparison.)

§

39r[4] &
39v[1]

Ein Zeitalter, das fortwährend mit Erklärungen von Tatsachen präokkupiert ist, kann eine Tatsache nicht fest ins Auge fassen, wenn es nicht die Erklärung dazu hat. (Es ist, als könnte Einer einen Felsblock nur dann klar sehen, wenn er seine Entstehung kennt.)

An age that is constantly preoccupied with explanations of facts cannot firmly grasp a fact unless it also has the explanation for it. (It is as if one could only clearly see a boulder if one knew its origin.)

§

39v[2]

“Jetzt höre ich das als Nachsatz zum ersten Teil.” – “Du machst dabei wahrscheinlich gewisse Bewegungen, innervierst Muskeln zu gewissen Gesten, und dergleichen.” Darum handelt sich's nicht. Erstens weiß ich von diesen Bewegungen nichts; & wenn sie auch tatsächlich konstatiert würden, so wäre dadurch meine Aufgabe nicht gelöst. Ich muß gerade diese möglichen Erklärungen ignorieren. (Denn auch wenn sie stimmen, müssen sie nicht stimmen.)

“Now I hear that as an afterthought to the first part.” – “You are probably making certain movements, innervating muscles into certain gestures, and so on.” That is not what it is about. First, I know nothing about these movements; & even if they were actually observed, that would not solve my problem. I must ignore these possible explanations. (Because even if they are true, they don't have to be.)

§

39v[3]

“Ich habe jetzt das Wort ‘Bank’ in der Bedeutung ‥‥ ausgesprochen” – Wie weißt Du, daß Du's getan hast? Wie, wenn Du Dich geirrt hast, es in der Bedeutung auszusprechen?

“I have now uttered the word ‘bank’ in the meaning ‥‥.” – How do you know that you have done it? How, if you were mistaken, that you uttered it in that meaning?

§

40r[1]

Wer sagt “Ich habe jetzt das Wort ‘Bank’ in der Bedeutung isoliert gesprochen”, der spielt ein gänzlich anderes Sprachspiel, als der, welcher mir mitteilt, er habe mit dem Wort in jenem Bericht, oder Befehl, etc., das gemeint. Und nun ist es also wesentlich oder unwesentlich daß er auch im ersten Falle das Wort “meinen” gebraucht. Ist es wesentlich, dann ist das erste Sprachspiel sozusagen eine Spiegelung des zweiten.

Whoever says “I have now spoken the word ‘bank’ in that meaning in isolation” is playing a completely different language-game than the one who tells me that he meant that with the word in that report, or instruction, etc. And now, is it essential or inessential that he also uses the word “mean” in the first case? If it is essential, then the first language-game is, as it were, a reflection of the second.

§

40r[2]

Etwa, wie die Schachpartie auf der Bühne eine Spiegelung einer wirklichen Schachpartie genannt werden könnte.

For example, how the chess game on stage could be called a reflection of an actual chess game.

§

40r[3] &
40v[1]

Man könnte doch beinahe sagen “Mir träumt, ich habe das gemeint.”

One could almost say, “I am dreaming that I meant that.”

§

40v[2]

Schach in der Vorstellung mit dem Andern spielen: Beide Spieler spielen in der Vorstellung & stimmen miteinander darin überein, dieser habe gewonnen, dieser verloren. Sie können dann Beide aus dem Gedächtnis die Partie übereinstimmend reproduzieren, sie aufschreiben, erzählen, etc..– Denke Tennis so gespielt. Es wäre möglich. Nur natürlich keine Übung für die Muskeln. (Obwohl sich auch das denken ließe.) Wichtig ist daß man auch beim ‘Tennis in der Vorstellung’ wird sagen können “Es ist mir gelungen, den Ball ‥‥․”.

Playing chess in imagination with another: both players play in imagination & agree that this one has won, this one has lost. They can then both reproduce the game consistently from memory, write it down, tell it, etc. – Imagine tennis played in this way. It would be possible. Only, of course, it would not be an exercise for the muscles. (Although one could imagine that too.) The important thing is that even in ‘tennis in the imagination’ one could say “I have succeeded in hitting the ball ‥‥․”.

§

40v[3] &
41r[1]

Ich könnte doch von einer Schachpartie träumen, der Traum hat mir aber vielleicht nur einen Zug des Spiels gezeigt. Dennoch hätte ich geträumt: ich habe eine Partie Schach gespielt. Man wird dann sagen “Du hast sie nicht wirklich gespielt, Du hast es geträumt”. Warum sollte man nicht auch sagen “Du hast das Wort nicht wirklich so gemeint, Du hast es nur geträumt”?

I could dream of a chess game, but the dream may only have shown me one move of the game. Nevertheless, I would have dreamed: I played a game of chess. One would then say, “You didn’t really play it, you just dreamed it.” Why shouldn’t one also say, “You didn’t really mean the word that way, you just dreamed it”?

§

41r[2]

Vor Gericht, z.B., könnte es sich darum fragen, wie ich ein Wort gemeint habe, & es kann auch aus gewissen Tatsachen geschlossen werden, wie ich es gemeint habe Es ist eine Frage der Absicht. Könnte aber auch jenes andere gespielte Meinen diese Wichtigkeit haben?

In court, for example, the question could be asked how I meant a word, & it can also be concluded from certain facts how I meant it. It is a question of intention. But could this other, played “meaning” also have this importance?

§

41r[3]

Ist denn eine Absicht & eine vorgestellte, phantasierte Absicht dasselbe?

Is an intention & an imagined, fantasized intention the same thing?

§

41r[4] &
41v[1]

Weiter wollen wir natürlich nicht feststellen, was beim vorgestellten Meinen vorsichgeht.

We do not want to determine what is going on in the imagined meaning.

§

41v[2]

Ich habe das Wort ‥‥ ausgesprochen & es ist mir, als wäre dabei das vorgegangen, was vorgeht, wenn ich es so meine.

I spoke the word ‥‥ & it is as if what happens when I mean it that way, happened at that moment.

§

41v[3] &
42r[1]

24.07.1947

Aber wie ist es, – wenn ich ein Gedicht, oder ausdrucksvolle Prosa lese, besonders wenn ich sie laut lese, so geht doch beim Lesen etwas vor, was nicht vorgeht, wenn ich z.B. die Zeilen nur der Information wegen überfliege. Ich kann doch, z.B., einen Satz mehr, oder weniger eindringlich lesen. Ich bemühe mich den Ton genau zu treffen. Dabei sehe ich oft ein Bild, gleichsam eine Illustration, vor mir. Ja ich kann auch einem Wort einen Ton verleihen, der seine Bedeutung, wie ein Bild, beinahe, heraushebt. Man könnte sich selbst eine Schreibweise denken, in der gewisse Wörter durch Bildzeichen dargestellt & so hervorgehoben werden. Ja dies geschieht manchmal, wenn wir ein Wort unterstreichen, oder es im Satz förmlich auf ein Postament stellen. [… “there lay a something ‥‥”]

24.07.1947

But what about it – if I read a poem, or expressive prose, especially if I read it aloud, then something happens during the reading that does not happen when, for example, I only skim the lines for information. I can, for example, read a sentence more or less emphatically. I try to get the tone exactly right. In doing so, I often see a picture, as it were an illustration, before me. Yes, I can even give a word a tone that, like a picture, almost highlights its meaning. One could imagine a way of writing in which certain words are represented by picture characters & thus highlighted. Yes, this sometimes happens when we underline a word, or formally place it on a pedestal in the sentence. [… “there lay a something ‥‥”]

§

42r[2]

Wenn ich beim ausdrucksvollen Lesen dies Wort ausspreche, so ist es sozusagen mit seiner Bedeutung ausgefüllt. Und nun könnte man fragen: “Wie kann das sein?”

When I pronounce this word while reading expressively, it is, as it were, filled with its meaning. And now one could ask: “How can that be?”

§

42r[3]

“Wie kann das sein, wenn Bedeutung das ist, was Du glaubst?” Der Gebrauch eines Wortes kann das Wort nicht anfüllen. Und nun kann ich antworten: Mein Ausdruck war bildlich gebraucht. – Aber das Bild drängte sich mir auf. Ich will sagen: das Wort war von seiner Bedeutung erfüllt. Wie ich dazu komme, das sagen zu wollen, ließe sich vielleicht erklären.

“How can that be, if meaning is what you believe?” The use of a word cannot fill the word. And now I can answer: My expression was used figuratively. – But the image forced itself on me. I want to say: the word was filled with its meaning. How I come to want to say that could perhaps be explained.

§

42v[1]

Warum aber soll ich dann nicht auch ‘sagen wollen’: ich habe das Wort (isoliert) in dieser Bedeutung ausgesprochen?

But why shouldn’t I also “want to say”: I pronounced the word (in isolation) in this meaning?

§

42v[2]

Warum soll mich eine bestimmte Technik der Verwendung der Worte “Bedeutung”, “meinen” & anderer nicht dazu bringen, diese Worte sozusagen in einem bildlichen uneigentlichen Sinne zu gebrauchen. (So wie ich sage der Vokal “e” sei gelb.) Ich meine aber nicht: es sei ein Irrtum: ich habe das Wort nicht wirklich in dieser Bedeutung ausgesprochen, sondern es mir nur eingebildet. Nicht so ist es. Ich bilde mir ja auch nicht nur ein, es werde im “Nathan” eine Schachpartie gespielt.

Why should a certain technique of using the words “meaning,” “mean,” & others not lead me to use these words, as it were, in a figurative, improper sense. (Just as I say that the vowel “e” is yellow.) But I do not mean: it is a mistake; I did not really pronounce the word in this meaning, but only imagined it. It is not like that. I am not just imagining that a chess game is being played in “Nathan” either.

§VB

43r[1]

Der Kreis meiner Gedanken ist wahrscheinlich viel enger, als ich ahne.

The circle of my thoughts is probably much narrower than I realize.

§

43r[2]

Eines als Bruchstück eines Andern sehen, hören. Eine Form als unvollständiges Ornament sehen.

To see one thing as a fragment of another, to hear it. To see a form as an incomplete ornament.

§

43r[3]

Jeder Mensch mit dem Namen einer Krankheit benannt.

Every person is named after a disease.

§

43r[4] &
43v[1]

25.07.1947

Das Denken ‘in terms’ physiologischer Vorgänge ist für die Klarstellung der begrifflichen Probleme in der Psychologie höchst gefährlich. Das Denken in physiologischen Hypothesen spiegelt uns manchmal falsche Schwierigkeiten, manchmal falsche Lösungen vor. Die beste Kur dagegen ist der Gedanke, daß wir gar nicht wissen, ob die Menschen, die wir kennen, wirklich ein Nervensystem haben.

25.07.1947

Thinking ‘in terms’ of physiological processes is extremely dangerous for clarifying the conceptual problems in psychology. Thinking in physiological hypotheses sometimes presents us with false difficulties, sometimes with false solutions. The best cure for this is the thought that we don’t even know whether the people we know actually have a nervous system.

§

43v[2]

Der Fall der ‘erlebten Bedeutung’ ist verwandt (mit) dem des Sehens einer Figur als … Mehr als diese Verwandtschaft können wir nicht konstatieren., daß eigentlich beidemale das Gleiche vorliegt, sagen wir nicht.

The case of ‘experienced meaning’ is related to that of seeing a figure as… More than this relatedness, we cannot state that the same thing actually occurs in both cases.

§

43v[3]

“Wenn Du Dein

so schreibst

’,

– meinst Du es als ‘verschobenes’

oder als Spiegel-

?

Willst Du daß es nach rechts, oder nach links schaue? – Die zweite Frage bezieht sich offenbar nicht auf einen Vorgang der das Schreiben begleitet. Bei der ersten Frage könnte man an so einen Vorgang denken.

“If you write your

like this,

’,

— do you mean it as a ‘shifted’

or as a mirror-

?

— Do you want it to look to the right, or to the left? — The second question obviously does not refer to a process that accompanies the writing. In the first question, one could think of such a process.

§

44r[1]

“Ich sehe, daß das Kind den Hund anrühren will, sich aber nicht recht traut.” Wie kann ich das sehen? – Ist diese Beschreibung des Gesehenen auf gleicher Stufe mit einer Beschreibung sich bewegender Formen & Farben? Liegt ein Deuten vor? Nun, bedenke, daß Du ja auch einen Menschen nachmachen kannst, der etwas aufgreifen möchte, sich aber nicht traut! Und was Du nachmachst ist doch ein Benehmen. Aber Du wirst dies Benehmen charakteristisch vielleicht nur in einem weiteren Zusammenhang wiedergeben können.

“I see that the child wants to touch the dog, but is not quite daring enough.” How can I see that? – Is this description of what is seen on the same level as a description of moving shapes & colors? Is there an interpretation involved? Well, consider that you can also imitate a person who wants to pick something up, but is not daring enough! And what you imitate is behaviour. But you will perhaps only be able to reproduce this behaviour characteristically in a broader context.

§

44r[2] &
44v[1]

Man wird auch sagen können: Was diese Beschreibung sagt, wird sich irgendwie in der Bewegung & dem übrigen Benehmen des Kindes, aber auch in den Umständen, & dem, was vorhergeht, ausdrücken.

One can also say: what this description says will somehow manifest itself in the child’s movement & other behaviour, but also in the circumstances, & in what happened before.

§

44v[2]

Soll ich nun aber sagen, daß ich die Furchtsamkeit in diesem Benehmen – oder den Gesichtsausdruck – eigentlich ‘sehe’? Warum nicht? – Aber damit sind ja die Unterschiede der beiden Begriffe der Wahrnehmung nicht geleugnet. Ein Bild des Gesichts könnte die Gesichtszüge sehr genau, den Ausdruck aber nicht richtig wiedergeben; es könnte aber auch der Ausdruck ähnlich sein & die Züge nicht gut getroffen. “Ähnlicher Ausdruck” faßt Gesichter ganz anders zusammen, als “ähnliche Anatomie”.

Should I now say that I actually ‘see’ the fear in this behaviour – or the facial expression’? Why not? – But this does not deny the differences between the two concepts of perception. A picture of the face could reproduce the facial features very accurately, but not the expression correctly; it could also be that the expression is similar & the features are not well captured. “Similar expression” combines faces in a completely different way than “similar anatomy.”

§

45r[1]

Die Frage ist natürlich nicht: “Ist es richtig zu sagen ‘ich sehe sein schlaues Blinzeln’?” Was zum Teufel sollte daran richtig oder falsch sein, außer der Gebrauch der deutschen Sprache? Wir werden auch nicht sagen: Der naive Mensch hat ganz recht, wenn er sagt er sähe den Gesichtsausdruck”!

The question is, of course, not: “Is it correct to say ‘I see his clever wink’?” What on earth could be right or wrong about that, other than the use of the German language? We will not say either: the naive person is completely right when he says he sees the facial expression!

§

45r[2] &
45v[1] &
46r[1]

Anderseits möchte man aber sagen: Wir können doch den Ausdruck, die Schüchternheit des Benehmens, etc. nicht in demselben Sinn ‘sehen’, wie die Bewegung, die Formen & Farben. Was ist nun daran? (Physiologisch ist die Frage natürlich nicht zu beantworten.) Nun man sagt eben von der Bewegung & auch von der Freude des Hundes, man sähe sie. Schließt man die Augen so kann man weder das eine, noch das andere sehen. Sagt man aber von dem, er habe alles gesehen, was zu sehen war, der die Bewegung des Hundes auf irgendeine Weise genau im Bilde wiedergeben könnte, dann müßte der die Freude des Hundes nicht erkennen. Ist also die ideale Darstellung des Gesehenen die photographisch (metrisch) genaue Wiedergabe im Bild, dann könnte man sagen wollen: “ich sehe die Bewegung, & merke irgendwie die Freude.” Aber bedenk doch, wie wir das Wort “sehen” gebrauchen lernen. Wir sagen doch gewiß , wir sehen diesen Menschen, diese Blume, während unser Gesichtsbild – die Farben & Formen sich stätig & zwischen den weitesten Grenzen ändern. So gebrauchen wir eben das Wort “sehen”. (Glaub nicht, Du kannst einen bessern Gebrauch dafür finden (einen phänomenologischen)!

On the other hand, one would like to say: we cannot ‘see’ the expression, the shyness of the behaviour, etc. in the same sense as we see the movement, the shapes & colors. What is that about? (Of course, the question cannot be answered physiologically.) Well, one does say of the movement & also of the dog’s joy that one sees it. If you close your eyes, you cannot see either the one or the other. But if you say that he saw everything that could be seen, the one who could reproduce the dog’s movement in some way accurately in a picture, then he would not have to recognize the dog’s joy. If the ideal representation of what is seen is the photographically (metrically) accurate reproduction in the picture, then one could say one wants to say: “I see the movement, & somehow notice the joy.” But consider how we learn to use the word “see.” We certainly say that we see this person, this flower, while our visual image – the colors & shapes – is constantly changing & varies within the widest limits. That is how we use the word “see.” (Don’t think you can find a better use for it (a phenomenological one)!

§

46r[2]

Lerne ich nun die Bedeutung von “traurig” – auf's Gesicht angewendet – ganz so wie die Bedeutung von “rund” oder “rot”? Nein, nicht ganz so, aber doch ähnlich. (Ich reagiere ja auch anders auf die Traurigkeit des Gesichts, als auf die Röte.)

When I learn the meaning of “sad” – applied to a face – do I learn it in quite the same way as I learn the meaning of “round” or “red”? No, not quite, but still in a similar way. (After all, I also react differently to the sadness of a face than to its redness.)

§

46r[3] &
46v[1]

“Sein Gesicht war sehr traurig.” – “Hast Du es gesehen?” – Soll ich antworten “Nein, ich habe seine Züge gesehen & weiß, daß sie die Anzeichen der Trauer sind”? Soll ich dann auch sagen: “Ich habe nicht das Gesicht gesehen sondern gewisse Farben & Formen, & ich weiß, daß diese zu einem menschlichen Gesicht gehören”? Und welche Farben & Formen habe ich gesehen? Wie, wenn ich diese Frage nicht zu beantworten vermag?

“His face was very sad.” – “Did you see it?” – Am I supposed to answer “No, I saw his features and know that they are signs of sadness”? Should I then also say: “I didn’t see the face, but rather certain colors and shapes, and I know that these belong to a human face”? And which colors and shapes did I see? How, if I am unable to answer this question?

§

46v[2]

Schau eine Photographie an; frag Dich, ob Du nur die Verteilung von dunklern & helleren Flecken, oder auch den Gesichtsausdruck siehst! Frag Dich, was Du sieht: Wie wäre es leichter darzustellen: durch eine Beschreibung jener Verteilung von Flecken, oder durch die Beschreibung eines menschlichen Kopfes; & wenn Du nun vom Gesicht sagst, es lächle, – ist es leichter die entsprechende räumliche Lage der Gesichtsteile zu beschreiben, oder selbst zu lächeln?

Look at a photograph; ask yourself whether you see only the distribution of darker and lighter areas, or also the facial expression! Ask yourself what you see: Would it be easier to represent it by a description of that distribution of areas, or by a description of a human head? And if you now say of the face that it is smiling, is it easier to describe the corresponding spatial arrangement of the facial features, or to smile yourself?

§

46v[3] &
47r[1]

Wenn nun Einer sagt: “Was ich sehe, kann ja doch nur die Verteilung von Licht & Dunkel sein –” was hätte der behauptet? Nun er hätte einen wichtigen Sinn des Wortes “sehen” isoliert; indem er nämlich einen wichtigen Sinn des Ausdrucks “das Gesehene” isoliert hat. Diese Bedeutung ist etwa: Das Gesehene ist, was ich durch ein Porträt des Angeschauten wiedergeben kann. Und diesem Begriff kommt natürlich der Glaube an das Netzhautbild entgegen. Denn jener Begriff des Gesehenen scheint zusammenzufallen mit dem: Das Gesehene ist das was aus dem Netzhautbild allein abgeleitet werden kann.

