Ms-162a
German (epub, pdf) | German/English
Do not quote from or cite this translation!
§
1[1] &2[1]
Ich entfalte doch die geometrischen Eigenschaften dieser Kette auch indem ich die Umformungen einer andern gleich gebauten Kette vorführe. Aber dadurch zeige ich doch nicht was ich tatsächlich mit der ersten tun kann, wenn diese sich nämlich tatsächlich als unbiegbar oder sonst wie physikalisch ungeeignet erweist. Also kann ich doch nicht sagen: ich entfalte die Eigenschaften dieser Kette.
I do unfold the geometric properties of this chain by demonstrating the transformations of another chain built in the same way. But by doing so, I do not show what I can actually do with the first chain, if it turns out to be actually inflexible or otherwise physically unsuitable. So, I cannot say: I unfold the properties of this chain.
§
2[2]Wie kann man den Eigenschaften der Kette entfalten, die sie gar nicht hat?
How can one unfold the properties of a chain that it does not even have?
§
2[3] &3[1]
‘Wir entfalten die Eigenheiten des hier gezogenen Vielecks.’ Nehmen wir an das Vieleck wäre aus Draht gebogen, statt gezeichnet; wären wir noch (ebenso) geneigt zu sagen: wir entfalteten die Eigenschaften des gebogenen Drahtes? Wir entfalten sie soll hier doch heißen, wir führen sie vor Augen, machen sichtbar, was früher nicht deutlich war.
‘We unfold the characteristics of the polygon drawn here.’ Suppose the polygon were bent from wire instead of drawn; would we still be inclined to say: we are unfolding the properties of the bent wire? Here, ‘unfolding’ should mean: we present it, make visible what was not previously clear.
§
3[2] &4[1]
Ich messe einen Tisch & er ist 1 m lang. – Nun lege ich meinen Meterstab an einen andern Meterstab. Messe ich ihn dadurch? Finde ich daß jener zweite Meterstab 1 m lang ist? Mache ich das gleiche Experiment der Messung nur mit dem Unterschied daß ich des Ausgangs sicher bin?
I measure a table & it is 1 m long. – Now I place my meter stick against another meter stick. Do I measure it in this way? Do I find that the second meter stick is 1 m long? Am I doing the same experiment of measurement, only with the difference that I am certain of the starting point?
§
4[2] &5[1]
Ja wenn ich den Maßstab an den Tisch anlege, messe ich immer den Tisch, kontrolliere ich nicht manchmal den Maßstab? Und worin liegt der Unterschied des Vorgehens?
Yes, if I place the standard against the table, I always measure the table, but do I not sometimes check the standard? And what is the difference in the procedure?
§
5[2]Ich entfalte die Eigenschaften dieses Vielecks, heißt hier, ich zeige, z.B., daß es 15 Ecken hat. Ähnlich als sagte ich: ich entfalte die Länge & Breite dieses Papiers indem ich das Papier auseinanderfalte.
To unfold the properties of this polygon means, for example, to show that it has 15 corners. Similar to saying: I unfold the length & width of this paper by unfolding the paper.
§
5[3]Das Entfalten ist hier eine Art Zählen.
The unfolding here is a kind of counting.
§
6[1]Das Experiment des Entfaltens einer Reihe kann uns, unter anderem, zeigen aus wie vielen Kugeln die Reihe besteht, oder aber, daß wir diese (sagen wir) 100 Kugeln so & so bewegen können. Die Rechnung aber des Entfaltens zeigt uns was wir eine Umformung durch bloßes Entfalten nennen.
The experiment of unfolding a series can show us, among other things, how many balls the series consists of, or that we can move these (let’s say) 100 balls in this way or that. However, the calculation of the unfolding shows us what we call a transformation by mere unfolding.
§
6[2] &7[1] &
8[1]
“Ich entfalte die Eigenschaften dieser Kette, ich zeige, was man alles aus ihr machen kann.” – Was man alles durch bloßes Biegen in den Gelenken aus ihr machen kann. Nun ich könnte sagen: ich zeige nicht nur physikalische, sondern auch geometrische Eigenschaften der Kette. Könnte man sagen: Die Glieder dieser Kette sind zwar so zusammengeschweißt, daß man sie nicht in diese Stellung bringen kann, aber es ist doch eine geometrische Eigenschaft dieser Kette daß man sie in diese Stellung bringen kann.
“I unfold the properties of this chain, I show what can be done with it.” – What can be done with it by merely bending it at the joints. Now, I could say: I am not only showing physical, but also geometric properties of the chain. Could one say: The links of this chain are welded together in such a way that they cannot be brought into this position, but it is still a geometric property of this chain that it can be brought into this position.
§
8[2]Höchstens, daß man sie … bringen könnte, wenn die Glieder nicht ….
At most, that it could be brought … if the links were not ….
§
8[3]Die Eigenschaft ist etwa die, daß die Kette aus 10 Gliedern besteht.
The property is, for example, that the chain consists of 10 links.
§
8[4] &9[1]
“Ich zeige Dir was man alles aus dieser Kette machen kann.” Dabei nehme ich als selbstverständlich an, daß die Glieder sich bewegen lassen nicht brechen, sich nicht vermehren etc. – Zeige ich Dir nun nicht Eigenschaften der Kette? Aber welche von den vielen Eigenschaften der Kette zeige ich? Ist es denn noch eine Kette, wenn sie – aus irgend einem Grunde – steif ist, wie ein Stab?
“I will show you what can be done with this chain.” In doing so, I take it for granted that the links can move, do not break, do not multiply, etc. – Am I not showing you properties of the chain? But which of the many properties of the chain am I showing? Is it still a chain if it is – for some reason – stiff, like a rod?
§
10[1] Stimmt die Logik mit 2 × 2 = 4 überein? Man kann 2 × 2 = 4 mit ihr in Übereinstimmung bringen, aber auch 2 × 2 = 5.
Does logic agree with 2 × 2 = 4? One can bring 2 × 2 = 4 into agreement with it, but also 2 × 2 = 5.
§
10[2]Stimmt 2 × 2 = 4 mit dem logischen Kalkül überein? Man kann 2 × 2 = 4, aber auch 2 × 2 = 5, mit ihm in Übereinstimmung bringen. (Und ich meine: 2 × 2 = 5 kann unter Umständen ein brauchbares arithmetisches Sätzchen sein.)
Does 2 × 2 = 4 agree with logical calculus? One can bring 2 × 2 = 4, but also 2 × 2 = 5, into agreement with it. (And I mean: 2 × 2 = 5 can, under certain circumstances, be a useful arithmetic sentence.)
§
10[3] &11[1]
Aber es kann doch nicht 2 × 2 = 4 & 2 × 2 = 5 wahr sein, es sei denn, daß “2” oder ‘ × ’ oder ‘ = ’ in den beiden Systemen verschiedenes bedeuten! Soll das heißen: daß in einem Fall 2 × 2 = 4 im andern 2 × 2 = 5 ist sei das Kriterium dafür, daß in den beiden jene Zeichen verschiedene Bedeutung hätten. Oder lehrt die Erfahrung, daß unter solchen Umständen die Zeichen immer verschiedene Bedeutung haben? Davon später mehr.
But it cannot be true that 2 × 2 = 4 & 2 × 2 = 5, unless “2” or ‘ × ’ or ‘ = ’ have different meanings in the two systems! Does this mean that in one case 2 × 2 = 4, in the other 2 × 2 = 5, is the criterion for the fact that in the two, those signs have different meanings? Or does experience teach that, under such circumstances, the signs always have different meanings? More on that later.
§
12[1]Was nennen wir Eigenschaften einer Zahl, Eigenschaften eines Satzes?
What do we call the properties of a number, the properties of a sentence?
§
12[2] &13[1]
Damit daß wir ein Begriffswort bilden z.B. “mathematischer Satz” & für das Wort auch eine Verwendung haben, die uns geläufig ist, sind wir noch nicht im Stande zu sagen, wie wir, gegeben die rechten Umstände, geneigt sein werden es anzuwenden.
D.h. wenn ich eine neue Situation an Dich heranbringe wirst Du eine neue Entscheidung über seinen Gebrauch treffen müssen, oder auch erkennen, daß Du ‘nicht umhin kannst’ es hier so zu gebrauchen, hier diesen Weg einzuschlagen. (Etwa zu sagen “es gibt keine Konstruktion der Dreiteilung des ∢ mit Lineal & Zirkel”.)
