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§OC

1r[2]

25.04.1951

“Ich kann mich darin nicht irren” ist ein gewöhnlicher Satz, der dazu dient den Gewißheitswert einer Aussage anzugeben. Und nur in seinem alltäglichen Gebrauch ist er berechtigt.

April 25, 1951

“I cannot be mistaken in this” is a common sentence used to indicate the degree of certainty of a statement. And it is justified only in its everyday use.

§OC

1r[3]

Aber was zum Teufel hilft er, wenn ich mich – zugegebenermaßen – in ihm irren kann & also auch in dem Satz, den er stützen sollte?

But what on earth is it good for if I can – admittedly – be mistaken in it, and thus also in the sentence that it is supposed to support?

§OC

1r[4]

Oder soll ich sagen, der Satz schließe eine bestimmte Art des Fehlers aus.

Or should I say, the sentence excludes a certain kind of error.

§OC

1r[5] &
1v[1]

“Er hat mir das heute gesagt; – darin kann ich mich nicht irren.” – Wenn es sich aber doch als falsch erwiese?! – Muß man da nicht einen Unterschied machen in der Art & Weise, wie sich etwas ‘als falsch erweist’? – Wie kann es denn erwiesen werden, daß meine Aussage falsch war? Hier steht doch Evidenz gegen Evidenz, & es muß entschieden werden, welche weichen soll.

“He told me that today; I cannot be mistaken in this.” – But what if it turns out to be false?! – Shouldn’t one make a distinction in the way something ‘turns out to be false’? – How can it be proven that my statement was false? Here, evidence is set against evidence, and it must be decided which one should yield.

§OC

1v[2]

Wenn man aber mit dem Bedenken kommt: Wie, wenn ich plötzlich sozusagen aufwachte & sagte “Jetzt hab ich mir eingebildet, ich heiße L.W.!” – – wer sagt denn, daß ich nicht nocheinmal aufwache & nun dies als sonderbare Einbildung erkläre, u.s.f.?

But if one raises the objection: What if I suddenly, as it were, wake up and say, “Now I imagined that I am called L.W.” – who says that I will not wake up again and then explain this as a strange delusion, and so on?

§OC

2r[1]

Man kann sich freilich einen Fall vorstellen & es gibt Fälle, wo man nach dem ‘Aufwachen’ nie mehr daran zweifelt, was Einbildung & was Wirklichkeit war. Aber so ein Fall, oder seine Möglichkeit, diskreditiert den Satz “Ich kann mich darin nicht irren” nicht.

One can, of course, imagine a case, and there are cases in which, after ‘waking up,’ one never doubts again what was an illusion and what was reality. But such a case, or its possibility, does not discredit the sentence “I cannot be mistaken in this.”

§OC

2r[2]

Würde denn sonst nicht alle Behauptung so diskreditiert?

Otherwise, wouldn’t it discredit all assertions?

§OC

2r[3]

Ich kann mich darin nicht irren, – aber ich mag wohl einmal, mit Recht oder mit Unrecht, entscheiden, ich sei nicht urteilsfähig gewesen.

I cannot be mistaken in this, – but I may, rightly or wrongly, decide that I was not in a fit state to judge.

§OC

2v[1]

Wenn das immer oder oft vorkäme würde es allerdings den Charakter des Sprachspiels gänzlich verändern.

If this were to happen always or often, it would indeed completely change the character of the language-game.

§OC

2v[2]

Es ist ein Unterschied zwischen einem Irrtum für den, sozusagen, ein Platz im Spiel vorgesehen ist, & einer vollkommenen Regelwidrigkeit, die ausnahmsweise vorkommt.

There is a difference between an error for which, as it were, a place is reserved in the game, and a complete violation of the rules that occurs exceptionally.

§OC

2v[3] &
3r[1] &
3v[1]

Ich kann auch den Andern davon überzeugen, daß ich mich ‘darin nicht irren kann’. Ich sage Einem: “Der & der war heute vormittag bei mir & hat mir das & das erzählt.” Wenn es erstaunlich ist, so fragt er mich vielleicht: “Du kannst Dich nicht darin irren?” Das mag heißen: “Ist das auch gewiß heute vormittag geschehen?”, oder aber: “Hast Du ihn auch gewiß recht verstanden?” – Es ist leicht zu sehen, durch welche Ausführungen ich zeigen könnte, daß ich mich in der Zeit nicht geirrt habe, & ebenso, daß ich die Erzählung nicht mißverstanden habe. Aber alles dies kann nicht zeigen, daß ich die ganze Sache nicht geträumt, oder sie mir traumartig eingebildet habe. Es kann auch nicht zeigen, daß ich mich nicht etwa durchgehends versprochen habe. (So etwas kommt vor.)