If someone says: “What I see can only be the distribution of light and dark” – what would he have asserted? Well, he would have isolated an important sense of the word “to see”; by isolating an important sense of the expression “the seen.” This meaning is something like: The seen is what I can reproduce through a portrait of the person being looked at. And this concept is, of course, close to the belief in the retinal image. For this concept of the seen seems to coincide with this: The seen is what can be derived solely from the retinal image.

§

47r[2] &
47v[1]

“Das Gesehene ist das, dessen ideale Darstellung ein genaues Bild wäre.” Aber hier macht man schon einen Fehler: – Was nennt man eine genaue Abbildung des Gesehenen? Ja, eine genaue Kopie der Photographie, ein metrisch genaues Bild, das verstehen wir! – Was aber wäre ein genaues Bild des augenblicklichen Eindrucks? Was würdest Du so nennen?

“The seen is that whose ideal representation would be an exact image.” But here one already makes a mistake: – What does one call an exact depiction of the seen? Yes, an exact copy of the photograph, a metrically accurate image, that’s what we understand! – But what would be an exact image of the instantaneous impression? What would you call that?

§

47v[2]

“Was ich sehe kann nicht der Ausdruck sein, weil das Erkennen des Ausdrucks von meinem Wissen, meiner Kenntnis des menschlichen Benehmens im Allgemeinen, abhängt.” Aber ist dies nicht bloß eine geschichtliche Feststellung?

“What I see cannot be the expression, because the recognition of the expression depends on my knowledge, my familiarity with human behavior in general.” But isn’t this merely a historical statement?

§

47v[3] &
48r[1]

“Ich sehe, das Gesicht lächelt mich an; es macht so” – dabei mach ich es nach. Sag ich nun etwas Seltsames? oder etwas was physiologisch schwer zu begreifen ist? Ist es als nähme ich eine ‘vierte Dimension’ wahr? Nun, ja & nein. Seltsam ist es aber eben nicht. Woraus Du lernen magst, daß das nicht seltsam ist, was uns beim Philosophieren so vorkommt. Wir nennen aber sehr häufig das Gewöhnliche beim Philosophieren seltsam. Wir nehmen an, es müßte eigentlich so sein – & dann kommt mir das Gewöhnliche seltsam vor. Wir nehmen an: das Wort ‥‥ müßte doch eigentlich so gebraucht werden (dieser Gebrauch fällt uns als Prototyp ein) & dann finden wir den normalen Gebrauch höchst seltsam.

“I see that the face is smiling at me; it does this” – and I imitate it. Do I say something strange now? Or something that is physiologically difficult to grasp? Is it as if I were perceiving a ‘fourth dimension’? Well, yes and no. But it is not strange. From which you may learn that what seems strange to us when philosophizing is not actually strange. We very often call the ordinary strange when philosophizing. We assume that things ought actually to be so – and then the ordinary seems strange to us. We assume that the word ‥‥ ought actually to be used in this way (this use comes to mind as a prototype), and then we find the normal use highly strange.

§

48r[2] &
48v[1]

“Was ich eigentlich sehe, muß doch das sein, was in mir durch Einwirkung des Objekts zu Stande kommt.” – Das, was in mir zu Stande kommt, ist dann so etwas wie ein Abbild, etwas was man selbst wieder anschauen könnte Beinahe so etwas wie eine Materialisierung. Und diese Materialisierung ist etwas Räumliches & muß sich ganz in räumlichen Begriffen beschreiben lassen. Sie kann dann zwar lächeln aber der Begriff der Freundlichkeit gehört nicht zu ihrer Darstellung, sondern ist dieser Darstellung fremd (wenn er ihr auch dienen kann).

“What I actually see must be what is brought about in me by the effect of the object.” – What is brought about in me is then something like a depiction, something that one could almost look at again – almost something like a materialization. And this materialization is something spatial and must be described entirely in spatial terms. It can indeed smile, but the concept of friendliness does not belong to its representation, but is foreign to it (even if it can serve it).

§

48v[2]

“Ich sehe, daß dieses Auge starrt.”

“I see that this eye is staring.”

§

48v[3]

“Wie kann ich den Ausdruck sehen” möchte man fragen – “der Ausdruck (die Freundlichkeit, z.B.) ist doch nicht die Art von Gegenstand, die ich sehen kann!” (Sie gehört doch sozusagen, in einen andern Teil meines Geistes, meines Gehirns.)

One might ask: “How can I see the expression?” – “The expression (friendliness, for example) is not the kind of object that I can see!” (It belongs, as it were, in another part of my mind, my brain.)

§

48v[4] &
49r[1]

Wer z.B. im Stande wäre diese Photographie genau zu kopieren, – sollte ich von dem nicht sagen, er sähe alles, was ich sehe? Und er müßte den Kopf gar nicht als Kopf, oder als etwas Räumliches aussprechen; & wenn auch das, so brauchte ihm der Ausdruck nichts zu sagen. Und wenn dieser nun zu mir spricht, – soll ich sagen, ich sehe mehr als der Andre? Ich könnte es sagen.

Who, for example, would be capable of accurately copying this photograph – should one say that he doesn't see everything that I see? And he wouldn't even have to describe the head as a head, or as something spatial; and even if he did, the expression wouldn't have to mean anything to him. And if he now speaks to me, should I say that I see more than the other person? I could say that.

§

49r[2]

Aber ein Maler kann doch ein Auge malen, daß es starrt; so muß also sein Starren sich durch die Verteilung der Farben auf der Fläche beschreiben lassen. Aber wer es malt muß diese Verteilung nicht beschreiben können.

But a painter can paint an eye that stares; so its staring must be describable through the distribution of colors on the surface. But whoever paints it doesn't have to be able to describe this distribution.

§

49r[3]

26.07.1947

“Mein

soll natürlich ein

sein & und kein

.”

Wann soll es das sein? Während ich's schreibe?

26.07.1947

“My

should, of course, be a

& not a

.”

When should it be that? While I’m writing it?

§

49r[4] &
49v[1]

Wenn ich die Figur

einen Achter nenne so besteht

aus einem weißen & einem schwarzen Achter, aber ich kann sie nicht so zusammengesetzt sehen. Was hat der vor mir voraus, der es kann? Sehr wenig! – Es könnte sein, daß er gewisse Ornamente ‘versteht’, die ich nicht verstehe.

If I call the figure

an octagon, then

consists of a white and a black octagon, but I cannot see it as being composed in that way. What does the one who can see it like this have over me? Very little! – It could be that he ‘understands’ certain ornaments that I do not understand.

§

49v[2]

Verstehen eines Musikstücks – Verstehen eines Satzes. Man sagt, ich verstehe eine Redeweise nicht wie ein Einheimischer, wenn ich zwar ihren Sinn kenne, aber z.B., nicht weiß, was für eine Art von Leuten sie verwenden würde. Man sagt in so einem Falle, ich kenne das genaue Aroma des Wortes nicht. Wenn man aber nun dächte, man empfände beim Aussprechen des Worts etwas anderes, wenn man diese Schattierung kennt, so wäre dies wieder unrichtig. Aber ich kann z.B. unzählige Übergänge machen, die der Andere nicht machen kann. (Ich höre das Wort “weiche” auf die Frage “Ißt Du lieber harte Eier etc.” & zucke zusammen.)

Understanding a piece of music – understanding a sentence. One says that I do not understand an idiom like a native speaker if I know its sense, but, for example, do not know what kind of people would use it. One says in such a case that I do not know the exact flavor of the word. But if one were to think that one experiences something different when saying the word if one knows this nuance, then this would again be incorrect. But I can, for example, make countless transitions that the other person cannot make. (I hear the word “soft” in answer to the question “Do you prefer hard-boiled eggs, etc.” & I flinch.)

§

50r[1]

Man möchte doch sagen: “Das Seelenleben des Menschen läßt sich gar nicht beschreiben; es ist so ungemein kompliziert & voll von kaum greifbaren Erlebnissen. Es gleicht großenteils einem Brauen farbiger Nebel, in dem jede Form nur Durchgang zu andern Formen, zu andern Durchgängen ist. – Ja nimm nur das visuelle Erlebnis! Dein Blick wandert beinahe unaufhörlich; wie könntest Du es beschreiben?” – Und doch beschreibe ich's! – “Aber das ist nur eine ganz rohe Beschreibung, sie beschreibt Dein Erlebnis eigentlich nur in den gröbsten Zügen.” – Aber ist dies eben nicht was ich Beschreibung meines Erlebnisses nenne? Wie komme ich denn zum Begriff einer Art Beschreibung, die ich unmöglich geben kann?

One would like to say: “The mental life of a person cannot be described; it is so incredibly complicated & full of hardly graspable experiences. For the most part, it is like a brewing of colorful mists, in which every form is only a transition to other forms, to other transitions.” – Yes, take just the visual experience! Your gaze wanders almost incessantly; how could you describe it? – And yet I describe it! – “But this is only a very crude description; it actually describes your experience only in the broadest outlines.” – But isn’t this precisely what I call describing my experience? How do I arrive at the concept of a kind of description that I cannot possibly give?

§

50r[2] &
50v[1]

Denk, Du siehst auf strömendes Wasser. Das Bild der Oberfläche ändert sich fortwährend. Lichter, Wellen, Wirbel tauchen überall auf & verschwinden. Was würde ich eine ‘genaue Beschreibung’ dieses Bildes nennen? Ich würde nichts so nennen sagt Einer, es läßt sich nicht beschreiben, so können wir antworten: Du weißt nicht, was Du eine Beschreibung nennen würdest Denn die genaueste Photographie, z.B., würdest Du nicht als genaue Darstellung des Gesichtserlebnisses anerkennen. Genauigkeit gibt es in diesem Sprachspiel nicht. (Nämlich so: Wie ein Rössel nicht im Damespiel.)

Imagine you are looking at flowing water. The image of the surface changes constantly. Lights, waves, swirls appear everywhere and disappear. What would I call a ‘precise description’ of this image? I would call nothing that, says one, it cannot be described, so we can reply: you do not know what you would call a description. Because the most accurate photograph, for example, you would not recognize as an accurate depiction of the visual experience. Accuracy does not exist in this language-game. (Namely: like a rook does not exist in the game of draughts.)

§

50v[2]

Ja, schau bloß auf die Figur ‥‥ & beschreib, was Du siehst!

Yes, just look at the figure ‥‥ & describe what you see!

§

50v[3]

“Ein Sternenmeer” beschreibt das etwa unsern Eindruck schlecht?

Does “a sea of stars” describe our impression poorly?

§

51r[1]

Schau auf die Figur

& sag mit Genauigkeit, was Du siehst. Welches ist das private Objekt des Erlebnisses.

Look at the figure

& say precisely what you see. Which is the private object of the experience?

§

51r[2]

Die Beschreibung des Erlebnisses beschreibt nicht einen Gegenstand. Sie kann sich der Beschreibung eines Gegenstands bedienen. Und dieser Gegenstand ist manchmal der, welchen man anschaut, manchmal (Photographie) nicht. Der Eindruck – möchte ich sagen sei kein Gegenstand.

The description of the experience does not describe an object. It can make use of the description of an object. And this object is sometimes the one that one looks at, sometimes (photograph) not. The impression – I would like to say – is not an object.

§

51r[3]

Das Nachbild bei geschlossenen Augen wird aufrecht oder geneigt gesehen, jenachdem wir den Kopf neigen!

The afterimage seen with closed eyes is seen upright or tilted, depending on how we tilt our head!

§VB

51r[4]

Die Gedanken steigen, langsam, wie Blasen an die Oberfläche.

The thoughts rise, slowly, like bubbles to the surface.

§VB

51v[1]

Manchmal ist es, als sähe man einen Gedanken, eine Idee, als undeutlichen Punkt fern am Horizont; & dann kommt er oft mit überraschender Geschwindigkeit näher.

Sometimes it is as if one sees a thought, an idea, as a vague point far on the horizon; and then it often comes closer with surprising speed.

§

51v[2]

Der Eindruck: kein Gegenstand – in wiefern nicht?

The impression: not an object – in what way not?

§

51v[3]

27.07.1947

So wenig Philosophie ich gelesen habe: ich habe gewiß nicht zu wenig gelesen, eher zu viel. Das sehe ich, wenn ich in einem philosophischen Buch lese: es verbessert meine Gedanken nicht, es verschlechtert sie.

27.07.1947

As little philosophy as I have read: I certainly have not read too little, rather too much. I see this when I read a philosophical book: it does not improve my thoughts, it worsens them.

§VB

51v[4] &
52r[1]

Wo schlechte Wirtschaft im Staat ist wird, glaube ich, auch schlechte Wirtschaft in den Familien begünstigt. Der jederzeit zum Streite bereite Arbeiter wird auch seine Kinder nicht zur Ordnung erziehen.

Where there is bad economics in the state, I believe, bad economics in families is also favored. The worker, who is always ready to argue, will also not educate his children to be orderly.

§

52r[2]

Wir lernen Gegenstände beschreiben, & dadurch, in anderm Sinne, unsre Empfindungen.

We learn to describe objects, & in so doing, in another sense, our sensations.

§VB

52r[3]

Möge Gott dem Philosophen Einsicht geben in das, was vor aller Augen liegt.

May God grant the philosopher insight into what lies before everyone's eyes.

§

52r[4]

Ich schaue in das Okular eines Instruments & zeichne, oder male ein Bild dessen, was ich sehe. Wer es ansieht, kann sagen: “Also so schaut es aus”, aber auch “Also so erscheint es Dir”. Ich könnte das Bild eine Beschreibung des Angeschauten, aber auch eine Beschreibung meines Gesichtseindrucks, nennen.

I look into the eyepiece of an instrument & draw, or paint a picture of what I see. Whoever looks at it can say: “So that is what it looks like,” but also “So that is how it appears to you.” I could call the picture a description of what is being looked at, but also a description of my visual impression.

§

52r[5]

“Der Eindruck ist verschwommen” – ‘also ist der Gegenstand verschwommen,, den ich habe.’

“The impression is blurred” – ‘so the object is blurred, which I have.’

§

52r[6] &
52v[1]

Den Eindruck kann man nicht betrachten, darum ist er kein Gegenstand. (Grammatisch.) Denn man betrachtet den Gegenstand nicht um ihn zu ändern. (Das ist eigentlich, was Leute damit meinen: die Gegenstände existierten ‘unabhängig von uns’.)

One cannot consider the impression; therefore, it is not an object. (Grammatically.) Because one does not consider the object in order to change it. (That is actually what people mean by it: the objects existed ‘independently of us’.)

§

52v[2]

“Der Sessel ist der gleiche, ob ich ihn betrachte, oder nicht” – das müßte nicht wahr sein. Menschen werden oft verlegen, wenn man sie anschaut. “Der Sessel fährt fort zu existieren, ob ich ihn anschaue, oder nicht.” Das könnte ein Erfahrungssatz, oder es könnte grammatisch aufzufassen sein. Man kann aber auch einfach an den begrifflichen Unterschied zwischen Sinneseindruck & Objekt dabei denken.

“The armchair is the same, whether I look at it or not” – that does not have to be true. People often become embarrassed when one looks at them. “The armchair continues to exist, whether I look at it or not.” That could be an empirical proposition, or it could be understood grammatically. But one can also simply think of the conceptual difference between sense impression & object in this connection.

§

52v[3] &
53r[1]

“Der Sessel fährt fort zu existieren, ‥‥․” – Das Bild ist das eines Dings, eines Tiers, das sich nicht darum kümmert, ob es Einer anschaut, oder nicht.

“The armchair continues to exist, ‥‥․” – The picture is of a thing, an animal, that does not care whether someone is looking at it or not.

§

53r[2]

“Ich sehe doch, daß der Eindruck dieses Bildes dreidimensional ist!” Wie weiß ich nur, daß auf ihn das Wort “dreidimensional” paßt?! Du willst sagen “Er ist so. Und das ist doch ‘dreidimensional’.” Und das könnte man ganz mit Recht sagen, wenn man nämlich beim Wort “so” auf etwas Dreidimensionales, einen Körper, zeigt.

“I can see that the impression of this picture is three-dimensional!” How do I know that the word “three-dimensional” applies to it?! You want to say, “It is so. And that is ‘three-dimensional’.” And one could quite rightly say that, namely if one points to something three-dimensional, a body, when saying the word “so.”

§

53r[3] &
53v[1]

“Ich sehe doch, daß der Gesichtseindruck dreidimensional ist”: “Ich fühle doch den Zusammenhang der Furcht mit dem Furchteinflößenden.” (Köhler.) Wie vergleichen wir unsre Gefühle, um zu wissen, daß wir wirklich alle das Gleiche empfinden?

“I can see that the visual impression is three-dimensional”: “I can feel the connection of fear with what is frightening.” (Köhler.) How do we compare our feelings in order to know that we really all feel the same thing?

§

53v[2]

“Wenn Du mein F so sehen willst, wie es gemeint ist, mußt Du es in dieser Weise sehen: ‥‥․” So kann ich also einen Buchstaben so sehen, wie Du ihn meinst? Und meinst Du ihn so, während Du ihn schreibst? oder auch früher & später?

“If you want to see my F as it is meant, you must see it in this way: ‥‥․” Can I thus see a letter as you mean it? And do you mean it that way while you are writing it? or also earlier & later?

§

53v[3]

28.07.1947

“Ich habe mein

immer als

gemeint, aber von jetzt an sehe ich es als ein

an.” Hat sich da viel geändert?

28.07.1947

“I have always meant my

as

, but from now on I see it as a

.” Has much changed there?

§

53v[4] &
54r[1]

Hauptwörter in kleinem Druck bei Stephan George. Ein deutsches Hauptwort in kleinem Druck sieht fremdartig aus, man muß es aufmerksam lesen, um es zu erkennen. Es soll uns neu vorkommen, als hätten wir es jetzt zum ersten mal gesehen. – Was aber interessiert mich daran? Dies, daß der Eindruck zuerst nicht genauer beschrieben werden kann, als durch Worte wie “seltsam”, “ungewohnt”. Später erst folgen sozusagen Analysen des Eindrucks. Die Reaktion des Zurückschreckens vor dem seltsam geschriebenen Wort.

Nouns in small print at Stephan George. A German noun in small print looks strange; one must read it carefully in order to recognize it. It is supposed to seem new to us, as if we are seeing it for the first time. – But what interests me about that? This, that the impression cannot initially be described more precisely than by words like “odd,” “unfamiliar.” Only later do analyses of the impression follow, as it were. The reaction of recoiling from the strangely written word.

§

54r[2] &
54v[1]

Grillparzer schreibt, das Wort “ghost” mache ihm nur dann einen Eindruck, wenn er es gedruckt sieht, nicht, wenn er es hört. Das “h” wirkt also geisterhaft. Man könnte sich einen Schriftsteller denken, der in dieser Weise die Orthographie der Worte änderte, um gewisse Effekte hervorzubringen. Was ist nun daran, wenn Einer sagt, er habe beim Lesen des Wortes “ghost” ein anderes Gefühl, als beim bloßen Hören? Es ist etwa ein unheimliches Gefühl. Er könnte bei der Erklärung die Worte “fremdartig”, “Grabesluft”, “nicht von dieser Erde”, etc. gebrauchen. – Ich kann doch, was Grillparzer meint verstehen! D.h., auch für mich hat das Wort, das Schriftzeichen, etwas ‘unirdisches’, oder es wird doch seine unirdische Bedeutung durch seine Schreibweise stark zum Ausdruck gebracht. – Will man nun diese Erfahrung analysieren (wie es z.B. James getan hätte) so kommt man zu nichts, denn was uns an ihr intriguiert, ist nicht daß wir ihre Zusammensetzung nicht verstehen. Und insofern ist es richtig, daß wir, was der ‘naive’ Mensch sagt einfach hinnehmen müssen. Aber das löst nun unser Problem nicht, daß wir sagen: “Es gibt eben wirklich so eine Erfahrung, so ein Gefühl.” Die Frage ist eben, wie sich, was wir hier “Gefühl” nennen zu dem verhält, was wir sonst noch so nennen!

