Ms-165
German (epub, pdf) | German/English
Do not quote from or cite this translation!
§
FCv[0]Sprache eine Institution
1 Fuß = 12 Zoll. Erfahrungssatz? Regel & Erfahrungssatz.
Wer einen math. Satz weiß soll noch nichts wissen.
Wie kann die bloße Umformung des Ausdrucks von praktischer Bedeutung sein.
Rechensatz & Vorhersage
Anmerkungen über Regeln
Bemerkungen über die Philosophie:
Kann einer Regel folgen ein einmaliger Vorgang sein.
Language is an institution.
1 foot = 12 inches. Is this an experiential proposition? A rule & an experiential proposition.
Whoever knows a mathematical proposition should not yet know anything else.
How can the mere reformulation of an expression be of practical significance?
Calculation and prediction.
Notes on rules.
Remarks on philosophy:
Can following a rule be a single occurrence?
§
FCv[1]Wie tritt er in diese Vorgänge ein: Ich stach nach ihm, ich vergiftete ihn, ich sprach zu ihm, ich stellte mir ihn vor, ich erwartete ihn, ich ehre ihn.
How does he enter into these processes: I lunged at him, I poisoned him, I spoke to him, I imagined him, I expected him, I honor him.
§
FCv[2]Ich, wie alle Menschen welche ich kenne, finde es so viel leichter nicht zu denken, als zu denken.
I, like all the people I know, find it much easier not to think than to think.
§
2[1]Es ist oft schwer zu unterscheiden, was Grenzen sind, die die Erfahrung zieht, & welche Grenzen die Betrachtungsweise zieht.
It is often difficult to distinguish between the boundaries that experience sets & the boundaries that one’s perspective sets.
§
2[2] &3[1]
Ich könnte auch im Verlauf einer Beschäftigung so handeln, daß man sagen könnte ich habe ohne Worte gedacht “sind zwei Größen einer dritten gleich so sind sie untereinander gleich.” Aber was dabei vor sich geht ist nicht etwas was jene Worte begleitet wenn sie nicht papageienhaft ausgesprochen werden.
I could also, in the course of an activity, act in such a way that one might say I thought without words, “if two quantities are equal to a third, then they are equal to each other.” But what is going on here is not something that accompanies those words if they are not uttered in a parrot-like fashion.
§
3[2] &4[2]
Aber wie “kein körperlicher Vorgang”? So gibt es unkörperliche Vorgänge & das Denken ist nicht einer von ihnen? Nein; das Wort ‘unkörperlicher Vorgang’ nahm ich nur zu Hilfe, in meiner Verlegenheit, da ich dem Wort “denken” seine Bedeutung auf primitive Weise beilegen, geben wollte. Freilich könnte man sagen das Denken, sei ein unkörperlicher Vorgang wenn man die Grammatik des Wortes “denken” z.B.
But how “no physical process”? So there are non-physical processes & thinking is not one of them? No; I only used the word ‘non-physical process’ to help me out in my confusion, because I wanted to give the word “thinking” its meaning in a primitive way. Of course, one could say that thinking is a non-physical process if one considers the grammar of the word “thinking,” for example.
§
4[2] &5[1] &
6[1]
von dem des Wortes “essen” unterscheiden will. Aber der Fehler ist hier, daß der Unterschied der Bedeutungen dadurch dann viel zu gering erscheint. Ähnlich wie wenn man sagt: die Zahlzeichen seien wirkliche, die Zahlen nicht wirkliche Gegenstände. Eine schlechte Ausdrucksweise ist das beste Mittel in einer Konfusion stecken zu bleiben. Sie verriegelt gleichsam den Ausweg aus ihr. Aber ist es nicht das Meinen, das dem Satz Sinn gibt? (Und dazu gehört natürlich: sinnlose Wortreihen kann man nicht meinen.) Und das Meinen ist etwas im Reich der Seele. Aber es ist auch etwas Privates! Es ist das ungreifbare Etwas; vergleichbar nur dem Bewußtsein selbst. Wie könnte man das lächerlich machen; es ist ja gleichsam ein Traum unserer Sprache. Der ungreifbare Gegenstand.
one wants to distinguish it from that of the word “to eat.” But the mistake here is that the difference in meanings then appears much too small. It is similar to saying that number signs are real objects, while numbers are not real objects. A poor expression is the best means of remaining stuck in a confusion. It, as it were, locks the way out of it. But isn't it the meaning that gives the sentence sense? (And, of course, this includes the fact that one cannot mean senseless sequences of words.) And meaning is something in the realm of the mind. But it is also something private! It is the elusive something; comparable only to consciousness itself. How could one make it ridiculous; it is, as it were, a dream of our language. The elusive object.
§
6[4]Ich könnte mir denken, daß Einer sagte: Eigentlich redet Jeder nur zu sich selber. Denn auch nur er weiß was er meint. – Aber dann hätte er eigentlich sagen sollen : “Eigentlich redet Jeder nur für mich. Denn nur ich weiß, was Worte bedeuten.” Aber warum sollte mich so eine Erscheinung interessieren?
I could imagine someone saying: Actually, everyone is only talking to themselves. Because only he knows what he means. – But then he should actually have said: “Actually, everyone is only talking for me. Because only I know what words mean.” But why should such a phenomenon interest me?
§
7[1]Denk Dir, statt in einen Stein würdest Du in ein Grammophon verwandelt.
Imagine, instead of being turned into a stone, you were turned into a gramophone.
§
7[2]Aber wenn dem Satz mein Meinen seinen Sinn gibt, – so muß es ihm natürlich diesen Sinn geben, einen von mehreren möglichen.
But if the sentence derives its sense from my meaning, then it must, of course, give it this sense, one of several possible senses.
§
7[3]Der Sinn ist das Leben des Satzes; ohne ihn wäre er tot. Ein bloßer Leichnam.
The sense is the life of the sentence; without it, it would be dead. A mere corpse.
§
7[4] &8[3]
Aber hier mache ich einen seltsamen Fehler. Ich rede vom Toten als von dem, dem etwas
fehlt. Ich sehe das Leben unbedingt als etwas dem Toten addiertes an.
But here I am making an odd mistake. I speak of the dead as if something were
missing from them. I absolutely see life as something added to the dead.
§
8[4] &9[1]
Wenn ich den Satz meine, so muß ich ihm doch einen bestimmten Sinn geben, nicht einfach Sinn. Und der bestimmte Sinn des Satzes muß doch mit seiner Verwendung zusammenhängen. D.h. Wenn ich den Satz meine, so blase ich ihm nicht einfach Seele ein, erwecke ihn nicht bloß zum Leben, sondern gebe ihm ein ganz bestimmtes Leben.
If I mean a sentence, then I must give it a specific sense, not just any sense. And the specific sense of the sentence must be connected with its use. That is to say, if I mean the sentence, then I am not simply breathing a soul into it, merely bringing it to life, but giving it a very specific life.
§
9[2]Hat der Satz nicht Sinn weil ich Bewußtsein habe & ihn meine? (Und eine sinnlose Wortzusammenstellung kann ich natürlich nicht meinen.) Und dieses Meinen ist natürlich etwas Seelisches. Und es ist etwas Privates. Es ist der ungreifbare Gegenstand.
Doesn't the sentence have sense because I have consciousness & make it mine? (And of course, I cannot mean a senseless string of words.) And this meaning is, of course, something psychological. And it is something private. It is the elusive object.
§
10[1] &11[1] &
12[2]
Was geschieht, wenn ich einen Satz meine. Ich sage z.B. “Ich fühle mich nicht sehr wohl” & meine es. Dieses Meinen sollte eigentlich die Verbindung herstellen zwischen den bloßen Worten & der Tatsache. Aber so kann es doch nicht sein; denn könnte ich den Satz nicht meinen auch wenn er eine Lüge wäre? Ich werde z.B. wenn ich ihn meine ein dem Sinn entsprechendes Gesicht machen. Aber wir können ja annehmen, er sei wahr, & dann erscheint das Meinen wie ein Pfeil oder wie Pfeile, die vom Satz auf etwas weisen. Was ist das für ein seltsames Phänomen (beinahe wie ein Fieber)? Nun, es ist nicht unverständlich: Das Zeigen spielt ja bei der Erklärung jedes Ausdrucks eine große Rolle. Wir sagen, wir meinen einen Satz im Gegensatz zu dem Fall, wenn wir ihn z.B. als bloße Sprachübung hersagen. Ich sage also z.B. “Ich fühle mich nicht wohl” als Übersetzung
What happens when I mean a sentence? I say, for example, “I don’t feel very well” & I mean it. This meaning should actually establish the connection between the mere words & the fact. But it can’t be like that; for couldn’t I mean the sentence even if it were a lie? For example, when I mean it, I will make a face that corresponds to the sense. But we can assume that it is true, & then meaning appears like an arrow or like arrows that point from the sentence to something. What is this strange phenomenon (almost like a fever)? Well, it is not incomprehensible: pointing plays a major role in the explanation of every expression. We say that we mean a sentence in contrast to the case when we, for example, say it as a mere language exercise. So I say, for example, “I don’t feel well” as a translation
§
12[2] &13[1] &
14[2]
eines französischen Satzes ins Deutsche; & ein andermal als wahre oder erlogene Mitteilung über mein Befinden. Was geht nun in den beiden letzten Fällen vor was sie vom ersten unterscheidet? – Die Umgebung des Satzes ist verschieden. Aber das allein ist es nicht. Ich könnte nämlich in mitten einer Sprachübung sagen ich fühle mich noch nicht wohl & zwar unter solchen Umständen, daß der Andre nicht weiß, ob ich übersetze oder ihm eine Mitteilung machen will. Während ich definitiv eine Mitteilung intendiere. Nun, geht, wenn der Satz als Mitteilung gemeint ist immer dasselbe vor? Und wie begleitet es den Satz? Hüllt es ihn ein, wie eine Wolke, oder mein ich jedes Wort besonders. Ich bin zur ersteren Ansicht geneigt & daß da ein bestimmtes Gefühl ist das den Satz gleichsam gehaltvoll macht. Mach den Versuch mit dem Satz “Es ist fünf Uhr”. Es ist gewiß ein Unterschied nicht nur der Umgebung in welcher der Satz ausgesprochen wird, sondern auch in verschiedenen Begleitumständen. Aber es ist nicht ein seelischer Vorgang den wir “den Satz so meinen” nennen vergleichbar etwa dem des Schmerzes. So wird das Wort “meinen” nicht gebraucht.
of a French sentence into German; & at other times as a true or false communication about my condition. What is going on in the last two cases that distinguishes them from the first? – The environment of the sentence is different. But that alone is not it. I could, in the middle of a language exercise, say that I don’t feel well yet, & under such circumstances that the other person does not know whether I am translating or want to give him a communication. While I definitely intend a communication. Well, is the same thing always going on when the sentence is meant as a communication? And how does it accompany the sentence? Does it envelop it, like a cloud, or do I mean each word separately? I am inclined to the former view & that there is a certain feeling that makes the sentence, as it were, substantial. Try it with the sentence “It is five o’clock.” There is certainly a difference not only in the environment in which the sentence is spoken, but also in various accompanying circumstances. But it is not one mental process that we call “meaning the sentence in this way,” comparable, for example, to that of pain. The word “mean” is not used like that.
§
15[1] &16[2] &
17[1] &
18[1]
Ich erwarte jeden Augenblick eine Explosion. Ich bin nicht im Stande irgend einer andern Sache meine Aufmerksamkeit zuzuwenden; schaue in meine Zeitung aber ohne zu lesen. Fragt mich Einer, warum ich so gespannt & nervös scheine so sage ich, ich erwarte jeden Augenblick die Explosion. Wie war es nun: beschrieb dieser Satz eben jenes Verhalten? Aber wie unterscheidet sich dann die Erwartung der Explosion von der eines ganz andern Ereignisses. Z.B. von der Erwartung eines bestimmten Signals (3 Trompetenstöße)? Oder war die Handlungsweise nicht das Erwarten sondern nur die Nebenerscheinungen der Erwartung; während diese selbst ein geistiger Vorgang war? Aber wie weiß dann der in welchem er vorgeht die Erwartung welches Ereignisses er ist? Er scheint nämlich nicht darüber im Ungewissen. Es ist nicht als konstatierte er einen Seelenzustand & spräche eine Vermutung über die Ursache seines Zustands aus. Er mag wohl sagen: “Ich weiß nicht ist es nur diese Erwartung die mich heute so nervös macht”, aber er wird nicht sagen “Ich weiß nicht, ist dieser Seelenzustand eine Erwartung einer Explosion oder von etwas anderm”. Die Aussage “Ich erwarte jeden Moment einen Knall” ist eine Äußerung der Erwartung. Diese Wortreaktion ist der Ausschlag des Zeigers der die Art der Erwartung anzeigt.
I expect an explosion every moment. I am unable to pay attention to any other matter; I look at my newspaper but without reading. If someone asks me why I seem so tense & nervous, I say that I expect an explosion every moment. How was it then: did this sentence describe just that behavior? But how does the expectation of an explosion then differ from the expectation of some other event? For example, the expectation of a certain signal (3 trumpet blasts)? Or was the way of acting not the expecting but only the side effects of the expecting; while the latter itself was a mental process? But how does the person in whom it is going on then know which expectation it is? He doesn’t seem to be in doubt about it. It is not as if he were stating a state of mind & expressing a conjecture about the cause of his state. He may say, “I don’t know if it is only this expectation that makes me so nervous today,” but he will not say, “I don’t know if this state of mind is an expectation of an explosion or of something else.” The statement “I expect an explosion every moment” is an utterance of the expectation. This verbal reaction is the deflection of the pointer that indicates the type of expectation.
§
18[2]Und ähnlich ist es mit der Äußerung des Wunsches. Zu sagen “ich habe Lust auf einen Apfel” heißt nicht: “Ich glaube ein Apfel wird mein Gefühl der Unbefriedigung stillen.” Auch diesen Satz können wir benützen aber er ist keine Äußerung des Wunsches sondern einer Unbefriedigung.
And it is similar with the utterance of a wish. To say “I want an apple” does not mean: “I believe that an apple will satisfy my feeling of dissatisfaction.” We can use this sentence, but it is not an utterance of a wish but of dissatisfaction.
§
18[3] &19[1] &
20[1]
Wir sind durch eine bestimmte Abrichtung, Erziehung, so konditioniert, daß wir unter bestimmten Umständen Wunschäußerungen von uns geben. (Ein solcher ‘Umstand’ ist natürlich nicht der Wunsch.) Eine Frage ob ich weiß was ich wünsche ehe mein Wunsch erfüllt ist kann in diesem Spiele gar nicht auftreten. Und daß ein Ereignis meinen Wunsch zum Schweigen bringt bedeutet in diesem Sinne nicht daß es den Wunsch erfüllt hat. Ich kann z.B. sagen: Ich bin jetzt befriedigt, aber wäre mein Wunsch befriedigt worden, so wäre ich nicht befriedigt. Anderseits wird auch das Wort “Wünschen” so gebraucht: Man sagt “Ich weiß selbst nicht, was ich mir wünsche”. Hermann & Dorothea: “Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte”.)
We are conditioned by a certain training, education, so that we express wishes under certain circumstances. (Such a ‘circumstance’ is, of course, not the wish itself.) The question of whether I know what I wish before my wish is fulfilled cannot arise in this game. And the fact that an event silences my wish does not, in this sense, mean that it has fulfilled the wish. For example, I can say: I am now satisfied, but if my wish had been fulfilled, I would not be satisfied. On the other hand, the word “to wish” is also used in such a way: One says “I don’t even know what I want.” Hermann and Dorothea: “For wishes conceal from us even what we desire.”
§
20[2] &21[1]
Wie ein Wort funktioniert kann man nicht erraten. Man muß es beobachten & daraus lernen. Die große Schwierigkeit aber ist, das Vorurteil zu beseitigen, das diesem Lernen entgegensteht. (Und dies ist kein dummes Vorurteil.)
One cannot guess how a word functions. One must observe it and learn from it. But the great difficulty is to eliminate the prejudice that stands in the way of this learning. (And this is not a silly prejudice.)
§
21[2] &22[1]
Dadurch, daß ich den Satz meine, erhält er Leben. Aber ich muß ihm ja ein ganz bestimmtes Leben geben, – nicht nur Leben. Einen Sinn & nicht einen anderen. Wenn ich ihn meine, so muß ich ihn so meinen. Die Worte müssen auf ihre Bedeutungen blicken. Aber den lebendigen Blick des Wortes auf seine Bedeutung beruht auf (den) steten Bewegungen im Felde der Anwendung.
By saying the sentence, it gains life. But I must give it a very specific life – not just life. A sense and not another. If I mean it, I must mean it in this way. The words must refer to their meanings. But the lively connection of the word to its meaning is based on the constant movements in the field of application.
§
22[2] &23[1] &
24[1]
Wie denke ich an Jemanden? Wie ziele ich auf ihn mit einem Gewehr? Ist hier eine Ähnlichkeit? Was ist die Beziehung dieses Denkens, dieser Worte zu ihm? Ich gebrauche seinen Namen. Aber dies kann der Name andrer Menschen sein & doch denke ich nur an einen. Gefragt welchen meinst Du, gebe ich eine Antwort. Die Antwort bestimmt dem Namen eine Anwendung. Sie wird auch vielleicht die Gedanken begreiflich machen & Handlungen zu denen sie führen. Das Bild drängt sich uns auf, daß der Name auf diesen Menschen (der in Raum & Zeit von mir getrennt ist) zeigt. Und vielleicht wird man sagen das geschieht indem der Name das Bild des Menschen vor meine Seele führt. Aber ist dies Bild wirklich so gut getroffen? Erkenne ich das Vorstellungsbild als sein Bildnis? Und was soll das heißen?? Worin besteht es daß ich an ihn denke? Frage Dich: “Worin besteht es daß ich an ihn schreibe?” (Und ich könnte natürlich an ihn schreiben ohne daß der Brief je abgeschickt würde.)
How do I think of someone? How do I aim at him with a gun? Is there a similarity here? What is the relationship of this thinking, these words, to him? I use his name. But this could be the name of other people, and yet I think only of one. If asked which one I mean, I give an answer. The answer determines an application for the name. It will also perhaps make the thoughts comprehensible and lead to actions. The image suggests itself that the name points to this person (who is separated from me in space and time). And perhaps one will say that this happens in that the name brings the image of the person before my mind. But is this image really so well captured? Do I recognize the mental image as his likeness? And what is that supposed to mean? In what does it consist that I think of him? Ask yourself: “In what does it consist that I write to him?” (And of course, I could write to him without the letter ever being sent.)
§
24[2] &25[1]
Ich erwarte zwei Leute A & B. Ich sage: “Wenn er doch nur käme!” Jemand fragt mich. “Wen meinst Du?” Ich sage, “Ich habe an den A gedacht”. Und diese Worte selber haben eine Brücke hergestellt. Oder er fragt “Wen meinst Du” & ich antworte: “Ich habe an … gedacht”, ein Gedicht in dem dieser Satz vorkommt. Die Anknüpfungen dessen was ich sage mache ich im Laufe meiner Gedanken & Handlungen. (Diese Betrachtung hängt mit dem zusammen was W. James “the stream of thought” nennt. Der Fehler in seiner Darstellung ist daß a priori & a posteriori Grammatisches & Erfahrungsgemäßes durcheinander gemischt sind. So redet er von der Kontinuität des Gedankenstroms & vergleicht sie mit der des Raums, nicht mit der eines Wasserstrahles etwa.)
I am expecting two people, A and B. I say, “If only he would come!” Someone asks me, “Who do you mean?” I say, “I was thinking of A.” And these words themselves have established a connection. Or he asks, “Who do you mean,” and I answer, “I was thinking of…,” a poem in which this sentence occurs. I establish the connections of what I say in the course of my thoughts and actions. (This consideration is related to what W. James calls “the stream of thought.” The error in his presentation is that a priori and a posteriori, grammatical and empirical, are mixed up. Thus, he speaks of the continuity of the stream of thought and compares it to that of space, not to that of a stream of water, for example.)
§
25[2] &26[1]
– – – Und wie weiß ich also, wenn ich die Mitteilung meine, daß ich sie meine? Gefragt wie ich den Satz meinte werde ich's sagen. Und natürlich nicht auf die Beobachtung eines bestimmten Gefühls hin.