Thus, the fact that we form a concept word, e.g., “mathematical sentence,” and also have a use for that word that is familiar to us, does not yet enable us to say how, given the right circumstances, we will be inclined to apply it.
That is to say, if I bring a new situation to your attention, you will have to make a new decision about its use, or also recognize that you ‘cannot avoid’ using it in this way, following this path. (For example, to say “there is no construction of the trisection of the angle with ruler and compass.”)
§
13[2] &14[1]
Und so bringt auch Cantors Beweis eine neue Situation an uns hervor & die Frage ist: “Was sollen wir nun sagen?”
And so, Cantor’s proof also brings a new situation to our attention, and the question is: “What should we say now?”
§
14[2][Auch Kontradiktionen könnten unter Umständen richtig, oder wahr, genannt werden.]
[Even contradictions could, under certain circumstances, be called correct or true.]
§
14[3][Zu zeigen, daß die internen Beziehungen von Sätzen, die ‘Operationen’ die einen Satz aus einem andern erzeugen, nicht ‘abzählbar’ sind. Dadurch fällt ein Licht auf den Begriff ‘Operation’.]
[To show that the internal relationships of sentences, the ‘operations’ that generate one sentence from another, are not ‘countable’. This sheds light on the concept of ‘operation’.]
§
15[1][Freiheit]
[Freedom]
§
15[2][“Bist Du Dir auch des Unterschiedes bewußt … ”]
[“Are you also aware of the difference…?”]
§
15[3]Ist ein Kalkül allgemeiner als ein andrer? Worin besteht die ‘Allgemeinheit’ des Mengenkalküls? Nicht darin, daß er ein einfaches Bild einer Klasse andrer (‘spezieller’) Kalküle ist? Ist er ohne Beziehung auf diese auch allgemein?
Is one calculus more general than another? In what does the ‘generality’ of set theory consist? Not in the fact that it is a simple picture of a class of other (‘more specific’) calculi? Is it general even without reference to these?
§
16[1] &17[1]
Worin besteht die ‘enlightened simple-mindedness’ von der Littlewood spricht? Besteht sie nicht darin zu glauben, daß die sogenannte allgemeine mathematische Untersuchung Wahrheiten ans Licht bringt, die von den spezielleren Untersuchungen nur noch ins Kleine ausgeführt werden. Während der allgemeine Kalkül nur dadurch ‘allgemein’ ist daß er sich auf spezielle Kalküle bezieht. Weil in der Mathematik nichts im Wort liegt sondern alles im Kalkül. D.h. weil das Zeichen in die reine Mathematik keine andre Bedeutung mitbringt, als der Kalkül selbst sie ihm gibt.
In what does the ‘enlightened simple-mindedness’ that Littlewood speaks of consist? Does it not consist in believing that the so-called general mathematical investigation brings truths to light that are only carried out on a smaller scale in the more specific investigations? While the general calculus is ‘general’ only in that it refers to specific calculi. Because in mathematics, nothing lies in the word, but everything lies in the calculus. That is to say, because the sign brings no other meaning into pure mathematics than the calculus itself gives it.
§
17[2] &18[1]
Die Mathematik besteht nicht aus Betrachtungen. Und ‘abstrakt’ kann man einen Teil der Mathematik nur nennen, insofern seine Anwendung zwar angedeutet aber vag gelassen ist.
Mathematics does not consist of contemplations. And one can only call a part of mathematics ‘abstract’ insofar as its application is indicated but left vague.
§VB
18[2][Was fehlt der Mendelssohnschen Musik? Eine ‘mutige’ Melodie?]
[What is missing from Mendelssohn’s music? A ‘bold’ melody?]
§
18[3] &19[1]
Wenn Du sagst: “aber Mathematik muß doch eine Art der Physik sein!”, so sage ich: dann ist sie eine Physik ihrer Symbole, d.h., sie hat ihre physikalische Bedeutung (Pascal) für die Symbole die Bilder, die sie empfiehlt.
If you say: “But mathematics must be a kind of physics!”, then I say: then it is a physics of its symbols, i.e., it has its physical meaning (Pascal) for the symbols, the images that it recommends.
§
19[2]‘Diese Überlegung zeigt, …’ Wie kann eine Überlegung etwas zeigen?
‘This consideration shows that…’ How can a consideration show something?
§
19[3]D.h. ich wünsche, daß Du Dir die Mathematik in jedem Stadium als komplett (Referrent), & jeden neuen Kalkül nicht als eine Entdeckung sondern als neue Erfindung denkst.
That is to say, I want you to think of mathematics at every stage as complete (referent), and every new calculus not as a discovery but as a new invention.
§
20[1]‘Ich will Dir in dieser Menge von Operationen ein Loch zeigen.’
‘I want to show you a hole in this set of operations.’
§
20[2]06.01.1939
Zu welchem alltäglichen Zwecke ließe sich die Cantorsche Rechnungsart gebrauchen? Es ist leicht verständlich im Fall einer endlichen Anzahl von Zahlen.
06.01.1939
For what everyday purpose could Cantor’s method of calculation be used? It is easily understood in the case of a finite number of numbers.
§
21[1]Wir wollen uns die Cantorsche Bildungsweise von D' eingeführt denken zu einem praktischen Zweck. (Dies natürlich aus Gründen der Klärung unsrer Grammatik, & es darf daher diese praktische Anwendung eine noch so phantastische sein.)
We want to imagine Cantor’s method of introducing D' for a practical purpose. (This is, of course, for reasons of clarifying our grammar, and therefore this practical application may be as fantastic as possible.)
§
21[2] &22[1]
Als erstes fällt mir ein das Cantorsche Verfahren als Lösung eines Scherzrätsels. Ich sage: “ich habe alle Kombinationen von Stellen in unendlichen Reihen angeschrieben – zeige mir eine Kombination die ich nicht angeschrieben habe.”
The first thing that occurs to me is to use Cantor’s method as a solution to a riddle. I say: “I have written down all the combinations of digits in infinite sequences – show me a combination that I have not written down.”
§
22[2] &23[1]
Eins ist klar: Wenn jemand sagte: “Wer weiß– vielleicht kann man gar keine reellen Zahlen außer diesen mehr bilden, weil schon alle Kombinationen von Stellen erschöpft sind” – so kann man ihm, nach Cantor, antworten: Nein, denn wenn Du ein Gesetz angibst, das D' erzeugt so wirst Du sagen, daß es eine von allen diesen verschiedene Zahl erzeugt.
One thing is clear: If someone said: “Who knows – perhaps one can no longer form any real numbers other than these, because all the combinations of digits have already been exhausted,” – then, according to Cantor, one can answer him: No, because if you give a rule that generates D', then you will say that it generates a number that is different from all of these.
§
23[2] &24[1]
Das heißt: die Cantorsche Demonstration ist eine richtige Antwort auf jenen unsinnigen Einwand. Aber nicht, weil sie eine neue Kombination zeigt, die man früher nicht gesehen hatte, sondern weil sie zeigt, was man in so einem Fall, eine von allen diesen verschiedene Zahl nennt & was hier also ‘Bildung einer neuen Kombination’ zu nennen wäre.
That is to say: Cantor’s demonstration is a correct answer to that nonsensical objection. But not because it shows a new combination that one had not seen before, but because it shows what one calls a number different from all of these in such a case, and what would therefore be called ‘the formation of a new combination’ here.
§
24[2]Es kann z.B. einen Beweis geben, daß π von den algebraischen Zahlen ‘diagonal verschieden’ ist.
For example, there may be a proof that π is ‘diagonally different’ from the algebraic numbers.
§
25[1] &26[1] &
27[1]
Unser Ausdruck muß nur dort von einer besonderen Exaktheit sein, wo sie den psychologischen Punkt genau treffen muß. Wir verfassen kein gerichtliches Dokument, in dem wir der Gegenpartei jeden Einwand verstopfen wollen. Denn wer sich nicht gutwillig überzeugen läßt, den wollen wir gar nicht überzeugen.
Our expression need only be of particular precision where it must accurately capture the psychological point. We are not drafting a legal document in which we want to block every objection from the opposing party. For if someone cannot be persuaded by good will, we do not want to persuade them at all.
§
27[2][Hierher gehört auch der Satz von den ‘Fahrgeleisen’.]