Grillparzer writes that the word “ghost” only makes an impression on him when he sees it printed, not when he hears it. So the “h” has a ghostly effect. One could imagine a writer who, in this way, alters the orthography of words in order to produce certain effects. Now, what is so significant about someone saying that they have a different feeling when reading the word “ghost” than when simply hearing it? It is, for example, an unsettling feeling. He could use words like “strange,” “tomb-like,” “not of this earth,” etc., in his explanation. – I can understand what Grillparzer means! That is, for me too, the word, the written sign, has something ‘unearthly’ about it, or its unearthly meaning is strongly expressed through its spelling. – If one now wants to analyze this experience (as, for example, James would have done), one arrives at nothing, because what intrigues us about it is not that we do not understand its composition. And in that sense, it is correct that we must simply accept what the ‘naive’ person says. But that does not solve our problem, that we say: “There really is such an experience, such a feeling.” The question is, how does what we call ‘feeling’ here relate to what we call other things!

§

55r[1]

Nichts ist damit getan, daß man sagt, man sehe die ‘Organisation’ ebenso, wie die Farbe. Gerade dieses “ebenso” ist falsch, oder bedeutet nichts.

It is not enough to say that one sees the ‘organization’ just as one sees color. It is precisely this “just as” that is false, or means nothing.

§

55r[2] &
55v[1]

Wir lehren Einem die Bedeutung des Wortes “unheimlich” indem wir es mit einem gewissen Benehmen in gewissen Situationen in Zusammenhang bringen (aber nicht: das Benehmen so nennen). Er sagt nun in solchen Situationen, es sei ihm unheimlich; & einmal auch: das Wort “ghost” habe etwas Unheimliches. – Inwiefern war das Wort “unheimlich” von Haus aus die Bezeichnung eines Gefühls? Wenn einer davor zurückscheut in ein dunkles Zimmer zu gehen, – warum soll ich dies & ähnliches die Äußerung eines Gefühls nennen?

Denn “Gefühl” läßt uns ja doch an Empfindung & Sinneseindruck denken, & dies wieder sind die Gegenstände, die unsre Seele unmittelbar vor sich hat. (Ich will hier einen logischen Schritt machen, der mir sehr schwer fällt.)

We teach someone the meaning of the word “uncanny” by connecting it with a certain behavior in certain situations (but not: by calling the behavior that). He now says in such situations that he feels uncanny; and also: that the word “ghost” has something uncanny about it. – In what sense was the word “uncanny” originally the designation of a feeling? If someone shies away from going into a dark room, – why should I call this and similar things the expression of a feeling?

Because “feeling” does indeed make us think of sensation and sense impression, and these are the objects that our mind has directly before it. (I want to make a logical step here, which is very difficult for me.)

§

55v[2]

Es ist hier gut, zu sagen: “Was weiß ich schließlich von den Gefühlen des Andern”, & was weiß ich von den eignen?

It is good to say here: “What do I ultimately know about the feelings of others, and what do I know about my own?”

§VB

55v[3]

Das Leben ist wie ein Weg auf einer Bergschneide; rechts & links glatte Abhänge, auf denen Du in dieser, oder jener Richtung unaufhaltsam hinunterrutscht. Immer wieder sehe ich Menschen so rutschen & sage “Wie könnte sich ein Mensch da helfen!”. Und das heißt: “den freien Willen leugnen”. Das ist die Stellungnahme, die sich in diesem ‘Glauben’ ausdrückt. Es ist aber kein wissenschaftlicher Glaube, hat nichts mit wissenschaftlichen Überzeugungen zu tun.

Life is like a path on a mountain ridge; smooth slopes on the right and left, on which you inevitably slide down in one direction or the other. Again and again I see people sliding down and say “How can a person help themselves!” And that means: “denying free will.” This is the statement that is expressed in this ‘belief.’ But it is not a scientific belief, it has nothing to do with scientific convictions.

§VB

56r[1]

Die Verantwortung leugnen, heißt, den Menschen nicht zur Verantwortung ziehen.

Denying responsibility means not holding people accountable.

§

56r[2]

“Was weiß ich von den Gefühlen des Andern, & was weiß ich von den meinen?” heißt, daß die Erfahrung als Gegenstand aus der Betrachtung herausfällt.

“What do I know about the feelings of others, and what do I know about my own?” means that the experience falls out of consideration as an object.

§

56r[3]

Denk Dir die visuelle Erfahrung, als ein Bild im Kopfe des Andern dargestellt. Wie kann ich nun Geruch, Geschmack & Tastempfindungen ebenso darstellen?

Imagine the visual experience as a picture represented in the mind of another. How can I now represent smell, taste, and tactile sensations in the same way?

§

56r[4]

Ich fühle mich nicht wohl, weiß aber nicht recht warum. Ich bin ermüdet; fühle mich fremd in der Welt. Wenn dich kein Band an Menschen & kein Band an Gott bindet, so bist du ein Fremdling.

I don’t feel well, but I don’t quite know why. I am tired; I feel strange in the world. If you are not bound to people by any bond and not bound to God by any bond, then you are a stranger.

§

56r[5] &
56v[1]

29.07.1947

Kann denn etwas merkwürdiger sein, als daß der Rhythmus des Satzes für das genaue Verständnis von Wichtigkeit sein soll!

29.07.1947

Can anything be stranger than that the rhythm of a sentence is supposed to be important for accurate understanding!

§

56v[2]

Der Satz spricht, & die Sprache spricht scheinbar auch.

The sentence speaks, and the language also seems to speak.

§

56v[3]

D.h., der Satz, auch wenn ihn gerade niemand zur Mitteilung verwendet, & ob er in diesem oder jenem Fall wahr ist, oder falsch, scheint uns etwas mitzuteilen.

That is, the sentence, even if no one is using it to communicate, and whether it is true or false in this or that case, seems to communicate something to us.

§

56v[4]

Es ist, als teilte uns der etwas mit, der den Satz ausspricht, aber auch der Satz als bloße Möglichkeit der Mitteilung.

It is as if it is communicating something to us, both the one who speaks the sentence and the sentence as a mere possibility of communication.

§

56v[5] &
57r[1]

Die ‘seelenlosen’ Menschen, die nicht ‘in unserm Sinne’ Empfindungen haben gebrauchen dennoch Beschreibungen von Eindrücken. Wie könnte man nun argumentieren, um zu zeigen, daß dies nicht Beschreibungen von innern Gegenständen zu nennen seien, daß ihre Verwendung nicht die der Beschreibungen von Gegenständen ist?

The ‘soulless’ people, who do not have ‘feelings in our sense,’ still use descriptions of impressions. How could one argue to show that these are not descriptions of inner objects, that their use is not that of descriptions of objects?

§

57r[2]

Es ist ja klar, daß die Beschreibungen der Empfindungen die Form der Beschreibung ‘äußerer’ Gegenstände haben – mit gewissen Abweichungen. (Einer gewissen Vagheit, z.B.) Oder auch: Soweit die Beschreibung des Eindrucks der Beschreibung eines Gegenstands gleichsieht, ist sie eine Beschreibung eines Gegenstands der Wahrnehmung. (Darum sollte das zweiäugige Sehen einen Philosophen einigermaßen beunruhigen, wenn er vom visuellen Gegenstand reden will.

It is clear that the descriptions of sensations have the form of descriptions of ‘outer’ objects—with certain deviations. (With a certain vagueness, for example.) Or also: insofar as the description of an impression resembles the description of an object, it is a description of an object of perception. (Therefore, two-eyed seeing should give a philosopher some cause for concern when he wants to talk about the visual object.)

§

57v[1]

“Das Denken ist ein rätselhafter Vorgang, den wir noch nicht verstehen.” Und nun stellt man Experimente an. Offenbar, ohne uns bewußt zu sein, worin das Rätselhafte des Denkens für uns liegt.

Und dieses Mißverständnis durchzieht die ganze Psychologie. Es ist hier eine begriffliche Unklarheit, & daher die Empfindung des Problematischen, plus einer experimentellen Methode. [Es ist als wollte man durch chemische Experimente feststellen, was Materie & was Geist ist.] Die experimentelle Methode tut etwas; daß sie das Problem nicht löst, schiebt man darauf, daß sie noch in ihren Anfängen ist.

“Thinking is a puzzling process that we do not yet understand.” And now experiments are carried out. Apparently, without us being consciously aware of what the puzzling nature of thinking consists of for us.

And this misunderstanding runs through all of psychology. It is a conceptual obscurity here, and therefore the feeling of something problematic, plus an experimental method. [It is as if one wanted to determine through chemical experiments what is matter and what is mind.] The experimental method does something; the fact that it does not solve the problem is attributed to the fact that it is still in its infancy.

§

58r[1]

Was die Materialisten nicht verstehen, ist, wie verschiedenerlei wir “Erklärungen” nennen; & wie verschiedenerlei es gibt, was man “Naturgesetze” nennen kann. (Und daß z.B. durchaus nicht alle Naturgesetze, Gesetze die die Erfahrung uns lehrt, kausaler Art sind.)

What the materialists do not understand is how many different things we call “explanations”; and how many different things there are that one can call “laws of nature.” (And that, for example, not all laws of nature are of a causal kind, laws that experience teaches us.)

§

58r[2]

30.07.1947

Wer den Gesichtseindruck beschreibt, beschreibt die Ränder des Gesichtsfelds nicht. Ist dies eine Unvollkommenheit unsrer Beschreibungen?

July 30, 1947

Whoever describes a visual impression does not describe the edges of the visual field. Is this an imperfection in our descriptions?

§

58r[3] &
58v[1]

Schließe ich das linke Auge & drehe dann die Augen, so weit ich nur kann nach rechts, so sehe ich ‘aus dem Augenwinkel’ noch einen Gegenstand aufglänzen. Ja, ich könnte eine beiläufige Beschreibung von meinem Eindruck geben. Ich könnte auch eine Zeichnung von ihm herstellen & sie würde vielleicht Dunkelheiten & einen dunkeln, verlaufenden Rand zeigen: aber richtig verstehen, verwenden könnte nur der dies Bild, der weiß, in welcher Situation es zu verwenden ist. D.h.: er könnte nun auch ein Auge schließen, so weit wie möglich nach rechts schauen, & sagen, auch er sehe es so, oder (auch) in dieser, oder jener Weise modifiziert.

If I close my left eye and then turn my eyes as far as I can to the right, I still see an object ‘out of the corner of my eye’. Yes, I could give an offhand description of my impression. I could also make a drawing of it, and it might show darkness and a dark, fading edge: but only the person who knows in what situation it is to be used could properly understand and use this image. That is, he could also close one eye, look as far to the right as possible, and say that he sees it in the same way, or (also) in this or that modified way.

§

58v[2]

Kann wegen schlechten Schlafes & Müdigkeit nicht arbeiten.

Cannot work because of poor sleep and fatigue.

§

58v[3] &
59r[1]

Weierstraß führt eine Reihe neuer Begriffe ein, um Ordnung in den Gedanken über die Differentialrechnung herzustellen. Und ganz so, scheint es mir, müßte auch ich durch neue Begriffe Ordnung im psychologischen Denken herstellen. (Daß es sich in jenem Fall um einen Kalkül handelt, in diesem nicht, ist nicht wichtig.)

Weierstrass introduces a series of new concepts in order to bring order to the thoughts about differential calculus. And in much the same way, it seems to me, I must also bring order to psychological thinking through new concepts. (The fact that in one case it is a calculus, and in the other it is not, is not important.)

§

59r[2]

Daß wir mit gewissen Begriffen rechnen, mit andern nicht, zeigt nur, wie verschiedener Art die Begriffswerkzeuge sind (wie wenig Grund wir haben, eine Einförmigkeit anzunehmen).

The fact that we ‘calculate’ with certain concepts and not with others merely shows how different the conceptual tools are (how little reason we have to assume a uniformity).

§

59r[3] &
59v[1]

Zusammenhang zwischen ‘mathematischer Approximation’ & ‘Genauigkeit’. (sagen wir: einer Messung, einer Konstruktion, etc.). Primitive Idee, es sei menschliche Unzulänglichkeit, daß ein gerader Strich ohne irrationale Punkte für uns nicht unterscheidbar ist von einem mit irrationalen Punkten. Als wären eben die Löcher für unser Auge zu fein. Mangelnde Einsicht in die Verschiedenheit der Begriffe. Ich kann dem Tischler sagen “Mach dies Brett 1 Fuß breit” & auch “Mach es √2 Fuß breit” – wie muß er in diesen Fällen verfahren? Im zweiten Fall soll er die Konstruktion:

so genau als möglich machen. Oder “√2” ist ein Gesetz der numerischen Approximation & ich sage ihm: “Benütze es, & richte Dich bei der Herstellung des Bettes so weit als möglich.

Connection between ‘mathematical approximation’ and ‘accuracy’ (let us say: a measurement, a construction, etc.). Primitive idea that it is human inadequacy that a straight line without irrational points is not distinguishable from one with irrational points. As if the holes were too small for our eye. Lack of insight into the difference between the concepts. I can tell the carpenter “Make this board 1 foot wide” and also “Make it √2 feet wide”—how must he proceed in these cases? In the second case, he should make the construction:

as accurately as possible. Or “√2” is a law of numerical approximation, and I say to him: “Use it, and make the bed as accurately as possible.

§

59v[2] &
60r[1]

Turings ‘Maschinen’. Diese Maschinen sind ja die Menschen, welche kalkulieren. Und man könnte, was er sagt, auch in Form von Spielen ausdrücken. Und zwar wären die interessanten Spiele solche, bei denen man gewissen Regeln gemäß zu unsinnigen Anweisungen gelangt. Ich denke an Spiele ähnlich dem “Wettrennspiel”. Man erhielte etwa den Befehl “Setze auf die gleiche Art fort”; wenn dies keinen Sinn ergibt, etwa weil man in einen Zirkel gerät; denn jener Befehl hat eben nur an gewissen Stellen Sinn. (Watson.)

Turing’s ‘machines’. These machines are the people who calculate. And what he says could also be expressed in the form of games. And in particular, the interesting games would be those in which one arrives at nonsensical instructions according to certain rules. I am thinking of games similar to the “racing game.” One would, for example, receive the instruction “Continue in the same way”; if this makes no sense, because one is caught in a circle, then that instruction only makes sense in certain places. (Watson.)

§

60r[2] &
60v[1]

Eine Variante des Cantorschen Diagonalbeweises:

v = φ(κ, n) sei die Form der Gesetze für die Entwicklung von Dezimalbrüchen. v ist die n-te Dezimalstelle der κ-ten Entwicklung. Das Gesetz der Diagonale ist dann v = φ(n, n) ≝ φ' (n).

Zu beweisen ist, daß φ'n nicht eine der Regeln φ(κ, n) sein kann. Angenommen es sei die 100ste. Darum lautet die Regel zur Bildung

von φ' (1) : φ(1,1)

" φ' (2) : φ(2,2)

etc. aber die Regel zur Bildung der 100sten Stelle von φ' (n) lautet φ(100, 100); d.h. sie sagt uns nur, daß die 100ste Stelle sich selber gleich sein soll, ist also für n = 100 keine Regel.

A variant of Cantor’s diagonal proof:

Let v = φ(κ, n) be the form of the rules for the development of decimal fractions. v is the n-th decimal place of the κ-th development. The rule of the diagonal is then v = φ(n, n) ≡ φ'(n).

It must be proven that φ'n cannot be one of the rules φ(κ, n). Assume it is the 100th. Therefore, the rule for forming

φ'(1) : φ(1,1)

φ'(2) : φ(2,2)

etc., but the rule for forming the 100th place of φ'(n) is φ(100, 100); that is, it only tells us that the 100th place should be equal to itself, and is therefore, for n = 100, not a rule.

§

60v[2]

Ich habe nämlich immer das Gefühl gehabt, der Cantorsche Beweis tue zwei Dinge, scheine aber bloß eines zu tun.

In fact, I have always had the feeling that Cantor’s proof does two things, but only seems to do one.

§

60v[3]

Die Spielregel heißt “Tu das Gleiche, wie ‥‥ !” – & im besondern Fall wird sie nun “Tu das Gleiche, wie das, was Du tust!”.

The rule of the game is: “Do the same as ‥‥!” – and in the specific case, it now becomes: “Do the same as what you are doing!”

§

60v[4] &
61r[1]

Der Begriff des ‘Ordnens’ der Rationalzahlen z.B. & der ‘Unmöglichkeit’ die Irrationalzahlen so zu ordnen. Vergleiche das mit dem was man ‘Ordnen’ von Ziffern nennt. Gleichermaßen der Unterschied zwischen dem ‘Zuordnen’ einer Ziffer oder Nuß zu einer andern & dem ‘Zuordnen’ aller Ganzer Zahlen zu den geraden Zahlen; etc. Überall Begriffsverschiebungen.

The concept of ‘ordering’ the rational numbers, for example, and the ‘impossibility’ of ordering the irrational numbers in the same way. Compare this with what one calls ‘ordering’ digits. Likewise, the difference between ‘assigning’ a digit or nut to another, and ‘assigning’ all integers to the even numbers; etc. Everywhere, shifts in concepts.

§

61r[2]

Das Sprachspiel “Was siehst Du dort?” Antwort: eine Beschreibung der Umgebung. Sie kann richtig oder falsch sein. Aber auch die falsche Aussage hat nur ein anderes, psychologisches, Interesse. So kann der Satz nun subjektiv wahr, wenn auch objektiv falsch sein. So scheint es also ich hätte einen gesehenen Gegenstand der nur mir angehört, den subjektiven Gegenstand von dem das subjektive Gesichtsurteil eben die Beschreibung ist. So hat also jeder Sinn seinen äußern & innern Gegenstand. – Ja, die Beschreibung des subjektiv Gesehenen ist ungefähr die Beschreibung eines Gegenstands.

The language-game “What do you see there?” Answer: a description of the surroundings. It can be correct or incorrect. But even the incorrect statement only has a different, psychological interest. Thus, the sentence can now be subjectively true, even if objectively false. So it seems as if I have seen an object that belongs only to me, the subjective object, of which the subjective visual judgment is precisely the description. Thus, every sense has its external and internal object. – Yes, the description of the subjectively seen is approximately the description of an object.

§

61r[3] &
61v[1]

Die Beschreibung des subjektiv Gesehenen ist mehr oder weniger verwandt der Beschreibung eines Objekts, aber funktioniert nicht als Beschreibung eines Gegenstands. Wie vergleicht man Gesichtsempfindungen? Wie vergleiche ich meine, mit des Andern Gesichtsempfindung.

The description of the subjectively seen is more or less related to the description of an object, but does not function as a description of an object. How does one compare visual sensations? How do I compare my visual sensation with that of another?

§

61v[2] &
62r[1]

31.07.1947

Das menschliche Auge erscheint uns nicht als Empfangsorgan, es scheint nicht zu empfangen, sondern auszusenden. Das Ohr empfängt; das Auge blickt. (Es sendet Blicke, es blitzt, strahlt, leuchtet.) Mit dem Auge kann man schrecken, nicht mit dem Ohr, der Nase. Wenn Du das Auge ansiehst, so siehst Du etwas von ihm ausgehen. Du siehst das Auge blicken. Und was beweist das? Daß ich eben nicht nur Formen & Farben sehe, sondern auch Beziehungen, die niemand für sehbar gehalten hätte? Und woher dieses Vorurteil gegen ihre Sehbarkeit? Sind daran falsche Vorstellungen von den physiologischen Sehvorgängen schuld?

July 31, 1947

The human eye does not appear to us as a receiving organ; it does not seem to receive, but to transmit. The ear receives; the eye looks. (It sends glances, it flashes, it shines.) With the eye, one can frighten, but not with the ear or the nose. When you look at the eye, you see something emanating from it. You see the eye looking. And what does that prove? That I do not only see shapes and colors, but also relationships that no one would have considered visible? And where does this prejudice against their visibility come from? Are false ideas about the physiological processes of seeing to blame?

§

62r[2]

Das Auge eines kleinen Kindes kann noch bloß-empfangend ausschauen.

The eye of a small child can only look in a purely receptive way.