– – – And how do I know, if I mean the communication, that I mean it? If asked how I meant the sentence, I will say. And not, of course, by observing a particular feeling.
§
26[2] &27[1]
Denke das Gefühl wäre das, daß ich mich bei der Mitteilung an den Andern richte, was ich bei der Sprachübung nicht tue. Und nehmen wir nun an ich hätte ein solches Gefühl; wie es natürlich existiert, denn wenn ich mich an ihn richte handle ich ja anders: drehe mich zu ihm, schaue ihn an, spreche in anderm Tonfall etc. Aber kann mich dieses Gefühl nicht auch täuschen, wenn meine Äußerungen ihn täuschen können? Erkenne ich wirklich, daß ich mich an ihn richten wollte? Ist es nicht daß ich in einer gewissen Richtung weitergehe, wenn ich nun sage, ich habe mich an ihn richten wollen?
Suppose the feeling would be that, in communicating with the other, I orient myself to him, which I do not do in the language exercise. And let us suppose that I have such a feeling; it naturally exists, because when I orient myself to him, I do act differently: I turn to him, look at him, speak in a different tone, etc. But can this feeling not also deceive me, if my utterances can deceive him? Do I really recognize that I wanted to orient myself to him? Is it not the case that I am continuing in a certain direction when I now say that I wanted to orient myself to him?
§
27[2] &28[1]
Ich kann mich z.B. einer kleinen Kopfbewegung erinnern; aber dies an sich beweist natürlich nicht daß ich mich an den Andern habe wenden wollen. Aber ich deute diese Kopfbewegung jetzt so auf; für mich ist sie ein Ausdruck dieser Tendenz. Wir sagen z.B. “Ich erinnere mich genau, daß ich im Begriff war zu ihm zu reden, ich erinnere mich meinen Kopf zu ihm hin gedreht zu haben.” Aber dies wäre ja nicht beweisend. Ich sehe es aber jetzt als den Anfang einer bestimmten Handlung.
I can, for example, remember a small head movement; but this in itself does not prove that I wanted to turn to the other person. But I am now interpreting this head movement in that way; for me, it is an expression of this tendency. We might say, for example, “I remember exactly that I was about to speak to him, I remember turning my head towards him.” But this would not be proof. But I now see it as the beginning of a certain action.
§
28[2]‘Aber wie weiß ich, daß meinen nicht eine Empfindung ist, die den Satz begleitet?’
‘But how do I know that my [feeling] is not just a sensation that accompanies the sentence?’
§
28[3] &29[1]
Ich will sagen: Durch meine Antwort setze ich die angefangene Bewegung fort & mache sie also zum Anfang einer Bewegung von bestimmtem Charakter.
I want to say: Through my answer, I continue the movement that has begun & thus make it the beginning of a movement of a specific character.
§
30[1]Plan
Wie kann die Regel bestimmen was ich zu tun habe?
Plan
How can the rule determine what I have to do?
§
30[2]Einer Regel folgen setzt Übereinstimmung voraus.
Following a rule presupposes agreement.
§
30[3]Es ist dem Phänomen der Sprache wesentlich daß wir über gewisse Dinge nicht streiten.
It is essential to the phenomenon of language that we do not argue about certain things.
§
30[4]Wie kann Übereinstimmung Bedingung der Sprache sein? Wo wir uns Übereinstimmung denken können können wir uns doch Nicht-Übereinstimmung denken.
How can agreement be a condition of language? Where we can imagine agreement, we can also imagine disagreement.
§
31[1]Denke also es bräche Nichtübereinstimmung über die Farben der meisten Dinge aus.
Imagine, then, that disagreement breaks out over the colors of most things.
§
31[2]Wie wüßten wir dann was wir mit den Farbwörtern meinten?
How would we then know what we mean by the color words?
§
31[3]Aber weiß es nicht jeder für sich? Nein.
But doesn't everyone know this for themselves? No.
§
31[4] &32[1]
Ebenso im Fall des Handelns nach der Regel. Fehlte die Übereinstimmung d.h.
könnten wir unsere Ausdrücke nicht zur Übereinstimmung bringen, so hörte damit das Phänomen der Verständigung & der Sprache auf.
Likewise in the case of acting according to the rule. If agreement were lacking, i.e.
if we could not bring our expressions into agreement, then the phenomenon of communication & language would cease.
§
32[2]Worin besteht die Unerbittlichkeit der Mathematik.
What is the inflexibility of mathematics?
§
32[3]Weg von dem was nicht unerbittlich ist zur Unerbittlichkeit. OBEN hat 4 Laute.
Away from what is not inflexible, towards inflexibility. ABOVE has 4 sounds.
§
32[4]Ist ein math. Beweis ein Experiment.
Is a mathematical proof an experiment?
§
33[1]Was ich an einer Regel verstehe ist wie ein Zeichen. Wie kann denn ein Zeichen uns zeigen was ich zu tun habe? Was immer, als Deutung, ich dem Zeichen hinzusetzte verschmilzt mit dem Zeichen. Also hilft eine Deutung prinzipiell nicht. Die Deutungen & Erklärungen dienen am Schluß nur der Praxis.
What I understand by a rule is like a sign. How can a sign show us what we have to do? Whatever interpretation I add to the sign merges with the sign. So, an interpretation does not fundamentally help. In the end, the interpretations & explanations serve only practice.
§
34[1]Warum? Warum? – Ich tue es!
Why? Why? – I do it!
§
34[2]Siehst Du die Regelmäßigkeit in diesen Reihen? Siehst Du die, die ich so ausdrücke? Dann fahre so fort! (Das könnte ein Tapetenmaler seinem Gehilfen sagen.)
Do you see the regularity in these rows? Do you see the one I am expressing in this way? Then continue like this! (That is what a wallpaper hanger might say to his assistant.)
§
34[3]Der Gehilfe zeigt einem Andern wie er hier der Regel folgt, warum er es gerade so macht.
The assistant shows another how he follows the rule here, why he does it in this way.
§
34[4] &35[1]
Könnte kein Streit zwischen ihm & dem Meister ausbrechen? Freilich. So ein Streit kann verschieden ausschauen. Sie können sich nicht verständigen. Ich könnte, was sie sagen Wort für Wort beschreiben.
Could a disagreement not break out between him & the master? Of course. Such a disagreement can look different. They cannot communicate. I could describe word for word what they say.
§
35[2]Spricht die Drossel eine Sprache? Soll ich sagen: “Vielleicht”?
Does the thrush speak a language? Should I say, “Perhaps”?
§
35[3] &36[1]
Die ungeheure Schwierigkeit ist hier zu sehen, wo sich der Ring geschlossen hat. Wo ich aufhören muß Erklärungen zu geben.
The immense difficulty is to see here where the circle closes. Where I must stop giving explanations.
§
36[2]Ich kann die Sprache nicht anders beschreiben als das Nähen, Kochen, Exerzieren. Ich kann auch ‘einer Regel folgen’ nicht anders beschreiben.
I cannot describe language in any other way than sewing, cooking, practicing. I cannot describe ‘following a rule’ in any other way either.
§
36[3] &37[1]
“Wie führt mich eine Regel?” – Was soll ich da beschreiben? Eines ist: ich könnte ein Beispiel geben. Es wäre auch denkbar daß ich genau beschriebe wie ein Kind zuerst Regeln folgen lernt, genau beschriebe, was Lehrer & Schüler dabei sagen & tun. ⋎ Genau beschreiben, was ich beim Handeln nach einer bestimmten Regel überlege, sage, tue. Nun, so eine Beschreibung könnte ja ihren Zweck haben.
‘How does a rule guide me?’ – What should I describe? One thing is: I could give an example. It would also be conceivable that I describe exactly how a child first learns to follow rules, exactly describe what the teacher & pupil say & do. Precisely describe what I think, say, do when acting according to a certain rule. Well, such a description might have its purpose.
§
37[2] &38[1] &
39[1]
Das eine Beispiel könnte mich daran erinnern wie ich in einem bestimmten Falle verfahre; das andere könnte jemand lehren wie beim Lehren & Lernen vorgegangen wird & verschiedenes was daraus folgt. Einem der das deutsche Wort “Regel” nicht verstünde könnte das erste Beispiel es erklären, wenn er die übrigen Worte des Beispiels versteht. Aber das alles war nicht der Zweck der Frage. Näher diesem Zweck wäre es zu sagen daß ich für meine Handlungen, wenn ich der Regel folge Gründe angeben kann aber daß die Gründe endlich auslassen & es dann auf die Frage “wie weißt Du daß Du so handeln sollst”, oder “warum handelst Du so” nur die Antwort gibt: ich handle so ohne Grund.
The one example might remind me of how I proceed in a certain case; the other might teach someone how to proceed in teaching & learning, & various things that result from that. Someone who does not understand the German word “rule” could have the first example explain it to him, if he understands the other words in the example. But all of this was not the purpose of the question. Closer to this purpose would be to say that I can give reasons for my actions if I follow the rule, but that the reasons eventually run out, & then, to the question “how do you know that you should act in this way,” or “why do you act in this way,” there is only the answer: I act in this way without reason.
§
39[2] &40[1]
Wenn ich aber was ich tue nicht rechtfertigen kann; wie wenn jeder von uns etwas anderes täte & sagte er folge der Regel?
But if I cannot justify what I do; as if each of us did something different & said that he was following the rule?
§
40[2]Wie folge ich einer Regel? Wie führt mich eine Regel? Wie weiß ich was ich auf jeder Stufe zu tun habe?
Ich folge der Regel nicht anders, als der Anweisung “Schlage zwei Eier in eine Pfanne”. Und gehörte dieser Satz keiner Sprache an, oder einer, die ich nicht verstehe, so folgte ich diesen Worten nicht, was immer ich täte.
How do I follow a rule? How does a rule guide me? How do I know what I have to do at each step?
I don’t follow the rule in any other way than by following the instruction “Beat two eggs into a pan.” And if this sentence didn’t belong to any language, or to one that I didn’t understand, I wouldn’t follow these words, no matter what I did.
§
41[1]Ein Mensch kann sich nicht nur einmal etwas vornehmen, denn hier könnte man sagen: Wie weiß er was er sich vorgenommen hat?
A person cannot only intend something once, because here one could say: how does he know what he intended?
§
42[1]… mehr könnten wir nicht sagen. Aber “haben” & “etwas” sind wieder Wörter der allgemeinen Sprache. – So gelangt der Philosoph manchmal dahin am Ende nur einen unartikulierten Laut ausstoßen zu wollen. Und das muß er auch noch bleiben lassen.
…more than that we couldn’t say. But “have” & “something” are again words of the general language. – So the philosopher sometimes ends up wanting to utter only an unarticulated sound. And he must refrain from doing even that.
§
42[2] &43[1]
Und welchen Grund haben wir hier E die Bezeichnung für eine Empfindung zu nennen? Vielleicht die Art & Weise wie es in diesem Sprachspiel gebraucht wird. – Und warum ‘eine bestimmte Empfindung’ also immer die Gleiche? Nur den, daß ich jedesmal das gleiche Zeichen verwende.
And what reason do we have here to call a sensation a ‘sensation’? Perhaps the way in which it is used in this language-game. – And why ‘a particular sensation’, i.e., always the same? Only because I use the same sign each time.
§
43[2]Es hilft uns natürlich nichts … zu sagen “es bezieht sich auf …” statt “es bezeichnet”. Aber es ist der psychologisch richtigere Ausdruck für ein bestimmtes Erlebnis beim Philosophieren.
It doesn’t help us, of course, to say “it refers to…” instead of “it designates.” But it is the psychologically more accurate expression for a particular experience in philosophizing.
§
43[3] &44[1]
Es hilft uns natürlich nichts zum Begreifen der Funktion des Wortes “rot”, zu sagen, ‘es beziehe sich auf’, statt ‘es bezeichne’, das Private. Aber es ist der psychologisch treffendere Ausdruck für ein bestimmtes Erlebnis beim Philosophieren. Es ist als würfen wir beim Aussprechen des Wortes einen Seitenblick auf die eigene Empfindung, gleichsam um mir zu sagen, ich wisse schon was ich damit meine.
It doesn’t help us to understand the function of the word “red” to say that it ‘refers’ to the private, instead of ‘designating’ it. But it is the psychologically more accurate expression for a particular experience in philosophizing. It is as if, when uttering the word, we cast a sidelong glance at our own sensation, as if to say to ourselves, I already know what I mean by it.
§
45[1]“Es glaubt der Mensch, wenn er nur Wörter hört …” Das heißt, man kann sich an das Naturspiel nicht gewöhnen, daß ein Satz keine Verwendung haben soll. Und das heißt daß hier etwas in uns ingrained ist.
“The human being believes, when he only hears words…” That is, one cannot get used to the natural thing that a sentence should not have a use. And that means that something is ingrained in us.
§
45[2] &46[1]
Und so scheint auch ein Leichnam dem Schmerz gänzlich inkommensurabel.
And so a corpse also seems completely incommensurable with pain.
§
46[2]Man will sagen: “Es ist da ein Etwas”. Aber warum willst Du so bescheiden sein & nicht gleich sagen es sei ein Schmerz. Es ist nicht leichter dies Etwas als Etwas zu erkennen als als Schmerz.
Das ist wirklich falsche Bescheidenheit. Warum nicht gleich sagen es sei ein Schmerz? Er ist nicht schwerer wiederzuerkennen als das Etwas.
One wants to say: “There is something there.” But why do you want to be so modest and not immediately say that it is pain? It is not easier to recognize this something as something than as pain.
This is really false modesty. Why not immediately say that it is pain? It is not more difficult to recognize it than the something.
§
47[1]Kopfrechnen
Mental arithmetic
§
47[2]– – – daß die Andern es hören, sich danach richten etc. sei nicht mehr die wahre Mitteilung. – Aber dann hätte er eigentlich sagen müssen: “Eigentlich redet Jeder nur für mich, denn ich allein kann verstehen.”
– – – that the others hear it, act accordingly, etc., is no longer the true communication. – But then he would actually have had to say: “Actually, everyone is only speaking for me, because I alone can understand.”
§
48[1]Kluft zwischen körperlichen & geistigen
Gap between physical & mental
§
49[1]Hülfe es statt “Ich habe diese Rechnung im Kopf gemacht” zu sagen “Ich glaube ich habe diese Rechnung im Kopf gemacht”? Unsinn! Und doch, was kann man dagegen sagen?! Wenn Einer vorsichtig sein wollte, so könnte er es sagen. Aber inwiefern wäre er vorsichtig? Nun, er würde betonen, daß er nur in der Vorstellung gerechnet habe.
Does it help instead of saying “I did this calculation in my head” to say “I believe I did this calculation in my head”? Nonsense! And yet, what can one say against it?! If one wanted to be cautious, one could say it. But in what respect would one be cautious? Well, one would emphasize that one only calculated in imagination.
§
49[2] &50[1]
Man macht hier leicht einen Fehler: Erst wählt man Gegenstände nach einer gewissen Eigenschaft aus; dann findet man's merkwürdig, daß alle die ausgewählten Gegenstände diese Eigenschaft haben.
One easily makes a mistake here: First, one selects objects according to a certain property; then, one finds it remarkable that all the selected objects have this property.
§
50[2]Man sagt nur dann Einer rechne im Kopf wenn er herausbringt was beim schriftlichen Rechnen herauskommt.
One only says that someone is doing mental arithmetic when he arrives at what comes out in written arithmetic.
§
50[3]Nein, es nützt nichts, zu sagen: “Es kommt ihm vor …”, das kann hier nur dasselbe heißen wie er rechne in der Vorstellung. Es ist als sagte man immer statt ich träumte “es kommt mir vor, ich sah …”
No, it doesn’t help to say: “It seems to him…”, because here it can only mean the same as that he is calculating in imagination. It is as if one always said instead of “I dreamed” “it seems to me that I saw…”
§
51[1] &52[1]
Wenn ich Dich die Reihe … lehre, meine ich doch Du sollest an der … Stelle … schreiben. Ganz richtig, Du meinst es. Und offenbar ohne notwendiger Weise auch nur daran zu denken. Das zeigt Dir wie verschieden die Grammatik des Wortes “meinen” von der des Wortes “denken” ist. Und nichts Verfehlteres könnte es geben als “meinen” eine geistige Tätigkeit zu nennen. Ich meine wenn man nicht darauf ausgeht Konfusion zu erzeugen. (Man könnte natürlich auch das teurer werden des Käses eine Tätigkeit des Käses nennen & diese Dummheit wäre harmlos solange durch sie keine Probleme erzeugt würden.)
When I teach you the series…, I do mean that you should write at the… place…. Quite right, you mean it. And apparently without necessarily thinking about it. This shows you how different the grammar of the word “mean” is from that of the word “think.” And there is nothing more mistaken than calling ‘mean’ a mental activity. I mean if one does not intend to create confusion. (One could of course also call the ripening of cheese an activity of the cheese and this foolishness would be harmless as long as it does not create problems.)
§
52[2] &53[1]
Wenn es einmal klar geworden ist daß die verschiedenen Verben, auch die psychologischen wie “meinen”, “denken”, “fürchten”, “erschrecken”, “erwarten” etc. kategorisch verschiedene Verwendungen haben (Werkzeugkasten) so wird uns die Untersuchung eines besondern Falles nicht mehr furchtbare Schwierigkeit bereiten.
Once it has become clear that the different verbs, including the psychological ones such as “to mean,” “to think,” “to fear,” “to be frightened,” “to expect,” etc., have categorically different uses (toolbox), then the investigation of a particular case will no longer present us with such terrible difficulties.
§
53[2]– – – Ich schaue Einen an & sage mir “Das muß schwer sein zu lachen, wenn man solche Schmerzen hat”, oder ich nicke mit dem Kopf vor mich hin als wollte ich sagen: “Ich weiß schon, wie's Euch zu mute ist” & dergl. mehr. D.h.: ich spiele eine Rolle, ‘tue’, als hätten die Andern Schmerzen.
– – – I look at someone & say to myself, “It must be hard to laugh when one has such pain,” or I nod my head to myself as if to say, “I know how you feel,” and so on. That is, I play a role, ‘act’ as if the others have pain.
§
54[1]Und will man jemanden unterweisen wie er eine Rolle auf dem Theater zu spielen hat, so sagt man ihm: “Du mußt Dir vorstellen, daß er …”.
And if one wants to instruct someone on how to play a role in the theater, one says to him, “You must imagine that he…”
§
54[2]Diese Anmerkung ist lehrreich, denn sie beschreibt ein bestimmtes Sprachspiel mit dem Worte “vorstellen”.
This remark is instructive, because it describes a particular language-game with the words “to imagine.”
§
54[3]– – – Was geht also da vor – – –
– – – So what is going on here? – – –
§
54[4] &55[1]
Unter was für Umständen würden wir fragen: Was ist in Dir vorgegangen als Du Dir dies vorgestellt hast. Was für eine Antwort erwartet man sich da?
Under what circumstances would we ask: What was going on in you when you imagined this? What kind of answer would one expect?
§
55[2]Der erste Irrtum auf den wir in der philosophischen Untersuchung stoßen ist hier, wie immer, die Frage selbst.
The first mistake we encounter in philosophical investigation is here, as always, the question itself.
§
55[3]Hier ist, wie immer, der erste Irrtum auf den wir bei einer philosophischen Untersuchung stoßen, die Frage selbst.
Here, as always, the first mistake we make in a philosophical investigation is the question itself.
§
55[4]… Der erste Fehler, den wir in einer philosophischen Untersuchung machen, ist hier, wie immer, die Frage selbst.
… The first mistake we make in a philosophical investigation is here, as always, the question itself.
§
56[1]… Hier ist, wie immer, der erste Fehler, den wir in einer philosophischen Untersuchung machen, die Frage selbst.
… Here, as always, the first mistake we make in a philosophical investigation is the question itself.
§
56[2] &57[1] &
58[1]
Aber hat nicht Spinoza gesagt, wenn ein Stein Bewußtsein hätte würde er glauben er fiele zur Erde weil er fallen will? Das ist die Art Fiktion in der Philosophie die zu gar nichts führt. Erstens: wie wäre das, wenn der Stein Bewußtsein hätte? Zweitens: welchen Grund haben wir zu der Hypothese er würde dieser Meinung sein. Drittens: Wenn wir die doch Bewußtsein haben von einer Höhe herunterstürzen, sind wir der Meinung wir fallen, weil wir fallen wollen?