[This also includes the sentence about ‘guide rails’.]
§
27[3] &28[1]
Nun geht aber Cantor ja noch weiter: er sagt nicht nur, man könne keinen Grund haben zu sagen: dies seien nun alle reelle Zahlen; sondern, er zeigt uns auch eine reelle Zahl die von allen diesen verschieden sei; nämlich die Zahl “diagonal verschieden von …”.
Now, Cantor goes even further: he not only says that one cannot have any reason to say: ‘these are now all the real numbers’; but he also shows us a real number that is different from all of these; namely, the number ‘diagonally different from...’.
§
29[1] &30[1]
Warum verwendet z.B. Hardy nicht die logische Demonstration, wenn er zeigen will, es gäbe außer den rationalen noch andere Zahlen? – Etwa weil das Argument auf dieser Stufe zu schwierig ist? Nicht darum, weil, was dabei herauskommt, nicht eigentlich wie eine weitere Zahl aussieht? (Er hätte auch die Zahl 0˙01001000100001 … anführen können die offenbar kein periodischer Dezimalbruch ist.) Er wollte etwas vorzeigen, womit man mißt.
Why, for example, does Hardy not use the logical demonstration when he wants to show that there are other numbers besides the rational ones? – Perhaps because the argument is too difficult at this level? No, because what results from it does not actually look like another number? (He could also have cited the number 0.01001000100001…, which is clearly not a periodic decimal.) He wanted to present something with which one can measure.
§
30[2]Der allgemeine Satz mag sagen, was alle speziellen sagen, aber die allgemeine Technik tut nicht was alle besonderen Techniken tun.
The general sentence may say what all the specific sentences say, but the general technique does not do what all the specific techniques do.
§
30[3] &31[1]
Indem ich Dich lehre einen Ziegelstein auf einen andern zu legen, lehre ich Dich nicht ein Haus bauen, – da ich Dich doch die allgemeine Form des Häuserbauens gelehrt habe.
By teaching you to place one brick on top of another, I do not teach you to build a house, – since I have already taught you the general form of house building.
§
31[2]Wir sagen: Wenn man von einer Technik des Entwickelns zeigen kann, daß ihre Resultate mit denen eines Systems von Entwicklungen diagonal nicht übereinstimmen, so sagen wir: die Technik habe ein von den Entwicklungen des Systems verschiedenes Resultat.
We say: If one can show, by means of a technique of development, that its results do not diagonally agree with those of a system of developments, then we say: the technique has a result different from the developments of the system.
§
32[1]Kann man also zeigen, daß die Entwicklung von √2 mit den Entwicklungen der Brüche diagonal nicht übereinstimmt, so sagt man: √2 erzeuge eine von jenen andern verschiedene Entwicklung.
So, if one can show that the development of √2 does not diagonally agree with the developments of the fractions, then one says: √2 generates a development different from those others.
§
32[2] &33[1]
Wie ist es nun mit der Technik des Entwickelns: ‘Addiere 1 zu jeder Stufe der Diagonale des Systems.’ Das ist doch eine Technik des Entwickelns. Und ist es nicht wahr, daß ihre Resultate diagonal mit den Entwicklungen des Systems nicht übereinstimmen? – Die Umstände sind hier ganz anders, (ich habe eine ganz neue Art der Regel eingeführt) also muß ich hier nicht dasselbe sagen. Aber ich kann dasselbe sagen & also D'S eine von allen Zahlen des Systems verschiedene Zahl nennen.
But what about the technique of development: ‘Add 1 to each stage of the diagonal of the system.’ This is a technique of development. And is it not true that its results do not diagonally agree with the developments of the system? – The circumstances here are quite different (I have introduced a completely new type of rule), so I do not have to say the same thing here. But I can say the same thing & thus call D'S a number different from all the numbers of the system.
§
33[2] &34[1] &
35[1]
Woher aber das eigentümliche Gefühl, daß zwar √2 eine Zahl sei, weil sie – wie ich zu sagen versucht bin – ihre ganze unendliche Entwicklung schon voraussieht, dagegen D'S eigentlich keine Zahl sei, weil hier immer nur das Stück vorhanden ist, was ich gerade bilde? – Aber worin liegt es denn, daß die √2 (z.B.) ‘ihre ganze Entwicklung voraussieht’? Oder, daß die √2 – sozusagen – schon fertig ist, schon fertig da ist, wenn auch ihre Entwicklung nur im Gang ist?
But where does the peculiar feeling come from that, although √2 is a number because it – as I have tried to say – already foresees its entire infinite development, D'S is not really a number because here only the piece that I am currently forming exists? – But what is it that the √2 (for example) ‘foresees its entire development’? Or that the √2 – as it were – is already finished, already fully there, even if its development is only in progress?
§
35[2] &36[1]
Oder: Wie kommt es, daß wir nicht versucht sind zu sagen, die Zahl π kennen wir nur beiläufig, da wir ihr Zahlzeichen nie ganz anschreiben können. Warum erscheint uns hier die Entwicklung gleichsam als ein Nebenprodukt der Zahl; während die Entwicklung im Fall D'S das ein & alles der Zahl zu sein scheint? Doch offenbar, weil im Fall von π das Bilden der Entwicklung wirklich nur ein kleiner Teil des Kalküls mit π ist, weil also das Zeichen π in einem ausgedehnten Kalkül eingebettet ist (der ihm seine Bedeutung gibt), während D'S nichts weiter ist als eine Technik zur Bildung von Dezimalstellen.
Or: How is it that we are not tempted to say that we only know the number π superficially, since we can never write down its number sign completely. Why does the development seem to us almost as a byproduct of the number; while in the case of D'S, the development seems to be the one and only thing of the number? But obviously, because in the case of π, the formation of the development is really only a small part of the calculus with π, because the sign π is thus embedded in an extended calculus (which gives it its meaning), while D'S is nothing more than a technique for forming decimal places.
§
36[2] &37[1] &
38[1]
“Der Kalkül gibt dem Zeichen seine Bedeutung” heißt: Der Kalkül zeigt, wozu ein Zeichen dient – nicht sein Aussehen, nicht ein Bild das sich mit ihm verbindet, nicht ein Teil bloß des Kalküls. (So wie man sagen kann: wenn Du die Konstruktion eines Hauses verstehen willst schau nicht nur auf die Fassade – obwohl diese manchmal über den Bau Aufschluß geben kann.)
‘The calculus gives the sign its meaning’ means: The calculus shows what a sign is used for – not its appearance, not an image that is associated with it, not just a part of the calculus. (Just as one can say: if you want to understand the construction of a house, don’t just look at the facade – although this sometimes can give you an idea of the building.)
§
38[2] &39[1]
Angenommen, wir hätten nur mit periodischen Dezimalbrüchen gerechnet; & nun wäre auf diese Grundlage die Cantorsche Erfindung gesetzt worden – ist es klar, daß wir uns entschlossen hätten, die neuen Regeln zur Bildung von Ziffernreihen ‘Zahlen’ zu nennen? Hätte man sie etwa neue ‘Brüche’ genannt?
Suppose we had only calculated with periodic decimals; and now the Cantorian invention had been placed on this basis – is it clear that we would have decided to call the new rules for forming number sequences ‘numbers’? Would one have called them new ‘fractions’?
§
39[2]Es ist die große Diversität dessen, was wir reelle Zahlen nennen, was uns die Zahlen D'S schlucken läßt.
It is the great diversity of what we call real numbers that makes us swallow the numbers D'S.
§
39[3]“… also müßte ich hier nicht dasselbe sagen” – d.h.: hier ist der Weg durchaus nicht klar vorgezeichnet.
“... so I don’t have to say the same thing here” – that is to say: the path is not at all clearly laid out here.
§
39[4] &40[1] &
41[1] &
42[1]
Wenn ich nun aber erkläre auch die Regel D'S habe als Zahl zu gelten – – aber eh' ich darauf eingehe: Muß nicht die Regel D'S jedenfalls als neue Regel gelten? Ja, aber das ist DS auch. Es muß heißen: Ist nicht das Resultat der neuen Regel jedenfalls ein neues Resultat? D.h.: ich brauche es nicht Zahl zu nennen, muß aber doch zugeben, daß ich eine neue Extension vor mir habe. Aber eine Extension ist die Extension nur von einer Regel; & ich machte die Übereinkunft, etwas eine von den Extensionen von S verschiedene Extension einer Regel zu nennen, wenn es sich zeigen ließe, daß die Extension ein D'S sei (D'S ist Prädikat). Und da kommt es drauf an was ich “Regel” & “zeigen lassen” nennen will. Ich könnte ohne weiteres sagen: ich wolle nicht sagen es ‘ließe sich zeigen’, daß ein D' sei. Aber ich kann wieder ein D' nennen & also sagen, ich habe vermittels der Cantorschen Methode eine Regel mit neuer Extension abgeleitet. Und dann habe ich also einen Begriff der Regel gebildet, den man nicht in ein System ordnen kann.
