Ms-180b
German (epub, pdf) | German/English
Do not quote from or cite this translation!
§
1r[1] &1v[1]
Wie erkenne ich daß dies rot ist? – Ich bin in Verlegenheit, was ich sagen soll. Wie erkenne ich daß diese beiden Bäume gleich hoch sind? Hier weiß ich verschiedene Antworten. Ich messe sie mit einem Meterstab, ich schaue sie von einer erhöhten Stelle an, wenn sie gefällt sind lege ich sie nebeneinander etc. Wie erkenne ich daß dies rot ist? Ich schaue die Farbe in einer Tabelle nach wenn es nötig ist. Aber wie erkenne ich daß das Farbmuster in der Tabelle die zuerst erwähnte Farbe ist? Was soll ich sagen? Ich schaue sie an. – Und dann sehe ich's eben. Was sagt dieser Satz nun noch? D.h. Ich schaue sie an & nun folgt eine Reaktion des Handelns oder Sprechens: Ich sage nun entweder das Wort das ich in der Tabelle ablese, oder ich sage, die beiden Farben seien “gleich”, etc.
How do I know that this is red? – I am at a loss for what to say. How do I know that these two trees are the same height? Here, I know various answers. I measure them with a ruler, I look at them from an elevated position, if they are felled, I lay them next to each other, etc. How do I know that this is red? I look up the color in a chart if necessary. But how do I know that the color sample in the chart is the color mentioned first? What should I say? I look at it. – And then I simply see it. What else does this sentence say? That is, I look at it & then there follows a reaction of action or speech: I now say either the word that I read off in the chart, or I say that the two colors are “the same,” etc.
§
1v[2] &2r[1]
Ist es richtig, zu sagen: ich erkenne die Gleichheit unmittelbar? Es ist irreführend. Unmittelbar erkennen soll heißen: eine Wahrheit unmittelbar erkennen; eine die auch mittelbar hätte erkannt werden können. Es gibt Sprachspiele mit mittelbarer & unmittelbarer Erkenntnis derselben Tatsache. Ich erkenne unmittelbar daß das die Handschrift des N. ist; ich brauchte das Zeugnis des M nicht der N hat schreiben sehen. Das Wort “unmittelbar erkennen” ist in unserm Fall eines das sich uns als ein Ausweg aus der Verlegenheit aufdrängt & abgewiesen werden soll.
Is it correct to say: I recognize the sameness immediately? It is misleading. To recognize something immediately should mean: to recognize a truth immediately; a truth that could also have been recognized indirectly. There are language-games with indirect & immediate recognition of the same fact. I immediately recognize that this is the handwriting of N.; I did not need the testimony of M who saw N. write. The words “to recognize immediately” are, in our case, one of those that forces itself upon us as an escape from the predicament & should be rejected.
§
2r[2]… können schwer auszusprechen sein. Worte des Abschieds z.B. oder das Eingeständnis einer Schwäche. Worte sind eben Taten.
… can be difficult to pronounce. Words of farewell, for example, or the admission of a weakness. Words are, after all, deeds.
§
2r[3] &2v[1]
Den Ausdruck der Freude & des Leids nennen wir bedeutungsvoll. Worte die Träger eines bedeutenden Tonfalls sind. Und er ist bedeutungsvoll durch seinen Zusammenhang mit (den) Tatsachen des Lebens.
We call the expression of joy & sorrow meaningful. Words that are carriers of a meaningful tone. And it is meaningful through its connection with (the) facts of life.
§
2v[2]“Mein liebes Kind, bist Du mir wieder gut?”
“My dear child, are you feeling better now?”
§
2v[3]Wie wäre es wenn Der, der jene seltsame Lautreihe beim Anblick einer Wiese ausrief, statt dessen seltsame Bewegungen mit seinen Fingern ausgeführt hätte; & diese nachträglich in einen deutschen Ausruf übersetzt hätte? Wären wir hier nicht viel weniger geneigt zu sagen er habe einen Satz ausgesprochen & gemeint?