§

62r[3] &
62v[1]

“Wenn Du nur von Deinen physiologischen Vorurteilen wegkömmst, wirst Du garnichts daran finden, daß das Blicken des Auges auch gesehen werden kann.” Ich sage ja auch, ich sehe den Blick den Du dem Andern zuwirfst. Und wollte man mich verbessern & sagen, ich sähe ihn eigentlich nicht, so hielte ich das für eine bloße Dummheit. Anderseits habe ich mit meiner Redeweise nicht etwas zugegeben, & ich widerspreche dem, der mir sagt, ich sähe den Blick ‘geradeso’ wie die Gestalt & Farbe des Auges. Denn das ‘naive Sprechen’, d.h. unsere naive, normale Ausdrucksweise, enthält ja keine Theorie des Sehens – zeigt Dir keine Theorie, sondern nur einen Begriff des Sehens.

“If you only get rid of your physiological prejudices, you will find nothing to object to the fact that the looking of the eye can also be seen.” I also say that I see the look that you give to another. And if someone were to correct me and say that I don’t really see it, I would consider that mere foolishness. On the other hand, with my way of speaking, I have not admitted something, and I contradict the person who tells me that I see the look ‘just’ like the shape and color of the eye. Because ‘naive speech’, i.e., our naive, normal way of speaking, does not contain a theory of seeing – it does not show you a theory, but only a concept of seeing.

§

62v[2]

Und wenn Einer sagt “Ich sehe eigentlich nicht das Blicken, sondern nur Formen & Farben”, – widerspricht der der naiven Ausdrucksweise? Sagt er, der war im Unrecht, der sagte, er habe meinen Blick wohl gesehen, gesehen, daß dieses Menschen Augen starren, ins Leere blicken, etc.? Doch gewiß nicht. Was wollte also der Purist tun?

And if someone says, “I don’t actually see the looking, but only shapes and colors,” does he contradict the naive way of speaking? Does he say that he was wrong, who said that he had seen my look, seen that this person’s eyes were staring, looking into the void, etc.? Of course not. So what does the purist want to do?

§

62v[3]

Will er sagen, es sei richtiger hier ein anderes Wort statt des Wortes “sehen” zu gebrauchen? Ich glaube, er will nur auf eine Scheide zwischen Begriffen aufmerksam machen.

Does he want to say that it is more correct to use a different word instead of the word “see” here? I think he only wants to draw attention to a distinction between concepts.

§

62v[4] &
63r[1] &
63v[1]

[1769] Wie placiert denn das Wort “sehen” die Wahrnehmungen zusammen? Ich meine: es kann sie zusammennehmen als Wahrnehmungen mit dem Auge; denn wir spüren ja das Sehen nicht im Auge. Aber eigentlich scheint der, der auf der Richtigkeit der gewöhnlichen Ausdrucksweise besteht zu sagen: daß im Gesichtseindruck das alles enthalten sei; daß das subjektive Auge sowohl Form als Farbe, als Bewegung, als Ausdruck & Blick (Richtung nach außen) habe. Daß man den Blick, sozusagen, nicht woanders spürt. Aber das heißt nicht: ‘woanders als im Auge’, sondern: woanders als im Gesichtsbild. Aber wie wäre es denn, wenn's anders wäre? Etwa so, daß ich sagte: [451] “Ich sehe in diesem Auge die & die Formen, Farben, Bewegungen, – das heißt, es blickt jetzt freundlich”, als zöge ich also einen Schluß. – Man könnte also sagen: Der Ort des wahrgenommenen Blickes ist das subjektive Auge, das Gesichtsbild des Auges, selber.

[1769] How does the word “to see” arrange perceptions together? I mean: it can bring them together as perceptions with the eye; for we do not feel seeing in the eye. But actually, the one who insists on the correctness of the usual way of expressing things seems to say: that everything is contained in the visual impression; that the subjective eye has both form and color, as well as movement, as expression & gaze (direction outward). That one does not feel the gaze, so to speak, elsewhere. But that does not mean: ‘elsewhere than in the eye’, but: elsewhere than in the visual image. But what if it were different? Perhaps like this, that I say: [451] “I see in this eye the & the forms, colors, movements, – that is, it is looking friendly now,” as if I were drawing a conclusion. – One could therefore say: The place of the perceived gaze is the subjective eye, the visual image of the eye, itself.

§

63v[2]

[1770] Vor allem kann ich mir sehr wohl jemand denken, der zwar ein Gesicht höchst genau siehst, es z.B. genau porträtieren kann, aber seinen lächelnden Ausdruck nicht als lächelnden erkennt. Zu sagen, sein Sehen sei mangelhaft, käme mir höchst seltsam vor. Und zu sagen, daß sein subjektiver Gesichtsgegenstand eben nicht lächle, obwohl er alle Farben & Formen des meinen hat, ebenso (absurd).

[1770] First of all, I can quite easily imagine someone who, although able to see a face with the utmost precision, perhaps even able to draw an accurate portrait of it, does not recognize its smiling expression as a smile. To say that his seeing is deficient seems very odd to me. And to say that his subjective facial object does not smile, even though it has all the colors & forms of mine, is equally (absurd).

§

63v[3]

D.h., wir ziehen hier eine begriffliche Grenze (& sie hat mit physiologischen Meinungen nichts zu tun).

That is to say, here we draw a conceptual boundary (& it has nothing to do with physiological opinions).

§

63v[4]

Der Glanz oder die Spiegelung: Wenn ein Kind malt so wird es diese nie malen. Es ist beinahe erstaunlich, daß sie durch die gewöhnlichen Öl- oder Wasserfarben dargestellt werden können.

The sheen or the reflection: If a child paints, it will never paint this. It is almost astonishing that they can be represented by ordinary oil or watercolor paints.

§

64r[1]

Wer sieht, daß jemand die Hand ausstreckt, um etwas zu berühren, sich aber davor scheut, der sieht doch, in einem wichtigen Sinne, dasselbe wie Einer, der die Bewegung der Hand in allen Einzelheiten nachahmen oder durch Zeichnungen darstellen kann, sie aber nicht so zu deuten vermag.

Someone who sees that a person extends their hand to touch something, but refrains from doing so, surely sees, in an important sense, the same thing as someone who can imitate or depict the movement of the hand in all its details, but is unable to interpret it in that way.

§

64r[2] &
64v[1]

01.08.1947

“Aber man kann doch soetwas nicht sehen!” sagt der Eine; “Man sieht es eben doch!”, der Andre. Der Erste kann freilich seine Überzeugung physiologisch begründen, d.h. zum Schein begründen. Aber was er sagt ist eher von der Art wie: “Geld kann man doch nicht wirklich heiraten”. Er sagt also “Hier ist doch ein Unterschied!” – wenn er ihn auch nicht stichhaltig anzugeben vermag. – Der Zweite, wenn er sich auf eine andere physiologische Theorie stützt, ist ebenso sehr im Irrtum. Erst wenn man alles Physiologische aus dem Spiel läßt, & vergißt, daß das Sehen überhaupt mit so etwas verbunden ist, kann man die Ähnlichkeit & die Unterschiede zwischen den Begriffen des ‘Sehens’ beurteilen.

08/01/1947

“But one cannot see something like that!” says one person; “One can indeed see it!” says the other. The first person can, of course, give a physiological explanation for his conviction, i.e., give an explanation for show. But what he says is more of the nature of: “One cannot really marry money.” He is therefore saying, “There is a difference here!” – even if he cannot provide a convincing explanation for it. – The second person, if he relies on a different physiological theory, is just as much in error. Only when one leaves everything physiological out of the equation, & forgets that seeing is connected with something like that at all, can one assess the similarity & the differences between the concepts of ‘seeing’.

§

64v[2] &
65r[1]

Wenn Einer sagt: Die Form, die Farbe, die Organisation, der Ausdruck, sind doch alle, offenbar, (für jeden Unvoreingenommen) Eigenschaften, Züge, des subjektiv Gesehenen, des unmittelbaren Gesichtsobjekts, – so verrät ihn hier das Wort “offenbar”. “Offenbar” ist es darum weil's Jeder zugibt; & er gibt es nur durch den Sprachgebrauch zu. Man begründet also hier einen Satz durch ein Bild.

If someone says: the form, the color, the organization, the expression, are, obviously, (for everyone unbiased) properties, features, of the subjectively seen, of the immediate object of vision, – then the word “obviously” betrays him here. “Obviously” it is so because everyone admits it; & he admits it only through linguistic usage. One is therefore justifying a sentence through an image.

§

65r[2]

Wenn wir wirklich Alle geneigt sind dies Bild zu gebrauchen, so hat dies etwa psychologisches Interesse, ersetzt aber eine begriffliche Untersuchung nicht.

If we are all really inclined to use this image, then it has some psychological interest, but it does not replace a conceptual investigation.

§

65v[1]

“Methodologie” kann man zweierlei nennen: Eine Beschreibung dessen, was man, z.B., “messen” nennt, einen Zweig der menschlichen Naturgeschichte, der uns die Begriffe des Messens, der Genauigkeit, etc. in ihren Varianten verständlich machen wird; oder aber einen Zweig der angewandten Physik, die Lehre davon, wie man am besten (genauesten, bequemsten,) das & das unter den & den Umständen mißt. (Popper.)

“Methodology” can be called two things: a description of what one calls “measurement,” a branch of the history of human nature that will make the concepts of measurement, accuracy, etc., understandable in their various forms; or else a branch of applied physics, the doctrine of how best (most accurately, most conveniently) to measure this & that under these & those circumstances. (Popper.)

§

65v[2]

“Das Auge blickt hinaus, in den Raum. Es schickt etwas aus, zu einem andern hin.”

“The eye gazes outward, into space. It sends something out, toward another.”

§

65v[3] &
66r[1]

02.08.1947

Der Begriff der Einstellung. Unsre Einstellung zum Gesichtsfeld, sagt Köhler, verändert unseren Gesichtseindruck. Und natürlich umgibt er diese Aussage mit vagen physiologischen Hypothesen. Aber wenn wir nun alle diese Hypothesen als unsicher & unwesentlich fallen lassen, – was bleibt von jener Aussage übrig? – Wann reden wir von einer bestimmten Einstellung eines Menschen zu dem, was er sieht? Wann sagen wir, die Einstellung ändre sich Ist die Einstellung denn eine Erfahrung? oder ist sie ein physiologisches Faktum? Ich sage einem: “Betrachte jetzt die Zeichnung als Bild eines ‥‥․!” – nun hat sich seine Einstellung geändert. War's eine Erfahrung? Weiß ich etwas von den physiologischen Vorgängen in ihm? – ‘Einstellung’ ist eine andere Kathegorie.

02.08.1947

The concept of attitude. Köhler says that our attitude toward the visual field changes our visual impression. And of course, he surrounds this statement with vague physiological hypotheses. But if we now discard all these hypotheses as uncertain & unimportant, what remains of that statement? When do we talk about a certain person's attitude toward what he sees? When do we say that the attitude changes? Is the attitude an experience? or is it a physiological fact? I say to someone: “Now look at the drawing as a picture of…!” – now his attitude has changed. Was it an experience? Do I know anything about the physiological processes in him? ‘Attitude’ is another category.

§

66r[2] &
66v[1]

Ich sage ihm “Ändere Deine Einstellung so: ‥‥․” – er tut es; & nun hat sich etwas in ihm geändert. ‘Etwas’? Seine Einstellung hat sich geändert & diese Änderung kann man nun beschreiben. Die Einstellung “etwas in ihm” zu nennen ist irreführend. Es ist, als könnten wir nur dunkel ein Etwas sehen, oder fühlen, was sich geändert hat & ‘die Einstellung’ genannt wird. Während alles klar zu Tage liegt, – die Worte “eine neue Einstellung” aber eben nicht eine Empfindung bezeichnen.

I say to him, “Change your attitude like this:…”. He does it; & now something in him has changed. ‘Something’? His attitude has changed & this change can now be described. Calling the attitude “something in him” is misleading. It is as if we can only dimly see or feel something that has changed & is called ‘the attitude’. While everything is clearly revealed, – but the words “a new attitude” do not refer to a sensation.

§

66v[2]

Wie sieht die Beschreibung einer ‘Einstellung’ aus?

What does the description of an ‘attitude’ look like?

§

66v[3]

Man sagt z.B.: “Sieh von diesen Flecken ab & auch von dieser kleinen Unregelmäßigkeit, & schau es als Bild eines ‥‥ an!”

One says, for example: “Look away from these spots & also from this small irregularity, & look at it as a picture of…!”

§

66v[4]

Wenn man nun von etwas absieht, etwas im Gesichtsfeld ‘unterdrückt’, – ändert man dadurch den Gesichtseindruck? “Ja, ich sehe es jetzt nur als ‥‥; die Flecke sehe ich gar nicht.”

If one now looks away from something, ‘suppresses’ something in the visual field, – does this change the visual impression? “Yes, I only see it as…; I don’t see the spots at all.”

§

67r[1]

Wenn man den Gesichtseindruck durch die Vorstellung ändert, so läßt sich das natürlich nicht physiologisch beweisen

If one changes the visual impression through imagination, this cannot, of course, be proven physiologically.

§VB

67r[2]

Manche Menschen haben einen Geschmack, der sich zu einem ausgebildeten verhält, wie der Gesichtseindruck eines halb blinden Auges zu dem eines normalen. Wo das normale Auge klare Artikulation sieht, sieht das schwache verwaschene Farbflecke.

Some people have a taste that relates to a developed one in the same way that the visual impression of a half-blind eye relates to that of a normal eye. Where the normal eye sees clear articulation, the weak one sees blurred patches of color.

§

67r[3]

“Denk Dir das weg! Wär's Dir auch ohne dieses ‥‥ unangenehm?” Man wird doch sagen, ich ändere mein Gesichtsbild – wie durch Blinzeln, oder Weghalten eines Details. Dieses “Absehen von …” spielt doch eine ganz ähnliche Rolle, wie etwa die Anfertigung einer neuen Zeichnung.

“Imagine it away! Would it also be unpleasant to you without this…?”. One would say that I am changing my visual image – as if by blinking, or by holding back a detail. This “looking away from…” plays a very similar role to, for example, the creation of a new drawing.

§

67v[1]

Nun wohl, – & das sind gute Gründe dafür, zu sagen, wir hätten durch unsre Einstellung unsern Gesichtseindruck geändert. D.h., es sind (dies) gute Gründe den Begriff ‘Gesichtseindruck’ so zu begrenzen.

Now then, – & these are good reasons for saying that we have changed our visual impression through our attitude. That is, these are good reasons to limit the concept of ‘visual impression’ in this way.

§

67v[2]

Jemand ein Postbeamter z.B. hat Übung darin Schriften zu lesen. Er sieht auch das seltsame Gekritzel als eine Folge von Buchstaben. Aber weiß ich mehr, als daß er die Schrift liest?

Someone, a civil servant for example, has practice in reading scripts. He also sees the strange scribble as a sequence of letters. But do I know more than that he is reading the script?

§

67v[3] &
68r[1]

Das Wort “Organisation” verträgt sich sehr gut mit dem Begriff ‘zusammengehörig’. Es scheint hier eine Reihe einfacher Modifikationen des Gesichtseindrucks zu geben, die alle eigentlich ‘optisch’ sind. Man kann aber eben in verschiedenen Aspekten noch ganz andere Dinge tun als Teile trennen & zusammennehmen, oder unterdrücken & hervorheben.

The word “organization” goes very well with the concept of ‘belonging together’. It seems that there are a number of simple modifications of the visual impression here, all of which are actually ‘optical’. But one can indeed do quite different things in various aspects than separating & combining parts, or suppressing & emphasizing.

§

68r[2]

Ich kann doch etwas bestimmtes, eine (bestimmte) Eigentümlichkeit des Vorgangs des Kopierens einer Zeichnung “Zusammenfassen” nennen. Ich kann dann sagen, Einer fasse bei der zeichnerischen Wiedergabe, – oder bei der Beschreibung, – die Figur so zusammen, organisiere sie so. Freilich hätte er damit in manchen Fällen Schwierigkeiten; z.B. im Fall Hase-Ente.

I can call a specific characteristic of the process of copying a drawing “combining”. I can then say that someone combines the figure in a pictorial representation – or in a description – in this way. Of course, in some cases, this would be difficult for him; for example, in the case of the hare-duck.

§

68r[3]

Man sage nun: Ich kann Striche beim Kopieren zusammennehmen, aber auch bloß durch die Aufmerksamkeit. Ähnlich wie ich im Kopfe, so wie auf dem Papier rechnen kann.

Now one can say: I can combine strokes when copying, but also only through attention. Similar to how I can do calculations in my head, as well as on paper.

§

68r[4] &
68v[1]

Kann die Gestaltpsychologie die verschiedenen Organisationen, die sich in's unorganisierte Gesichtsbild einführen lassen klassifizieren; kann sie die möglichen Arten der Modifikationen, die die Gestaltungsfähigkeit unseres Nervensystems hervorrufen kann ein für alle mal angeben. Wenn ich eine Zeichnung einmal als Hasen-, einmal als Entenkopf sehe, habe ich da einfach die Teile anders zusammengefaßt? Wenn ich den Punkt als Auge sehe, das in dieser Richtung schaut, in welches System von Modifikationen paßt dieser Aspekt? (System von Formen & Farben.)

Can Gestalt psychology classify the different organizations that can be introduced into the unorganized visual image; can it indicate once and for all the possible types of modifications that our nervous system can produce? If I once see a drawing as a hare's head, and once as a duck's head, have I simply combined the parts differently? If I see the dot as an eye that looks in this direction, into which system of modifications does this aspect fit? (System of shapes & colors.)

§

68v[2] &
69r[1]

Es ist z.B. irreführend, glaube ich, wenn Köhler die spontanen Aspekte der Figur damit

beschreibt: die Striche die in einem Aspekt zum gleichen Arm gehören, gehören nun zu verschiedenen Armen. Das klingt, als handelte es sich hier wieder um ein Zusammennehmen dieser Radien. Während doch die Radien, die früher zusammengehörten, auch jetzt zusammengehören; nur umgrenzen sie einmal einen ‘Arm’ einmal einen Zwischenraum.

For example, I believe it is misleading when Köhler describes the spontaneous aspects of the figure with

as follows: the strokes that belong to the same arm in one aspect now belong to different arms. This sounds as if it were once again a matter of combining these radii. Whereas the radii that used to belong together still belong together; only now they outline either an ‘arm’ or a space in between.

§

69r[2]

Du kannst wohl sagen: Zur Beschreibung, was Du siehst, Deines Gesichtseindrucks, gehört nicht bloß, was die Kopie zeigt, sondern auch die Angabe z.B., Du sähest dies, ‘solid’, das Andere ‘als Zwischenraum’. Es kommt eben hier darauf an, was wir wissen wollen, wenn wir ihn fragen, was er sieht.

One could say: The description of what you see, of your visual impression, does not only include what the copy shows, but also, for example, that you see this ‘solidly’ and the other ‘as a space’. In this case, it is important what we want to know when we ask him what he sees.

§

69r[3] &
69v[1]

“Aber ich kann doch offenbar im Sehen Flecken, Striche etc., zusammennehmen!” Aber warum nennt man es “zusammennehmen’? Warum braucht man hier ein Wort(wesentlich) was schon eine andere Bedeutung hat? (Es ist hier natürlich wie im Fall des Wortes “Kopfrechnen”.)

“But obviously, in seeing, one can group spots, lines, etc., together!” But why does one call it “grouping together”? Why is a word needed here that already has a different meaning? (It is, of course, the same as in the case of the word “mental arithmetic”.)

§

69v[2]

Wenn ich jemandem sage: “Nimm diese Striche (oder anderes) zusammen!” was wird er tun? Nun, Verschiedenes, je nach den Umständen. Vielleicht soll er sie zu zwei & zwei zählen, oder in eine Lade legen, oder anblicken, etc..

If I tell someone: “Combine these strokes (or something else)!” what will he do? Well, different things, depending on the circumstances. Perhaps he should count them two by two, or put them in a drawer, or look at them, etc.