Now, if I were to explain that the rule D'S should also be considered a number – but before I get to that: mustn’t the rule D'S, in any case, be considered a new rule? Yes, but that is also what DS is. It must be said: isn’t the result of the new rule, in any case, a new result? That is, I don’t need to call it a number, but I must admit that I have a new extension in front of me. But an extension is only the extension of a rule; and I made the agreement to call something an extension of a rule that is different from the extension of S, if it can be shown that the extension is one of the D'S (D'S is a predicate). And then it depends on what I want to call “rule” and “show”. I could easily say: I don’t want to say that it ‘can be shown’ that is a D'. But I can again call a D' and thus say that I have derived a rule with a new extension by means of Cantor’s method. And then I have formed a concept of the rule that cannot be arranged in a system.
§
42[2]Und das ist nun nichts so besonderes.
And that is nothing so special.
§
43[1](Sandhaufen, nächst größere Länge etc.)
(Heap of sand, next larger length, etc.)
§
43[2]08.01.1939
08.01.1939
§
43[3]§
43[4]Wie zeigt man, daß … alle Permutationen von a b c d sind? Wie zeigt man daß man … so in eine Reihe ordnen kann?
How do you show that… all the permutations of a b c d are? How do you show that you can arrange them in a row?
§
43[5] &44[1]
Es müßte heißen: Nun führen wir einen Begriff ein, von dem es keinen Sinn hat zu sagen, er werde in ein System gebracht. (Nicht eine Entdeckung – eine Erfindung.)
It should be said: Now we introduce a concept for which it makes no sense to say that it is brought into a system. (Not a discovery – an invention.)
§
44[2]Jede ‘Eigenschaft einer Zahl’ entspricht einer endlosen Technik des Erzeugens einer Zahl aus andern. Wenn man nun solche Techniken in eine Reihe ordnet, so zeigt uns die Reihe neue Techniken an.
Every ‘property of a number’ corresponds to an endless technique of generating a number from others. If one now arranges such techniques in a row, then the row shows us new techniques.
§
45[1]Eine Eigenschaft einer Zahl, (das) ist – möchte ich sagen – ihre Beziehung zu andern Zahlen.
A property of a number, – I would like to say – is its relationship to other numbers.
§
45[2]09.01.1939
Wir behandeln die Grammatik des Wortes “Technik”.
09.01.1939
We are examining the grammar of the word “technique”.
§
45[3] &46[1]
Wenn wir sagen: “Die Differentialrechnung handelt gar nicht von unendlich Kleinem”, so müßte es vor allem heißen, daß eine Rechnung noch nicht von etwas handelt; dann aber daß die charakteristische Anwendung der Rechnung sich nicht, – wie der Ausdruck “unendlich klein” erwarten läßt – auf winzig Kleines richtet. Aber ebenso richtet sich die Anwendung der Mengenlehre nicht auf ungeheure Mengen!
If we say: “Differential calculus does not deal with the infinitely small at all,” then it must primarily mean that a calculation does not yet deal with something; but then that the characteristic application of the calculation is not, – as the expression “infinitely small” suggests – directed at something tiny. But likewise, the application of set theory is not directed at enormous sets!
§
46[2] &47[1]
Kann ich sagen: “Wenn ich horizontale Techniken gelernt habe & die Technik der Bildung neuer in vertikaler Richtung, so habe ich damit die Technik der Bildung von DS oder D'S gelernt”? – Nun, habe ich sie denn damit schon gelernt? Nein. – Aber Cantor lehrt sie mich durch sein Schema, (das ja neu ist.) D.h.: dieses Schema bringt auf neue Möglichkeiten von Operationen z.B. auf die von DS, & auch auf eine neue Möglichkeit der Begriffsbildung ‘Operation’.
Can I say: “If I have learned horizontal techniques and the technique of forming new ones in a vertical direction, then have I thereby learned the technique of forming DS or D'S”? – Well, have I already learned it? No. – But Cantor teaches it to me through his scheme (which is new). That is, this scheme brings new possibilities of operations, for example, to DS, and also a new possibility of concept formation ‘operation’.
§
47[2] &48[1]
“Technik, die ein von den S verschiedenes Resultat liefert” nenne ich eine, die ein D'S hervorbringt. Nach dieser Definition nun kann ich nicht sagen D'S stehe für eine Technik die ein von den S verschiedenes Resultat hervorbringt.
I call a “technique that delivers a result different from S” one that produces a D'S. According to this definition, I cannot say that D'S stands for a technique that produces a result different from S.
§
48[3] &49[1]
Es ist etwa, wie wenn Einer glaubt, jede unendliche Dezimalzahl müsse sich einmal wiederholen (& dies ist man als Anfänger manchmal geneigt zu glauben) & wir zeigen ihm nun die Reihe
0˙1011011101111 … & er verläßt seine frühere Auffassung.
It is, for example, as if someone believes that every infinite decimal number must repeat itself (and one is sometimes inclined to believe this as a beginner), and we now show him the series
0.1011011101111 … and he abandons his earlier view.
§
49[2]Es scheint Cantor lehrt mich keine neue Technik; er braucht mir nur das Bild zu zeigen, & ich kann sie schon; er nenne mir nur eine die ich schon kannte. Aber das Schema ist neu & bringt etwas neues in Vorschlag wenn wir den Vorschlag allerdings auch gleich verstehen.
It seems that Cantor does not teach me a new technique; he only needs to show me the picture, and I can already do it; he only names one that I already knew. But the scheme is new and brings something new into play, if we understand the suggestion immediately.
§
49[3] &50[1]
Wie man umgekehrt eine Technik D'S kennen könnte ohne die S zu kennen.
How, conversely, could one know a technique of D'S without knowing S.
§
50[2] &51[1]
Wie, wenn man von allen hergebrachten reellen Zahlen absieht, & mit
beginnend, Reihen D'S erzeugt (wobei immer 0 in 1 & 1 in 0 verändert wird). Ich sage nun: wenn ich das D'S immer wieder dem System hinzufüge & ein neues D'S bilde, so lassen sich die so entstehenden D'S nicht in eine Reihe ordnen. Aber die so entstehenden D'S lassen sich doch in eine Reihe ordnen.
How, if one disregards all the customary real numbers, & starting with
generates sequences of D'S (where 0 is always changed to 1 & 1 to 0). Now I say: if I repeatedly add the D'S to the system & form a new D'S, then the resulting D'S cannot be arranged in a sequence. But the thus resulting D'S can be arranged in a sequence.
§
51[2] &52[1]
Man kann ‘sie’ nicht in eine Reihe ordnen, – wer sind die sie, die man nicht ordnen kann? Ich habe eine Begriffsbestimmung gemacht, in der ich die Ordnung ausgeschlossen habe, indem ich bestimme, jede Ordnung sei immer nur als Teilordnung anzusehen; nun darin ‘kann’ man diesen Begriff nicht ordnen. Der Schein der Unmöglichkeit (des NichtKönnens) entsteht hier durch die Art wie wir den Begriff einführen. Indem die Bestimmung, die das Ordnen ausschließt, nachträglich wie eine Entdeckung über den schon fertigen Begriff eingeführt wird.
One cannot arrange ‘them’ in a sequence – who are the ‘them’ that cannot be arranged? I have made a definition in which I have excluded the ordering by stipulating that every ordering is always to be regarded only as a partial ordering; now, within this, one ‘can’ not arrange this concept. The illusion of impossibility (of not being able to) arises here through the way in which we introduce the concept. By introducing the definition, which excludes ordering, subsequently, as if it were a discovery about the already completed concept.
§
53[1]Wenn ich also jemand die Technik lehre Brüche zu bilden so habe ich ihn so viele zu bilden gelehrt wie Kardinalzahlen im Dezimalsystem! Lehre ich ihn aber die Technik, die D'S zu bilden, so lehre ich ihn mehr Zeichen bilden, als Kardinalzahlen!