I can also convince others that I cannot be ‘mistaken about it’. I say to someone: “So & so was here this morning & told me this & that.” If it is surprising, he might ask me: “You cannot be mistaken about that?” This might mean: “Is it also certain that it happened this morning?” or rather: “Did you also understand him correctly?” – It is easy to see how, through certain explanations, I could show that I was not mistaken about the time, & also, that I did not misunderstand the story. But all of this cannot show that I did not dream the whole thing, or that I imagined it in a dreamlike way. It can also not show that I did not perhaps slip up throughout. (Such a thing does happen.)

§OC

3v[2]

(Ich sagte einmal jemandem – auf Englisch – die Form eines bestimmten Zweiges sei charakteristisch für den Zweig einer Ulme [elm], was der Andre bestritt. Wir kamen dann an Eschen vorbei, & ich sagte “Siehst Du, hier sind die Zweige, von denen ich gesprochen habe.” Worauf er: “But that's an ash” – & ich: “I always meant ash when I said elm”.)

(I once told someone – in English – that the shape of a certain branch was characteristic of the branch of an elm, which the other person disputed. We then came across ashes, and I said, “You see, here are the branches I was talking about.” To which he replied: “But that’s an ash” – and I: “I always meant ash when I said elm.”)

§OC

3v[3] &
4r[1]

Das heißt doch: die Möglichkeit eines Irrtums läßt sich in gewissen (& häufigen) Fällen eliminieren. – So eliminiert man (ja auch) Rechnungsfehler. Denn wenn eine Rechnung unzählige Male nachgerechnet worden ist, so kann man nun nicht sagen: “Ihre Richtigkeit ist immer nur sehr wahrscheinlich, – da sich immer noch ein Fehler eingeschlichen haben kann.” Denn angenommen es schiene nun einmal, daß ein Fehler entdeckt worden sei – warum sollen wir nicht hier einen Fehler vermuten?

That is, the possibility of an error can be eliminated in certain (and frequent) cases. – This is also how calculation errors are eliminated. For if a calculation has been checked many times, one can no longer say: “Its correctness is only very probable – because an error may still have crept in.” For suppose it now seems that an error has been discovered – why should we not suspect an error here?

§OC

4r[2] &
4v[1]

Ich kann mich nicht darin irren, daß 12 × 12 = 144 ist. Und man kann nun nicht mathematische Sicherheit der relativen Unsicherheit von Erfahrungssätzen entgegensetzen. Denn der mathematische Satz wurde durch eine Reihe von Handlungen erhalten, die sich in keiner Weise von Handlungen des übrigen Lebens unterscheiden & die gleichermaßen dem Vergessen, Übersehen, der Täuschung, ausgesetzt sind.

I cannot be mistaken in that 12 × 12 = 144. And one cannot set the mathematical certainty against the relative uncertainty of sentences of experience. For the mathematical sentence was obtained through a series of actions that do not differ in any way from actions in the rest of life & which are equally subject to forgetting, oversight, and deception.

§OC

4v[2]

Kann ich nun prophezeien, daß Menschen die heutigen Rechensätze nie umstürzen werden, nie sagen werden, jetzt wüßten sie erst, wie es sich verhalte? Aber würde das einen Zweifel unsrerseits rechtfertigen?

Can I now prophesy that people will never overturn today’s calculations, never say that now they know how it really is? But would that justify a doubt on our part?

§OC

5r[1]

Wenn der Satz 12 × 12 = 144 vom Zweifel ausgenommen ist, dann müssen's auch nicht-mathematische Sätze sein.

If the sentence 12 × 12 = 144 is exempt from doubt, then non-mathematical sentences must also be.