What if, instead of uttering that strange series of sounds when looking at a meadow, he had performed strange movements with his fingers; & subsequently translated these into a German exclamation? Wouldn't we be much less inclined to say that he uttered a sentence & meant it?
§
2v[4] &3r[1]
Und Worte eines Dichters können mir durch & durch gehen. Und so können wir uns also denken daß Einem Unsinnsworte in eben dieser Weise durch & durch gingen. Daß er sie sich darum immer wiederholt; bei bestimmten Gelegenheiten wiederholt. Sie vielleicht unter Trauer sagt. Oder daß solche Worte ihm Mut einzuflößen scheinen. Und wenn wir ihn hören würden wir vielleicht sagen: diese Worte klingen voll von Bedeutung. Man könnte sich ja auch eine Art Sprechen (wäre es ähnlich einem Sprechen in Zungen?) vorstellen worin keinerlei Wortsystem ist & das ganz durch das Spiel des Tonfalls wirkt. (Ob man das Sprache nennen soll?)
And the words of a poet can go right through me. And so we can imagine that nonsense words could go right through someone in precisely that way. That he repeats them again & again; repeats them on certain occasions. Perhaps says them in sorrow. Or that such words seem to instill courage in him. And if we heard him, we might say: these words sound full of meaning. One could also imagine a kind of speech (would it be similar to speaking in tongues?) in which there is no word system at all & which works entirely through the play of tone. (Should one call that language?)
§
3v[1]Und will man hier von Bedeutung reden so liegt sie nicht im Gebrauch der Wörter.
And if one wants to talk about meaning here, then it does not lie in the use of the words.
§
3v[2]Was wäre aber hier die Bedeutung der Laute? – Nun, was ist sie in der Musik? Obwohl ich gar nicht sagen will daß jene Sprache des Tonfalls mit Musik verglichen werden müßte.
But what would be the meaning of the sounds here? – Well, what is it in music? Although I do not want to say that this language of tone must be compared with music.
§
3v[3]Warum soll ich überhaupt sagen, was die Bedeutung ist? Warum soll ich nicht sagen: Sprache, Musik & vieles ähnliche nennen wir bedeutend?
Why should I even say what meaning is? Why should I not say: language, music & many similar things we call meaningful?
§
3v[4] &4r[1]
Wie kommt es, daß Worte mit einer Empfindung geladen sein können? Denn daß sie die Empfindung begleiten kann es nicht sein. Sie sind mit Empfindung geladen sofern sie, oder ihr Ton, oder beide der Ausdruck der Empfindung sind.
How does it come about that words can be charged with a sensation? Because that they accompany the sensation cannot be the case. They are charged with sensation insofar as they, or their tone, or both are the expression of the sensation.
§
4r[2]Die Bedeutung eines Wortes, sagte ich, sei sein Gebrauch. Aber dem muß ein wichtiger Zusatz gemacht werden.
The meaning of a word, I said, is its use. But an important addition must be made to that.
§
4r[3] &4v[1] &
5r[1]
Wenn jemand sagte “Ich empfand diesen Satz als Mitteilung”, so wäre das in allen gewöhnlichen Fällen als Ersatz der Worte “Ich meinte ihn als Mitteilung” seltsam; aber wir brauchten dagegen kein Veto einzulegen solange nur klar ist was als Kennzeichen der Identität dieser Empfindung zu gelten hat. Was hülfe ihm die Empfindung des Meinens? Warum soll man eine Empfindung “Meinen” nennen, wo doch Meinen eine Funktion hat die mit einer Empfindung an dieser Stelle nichts zu tun hat. Man könnte auch von einer Empfindung des Zeigens reden, aber Zeigen hat eine Funktion & eine Empfindung zeigt nicht, kann das Zeigen höchstens begleiten & nennst Du eine Empfindung ‘Empfindung des Zeigens’ dann mußt Du mehr als eine Empfindung so nennen.