But didn’t Spinoza say that if a stone had consciousness, it would believe that it falls to the ground because it wants to fall? This is the kind of fiction in philosophy that leads nowhere. First: what would it be like if the stone had consciousness? Second: what reason do we have for the hypothesis that it would be of this opinion? Third: If we, who do have consciousness, fall from a height, do we think that we are falling because we want to fall?
§
58[2]Man begegnet in der Philosophie öfters solchen unverbindlichen Fabeln. (J.B.S. Haldane der schrieb einmal er könne wenn er selbst zu viel Kalzium enthält sich vorstellen wie es einem Kalkgebirge zu Mute ist.) (!)
One often encounters such unsubstantiated fables in philosophy. (J.B.S. Haldane, who once wrote that he could imagine how a limestone mountain feels if he himself contained too much calcium.) (!)
§
58[3] &59[1]
Aber sagen wir nicht, der Mensch & das Tier habe Bewußtsein, Pflanzen & Steine hätten es nicht? Wie wäre es, wenn's anders wäre? Wären alle Menschen & Tiere bewußtlos? Nun, nicht im gewöhnlichen Sinne.
But don’t we say that humans & animals have consciousness, but plants & stones don’t? What would it be like if it were different? Would all humans & animals be unconscious? Well, not in the usual sense.
§
59[2]Könnte man sich vorstellen, daß ein Stein Bewußtsein hätte? Und wenn nun Einer sagt, er kann's, warum soll das nicht bloß beweisen daß diese Vorstellerei für uns keinen Wert hat?
Could one imagine that a stone has consciousness? And if someone says that he can, why should that not merely prove that this imagining has no value for us?
§
59[3] &60[1] &
61[1]
Ist denken nicht eine Art sprechen? Man möchte sagen, es ist das, was das denkende Sprechen vom gedankenlosen unterscheidet. – Und also scheint es hier eine Begleitung des Redens zu sein. Ein Vorgang, der vielleicht auch etwas andres begleiten, oder selbständig ablaufen kann. Sag also den Satz: “Die Feder ist wohl stumpf. Nun, nun sie geht” erst denkend, dann gedankenlos; endlich denk' nur den Gedanken aber ohne die Worte. Wie hast Du's gemacht? Nun, ich konnte etwa die Spitze meiner Feder wortlos prüfen, ein Gesicht schneiden wie Einer der sagt sie sei nicht besonders gut & dann mit einer Gebärde der Resignation weiterschreiben.
Is thinking not a kind of speaking? One would like to say that it is what distinguishes thinking from thoughtless speaking. – And so it seems to be an accompaniment to speaking. A process that may also accompany something else, or run independently. So say the sentence: “The pen is probably blunt. Well, now it works” first thinking, then thoughtlessly; finally, just think the thought but without the words. How did you do it? Well, I could, for example, examine the tip of my pen without words, make a face as if to say it is not very good, and then continue writing with a gesture of resignation.
§
61[2] &62[1]
Denken ist kein unkörperlicher Vorgang, der dem Reden Leben & Sinn leiht & den man vom Reden ablösen könnte wie der Teufel den Schatten Schlemihls aufrollt. Denken ist ein Operieren mit Zeichen & andern Gegenständen unter bestimmten Umständen.
Thinking is not an incorporeal process that gives life & sense to speaking, and which one could detach from speaking as the devil rolls up Schlemihl’s shadow. Thinking is an operation with signs & other objects under certain circumstances.
§
62[2]Aber eine Maschine kann doch nicht denken! – Ist dies ein Erfahrungssatz? Nein. Wir sagen nur von Menschen & von Menschenähnlichem es denke. Wir sagen es auch von Puppen & wohl auch von Geistern. Sieh' das Wort “Denken” als Instrument an!
But a machine cannot think! – Is this an empirical proposition? No. We only say of humans & human-like beings that they think. We also say it of dolls & probably also of ghosts. See the word “thinking” as an instrument!
§
62[3] &63[1]
Denkt der welcher erwartet? So wird das Wort “erwarten” nicht gebraucht. “Erwarten” bezeichnet keine Tätigkeit. Sage ich: “Ich kann heute meine Aufmerksamkeit nicht auf meine Arbeit lenken; ich denke die ganze Zeit an sein Kommen” so wird man das eine Beschreibung meines Seelenzustands nennen. Ich kann jemand erwarten ohne an ihn zu denken, aber in meinem Sessel sitzend & schlafend. Aber es gibt allerlei Tätigkeiten & Gedanken die für eine (bestimmte) Erwartung charakteristisch sind. Ebenso wie Gefühle: die Unruhe der Erwartung die Qual der Erwartung.
Does the one who expects also think? That is not how the word “to expect” is used. “To expect” does not describe an activity. If one says, “Today I cannot direct my attention to my work; I keep thinking about his coming,” then one would call that a description of one’s state of mind. One can expect someone without thinking about him, but while sitting in one’s armchair and sleeping. But there are all sorts of activities and thoughts that are characteristic of an (particular) expectation. Just like feelings: the restlessness of expectation, the anguish of expectation.
§
63[2] &64[1]
Bezeichnet “hoffen” ein Denken? Nein. Die Hoffnung wie die Erwartung hat ihren charakteristischen Ausdruck in Worten in Handlungen. Ich kann es z.B. zu mir selbst sagen. Und mir mache ich doch keine Mitteilung. Es kann ein Seufzer sein; aber muß kein Seufzer sein. Es kann eine Mitteilung sein. Ich pfeife ein Lied & jemand fragt mich warum ich so guter Dinge bin. Ich antworte: Ich hoffe N.N. wird heute kommen. – Aber während ich pfiff dachte ich nicht an ihn. Und doch sag ich: “Ich hoffte den ganzen Tag er werde kommen”.
Does “to hope” describe a thought? No. Hope, like expectation, has its characteristic expression in words and actions. I can, for example, say it to myself. And I am not communicating anything to myself. It can be a sigh; but it does not have to be a sigh. It can be a communication. I whistle a song and someone asks me why I am in such a good mood. I reply: I hope N.N. will come today. – But while I was whistling, I was not thinking about him. And yet I say: “I hoped all day that he would come.”
§
64[2]Wenn Einer sagt “Ich hoffe er wird kommen”– ist das ein Bericht über seinen Seelenzustand oder ein Ausdruck der Hoffnung?
If someone says “I hope he will come”—is that a report about his state of mind or an expression of hope?
§
64[3]Ähnlich ist es mit “ich glaube”.
It is similar with “I believe.”
§
65[1] &66[1]
Glauben heißt nicht denken: “Ich sage: Ich glaubte niemand werde mich stören”. Ich dachte gar nicht daran daß ich gestört werden könnte. Daß ich es glaubte lag in der Situation & dem was zu geschehen pflegt. Dagegen aber reden wir von einem leidenschaftlichen Glauben. Nun es gibt nur eines: sich fragen wie das Wort wirklich gebraucht wird. Ist glauben ein bestimmtes Gefühl? So wenig wie eine bestimmte Miene & Gebärde.
To believe does not mean to think: “I say: I believed no one would disturb me.” I didn’t even think that I might be disturbed. That I believed it was due to the situation and what usually happens. However, we also talk about passionate belief. Now, there is only one thing: to ask oneself how the word is actually used. Is believing a particular feeling? As little as a particular facial expression and gesture.
§
66[2]Ist “ich wünsche. –” ein Bericht oder ein Ausdruck?
Is “I wish…” a report or an expression?
§
66[3]Meinen.
To mean.
§
66[4]Heucheln. Schmerzen heucheln. “Das heißt doch sagen man habe eine Empfindung, wenn man keine hat.”
To feign. To feign pain. “That is, to say one has a sensation when one does not have one.”
§
66[5] &67[1]
Wir können einen Hund auch nicht Schmerz heucheln lehren. Wir können ihm vielleicht beibringen daß er bei gewissen Gelegenheiten ohne Schmerz zu fühlen schreit wie im Schmerz. Aber zum rechten Heucheln fehlte diesem Benehmen noch immer die richtige Umgebung.
We cannot teach a dog to feign pain either. We may be able to teach him that on certain occasions he should howl as if he were in pain, without actually feeling pain. But this behaviour still lacked the proper environment for true feigning.
§
67[2]Eine Schwierigkeit wenn man philosophieren will ist die, offen mit sich selbst zu reden. Sich daran zu gewöhnen, zu sagen, was man gerne sagen möchte, sei es auch noch so dumm. Zum Gescheiten kannst Du nur durch die Tiefen der Dummheit kommen.
A difficulty when one wants to philosophize is to talk openly with oneself. To get used to saying what one would like to say, even if it is stupid. One can only come to the depths of wisdom through the depths of stupidity.
§
68[1]Wie weiß er was er zu tun hat? – Er tut etwas. – So ist das schon der Regel Folgen? Nein! – Er tut es ohne zu zweifeln – – – ist das der Regel folgen? Nein.
How does he know what to do? – He does something. – Is this already following the rule? No! – He does it without doubting – is that following the rule? No.
§
68[2]Er könnte die Regel anders verstehen als wir, aber er müßte im Stande sein sie so wie wir aufzufassen. Wir müssen uns mit ihm verständigen können.
He might understand the rule differently than we do, but he must be able to grasp it in the same way as we do. We must be able to communicate with him.
§
68[3] &69[1]
Ist es richtig zu sagen: Einer folgt einer Regel nur dann, wenn er bestimmte Dinge tun kann. (Und diese Klausel bezieht sich natürlich auf eine Zeitdauer.)
Is it correct to say: one follows a rule only if he can do certain things. (And this clause naturally refers to a period of time.)
§
69[2]Die Umstände unter welchen wir sagen jemand folge einer Regel, sind schwer zu beschreiben.
The circumstances under which we say someone is following a rule are difficult to describe.
§
69[3]Wenn eine ‘Sprachverwirrung’ einträte hörte das Handeln nach einer Regel auf.
If a ‘confusion of languages’ occurred, acting according to a rule would stop.
§
70[1]Damit er der Regel folgt muß die Regel irgend etwas von ihm verlangen.
In order for him to follow the rule, the rule must require something of him.
§
70[2] &71[1]
Ich sage: “Die Regel verlangt das”. Unter welchen Umständen werden wir das bloße Einbildung nennen? Wenn wir nicht verstehen, warum er es sagt. Wenn er es uns nicht erklären kann. Aber die Erklärung kann von verschiedener Art sein. – Sie wird zu einer Übereinstimmung führen müssen.
I say: “The rule requires that.” Under what circumstances will we call this mere imagination? If we do not understand why he says it. If he cannot explain it to us. But the explanation can be of various kinds. – It must lead to an agreement.
§
71[2]Aber könnten wir uns nicht Übereinstimmung denken, wo sie uns absurd erschiene & wir nicht sagen würden, die Leute folgen einer Regel.
But could we not imagine agreement where it seems absurd to us and we would not say that the people are following a rule.
§
71[3]Wenn ich beschreiben will was einer Regel folgen ist, muß ich da nicht genau das beschreiben was wir so nennen. Muß z.B. was wir eine einfache Regel nennen nicht auch der Andere so nennen?
If I want to describe what it is to follow a rule, must I not describe exactly what we call it. Must, for example, what we call a simple rule also be called that by the other person?
§
72[1]Ich sage nur dann von jemand er folgt einer Regel wenn ich diese Regel verstehe, d.h. ihr folgen kann. Es sei denn daß ich es auf Autorität hinnehme.
I only say that someone is following a rule if I understand this rule, i.e., can follow it. Unless I take it on authority.
§
72[2]Und ob ich die Regel verstehe wie er sehe ich daran ob wir bei der Anwendung übereinstimmen.
And whether I understand the rule as he does, I can see from whether we agree in the application.
§
72[3] &73[1]
Was nenne ich denn “übereinstimmen” was wurde mir denn gelehrt, so zu nennen?
What do I call “agree,” what was I taught to call it?
§
73[2]Ich lehre ihn zählen. Dann setzt er einmal so fort & ich anders. Wer hat recht? Wer entscheidet, wer recht hat?
I teach him to count. Then he continues in one way, and I in another. Who is right? Who decides who is right?
§
73[3]Wenn es nur zwei Menschen gäbe & der eine lehrt den andern Zählen; ließe es sich entscheiden.
If there were only two people and one teaches the other to count, could it be decided.
§
73[4] &74[1]
Es kann doch
gewiß ein Mensch einen andern Algebra lehren & sie können auf einer Insel allein leben.
Surely, one person can teach another algebra, and they can live alone on an island.
§
74[2]Wann machen A & B ‘das gleiche’? Wie kann ich das beantworten? Durch Beispiele.
When do A and B do ‘the same thing’? How can I answer that? Through examples.
§
74[3]Versteht denn der Eine die Regel besser als der Andere?
Does one person understand the rule better than the other?
§
74[4] &75[1]
Es kommt Dir wieder viel zu selbstverständlich vor daß wir Handlungen mit Worten begleiten?
Does it seem too self-evident to you again that we accompany actions with words?
§
75[2]Versteht der Lehrer besser als der Schüler, was die nächste Stufe sein soll?
Does the teacher understand better than the student what the next step should be?
§
75[3]Was ist denn da zu verstehen?
What is there to understand?
§
75[4] &76[1]
Daß die Regel diesen Schritt verlangt kann eine psychologische Tatsache sein. Daß wir nämlich ohne Bedenken & Zweifel so vorgehen. Es kann aber auch darin liegen, daß wir uns mit einander verständigen können & alle gleich so vorgehen.
The fact that the rule requires this step can be a psychological fact. Namely, that we proceed in this way without hesitation & doubt. But it may also be that we can understand each other & that we all proceed in exactly the same way.
§
76[2] &77[1]
“Ein Mann ist plötzlich (durch Erleuchtung) zum Verständnis einer Regel gekommen. Jetzt weiß er immer weiter.” Müßte man darauf nicht antworten: Eine Erleuchtung ist nicht genug; er muß bei jenem Schritt von neuem erleuchtet werden?
“A man suddenly (through enlightenment) comes to an understanding of a rule. Now he always knows what to do next.” Shouldn’t one answer that: one enlightenment is not enough; he must be enlightened anew at that step?
§
77[2]Dieser hat nun einen andern der Regel folgen gelehrt. Aber der andere braucht doch nun auch Erleuchtungen.
This person has now taught another to follow the rule. But the other person also needs enlightenment.
§
77[3]Wenn sie nun aber verschiedene Erleuchtungen haben so daß ihre Handlungen nicht übereinstimmen? Nun offenbar ist das nicht “einer Regel folgen”.
If they now have different enlightenments, so that their actions do not agree? Obviously, that is not “following a rule.”
§
78[1]Von wem sagen wir, er nimmt sich etwas vor?
Of whom do we say that he sets out to do something?
§
78[2]Was für eine Technik muß er beherrschen, daß wir das von ihm sagen können.
What kind of technique must he master so that we can say that about him?
§
78[3]Würden wir von einem sagen er folge einer Regel der nur dieser Regel folgen kann?
Would we say of someone that he follows a rule if he can only follow this one rule?
§
78[4] &79[1]
Die Regel ist nicht die Extension. Einer Regel folgen heißt eine Extension bilden nach einem ‘allgemeinen’ Ausdruck.
The rule is not the extension. Following a rule means forming an extension according to a ‘general’ expression.
§
79[2]Wenn ich nun eine Extension bilde, was heißt es ich bilde sie nach jenem allgemeinen Ausdruck?
If I now form an extension, what does it mean that I form it ‘according to’ that general expression?
§
79[3]Das ist wie wenn man fragt: wie gehorcht man einem – oder diesem – Befehl? Wie ist, was ich tue, mit diesen Worten verknüpft? (Ich meine aber nicht kausal verbunden). Nun doch nur durch eine allgemeine Praxis.
That is like asking: how does one obey a command – or this command? How is what I do connected with these words? (But I do not mean causally connected). Now, only through a general practice.
§
80[1]Wann sagen wir: Dies ist der Befehl & diese Handlung ist die Befolgung des Befehls? Oder: “Jetzt handelt er nach diesem Befehl”? Diese Feststellungen haben doch nur innerhalb einer gewissen Praxis Sinn. Nicht aber, als könnte ich nur dann den Befehl als Befehl erkennen. Sondern was wir mit “Befehl” meinen ist …
When do we say: this is the command, and this action is the obeying of the command? Or: “Now he is acting according to this command”? These statements only make sense within a certain practice. Not as if I could only then recognize the command as a command. But what we mean by “command” is …
§
81[1]Kann ich sagen: “Nur in einer bestimmten Lebensweise kann ich sagen, daß das damit gemeint sei”?
Can I say: “Only in a certain way of life can I say that that is what is meant by it”?
§
81[2]Es ist mit dem Begriff des Befehls wohl vereinbar daß Befehle nicht befolgt werden, aber nicht daß nie oder fast nie ein Befehl befolgt wurde.
It is compatible with the concept of a command that commands are not obeyed, but not that a command is never or almost never obeyed.
§
81[3] &82[1]
Einem Befehl nicht gehorchen hat wieder mehr oder weniger charakteristische Begleiterscheinungen.
Not obeying a command has more or less characteristic accompanying circumstances.
§
82[2]Nicht die Deutung schlägt die Brücke zwischen dem Zeichen & dem Bezeichneten . Nur die Praxis tut das.
It is not the interpretation that bridges the gap between the sign and the signified. Only practice does that.
§
82[3]Soll ich nun sagen daß die Bedeutung des Wortes “rot” auf der Übereinstimmung der Menschen beruht? Daß nämlich die Praxis auf der Übereinstimmung beruht?
Should I say that the meaning of the word “red” is based on the agreement of people? That the practice is based on agreement?
§
82[4] &83[1]
Wenn Du den nächsten Schritt nach dieser Regel machst, mußt Du dorthin kommen. Das heißt natürlich, daß Jeder der den Schritt nach dieser Regel macht dahin kommen muß. Das heißt, es wird sozusagen das persönliche Element ausgeschaltet. Wir folgen der Regel wie der Eisenbahnzug der Schiene; wenn er nicht entgleist.
If you take the next step according to this rule, you must come to that. This of course means that everyone who takes the step according to this rule must come to that. That is, it excludes, as it were, the personal element. We follow the rule as the railway car follows the track; if it does not derail.
§
83[2] &84[1]
Man richtet ein Kind ab, daß es einer Regel folgt: aber sagt man ihm auch: “wenn Du der Regel folgst, so mußt Du dahin kommen”?
One trains a child to follow a rule: but does one also tell him: “if you follow the rule, then you must come to that”?
§
84[2]“Wenn Du etwas andres schreibst so hast Du die Regel nicht verstanden oder mißverstanden.” Ist das ein Erfahrungssatz?
“If you write something else, then you have not understood or misunderstood the rule.” Is that an empirical proposition?
§
84[3]Du lehrst einen Mensch eine Regel, Du richtest ihn ab auf einen bestimmten Befehl so & so zu handeln. – – –
You teach a person a rule, you train him to act in a certain way according to a certain command.
§
84[4] &85[1]
Das “Muß” sagt, was anerkannt wird.
The “must” says what is accepted.
§
85[2]Wie kann die Regel bestimmen, was ich auf der 1000sten Stufe zu tun habe? Die Antwort darauf sind Gründe. –
How can the rule determine what I have to do at the 1000th step? The answer to that is reasons.
§
85[3]Ich fühle aber doch, wenn ich die Regel verstanden, habe, daß sie mir unzweideutig sagt, was ich zu tun habe.
But I do feel that when I have understood the rule, it tells me unequivocally what I have to do.
§
85[4] &86[1]
Dieses Muster, so aufgefaßt ist nur so fortzusetzen. Ja, das heißt schon etwas.
This pattern, understood in this way, can only be continued in this way. Yes, that does mean something.
§
86[2]Man könnte manchmal sagen: dieses Muster, so gesehen, muß diese Fortsetzung haben.
One could sometimes say: this pattern, seen in this way, must have this continuation.
§
86[3]Ich will aber eine ‘Auffassung’ statuieren, (etwa wie die alte ‘Proposition’) die eine Reihe so bestimmt, wie eine unfehlbare Maschine, durch die ein Band läuft.
But I want to establish an ‘understanding’ (something like the old ‘proposition’) that determines a series as an infallible machine does, through which a tape runs.