So, if I teach someone the technique of forming fractions, I have taught him to form as many as there are cardinal numbers in the decimal system! But if I teach him the technique of forming the D'S, I teach him to form more signs than there are cardinal numbers!
§
53[2] &54[1]
Wenn die C'sche Demonstration etwas seltsames zum Vorschein bringt, dann eine seltsame Begriffsbestimmung. Wenn hier eine Entdeckung vorliegt, so eine psychologische.
If Cantor’s demonstration reveals something odd, then it is an odd definition. If there is a discovery here, it is a psychological one.
§
54[2] &55[1]
Es ist klar, welchen Zweck es haben kann, zu beweisen daß (z.B.) π ein D'S der algebraischen Zahlen ist: aber welchen Zweck kann es haben eine von den S verschiedene Regel wegen ihrer D'-Verschiedenheit wegen einzuführen? D.h.: wie kann man in den Fall kommen, eine von den Regeln S verschiedene Regel, bloß ihrer Verschiedenheit wegen, zu bedürfen?
It is clear what purpose it can serve to prove that (e.g.) π is a D'S of the algebraic numbers: but what purpose can it serve to introduce a rule different from S, because of its D'-difference? I.e.: how can one come to the point of needing a rule different from the rules S, merely because of its difference?
§
55[2] &56[1] &
57[1] &
58[1]
Nun, ich könnte mir den Fall denken: jeder einer Klasse von Leuten schreibt zu irgend einem Zweck sukzessive die Stellen von etc. hin; ich soll nun eine Reihe hinschreiben die einerseits auf eine andre Art als die Reihen gewonnen wird, anderseits soll ich mit Sicherheit versprechen können daß binnen so & so viel Stellen meine Reihe mit irgendeiner beliebig gewählten Reihe nicht übereinstimmen wird. Könnte man die Reihe D'S hier ein neues System der Numerierung nennen. Und zwar nicht allein ihrer Extension wegen, denn das geht nicht, aber zusammen mit ihrem Titel ‘D'S’? Man würde dann sagen: zu einer neuen Numerierung gehört erstens eine andere Technik des Erzeugens & zweitens die Nichtübereinstimmung mit den Entwicklungen des Systems binnen einer angebbaren Zahl von Stellen.
Well, I can imagine the case: everyone in a class of people successively writes down the digits of , etc., for some purpose; I am to write down a sequence that, on the one hand, is obtained in a different way than the sequences , and, on the other hand, I must be able to promise with certainty that within so many digits, my sequence will not agree with any arbitrarily chosen sequence . Could one call the sequence of D'S a new system of numeration here? And indeed not only because of its extension, because that is not possible, but together with its title ‘D'S’? One would then say: a new numeration consists, first, of a different technique of generation, & second, of the non-agreement with the developments of the system within a specifiable number of digits.
§
59[1]D'S kann man nicht ein anderes ‘Muster’ nennen als die Entwicklungen S. Z.B. in
ist D'S = 0˙0000 … aber 0˙0000 … ist nicht ein andres Muster als 0˙0000 … wenn einmal lauter 0 folgen einmal irgendwo eine 1.
One cannot call D'S a different ‘sample’ than the developments of S. For example, in
D'S = 0˙0000 …, but 0˙0000 … is not a different sample than 0˙0000 … if, once, all zeros are followed by a 1 somewhere.
§
59[2] &60[1]
Wozu dient mir eine Technik der Entwicklung, die mit allen den S diagonal nicht übereinstimmt.
What is the use of a technique of development that does not agree diagonally with all the S?
§
60[2]In der Mathematik werden Gerüste konstruiert. – – – Ob & wozu sie dann zu gebrauchen sind, ist nun eine weitere Frage.
In mathematics, structures are constructed. – – – Whether & for what purpose they can then be used is a further question.
§
60[3] &61[1]
So untersucht die Mathematik auch nicht ein Kontinuum (nämlich etwa das ‘mathematische Kontinuum’) sondern konstruiert einen Begriff des Kontinuums d.h.: sie stellt gewisse Regeln für den Gebrauch der Worte ‘Kontinuum’ ‘kontinuierlich’, etc., auf; & es fragt sich nun, ob & inwiefern, das so gebildete Spiel mit Worten nützlich ist bei der Beschreibung eines kontinuierlichen Tatbestandes.
Thus, mathematics does not investigate a continuum (namely, for example, the ‘mathematical continuum’), but constructs a concept of the continuum, i.e., it establishes certain rules for the use of the words ‘continuum’, ‘continuous’, etc.; & the question is now whether & to what extent the game with words thus formed is useful in describing a continuous state of affairs.
§
61[2] &62[1] &
63[1] &
64[1] &
65[1]
Wieviele Kardinalzahlen hat der anschreiben gelernt der (wie wir alle) gelernt hat das Dezimalsystem zu beherrschen, oder wieviele Multiplikationen hat er auszuführen gelernt? Das könnte man in zwei Weisen beantworten. Entweder indem man die Zahl der Multiplikationen nennt, die er beim Unterricht ausgeführt hat. Oder die Antwort ist: “Er kann beliebig viele Multiplikationen ausführen”. (Und nun entschließt man sich etwa dazu “beliebig viele” ein Zahlwort zu nennen.) Kann der nun mehr Rechnungen oder gleichviele Rechnungen als ich, der nicht, wie ich nur beliebige Multiplikationen, sondern auch beliebige Divisionen ausführen kann? Es scheint, er kann mehr, aber anderseits kann er doch auch nur beliebig viele Rechnungen ausführen, also ebensoviele wie ich. Was zeigt dies nun? Zeigt es irgend etwas anderes, als daß es dumm ist hier nach der Analogie mit den Zahlwörtern zu suchen, wo es offenbar verschiedene Wege gibt, die man ‘die Fortsetzung des alten Weges’ nennen kann. Und sagt man nun: wir beide hätten gleichviele Rechnungen ausführen gelernt, so ist das nicht der Ausdruck einer Entdeckung über das Wesen der Unbegrenztheit, sondern eine Bestimmung über den Gebrauch des Ausdrucks “gleich viel” in Verbindung mit dem Ausdruck “beliebig viele”. Eine Bestimmung die, wahrscheinlich, zweckmäßiger anders getroffen worden wäre.
How many cardinal numbers has the person learned who, like all of us, has mastered the decimal system, or how many multiplications has he learned to perform? One could answer this in two ways. Either by stating the number of multiplications that he performed during instruction. Or the answer is: “He can perform any number of multiplications.” (And now one might decide to give “any number” a numerical value.) Can he now perform more calculations or the same number of calculations as I, who can perform not only any number of multiplications, but also any number of divisions? It seems that he can perform more, but on the other hand, he can only perform any number of calculations, so he can perform just as many as I can. What does this show? Does it show anything other than that it is foolish to look for the analogy with numericals here, where there are clearly different ways in which one can call it ‘the continuation of the old method’? And if one now says: we have both learned to perform the same number of calculations, then this is not an expression of a discovery about the essence of infinity, but rather a determination of the use of the expression “the same number” in connection with the expression “any number.” A determination which, presumably, could have been made more appropriately.
§
65[2] &66[1]
Aber was soll man auf die Frage antworten: “Wieviel Kardinalzahlen gibt es?” – Warum sollte man nicht die Antwort vorschreiben: “Diese Frage heißt nichts”? – Aber hat denn die Frage keinen Sinn? Nicht, wenn Du ihr keinen Sinn gibst. Und angenommen, Du setztest die Antwort fest: “Unbegrenzt viele”, so ist damit noch nicht bestimmt wie Du diesen Ausdruck nun noch weiter gebrauchst.
But what should one answer to the question: “How many cardinal numbers are there?” – Why should one not prescribe the answer: “This question means nothing”? – But does the question not have a sense? Not if you do not give it a sense. And suppose you set the answer: “Infinitely many,” then this does not yet determine how you use this expression further.
§
66[2] &67[1]
In der Mathematik werden Begriffsbestimmungen gemacht, nicht die Eigenschaften von Begriffen gefunden. [→ ] Es sei denn, Eigenschaften, wie die Zweckmäßigkeit.
In mathematics, definitions are made, not the properties of concepts are found. [→ ] Unless, properties, such as expediency.