If someone said, “I experienced this sentence as communication,” that would, in all ordinary cases, be strange as a substitute for the words “I meant it as communication”; but we need not object to it as long as it is clear what is to be considered as the characteristic of the identity of this sensation. What would the sensation of meaning help him? Why should one call a sensation “meaning,” when meaning has a function that has nothing to do with a sensation in this case. One could also talk about a sensation of showing, but showing has a function & a sensation does not show, it can at most accompany the showing & if you call a sensation “sensation of showing,” then you must call more than one sensation that.
§
5r[2]Der Satz “ich meine Dich” ist die Fortsetzung eines früheren Satzes. “Einer ist zu viel in diesem Zimmer. Ich meine Dich.”
The sentence “I mean you” is the continuation of an earlier sentence. “There are too many people in this room. I mean you.”
§
5r[3]Man könnte wohl sagen: “Ich empfand, ich wollte es Dir sagen”. Aber das würde ich nicht sagen wenn ich mit Dir ohnehin spreche.
One could probably say: “I felt that I wanted to say it to you.” But I wouldn’t say that if I were already talking to you.
§
5r[4] &5v[1]
“Aber ich glaube auch in diesem Fall eine Empfindung des Meinens zu haben.” Wenn Du eine Empfindung hast die Du so nennst so hat das für den Zweck unsrer Verständigung keinen Belang. Ich kann nur hoffen daß die Empfindung von der Du sprichst nicht unangenehm ist.
“But I also believe that I have a feeling of meaning in this case.” If you have a feeling that you call that, then it is irrelevant for the purpose of our communication. I can only hope that the feeling you are talking about is not unpleasant.
§
5v[2] &6r[1]
– – – geht nun immer wenn ich den Satz als Mitteilung meine ein Gleiches in mir vor? sei es von welcher Art immer. Und wie begleitet dies den Satz? Hüllt es ihn ein wie ein Dunstkreis oder meine ich ein jedes Wort eigens in der besondern Weise? (Ich neige zur ersten Idee.) Und wenn nun immer das gleiche vorgeht – ist das was wir “den Satz als Mitteilung meinen” nennen?
Es gibt Unterschiede zwischen dem Satz als Sprachübung & dem Satz als Mitteilung ausgesprochen die nicht in der Umgebung des Satzes liegen: ein charakteristischer Tonfall, Arten des Benehmens etc. für die Mitteilung & andere für die Sprachübung. Aber – – – mißdeuten? Aber was ist hier das Kriterium für eine richtige oder falsche Deutung? Sowenig wie der Dichter den ersten Satz seiner Erzählung durch die Fortsetzung mißdeuten kann. Er deutet ihn insofern als er seinen Sinn weiter ausführt. Das Gebäude dieses Sinnes weiter baut.
– – – when I intend the sentence as communication, is there always something similar happening inside me, whatever its nature may be? And how does this accompany the sentence? Does it envelop it like a haze, or do I intend each word in a special way? (I tend towards the first idea.) And if the same thing always happens – is that what we call “intending the sentence as communication”?
There are differences between the sentence as a linguistic exercise & the sentence as communication, which do not lie in the environment of the sentence: a characteristic tone, types of behaviour, etc. for the communication & different ones for the linguistic exercise. But – – – misinterpret? But what is the criterion for a correct or incorrect interpretation here? Just as little as the poet can misinterpret the first sentence of his story through the continuation. He interprets it in so far as he continues to develop its sense. He builds further on the edifice of this sense.
§
6v[1]Es könnte sein daß die Kleidung die bei einer bestimmten Gelegenheit den König bezeichnet bei einer andern Gelegenheit einen andern Funktionär kennzeichnet, während der König bei der zweiten Gelegenheit anders gekennzeichnet ist u.s.w.. Dem gleichen Amt entspräche also hier nicht das gleiche Kennzeichen & doch macht es das Amt kenntlich. Die gleiche Empfindung muß nicht das gleiche Meinen bedeuten.
It could be that the clothing that identifies the king on a particular occasion identifies a different official on another occasion, while the king is identified differently on the second occasion, and so on. The same office would thus not correspond to the same identifying mark, and yet it makes the office recognizable. The same feeling does not have to mean the same intention.