§
86[4] &87[1]
So also daß nur diese Fortsetzung zu dieser Auffassung paßt. In Wirklichkeit aber sind es nicht zwei Dinge die hier zusammenpassen. Man könnte aber sagen: Du bist durch Deine Erziehung so konditioniert, daß Du immer ohne Bedenken etwas bestimmtes als das passende erklärst. Etwas, was mit dem übereinstimmt was Andere für das passende erklären.
So also that only this continuation fits this interpretation. In reality, however, it is not two things that fit together here. One could say: you have been conditioned through your upbringing to always explain something specific as the appropriate one without hesitation. Something that agrees with what others explain as the appropriate one.
§
88[1]Aber wie kann eine Regel einen Menschen lehren, was er auf einer bestimmten Stufe zu tun hat.
But how can a rule teach a person what to do at a certain stage?
§
88[2] &89[1]
Aber wie kann mich eine Regel lehren, was ich auf der & der Stufe zu tun habe? Was immer ich tue ist ja, auf irgend eine Weise, mit ihr verträglich. – Aber das hieße doch es gäbe gar kein ‘einer Regel folgen’.
Was immer ich tue ist ja durch irgend eine Deutung mit ihr zu vereinbaren. Nein. Was immer ich tue & wie immer ich die Regel gedeutet habe. Nein. So sollte ich nicht reden. Sondern so: Jede Deutung hängt mit dem Gedeuteten, in der Luft, & kann dieses also nicht festhalten..
But how can a rule teach me what to do at that or that stage? Whatever I do is, in some way, compatible with it. – But wouldn't that mean that there is no 'following a rule' at all?
Whatever I do can be reconciled with it through some interpretation. No. Whatever I do & however I have interpreted the rule. No. I shouldn't speak like that. Rather, like this: Every interpretation is connected with what is being interpreted, in the air, & cannot therefore hold it fast.
§
89[2] &90[1]
Wie kann ich einer Regel folgen? Wie kann sie mir zeigen, wie sie mich zu führen hat? Wenn ich sie so, oder so auffasse – wie kann ich die Auffassung festhalten, wie kann ich sicher sein, daß sie sich nicht unversehens verändert.
How can I follow a rule? How can it show me how it has to guide me? If I understand it in this way or that way – how can I hold fast to the interpretation, how can I be sure that it does not change unintentionally?
§
90[2]Wie kann ich einer Regel folgen? Das könnte eine Frage nach der Ursache sein, daß ich der Regel so folge (Abrichtung). Oder nach den Gründen, die ich dafür angeben kann so nach der Regel zu handeln.
How can I follow a rule? This could be a question about the cause that I follow the rule in this way (training). Or about the reasons that I can give for acting according to the rule in this way.
§
90[3] &91[1]
Habe ich die Begründung erschöpft, so bin ich nun auf felsigem Grund angelangt & mein Spaten biegt sich um. Ich bin dann geneigt, zu sagen: “So handle ich eben!”
If I have exhausted the justification, then I have now arrived on rocky ground & my spade bends. I am then inclined to say: “That is simply how I act!”
§
91[2] &92[1]
Aber wie, wenn nun die Handlungen verschiedener Menschen nach der Regel nicht übereinstimmen? Wer ist im Recht, wer im Unrecht? Es lassen sich verschiedene Fälle vorstellen. Der, z.B., daß Einer zum Andern am Ende sagt: “Ach so hast Du die Regel aufgefaßt” & daß sie sich nun verständigen. Wie aber, wenn sie sich nicht vereinigen können? Nun da könnte es vorkommen daß der Eine gleichsam wie ein Farbenblinder behandelt wird; oder wie ein Schwachsinniger. Wir würden vielleicht von ihm sagen, das mehrfache Vorkommen des gleichen Zahlzeichens in derselben Formel verwirre ihn.
But how if the actions of different people according to the rule do not agree? Who is right, who is wrong? Various cases can be imagined. For example, one of them eventually says to the other: “Oh, so you understood the rule” & that they now understand each other. But what if they cannot agree? Well, it could happen that one is treated as if he were colorblind; or as if he were mentally deficient. We might say of him that the repeated occurrence of the same numeral in the same formula confuses him.
§
92[2] &93[1] &
94[1]
Wenn aber der Mangel der Übereinstimmung nicht Ausnahme wäre, sondern Regel? – Wie hätten wir uns das zu denken? Nun, eine Regel kann mich nur in dem Sinn zu einer Handlung führen, wie etwa irgend eine Anleitung in Worten, etwa ein Befehl. Und wenn Menschen in ihrem Handeln nach Regeln nicht übereinstimmten & sich nicht verständigen könnten, so wäre das so wie wenn sie sich über den Sinn von Befehlen oder Beschreibungen nicht miteinander vereinigen könnten. Es wäre eine ‘Sprachverwirrung’ & wir würden sagen, daß jeder seine Handlungen allerdings mit dem Ausstoßen von Lauten begleitete, das aber noch keine Sprache ergibt.
But if the lack of agreement were not an exception, but the rule? – How should we think about that? Well, a rule can only lead me to an action in the sense in which any instruction in words, for example an order, can lead me. And if people in their actions according to rules did not agree & could not understand each other, then that would be as if they could not agree on the meaning of commands or descriptions. It would be a ‘confusion of languages’ & we would say that each of them accompanied his actions with the utterance of sounds, but that this does not yet constitute a language.
§
94[2] &95[1] &
96[1]
Mit anderen Worten: es werden keine Sprachspiele mehr gespielt. Und das bringt mich auf die Frage: Wie muß denn die Verknüpfung zwischen Handlungen & Zeichen sein damit ich es ein Sprachspiel nenne? Habe ich mir's etwa in № 2 zu leicht gemacht indem ich solche Umstände annahm (das Errichten eines Baues, seine Bestandteile etc.) die denen unseres Lebens (so) ähnlich sind? – Nein. Die Sprache ist eine Erscheinung im menschlichen Leben, & was diesem ähnlich ist. Und wenn im Märchen Töpfe & Pfannen mit einander reden, so gibt das Märchen ihnen auch noch andre menschliche Attribute. So wie ein Topf auch nicht lächeln kann, wenn er kein Gesicht hat.
In other words: no language-games are played anymore. And that brings me to the question: what must be the connection between actions & signs in order for me to call it a language-game? Did I perhaps make it too easy for myself in No. 2 by assuming such circumstances (the erection of a building, its components, etc.) that are similar to those of our life? – No. Language is a phenomenon in human life, & something similar to it. And if in a fairy tale pots & pans talk to each other, the fairy tale also gives them other human attributes. Just as a pot cannot smile if it does not have a face.
§
96[2]Wenn wir uns Wesen denken, die, wie wir sagen würden, lauter gänzlich ungereimte Handlungen vollzögen, & diese Handlungen mit Lauten begleiteten, etwa mit Sätzen der deutschen Sprache, so hätten diese Wesen keine Sprache.
If we think of beings that, as we would say, perform a series of completely inconsistent actions, & accompany these actions with sounds, for example with sentences in the German language, then these beings would have no language.
§
96[3] &97[1] &
98[1]
Man könnte das auch so ausdrücken: Wenn ein Forscher in ein Land kommt in welchem eine ihm gänzlich unbekannte Sprache gesprochen wird, so kann er sie nur durch den Zusammenhang mit dem übrigen Leben der Bewohner verstehen lernen. Was wir z.B. “Unterrichten” nennen oder “Befehlen”, “Fragen” “Antworten” “Beschreiben” u.s.w. ist alles mit ganz bestimmten menschlichen Handlungen verbunden; & ein Befehl ist als Befehl nur kenntlich durch die Umstände die ihn begleiten ihm vorhergehen oder folgen.
One could also express it like this: If a researcher comes to a country in which a language completely unknown to him is spoken, he can only learn to understand it through the connection with the rest of the life of the inhabitants. What we call “teaching” or “commanding”, “asking”, “answering”, “describing”, etc. is all connected with quite specific human actions; & a command is only recognizable as a command by the circumstances that accompany it, precede it, or follow it.
§
98[2]“Aber machst Du hier nicht einen Fehler?! Diese äußeren Anzeichen sind freilich für den Andern nötig um zu erkennen, daß ein Befehl gegeben wurde; aber doch nicht für den Befehlenden! Der könnte doch befehlen auch wenn der Andere es nicht merkte.”
“But aren’t you making a mistake here?! These external signs are certainly necessary for the other person to recognize that a command has been given; but not for the one giving the command! The latter could give a command even if the other person doesn't notice it.”
§
99[1] &100[1]
Nun, es gibt im Deutschen (z.B.) eine “Befehlsform”. Die Worte “Geh aus dem Zimmer” kann man einen Befehl nennen wie & bei welcher Gelegenheit immer sie ausgesprochen wurden. Die ‘Befehlsform’ aber gibt es nur, weil es eine bestimmte Handlungsweise (Familie von Handlungsweisen) das Befehlen gibt. Es geschieht z.B. daß der Befehl ohne jeden befehlenden Ausdruck gegeben wird, daß er nicht befolgt wird, & daß die Nichtbefolgung nicht geahndet wird. Und wenn das einmal geschehen kann, warum nicht immer? Wenn das immer geschähe, wie immer das aussähe, die Erscheinung des Befehlens gäbe es nun nicht.
Now, in German (for example) there is an “imperative form.” One can call the words “Go out of the room” a command, however and whenever they are spoken. But the ‘imperative form’ only exists because there is a specific way of acting (a family of ways of acting) that constitutes commanding. For example, it can happen that the command is given without any commanding expression, that it is not followed, and that the non-compliance is not punished. And if that can happen once, why not always? If that happened always, however it might look, the appearance of commanding would not exist.
§
100[2] &101[1]
Du sagst: “Der Befehlende könnte doch wissen daß er befiehlt”. Aber was weiß er denn, wenn er das weiß? Gewiß es kann vorkommen daß Einer sagt: “Ich hatte das als einen Befehl gemeint, es wurde aber nicht so aufgefaßt”. Aber wie hat er denn gelernt was ein Befehl war, was es heißt, etwas als Befehl meinen? Das sind ja Worte der Sprache, Mittel der Verständigung; nicht ein Stöhnen, oder Grunzen.
You say: “The one giving the command could know that he is commanding.” But what does he know when he knows that? Certainly, it can happen that someone says: “I meant it as a command, but it wasn't understood that way.” But how did he learn what a command was, what it means to intend something as a command? These are words of language, means of communication; not a groan or a grunt.
§
101[2] &102[1] &
103[1]
Und hier sind wir am Rande einer Diskussion, über die Sprache in der Einer nur zu sich, nur für ihn selber verständlich über seine privaten Erlebnisse spricht. In diese Diskussion, die zu den Problemen des Idealismus & Solipsismus gehört werde ich hier nicht eintreten. Nur soviel will ich sagen daß hier gar keine Sprache beschrieben wurde obwohl es so schien. Es verbürgt uns nichts daß ein Wort dieser Sprache zweimal in der gleichen Bedeutung verwendet wird. Denn sagst Du, die Gegenstände sind hier gleich, wenn sie mir gleich scheinen, so frage ich: “wenn sie Dir wie scheinen?” “Gleich” ist ja ein Wort der allgemeinen Sprache.
And here we are at the edge of a discussion about language in which one only speaks to oneself, only for oneself, about one's private experiences. I will not enter into this discussion, which belongs to the problems of idealism and solipsism. I will only say that no language was described here, although it seemed so. It does not assure us that a word in this language is used twice in the same meaning. For if you say that the objects are the same here, when they seem the same to me, then I ask: “if they seem like the same to you?” “Same” is a word of general language.
§
103[2] &104[1] &
105[1]
In einem andern Sinn gibt es freilich eine private Sprache. Etwa die eines Robinson Crusoe der zu sich selbst spricht. Zuerst diese Bemerkung: zu sich selbst sprechen heißt nicht sprechen & allein sein. Man könnte sich also einen Menschen denken der sich selbst durch Worte zur Tat aufmuntert, sich selbst eine Frage stellt & beantwortet sich selbst Vorwürfe macht. Nun wir würden so ein Phänomen nur dann Sprache nennen, wenn die Handlungsweise dieses Menschen der menschlichen überhaupt ähnlich wäre & wenn wir insbesondere seine Gebärden– & Mienensprache der Trauer des Unwillens, der Freude etc. verstünden. Man könnte das eine Sprache oder ein sprachähnliches Phänomen nennen. Man kann sich doch einen Menschen vorstellen der allein lebt & Bilder von den Gegenständen um ihn her zeichnet (etwa an die Wände seiner Höhle) & so eine Bildersprache ließe sich leicht verstehen.
In another sense, there is indeed a private language. For example, that of a Robinson Crusoe who speaks to himself. First, this remark: speaking to oneself does not mean speaking and being alone. One could, therefore, imagine a person who encourages himself through words, asks himself a question and answers it himself, makes accusations against himself. Now, we would only call such a phenomenon language if the way of acting of this person were similar to that of human beings in general, and if we, in particular, understood his language of gestures and facial expressions of grief, unwillingness, joy, etc. One could call this a language or a language-like phenomenon. One can imagine a person who lives alone and draws pictures of the objects around him (for example, on the walls of his cave), and such a language of pictures would be easy to understand.
§
105[2] &106[1]
Aber wer sich selbst aufmuntert der beherrscht darum noch nicht das Sprachspiel einen Andern aufzumuntern. Wer zu sich sprechen kann kann damit noch nicht zu Andern sprechen. Wenn einer Patience legen kann so kann er damit noch nicht mit Andern Kartenspielen.
But just because someone encourages himself doesn't mean he has mastered the language-game of encouraging another. Just because someone can speak to himself doesn't mean he can speak to others. If someone can play solitaire, that doesn't mean he can play card games with others.
§
106[2] Sowie es ein sprachähnliches Phänomen geben kann: eine Sprache die jeder nur zu sich selber redet, in der einer sich etwa Handlungsweisen überlegt.
Just as there can be a language-like phenomenon: a language that everyone speaks only to himself, in which someone, for example, thinks about ways of acting.
§
106[3] &107[1]
Sprache: das sind vor allem die Sprachen die die Völker der Erde sprechen. Und dann nennen wir Sprache Phänomene welche mit jenen Sprachen Ähnlichkeit haben.
Language: these are primarily the languages that the peoples of the earth speak. And then we call language phenomena that are similar to those languages.
§
108[1]Befehlen ist eine Technik unsrer Sprache. Wer in ein fremdes Land käme dessen Sprache er nicht versteht wird im allgemeinen unschwer herausfinden, wann ein Befehl gegeben wurde.
Commanding is a technique of our language. Anyone who comes to a foreign country whose language he does not understand will generally easily find out when a command is given.
§
108[2] &109[1]
Man kann sich aber doch auch selbst etwas befehlen. Wenn wir aber einen Robinson beobachteten der sich in einer uns fremden Sprache einen Befehl gäbe, so wäre dies schon viel schwerer zu erkennen.
However, one can also command oneself. But if we were to observe a Robinson who gave himself a command in a language foreign to us, this would be much more difficult to recognize.
§
109[2] &110[1]
Ist es aber genug daß Einer etwas sagt & ein andrer irgend etwas tut, daß ein Befehl befolgt werde? Worin besteht das Phänomen des Befehlens & Gehorchens? Es ist eine Technik des menschlichen Lebens & unserer Sprache. Es ist schwer oder unmöglich eine allgemeine Beschreibung, aber leicht, Beispiele dieser Technik zu geben.
But is it enough that one says something and another does something, that a command is obeyed? What is the phenomenon of commanding and obeying? It is a technique of human life and our language. It is difficult or impossible to give a general description, but it is easy to give examples of this technique.
§
110[2] &111[1]
Kämen wir in ein fremdes Land mit fremder Sprache & fremden Sitten, so wäre es manchmal leicht eine Sprach- & Lebensform zu finden die wir Befehlen & Befolgen zu nennen hätten, vielleicht aber besäßen sie keine Sprach- & Lebensform die ganz unserm Befehlen etc. entsprächen. So wie es vielleicht ein Volk gibt, das keine unserm Gruß entsprechende Lebensform besitzt.
If we were to come to a foreign land with a foreign language & foreign customs, it would sometimes be easy to find a language & form of life that we would call commanding & obeying, but perhaps they would not possess a language & form of life that completely corresponded to our commanding, etc. Just as there might be a people that does not possess a form of life corresponding to our “greeting.”
§
111[2](Häuptling)
(Chief)
§
111[3]Die gemeinsame menschliche Handlungsweise ist das Bezugssystem, mittels welches wir uns eine fremde Sprache in die unsere übersetzen.
The common human way of acting is the frame of reference by means of which we translate a foreign language into our own.
§
111[4] &112[1]
Denken wir uns die Menschen eines Stammes gebrauchten zu ihrer Verständigung eine Gebärden & Mienensprache & diese wäre uns wenigstens in groben Zügen verständlich. Sie begleiteten aber das Gebärden- & Mienenspiel mit Lauten & Lautreihen die auf den ersten Blick unserer Lautsprache zu entsprechen schienen. Es wäre uns aber unmöglich Wörter für diesen oder jenen Gegenstand oder für Tätigkeiten etc., zu fixieren. Vielmehr hätte es den Anschein als dienten jene Lautreihen als klangliche Bilder der Gegenstände. Diese Leute hätten eine Kultur, bauten sich Hütten trieben Viehzucht etc., gäben dabei offenbar Befehle fragten, antworteten u.s.w. Was läßt uns hier sagen dieser Mann gäbe jenem jetzt eine Antwort auf seine Frage? Doch nur die durchgreifende Ähnlichkeit ihrer ganzen Lebensweise mit der unsern.
Let us imagine that the people of a tribe use a language of gestures & facial expressions for their communication, and that this would be at least partially understandable to us. They accompany the gestures & play of facial expressions with sounds & sequences of sounds that seem to correspond to our spoken language at first glance. But it would be impossible for us to fix words for this or that object or for activities, etc. Rather, it would seem as if these sequences of sounds serve as acoustic images of the objects. These people have a culture, build huts, raise livestock, etc., and apparently give commands, ask questions, and answer, etc. What makes us say here that this man is now giving that one an answer to his question? Only the comprehensive similarity of their entire way of life to ours.
§
114[2] &115[1]
Aber weiß nicht, wer einen Befehl gibt, daß er einen Befehl gibt ob wir's merken können oder nicht, also auch wenn sein Leben noch so verschieden von dem unsrigen ausschaut? Wenn wir ihn fragten, oder fragen könnten, würde er ja oder nein sagen? – In welcher Sprache? Nun, entweder in der seinen oder in der unsern. Aber wenn er in seiner Sprache anscheinend ein Wort für eine bestimmte Handlungsweise benützt – mit welchem Recht sollen wir es in unser Wort “befehlen” übersetzen. Und wenn er unsre Sprache lernt, mit welcher Berechtigung sagt er auch er ‘befehle’ bei sich zuhause nur schaue es ganz anders aus.
But doesn’t whoever gives a command know that he is giving a command, whether we can notice it or not, even if his life looks very different from ours? If we were to ask him, or could ask him, would he say yes or no? – In what language? Well, either in his language or in our language. But if he apparently uses a word in his language for a certain way of acting – by what right should we translate it into our word “to command”? And if he learns our language, by what right does he also say that he ‘commands’ at home, only it looks completely different.
§
115[2]Würden wir's Befehlen nennen wenn es nur einmal isoliert gebraucht würde.
Would we call it commanding if it were only used in isolation?
§
116[1]Sollten wir sagen wir wissen dann nicht ob es ein Befehlen war weil wir nicht in des Andern Seele schauen könnten?
Should we say that we don’t know whether it was a command because we cannot look into the other’s mind?
§
116[2] &117[1]
Wie wenn ein Mensch (ein Höhlenmensch etwa) immer nur zu sich allein spräche. Denk Dir einen Fall in welchem wir sagen könnten: “Jetzt überlegt er ob er so oder so handeln soll. Jetzt faßt er einen Entschluß. Jetzt befiehlt er sich selbst eine Handlung”. Es ist möglich sich so etwas vorzustellen wenn er sich etwa einfacher Zeichnungen bedient die wir deuten können.
As if a person (a caveman, for example) always spoke only to himself. Imagine a case in which we could say: “Now he is considering whether he should act in this way or that. Now he makes a decision. Now he commands himself to perform an action.” It is possible to imagine such a thing if he uses simpler drawings that we can interpret.