§OC

5r[2] &
5v[1]

26.04.1951

Aber darauf kann man manches einwenden. – Erstens ist eben “12 × 12 etc.” ein mathematischer Satz & daraus kann man folgern, daß nur solche Sätze in dieser Lage sind. Und wenn diese Folgerung nicht berechtigt ist, so sollte es einen ebenso sichern Satz geben, der vom Vorgang der Rechnung handelt, aber nicht mathematisch ist. – Ich denke an einen Satz etwa dieser Art: “Die Rechnung ‘12 × 12’ wird, wenn Rechenkundige sie ausführen, in der großen Mehrzahl der Fälle ‘144’ ergeben.” Diesen Satz wird niemand bestreiten niemand bestreiten & er ist natürlich kein mathematischer. Aber hat er die Gewißheit des mathematischen?

26.04.1951

But one can raise several objections to this. – Firstly, “12 × 12 etc.” is indeed a mathematical sentence, and one can infer from this that only such sentences are in a position to be so. And if this inference is not justified, then there should be an equally certain sentence that deals with the process of calculation but is not mathematical. – I am thinking of a sentence of this kind: “The calculation ‘12 × 12’, when performed by arithmeticians, will, in the vast majority of cases, yield ‘144’.” No one would dispute this sentence; no one would dispute it, and it is, of course, not a mathematical sentence. But does it have the certainty of the mathematical?

§OC

5v[2]

Dem mathematischen Satz ist gleichsam offiziell der Stempel der Unbestreitbarkeit aufgedrückt worden. D.h.: “Streitet Euch um andre Dinge; das steht fest, ist eine Angel, um die sich Euer Streit drehen kann.”

The mathematical sentence, as it were, has officially had the stamp of indisputability affixed to it. That is: “Argue about other things; this is certain, it is an anchor around which your dispute can revolve.”

§OC

5v[3]

Und das kann man nicht vom Satz sagen, daß ich L.W. heiße. Auch nicht von dem Satze, daß die & die Menschen die & die Rechnung richtig gerechnet haben.

And one cannot say of a sentence that I am called L.W. Nor of the sentence that the such-&-such people calculated the such-&-such calculation correctly.

§OC

6r[1]

Die Sätze der Mathematik, könnte man sagen, sind Petrefakten. – Der Satz “Ich heiße …” ist dies nicht. Aber von denen, die, wie ich, die überwältigende Evidenz haben, wird auch er als unumstößlich betrachtet. Und das nicht aus Gedankenlosigkeit. Denn, daß die Evidenz überwältigend ist, besteht eben darin, daß wir uns vor keiner entgegenstehenden Evidenz beugen müssen. Wir haben also hier einen Widerhalt ähnlich wie den, der die Sätze der Mathematik unumstößlich macht.

One could say that the sentences of mathematics are petrified. – The sentence “I am called…” is not. But those who, like me, have the overwhelming evidence also regard it as incontrovertible. And not out of thoughtlessness. For the fact that the evidence is overwhelming consists precisely in the fact that we do not have to yield to any opposing evidence. We therefore have here a safeguard similar to the one that makes the sentences of mathematics incontrovertible.

§OC

6r[2] &
6v[1]

Die Frage ‘Aber könntest Du nicht jetzt in einem Wahn befangen sein, & vielleicht später herausfinden, daß Du's warst?” könnte man auch auf jeden Satz des Einmaleins einwerfen.

The question ‘But could you not now be in a delusion, and perhaps later find out that you were?’ could also be raised for each sentence of the multiplication table.

§OC

6v[2]

“Ich kann mich darin nicht irren, daß ich jetzt gerade zu mittag gegessen habe.” Ja, wenn ich Einem sage “Ich habe gerade zu mittag gegessen”, mag er glauben, daß ich lüge, oder jetzt nicht bei Sinnen bin, aber er wird nicht glauben, ich irre mich. Ja, die Annahme, ich könnte mich irren, hat hier keinen Sinn.

“I cannot be mistaken that I have just had lunch.” Yes, if I say to someone, “I have just had lunch,” he may believe that I am lying, or not in my right mind, but he will not believe that I am mistaken. Yes, the assumption that I could be mistaken makes no sense here.

§OC

6v[3] &
7r[1]

Aber das stimmt nicht. Ich könnte z.B. gleich nach Tisch, ohne es zu wissen, eingenickt sein & eine Stunde geschlafen haben, & nun glauben, ich hätte gerade gegessen. Aber ich unterscheide hier immerhin zwischen verschiedenen Arten des Irrtums.

But that is not true. I could, for example, immediately after lunch, without knowing it, doze off and sleep for an hour, and then believe that I have just eaten. But I am at least distinguishing between different kinds of error here.