§

69v[3]

Ist denn die Zeichnung selber, die Du ansiehst, organisiert? Und wenn Du sie so & so ‘organisiert’ siehst, siehst Du da, was gar nicht vorhanden ist?

Is the drawing itself, that you look at, organized? And if you see it organized in this way, do you see something that is not actually there?

§

69v[4] &
70r[1]

Organisiere diese Dinge!” – was heißt das? Etwa: “ordne sie”. Es könnte heißen: bring Ordnung in sie; – oder auch: lern Dich unter ihnen auskennen, lerne sie beschreiben; lerne sie durch ein System, durch eine Regel, beschreiben.

“Organize these things!” – what does that mean? For example: “arrange them.” It could mean: bring order into them; – or also: learn to become familiar with them, learn to describe them; learn to describe them through a system, through a rule.

§

70r[2]

Die Frage ist wieder: Was teile ich einem mit, dem ich sage “Ich nehme jetzt die Striche mit dem Blick so zusammen”? Man kann auch so fragen: Zu welchem Zweck sage ich Einem “Nimm diese Striche mit dem Blick so zusammen!”? Es ist hier wieder eine Ähnlichkeit mit der Aufforderung “Stell Dir das vor!”

The question is once again: What do I communicate to someone when I say “I am now considering these lines together in this way”? One could also ask: What is the purpose of saying to someone “Consider these lines together in this way!”? Here, there is once again a similarity with the instruction “Imagine that!”

§

70r[3]

Statt zu sagen “Nimm die Teile so zusammen”, könnte man auch sagen “Organisiere diese Teile so!”

Instead of saying “Combine the parts in this way,” one could also say, “Organize these parts in this way!”

§

70v[1]

Jedem Denken kleben die Eierschalen seines Herkommens an. Man kennt es Dir an, im Kampf, womit Du aufgewachsen bist. Welche Anschauungen die Deinen gezeugt haben & von welchen Du Dich dann losgemacht hast.

Every thought is encrusted with the eggshells of its origin. You can tell by his actions in a conflict what he grew up with, what views gave rise to him, and from which he has now freed himself.

§

70v[2]

03.08.1947

A: “Es regnet” – Ich: “Es regnet?” – A: “Ja, es regnet.” Die Frage drückt ‘ungläubiges Erstaunen’ aus. Verschiedene Sprachspiele mit demselben Satz.

08/03/1947

A: “It is raining” – I: “It is raining?” – A: “Yes, it is raining.” The question expresses ‘incredulous amazement’. Different language-games with the same sentence.

§

70v[3] &
71r[1]

Ich schaue eine Tapete an. Ihr Muster ist zuerst für mich ein regelloses Gewirr von Flecken; nach einer kurzen Prüfung kenne ich mich aus; es ist ein System. Man kann sagen, ich sehe es zuerst unorganisiert, dann organisiert.

I look at a wallpaper. At first, its pattern is a chaotic jumble of spots; after a short examination, I know my way around; it is a system. One can say that I see it first as unorganized, then as organized.

§

71r[2]

Das Bild

etc. organisiert sich unter unserm Blick nicht.

The picture

etc. does not organize itself under our gaze.

§

71r[3]

11.10.1947

Die Unsinnigkeit eines Satzes wie: “Ich hoffe Sie leben noch” in einem Brief. Ähnlich: Ich hoffe dieser Brief erreicht Sie”.

10/11/1947

The nonsensicality of a sentence like: “I hope you are still alive” in a letter. Similarly: “I hope this letter reaches you.”

§

71r[4]

Ich erlebe, was ich “Umschnappen des Aspekts” nennen kann. Und von welchem Interesse ist dies Erlebnis.

I experience what I can call a “shift in aspect.” And what is the interest of this experience?

§

71r[5] &
71v[1]

Es ist vielleicht wichtig zu bedenken, daß ich eine Figur heute so sehen, auffassen, kann, morgen anders, & kein solches Umschnappen stattgefunden haben muß. Ich könnte z.B. eine Illustration in einem Buch heute so auffassen & gebrauchen, morgen der gleichen Illustration auf einer späteren Seite begegnen, wo sie anders aufzufassen ist, ohne daß ich merke, daß es wieder die gleiche Figur ist.

It is perhaps important to remember that I can see a figure in one way today, understand it in one way, and tomorrow in another way, and no such shift need have taken place. For example, I might perceive and use an illustration in a book in one way today, and encounter the same illustration on a later page tomorrow, where it is to be understood differently, without me realizing that it is the same figure again.

§

71v[2]

Könnte Einer seine Zuverlässigkeit dartun, indem er sagte: Es ist wahr; & sieh': ich glaube es!

Could someone demonstrate his reliability by saying: It is true; and see: I believe it!

§

71v[3]

Ich sehe dort (ich zeige) das (ich zeichne es) so (ich zeichne wieder, oder erkläre einen Zusammenhang.)

I see there (I point) this (I draw it) like this (I draw again, or explain a connection).

§

71v[4] &
72r[1]

Könnte man sagen: es spiegelt sich eine Auffassung, eine Technik, im Erleben? Was doch nur heißt: Wir verwenden den Ausdruck, den wir für eine Technik gelernt haben, in einem Erlebnisausdruck (nicht: als Bezeichnung eines Erlebnisses.)

Could one say that an attitude, a technique, is reflected in the experience? Which only means: We use the expression we have learned for a technique in an expression of experience (not: as a designation of an experience).

§

72r[2]

Warum soll denn eine Sprechweise nicht für ein Erlebnis verantwortlich sein?

Why should a way of speaking not be responsible for an experience?

§

72r[3]

“Ich sehe das als das” – warum sage ich “sehe”? Nun, etwas verleitet mich zu dieser Metapher. Es ist eben offenbar eine Analogie vorhanden. Aber natürlich auch Verschiedenheiten.

“I see this as this” – why do I say “see”? Well, something leads me to this metaphor. It is obviously a case of analogy. But of course, there are also differences.

§

72r[4]

Wie wäre es, wenn es einem auffiele dieser Hasenkopf könnte auch ein Entenkopf sein & er doch die Zeichnung nicht als Entenkopf sähe!

What if one noticed that this rabbit's head could also be a duck's head & he didn't see the drawing as a duck's head!

§

72r[5] &
72v[1]

Hätte es einen Sinn einen Komponisten zu fragen, ob man eine Figur so oder so hören soll, wenn das nicht auch heißt, ob man sie auf diese, oder auf jene Weise spielen soll?

Would it make sense to ask a composer whether one should hear a figure this way or that way, if that doesn't also mean whether one should play it in this way or that way?

§

72v[2]

Der Aspekt hat eine Frische.

The aspect has a freshness.

§

72v[3]

Erinnerung: “Ich sehe uns noch an jenem Tisch sitzen”. – Aber habe ich wirklich das gleiche Gesichtsbild – oder eines von denen, welche ich damals hatte? Sehe ich auch gewiß den Tisch & meinen Freund vom gleichen Gesichtspunkt wie damals, also mich selbst nicht? – Mein Erinnerungsbild ist nicht Evidenz jener vergangenen Situation; wie eine Photographie, die damals angenommen mir jetzt bezeugt, daß es damals so war.

Memory: “I can still see us sitting at that table.” – But do I really have the same visual image—or one of those that I had at the time? Do I also certainly see the table & my friend from the same point of view as back then, i.e., not myself? – My memory-image is not evidence of that past situation; like a photograph that, taken at the time, now testifies to me that it was like that back then.

§

72v[4] &
73r[1]

Warum sollte man nicht Kontradiktionen ausschließen, – nicht weil sie sich selbst widersprechen, sondern weil sie nutzlos sind? Oder so: Darum, weil sie sich selbst widersprechen, braucht man sie ja nicht wie etwas Unreines scheuen; man schließe sie aus, weil sie zu nichts zu brauchen sind.

Why shouldn't one exclude contradictions—not because they contradict themselves, but because they are useless? Or: Because they contradict themselves, one doesn't need to shy away from them as something impure; one excludes them because they are of no use.

§

73r[2]

Du mußt immer bedenken mit der Annahme Ernst machen, daß es ja wirklich ein Wort in einer Sprache geben könnte welches Schmerzbenehmen, & nicht Schmerz bezeichnet.

You must always bear in mind that the assumption could be taken seriously, that there could really be a word in a language that refers to pain-behaviour, & not to pain.

§

73r[3]

Er fragt “Was hast Du mit dem Wort gemeint?” – Ich beantworte die Frage & setze hinzu: “Hättest Du mich früher gefragt, so hätte ich das gleiche geantwortet; meine Antwort war nicht eine Deutung, die mir jetzt eingefallen ist.” So war sie mir schon früher eingefallen? Nein. – Und wie konnte ich dann sagen: “Hättest Du mich früher gefragt so hätte ich ‥‥”? Woraus schloß ich das? Aus gar nichts. Was teile ich ihm mit, wenn ich diesen Konditional ausspreche? Etwas; was manchmal von Wichtigkeit sein kann.

He asks, “What did you mean by the word?” – I answer the question & add: “If you had asked me earlier, I would have given the same answer; my answer was not an interpretation that occurred to me now.” Was it already in my mind before? No. – And how could I then say: “If you had asked me earlier, I would have ‥‥”? What did I conclude from? From nothing. What do I communicate to him when I utter this conditional? Something; which can sometimes be important.

§

73v[1]

Er weiß z.B. jetzt, daß keine Sinnesänderung in mir vorgegangen ist. Es macht auch einen Unterschied, ob ich antworte, ich hätte die Worte ‘nur so vor mich hin gesagt’, ohne etwas mit ihnen zu meinen; oder, ich habe den & den mit ihnen gemeint. Es hängt manches davon ab. Es ist auch nicht gleichgültig, ob jemand mir sagt “Ich liebe Dich”, weil ihm ein Gedicht mit diesen Worten im Kopf herumgeht, oder ob er's sagt, mir seine Liebe zu gestehen.

He knows, for example, now that no change of sense has taken place in me. It also makes a difference whether I answer that I said the words ‘just to myself,’ without intending anything by them; or, that I intended something by them. Many things depend on it. It is also not irrelevant whether someone says to me “I love you” because a poem with these words is going through his head, or whether he says it to confess his love to me.

§

73v[2]

Ist es aber nicht sonderbar, daß es so eine Reaktion, so ein Geständnis der Meinung, der Absicht, gibt? Ist es nicht ein höchst merkwürdiges Sprachinstrument? Was ist eigentlich merkwürdig daran? Nun, es ist schwer vorstellbar, wie der Mensch diesen Wortgebrauch lernt. Er ist gar so subtil.

But isn't it strange that there is such a reaction, such a confession of opinion, of intention? Isn't it a very remarkable linguistic instrument? What is actually remarkable about it? Well, it is difficult to imagine how a person learns this use of words. It is so subtle.

§

74r[1]

Aber ist er wirklich subtiler, als der der Worte “Ich habe mir ihn vorgestellt”, z.B.? Ja, merkwürdig, sonderbar, ist jede solche Sprachverwendung, wenn man nur auf die Betrachtung der Beschreibungen physikalischer Gegenstände eingestellt ist.

But is it really more subtle than the use of the words “I imagined it,” for example? Yes, remarkable, strange, is any such use of language, if one is only focused on the consideration of descriptions of physical objects.

§

74r[2]

09.11.1947

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Die Existenz eines für's Leben eher unwichtigen Erlebnisses, welches einhergeht mit einem psychologischen Phänomen ganz anderer Art, kann uns beim Philosophieren dazu bestimmen einen Akt mit Bestimmtheit für ein Erlebnis zu halten. Und dies ist ganz ähnlich, wie wenn man das Glauben für eine Vorbereitung des Organismus auf ein Ereignis hält.

09.11.1947

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The existence of an experience that is rather unimportant for life, which accompanies a psychological phenomenon of a completely different kind, can lead us in philosophical reflection to consider an act as an experience. And this is very similar to when one considers belief to be a preparation of the organism for an event.

§

74r[3] &
74v[1]

Ich bin der Erfinder gewisser, die Diskussion klärender Kunstgriffe; also wie Einer, der neue, übersichtlichere Arten der Buchführung erfände. Welche Beziehung hat diese Tätigkeit mit einer mathematischen?

I am the inventor of certain, discussion-clarifying artifices; so like someone who invented new, more surveyable methods of bookkeeping. What relationship does this activity have to a mathematical one?

§

74v[2]

Könnte man von einem ‘Schmarotzererlebnis’ reden? also sagen, das Bedeutungserlebnis sei ein parasitisches Erlebnis, ein Parasit des Vorgangs des Verstehens?

Could one speak of a ‘parasitic experience’? i.e., say that the experience of meaning is a parasitic experience, a parasite of the process of understanding?

§

74v[3]

‘Überraschung’ & die Empfindung des raschen Einziehens des Atems.

‘Surprise’ & the sensation of rapid intake of breath.

§

74v[4]

“Ich hoffe unentwegt, …” im Gegensatz zu “Ich hoffe, Du wirst kommen!” Dies heißt ungefähr das Gleiche wie: “Du wirst doch kommen?!”

“I hope endlessly, …” as opposed to “I hope you will come!” This means approximately the same as: “You will come, won’t you?!”

§

74v[5] &
75r[1]

Kann Selbstbeobachtung je der Grund der Aussage “Ich glaube … sein? – Es könnte vorkommen. Aber dann werden diese Worte eben in einem abnormalen Sinn gebraucht etwa ähnlich, als sagte man “Ich glaube also im Grunde meiner Seele doch …”, “Ich glaube also im Unterbewußten ‥‥․”.

Can self-observation ever be the basis of the statement “I believe…?” – It could happen. But then these words are used in an abnormal sense, somewhat similar to saying “I believe, in the depths of my soul, that…”, “I believe, in my subconscious, ‥‥․”.

§

75r[2]

Man sagt “Ich wünsche ‥‥” normalerweise gewiß nicht auf Grund einer Selbstbeobachtung – es ist eben Wunschäußerung – es kann aber doch vorkommen daß man einen Wunsch durch Beobachtung der eigenen Reaktionen erkennt, entdeckt. Wenn Du nun fragst erkennst Du in so einem Fall dasselbe, was Du im andern durch die Äußerung ausdrückst, so liegt in der Frage ein Fehler. (Als fragte man: Ist es derselbe Sessel den ich sehe & auf dem ich sitze.)

One does not normally say “I wish…” on the basis of self-observation – it is simply an expression of a wish – but it can happen that one recognizes a wish through observation of one’s own reactions, discovers it. If you now ask whether in such a case one recognizes the same thing that one expresses in the other case through the utterance, then there is an error in the question. (As if one were asking: Is it the same armchair that I see & that I am sitting on?)

§

75r[3]

Ich sage “Ich hoffe, Du wirst kommen” aber nicht “Ich glaube: ich hoffe, Du wirst kommen”, wohl aber wäre es möglich zu sagen: “Ich glaube; ich hoffe noch immer, er werde kommen”.

I say “I hope you will come” but not “I believe: I hope you will come”, but it would be possible to say: “I believe; I still hope that he will come”.

§

75r[4] &
75v[1]

Kann man definieren: Die Figur immer so gesehen haben, heißt: sie so gesehen, & sie nie anders gesehen zu haben?

Can one define: To have always seen the figure in this way, means: to have seen it in this way, & to have never seen it in any other way?

§

75v[2]

08.12.1947

“Aber erlebt man nicht die Bedeutung?” “Aber hört man nicht das Klavier?” Jede der beiden Fragen kann sachlich & begrifflich gemeint sein, d.h.: gebraucht werden. (Zeitlich, oder zeitlos.)

08.12.1947

“But does one not experience the meaning?” “But does one not hear the piano?” Each of these questions can be meant factually & conceptually, i.e.: can be used. (Temporally, or timelessly.)

§

75v[3]

“Aber ist der Ausdruck “die Bedeutung erleben” nicht der einzig natürliche Ausdruck? – Das könnte nur heißen: ist er nicht der, der uns spontan einfällt? ohne ihn gelernt zu haben; die primitive Äußerung des Erlebnisses?

“But is the expression ‘to experience the meaning’ not the only natural expression? – That could only mean: is it not the one that occurs to us spontaneously, without having learned it; the primitive expression of the experience?

§

75v[4] &
76r[1]

Und nun kommt die Frage: Aber erleben wir die Bedeutung nicht ‘ebenso’ wie z.B. Farben oder Töne? Und da müssen wir nun die begrifflichen Unterschiede erklären. Heißt nun diesen Unterschied angeben nicht den zwischen einem Begriff wie ‘Rot’ & einem wie ‘Bedeutung’ angeben? Ich meine: Wenn man angibt, das Wort ‘rot’ werde so gebraucht, das Wort ‘Bedeutung’ so, – ist dann noch ein weiterer Unterschied anzugeben? – – –

And now comes the question: But do we not experience the meaning ‘in the same way’ as, for example, colors or sounds? And now we must explain the conceptual differences. Does stating this difference not mean stating the difference between a concept like ‘red’ & one like ‘meaning’? I mean: if one states that the word ‘red’ is used in this way, the word ‘meaning’ in that way, is there still another difference to be stated? – – –

§

76r[2] &
76v[1] &
77r[1]

[Nicht gut, aber nützlich] Er sagt “Ich will jetzt ausgehen”, plötzlich sagt er “Nein” & tut etwas anderes. Als er “Nein” sagte fiel ihm plötzlich ein, er wolle zuerst ‥‥ . – Er sagte “Nein”; aber dachte er auch “Nein”? Dachte er eben nicht an jene andere Angelegenheit? Man kann sagen, er dachte an sie. Er mußte dazu aber weder laut noch im Stillen einen Gedanken aussprechen. – Er könnte freilich später die Absicht in einen Satz kleiden. Zur Zeit des Wechsels mochte ihm ein Bild vorgeschwebt haben, oder aber er sagte nicht nur “Nein”, sondern irgend ein Wort, das Äquivalent eines Bildes. Wollte er etwa zuerst den Schrank zuschließen, so sagte er vielleicht “Der Schrank!”; wollte er erst die Hände waschen, so sah er sie etwa an & verzog das Gesicht. “Aber ist das Denken?” – Ich weiß es nicht. Sagt man denn in so einem Falle nicht, Einer habe sich etwas ‘überlegt’, er habe sich anders ‘benommen’? Aber muß er zu diesem Denken unbedingt eine Sprache beherrschen lernen? Könnte nicht ein ‘intelligentes’ Tier so handeln? Man hat es abgerichtet einen Gegenstand von dort zu holen & ihn dorthin zu bringen. Es geht nun ohne den Gegenstand dem Ziel zu, kehrt plötzlich um (als hätte es gesagt “Ach ich habe ‥‥ vergessen!”) & holt den Gegenstand, etc.. Sähen wir so etwas, so würden wir sagen: es sei in ihm, in seinem Geiste, damals etwas vorgefallen. Und was ist denn in mir vorgefallen, wenn ich so handle? “Nicht gar viel” möchte ich sagen. Und was innen vorgeht, ist nicht wichtiger, als was äußerlich, durch Sprechen, Zeichnen, etc., vorgehen kann. [Woraus Du lernen kannst, wie das Wort “denken” gebraucht wird.]

[Not good, but useful] He says “I want to go out now”, suddenly he says “No” & does something else. When he said “No”, it suddenly occurred to him that he wanted to first… . – He said “No”; but did he also think “No”? Was he not rather thinking about that other matter? One can say that he thought about it. But he did not have to express a thought aloud or silently. – He could, of course, later put the intention into a sentence. At the moment of the change, an image may have occurred to him, or he may not only have said “No”, but some one word, the equivalent of an image. If he wanted to close the cupboard first, he may have said “The cupboard!”; if he wanted to wash his hands first, he may have looked at them & made a face. “But is that thinking?” – I don’t know. Does one not say in such a case that one has ‘thought something over’, that one has ‘behaved’ differently? But must one necessarily learn to master a language in order to do this thinking? Could not an ‘intelligent’ animal act in this way? It has been trained to fetch an object from there & bring it here. It now goes to the goal without the object, suddenly turns around (as if it had said “Oh, I have forgotten…!”) & fetches the object, etc.. If we were to see something like that, we would say: something had happened in it, in its mind. And what is happening in me when I act in this way? “Not much,” I would say. And what is happening inside is not more important than what happens externally, through speaking, drawing, etc. [From which you can learn how the word “thinking” is used.]