§
117[2]Befehle werden manchmal nicht befolgt. Aber wie würde es aussehen wenn Befehle nie befolgt würden?
Commands are sometimes not obeyed. But what would it look like if commands were never obeyed?
§
117[3] &118[1]
Ich kann heute ein Spiel erfinden das weder ich noch ein Anderer je spielen wird. Wie sehe es aber aus wenn nie Spiele gespielt sondern nur erfunden worden wären.
I can invent a game today that neither I nor anyone else will ever play. But what if no games were ever played, only invented?
§
118[2] &119[1] &
120[1]
Nun kann ich mir das nicht vorstellen? Von Zeit zu Zeit nimmt jemand Papier & Bleistift zur Hand & entwirft den Plan zu dem was wir ein Spiel nennen würden (etwa zum Tennisspiel) & schreibt die Regeln des Spiels dazu. Er setzt vielleicht dazu: es wäre hübsch wenn wir so handeln würden. Warum sagte ich also dieser Zustand ließe sich nicht vorstellen? Nun, wenn es ihn gäbe & wir sähen ihn, so ist die Frage ob wir ihn mit unserem Begriff des Spiels in Zusammenhang bringen würden. Besonders, wenn die Spiele die jenen Plänen entsprächen sehr verschieden wären von denen die bei uns gebräuchlich sind. “Übergang von der Quantität zur Qualität”
Now, can I not imagine that? From time to time, someone takes paper & pencil and drafts the plan for what we would call a game (something like a tennis game) and writes down the rules of the game. He might also add: it would be nice if we acted like this. Why did I say that this state cannot be imagined? Well, if it existed & we saw it, the question is whether we would connect it with our concept of a game. Especially if the games that corresponded to those plans were very different from those that are common among us. “Transition from quantity to quality.”
§
120[2]“Es ist folgendes geschehen: – er hat sich vorgestellt daß – – – geschehen ist.”
Aber man könnte natürlich sagen: Es ist folgendes in seinem Geist vorgegangen: –
“The following happened: – he imagined that – – – happened.”
But one could of course say: The following took place in his mind: –
§
120[3] &121[1] &
122[1]
Wenn Einer schreibt, könnte man sagen, er spricht auf dem Papier. Ist es nun ähnlich wenn wir sagen “er spricht in der Vorstellung”? Kann man sagen es geschieht da etwas im Geist was dem Sprechen analog ist & in Sprache übersetzt werden kann. Erklärt es irgendetwas das zu sagen. Ist es nicht nur ein Bild das uns gar nichts nützt uns irreführt. Denn vergleichen wir in der Vorstellung sprechen mit einem Vorgang den wir in Sprache übertragen können, so könnte dies ein ganz beliebiger Vorgang sein & die Übertragung brauchte nicht nach einer Regel geschehen.
If someone writes, one could say that he speaks on the paper. Is it similar when we say “he speaks in his imagination”? Can one say that something happens in the mind that is analogous to speaking and that can be translated into language? Does it explain anything to say that. Is it not just an image that doesn’t help us, that misleads us? For if we compare speaking in our imagination with a process that we can translate into language, this could be any process, and the translation does not have to take place according to a rule.
§
122[2]Du kannst doch in der Vorstellung sprechen. Ist es also unmöglich, daß Du nur in der Vorstellung sprechen könntest . Nun freilich niemand andrer wüßte es aber das macht ja nichts.
You can speak in your imagination. So is it impossible that you could only speak in your imagination? Of course, no one else would know, but that doesn't matter.
§
123[1]Wenn einer in der Vorstellung spricht so tut er damit nichts das dem Sprechen in irgendeiner Weise analog wäre oder sich in Sprache übersetzen ließe.
If someone speaks in their imagination, then they are not doing anything that would be analogous to speaking in any way or that could be translated into language.
§
123[2]Es ist nicht leicht philosophische Schlüssel zu finden, aber die Schlösser zu den Schlüsseln finden ist das schwerste.
It is not easy to find philosophical keys, but finding the locks to the keys is the most difficult thing.
§
123[3] &124[1]
Es ist nicht leicht philosophische Schlüssel zu finden, die viele Schlösser eröffnen. Aber die Schlösser zu diesen Schlüsseln finden, das ist das schwerste.
It is not easy to find philosophical keys that unlock many locks. But finding the locks to these keys is the most difficult.
§
124[2] &125[1]
Wer uns die Sprache eines Volkes beschreibt beschreibt eine Gleichförmigkeit ihres Benehmens. Und wer eine Sprache beschreibt die Einer mit sich allein spricht, der beschreibt eine Gleichförmigkeit seines Benehmens & nicht etwas was sich einmal zugetragen hat. Aber “eine Sprache sprechen” werde ich nur ein Verhalten nennen das unserem wenn wir unsre Sprache sprechen analog ist.
Whoever describes the language of a people describes a uniformity in their behaviour. And whoever describes a language that one speaks to oneself, he describes a uniformity in his behaviour & not something that has ever happened. But “speaking a language” I will only call a behaviour that is analogous to our behaviour when we speak our language.
§
125[2]Ein Schrei entringt sich ihm. Worte entringen sich ihm.
A scream escapes him. Words escape him.
§
125[3]Ist der Schrei wahr, oder falsch? Wie, wenn ich sagte, er sei echt, oder nicht echt?
Is the scream true, or false? How, if I said it was real, or not real?
§
125[4] &126[1]
Nicht, natürlich, als sei das Wort “echt” richtiger als “wahr”! Es erinnert nur an einen grammatischen Unterschied, der übersehen, oder nicht verstanden wird.
Not, of course, as if the word “real” were more correct than “true”! It only reminds us of a grammatical difference that is overlooked or not understood.
§
126[2] &127[1]
Aber kann sich der nichts vorstellen, der keine Sprache gelernt hat? Das heißt wohl: hat es keinen Sinn von einem zu sagen er stelle sich etwas vor, der keinen Ausdruck der Vorstellung besitzt? Nun hat es Sinn von einer Füllfeder zu sagen sie stelle sich etwas vor? Und wenn nicht, warum? Im Märchen aber könnte man dennoch davon reden wie sich eine Füllfeder sich dies & jenes vorgestellt hat.
But can someone who has not learned a language imagine anything? That is, does it make sense to say that someone is imagining something if they do not have an expression of that imagination? Now, does it make sense to say that a fountain pen is imagining something? And if not, why? In a fairy tale, however, one could still talk about how a fountain pen imagined this and that.
§
127[2] &128[1]
Wenn ich mir etwas vorstelle, so geschieht doch wohl etwas!! Nun, es geschieht etwas – – – & wozu mache ich dann einen Lärm? Wohl dazu, was geschieht mitzuteilen. – Aber wie teilt man denn überhaupt etwas mit? Wann sagt man, etwas werde mitgeteilt? Was ist, sozusagen, der Mechanismus einer Mitteilung? Wie schaut das Spiel des Mitteilens aus? Ist es das gleiche, Spiel ob ich nun einen physikalischen Vorgang mitteile oder einen seelischen?
When I imagine something, something really does happen!! Well, something happens – – – & why then do I make a noise? Probably to communicate what is happening. – But how does one communicate anything at all? When does one say that something is being communicated? What is, so to speak, the mechanism of communication? What does the game of communication look like? Is it the same game whether I communicate a physical process or a mental one?
§
128[2] &129[1]
Und das was man erlebt davon sagt man noch dazu ja, daß es sich nicht mitteilen lasse. Und wenn Du sagst “Ich sage es eben mir selbst” so frage ich wieder, was das heißt, & was der Lärm mit dem zu tun hat was “geschieht”. Wie meint man denn mit dem Wort was geschieht.
And what one experiences, one also says that it cannot be communicated. And if you say “I am just telling it to myself,” then I ask again what that means, & what the noise has to do with what “happens.” How does one mean by the word what happens?
§
129[2]Denke Dir folgendes: Du gibst jemand ein Signal, wenn Du Dir etwas vorstellst & Du benutzt verschiedene Signale für verschiedene Vorstellungen. Wie vereinbart ihr nun was jedes Signal bedeuten soll?
Imagine the following: You give someone a signal when you imagine something & you use different signals for different imaginations. How do you agree on what each signal should mean?
§
130[1]Aber wenn ich z.B. mit mir selbst rede so geht dort doch etwas vor! Du willst sagen es geht da etwas wie eine Lautbewegung vor sich.
But if, for example, I talk to myself, then something is happening! You want to say that something like a vocal movement is happening.
§
130[2]Bezieht sich der Schrei auf den Schmerz?
Does the scream refer to the pain?
§
130[3]Wer laut liest, liest nicht leise & laut. Wer laut spricht, spricht nicht laut & zugleich unhörbar zu sich selbst.
Whoever reads aloud does not read quietly & aloud. Whoever speaks aloud does not speak aloud & at the same time inaudibly to himself.
§
131[1]Wie lehrt & lernt man, leise für sich selbst lesen?
How does one learn & teach how to read quietly to oneself?
§
131[2]Wenn ich ein Gedicht auswendig lerne, indem ich es wieder & wieder für mich leise lese & hersage, verrichte ich doch eine Arbeit & vielleicht eine anstrengende.
If I memorize a poem by reading it quietly to myself over & over again, then I am doing a job & perhaps a strenuous one.
§
131[3]Was ist das Kriterium der Gleichheit zweier Vorstellungen? D.h.: wie vergleicht man Vorstellungen ?
What is the criterion for the sameness of two imaginations? That is: how does one compare imaginations?
§
132[1]So war also in Deinem Geist eine Leere? Gott bewahre! Was ich sagte bedeutete ja das Gegenteil davon.
So there was a void in your mind? God forbid! What I said meant the opposite of that.
§
132[2] &133[1]
Aber ich bin geneigt, zu sagen, es ist hier etwas ganz bestimmtes geschehen worauf sich meine Worte beziehen. Ein Vorgang analog einem äußern Vorgang den meine Worte beschreiben. Nun, es ist interessant, daß wir geneigt sind das zu sagen.
But I am inclined to say that something quite specific happened here, and that is what my words refer to. A process analogous to an external process that my words describe. Well, it is interesting that we are inclined to say that.
§
133[2]Ich stelle mir vor daß der Baum umfällt, ich sehe es deutlich vor mir. Ich habe ein klares Bild vor meinem geistigen Auge. Warum ein Bild?! Wenn ein Bild, warum nicht den Baum?
I imagine that the tree falls, I see it clearly in my mind. I have a clear image in my mental eye. Why an image?! If an image, why not the tree?
§
133[3] &134[1]
Könnte man es sich nicht denken daß Leute immer nur unhörbar, & zu sich selbst, sprächen (&) nie laut. Sie könnten das freilich nicht gelernt haben es aber dennoch tun. Sie brauchten ja eben nur so ausschließlich reden wie sie sonst zu Zeiten reden. Warum soll nicht das was manchmal geschieht immer geschehen?
Could one not imagine that people always only speak inaudibly, & to themselves, (&) never aloud? They could of course not have learned it, but still do it. They just need to speak as exclusively as they otherwise speak at other times. Why shouldn't what sometimes happens always happen?
§
134[2] &135[1]
Nehme ich an daß diese Leute die vorgestellte Sprache in ein wirkliches Sprechen übertragen könnten, oder daß sie es nicht könnten? Und könnten sie es, wenn sie es nie täten?
Do I assume that these people could transfer the imagined language into real speech, or that they could not? And could they do it, if they never did?
§
135[2]Gedankenlos & gedankenvoll Musik machen.
Making music thoughtlessly & thoughtfully.
§
135[3] &136[1]
Eine Linie könnte genug sein um eine ganze Symphonie zu bestimmen, wenn die Vorarbeiten getan sind. Die Linie sehen könnte uns veranlassen zu sagen wir sähen das ganze Werk vor uns weil wir gewiß sind es nun schreiben zu können. Wir könnten auch sagen: “aus dieser Linie muß mir alles folgen.” Und ob ich mit dieser Gewißheit recht hätte würde sich beim Ausarbeiten zeigen. Wir sind manchmal gewiß etwas zu können; & in einer großen Mehrzahl von Fällen können wir es dann auch.
A line might be enough to determine an entire symphony, if the preliminary work has been done. Seeing the line might lead us to say that we see the whole work before us because we are certain that we can now write it. We could also say: “everything must follow from this line.” And whether I would be right in this certainty would become apparent in the elaboration. Sometimes we are certain that we can do something; and in a large number of cases, we can actually do it.
§
136[2] &137[1] &
138[1]
Ich bin z.B. gewiß die & die Melodie pfeifen zu können wenn mir nur jemand die Anfangstakte angibt. Was gibt mir die Berechtigung zu dieser Gewißheit? Ist es daß ich die Melodie bisher immer habe pfeifen können & sie mir nie entfallen ist? Das wäre Induktion. Eines ist Tatsache: ich bin gewiß; nichts würde mich mehr verblüffen, als wenn ich in mitten der Melodie stecken bliebe ohne eine besondere & offenbare Ursache; & bis jetzt habe ich eine solche Überraschung selten oder nie erlebt.
For example, I am certain that I can whistle this and that melody if someone only gives me the opening bars. What gives me the warrant for this certainty? Is it that I have always been able to whistle the melody so far and it has never slipped my mind? That would be induction. One thing is a fact: I am certain; nothing would surprise me more than if I got stuck in the middle of the melody without any particular and obvious reason; and so far I have rarely or never experienced such a surprise.
§
138[2] &139[1]
Ich habe eine walisische Stimme gehört. Ich finde etwas seltsames in Intonation, der Art des Sprechens. Was es ist, könnte ich aber nicht sagen. Später, wenn ich diese Sprechweise an Anderen öfter gehört habe, kann ich sie nachahmen & beschreiben, & nun weiß ich wie der gesprochen hat von dem ich sie zuerst gehört habe. – Wußte ich also damals, als ich ihn sprechen hörte, nicht, wie er sprach, & jetzt – in der Erinnerung – weiß ich's? Ähnlich könnte es geschehen, daß ich ein Gesicht sehe & erst später, wenn ich es nicht mehr sehen kann, zeichnen lerne, & nun im nachhinein genauer weiß, wie das Gesicht ausgesehen hat, als zu der Zeit, da ich es lebendig vor mir hatte.
I heard a Welsh voice. I find something odd in the intonation, the way of speaking. But I could not say what it is. Later, if I have heard this way of speaking more often in others, I can imitate it and describe it, and now I know how the person I first heard spoke. – So, did I not know how he spoke when I heard him speak, and now – in memory – I know it? Similarly, it could happen that I see a face and only later, when I can no longer see it, learn to draw it, and now I know more precisely in retrospect what the face looked like than at the time when I had it vividly before me.
§
140[1] &141[1] &
142[1]
Ich erstarre zu Stein & meine Schmerzen dauern an. Und wenn ich mich nun irrte & es nicht mehr Schmerzen wären! – Aber ich kann mich doch hier nicht irren – es heißt doch nichts, zu zweifeln, ob ich Schmerzen habe! – D.h. wenn Einer sagte “Ich weiß nicht, ist das Schmerzen, was ich habe; oder ist es etwas anderes?” so würden wir uns etwa denken, er wisse nicht was das Wort “Schmerz” bedeute, & wir würden's ihm nun erklären. Wie? Nun durch Gebärden oder etwa indem wir ihn mit einer Nadel stächen & sagten “Siehst Du das sind Schmerzen”. Er könnte diese Worterklärung, wie jede andere, richtig, falsch, oder gar nicht verstehen; & sein Verständnis würde sich im Gebrauch des Worts zeigen, wie auch sonst. – Wenn er nun z.B. sagte “Oh, ich weiß, was ‘Schmerz’ heißt; aber ob das Schmerzen sind, was ich jetzt hier fühle, das weiß ich nicht”– da würden wir bloß die Köpfe schütteln & müßten seine Worte für eine seltsame Reaktion ansehen, mit der wir nichts anzufangen wissen.
I turn to stone and my pains continue. And if I was now mistaken and it wasn’t pains anymore! – But I can’t be mistaken here – it means nothing to doubt whether I have pain! – I.e., if someone said “I don’t know if what I have is pain, or is it something else?” then we would probably think that he does not know what the word “pain” means, and we would now explain it to him. How? Now through gestures or by pricking him with a needle and saying “See, that is pain.” He could understand this explanation of a word, like any other, correctly, incorrectly, or not at all; and his understanding would be shown in the use of the word, as is the case otherwise. – If he now said, for example, “Oh, I know what ‘pain’ means; but whether this is pain that I am feeling now, that I do not know” – then we would just shake our heads and have to regard his words as a strange reaction, with which we do not know what to do.
§
142[2] &143[1] &
144[1]
Ein Ausdruck des Zweifels gehört nicht zu diesem Sprachspiel Aber wenn nun der Ausdruck des Schmerzes, das Schmerzbenehmen, ausgeschlossen ist, dann scheint es, ich dürfe wieder zweifeln. Denn ich bin aus der Praxis der Sprache herausgetreten. Der Satz “Wenn ich mich nun, irrte & es gar nicht Schmerzen wären” ist Unsinn, weil ein Kriterium der Gleichheit der Empfindungen vorgespiegelt wird, das es gar nicht gibt. (Erinnere “Ein Andrer kann nicht diese identischen Schmerzen haben, die ich jetzt habe.”) Aber daß ich hier vorgebe, man könne die Empfindung verkennen die Empfindung für was andres halten, als was sie ist, kommt daher: Wenn ich das Sprachspiel mit dem Ausdruck der Empfindung abgeschafft denke, brauche ich nun ein Kriterium der Identität, & dann besteht (auch) die Möglichkeit des Irrtums.
An expression of doubt does not belong to this language-game. But if the expression of pain, the pain-behaviour, is excluded, then it seems that I may doubt again. Because I have stepped out of the practice of language. The sentence “If I now make a mistake and it is not pain at all” is nonsense, because it suggests a criterion of equality of sensations that does not exist. (Remember “Another cannot have these identical pains that I have now.”) But the fact that I pretend here that one can mistake a sensation for something else than what it is, comes from this: if I think away the language-game with the expression of sensation, then I need a criterion of identity, and then the possibility of error also exists.
§
144[2]Es liegt schon ein Mißverständnis im Begriff des ‘Andauerns’ der Empfindung. Denn was ist unser Kriterium dafür, daß eine Empfindung sich nicht ändert, dieselbe bleibt?
There is already a misunderstanding in the concept of the ‘persistence’ of sensation. Because what is our criterion for the fact that a sensation does not change, remains the same?
§
145[1]Nimm an, ich kann aus meinen Empfindungen, auf gewisse Vorgänge in meinen Nerven, Gehirn & andern Organen schließen – wie es ja tatsächlich der Fall ist; so kann ich also in gewissem Sinne unmittelbar auf körperliche Vorgänge schließen, solche voraussagen. Das ist der Sinn der Worte meine Bewußtseinszustände seien nur eine andre Seite der Gehirnvorgänge, seien diese, ‘von innen gesehen’.
Suppose I can infer certain processes in my nerves, brain and other organs from my sensations – as is actually the case; so in a certain sense I can directly infer physical processes, predict them. That is the meaning of the words that my states of consciousness are only another side of brain processes, are these, ‘seen from the inside’.
§
146[1] &147[1]
Wenn Du Schmerzen hast & daraus auf hohen Blutdruck schließt, wirst Du doch nicht sagen wollen, Du habest aus nichts auf hohen Blutdruck geschlossen. Und wie ist das Experiment zu beschreiben: Du beobachtest Deinen Blutdruck & siehst zu wie er von Deinem Schmerzzustand abhängt. Dabei aber rufst Du nicht durch äußere Mittel die Schmerzen hervor sondern vergleichst nur ihren Verlauf mit dem des Blutdrucks. Denk Dir nun, statt Kreuzchen in einen Kalender einzutragen wenn er Schmerzen hat mache er dies Experiment! Ist das kein Experiment? Wird es nun dadurch zu einem daß er einen Ausdruck des Schmerzes hat? Kann er nicht eben die Veränderung des Blutdrucks richtig für Jeden sichtbar voraussagen?
If you have pain & conclude from it that you have high blood pressure, surely you wouldn’t want to say that you inferred high blood pressure from nothing. And how is the experiment to be described: you observe your blood pressure & see how it depends on your state of pain. However, you do not induce the pain through external means, but only compare its course with that of the blood pressure. Now, imagine that instead of marking crosses in a calendar when he has pain, he conducts this experiment! Is that not an experiment? Does it now become one because he has an expression of the pain? Can he not accurately predict the change in blood pressure for everyone to see?