§
67[2]Eine Technik ‘handelt’ von nichts. Man mag sie aber mit Hinblick auf die & die Anwendung lehren. Es wäre seltsam, eine Technik des Schleuderns, z.B., eine allgemeine Technik zu nennen, weil sie allerlei verschiedene Verwendungen hat.
A technique ‘deals’ with nothing. However, one can teach it with regard to its use and application. It would be odd to call a technique of throwing, for example, a general technique because it has all sorts of different uses.
§
67[3] &68[1]
“Viele Äpfel + 2 Äpfel = Viele Äpfel”. – Angenommen Einer sagte: “Viele Äpfel + 2 Äpfel > Viele Äpfel”! – “Aber es ist doch offenbar daß Viele & 2 wieder viele sind & daß es mehr als viele nicht gibt.” – Mache eine andere Begriffsbestimmung.
“Many apples + 2 apples = Many apples.” – Suppose someone said: “Many apples + 2 apples > Many apples!” – “But it is obviously the case that many and 2 are again many and that there is no more than many.” – Make a different definition.
§
68[2] &69[1]
‘Eigenschaft einer Zahl’
0'a = b
Man zeigt, daß die Operationen mit Kardinalzahlen nicht abzählbar sind, indem man zeigt daß jedem System S solcher Operationen eine neue Operation D'S entspricht. Dann sind aber auch die Sätze der Arithmetik nicht abzählbar. Dagegen sind aber die in Russells System beweisbaren Sätze abzählbar.
‘Property of a number’
0'a = b
One shows that the operations with cardinal numbers are not enumerable by showing that every system S of such operations corresponds to a new operation D'S. But then the sentences of arithmetic are also not enumerable. However, the sentences provable in Russell’s system are enumerable.
§
69[2] &70[1]
Wenn wir die Zeichen Russells als Ziffern auffassen, so wird jeder seiner Sätze ein Zahlzeichen & jeder seiner Beweise eine bestimmte Konstruktionsart einer Zahl (aus den Zahlen der primitive propositions). Wir könnten jeden solchen Satz schreiben: “die Zahl n ist aus r, s, t, u, beweisbar” wo Beweisbarkeit eben eine Eigenschaft von Zahlen ist.
If we regard Russell’s signs as digits, then each of his sentences becomes a numerical sign and each of his proofs becomes a particular type of construction of a number (from the numbers of the primitive propositions). We could write each such sentence: “the number n is provable from r, s, t, u,” where provability is a property of numbers.
§
70[2]12.01.1939
Multiplikation & Division. Division hat größere Mannigfaltigkeit; sie zeigt auch, daß a × b nicht c ist.
12.01.1939
Multiplication & Division. Division has greater variety; it also shows that a × b is not c.
§
70[3]Beweise in meinem W-F System, daß etwas keine Taut. & keine Cont. ist.
Proofs in my W-F system, that something is neither a tautology nor a contradiction.
§
70[4] &71[1]
Was heißt es einen R'schen Beweis einmal als Beweis des R'schen Satzes, einmal als Beweis seiner Beweisbarkeit aufzufassen?
What does it mean to understand a Russellian proof sometimes as a proof of Russell’s sentence, and sometimes as a proof of its provability?
§
71[2]Wie operiert man mit dem Russellschen Satz, wie mit dem Satz, er sei beweisbar? Oder analog: Wie operiert man mit der Taut. (p) & anderseits mit einem Satz p = taut.? Sagen sie nicht verschiedenes? Nun ja; es sagt ja jeder sich selbst, d.h., was man liest, wenn man ihn liest. Aber nun fragt es sich, welchen Gebrauch man von den beiden macht.
How does one operate with Russell’s sentence, how with the sentence that it is provable? Or analogously: How does one operate with the tautology (p) and, on the other hand, with a sentence p = taut.? Do they not say different things? Well, yes; each says it to itself, i.e., what one reads when one reads it. But now the question is, what use does one make of the two.
§
72[1]Aber jedenfalls ist doch die Verneinung des einen nicht die Verneinung des andern! Denn wenn ⊢p ⊃p ․ = ․ p⊃p = taut., dann kann man fragen: was ist nun das Negativ des Satzes “⊢p⊃p”? Besagt es, daß der Satz nicht beweisbar ist, oder daß sein Gegenteil beweisbar ist?
But in any case, the negation of the one is not the negation of the other! Because if ⊢p ⊃ p = ․ p⊃p = taut., then one can ask: what is the negative of the sentence “⊢p⊃p”? Does it say that the sentence is not provable, or that its contrary is provable?
§
73[1]Endlose Melodie
Endless melody
§
73[2]Unendliche Erlaubnis Unendlicher Wunsch
Infinite permission, infinite wish
§
73[3]Welcher Teil der Mathematik wäre insbesondere auf eine unendliche Baumreihe anzuwenden? Hat der Satz Sinn: “Diese Baumreihe hat kein Ende”? (Warum sollte man nicht, z.B., eine kreisförmige Baumreihe so nennen?) Kann man etwas mit ihm anfangen, so hat er Sinn.
Which part of mathematics would be particularly applicable to an infinite series? Does the sentence make sense: “This series has no end”? (Why shouldn’t one call, for example, a circular series by that name?) If one can do something with it, then it has sense.
§
73[4] &74[1]
Kann man sich unendlich viel Geld wünschen? Wie weiß man es, wenn der Wunsch erfüllt ist?
Can one wish for an infinite amount of money? How does one know if the wish has been fulfilled?
§
74[2]Wie, wenn jemand sagte: “Russell behauptet durchaus nicht daß der Satz beweisbar ist; sondern er behauptet einfach die Sätze, ihre Wahrheit”?
What if someone said: “Russell does not claim that the sentence is provable; rather, he simply states the sentences, their truth”?
§
74[3]“Russell behauptet nur: ‘Es regnet, oder es regnet nicht’.”
“Russell only claims: ‘It is raining, or it is not raining.’”
§
74[4] &75[1]
‘Es ist wohl wahr, Russell behauptet nur Tautologien; aber er behauptet nicht daß es Tautologien sind. Angenommen R. macht einen Rechenfehler, so behauptet er am Ende etwas, was keine Tautologie ist.’ ‘Russell behauptet nur am Ende eines Beweises; aber er behauptet nicht daß dies bewiesen wurde.’
‘It is probably true, Russell only claims tautologies; but he does not claim that they are tautologies. If R. makes a calculation error, then he ends up claiming something that is not a tautology.’ ‘Russell only claims at the end of a proof; but he does not claim that it has been proven.’
§
75[2]Wie aber wenn ich sagte: ‘Russell interessieren nur Tautologien; er gibt uns also eine Liste von Tautologien, oder auch die Behauptung, daß dies alles Tautologien seien’?
But what if I said: ‘Russell is only interested in tautologies; he thus gives us a list of tautologies, or even the assertion that all of these are tautologies’?
§
75[3] &76[1]
Wenn Du R. widersprechen wolltest, wie würdest Du es tun: indem Du behauptest, daß ein Satz der Principia Mathematica nicht beweisbar sei, oder, daß sein Gegenteil beweisbar sei. Oder: Hätte R. unrecht nur wenn das Gegenteil seines Satzes beweisbar wäre, oder auch, wenn sich der Satz als nicht beweisbar herausstellte.
If you wanted to contradict R., how would you do it: by claiming that a sentence from the Principia Mathematica is not provable, or that its contrary is provable? Or: Would R. be wrong only if the contrary of his sentence were provable, or also if the sentence turned out to be not provable?
§
76[2]Welches ist also das Gegenteil einer R'schen Behauptung?
So what is the opposite of a Russellian assertion?
§
77[1] &78[1] &
79[1]
Wie wäre es nun mit einem Satz, als dessen Beweis nicht der Beweis seiner Beweisbarkeit, sondern der Beweis seiner Unbeweisbarkeit in einem gewissen System wäre? Nun wir hätten hier eine etwas seltsame Ausdrucksweise vor uns. Ein solcher Satz wäre z.B. “⊢p⊃q”. Warum soll ich nicht festsetzen, daß der Beweis des Satzes ⊢p⊃q die Demonstration sein solle, daß “p⊃q” keine Tautologie ist? Wir haben dann der mathem. Logik einen Satz hinzugefügt, der a) sich beweisen läßt, b) mit keiner Tautologie äquivalent sein kann; denn sagten wir von irgend einer, sie wäre eigentlich der gleiche mathematische Satz so ließe er sich also dadurch beweisen, daß man zeigt, er sei eine Taut., & auch er sei keine Taut.