§
6v[2] &7r[1] &
7v[1]
Warum sagst Du daß Meinen Empfinden ist? Hast Du das Wort “meinen” so gelernt wie das Wort für ein Empfinden? Gebrauchst Du es so? Wenn Du dem Andern eine Mitteilung machen willst, so mußt Du es ihm zu erkennen geben. Den Satz als Mitteilung meinen heißt etwas ähnliches wie ihn an diese Person richten. Oder sagen wir: es heißt ihn an diese Person richten wollen. Wie kommt es nun daß ich mich darin nicht irren kann ich habe diesen Satz als Mitteilung gemeint? Denke an den Fall der Sprachübung. Da könnte es sein daß Du den Satz “Ich fühle mich unwohl” halb als Mitteilung & halb noch als Sprachübung meinst. Du könntest im Zweifel sein ob Du wirklich dem Andern mitteilen willst daß Du Dich nicht wohl fühlst.
Why do you say that intending is feeling? Did you learn the word “intending” as you learned the word for a feeling? Do you use it that way? If you want to communicate something to the other person, you must make it recognizable to him. Intending the sentence as communication means something similar to directing it at that person. Or let us say: it means wanting to direct it at that person. How does it come about that I cannot be mistaken in this, that I intended this sentence as communication? Think of the case of the linguistic exercise. It could be that you intend the sentence “I feel unwell” half as communication & half as a linguistic exercise. You could be in doubt as to whether you really want to communicate to the other person that you do not feel well.
§
7v[2]Man kann doch sagen: “Ich habe für einen Augenblick einen Impuls verspürt es Dir zu sagen, dann habe ich mich anders besonnen”.
One can say: “I felt an impulse for a moment to say it to you, then I thought differently.”
§
7v[3] &8r[1]
Gewiß, ich kann auf ihn anzuspielen scheinen & doch keine Anspielung meinen. Also lag der Unterschied in meinem Denken & Fühlen. Aber das sagt nicht daß “meinen”, “anspielen” denken & fühlen heißt. Denn der Unterschied zwischen “dies meinen” & “dies nicht meinen” kann im besondern Fall in dieser Situation einer zwischen denken & nicht denken sein.
Certainly, I may seem to be alluding to him, and yet not intend to allude to him. So the difference lay in my thinking & feeling. But that does not mean that “intending,” “alluding” means thinking & feeling. For the difference between “intending this” & “not intending this” can, in the particular case, in this situation, be one between thinking & not thinking.
§
8r[2] &8v[1]
Es könnte Menschen geben die immer, wenn sie an jemand denken, sein Gesicht, ausgezeichnet getroffen, vor sich hin zeichneten. (Es fiele das ihnen allen etwa so leicht, wie uns das schreiben.) Aber man kann sich auch den Fall denken daß Leute, ohne scheinbare Ursache, das Gesicht eines Bekannten hinzeichneten & man nicht sagen könnte sie dächten an ihn.
There could be people who, whenever they think of someone, draw his face, excellently reproduced, in front of them. (It would be about as easy for them all as writing is for us.) But one can also imagine the case that people draw the face of an acquaintance without any apparent reason, and one could not say that they were thinking of him.
§
8v[2]Bedenke: Wie wendet man sich an jemanden? Man dreht sich zu ihm. Aber manchmal auch: man dreht ihm ostentativ den Rücken zu. Wenn man nun dabei Gefühle des Sich-an-ihn-Wendens hat, was nützt es einem? Und doch gibt es natürlich Gefühle, die dafür mehr oder weniger charakteristisch sind.
Consider: How does one turn to someone? One turns towards him. But sometimes also: one ostentatiously turns his back on him. If one has feelings of turning to him at the same time, what good does it do? And yet there are, of course, feelings that are more or less characteristic of this.