§
148[1]Und hier spielt wieder das ‘richtige’ Wiedererkennen seiner Empfindung gar keine Rolle. Denn es genügt daß er sie wiederzuerkennen glaubt, da das wichtige Resultat das richtige Voraussagen der körperlichen Erscheinung ist. Und daher muß es auch falsch sein wenn ich sage, er glaube die Empfindung wieder zu erkennen.
And here again, the ‘correct’ recognition of his sensation does not play any role. Because it is enough that he believes he can recognize it, since the important result is the correct prediction of the physical phenomenon. And therefore it must also be wrong if I say that he believes he is recognizing the sensation.
§
148[2] &149[1]
Wie kann ich mir einbilden so uralte Probleme lösen zu können?! Für immer werde ich sie gewiß nicht lösen können, sonst wären sie nicht so uralt geworden. Es sei denn, daß jetzt die Zeit sie löst & das Ende dieser Probleme gekommen ist. – Wenn ich sie lösen kann, dann nur dadurch daß ich sie auf ein andres Geleise schiebe, sie für unsre gegenwärtige Denkweise aus dem Weg räume.
How can I imagine being able to solve such ancient problems?! I certainly will not be able to solve them forever, otherwise they would not have become so ancient. Unless now time solves them & the end of these problems has come. – If I can solve them, then only by putting them on a different track, removing them from our current way of thinking.
§
150[1]Der Unsinn gegen den ich kämpfe ist der halbe Solipsismus, der sagt die Empfindung kenne ich intim daher, daß ich sie habe & nun verallgemeinerte ich meinen Fall.
The nonsense I am fighting against is the half-solipsism, which says that I know the sensation intimately because I have it & now I generalize my case.
§
150[2]Den Begriff ‘Schmerz’ hast Du mit der Sprache gelernt.
You learned the concept of ‘pain’ through language.
§
150[3] &151[1]
Wie nötig die Arbeit der Philosophie ist zeigt James' Psychologie. Die Psychologie, sagt er, sei eine Wissenschaft bespricht aber beinahe keine wissenschaftlichen Fragen. Seine Bewegungen sind lauter Versuche sich vom Spinnennetz der Metaphysik, in dem er gefangen ist, zu befreien. He cannot yet walk, or fly at all he only wiggles. Nicht, daß das nicht interessant ist. Es ist nur nicht eine wissenschaftliche Tätigkeit.
How necessary the work of philosophy is is shown by James's psychology. Psychology, he says, is a science but discusses hardly any scientific questions. His movements are all attempts to free himself from the spider's web of metaphysics, in which he is trapped. He cannot yet walk, or fly at all, he only wiggles. Not that that is not interesting. It is just not a scientific activity.
§
151[2] &152[1]
Wie kann ich denn, von dem Begriff der Empfindung, den ich gelernt habe, dahin kommen zu wissen, daß eine Empfindung fortbestehen kann ohne Träger? Das muß doch auf einem Mißverständnis dieses Begriffs beruhen.
How can I, from the concept of sensation that I have learned, come to know that a sensation can persist without a carrier? That must be based on a misunderstanding of this concept.
§
152[2]To smell a rat is ever so much easier than to trap it.
To smell a rat is ever so much easier than to trap it.
§
152[3] &153[1] &
154[1]
Ich sitze in einem Sessel habe die Augen geschlossen. Ich fühle Schmerzen, ich fühle mich atmen, ich fühle den Druck des Sessels gegen meinen Körper. Nun, nennen wir das einmal eine Erfahrung. Und nun sage ich: wie weiß ich, daß ich nicht zu einem Stein geworden bin? (Oder auch: daß mein Körper nicht ganz verschwunden ist? Denn das eine ist doch eigentlich so gut, wie das andre.) Die Erfahrung ist also da, auch wenn der Körper nicht mehr ist . ‘Die Erfahrung’– aber welche Erfahrung? Nun die, die ich jetzt gerade habe. Aber damit das Sinn hat, brauche ich doch ein Kriterium des Andauerns der gleichen Empfindung. Es geht nicht an zu sagen
“Nun eben diese!” & auf etwas zu zeigen. – Kann ich hier sagen: “Ich mußte doch im Einklang mit den Andern bleiben & “Empfindung” & “gleiche Empfindung” nur das nennen, was auch sie so nennen”? Nun, das heißt schon etwas (& es ist wahr), aber was es heißt, ist leicht mißzuverstehen.
I am sitting in an armchair, my eyes are closed. I feel pain, I feel myself breathing, I feel the pressure of the armchair against my body. Now, let's call that one experience. And now I say: how do I know that I have not turned into a stone? (Or also: that my body has not completely disappeared? Because one is actually just as good as the other.) So the experience is there, even if the body is no longer there. ‘The experience’ – but which experience? Now, the one I am having right now. But in order for that to make sense, I need a criterion of the persistence of the same sensation. It is not possible to say
“Now just this!” & point to something. – Can I say here: “I had to stay in line with the others & only call ‘sensation’ & ‘same sensation’ what they call it too”? Well, that means something (& it is true), but what it means is easily misunderstood.
§
154[2] &155[1] &
156[1]
Ich kann mir doch vorstellen, daß mein Bewußtseinszustand andauert & mein Körper verschwindet. Kann ich mir auch vorstellen, daß sein Schmerz andauert & sein Körper verschwindet? – Doch; man hat sich ja solche Dinge oft vorgestellt. – Aber ist nicht ein merkwürdiger Unterschied zwischen dem Vorstellen dieser beiden Fälle?! Im zweiten scheine ich mir etwas, wie ein Gespenst vorzustellen; im ersten nicht. Und “eine Empfindung haben” muß, wie wir es gebrauchen für mich & alle Andern den gleichen Sinn haben.
Can I imagine that my state of consciousness persists & my body disappears? Can I also imagine that his pain persists & his body disappears? – Yes; one has often imagined such things. – But is there not a strange difference between imagining these two cases?! In the second, I seem to be imagining something like a ghost; in the first, not. And “having a sensation” must, as we use it, have the same meaning for me & everyone else.
§
156[2]“Ich brauche ein Kriterium des Andauerns der gleichen Empfindung”, sagte ich. – Warum aber? Weil der Ausdruck für die Empfindung, so wie er aus seinem Sprachspiel herausgelöst ist, völlig in der Luft hängt.
“I need a criterion for the persistence of the same sensation,” I said. – But why? Because the expression for the sensation, as it is taken out of its language-game, is completely suspended in the air.
§
156[3] &157[1]
Könnte man das auch so sagen: “Wenn die Empfindung mich zu nichts mehr bringt, so kann ich sie nicht mehr identifizieren.”
Could one also say: “If the sensation no longer leads me to anything, then I can no longer identify it.”
§
157[2] &158[1]
Das hängt mit dem Begriff der ‘Geschichte der Empfindungen’ zusammen. Unsere ‘Bewußtseinszustände’ haben Geschichte. Sie sind gleichzeitig mit Geschehnissen in der Körperwelt. Und das heißt auch unsre Erinnerungszustände haben diese Geschichte. Daher enthält der Erinnerungszustand seine geschichtliche Vergangenheit nicht, & es muß andere Zeugnisse für sie geben.
This is connected with the concept of the ‘history of sensations’. Our ‘states of consciousness’ have a history. They coincide with events in the physical world. And this also means that our states of memory have this history. Therefore, the state of memory does not contain its historical past, and there must be other testimonies for it.
§
158[2] &159[1]
Es scheint paradox daß wir in einem Bericht Körper- & Bewußtseinszustände kunterbunt durcheinander mischen: “Er litt große Qualen & warf sich unruhig umher, dann wurde er ruhiger & verbiß seinen Schmerz.” Das ist ganz gewöhnlich; warum erscheint es also paradox? Weil wir sagen wollen, der Satz handle von greifbarem & ungreifbarem. – Aber findest Du etwas dabei, wenn ich sage: “Diese 3 Stützen geben dem Hause Festigkeit”? (Sind 3 & Festigkeit greifbar?) Sieh den Satz als Instrument an & seinen Sinn als seinen Gebrauch! (“Als ich wieder in den Laden kam, war der Käse inzwischen teurer geworden.”)
It seems paradoxical that in one account, we mix bodily and conscious states all jumbled up: “He suffered great agony and tossed and turned restlessly, then he became calmer and endured his pain.” This is quite ordinary; so why does it seem paradoxical? Because we want to say that the sentence is about something tangible and something intangible. – But do you find anything wrong with me saying: “These 3 supports give the house stability”? (Are 3 and stability tangible?) See the sentence as an instrument and its sense as its use! (“When I came back to the shop, the cheese had become more expensive in the meantime.”)
§
159[2] &160[1]
Kann es aber nicht eine Geschichte ohne Zeugnisse geben? Wir wissen dann freilich nicht, ob sie wahr, oder falsch ist, aber sie ist wahr, oder falsch.
But could there also be a history without testimonies? We do not, of course, know whether it is true or false, but it is true or false.
§
160[2] &161[1]
Ich identifiziere meine Empfindung freilich nicht, sondern ich gebrauche das gleiche Wort. Aber damit endet ja das Sprachspiel nicht, damit fängt es (erst) an. Aber fängt das Sprachspiel nicht mit der Empfindung an – die ich beschreibe? – Das Wort “beschreiben” hat uns vielleicht da zum besten. Ich sage “Ich beschreibe meinen Seelenzustand” & “Ich beschreibe mein Zimmer”. Hier muß man sich die Verschiedenheiten der Sprachspiele ins Gedächtnis rufen.
I do not, of course, identify my sensation, but I use the same word. But this does not end the language-game; it is when this happens that it (only) begins. But doesn’t the language-game begin with the sensation – that I describe? – Perhaps the word “describe” is most helpful here. I say “I describe my state of mind” and “I describe my room”. Here, one must remember the differences between language-games.
§
161[2] &162[1]
Wenn ich nun aber einen Wohnraum beschreibe, den nur ich gesehen habe & je sehen werde, kommt das nicht auf's Gleiche hinaus als beschriebe ich etwas, was nur ich sehen kann?
If I now describe a living space that only I have seen and will ever see, does that amount to the same thing as describing something that only I can see?
§
162[2]Könnte der das Wort “Schmerz” verstehen, der nie Schmerz gefühlt hat? – Was ist das für eine Frage? Soll die Erfahrung mich lehren, wie es sich verhält? Und wenn Du sagst “Einer kann sich Schmerzen nicht vorstellen, außer er hat sie einmal gefühlt” – woher weißt Du das? Wie läßt es sich entscheiden, ob das wahr ist?
Could someone who has never felt pain understand the word “pain”? – What kind of question is that? Is experience supposed to teach me what it is like? And if you say, “One cannot imagine pain except by having felt it once” – how do you know that? How can it be decided whether that is true?
§
162[3] &163[1] &
164[1]
“Aber Du wirst doch zugeben, daß ein Unterschied ist zwischen Schmerzbenehmen mit Schmerzen & Schmerzbenehmen ohne Schmerzen. – Zugeben? Welcher Unterschied könnte größer sein! – Und doch gelangst Du immer wieder zum Ergebnis der Schmerz selbst sei ein Nichts. – Nicht doch! Es ist kein Etwas, aber auch nicht ein Nichts! Unser Ergebnis war nur, daß ein Nichts die gleichen Dienste täte, wie ein Etwas, worüber sich nichts aussagen läßt. D.h., wir verwarfen die Grammatik, die sich uns aufdrängte. Und das Paradox verschwindet, & verschwindet nur dann, wenn wir radikal mit der Idee brechen, die Sprache funktioniere immer auf eine Weise, diene immer dem gleichen Zweck: Gedanken zu übertragen – seien diese nun Gedanken über Häuser, Schmerzen, Gut & Böse, oder was immer.
“But you will admit that there is a difference between pain-behaviour with pain and pain-behaviour without pain. – Admit? What greater difference could there be! – And yet you keep coming to the conclusion that pain itself is nothing. – Not at all! It is not something, but it is not nothing either! Our conclusion was only that nothing would serve the same purpose as something, which is something we cannot say anything about. That is to say, we rejected the grammar that was imposed on us. And the paradox disappears, and it disappears only when we break radically with the idea that language always works in a way, always serves the same purpose: to transmit thoughts – whether these are thoughts about houses, pains, good and evil, or whatever.
§
165[1]Aber was ist das nun für ein Satz: “Welcher Unterschied könnte größer sein!” Ein Ausruf. Aber ist er wahr, oder falsch? (Denn der Ausruf “Es regnet schon wieder!” kann wahr, oder falsch sein.)
But what is that sentence: “What greater difference could there be!” An exclamation. But is it true or false? (Because the exclamation “It’s raining again!” can be true or false.)
§
165[2] &166[1] &
167[1]
Ein Gedanke gehört zu einer Gruppe von Gedanken, die wenn er da ist auf den leisesten Wink kommen. Und das ist nicht ein Fall von Assoziation; sondern man könnte sagen: der Satz, den ich ausspreche ist gar kein kompletter Gedanke, sondern nur ein Teil. Der Gedanke sei die ganze Geschichte zu nennen, von der ich jetzt nur einen Satz benütze. Ich meine: es ist beinahe als zitierte ich einen Satz aus der Szene eines Romans, etwa. Wobei ich z.B. beim Hörer die ‘Kenntnis’ des ganzen Zusammenhangs voraussetze. Also eine Fähigkeit von diesem Satz auf andere, die zu der Geschichte gehören, ohne Nachdenken überzugehen. In diesem Sinne könnte man den ausgesprochenen Satz eine Andeutung nennen.
A thought belongs to a group of thoughts, and when it is there, it comes at the slightest hint. And this is not a case of association; rather, one could say: the sentence I utter is not a complete thought at all, but only a part. Let us say that the thought is the whole story, of which I am now using only one sentence. I mean: it is almost as if I am quoting a sentence from the scene of a novel, for example, in which I presuppose the ‘knowledge’ of the whole context in the listener. That is, an ability to move from this sentence to other sentences that belong to the story, without thinking about it. In this sense, one could call the uttered sentence a hint.
§
167[2] &168[1]
Das französische “ne … pas”. Man kann doch hier sagen, daß jedes Bewußtsein dafür verloren gegangen ist, daß “pas” Schritt heißt die Redeform also heißt: nicht einmal ein Schritt (wie: “nicht ein Härchen”). Aber man kann auch sagen, daß nicht nur die Vorstellung eines Schrittes hier nicht hervorgerufen wird sondern das ‘ne pas’ auch nicht so empfunden wird wie “nicht einmal …” also als eine verstärkte Negation. Wohl; aber was heißt das nun? Das erinnert ja an das Jamessche feeling of if etc. Soll ich also sagen es gäbe ein bestimmtes Gefühl, das das Wort ‘pas’ zu einem die Negation verstärkenden Substantiv stempelt?
The French “ne…pas”. One can certainly say that all consciousness of the fact that “pas” means step has been lost; the expression thus means: not even a step (as in: “not a hair”). But one can also say that not only is the image of a step not evoked here, but that “ne pas” is also not experienced as “not even…”, i.e., as an intensified negation. Well, but what does that mean? It does remind one of James’s feeling of if, etc. Should I say that there is a specific feeling that makes the word “pas” into a noun that intensifies the negation?
§
169[1]Nun es handelt sich wieder um die von dieser Redeweise aus leicht zugängliche Umgebung. Ich gebrauche das Wort “ein bißchen” ohne im entferntesten an einen Bissen zu denken. Und das heißt z.B., daß ich mich nicht wie sonst in acht nehmen werde keine unpassende Metapher mit der des kleinen Bissens zu vermischen.
Now, it concerns the environment that is easily accessible from this way of speaking. I use the word “a little bit” without thinking about a bite in the slightest. And that means, for example, that I will not, as otherwise, be careful not to mix an inappropriate metaphor with that of the small bite.
§
169[2] &170[1]
Die Schwierigkeit in die ich mich mit meinen Ideen von der Schmerzäußerung verwickle könnte man so darstellen: Wenn “Ich habe Schmerzen” für den …
The difficulty I encounter with my ideas about the manifestation of pain can be presented as follows: If “I am in pain” means for the …
§
170[2]Betrachte den Satz: “Ich tue nur, als hätte ich Schmerzen”. In was für Fällen würde man dies sagen? – Seltsamerweise auch in dem Fall, in welchem Einer sich so stellt, als hätte er Schmerzen, die er zu verbergen sucht.
Consider the sentence: “I am only pretending to be in pain.” In what cases would one say this? – Strangely, also in the case in which someone behaves as if they have pain that they are trying to hide.
§
170[3] &171[1]
Ich sage jemandem, ich habe Schmerzen. Seine Einstellung zu mir wird nun die des Glaubens sein; des Unglaubens; des Mißtrauens; etc..
I tell someone that I am in pain. Their attitude towards me will now be one of belief, disbelief, mistrust, etc.
§
171[2] &172[1]
Nehmen wir an er sagt: “Es wird nicht so schlimm sein”. Ist das nicht der Beweis dafür, daß er an etwas glaubt, das hinter der Äußerung des Schmerzes steht? Seine Einstellung ist nur ein Beweis seiner Einstellung. Denke Dir nicht nur den Satz “Ich habe Schmerzen” sondern auch den: “Es wird nicht so schlimm sein”, durch Naturlaute & Gebärden ersetzt!
Let us assume that he says: “It won’t be that bad.” Isn’t that proof that he believes in something that is behind the utterance of pain? His attitude is only proof of his attitude. Don’t just imagine the sentence “I am in pain”, but also the sentence: “It won’t be that bad”, replaced by natural sounds and gestures!
§
172[2] &173[1]
Welche Rolle spielt die Wahrheit, oder Falschheit eines Berichts in andern Sprachspielen? – Ich sehe zum Fenster hinaus & sage ihm: “Der Wind hat den Baum umgeworfen”. Er eilt hinzu, sieht, daß ich ihn zum besten gehabt, – oder die Wahrheit gesprochen habe.
What role does the truth, or falsity, of a report play in other language-games? – I look out the window and say to him: “The wind has blown down the tree.” He hurries over, sees that I was right, or that I spoke the truth.
§
173[2] &174[1] &
175[1]
“Welcher Unterschied könnte größer sein!” – Im Fall der Schmerzen glaube ich, ich könne mir diesen Unterschied privat vorführen. Im Fall des umgeworfenen Baumes kann ich ihn jedem vorführen. Aber diese private Vorführung ist eine Illusion & Du brauchst Dir zu ihr auch gar nicht Schmerzen hervorrufen, sondern es genügt z.B., wenn Du Dir sie vorstellst, z.B. etwas das Gesicht verziehst. Und wie weißt Du, daß, was Du Dir da vorstellst, Schmerzen sind & nicht ein Ausdruck des Schmerzes? Diese Vorführung ist eine Illusion. Wie weißt Du auch, was Du Dir vorführen sollst, ehe Du Dir's vorführst? (Du mußt Dich an den Gedanken gewöhnen daß Sprach-Reaktionen, wie andere, oft geschehen auftreten, wenn sie keinen Zweck haben. Und es wäre gar zu merkwürdig, wenn es nicht so wäre.)
“What greater difference could there be!” – In the case of pain, I believe I can demonstrate this difference privately. In the case of the blown-down tree, I can demonstrate it to everyone. But this private demonstration is an illusion, and you don’t even need to induce pain in order to have it, but it is enough, for example, if you only imagine it, for example, by contorting your face. And how do you know that what you are imagining is pain and not an expression of pain? This demonstration is an illusion. How do you even know what you should demonstrate before you demonstrate it? (You must get used to the thought that language reactions, like others, often occur when they have no purpose. And it would be quite remarkable if that were not the case.)
§
175[2]“Häufe das Benehmen, wie Du willst, – es gibt immer noch keine Schmerzen!”
“Pile up the behavior as you like, there is still no pain!”