§OC

7r[2]

Ich könnte fragen: “Wie könnte ich mich darin irren, daß ich L.W. heiße?” Und ich kann sagen: Ich sehe nicht, wie es möglich wäre.

I could ask: “How could I be mistaken that I am called L.W.?” And I can say: I do not see how it would be possible.

§OC

7r[3]

Wie könnte ich mich in der Annahme irren, daß ich nie auf dem Mond war?

How could I be mistaken in the assumption that I have never been to the moon?

§OC

7r[4] &
7v[1]

Wenn ich sagte “Ich bin nicht auf dem Mond gewesen – aber ich kann mich irren”, so wäre das blödsinnig. Denn selbst der Gedanke, ich hätte ja, durch unbekannte Mittel, im Schlaf, dorthin transportiert worden sein können, gäbe mir kein Recht hier von einem möglichen Irrtum zu reden. Ich spiele das Spiel falsch, wenn ich es tue.

If I said, “I have not been to the moon – but I could be mistaken,” that would be absurd. For even the thought that I could, by unknown means, have been transported there in my sleep, would not give me the right to speak of a possible mistake here. I am playing the game wrongly if I do so.

§OC

7v[2]

Ich habe ein Recht zu sagen “Ich kann mich hier nicht irren”, auch wenn ich im Irrtum bin.

I have a right to say “I cannot be mistaken here,” even if I am mistaken.

§OC

7v[3] &
8r[1]

Es ist ein Unterschied: ob man in der Schule lernt, was in der Mathematik richtig & falsch ist, oder ob ich selbst erkläre, ich könne mich in einem Satz nicht irren.

There is a difference between learning in school what is right and wrong in mathematics, and my explaining myself that I cannot be mistaken in a sentence.

§OC

8r[2]

Ich setze hier dem, was allgemein festgelegt ist, besonderes hinzu.

I am adding something special to what is generally established.

§OC

8r[3]

Aber wie ist es z.B. mit der Anatomie (oder einem großen Teil derselben)? Ist nicht auch, was sie beschreibt, von allem Zweifel ausgeschlossen?

But what about, for example, anatomy (or a large part of it)? Is not what it describes also beyond all doubt?

§OC

8r[4]

Auch wenn ich zu einem Volk käme, das glaubt, die Menschen würden im Traum auf den Mond versetzt, könnte ich ihnen nicht sagen: “Ich war nie auf dem Mond. – Natürlich kann ich mich irren.” Und auf ihre Frage “Kannst Du Dich nicht irren?” müßte ich antworten: Nein.

Even if I came to a people who believe that people are transported to the moon in their dreams, I could not say to them: “I have never been to the moon. – Of course, I could be mistaken.” And to their question “Can you not be mistaken?” I would have to answer: No.

§OC

8v[1]

Welche praktischen Folgen hat es, wenn ich eine Mitteilung mache & dazusetze, ich könne mich darin nicht irren? (Ich könnte statt dessen auch hinzusetzen: “Ich kann mich darin sowenig irren, wie darin, daß ich L.W. heiße.”) Der Andre könnte dennoch an meiner Aussage zweifeln. Aber nicht nur wird er, wenn er mir traut, sich von mir belehren lassen, sondern er wird auch bestimmte Schlüsse aus meiner Überzeugung auf mein Verhalten ziehen.

What practical consequences does it have if I make a statement and add that I cannot be mistaken in it? (Instead, I could also add: “I can be mistaken in this no more than in the fact that I am called L.W.”) The other person may still doubt my statement. But not only will he, if he trusts me, allow himself to be instructed by me, but he will also draw certain conclusions about my behavior from my conviction.

§OC

8v[2] &
9r[1]

Der Satz “Ich kann mich darin nicht irren” wird sicher in der Praxis gebraucht. Man könnte aber bezweifeln, ob er dann in ganz strengem Sinne zu verstehen ist, oder ob er eher eine Übertreibung ist, die vielleicht nur zum Zweck der Überredung gebraucht wird. 27.04.1951

The sentence “I cannot be mistaken in this” will certainly be used in practice. One might, however, doubt whether it is to be understood in a strictly logical sense, or whether it is rather an exaggeration, perhaps used only for the purpose of persuasion. 27.04.1951

§OC

9r[2]

Man könnte von Grundprinzipien der menschlichen Forschung reden.

One could speak of fundamental principles of human research.