§
8v[3] &9r[1]
Es kann geschehen, daß ich, in einem Gespräch z.B., auf etwas zeigen will, bereits eine rudimentäre Bewegung zu diesem Zwecke mache, es aber nicht zu einem Zeigen kommen lasse. Später sage ich vielleicht: “Ich wollte vorhin schon drauf zeigen” & erinnere mich dabei meiner angefangenen Bewegung. Der Andere kann vielleicht sagen: “Ich hab gesehen daß Du darauf zeigen wolltest”. Könnte ich nun meine Bewegung später mißdeuten? – Oder auch: Deute ich sie überhaupt in dem Sinn, daß ich mich an sie erinnere & eine Vermutung über sie anstelle? Oder sind die deutenden Worte nur die Ausarbeitung, die Fortführung des Gedankens?
It may happen that, in a conversation for example, I want to point to something and already make a rudimentary movement for this purpose, but I don't let it develop into an actual pointing gesture. Later, I might say: “I already wanted to point it out earlier” and, in doing so, remember my initial movement. The other person might say: “I saw that you wanted to point it out.” Could I then misinterpret my movement later? – Or even: Am I interpreting it at all in the sense that I remember it and make an assumption about it? Or are the interpreting words merely the elaboration, the continuation of the thought?
§
9v[1] &10r[1]
Aber man kann sich doch auch erinnern, man wollte damals auf diesen Gegenstand zeigen & dabei sagt man “Ich erinnere mich noch deutlich daß ich hinsah & schon den Finger aufgehoben hatte”. Und einerseits ist diese angefangene Geste nicht das woraus ich schließe ich habe damals zeigen wollen; anderseits ist sie doch ein wesentlicher Bestandteil dessen was ich beschreibe. Aber “was tritt vor meine Seele” möchte ich sagen. Ein Bild wovon? – Was für ein Bild immer – ich muß es doch erst deuten. Eher könnte man fragen was für eine Verifikation gibt es dafür ob wir uns richtig erinnern; & da kann es sein daß ein Andrer sagt: “Ich hab Dich angeschaut; ich erinnere mich deutlich daß Du im Begriffe warst darauf zu zeigen.”
But one can also simply remember wanting to point to that object at the time, and in doing so, say, “I still clearly remember looking at it and already raising my finger.” And on the one hand, this initial gesture is not what I infer from to conclude that I wanted to point at the time; on the other hand, it is indeed an essential part of what I am describing. But “what appears before my mind,” I would like to say. A picture of what? – Whatever kind of picture – I must first interpret it. One could rather ask what kind of verification there is to show whether we are remembering correctly; and it may be that another person says: “I looked at you; I clearly remember that you were about to point at it.”
§
10r[2]Die Frage “Was geht da vor, wenn …” (in dieser Art von Untersuchung) ist gänzlich irreführend. Die Philosophische Frage selbst verstellt den Weg zur Klarheit.
The question “What is going on when…?” (in this kind of investigation) is completely misleading. The philosophical question itself obscures the path to clarity.
§
10r[3] &10v[1]
Das Aufheben des Fingers war ein für meinen Gesichtspunkt wesentlicher Teil der Situation. Das zeigt sich schon darin, daß der Andere, vielleicht ohne zu zweifeln, meine Absicht aus meinem Benehmen ablesen konnte. Er kann sich nun wohl irren & meine Gründe & die Gedanken die ich dabei hatte, mochten meinem Benehmen einen ganz anderen Sinn geben; aber ohne eine Ergänzung die der Handlung eine ungewöhnliche Interpretation gibt hat sie eben die gewöhnliche.
Raising the finger was an essential part of the situation from my point of view. This is already shown by the fact that the other person, perhaps without doubting, could infer my intention from my behaviour. He may indeed be mistaken, and my reasons and the thoughts I had at the time may give my behaviour a completely different sense; but without an addition that gives the action an unusual interpretation, it has the usual one.
§
10v[2]Man sagt: “Die ganze Situation ist mir noch klar vor Augen” – Aber ist Dir nicht auch Dein Geisteszustand vor Augen? Doch, ich erinnere mich auch an Gedanken & Gefühle.