§
175[3] &176[1] &
177[1]
Aber sind die Fälle des Baumes & der Schmerzen nicht doch ganz ähnlich? Denn dem Gesichtsbild im einen entspricht die Schmerzempfindung im andern. Die Gesichtsempfindung kann ich mir so wenig vorführen, oder
ebenso sehr wie die Schmerzempfindung. Denk Dir diesen Fall die Oberfläche von Körpern (Steinen, Pflanzen, Knochen etc.) hatte bestimmte Punkte welche unserem Finger bei der Berührung Schmerzen verursachten ohne uns bekannte Ursache. (Man könnte sich etwa vorstellen daß wir bei der Berührung gewisser Punkte einen elektrischen Schlag empfinden, ohne daß uns von Elektrizität etwas bekannt wäre.) Wir könnten dann, so wie wir heute von einem rotgefleckten Stein reden von einem mit Schmerzflecken reden. D.h. die Schmerzempfindlichkeit könnte zum Erkennen der Außenwelt auf ähnliche Weise gebraucht werden wie die Tastempfindung.
But are the cases of the tree and of pain not really quite similar? For the visual image in the one case corresponds to the sensation of pain in the other. I can demonstrate the visual sensation to myself as little, or as much, as I can demonstrate the sensation of pain. Imagine this case: the surface of bodies (stones, plants, bones, etc.) had certain points which caused our finger pain when touched, without any known cause. (One could imagine that when touching certain points, we feel an electric shock, without knowing anything about electricity.) We could then, just as today we talk about a red-flecked stone, talk about one with pain spots. That is, the sensitivity to pain could be used to recognize the external world in a similar way to the sense of touch.
§
177[2]Wir sagen dieser Stein ist heiß, oder kalt, aber nicht, er ist schmerzhaft.
We say this stone is hot or cold, but not that it is painful.
§
177[3]Man könnte sagen “dieser Stein brennt”.
One could say “this stone burns”.
§
178[1]Ich kann Schmerzen vorführen, wie ich rot vorführe, & wie ich gerade & krumm, & Baum & Stein vorführe. – Das nennen wir eben “vorführen”.
I can demonstrate pain, just as I demonstrate red, and just as I demonstrate straight and curved, and tree and stone. – We simply call that “demonstrating”.
§
178[2] &179[1]
Wie ist es nun mit dem Worte “blau” z.B. – soll ich sagen, dies bezeichne etwas der Erkenntnis aller, oder der meisten, Menschen gemeinsames & jeder sollte eigentlich außer diesem Wort noch ein anderes haben zur Bezeichnung seiner eigenen Empfindung von Blau? Oder ist es so: Das Wort “blau” bezeichnet für den Andern (& vielleicht manchmal auch für mich) das gemeinsame Blau; für mich aber bezeichnet es außerdem etwas privates; oder vielleicht besser: es bezieht sich auf etwas privates?
Now, what about the word “blue,” for example? Should I say that it designates something common to the knowledge of all, or most, people, and that everyone should actually have something else besides this word to designate his own impression of blue? Or is it like this: the word “blue” designates the common blue for the other person (and perhaps sometimes also for me); but for me, it also designates something private; or perhaps better: it refers to something private?
§
179[2] &180[1]
Hier muß ich sagen, daß das wesentliche am ‘privaten’ nicht das ist, daß es jeder allein besitzt, sondern eigentlich, daß Keiner weiß, ob der Andere auch dies hat, oder etwas anderes. Es wären also solche Annahmen möglich wie die, daß alle Menschen tatsächlich, ohne es zu wissen, die gleiche Empfindung von blau haben, oder daß jeder eine andere hat, oder daß 50% der Menschen eine, & 50% eine andere haben.
Here, I must say that the essential thing about the ‘private’ is not that it is possessed by everyone alone, but rather that no one knows whether the other also has this, or something else. So, assumptions like the following would be possible: that all people actually have the same impression of blue, without knowing it, or that everyone has a different one, or that 50% of people have one, and 50% have another.
§
180[2] &181[1] &
182[2] &
183[1]
Natürlich, wie & wozu man das Private bezeichnen soll ist ganz unklar. Sagt man aber: das Wort bezieht sich auf die eigene Empfindung, so entspricht dieser psychologisch genauere Ausdruck einem bestimmten Erlebnis beim Philosophieren. Schau auf das Blau des Himmels, sag zu Dir selbst: “Wie blau der Himmel ist!” – Wenn Du es spontan tust – nicht mit philosophischen Absichten – so denkst Du nicht dran, daß dieser Farbeneindruck, nur Dir gehöre. James ist eine Fundgrube der Psychologie des Philosophen.
Und Du hast kein Bedenken diesen Ausruf an einen Freund zu richten, der mit Dir ist. Und wenn Du bei den Worten auf etwas zeigst, so ist es der Himmel; ich meine: Du hast nicht das Gefühl des in-sich-selbst-Zeigens, das oft das ‘Benennen der Empfindung’ begleitet, wenn wir über die ‘private Sprache’ nachdenken. Du denkst auch nicht, Du solltest eigentlich nicht mit der Hand, sondern nur mit der Aufmerksamkeit zeigen.
Of course, how & to what end one should designate the private is entirely unclear. But if one says that the word refers to one’s own sensation, this psychologically more precise expression corresponds to a certain experience in philosophizing. Look at the blue of the sky, say to yourself: “How blue the sky is!” – If you do it spontaneously – not with philosophical intentions – you don’t think that this colorful impression belongs only to you. James is a treasure trove of the psychology of the philosopher.
And you have no hesitation in directing this exclamation to a friend who is with you. And if you point to something while saying the words, it is the sky; I mean: you don’t have the feeling of pointing inward, which often accompanies ‘naming the sensation’ when we think about ‘private language’. You also don’t think that you should actually point with your hand, but only with your attention.
§
183[2] &184[1] &
185[1] &
186[1]
Aber wie ist es überhaupt möglich, daß wir in (der) Versuchung sind, zu denken, wir meinten manchmal mit der Erklärung “Dies heißt ‘rot’” die Farbe, die Jeder sehen kann, manchmal aber dasjenige, was ich den “visuellen Eindruck” nennen möchte & was mir – ja vielleicht mir & dem Moment – eigen ist? Ich gebe der Farbe jedenfalls in diesen Fällen verschiedene Aufmerksamkeit. Im zweiten Falle vertiefe ich mich, sozusagen, in sie, wie ich es tue wenn ich mich an einer Farbe nicht satt sehen kann. Daher ist es leichter die Empfindung dieses Falles zu erhalten, wenn die Farbe kräftig & leicht einprägbar ist.
But how is it possible that we are sometimes tempted to think that when we say, “This is called ‘red,’” we mean the color that everyone can see, and sometimes we mean what I would like to call the “visual impression” and what is unique to me – yes, perhaps to me and the moment? In any case, in these cases, I give different attention to the color. In the second case, I immerse myself in it, as it were, as I do when I can’t get enough of looking at a color. Therefore, it is easier to retain the impression of this case when the color is strong and easily memorable.
§
186[2] &187[1] &
188[1]
Jemand kommt in ein Land, das, wie es scheint nicht von Menschen bevölkert ist. Aber da hört er Stimmen um sich her & eine Sprache, die er kennt. Es ist leicht zu hören daß die Stimme von einem andern Ort herkommt, ganz als käme jede aus dem Munde eines Menschen. Diese Unsichtbaren reden nun über allerhand Sinneseindrücke & klagen auch manchmal über Schmerzen. Ist es unmöglich, daß der, der sie hört glaube, sie hätten Schmerzen. Er kann doch z.B. von Mitleid für sie erfüllt sein & also glauben, daß sie leiden. Nun wir denken uns einen Fall, der von dem tatsächlichen nicht ganz losgelöst ist.
Someone comes to a land that, it seems, is not inhabited by people. But there, he hears voices around him and a language that he knows. It is easy to hear that the voice comes from another place, as if each one comes from the mouth of a person. These invisible people are now talking about all sorts of sensory impressions and sometimes also complaining about pain. Is it impossible for the one who hears them to believe that they are in pain? He can, for example, be filled with compassion for them and therefore believe that they are suffering. Now, let us imagine a case that is not completely detached from the actual one.
§
188[2]Wie bin ich von Mitleid für diesen Menschen erfüllt? Wie zeigt es sich, welches Objekt das Mitleid hat?
How am I filled with compassion for this person? How does it show, what is the object of the compassion?
§
188[3] &189[1] &
190[1]
Ja, ich kann von Leblosem, z.B. im Spiel mit Puppen, sagen, es habe Schmerzen. Aber wie wäre es, wenn ich dies nur von Leblosem sagte? Wenn also das Puppenspiel nicht eine Nachahmung der menschlichen Tätigkeiten wäre. Wenn Kinder ‘Eisenbahn’ spielen, so hängt ihr Spiel auf mannigfache Weise mit ihrer Kenntnis der Eisenbahn zusammen. Man könnte sich aber denken, daß Kinder eines Volksstammes, der keine Eisenbahnen kennt, das Eisenbahnspiel von andern Kindern übernommen hätten & daß es sie unterhielte, obwohl sie gar nichts von einer wirklichen Eisenbahn wüßten. Man könnte sagen, dieses Spiel habe bei ihnen einen andern Sinn als bei uns.
Yes, I can say that a lifeless thing, such as in a game with dolls, has pain. But what if I only said this about lifeless things? That is, if the doll game were not an imitation of human activities. When children play ‘train,’ their game is connected with their knowledge of the train in many ways. But one could imagine that children of a tribe that knows no trains have adopted the train game from other children and that it entertains them, even though they know nothing of a real train. One could say that this game has a different meaning for them than for us.
§
190[2]Wenn einmal ein Gedanke am fernen Horizont erschienen ist, so kommt er oft mit unerwarteter Schnelligkeit nahe.
Once a thought has appeared on the distant horizon, it often approaches with unexpected speed.
§
190[3] &191[1]
Gefragt, welche Farbe ich mir vorgestellt habe, zeige ich auf sie, oder nenne sie – aber wie kommt es, daß ich das ohne weiteres tun kann; daß mir die Abbildung der Vorstellung in die Wirklichkeit so wenig Schwierigkeit macht. Sehen sich denn Vorstellung & Wirklichkeit zum Verwechseln ähnlich? – Aber so kann ich doch auch ohne weiteres einen Menschen nach einer Photographie wiedererkennen. [Handelt sich's aber hier wirklich um eine Abbildung??]
When asked what color I imagined, I point to it or name it – but how is it that I can do this so easily; that the depiction of the image in reality presents me with so few difficulties? Are image and reality so confusingly similar? – But I can also easily recognize a person from a photograph. [But is this really a depiction?]
§
191[2] &192[1]
Wenn also die Vorstellung eine Abbildung der Wirklichkeit ist, kann ich da fragen: “Wie muß eine richtige Vorstellung dieser Farbe aussehen?”? Kann ich das lernen?
So, if the image is a depiction of reality, can I ask: “What would a correct image of this color look like?”? Can I learn this?
§
192[2] &193[1]
“Wenn die Menschen immer nur in ihrem Innern zu sich selbst sprächen, so täten sie nur dasjenige ständig, was sie heute manchmal tun.” Es ist also ganz leicht sich dies vorzustellen. (Vergleiche: “Eine unendlich lange Baumreihe ist einfach eine, die nicht ein Ende hat.”)
“If people always spoke only to themselves inwardly, then they would simply do what they constantly do today.” It is therefore quite easy to imagine this. (See: “An infinitely long row of trees is simply one that has no end.”)
§
193[1] &194[1]
Aber unser Kriterium dafür, daß Leute, zu sich selbst sprechen, ist, daß sie laut sprechen. Wir sagen nicht, ein Hund spreche vielleicht zu sich selbst, in einer europäischen Sprache. Und wenn Du sagst, es ist eben im höchsten Grade unwahrscheinlich, so ist das ein Mißbrauch des Worts “unwahrscheinlich”. Wer nicht sprechen gelernt hat, von dem sagen wir nicht er spreche zu sich selbst. Aber ich kenne doch von mir selbst, was es heißt “zu sich sprechen”. Und würde ich der Organe des lauten Sprechens beraubt, so könnte ich dennoch unhörbar Selbstgespräche führen. Ich könnte? Es wäre denkbar? Es hat jedenfalls Sinn, dies zu sagen?
But our criterion for whether people are talking to themselves is that they speak aloud. We don’t say that a dog perhaps speaks to itself in a European language. And if you say that it is simply highly improbable, then that is a misuse of the word “improbable”. We don’t say that someone who has not learned to speak is talking to himself. But I do know from my own experience what it means to “talk to oneself”. And if I were deprived of the organs of loud speech, I could still have inaudible conversations with myself. Could I? Would it be conceivable? In any case, does it make sense to say this?
§
194[2]Weiß ich's nur von mir selbst, dann weiß ich nur, was ich so nenne, nicht, was ein Andrer so nennt.
If I only know it from myself, then I only know what I call it, not what someone else calls it.
§
195[1]“Er sprach in seinem Herzen zu sich”
“He spoke in his heart to himself.”
§
195[2]Wenn ich einen Entschluß fasse spreche ich in meinem Herzen zu mir, aber nicht, z.B., wenn ich philosophiere.
When I make a decision, I speak to myself in my heart, but not, for example, when I philosophize.
§
195[3] &196[1]
Zitat bei James aus den Schriften eines Taubstummen Ballard, der erzählt wie er als Knabe, ehe er noch sprechen konnte, über Gott & die Welt philosophierte. Meine Reaktion ist: “Was das wohl heißen mag?!” D.h. ich nehme seine Erzählung als eine seltsame, & vielleicht interessante, Wortreaktion, aus der ich keinerlei Schlüsse auf das Knabenalter dieses Menschen zu ziehen geneigt bin. – Willst Du also sagen, es täusche ihn sein Gedächtnis? – Ich weiß nicht einmal, ob ich das sagen würde. “It was during those delightful rides, some 2 or 3 years before my initiation into the rudiments of written language, that I began to ask myself the question: How came the world into being?”– of all questions! Are you sure that this is a correct translation from your wordless thoughts into words?
Quoted by James from the writings of a deaf-mute Ballard, who recounts how, as a boy, before he could speak, he philosophized about God and the world. My reaction is: “What could that mean?!” I.e., I take his account as a strange, and perhaps interesting, verbal reaction, from which I am not inclined to draw any conclusions about this person’s childhood. – So, are you saying that his memory deceives him? – I don’t even know if I would say that. “It was during those delightful rides, some 2 or 3 years before my initiation into the rudiments of written language, that I began to ask myself the question: How came the world into being?” – of all questions! Are you sure that this is a correct translation from your wordless thoughts into words?
§
197[1] &198[1]
“Was manchmal geschieht, könnte immer geschehen.” – Was wäre das für ein Satz? Ein ähnlicher, wie dieser: Wenn “φ(a)” Sinn hat, hat “(x) ∙ φ(x)” Sinn. – Es müßte also eigentlich heißen: Wenn es Sinn hat, zu sagen, das & das geschehe manchmal – also auch, wenn es nie geschieht – hat es Sinn, zu sagen, es geschehe immer. “Wenn es vorkommen kann, daß Einer in einem Spiel falsch zieht, so könnte es sein, daß die Menschen in allen Spielen immer nur falsche Züge machten.” Das zeigt, daß wir die Logik dieser Ausdrücke, den Gebrauch unsrer Worte, nicht recht verstehen.
“What sometimes happens could always happen.” – What kind of sentence would that be? A similar one to this: If “φ(a)” makes sense, then “(x) ∙ φ(x)” makes sense. – So, it should actually say: If it makes sense to say that this and that happens sometimes – even if it never happens – then it makes sense to say that it happens always. “If it can happen that someone makes a wrong move in a game, then it could be that people in all games always make only wrong moves.” This shows that we do not quite understand the logic of these expressions, the use of our words.
§
198[2]“Kann ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn alle Menschen blind wären?” – Wie, wenn ich sagte: “Mach die Augen zu, dann siehst Du's”?
“Can I imagine what it would be like if all people were blind?” – How about if I said: “Close your eyes, then you will see it”?
§
198[3] &199[1] &
200[1]
“Diese Taubstummen haben alle nur eine Gebärdensprache gelernt, jeder aber spricht zu sich selbst eine Lautsprache.” – Nun, verstehst Du das nicht? – Wie weiß ich nur, ob ich's verstehe? –Was kann ich mit dieser Mitteilung (wenn ich's so nennen darf) anfangen? Die ganze Idee des Verstehens wird hier zweifelhaft. Ich weiß nicht, ob ich sagen soll, ich versteh's oder ich versteh's nicht. Ich möchte antworten “Es ist ein deutscher Satz; scheinbar ganz in Ordnung – ehe man nämlich mit ihm arbeiten will; er ist mit andern Sätzen so verbunden, daß es schwer fällt, zu sagen, man wisse eigentlich nicht, was er sagt; jeder Mensch der nicht philosophisch anästhesiert ist, merkt, daß hier etwas nicht stimmt.”
“These deaf-mutes have all only learned a sign language, but each speaks to himself a spoken language.” – Well, don’t you understand that? – How do I know if I understand it? – What can I do with this communication (if I may call it that)? The whole idea of understanding becomes doubtful here. I don’t know if I should say that I understand it or that I don’t understand it. I would like to answer: “It is a German sentence; seemingly quite in order – before one actually wants to work with it; it is connected with other sentences in such a way that it is difficult to say that one does not actually know what it says; every person who is not philosophically anæsthetized realizes that something is not right here.”
§VB
200[2]Ob es eine unerfüllte Sehnsucht ist, die einen Menschen wahnsinnig macht? (Ich dachte an Schumann, aber auch an mich.)
Is it an unfulfilled longing that drives a person mad? (I was thinking of Schumann, but also of myself.)
§
200[3] &201[1]
Wir sagen nicht ein Hund spreche vielleicht zu sich selber, obwohl wir nichts davon wüßten. Ist das, weil wir seine Seele so genau kennen? Nun, man könnte so sagen. – Nur vom Menschen sagen wir, er spreche zu sich selbst – & nur vom sprechenden Menschen. Nur von dem, was sich so & so benimmt. – Aber sage ich's auch von mir nur, weil ich mich so & so benehme? Ich sage es nicht auf die Beobachtung meines Benehmens hin; aber wenn ich's sage, hat es nur Sinn, weil ich mich so & so benehme. – So hat es also nicht darum Sinn, weil ich es meine?
We don’t say that a dog perhaps speaks to itself, even though we know nothing about it. Is this because we know its mind so well? Well, one could say that. – Only of human beings do we say that they speak to themselves – and only of speaking human beings. Only of those who behave in such and such a way. – But do I also say it of myself only because I behave in such and such a way? I don’t say it based on the observation of my behaviour; but if I say it, it only makes sense because I behave in such and such a way. – So it doesn’t make sense because it’s mine?
§
202[1]Ein Grammophon spricht ja; & könntest Du nicht annehmen, es habe eine Seele & meine mit ihr, was es spricht? Ich verstehe wohl: es ist schwer die Seele mit einer Maschine zur Deckung zu bringen. Und nun noch gar das Denken dieser Seele mit dem Sprechen der Maschine! Es ist schwer; aber ist es unmöglich?
A gramophone does speak; and couldn’t you assume that it has a mind and mine what it says? I suppose it’s difficult to bring the mind and a machine into correspondence. And now, even more so, to bring the thinking of this mind into correspondence with the speaking of the machine! It is difficult; but is it impossible?
§
202[2] &203[1] &
204[1]
Wie weiß ich, was das heißt “zu mir selber (im Innern) sprechen”? Es ist doch kein ganz einfacher Übergang von der Bedeutung des Wortes “sprechen”, wenn dies heißt: Laute hervorzubringen – zu einer Bedeutung, in der es das nicht heißt. Wenn ich jemand zumute einen solchen Übergang zu machen, wie weiß ich da, wozu er übergehen wird. Wenn ich Einem sagte: Verwende das Wort “Zucker” für etwas, was so ist, wie Zucker, aber weder süß, noch eßbar; so ist nicht klar, was er nun “Zucker” nennen wird.
How do I know what it means to “speak to myself (inwardly)”? It’s not a completely simple transition from the meaning of the word “speak,” when this means: to produce sounds – to a meaning in which it does not mean that. If I want someone to make such a transition, how do I know what he will transition to? If I said to someone: Use the word “sugar” for something that is like sugar, but neither sweet nor edible; then it is not clear what he will now call “sugar.”
§VB
204[2]Revolutionär wird der sein, der sich selbst revolutionieren kann.
He will be revolutionary who can revolutionize himself.