§OC

9r[3] &
9v[1] &
10r[1]

Ich fliege von hier nach einem Weltteil, wo die Menschen nur unbestimmte, oder wo sie gar keine Nachricht von der Möglichkeit des Fliegens haben. Ich sage ihnen, ich sei soeben von … zu ihnen geflogen. Sie fragen mich, ob ich mich irren könnte. – Sie haben offenbar eine falsche Vorstellung davon, wie die Sache vor sich geht. (Wenn ich in eine Kiste gepackt würde, wäre es möglich, daß ich mich über die Art des Transportes irrte. Sage ich ihnen einfach, ich könne mich nicht irren, so wird sie das vielleicht nicht überzeugen; wohl aber wenn ich ihnen den Vorgang beschreibe. Sie werden dann die Möglichkeit eines Irrtums gewiß nicht in Frage ziehen. Dabei könnten sie aber – auch wenn sie mir trauen – glauben, ich habe geträumt, oder ein Zauber habe mir das eingebildet.

I fly from here to a continent where people have only vague, or even no, knowledge of the possibility of flying. I tell them that I have just flown from … to them. They ask me if I could be mistaken. – They apparently have a false image of how things are. (If I were packed into a box, it would be possible for me to be mistaken about the method of transport. If I simply tell them that I cannot be mistaken, this might not convince them; but if I describe the process to them, they will certainly not question the possibility of an error. However, they might – even if they trust me – believe that I dreamed it, or that some magic made me imagine it.)

§OC

10r[2]

‘Wenn ich der Evidenz nicht traue, warum soll ich dann irgend einer Evidenz trauen?’

‘If I don’t trust the evidence, why should I trust any evidence at all?’

§OC

10r[3]

Ist es nicht schwer zu unterscheiden zwischen den Fällen, in denen ich mich nicht – & solchen in denen ich mich schwerlich irren kann? Ist es immer klar, zu welcher Art ein Fall gehört? Ich glaube nicht.

Is it not difficult to distinguish between the cases in which I am not – & those in which I can hardly be mistaken? Is it always clear to which type a case belongs? I don't think so.

§OC

10r[4] &
10v[1]

Es gibt nun aber bestimmte typische Fälle, in denen ich mit Recht sage, ich könne mich nicht irren, & Moore hat ein paar Beispiele solcher Fälle gegeben. Ich kann verschiedene typische Fälle aufzählen, aber keine allgemeine Charakteristik angeben. (N.N. kann sich darin nicht irren, daß er vor wenigen Tagen von Amerika nach England geflogen ist. Nur wenn er närrisch ist, kann er etwas andres für möglich halten.)

Now, however, there are certain typical cases in which I can rightly say that I cannot be mistaken, and Moore has given some examples of such cases. I can enumerate various typical cases, but I cannot give a general characteristic. (N.N. cannot be mistaken in that he flew from America to England a few days ago. Only if he is foolish can he consider anything else possible.)

§OC

10v[2]

Wenn Einer glaubt, vor wenigen Tagen von Amerika nach England geflogen zu sein, so glaube ich, daß er sich darin nicht irren kann. Ebenso, wenn Einer sagt, er sitze jetzt am Tisch & schreibe.

If someone believes that he flew from America to England a few days ago, then I believe that he cannot be mistaken in this. Likewise, if someone says that he is now sitting at the table and writing.

§OC

10v[3] &
11r[1]

“Aber wenn ich mich auch in solchen Fällen nicht irren kann, – ist es nicht möglich, daß ich in der Narkose bin?” Wenn ich es bin & wenn die Narkose mir das Bewußtsein raubt, dann rede & denke ich jetzt nicht wirklich. Ich kann nicht im Ernst annehmen, ich träume jetzt. Wer träumend sagt “Ich träume”, auch wenn er dabei hörbar redete, hat sowenig recht, wie wenn er im Traum sagt “Es regnet”, während es tatsächlich regnet. Auch wenn sein Traum wirklich mit dem Geräusch des Regens zusammenhängt.

“But if I cannot be mistaken even in these cases, is it not possible that I am in a state of anesthesia?” If I am in a state of anesthesia and if the anesthesia deprives me of consciousness, then I am not really talking and thinking now. I cannot seriously assume that I am dreaming now. Whoever says “I am dreaming” while dreaming, even if he is talking audibly, is as wrong as if he says “It is raining” in his dream, while it is actually raining. Even if his dream is actually related to the sound of rain.