§

77r[2] &
77v[1]

Denk Dir nun, Einer habe einen Bau auszuführen mit Bausteinen oder ‘Mechano’. Er probiert nun verschiedene Stücke, versucht sie zusammenzupassen, macht vielleicht eine Skitze, etc., etc.. Nun sagt man, er habe bei dieser Tätigkeit gedacht! – Gewiß man unterscheidet so dies Tun von einem sehr anders gearteten. Aber ist es eine gute Beschreibung dieses Unterschieds, in einem Falle gehe mit dem manuellen Tun noch etwas anderes einher? Könnte man etwa dieses Andere isolieren, & es geschehen lassen ohne die übrige Tätigkeit? Es ist nicht wahr daß Denken eine Art Sprechen ist, wie ich einmal sagte. Der Begriff ‘Denken’ ist vom Begriff ‘Sprechen’ kategorisch verschieden. Aber natürlich ist das Denken keine Begleitung des Sprechens, noch eine Begleitung irgendeiner andern Tätigkeit. Das heißt: man kann z.B. den ‘Denkvorgang’ nicht unbegleitet vor sich gehen lassen. Er hat auch nicht Abschnitte, die den Abschnitten der andern Tätigkeit (des Redens z.B.) entsprechen. D.h.: wenn man von einem ‘Denkvorgang’ redet so ist er so etwas wie das Operieren (schriftlich oder mündlich) mit Zeichen. Das Schließen & Rechnen könnte man einen ‘Denkvorgang’ nennen.

Now, imagine someone is building something with building blocks or ‘Mechano’. He tries out different pieces, tries to fit them together, perhaps makes a sketch, etc., etc. Now, one says that he is thinking in this activity! – Certainly, one distinguishes this activity from a very different one. But is it a good description of this difference, if in one case something else also accompanies the manual activity? Could one perhaps isolate this ‘something else’ and let it happen without the other activity? It is not true that thinking is a kind of speaking, as I once said. The concept of ‘thinking’ is categorically different from the concept of ‘speaking’. But, of course, thinking is not an accompaniment to speaking, nor an accompaniment to any other activity. That is to say: one cannot let the ‘thinking process’ proceed unattended. It also does not have sections that correspond to the sections of the other activity (such as speaking, for example). That is to say: when one speaks of a ‘thinking process’, it is something like operating (in writing or verbally) with signs. One could call reasoning and calculating a ‘thinking process’.

§

78r[1]

Es wäre auch nicht ganz falsch das Sprechen ‘das Instrument des Denkens’ zu nennen. Aber man kann nicht sagen der Sprechvorgang sei ein Instrument des Denkvorgangs; oder die Sprache gleichsam der Träger des Gedankens, wie etwa die Töne eines Lieds die Träger der Worte genannt werden können.

It would not be entirely wrong to call speaking ‘the instrument of thinking’. But one cannot say that the speaking process is an instrument of the thinking process; or that language is, as it were, the carrier of thought, as the tones of a song can be called the carriers of the words.

§

78r[2]

09.12.1947

Man kann das Wort “denken” so verwenden, daß es, beiläufig gesprochen, ein Reden zu einem Zweck bezeichnet, d.h. also, ein Sprechen oder Schreiben, ein Sprechen in der Vorstellung, sozusagen ein ‘Kopfsprechen’.

09.12.1947

One can use the word “thinking” in such a way that, in a casual way, it refers to speaking for a purpose, that is to say, speaking or writing, speaking in one’s imagination, as it were, ‘thinking to oneself’.

§

78r[3] &
78v[1]

Man sagt “Überleg Dir, was Du sagen willst, ehe Du sprichst”. Eine Form dies zu tun, ist: sich die Rede leise vorsagen, oder aufschreiben & Korrekturen anbringen. Man sagt sich etwa einen Satz vor, schüttelt den Kopf, sagt “Das ist zu lang”, oder “zu pompös” etc.; sagt den Satz wieder in einer andern Form.

One says, “Think about what you want to say before you speak.” One way to do this is to rehearse the speech quietly to oneself, or write it down and make corrections. One might say a sentence to oneself, shake one’s head, and say, “That is too long,” or “too pompous,” etc.; and then say the sentence again in a different form.

§

78v[2]

Man könnte etwa, was Denken ist, beschreiben, indem man den Unterschied zwischen einem Geistesschwachen & einem normalen Kind, das zu denken anfängt, beschreibt. Wollte man etwa die Tätigkeit angeben, die der Normale lernt, der Geistesschwache nicht lernen kann, man könnte sie nicht aus ihrem Benehmen herausklauben.

One could describe what thinking is by describing the difference between a mentally deficient person and a normal child who begins to think. If one wanted to indicate the activity that the normal person learns, which the mentally deficient person cannot learn, one could not pluck it out of their behaviour.

§

78v[3]

Wenn man nun jemandem sagte: “Wenn Du wissen willst, was Denken ist, vergleiche das Benehmen des Geistesschwachen mit dem des normalen Menschen” – so könnte er antworten: Denken ist doch nicht ein Benehmen! Und damit hatte er natürlich recht.

If one were to say to someone, “If you want to know what thinking is, compare the behaviour of the mentally deficient person with that of the normal person,” – he might answer: Thinking is not behaviour! And in that, he would of course be right.

§

79r[1]

Das Wort “denken” wird in gewisser Weise sehr anders gebraucht als z.B. “Schmerzen haben”, “traurig sein”, etc.: Man sagt nicht “Ich denke” als Äußerung eines Seelenzustands. Höchstens “Ich denke nach”. Laß mich in Ruh; ich denke über ‥‥ nach”. Und damit meint man natürlich nicht “Laß mich in Ruh; ich benehme mich jetzt so & so.” Also ist Denken kein Benehmen.

The word “thinking” is used in a certain way that is very different from, for example, “having pain,” “being sad,” etc.: One does not say “I think” as an expression of a state of mind. At most, “I am thinking about it.” “Leave me alone; I am thinking about…”. And with that, one certainly does not mean “Leave me alone; I am behaving in such and such a way.” So thinking is not behaviour.

§

79r[2] &
79v[1]

“Ich dachte ‘der Stab ist zu lang, ich muß einen andern probieren’.” – Als ich das dachte, sagte ich mir vielleicht gar nichts, – vielleicht ein oder zwei Worte. Und doch ist der Bericht wahr (oder mag wahr sein).. Er hat eine Verwendung. Man sagt z.B. “Ja, ich hab Dir zugeschaut & hab mir gedacht, daß Du Dir das gedacht hast”.

“I thought, ‘The stick is too long; I must try another one.’” – When I thought that, I perhaps said nothing to myself – perhaps one or two words. And yet the report is true (or may be true). It has a use. One might say, for example, “Yes, I watched you and I thought that you thought that.”

§

79v[2]

Von unserm Bedeutungsblinden will ich nicht sagen, er könne nicht einen Satz (oder wenn du willst: ein Wort im Satz) zuerst so meinen, – dann, ohne etwas zu reden, den Sinn (oder die Bedeutung) ändern. Ginge ihm das ab, so wäre er etwa auf der Stufe Eines, der nicht sagen könnte “Als ich ihn kommen sah, änderte ich plötzlich meine Absicht dort hin zu gehen”. Er wäre also etwas geistig zurückgeblieben. Nein; der Bedeutungsblinde müßte z.B. vor Gericht alle die Aussagen über sein Innenleben machen können wie wir; ich meine: er müßte seine Motive, Gedankengänge, seine Absichten & ihre Schwankungen genau so berichten können, wie wir. Wo also ‘meinen’ ein Intendieren ist, tut er's wie jeder Andere.

I do not want to say that our ‘meaning-blind’ person cannot first intend a sentence (or if you want: a word in the sentence) so, – and then, without saying anything, change the sense (or the meaning). If this were denied to him, he would be something like someone who could not say, “When I saw him coming, I suddenly changed my intention to go there.” He would therefore be somewhat mentally retarded. No; the meaning-blind person would have to be able to make all the statements about his inner life in court, just as we do; that is to say, he would have to be able to report his motives, thoughts, his intentions, and their fluctuations just as accurately as we do. Where ‘intending’ is an intending, he does it like everyone else.

§

80r[1]

Wie ist es aber in der Sprachstunde? Der Sprachlehrer sagt “Wir kommen heute zum Wort ‘sondern’”. Der bedeutungsblinde Schüler denkt zuerst, das Zeitwort sei gemeint; dann, es sei gewiß das Bindewort. Ich glaube, diese Möglichkeit will ich gelten lassen. – Aber nicht die: Einer sagt ihm “Sprich das Wort ‘sondern’ aus & mein damit: ‘absondern’” & er tut was ihm geheißen wurde.

But how is it in the language lesson? The language teacher says, “Today we will be looking at the word ‘sondern.’” The student, who is oblivious to meaning, first thinks that the verb is meant; then, that it is certainly the conjunction. I believe I want to allow this possibility. – But not that: Someone says to him, “Say the word ‘sondern’ & by that I mean: ‘absondern’” & he does what he was told.

§

80r[2]

Aber wie, wenn er am Anfang einer rein erfundenen Erzählung einen Satz schreibt, oder ausspricht, der zweierlei Deutungen fähig ist. Denk Dir die Erzählung finge an: “Er ging zur Bank.” – Nun kann ich natürlich so oder so fortfahren wollen. Hier wäre die Meinung also eine Intention.

But what if, at the beginning of a purely invented story, he writes or utters a sentence that is capable of two interpretations? Imagine the story begins: “He went to the bank.” – Now, I can of course choose to continue in this way or in that way. Here, opinion would therefore be an intention.

§

80r[3] &
80v[1]

Denk Dir nun man sagte: “Sprich den Satz ‘Er ging zur Bank’ & illustrier ihn im Geist zwei verschiedener Auffassungen gemäß! Könnte das der Bedeutungsblinde nicht tun? Warum nicht? er könnte die Illustrationen ja vielleicht auch zeichnen; & dies könnte sogar eine Aufgabe für die Volksschule sein.

Now imagine that someone said: “Say the sentence ‘He went to the bank’ & illustrate it in your mind according to two different interpretations! Couldn't the meaning-blind person do that? Why not? He could perhaps even draw the illustrations; & this could even be a task for elementary school.

§

80v[2]

Der Bedeutungsblinde hätte z.B. nicht das Gefühl, daß beim Aussprechen des Satzes in den verschiedenen Bedeutungen, das Wort Bank irgendwie anders klingt, sich anders anfühlt, oder dergleichen.

The meaning-blind person would not, for example, have the feeling that, when uttering the sentence in the different meanings, the word ‘bank’ somehow sounds different, feels different, or something like that.

§

80v[3] &
81r[1]

Ganz unabhängig von diesem ‘Defekt’, wenn's einer ist, könnte nun der existieren, daß Leute nicht im Stande wären eine Figur einmal als das, einmal als das zu sehen. – Es ist nun eine sehr wichtige Frage: wieviel der verliert, der in diesem Sinne gestaltblind ist. Könnte er Vexierbilder auflösen? Oder würde ihm die Auflösung nicht plötzlich kommen? Oder könnte der ein Bild gar nicht für etwas halten, d.h., als Bild dieses & dieses Gegenstands verstehen?

Quite independently of this ‘defect,’ if it is one, there could exist the case that people are not able to see a figure once as this and once as that. – Now, this is a very important question: how much does one lose who is, in this sense, shape-blind? Could he solve ambiguous figures? Or would the solution not suddenly come to him? Or could he not even take a picture for anything, i.e., understand it as a picture of this and that object?

§

81r[2] &
81v[1]

Wenn er nun ein Bild als das eines Waldes versteht, & dann versteht er es als das Bild eines Menschen der in den Zweigen der Bäume hängt, – so hat sich doch für ihn der Aspekt geändert & er ist also nicht aspektblind. Es könnte aber sein, daß der Aspekt von seinem Willen unabhängig wäre, so daß er wohl einmal das Bild als Bild dieses Gegenstandes ein andermal als das Bild jenes Gegenstandes ausspricht, daß er uns mitteilt es sei das Bild eines Hasen, später etwa, es sei das Bild einer Ente – daß er aber den Wechsel nicht auf Befehl hervorbringen kann & also das Bild wie zwei Bilder behandelt.

If he now understands a picture as that of a forest, & then understands it as the picture of a person hanging in the branches of the trees, – then the aspect has changed for him & he is therefore not aspect-blind. It could be, however, that the aspect is independent of his will, so that he might indeed sometimes say the picture is a picture of this object and at other times a picture of that object, that he tells us it is a picture of a rabbit, later perhaps that it is a picture of a duck – that he cannot bring about the change on command & thus treats the picture as if it were two pictures.

§

81v[2] &
81v[3] &
82r[1]

“Der Mensch denkt, fühlt, wünscht, glaubt, will, weiß.” Das klingt vernünftig. So wie: “Der Mensch zeichnet, malt, modelliert.” oder: “Der Mensch kennt Saiteninstrumente, Blasinstrumente, ‥‥․” Jener erste Satz ist eine Aufzählung alles dessen, was der Mensch mit seinem Geiste tut. Aber so, wie man zum Satz über die Instrumente die Frage stellen kann: “Und kennt der Mensch nicht auch Instrumente, die aus quiekenden Ratten bestehen?” & die Antwort darauf wäre: Nein – – so müßte es zu der Aufzählung der Geistestätigkeiten auch eine Frage geben: “Und können die Menschen nicht auch ‥‥․?” Die Frage ist eben hier 10.12.1947 wieder: Was sind die Phänomene die man so zusammenstellt?

“Man thinks, feels, wishes, believes, wants, knows.” That sounds reasonable. Just as: “Man draws, paints, sculpts.” or: “Man knows string instruments, wind instruments, ‥‥․” That first sentence is a list of everything that man does with his mind. But just as one can ask about the sentence about the instruments: “But doesn’t man also know instruments that consist of squeaking rats?” & the answer to that would be: No – – so there must also be a question about the list of mental activities: “And can’t people also ‥‥․?” The question is here, on 10/12/1947: What are the phenomena that one assembles in this way?

§

82r[2]

Jemand sagt: “Der Mensch hofft.” Wie hätte man das naturgeschichtliche Phänomen zu beschreiben? – Man könnte ein Kind beobachten & warten bis es eines Tages Hoffnung äußert; & man könnte dann sagen: “Heut hat es zum ersten Mal gehofft”. Aber das klingt doch seltsam! Obwohl es ganz natürlich wäre zu sagen: “Heut hat es zum ersten Mal gesagt “Ich hoffe.” Und warum seltsam? Man sagt doch nicht von einem Säugling er hoffe ‥‥, & man sagt es doch vom Erwachsenen. – Nun, das tägliche Leben wird nach & nach zu dem, worin für Hoffnung Raum ist.

Someone says: “Man hopes.” How would one describe the natural history phenomenon? – One could observe a child & wait until one day it expresses hope; & one could then say: “Today it hoped for the first time.” But that sounds strange! Although it would be quite natural to say: “Today it said ‘I hope.’” And why strange? One does not say of an infant that it hopes ‥‥, & one does say it of the adult. – Well, everyday life gradually becomes the thing in which there is room for hope.

§

82r[3] &
82v[1]

Ich habe in diesem Fall den Ausdruck “eingebettet” gebraucht, gesagt die Hoffnung, der Glaube, etc. etc., sei in unserm Leben in allen den Situationen & Reaktionen die das menschliche Leben ausmachen, eingebettet. Das Krokodil hofft nicht, der Mensch hofft. Oder: Vom Krokodil kann man nicht sagen, es hoffe; aber vom Menschen. Wie aber müßte sich ein Mensch verhalten, von dem man sagen würde: er hoffe nie? – Die erste Antwort ist: Ich weiß es nicht. Eher könnte ich schon sagen wie ein Mensch sich benehmen würde, der sich nie nach irgend etwas sehnt; oder der sich nie über irgend etwas freut; oder der nie erschrickt oder sich vor nichts fürchtet.

In this case, I have used the expression “embedded,” saying that hope, faith, etc., etc., is embedded in our life in all the situations & reactions that make up human life. The crocodile does not hope, man hopes. Or: One cannot say of the crocodile that it hopes; but of man. But how would a person have to behave, of whom one would say: he never hopes? – The first answer is: I don’t know. Rather, I could say how a person would behave who never desires anything; or who never rejoices in anything; or who never gets startled or is afraid of anything.

§

82v[2] &
83r[1]

Furchtbenehmen bei Furchtanlässen (etc.) ist ein Phänomen unsres Lebens. Aber Furcht? – Nun, man könnte sagen, statt “Ich fürchte mich”: “Das Phänomen der Furcht zeigt sich in mir”, wobei man nicht an das eigene Benehmen denkt. Könnte man dann aber im gleichen Sinne sagen: “Das Phänomen der Furcht zeigt sich in ihm”?

Fearful behaviour in fearful situations (etc.) is a phenomenon of our life. But fear? – Well, one could say, instead of “I am afraid”: “The phenomenon of fear manifests itself in me,” without thinking of one’s own behaviour. But could one then say in the same sense: “The phenomenon of fear manifests itself in him”?

§

83r[2] &
83v[1]

Könnte man z.B. sagen: “Der Mensch glaubt, hofft, fürchtet sich, etc.; ich, z.B., fürchte mich jetzt” –? Kann man also in sich eines dieser Phänomene entdecken? Die Frage wäre doch: Wie weißt Du, daß, was Du jetzt in Dir findest, das Gleiche ist, wie das, was Du in Andern “Furcht” nennst? welchen Grund hast Du das Deine mit den andern zusammenzustellen? Oder (auch) so: Du machst einem Andern jene Mitteilung – – unter welchen Umständen & zu welchem Zweck? So vernünftig diese Mitteilung klingt, so sprachrichtig sie ist, – etwas stimmt hier nicht. Es ist nicht nur, daß die Mitteilung überflüssig ist, weil Jeder das ohnehin weiß. Denken wir uns doch einmal ein Wesen, dem dies erst mitgeteilt werden muß! Nun, eines kann ich mir denken: Ich sage einem: “Wohin immer Du reisen wirst, alle Menschen werden denken, fühlen, fürchten, hoffen etc..” (Dies mag wahr, oder falsch sein.) Diese Mitteilung wäre ähnlich der: “Wohin Du auch kommst, die Menschen werden eine Sprache haben, eine Religion, ein Recht.”

Could one, for example, say: “Humans believe, hope, are afraid, etc.; I, for example, am afraid now”? – Can one, therefore, discover one of these phenomena in oneself? The question would be: How do you know that what you now find in yourself is the same as what you call “fear” in others? What reason do you have for putting your own experience together with that of others? Or (also): You communicate this to another person – under what circumstances and for what purpose? No matter how sensible this communication may sound, no matter how linguistically correct it is, something is not quite right here. It is not only that the communication is superfluous because everyone knows that anyway. Let us imagine a being to whom this has to be communicated! Well, one thing I can imagine: I say to someone: “Wherever you travel, all people will think, feel, be afraid, hope, etc.” (This may be true, or false.) This communication would be similar to: “Wherever you go, people will have a language, a religion, a law.”

§

83v[2] &
84r[1]

Wenn ich jemandem sage “Die Menschen denken, fühlen ‥‥”, so mache ich ihm, scheint es, eine naturgeschichtliche Mitteilung. Sie soll ihm etwa den Unterschied des Menschen von den (verschiedenen) Tierarten zeigen. Kann er sie aber exemplifizieren, indem er sagt “Ja; ich selbst, z.B., sehe jetzt”? Ist denn “Ich sehe ‥‥” eine naturgeschichtliche Mitteilung über mich? Würde es nämlich nicht ebensogut sein, wenn ich sagte “Ich sehe nicht”?