§
204[3] &205[1] &
206[1]
Der Sessel spricht zu sich selbst “ …”. Wo spricht er es? In einem seiner Teile? Oder außerhalb seiner selbst, in der Luft um ihn? Oder gar nicht irgendwo? Aber was ist dann der Unterschied zwischen dem Sprechen dieses Sessels & dem eines andern Dings? – Aber wie ist es dann mit dem Menschen, wo spricht er zu sich selbst? Wie kommt es, daß diese Frage irrelevant erscheint, eine Ortsbestimmung unnötig, außer der, daß eben dieser Mensch zu sich selbst spricht, – während die Frage, wo der Sessel zu sich selbst spreche, eine Antwort zu verlangen scheint? Ich glaube, der Grund ist: wir wollen wissen, wie der Sessel einem Menschen entsprechen soll; ob der Kopf am obern Ende der Lehne zu denken ist, etc..
The armchair says to itself “…”. Where does it say it? In one of its parts? Or outside of itself, in the air around it? Or not anywhere at all? But what then is the difference between the armchair’s speaking & that of another thing? – But how is it then with the human being, where does he speak to himself? How does it come about that this question seems irrelevant, a determination of location unnecessary, except that this very human being is speaking to himself, – while the question of where the armchair speaks to itself seems to demand an answer? I believe the reason is: we want to know how the armchair is supposed to correspond to a human being; whether the head at the upper end of the backrest is to be thought of, etc..
§
206[2] &207[1]
“Kann man denken, ohne zu reden?” – Und was ist Denken? Nun, denkst Du nie? Kannst Du Dich nicht beobachten & sehen, was vorgeht? Das sollte doch einfach sein. Du mußt ja darauf nicht wie auf astronomische Ereignisse warten & dann in Eile Deine Beobachtungen machen.
“Can one think without speaking?” – And what is thinking? Well, don’t you ever think? Can you not observe yourself and see what is going on? That should be simple. You don’t have to wait for it as if it were astronomical events and then hastily make your observations.
§
207[2]Wenn ich aber denke ohne zu reden & dann in Worten sage, was ich gedacht habe, wie weiß man daß meine Übertragung in die Sprache richtig ist?
But if I think without speaking and then say in words what I have thought, how does one know that my transfer into language is correct?
§
207[3] &208[1]
Was nennt man noch “denken”? Wie hat man das Wort benützen gelernt? – Wenn ich sage, ich habe gedacht, muß ich da recht haben? Und wie ist es zu entscheiden, ob ich recht habe? Hat man das Wort “denken” so gebrauchen gelernt daß man sich fragt: “War, was ich getan habe, wirklich ein Denken?”?
What does one still call “thinking”? How has one learned to use the word? – If I say that I have thought, must I be right? And how is it to be decided whether I am right? Has the word “thinking” been used in such a way that one asks: “Was what I did really thinking?”?
§
208[2]Was ist das Spiel des ‘Mitteilens’. Was ist der Mechanismus des Mitteilens?
What is the game of ‘communication’? What is the mechanism of communication?
§
208[3]Was ist das Sprachspiel des Mitteilens?
What is the language-game of communication?
§
208[4]Wie ist das, wenn man zu sich (im Innern) redet; was geht da vor?
What is it like when one speaks to oneself (inwardly); what is going on there?
§
208[5] &209[1]
Erfindungen von Sprachspielen die ich hier benütze mögen Menschen phantastisch erscheinen; aber was würden Menschen, denen Philosophie unbekannt ist, sagen, wenn man ihnen (von dem) erzählen wollte, was Philosophen geschrieben haben! Würden sie es für möglich halten?
The inventions of language-games that I use here may seem fantastic to people; but what would people who are unfamiliar with philosophy say if one were to tell them about what philosophers have written! Would they consider it possible?
§
209[2] &210[1]
Wir sagen von einem Papagei nicht, er spreche zu sich selbst; so wenig wie von einem Grammophon. Aber könnten wir uns nicht vorstellen, daß Gott einem Papagei (plötzlich) Verstand schenkte, & daß er nun zu sich selbst redete? – Aber es ist wichtig, daß ich zu dieser Vorstellung Gott zu Hilfe nahm.
We don’t say of a parrot that it speaks to itself; as little as we say of a gramophone. But couldn’t we imagine that God (suddenly) gave a parrot understanding, and that it now speaks to itself? – But it is important that I call on God for this imagination.
§
210[2]Unser Kriterium dafür, daß Einer zu sich selbst spricht, ist das was er laut sagt, schreibt, u.a.. Und wir sagen nur von dem er spreche zu sich selbst, der, im gewöhnlichen Sinne, sprechen kann. Und wir sagen es auch nicht von einem Papagei so wenig wie von einem Grammophon.
Our criterion for the fact that someone speaks to himself is what he says aloud, writes, etc.. And we only say of him that he speaks to himself, that is, in the ordinary sense, can speak. And we don’t say it of a parrot as little as we say it of a gramophone.
§
211[1]Ist es nicht merkwürdig, daß man nicht sagt: “und dann sprach ich lange Zeit nicht mit mir,” oder: “und als ich das zu mir gesagt hatte, schwieg ich eine lange Zeit”?
Isn’t it remarkable that one doesn’t say: “and then I didn’t speak to myself for a long time,” or: “and when I had said that to myself, I was silent for a long time”?
§
211[2]Oder habe ich etwas übersehen?
Or have I overlooked something?
§
211[3] &212[1] &
213[1]
Wie soll ich's erklären? Nun, nur so wie Du jemand die Bedeutung des Ausdrucks “zu sich selber sprechen” lehren kannst. Und diese Bedeutung lernt ja z.B. ein Kind. Nur daß niemand sagen wird, wer einem die Bedeutung dieses Ausdrucks lehrt sage ihm ‘was da vorgeht’ wenn Einer zu sich selbst spricht. Vielmehr scheint es uns daß der Lehrer in diesem Fall dem Schüler die Bedeutung gleichsam schonend beibringt, ohne ihm dies zu sagen, daß aber der Schüler durch den Unterricht dazu gebracht wird den Ausdruck zu verstehen, das heiße: sich selbst eine hinweisende Definition zu geben. Und hierin liegt die Illusion.
How should I explain it? Well, just as one can teach someone the meaning of the expression “to speak to oneself.” And a child, for example, learns this meaning. However, no one would say that when one teaches someone the meaning of this expression, one is telling them ‘what is happening’ when one speaks to oneself. Rather, it seems to us that in this case, the teacher imparts the meaning to the student in a gentle way, without explicitly stating it, but the student is led through instruction to understand the expression, that is, to give oneself an ostensive definition. And herein lies the illusion.
§
213[2]Ich habe nämlich in der Vorstellung nicht einfach einen Übergang von einem Ort zu einem andern zu machen. Wie von Schmerzen in der Hand zu Schmerzen im Arm. Denn ich soll mir nicht vorstellen, daß ich an einem Ort seines Körpers Schmerz empfinde (was auch möglich wäre).
I don’t simply want to make a transition from one place to another in my imagination. Like from pain in the hand to pain in the arm. For I’m not supposed to imagine that I feel pain in a place on his body (which would also be possible).
§
213[3] &214[1]
“Sieh' 50 + 50 gibt 100” – hier ist die Technik des Addierens schon bekannt. Die Frage kann schon gestellt werden: “Wieviel ist 50 + 50?” – “Sieh so gibt 50 + 50 100” – dies ist eine Erklärung des Sinnes der Addition überhaupt. Es ist etwa die Antwort auf die Frage: “Was heißt es 50 + 50 addieren; was heißt es, es komme dabei 100 heraus?” Als Antwort lehrt man ihn addieren.
“See, 50 + 50 equals 100” – here, the technique of addition is already known. The question can already be asked: “How much is 50 + 50?” – “See, 50 + 50 equals 100” – this is an explanation of the sense of addition in general. It is, for example, the answer to the question: “What does it mean to add 50 + 50; what does it mean that 100 comes out of it?” One teaches him to add as an answer.
§
214[2]Der Beweis macht einen Zusammenhang der Technik. Dieser kann im Hintergrunde unserer Verwendung des Satzes weiter bestehen.
The proof establishes a connection of the technique. This can continue to exist in the background of our use of the sentence.
§
215[1]Er ist eine Bahn die nur manchmal begangen wird. Aber bereitliegt.
It is a path that is only sometimes taken. But it is ready.
§
215[2] &216[1]
Wann aber liegt sie bereit? Nicht nur wenn der Beweis wirklich geliefert worden ist, irgendwo aufgeschrieben steht, und dergleichen? Wenn er uns, in einem Sinne, leicht zugänglich ist? Und wann, wozu, beschreiben wir die Bahn? Nun, – zu einer Rechtfertigung. Und was wollen wir rechtfertigen? – Die Verwendung dieses Satzes. Dieser Zeichenverbindung, dieser Struktur. Denk Dir die Struktur wäre aus Holz, ein Gerüst. Was könnte die Verwendung eines Gerüstes rechtfertigen? – Der praktische Erfolg, etwa. Aber auch anderes! (Ich meine nicht, daß dieses Andere nicht im Zusammenhang mit einem praktischen Erfolg steht.) Ich zeige z.B. zu seiner Rechtfertigung, daß es rechtwinklig ist, oder bestimmte Proportionen hat.
But when is it ready? Not only when the proof has actually been provided, written down somewhere, and the like? When it is, in a sense, easily accessible to us? And when, for what purpose, do we describe the path? Well, – for a justification. And what do we want to justify? – The use of this sentence. This sign connection, this structure. Imagine the structure were made of wood, a framework. What could justify the use of a framework? – The practical success, for example. But also something else! (I don’t mean that this something else is not related to a practical success.) For example, I show, in its justification, that it is right-angled or has certain proportions.
§
216[2] &217[1]
Eine bestimmte Konstruktion dient dazu, einen rechten Winkel zu liefern. Euklid beweist, daß sie einen rechten Winkel gibt. Der praktische Wert dieses Beweises soll also eine Vorhersage sein.
A certain construction serves to produce a right angle. Euclid proves that it produces a right angle. The practical value of this proof is therefore supposed to be a prediction.
§
217[2]Nun wohl; es ist eine Vorhersage mittels eines Beweises. (Vermittels eines Bildes.)
Well then; it is a prediction by means of a proof. (By means of an image.)
§
217[3]Den Beweis vom bewiesenen Satz getrennt. – Du mußt Dich also überzeugen können, daß dieser Satz dieselbe Struktur ist, wie die am Ende des Beweises.
The proof separated from the proven sentence. – So you must be able to convince yourself that this sentence has the same structure as the one at the end of the proof.
§
217[4] &218[1]
Wenn es nun nur Dummheit wäre, was uns den Beweis als Rechtfertigung unsrer Handlungsweise annehmen ließe! Nun, was weiter? Das ist eben, was wir Rechtfertigung nennen. So handeln wir eben!
If it were just stupidity that made us accept the proof as a justification for our way of acting! Well, what then? That is precisely what we call justification. That’s how we act!
§
218[2]Warum soll ich nicht sagen: “Es ist seltsam, daß wir rechnen”? Aber wir rechnen eben.
Why shouldn’t I say: “It is strange that we calculate”? But we do calculate.
§
218[3] &219[1]
“Wenn Du der Regel folgen wirst, so wirst Du das herauskriegen.” – Eine echte Voraussage. – Wie aber ist das damit zu vereinbaren, daß man sagen kann: “Wenn Du der Regel folgst, so mußt Du das erhalten”?
“If you follow the rule, you will find it out.” – A genuine prediction. – But how is this to be reconciled with the fact that one can say: “If you follow the rule, you must get it”?
§
219[2]Hätte es Sinn zu sagen: “Wenn Du der Regel folgen wirst, so wirst Du das erhalten – denn Du mußt es erhalten.”? Das läßt den Sinn des Satzes in einem Zwielicht erscheinen. Der Sinn scheint zu wackeln, wie die Zeichnungen die ich einmal als konkav, einmal als konvex sehe.
Would it make sense to say: “If you follow the rule, you will get it – because you must get it”? This makes the sense of the sentence seem ambiguous. The sense seems to waver, like the drawings that I sometimes see as concave, sometimes as convex.
§
219[3] &220[1]
Ich kann Schmerzen beschreiben; ich kann die Sprache beschreiben. Aber wie beschreibe ich nun die Schmerzen, die zu einem Ausdruck der Sprache gehören? – Da scheint uns ja ein Zirkel zu drohen. Weich' dem, was Du da siehst, nicht aus.
I can describe pain; I can describe language. But how do I describe the pain that belongs to an expression of language? – A circle seems to threaten us here. Don’t shy away from what you see.
§
220[2]… könnte ich etwas für Denken halten was keins war?
… could I take something to be thinking when it was not?
§
220[3]Kannst Du beobachten, ob Du ‘denkst, während Du nicht sprichst’? Kannst Du beobachten ob, was Du tust Denken ist?
Can you observe whether you ‘think while you are not speaking’? Can you observe whether what you are doing is thinking?
§
220[4] &221[1]
… vorstelle, wie mache ich es? Ich schaue die Leute mitleidsvoll an, sage mir “es muß schwer sein zu lachen wenn man solche Schmerzen hat”, & viel der gleichen.
… imagine, how do I do it? I look at the people with compassion, tell myself “it must be hard to laugh when one has such pain,” and much the same.
§
221[2]Warum bist Du so froh? – Ich freue mich auf sein Kommen.
Why are you so happy? – I am looking forward to his coming.
§
221[3]“Ich hoffe daß er kommen wird” kann ein Bericht sein, oder auch ein Ausdruck der Hoffnung.
“I hope he will come” can be a report, or also an expression of hope.
§
221[4] &222[1]
Der Schrei “Er ist da!” muß nicht als Mitteilung dienen. Und nicht als Mitteilung gemeint sein. Und das heißt: es schaut ganz anders aus, wenn ich's Andern zurufe & wenn es der Schrei der Freude ist.
The cry “He’s here!” doesn’t have to serve as a communication, nor is it meant to. And that means: it looks quite different when I shout it to others, and when it is a cry of joy.
§
222[2]“Ich hoffe er wird kommen” kann ich vor mich hin sagen in der ängstlichen Erwartung er werde kommen. Und ich kann es einem Andern sagen um ihm zu erklären, warum ich gewisse Anstalten treffe. Aber es kann auch beides sein & keins von beiden. Es kommt also hier auf die Absicht an.
“I hope he will come” can be something I say to myself in anxious expectation of his coming. And I can say it to someone else to explain why I am taking certain steps. But it can also be both, or neither. So, in this case, it depends on the intention.
§
222[3] &223[1]
So bestimmt also die Absicht den Sinn jedes Satzes? Wie aber, wenn ich sagen würde: Sieh die Absicht ja nicht als eine Atmosphäre an, als einen Schleier, den man erwähnen muß, wenn man vollständig sein will.
So, does the intention determine the sense of every sentence? But what if I were to say: Don’t think of the intention as an atmosphere, as a veil that one must mention in order to be complete.
§
223[2]Man könnte vielleicht sagen: Die Situation enthält meistens die Absicht.
One might perhaps say: The situation usually contains the intention.
§
223[3] &224[1]
Eine Bombe schlägt in meiner Nähe ein. Ich renne davon; ich glaube natürlich sie werde explodieren. Keinerlei Gedanke muß mir hier durch den Kopf gegangen sein.
A bomb explodes near me. I run away; of course, I believe it will explode. No thought needs to have occurred to me here.
§
224[2]Man sagt: “Ich habe natürlich angenommen, sie werde explodieren”. Etwas natürlich annehmen heißt meistens nicht über das & das nachdenken. Hätte man mich gefragt, so hätte ich gesagt …. Aber das heißt nicht daß ich's mir in irgend einem Sinne sagte.
One says: “I naturally assumed it would explode.” Naturally assuming something usually means not thinking about it. If I had been asked, I would have said…. But that doesn’t mean I said it to myself in any sense.
§
224[3]“Ich war natürlich der Meinung er werde kommen.” – Ich habe dabei gar nicht an ihn gedacht.
“I naturally thought he would come.” – I wasn’t even thinking about him.
§
225[1]Aber hier hast Du nur einen kausalen Zusammenhang genannt. Du hast nur erklärt wie es dazu kam daß wir uns jetzt nach dem Wegweiser richten nicht worin dies besteht.
But here you have only mentioned a causal connection. You have only explained how it came about that we are now following the signpost, not what this consists of.
§
225[2]Nein ich habe mehr getan. Ich habe angedeutet daß sich Menschen nur dann nach Wegweisern richten, wenn sie sich ständig nach ihnen richten.
No, I have done more. I have indicated that people only follow signposts when they follow them constantly.
§
225[3] &226[1]
So hätte sich also, wer E in den Kalender eintrug gar nichts notiert? Sieh's nicht als selbstverständlich an, daß Einer sich etwas notiert wenn er ein Zeichen in einen Kalender einträgt. Eine Notiz hat ja eine Funktion, & das “E” hat, soweit, keine. Frage Dich, was der Sinn und der Zweck einer Notiz ist. Denke so: “Ist es nicht seltsam daß wir manchmal Zeichen in einen Kalender eintragen – wozu tun wir das eigentlich?”
So, would someone who wrote E in the calendar have noted nothing at all? Don’t take it for granted that someone notes something down when they write a sign in a calendar. A note has a function, and “E” does not have one, as far as that goes. Ask yourself, what is the sense and purpose of a note. Think like this: “Isn’t it odd that we sometimes write signs in a calendar – what do we actually do that for?”
§
226[2] &227[1] &
228[1]
Denken wir uns eine Verwendung des E. Du machst folgende Erfahrung: Wenn Du eine bestimmte Empfindung hast siehst Du an einem Manometer, daß Dein Blutdruck steigt. Dadurch wirst Du in den Stand gesetzt ein Steigen Deines Blutdrucks ohne Zuhilfenahme des Apparats zu konstatieren. Ein sehr nützliches Ergebnis. Und nun scheint es hier ganz gleichgültig, ob Du Deine Empfindung richtig wiedererkannt hast oder nicht, oder ob Du den Glauben richtig als Glauben erkennst. Nehmen wir etwa an, Du irrtest Dich beständig in der Identifizierung, so macht es gar nichts. Und das zeigt schon, daß die Annahme auch nur eine Scheinannahme war. Wir drehten an einem Knopf der mit dem übrigen Mechanismus gar nicht verbunden war.
Let’s imagine a use for E. You have the following experience: When you have a certain sensation, you look at a manometer and see that your blood pressure rises. This enables you to determine an increase in your blood pressure without the aid of the device. A very useful result. And now it seems quite irrelevant whether you have correctly recognized your sensation or not, or whether you recognize belief as belief. Let’s assume, for example, that you are consistently mistaken in your identification; it doesn’t matter. And that already shows that the assumption was only a pretense. We were turning a knob that wasn’t connected to the rest of the mechanism.
§
228[2] &229[1]
Wie aber, wenn wir so sagen wollten: Er ist geneigt immer wieder dasselbe Zeichen (“E”) zu gebrauchen; darum sagen wir er habe die gleiche Empfindung. (Ähnlich etwa: Er ist geneigt beim Beten nach oben zu schauen, darum sagen wir, Gott sei in der Höhe.)
But what if we were to say: He is inclined to use the same sign (“E”) again and again; therefore we say that he has the same sensation. (Something like: He is inclined to look up when praying, therefore we say that God is in the heavens.)
§
229[2] &BCr[1]
“Empfindung” ist aber ein Wort der allgemeinen Sprache. Welchen Grund haben wir “E” die Bezeichnung für eine Empfindung zu nennen? Nun vielleicht eben die Art & Weise wie sie in diesem Sprachspiel (Steigen des Blutdrucks) verwendet wird.
“Sensation” is, however, a word from common language. What reason do we have to call “E” the designation for a sensation? Well, perhaps the way it is used in this language-game (rising blood pressure).
§
BCr[2]Aber ferner: Welchen Grund haben wir, “E” das Zeichen für eine Empfindung zu nennen. “Empfindung” ist nämlich ein Wort unsrer allgemeinen, allen verständlichen Sprache. Der Gebrauch dieses Worts bedarf also einer Rechtfertigung, die Alle verstehen. Und es hülfe Dir auch nichts zu sagen, es müßte keine Empfindung sein, wenn er “E” schreibe habe er etwas & …
But furthermore: What reason do we have to call “E” the sign for a sensation? “Sensation” is, after all, a word from our common, universally understandable language. The use of this word requires a justification that everyone can understand. And it wouldn’t help you to say that it doesn’t have to be a sensation, if he writes “E,” he has something and….