How would it be with a sentence, for whose proof the proof of its provability is not the proof, but the proof of its unprovability in a certain system? Now we would have a somewhat strange way of expressing ourselves. Such a sentence would be, for example, “⊢p⊃q”. Why shouldn’t I stipulate that the proof of the sentence ⊢p⊃q should be the demonstration that “p⊃q” is not a tautology? Then we would have added a sentence to mathematical logic that a) can be proven, and b) cannot be equivalent to any tautology; for if we said of any one that it was actually the same mathematical sentence, then it could be proven by showing that it is a tautology, and also that it is not a tautology.
§
79[2] &80[1]
Frage: Ist der Satz “⊢p⊃q”, der aussagt, daß der selbst keine Taut. ist, ein neuer Satz der Mathematik, oder ist er derselbe, wie der: “Der Satz p⊃q ist keine Tautologie”? Man kann den Satz “⊢p⊃q” als einen neuen Satz der Math. auffassen,
ähnlich vielleicht wie einen Kreis
& einen Punkt als neue Kurve.
Question: Is the sentence “⊢p⊃q”, which states that it itself is not a tautology, a new sentence of mathematics, or is it the same as the one: “The sentence p⊃q is not a tautology”? One can understand the sentence “⊢p⊃q” as a new sentence of mathematics,
perhaps similar to a circle
and a point as a new curve.
§
81[1] &82[1]
Was wir lehren, ist die Verschiedenartigkeit der Begriffe, wie sie weder in der Oberflächengrammatik unserer Sprache, noch in den Bildern, zum Ausdruck kommt, die wir mit unser Ausdrücken verbinden, sondern in der Struktur des Gebrauchs, den wir von ihnen machen. Diese Struktur zeigt uns, gleichsam, neue Dimensionen des Begriffs. Während von oben angesehen, alles in einer Fläche zu liegen scheint. Die Konnektivität des Begriffs ist eine andere als sie, vom gewöhnlichen Standpunkt aus gesehen, scheint. Was von da gesehen wie ausgefranst
erscheint erkennt man von dort als die Meridiane einer Kugel.
What we teach is the diversity of concepts, as it is neither expressed in the surface grammar of our language, nor in the images that we associate with our expressions, but in the structure of the use that we make of them. This structure shows us, as it were, new dimensions of the concept. While, when viewed from above, everything seems to lie in a plane. The connectivity of the concept is different from what it seems to be when viewed from the usual point of view. What appears from there as frayed
can be recognized from there as the meridians of a sphere.
§
83[1] &84[1]
Denn vom Satz “⊢p⊃q ≠ taut.” möchte man etwa sagen: Gib uns nur Zeit & wir werden auch ihn als Tautologie erweisen. Wir werden ihn etwa arithmetisieren & dann in R'sche Logik umsetzen. Mache ich aber den Schritt, ihn ⊢p⊃q zu schreiben, so erkenne ich damit eine neue Beweisart an für einen Satz dieser Form. Es ist doch dieser Satz (könnte man sagen) ein neues mathem. Instrument Denn ⊢p⊃q ist (nun) ein Satz, der wahr ist, wenn er R-unbeweisbar ist, & das war “⊢p⊃q ≠ taut.” nicht. Ich will diesen Satz als ein neues Instrument aufgefaßt wissen. Und er ist doch offenbar keine Tautologie; & er ist doch offenbar ein Satz (& einer nach den Konstruktionsregeln R's).
For from the sentence “⊢p⊃q ≠ taut.” one might say: Give us time and we will prove it as a tautology. We will perhaps arithmetize it and then translate it into Russellian logic. But if I take the step of writing ⊢p⊃q, then I acknowledge with it a new type of proof for a sentence of this form. Is it not the case that this sentence (one could say) is a new mathematical instrument? Because ⊢p⊃q is (now) a sentence that is true if it is R-unprovable, and that was not the case with “⊢p⊃q ≠ taut.” I want this sentence to be understood as a new instrument. And it is obviously not a tautology; and it is obviously a sentence (and one according to Russell's construction rules).
§
85[1]Ehe man die 5-Ecks-Konstruktion kannte, & wußte, daß es keine 7-Ecks-Konstruktion gibt; war nicht das Wort “5-Ecks-Konstruktion” & “7-Ecks-Konstruktion” auf gleicher Stufe? Aber vom letzteren kann man sagen, daß er sinnlos ist – wenn man aber das nicht wußte so wußte man ebensowenig den Sinn des Wortes 5-Eckskonstruktion.
Before one knew the 5-sided construction and knew that there is no 7-sided construction, were the words “5-sided construction” and “7-sided construction” on the same level? But one can say of the latter that it is meaningless – but if one did not know that, then one would know just as little about the meaning of the word 5-sided construction.
§
86[1]‘Die letzten Bestandteile der Materie sind Kugeln von ungefähr dieser
Größe.’ So einem Satz könnte man leicht Sinn geben. Aber stell Dir die Wirkungen dieses Satzes auf einen Jeans & Eddington & auf die Leser populär-wissenschaftlicher Schriften vor.
‘The ultimate constituents of matter are spheres of roughly this
size.’ It would be easy to give such a sentence sense. But imagine the effect of this sentence on a Jeans & Eddington, & on the readers of popular science writings.
§
87[1]Nur von einem gewissen Punkt, vom Zuschauerraum, sieht man das Zauberstück. Von den andern Seiten sieht es ganz anders & durchaus nicht wie ein Zauberstück aus.
One can only see the magic trick from a certain point, from the auditorium. From the other sides, it looks completely different and not at all like a magic trick.
§
87[2] &88[1]
Verschiedenerlei Pointen eines Beweises: zu zeigen daß man das sagen muß, oder mit praktischen Bedürfnissen in Konflikt kommt – oder, zu zeigen, daß man das sagen kann, versucht sein kann es zu sagen. Ich meine: Der Beweis legt eine Ausdrucksweise nahe & kann dies tun weil diese Ausdrucksweise am besten den Tatsachen angepaßt ist, oder aber, weil sie eine paradoxe ist & es schön ist, zu finden, daß ein paradoxer Satz wahr ist.
Various points of a proof: to show that one must say it, or that it comes into conflict with practical needs – or, to show that one can say it, may be tempted to say it. I mean: the proof suggests a way of expressing oneself and can do so because this way of expressing oneself is best suited to the facts, or because it is paradoxical and it is nice to find that a paradoxical sentence is true.
§
89[1]Da die Tautologien, z.B. ⊢p⌵~p, ja doch nicht die Funktion gewöhnlicher Sätze haben so ist nicht einzusehen, warum wir nicht Sätze mit noch ganz andern Funktionen verwenden sollen.
Since tautologies, e.g. ⊢p⌵~p, do not have the function of ordinary sentences, it is not to be understood why we should not use sentences with completely different functions.
§
89[2] &90[1]
Worauf läuft es denn im Ernst hinaus? Daß, wenn ich den Beweis der S-Unbeweisbarkeit von p als Beweis des Satzes p anerkenne, ich damit ein math. System anerkenne, in welchem p wahr ist & nicht zu S gehört; daß es also leicht ist, die Dinge so zu drehen, daß …
What does it really come down to? That if I recognize the proof of the S-unprovability of p as proof of the sentence p, I thereby recognize a mathematical system in which p is true and does not belong to S; that it is therefore easy to arrange things so that…
§
91[1]Man könnte auf zwei Arten zur ‘Kurve’
kommen. Einmal durch eine Gleichung …ten Grades & indem man zeigt daß ein Kreis & ein Punkt ein besonderer Fall solcher Kurven ist – aber auch auf einem ganz andern Weg: indem man einfach sagt
sei auch eine Kurve da durch sie auch Abszissen Ordinaten zugeordnet werden. Dies wäre auch ein Schritt der Math., aber ganz anderer Art, als der frühere.
One could arrive at the ‘curve’ in two ways:
first, through an equation of the …th degree, by showing that a circle & a point are a special case of such curves – but also in a completely different way: by simply saying
that this, too, is a curve, because abscissas can also be assigned to it. This would also be a step in mathematics, but of a completely different kind than the previous one.