When I tell someone “People think, feel…”, I seem to be making a natural history communication to him. Is it supposed to show him the difference between humans and the (various) species of animals? But can he exemplify it by saying “Yes; I myself, for example, see now”? Is “I see…” a natural history communication about myself? Wouldn’t it be just as good if I said “I do not see”?

§

84r[2]

“Der Mensch denkt, fürchtet sich, etc. etc.”: das könnte man etwa Einem antworten, der gefragt hat, welche Kapitel ein Buch über Psychologie enthalten soll. Woher nehmen wir den Begriff “denken”, den wir nun betrachten wollen? Aus der Alltagssprache. Was unsrer Aufmerksamkeit zuerst ihre Richtung gibt ist das Wort “Denken”. Aber der Gebrauch dieses Worts ist verworren. Und wir können es nicht anders erwarten.

Du mußt bedenken, daß “denken, z.B., ein Wort der Alltagssprache ist; es hat eine entsprechend verworrene & komplizierte Verwendung

“Humans think, are afraid, etc.”: one could say something like that in response to someone who asked what chapters a book on psychology should contain. Where do we get the concept of “thinking” that we now want to consider? From everyday language. What first directs our attention is the word “thinking”. But the use of this word is confusing. And we cannot expect anything else.

You must remember that “thinking, e.g., is a word of everyday language; it has a correspondingly confusing and complicated use.

§

84r[3] &
84v[1]

Ich sage Einem: “Die Menschen denken.” Er fragt mich: “Was ist denken?” – Nun erkläre ich ihm den Gebrauch dieses Worts. Aber ist danach jener erste Satz noch eine Mitteilung? [Könnte nicht eine Ameise so zu einer Ameise sprechen?] Und das läßt sich natürlich von allen psychologischen Verben sagen. Ihre Verwendung ist nicht so klar, & so leicht zu verstehen, wie die der Wörter der Mechanik z.B..

I say to someone: “People think.” He asks me: “What is thinking?” – Now I explain to him the use of this word. But is that first sentence still a communication afterwards? [Could not an ant speak to an ant in this way?] And this can of course be said of all psychological verbs. Their use is not as clear, and as easy to understand, as that of the words of mechanics, for example.

§

84v[2]

Es ist mit den psychologischen Wörtern etwa so, wie mit denen, die aus der Sprache des Alltags in die der Mediziner übergehen. (“Shock”)

It is somewhat the same with psychological words as with those that pass from everyday language into the language of doctors. (“Shock.”)

§

84v[3]

“Die Menschen denken, die Heuschrecken nicht.” Das heißt etwa: der Begriff ‘denken bezieht sich auf das Leben der Menschen, nicht der Heuschrecken. – Und diese Mitteilung könnte man Einem machen, der das deutsche Wort “denken” nicht versteht & etwa irrtümlich glaubt, es beziehe sich auf etwas, was Heuschrecken tun. (Heiße z.B. soviel wie “stridulieren.”)

“People think, grasshoppers do not.” That is to say, the concept ‘thinking’ refers to the life of people, not that of grasshoppers. – And this communication could be made to someone who does not understand the German word “denken” & perhaps mistakenly believes that it refers to something that grasshoppers do. (For example, it might mean “stridulate.”)

§

84v[4] &
85r[1]

“Heuschrecken denken nicht”. Wohin gehört das? – Ist es ein Glaubensartikel oder gehört es in die Naturgeschichte? Wenn das letztere, so sollte es etwa ein Satz sein wie: “Heuschrecken können nicht lesen & schreiben.” Dieser Satz hat einen klaren Sinn, & wenn er vielleicht auch nie verwendet wird, so ist es doch leicht, sich eine Verwendung für ihn vorzustellen.

“Grasshoppers do not think.” Where does that belong? – Is it an article of faith, or does it belong in natural history? If the latter, it should be something like: “Grasshoppers cannot read and write.” This sentence has a clear sense, and even if it is perhaps never used, it is easy to imagine a use for it.

§

85r[2]

“Eine Dampfmaschine hat einen Kreuzkopf, eine Dampfturbine nicht.” Wem, in welchem Zusammenhang, würde man das sagen?

“A steam engine has a crosshead, a steam turbine does not.” To whom, in what context, would one say that?

§

85r[3] &
85v[1]

“Kann ein Mensch verstehen was ‘lesen’ ist, es sei denn, er könne selber lesen; kann er verstehen, was ‘fürchten’ ist ohne Furcht zu kennen, u.s.w.?” Nun, ein Mensch kann doch gewiß sagen, er könne nicht lesen, aber sein Sohn habe es gelernt. Ein Blinder kann sagen, er sei blind & die Leute um ihn seien sehend. “Ja, aber meint er nicht doch etwas anderes mit den Worten “blind” & “sehend”, wie der Sehende?” Worauf beruht es, daß man das sagen will? Nun, wenn Einer nicht wüßte, wie ein Leopard ausschaut, so könnte er doch sagen & verstehen “Der Ort ‥‥ ist sehr gefährlich, es gibt Leoparden dort”. Man würde aber doch vielleicht sagen, er weiß nicht was ein Leopard ist, also nicht oder nur unvollständig, was das Wort “Leopard” bedeutet, bis man ihn einmal ein solches Tier zeigt. Nun kommt es uns mit den Blinden ähnlich vor. Sie wissen, sozusagen, nicht, wie sehen ist. – Ist nun ‘Furcht nicht kennen’ analog dem ‘nie einen Leoparden gesehen haben’? Das will ich natürlich verneinen.

“Can a person understand what ‘reading’ is unless he can read himself; can he understand what ‘fearing’ is without knowing fear, and so on?” Well, a person can certainly say that he cannot read, but his son has learned it. A blind person can say that he is blind, and the people around him are seeing. “Yes, but doesn't he mean something else by the words ‘blind’ and ‘seeing,’ as the seeing person does?” What is the basis for wanting to say that? Well, if someone didn’t know what a leopard looks like, he could still say and understand, “This place is very dangerous, there are leopards there.” One might perhaps say, however, that he doesn’t know what a leopard is, so he doesn’t or only incompletely know what the word ‘leopard’ means, until someone shows him such an animal. Now, it seems similar with the blind. They don’t, so to speak, know what seeing is. – Is ‘not knowing fear’ analogous to ‘never having seen a leopard’? Of course, I want to deny that.

§

85v[2] &
86r[1]

Die Frage ist: Was für Sprachspiele kann, der die Furcht nicht kennt, eo ipso nicht spielen? Man könnte da z.B. sagen: er würde einer Tragödie ohne Verständnis zuschauen. Und man könnte das so erklären: Wenn ich den Andern in einer furchtbaren Lage sehe, auch wenn ich selbst gar nichts zu fürchten habe, so kann ich schaudern, aus Mitgefühl schaudern. Wer aber die Furcht nicht kennte, täte das nicht. Wir fürchten uns mit ihm, auch wenn wir nichts zu fürchten haben; & das ist es, was jener nicht kann. Wie ich mein Gesicht schmerzlich verziehe, wenn man dem Andern Schmerz zufügt.

The question is: What language-games can the person who doesn’t know fear eo ipso not play? One could, for example, say that he would watch a tragedy without understanding. And one could explain it like this: If I see another in a terrible situation, even if I myself have nothing to fear, I can shudder, shudder in empathy. But someone who doesn’t know fear wouldn’t do that. We fear with him, even if we have nothing to fear; & that is what the other cannot do. Just as I grimace when pain is inflicted on the other.

§

86r[2] &
86v[1]

Gut; aber wäre es nicht denkbar, daß Einer, der den Schmerz nie gefühlt hat, ihn in der Form des Mitleids dennoch empfände? Er würde also, was immer ihm geschähe, nicht stöhnen, wohl aber, wenn einem Andern Schmerz zugefügt wird. Aber ob wir nun von Diesem sagen würden er habe Mitleid? Ob wir nicht sagen würden: “Es ist natürlich eigentlich kein Mitleid, weil er ja eigenen Schmerz gar nicht kennt” –? Oder man könnte sich in so einem Fall denken, daß Leute sagten, diesem Menschen habe Gott ein Gefühl für das Leid, die Furcht, des Andern gegeben. So etwas würde man vielleicht eine Intuition nennen.

Good; but wouldn’t it be thinkable that someone who has never felt pain would nevertheless experience it in the form of empathy? So, whatever happens to him, he wouldn’t groan, but he would if pain is inflicted on another. But would we then say that this person has empathy? Wouldn’t we say: “It is not really empathy, because he doesn’t know his own pain” –? Or one could imagine that in such a case people would say that God has given this person a feeling for the suffering, the fear, of others. One might call such a thing an intuition.

§

86v[2] &
87r[1]

11.12.1947

Warum soll ich nicht mich für einmal aus dem Spiele lassen? Also nur vom Denken, Fürchten, etc. der Andern reden? Nun ist es ganz verständlich, wenn mir Einer sagt: “Die Menschen raufen sich manchmal im Zorn die Haare aus”; auch dies: “Das Krokodil, wenn es freundlich ist, macht glucksende Töne in seinem Rachen” (Ich weiß dann, z.B., ich kann es streicheln, etc.). Nicht verständlich ist mir aber die Mitteilung: “Die Menschen denken manchmal”. Wie habe ich gelernt, was “denken” heißt? – Es scheint, ich kann es nur gelernt haben, indem ich mit Menschen lebte. – Man könnte sich freilich denken, daß einem das Leben der Menschen im Film vorgeführt würde, oder daß er das Leben nur beobachten, aber nicht mittun dürfte Er würde ihr Leben dann etwa verstehen, wie wir das Leben der Fische verstehen; oder gar der Pflanzen. Von Lust & Leid etc. der Fische können wir nicht reden.

12.12.1947

Why shouldn’t I leave myself out of the game for once? So, just talk about the thinking, fearing, etc., of others? Well, it’s perfectly understandable if someone says to me: “People sometimes pull their hair out in anger”; also this: “The crocodile, when it is friendly, makes gurgling sounds in its throat” (I then know, for example, that I can stroke it, etc.). What is not understandable to me is the statement: “People sometimes think.” How have I learned what ‘thinking’ means? – It seems that I can only have learned it by living with people. – One could, of course, imagine that the life of people is shown to one in a film, or that he is only allowed to observe life, but not participate. He would then understand their life in a way that we understand the life of fish; or even of plants. We cannot talk about the pleasure and suffering, etc., of fish.

§

87r[2]

Ich meine aber natürlich nicht: Er kann es, erfahrungsgemäß, nicht verstehen, wenn er das Leben nicht mitlebt (als sagte man: man kann Rudern nicht lernen, indem man bloß Andern beim Rudern zuschaut) – sondern gemeint ist: Ich würde von mir nicht (noch vom Andern) sagen, er verstünde die Lebensäußerungen, die ihm fremd sind. Und hier gibt es natürlich Grade.

But I certainly don’t mean: He cannot understand it, based on experience, if he doesn’t live life together with others (as if one said: one cannot learn to row by merely watching others row) – but what is meant is: I wouldn’t say of myself (nor of the other) that he understands the expressions of life that are foreign to him. And there are, of course, degrees to this.

§

87v[1]

Wohl aber kann man sagen: Betrachte die Furcht, die Freude, das Denken, etc., der Menschen! Aber wie kommt es, daß ich hier “etc.” sagen kann? Ich muß also schon wissen, welche Erscheinungen gemeint sind. – Könnte ich aber nicht sagen: Das Denken kann man keine Erscheinung nennen; wohl aber kann man von ‘Erscheinungen des Denkens’ reden, & Jeder wird wissen, was für Erscheinungen da gemeint sind.

But one can say: Consider the fear, the joy, the thinking, etc., of people! But how does it come about that I can say ‘etc.’ here? I must already know which phenomena are meant. – Couldn’t I say: Thinking cannot be called a phenomenon; but one can talk about ‘phenomena of thinking,’ and everyone will know what kind of phenomena are meant.

§

87v[2]

Man kann offenbar sagen: “Denk an Zornanlässe & Zornerscheinungen (Zornbenehmen). Nenne ich aber den Zorn eine Erscheinung, so muß ich meinen Zorn, meine Zornerfahrung eine Erscheinung nennen. (Eine Erscheinung meines Innenlebens etwa.)

One can clearly say: “Think of the causes of anger and the manifestations of anger (angry behaviour). If I call anger a phenomenon, then I must call my anger, my experience of anger, a phenomenon. (A phenomenon of my inner life, perhaps.)

§

87v[3] &
88r[1]

12.12.1947

Sieh es einmal rein behaviouristisch an: Jemand sagt: Der Mensch denkt, wünscht, freut sich, ist zornig, etc. Denk, es sei hier nur von gewissen Formen des Verhaltens bei gewissen Anlässen die Rede. Man könnte sich vorstellen, wer so vom Menschen redet, habe diese Verhaltungsweisen zuerst bei andern Wesen beobachtet & sage nun, beim Menschen ließen sich diese Erscheinungen auch beobachten. Das wäre also, wie wenn wir dies von einer Tierart sagten. – – –

12.12.1947

Let us consider it purely behavioristically: Someone says: Humans think, wish, rejoice, are angry, etc. Suppose here we are only talking about certain forms of behaviour in certain situations. One could imagine that someone who speaks of humans in this way first observed these behaviours in other beings and now says that these phenomena can also be observed in humans. This would be as if we were saying this about a species of animal.

§

88r[2]

Ich habe das Gefühl, ich muß über die “psychologischen Erscheinungen” im allgemeinen schreiben. Sozusagen darüber wie die verschiedenen psychologischen Kategorien entstehen.

I have the feeling that I must write about “psychological phenomena” in general. As it were, about how the various psychological categories arise.

§

88r[3] &
88v[1]

Plötzlich lächle ich & sage ‥‥. Als ich lächelte, war mir der Gedanke gekommen. Worin bestand er? Er bestand in gar nichts; denn das Bild, oder Wort, etc., das etwa auftauchte, war nicht der Gedanke.

Suddenly I smile and say… When I smiled, the thought occurred to me. What was it? It consisted of nothing; for the picture, or word, etc., that might have appeared was not the thought.

§

88v[2]

Ich möchte sagen: Das Innere kann nicht Phänomen sein; & das Äußere der “Phänomene” ist unvergleichbar verschieden.

I would like to say: The inner cannot be a phenomenon; and the outer of the “phenomena” is incomparably different.

§

88v[3]

Ich möchte gerne sagen: Die Psychologie hat es mit bestimmten Aspekten des menschlichen Lebens zu tun. Oder auch: mit gewissen Erscheinungen – aber die Wörter “denken”, “fürchten”, etc. etc. bezeichnen nicht diese Erscheinungen.

I would like to say: Psychology has to do with certain aspects of human life. Or also: with certain phenomena – but the words “thinking”, “fearing”, etc. do not refer to these phenomena.

§

88v[4] &
89r[1]

13.12.1947

Ich rede davon

als Spiegel-

sehen oder als verschobenes

– wie konnte ich mich denn überhaupt so verständigen? – Ja, es war einfach, zu erklären, wie das

auf verschiedene Weise entstehen konnte, wie es so & so gedeutet werden konnte. Aber damit er verstand, was “es so oder so sehen” hieß, mußte ihm etwa dieser Gebrauch des Wortes “sehen” einleuchten. Er muß finden, daß dieser Ausdruck paßt, – & dafür gibt es eine grammatische Rechtfertigung. (Dauer des Sehens – Dauer des Deutens.)

12/13/1947

I am talking about

as mirror-

seeing or as shifted

— how could I possibly have communicated so well? — Yes, it was easy to explain how this

could arise in various ways, how it could be interpreted this way & that. But in order for him to understand what “seeing it this way or that” meant, he had to find this use of the word “see” plausible. He must find that this expression fits – & there is a grammatical justification for it. (Duration of seeing – duration of interpreting.)

§

89r[2]

“Wie ist es aber möglich, daß man ein Ding einer Deutung gemäß sieht?” – Die Frage stellt dies als ein seltsames Faktum dar; als wäre hier etwas in eine Form gezwängt worden, was eigentlich nicht hineinpaßt. Aber es ist hier kein Drücken & Zwängen geschehen.

“But how is it possible that one sees a thing according to an interpretation?” – The question presents this as a strange fact; as if something had been forced into a form that does not actually fit. But no pressing and forcing has taken place here.

§

89r[3]

Und nun ist das Merkwürdige, daß man sozusagen nicht weiß, was man tut, wenn man die Figur einmal als das, einmal als das ansieht oder sieht. Das heißt man ist geneigt, zu fragen “wie mache ich das?”, “was sehe ich eigentlich anderes?” Und darauf erhält man keine relevante Antwort.

And now the curious thing is that one does not really know what one is doing when one looks at the figure sometimes as this, sometimes as that. That is, one is inclined to ask “how do I do that?”, “what exactly do I see differently?” And one receives no relevant answer to this.

§

89v[1]

Denn nicht das ist die Frage: was ich mache, wenn ‥‥․ (dies könnte nur eine psychologische Frage sein) – sondern welche Bedeutung es hat, was sich daraus entnehmen läßt

For it is not the question: what I do when… (this could only be a psychological question) – but what meaning it has, what can be derived from it.

§

89v[2]

Wer den Aspektwechsel nicht empfände, wäre nicht geneigt zu sagen: “Jetzt sieht es ganz anders aus!”, oder “Es ist als hätte sich das Bild verändert, & hat sich doch nicht verändert!” oder “Die Form ist gleichgeblieben & doch hat sich etwas verändert; etwas, was ich die Auffassung nennen möchte & was man sieht!” –

Someone who did not experience the change of aspect would not be inclined to say: “Now it looks quite different!”, or “It is as if the picture has changed, and yet it has not changed!” or “The form has remained the same and yet something has changed; something that I would like to call the perception, and which one sees!”

§

89v[3] &
90r[1]

Etwas einmal als das, einmal als das sehen, könnte ein bloßes Spiel sein. Man redet zum Kind einmal in dieser Weise – etwa: “Jetzt ist es …! jetzt …!” – & es reagiert; ich meine, es lacht, macht nun verschiedene solche Übungen (so als hätte man es darauf aufmerksam gemacht, daß die Vokale Farben haben). Ein anderes Kind empfindet weder diese Farben, noch versteht es was mit jener Änderung (des Aspekts) gemeint ist.

Seeing something sometimes as this, sometimes as that could be merely a game. One talks to the child in this way – for example: “Now it is…! now…!” – and it reacts; I mean, it laughs, now does various such exercises (as if one had drawn its attention to the fact that the vowels have colours). Another child experiences neither these colours, nor does it understand what is meant by that change (of aspect).

§

90r[2]

Wie aber, wenn man diesem Kind die Aufgabe stellte, die Figur 4 in der Figur

aufzusuchen? (Dies könnte eine Aufgabe im ersten Unterricht der Kinder sein.) Könnte es die Aufgabe nicht lösen (oder die, eine Reihe verschiedener Figuren in jener zu finden), wenn es sich einer Aspektänderung nicht bewußt wird, nicht sagen möchte, die Figur ändere sich irgendwie, werde zu einem andern Gebilde, oder dergleichen?

But what if one set this child the task of finding the figure 4 in the figure

? (This could be a task in the first instruction of children.) Could it not solve the task (or the one of finding a series of different figures in it) if it does not become conscious of a change of aspect, if it does not want to say that the figure changes in some way, becomes another form, or the like?

§

90r[3] &
90v[1]

Das Kind erkennt, daß eine Reihe verschiedener Beschreibungen auf die Figur anwendbar seien. Aber muß es dazu im Stande sein, einem wechselnden Gesamteindruck der Figur zu bekommen?

The child recognizes that a series of different descriptions can be applied to the figure. But must it be able to obtain a changing overall impression of the figure?

§

90v[2]

Du sagst, der normale Mensch sähe die Figur

als zwei Kreise von einer Geraden durchzogen. Aber wie zeigt sich das? Wenn er die Figur etwa kopiert, soll ich sagen, es zeigt sich darin, wie er's tut? Wenn er die Figur mit Worten beschreibt, zeigt es sich darin, welche Beschreibung er wählt? Diese Wahl könnte durch die Bequemlichkeit der Darstellung bestimmt sein. Ja wenn des Kind auf verschiedene Darstellungen (Reihenfolgen der Striche) käme, wäre das unser Kriterium für den Wechsel des Aspekts? – Wenn es aber sagt “Jetzt ist es ‥‥ – jetzt ‥‥”, wenn es redet, als sähe es jedesmal einen andern Gegenstand, dann werden wir sagen, es sähe die Figur auf verschiedene Weisen.