§
92[1] &93[1]
Ich könnte mir einen Zauberkünstler denken, der seine Kunststücke vor einem Spiegel ausführt, der ihm sie zeigt, wie das Publikum sie sieht, & der nun selbst darüber staunt, daß er dies hat ausführen können. (So betrügt der Satz den Mathematiker.) Übrigens – nur ein sehr gewandter Zauberkünstler könnte durch so einen Spiegel betrogen werden, einer dem die Griffe seiner Kunststücke so geläufig geworden wären, daß er sich ihrer gar nicht mehr bewußt ist.
I could imagine a magician who performs his tricks in front of a mirror, which shows him how the audience sees them, and who is now amazed that he was able to do this. (Thus the sentence deceives the mathematician.) By the way, only a very skilled magician could be deceived by such a mirror, one for whom the techniques of his tricks have become so familiar that he is no longer aware of them.
§
93[2] &94[1]
‘Du kannst einen Menschen im Finstern nicht sehen; ich werde Dir zeigen, wie ein Mensch, im Finstern ausschaut.’ (Ich mache dann etwa eine Photographie von ihm mit infraroten Strahlen.) Was heißt es nun zu sagen: ‘Ehe ich den Prozeß nicht verstehe – verstehe ich auch das Resultat nicht’?
‘You cannot see a person in the dark; I will show you what a person looks like in the dark.’ (I then take a photograph of him with infrared rays.) What does it mean to say: ‘Before I understand the process, I do not understand the result either’?
§
94[2]Er zeigt mir ein Bild & sagt: “So schaust Du im Dunkeln aus.” Versteh ich ihn nun, weil er mir doch ein Bild zeigt?
He shows me a picture and says: ‘This is what you look like in the dark.’ Do I understand him because he shows me a picture?
§
94[3]Gab es immer die Probleme der Grundlagen der Mathematik? –
Have the problems of the foundations of mathematics always existed?
§
94[4] &95[1]
Das Problem entsteht dort am leichtesten, wo starke Tendenzen der Assimilation der Ausdrucksweisen mit ganz verschiedener Anwendung sind.
The problem arises most easily where there are strong tendencies to assimilate ways of expression with quite different applications.
§
95[2]Kommen diese Tendenzen plötzlich einem Wunsch entgegen & die Ähnlichkeit des Ausdrucks wird aufgegriffen um zu zeigen, daß eigentlich kein Unterschied bestehe, dann entstehen philosophische Beunruhigungen durch den Zwiespalt der Ausdrucksweisen, der sich in der alten Sphäre nicht austragen läßt.
If these tendencies suddenly come across a wish and the similarity of the expression is taken up to show that in fact no difference exists, then philosophical anxieties arise from the conflict of the ways of expression, which cannot be resolved in the old sphere.
§
95[3] &96[1]
“Er hat den Ostpol der Erde entdeckt.” – Hat er vielleicht einen Grund entdeckt, irgend etwas ganz Triviales “die Entdeckung des Ostpols” zu nennen?
‘He has discovered the North Pole of the Earth.’ – Has he perhaps discovered a reason to call something quite trivial ‘the discovery of the North Pole’?
§
96[2]“Er hat ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden.” “Er macht Vorschläge zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit.” Verstehen wir diese Sätze?
‘He has found a solution to unemployment.’ ‘He is making proposals to eliminate unemployment.’ Do we understand these sentences?
§
96[3]“Er hat gefunden, wieviel Uhr es auf der Sonne ist.”
‘He has found out what time it is on the sun.’
§
97[1]Ich vergleiche diesen Satz nicht mit etwas Rätselhaftem, sondern mit etwas Unverstandenem.
I do not compare this sentence with something mysterious, but with something misunderstood.
§
97[2]Ich zeige Dir eine neue Art diesen Satz zu betrachten: nicht im Lichte des Rätselhaften sondern im Lichte des Unverstandenen.
I show you a new way of looking at this sentence: not in the light of the mysterious, but in the light of the misunderstood.
§
97[4] &98[1]
Du siehst diese Figur noch immer als Modifikation einer Figur A an (so weit sie sich auch schon von ihr entfernt hat); ich sage: sieh doch auf B hin! ist sie denn nicht eine Variation von B? Und so hattest Du sie bisher noch nicht angeschaut, & das ändert Deine Einstellung zur Figur. (Vielleicht aber ändert es Deine Einstellung nicht!)
You still see this figure as a modification of figure A (however far it may have moved away from it); I say: look at B! Is it not a variation of B? And so you have not looked at it before, and that changes your attitude towards the figure. (Perhaps, however, it does not change your attitude!)
§
98[2] &99[1] &
100[1]
Aber “p⊃q ≠ taut.” ist doch ein Satz der Geometrie der Sätze einer gewissen Art. Und es ist nun entweder ein geometrisches Faktum, daß dieser Satz selbst eine Tautologie ist, oder, daß er keine ist. Angenommen das Faktum, er sei eine so kann doch, daß ich ihn nun einfach ⊢p⊃q schreiben will, daran nichts ändern. Denn ⊢p⊃q sagt doch nun genau dasselbe aus, wie jener Satz. Aber ich nehme doch also an, daß gewisse Transformationen, die ich zulasse, ihn zu einer Tautologie machen. Und die Frage ist ob ich solche Transformationen des Satzes zulassen soll, wenn ich die Schreibweise ⊢p⊃q zulasse & den Beweis daß p⊃q keine Tautologie ist.
But “p⊃q ≠ taut.” is after all a sentence of the geometry of sentences of a certain kind. And it is now either a geometrical fact that this sentence itself is a tautology, or that it is not. Let us assume the fact that it is so; but that I now simply want to write ⊢p⊃q cannot change anything about that. For ⊢p⊃q now expresses exactly the same as that sentence. But I am assuming that certain transformations that I allow make it a tautology. And the question is whether I should allow such transformations of the sentence if I allow the notation ⊢p⊃q & the proof that p⊃q is not a tautology.
§
100[2]Aber kommt das also nicht darauf hinaus, daß ich sehr wohl für einen Satz einen nicht-R.schen Beweis anerkennen kann & einen R.schen nicht?
But doesn't that come down to the fact that I can very well accept a non-R. proof for a sentence & not an R. proof?
§
101[1]Wieviele Multiplikationen habe ich auszuführen gelernt? – Wieviele Multiplikationen kann ich ausführen? –
How many multiplications have I learned to perform? – How many multiplications can I perform? –
§
101[2]‘Du kannst nicht alle Kisten der Welt, in eine Kiste legen.’ Warum? Weil ihrer zu viele sind? – Ich werde Dir beweisen, daß es eine unendliche Zahl von Kisten gibt; denn keine Kiste, wie groß Du sie auch machst kann alle Kisten enthalten.
‘You cannot put all the boxes in the world into one box.’ Why? Because there are too many of them? – I will prove to you that there is an infinite number of boxes; for no box, however large you make it, can contain all the boxes.
§
102[1]Man kann nicht alle Systeme auf die Kardinalzahlen aufteilen, weil, sie aufteilen, ein System bilden heißt.
One cannot divide all systems into cardinal numbers, because dividing them into a system means forming a system.
§
102[2]Numeriere die Systeme einfach mit Brüchen zwischen 1 & 2 & behalte die Brüche zwischen 2 & 3, 3 & 4, u.s.w., in Vorrat. Dann kannst Du die Systeme der Systeme nach Herzenslust numerieren, wenn auch nicht in eine Reihe ordnen.
Simply number the systems with fractions between 1 & 2 & keep the fractions between 2 & 3, 3 & 4, etc., in reserve. Then you can number the systems of systems as much as you like, even if you cannot arrange them in a row.
§
BCr[1]“Du kannst nicht alle Systeme in ein System bringen; daher kannst Du nicht allen Systemen Namen geben; denn Du kannst alle Namen in ein System bringen.” – Du kannst allen Systemen Namen geben, solange Du nur die Namen nicht (dadurch) verschwendest, daß Du mit dem System aller Namen anfängst.
“You cannot bring all systems into one system; therefore you cannot give names to all systems; for you can bring all the names into one system.” – You can give names to all systems, as long as you only do not (thereby) waste the names by starting with the system of all names.
§
BCr[2]Wenn die Brüche die Namen sind so kann man sie den Systemen zuordnen, indem man …
If the fractions are the names, then one can assign them to the systems by…