You say that the normal person sees the figure

as two circles intersected by a line. But how does this manifest itself? If, for example, he copies the figure, should I say that it shows itself in how he does it? If he describes the figure in words, does it show itself in which description he chooses? This choice could be determined by the convenience of the representation. Yes, if the child came across various representations (sequences of lines), would that be our criterion for the change of aspect? – But if it says “Now it is…! now…!”, if it speaks as if it sees a different object each time, then we will say that it sees the figure in different ways.

§

90v[3] &
91r[1]

Das Wichtige beim ‘Sehen’ ist, daß es ein Zustand ist, & ein solcher in einen andern umschlagen kann. Aber wie weiß ich, daß er in so einem Zustand ist? nicht also in einem, der einer Disposition vergleichbar ist, wie das Wissen, das Verstehen, oder eine Auffassung. Was ist das logische Charakteristikum so eines Zustands?

The important thing about ‘seeing’ is that it is a state, & such a state can change into another. But how do I know that it is in such a state? not in one comparable to a disposition, such as knowledge, understanding, or an impression. What is the logical characteristic of such a state?

§

91r[2]

Denn, zu sagen, man erkenne ihn eben als solchen, wenn man ihn habe, ist Unsinn. Denn woran erkennt man ihn? (Das Kriterium der Identität.)

For to say that one recognizes it as such when one has it is nonsense. Because how does one recognize it? (The criterion of identity.)

§

91r[3] &
91v[1]

Ich will von einem ‘Bewußtseinszustand’ reden, & das Sehen eines bestimmten Bildes, das Hören eines Tons, eine Schmerzempfindung, Geschmacksempfindung, etc. so nennen. Ich will sagen: Glauben, Verstehen, Wissen, Beabsichtigen, u.a. seien nicht Bewußtseinszustände. Wenn ich diese letzteren für einen Augenblick “Dispositionen” nenne, so ist ein wichtiger Unterschied zwischen Dispositionen & Bewußtseinszuständen, daß eine Disposition durch eine Unterbrechung des Bewußtseins, oder eine Verschiebung der Aufmerksamkeit nicht unterbrochen wird. (Und das ist natürlich keine kausale Bemerkung.) Man sagt wohl überhaupt kaum, man habe etwas seit gestern “ununterbrochen” geglaubt, oder verstanden. Eine Unterbrechung des Glaubens wäre aber eine Periode des Unglaubens, aber nicht z.B. die Abwendung der Aufmerksamkeit von dem Gegenstand des Glaubens, oder z.B. der Schlaf.

I want to talk about a ‘state of consciousness’, & call seeing a certain picture, hearing a tone, a sensation of pain, a sensation of taste, etc., that. I want to say: believing, understanding, knowing, intending, etc., are not states of consciousness. If I call these latter ‘dispositions’ for a moment, then an important difference between dispositions & states of consciousness is that a disposition is not interrupted by an interruption of consciousness, or a shift of attention. (And this is of course not a causal remark.) One hardly ever says that one has believed something “uninterruptedly” since yesterday, or understood something. But an interruption of belief would be a period of disbelief, but not, for example, the turning away of attention from the object of belief, or, for example, sleep.

§

91v[2]

Ich weiß nicht, ob das die beste Art ist, den Unterschied zu erklären zwischen dem, was man “ununterbrochene Dauer” von Dispositionen & Bewußtseinszuständen nennen kann.

I don’t know if this is the best way to explain the difference between what one can call “uninterrupted duration” of dispositions & states of consciousness.

§

91v[3]

Der Unterschied zwischen ‘knowing’ & ‘being aware of’.

The difference between ‘knowing’ & ‘being aware of’.

§

91v[4] &
92r[1]

14.12.1947

“Aber wie kann man Einem erklären wollen, was ein Bewußtseinszustand ist? Es ist ja eben das, was nur er selbst in sich kennen kann!” (Aber wie, wenn auch er's immer wieder falsch wiedererkennt? “Das heißt nichts; denn identisch ist hier, was er für identisch hält.” – Aber wie weiß ich dann, ob er es wirklich für identisch hält, & was für ihn ‘identisch’ bedeutet?)

14.12.1947

“But how can one want to explain to another what a state of consciousness is? It is precisely what only he himself can know within himself!” (But how, if he repeatedly misrecognizes it? “That means nothing; for identical is here what he considers to be identical.” – But how do I then know whether he really considers it to be identical, & what ‘identical’ means to him?)

§

92r[2]

Das ist wohl der Punkt, an dem man sagt, man könne dem Andern eben nur die Form mitteilen, nicht aber den Inhalt. – So redet man also zu sich selbst über den Inhalt! & was heißt das? (Wie ‘beziehen’ sich meine Worte auf den mir bewußten Inhalt? & zu welchem Zweck?)

This is probably the point at which one says that one can only communicate the form to the other, but not the content. – So, one is talking to oneself about the content! & what does that mean? (How do my words ‘relate’ to the content that is conscious to me? & for what purpose?)

§

92r[3] &
92v[1]

Wir ziehen in diesen Betrachtungen oft, was man ‘Hilfslinien’ nennen kann. Wir machen Konstruktionen – wie den ‘seelenlosen Stamm’ – die am Schluß aus der Betrachtung herausfallen. Daß sie herausfielen mußte gezeigt werden.

In these considerations, we often draw what one can call ‘auxiliary lines’. We make constructions – such as the ‘soulless stem’ – which in the end fall out of the consideration. The fact that they had to fall out had to be shown.

§

92v[2]

“Schmerz ist ein Bewußtseinszustand, Verstehen nicht.” – “Nun, ich fühle eben das Verstehen nicht!” – Aber diese Erklärung tut's nicht. Es wäre auch keine Erklärung, zu sagen: Was man in irgend einem Sinne fühlt, ist ein Bewußtseinszustand. Das hieße ja nur: Bewußtseinszustand = Gefühl. (Man hätte nur ein Wort durch ein anders ersetzt.)

“Pain is a state of consciousness, understanding is not.” – “Well, I don’t feel understanding!” – But this explanation doesn’t work. It would also not be an explanation to say: What one feels in some sense is a state of consciousness. That would just mean: State of consciousness = feeling. (One would only have replaced one word with another.)

§

92v[3]

(Der Unterschied der beiden Zustandsarten ist zu vergleichen dem zwischen den Zuständen der Geschwindigkeit & des Gewichts eines Körpers.)

(The difference between the two types of states can be compared to that between the states of speed & the weight of a body.)

§

92v[4]

Der Schmerz hat einen Ausdruck &, beiläufig gesprochen, kann man die Dauer des Schmerzes nach der Dauer seines Ausdrucks beurteilen.

Pain has an expression &, incidentally, one can judge the duration of the pain from the duration of its expression.

§

93r[1]

Das Sehen eines grünen Kreuzes hat keinen primitiven Ausdruck.

Seeing a green cross has no primitive expression.

§

93r[2]

Es ist hier noch etwas in meiner Darstellung ganz unklar.

There is still something quite unclear in my presentation here.

§

93r[3]

Beobachte Dich beim Schreiben, & wie die Hand die Buchstaben formt, ohne daß Du es eigentlich veranlaßt. Du fühlst wohl etwas in Deiner Hand, allerlei Spannungen & Drücke, aber daß die dazu nötig sind, diese Buchstaben zu erzeugen, davon weißt Du nichts.

Observe yourself while writing, & how the hand forms the letters without you actually causing it. You probably feel something in your hand, all sorts of tensions & pressures, but that these are necessary to produce these letters, you don’t know.

§

93r[4]

Beim Sehen gibt es etwas wie ein ständiges Beobachten.

When seeing, there is something like a constant observing.

§

93r[5] &
93v[1]

Ich habe einmal von einem Stammbaum der psychologischen Begriffe gesprochen: ich könnte auch von einer Reihenfolge sprechen, in welcher man sie besprechen, ihre Zusammenhänge erklären muß. Diese Reihenfolge ist mir noch nicht klar; insbesondere nicht ihr Anfang.

I once spoke of a family tree of psychological concepts: I could also speak of a sequence in which one must discuss them, explain their interrelationships. This sequence is not yet clear to me; especially not its beginning.

§

93v[2]

16.12.1947

Das Wort “echte Dauer” für die Bewußtseinszustände ist nicht schlechter, weil man sagen möchte, daß sie wirklich andauern, während dagegen Dispositionen des Geistes uns wie bloße ‘Konstruktionen’ erscheinen.

16.12.1947

The word “genuine duration” for states of consciousness is not worse because one would like to say that they actually last, while, on the other hand, dispositions of the mind appear to us as mere ‘constructions’.

§

93v[3]

Man könnte statt von ‘echter Dauer’ auch von ‘wirklicher Dauer’ reden.

One could also speak of ‘real duration’ instead of ‘genuine duration’.

§

93v[4]

Aber was unterscheidet wirklich von nicht wirklich? Und das, möchte man sagen, lasse sich nicht erklären. Man geht es aber eben verkehrt an. Nämlich so, als sähe man es selbst, sei sich dessen, was es ist, selber bewußt; als wisse man von sich (her), daß, was, was der Andere Röte nenne eine wirkliche Erfahrung sei. (Wenigstens, wenn er das Gleiche erfahre, wie ich).

But what really distinguishes real from unreal? And that, one would like to say, cannot be explained. But one approaches it in the wrong way. Namely, as if one saw it oneself, was conscious of what it is, knew it from oneself that what the other calls redness is a real experience. (At least, if he experiences the same thing as I do).

§

93v[5] &
94r[1]

Wo es echte Dauer gibt, da kann man Einem sagen: “Merk auf & gib mir ein Zeichen, wenn es (das Bild, das Geräusch etc.) sich ändert. Es gibt da überhaupt ein Aufmerken. Während man nicht das Vergessen des Gewußten u. dergl. mit der Aufmerksamkeit verfolgen kann.

Where there is genuine duration, one can say to one: “Pay attention & give me a sign when it (the image, the sound, etc.) changes. There is generally an act of paying attention. Whereas one cannot observe the forgetting of what is known, and so on, with attention.

§

94r[2]

Ich gehe das Problem aber noch nicht ganz richtig an. Es ist, als wollte ich ein impressionistisches Bild malen, wäre aber noch zu befangen in der alten Malweise & malte daher trotz allen Bemühens immer noch, was man nicht sieht. Ich trachte z.B. weit mehr in's Detail zu gehen, als ich müßte & sollte.

But I am not yet approaching the problem quite correctly. It is as if I wanted to paint an impressionistic picture, but I am still too caught up in the old way of painting & therefore, despite all my efforts, I am still painting what one does not see. For example, I try to go into much more detail than I need to and should.

§

94r[3]

17.12.1947

Was ich hier tue, ist eigentlich auf Sprachspiele hinzuweisen, die den Unterschied der Begriffe demonstrieren.

17.12.1947

What I am doing here is actually pointing to language-games that demonstrate the difference between the concepts.

§

94r[4] &
94v[1]

Denk an das Sprachspiel: Bestimm mit der Stoppuhr, wie lange der Eindruck dauert. Man könnte so nicht die Dauer des Wissens, Könnens, Verstehens bestimmen.

Think of the language-game: Determine with the stopwatch how long the impression lasts. One could not determine the duration of knowledge, skill, or understanding in this way.

§

94v[2]

“Aber die Verschiedenheit von Wissen & Hören liegt doch nicht einfach in so einem Merkmal, wie die Art ihrer Dauer. Sie sind doch ganz & gar grundverschieden!” Freilich. Aber man kann eben nicht sagen: “Wisse & höre, & Du wirst den Unterschied merken!”

“But the difference between knowledge & hearing does not simply lie in a characteristic like the nature of their duration. They are quite different!” Of course. But one cannot say: “Know & hear, & you will notice the difference!”

§

94v[3]

Man kann nicht das Wissen & das Hören betrachten & sehen, wie verschieden sie sind. Wie man nicht Fichtenholz & einen Tisch betrachten kann, um einen Eindruck von ihrer Verschiedenheit zu kriegen.

One cannot look at knowledge & hearing & see how different they are. Just as one cannot look at fir wood & a table to get an impression of their difference.

§

94v[4] &
95r[1]

Wenn ich, um mir den Unterschied der Begriffe ‘Wissen’ & ‘Sehen’ vorzuführen, das Sprachspiel mit der Stoppuhr z.B. anwende, so macht dies allerdings den Eindruck, als zeigte ich eine sehr dünn Unterscheidung, wo die wirkliche doch unermeßlich groß ist. Aber dieser enorme Unterschied liegt eben darin (so möchte ich immer sagen), daß die beiden Begriffe ganz anders in unsern Sprachspielen eingebettet sind. Und der Unterschied auf den ich aufmerksam machte, war eben nur ein Hinweis auf diese durchgehende Verschiedenheit.

If I, in order to demonstrate the difference between the concepts ‘knowledge’ & ‘seeing’, apply the language-game with the stopwatch, for example, then this gives the impression that I am showing a very thin distinction, where the real one is immeasurably large. But this enormous difference lies precisely in the fact (as I would always like to say) that the two concepts are embedded in our language-games in completely different ways. And the difference that I draw attention to is only an indication of this continuous difference.

§

95r[2] &
95v[1]

Das Kind lernt “Ich weiß das jetzt” & “Ich höre das jetzt”; aber Gott! wie verschieden die Anlässe, die Anwendung, Alles! Wie kann man den Gebrauch überhaupt vergleichen? Es ist schwer, zu sehen, wie man sie zusammenstellen soll, um Unterschiede anzugeben. Wo der Unterschied so groß ist, da ist es schwer auf eine Unterscheidung hinzuweisen.

The child learns “I know that now” & “I hear that now”; but God! how different the occasions, the application, everything! How can one compare the use at all? It is difficult to see how one can put them together in order to indicate differences. Where the difference is so great, it is difficult to point to a distinction.

§

95v[2] &
96r[1]

Denk Dir einfache Sprachspiele mit den Worten “Ich sehe” & “Ich verstehe”. ↓ Im ersten Fall würde z.B. Einer abgerichtet, zu melden, wann ein gewisser Gegenstand seine Farbe wechselt. Die Meldungen wären etwa “Ich sehe rot”, “Ich sehe grün”, etc.. Auch den zweiten Fall kann man sich ausmalen. – Und nun werden Sehen & Verstehen seelische Zustände genannt & es wird gefragt, worin der begriffliche Unterschied liegt. – Was soll ich da antworten? Ich könnte etwa darauf hinweisen, in welchen Sprachspielen man diese Wörter verwendet. Ich kann aber doch den Unterschied in der Verwendung nur andeuten, weil ich eben auch die Verwendungen nur skitzieren kann. Ich kann sagen “So & ähnlich wird dieses Wort verwendet, so & ähnlich jenes.”

Die Vergleichbarkeit ist schwer zu sehen; nicht der Unterschied.

Think of simple language-games with the words “I see” & “I understand”. ↓ In the first case, for example, someone would be trained to report when a certain object changes its color. The reports would be something like “I see red,” “I see green,” etc. One can also imagine the second case. – And now seeing & understanding are called mental states & it is asked what the conceptual difference lies in. – What should I answer? I could point out in which language-games these words are used. But I can only indicate the difference in use, because I can only sketch the uses. I can say “This word is used in this way & that word in that way.”

The comparability is difficult to see; not the difference.

§

96r[2]

Halt Dir eine philosophische Frage vom Leibe.

Keep a philosophical question at arm’s length.

§

96r[3]

Welche närrische Frage: “Was geht Einem ab, der das nicht kann?” (Bedeutungsblindheit). Man will ja nicht die kausalen Folgen dieses Mangels kennen lernen. Also, möchte man glauben, die Antwort müßte sein: “Daß er das nicht kann.” Was wir aber hören möchten, ist: was für Mängel diesem verwandt zu nennen wären. Die Frage ist eine über begriffliche Ähnlichkeiten & Unähnlichkeiten.

What a foolish question: “What is wrong with someone who can’t do that?” (A blindness to meaning). One doesn’t want to learn about the causal consequences of this deficiency. So, one would like to believe, the answer should be: “That he can’t do it.” But what we would like to hear is: what deficiencies would be related to this. The question is about conceptual similarities & dissimilarities.

§VB

96r[4]

Wer zu viel weiß, für den ist es schwer nicht zu lügen.

For someone who knows too much, it is difficult not to lie.

§

96r[5]

Wenn meine Umgebung einfärbig wäre, könnte ich ein Farbwort gebrauchen lernen? Hätte ich Anlaß es zu gebrauchen? Könnte ich also sagen, es sei alles einfärbig?

If my surroundings were uniformly colored, could I learn to use a color word? Would I have a reason to use it? Could I then say that everything is uniformly colored?

§VB

96v[1]

[Ich habe eine solche Angst davor, daß jemand im Hause Klavier spielt, daß ich, wenn es geschehen ist & das Klimpern aufgehört hat, noch eine Art Halluzination habe, als ginge es weiter. Ich kann es dann ganz deutlich hören, obwohl ich weiß daß es nur in meiner Einbildung ist.]

[I have such a fear that someone in the house plays the piano that, when it happens & the clattering stops, I still have a kind of hallucination, as if it were continuing. I can then hear it quite clearly, even though I know that it is only in my imagination.]

§

96v[2]

18.12.1947

Wir aber denken nicht an ‘sehen’ & ‘verstehen’, sondern an den Unterschied zwischen Bewußtseinszuständen & Dispositionen im Allgemeinen. Wir müßten uns also auf etwas besinnen, was allen Bewußtseinszuständen gemeinsam ist & sie alle von Dispositionen unterscheidet.

12.18.1947

But we are not thinking of ‘seeing’ & ‘understanding’, but of the difference between states of consciousness & dispositions in general. We would therefore have to consider something that all states of consciousness have in common & that distinguishes them all from dispositions.

§

96v[3]

Der gemeinsame Unterschied aller Bewußtseinszustände von den Dispositionen scheint mir zu sein, daß man sich nicht durch Stichproben überzeugen muß, ob sie noch andauern.

The common difference of all states of consciousness from dispositions seems to me to be that one does not have to be convinced by sampling whether they are still continuing.

§

96v[4] &
97r[1]

Wie soll ich es nennen, wenn man den Glauben, die Erwartung, für eine Vorbereitung des Organismus, des Nervensystems, auf ein Ereignis der Außenwelt hält; oder wenn man denkt die Absicht sei ein Erlebnis, weil eine Vorstellung des Beabsichtigens den Entschluß begleiten könnte, & dergl.? Es ist eine Vermengung der Kategorien. Ein nicht-Unterscheiden der Begriffsarten & Hinneigen dazu, eine bestimmte Begriffsart für alle andern zu substituieren. Ein nicht-Verstehen unserer Sprachlogik. Ein Mißverstehen der Begriffe. Ein begriffliches Mißverständnis. Gewisse Begriffsarten sind uns leichter verständlich als andere, sind in gewissem Sinne primitiver & müssen nun überall zur Erklärung herhalten.

How should I call it when one considers belief, expectation, as a preparation of the organism, the nervous system, for an event in the external world; or when one thinks that intention is an experience, because an image of intending could accompany the decision, and so on? It is a mixing of categories. A failure to distinguish between types of concepts & a tendency to substitute a particular type of concept for all others. A failure to understand our logic of language. A misunderstanding of the concepts. A conceptual misunderstanding. Certain types of concepts are easier for us to understand than others, are in a certain sense more primitive & must now be used everywhere for explanation.

§

97r[2]

Mir fehlt hier eine gute, bündige Ausdrucksweise. Ich bin undeutlich, mein Sinn trüb, hie & da aufflackernd.

I lack a good, concise way of expressing myself here. I am unclear, my sense is murky, flickering here & there.