One says: “The whole situation is still clear before my eyes.” – But isn’t your state of mind also before your eyes? Yes, I also remember thoughts and feelings.
§
11r[1]Eine Musikkapelle am Ende einer Feierlichkeit ist im Begriffe die Nationalhymne zu spielen. Die Noten liegen auf den Pulten; sie haben den ersten Takt gespielt; da unterbricht sie ein Elementarereignis. Wäre es nicht möglich daß der Dirigent die Absicht hatte die Hymne nicht zu spielen sondern sie nach den ersten Takten zu unterbrechen? Und wenn dies nicht der Fall war so hatte er also die Absicht die Hymne zu spielen. Aber worin bestand diese Absicht. Hier möchte ich sagen: Sie lag schon ganz in der Situation.
A musical band at the end of a celebration is about to play the national anthem. The sheet music is on the stands; they have played the first measure; then an elementary event interrupts them. Wouldn’t it be possible that the conductor intended not to play the anthem but to interrupt it after the first few measures? And if this was not the case, then he intended to play the anthem. But what did this intention consist of? Here, I would like to say: It was already entirely in the situation.
§
11v[1]Warum kann ich meine angefangene Bewegung nicht mißdeuten? Wie kann ich wissen, daß die der Anfang einer Zeigebewegung war? Oder soll ich sagen “Vielleicht war dies der Anfang einer Zeigebewegung”? Nein. Das will ich nicht. Nun, entweder schließe ich aus den Umständen (äußern & innern) daß meine Bewegung das war, nichts anderes sein konnte. Oder ich setzte diese Bewegung nachträglich durch eine Deutung fort.
Why can’t I misinterpret my initial movement? How can I know that it was the beginning of a pointing movement? Or should I say, “Perhaps this was the beginning of a pointing movement”? No. I don’t want to. Well, either I infer from the circumstances (external and internal) that my movement was that, and nothing else. Or I retrospectively continue this movement through an interpretation.
§
11v[2] &12r[1]
“Ich weiß, ich war im Begriffe darauf zu zeigen.” Nun dem muß verschiedenes vorhergegangen sein; Gedanken, Handlungen. “Ich nahm die Hand vom Mund & machte bereits eine Bewegung mit dem Zeigefinger”. In dem Strom dieser Ereignisse, Gedanken & Empfindungen war dies der Anfang einer Gebärde des Zeigens.
“I know, I was about to point at it.” Now, various things must have preceded this; thoughts, actions. “I took my hand from my mouth and already made a movement with my index finger.” In the stream of these events, thoughts, and sensations, this was the beginning of a gesture of pointing.
§
12r[2]Ja, wenn ich die ganze Gebärde machte & sagte “Er liegt dort drüben” so wäre das kein Zeigen, wenn nicht diese Worte zu einer Sprache gehörten.
Yes, if I made the whole gesture and said, “It’s over there,” that would not be pointing if these words did not belong to a language.
§
12r[3] &12v[1]
Ich gehe neben einem Kranken die Treppe hinauf. Er strauchelt. Ich mache den Anfang einer Bewegung ihn zu stützen aber er gewinnt von selbst das Gleichgewicht & ich ziehe meinen Arm wieder zurück. – Wie weiß ich daß die Bewegung der Anfang einer Hilfeleistung war. Nun sie war das als was auch der Dritte sie unter diesen Umständen erkannt hatte.
I walk up the stairs next to a sick person. He stumbles. I begin a movement to support him, but he regains his balance on his own, and I pull my arm back. – How do I know that the movement was the beginning of an act of assistance? Well, it was that, as the third person would also have recognized it under these circumstances.
§
12v[2]Und das Wichtige ist nicht nur daß ich mich an meine Absicht & an diese Bewegung erinnere, sondern daran, daß diese Bewegung der Ausdruck der Absicht war.
And what is important is not only that I remember my intention and this movement, but that this movement was the expression of the intention.
§
12v[3] &13r[1]
Wie hat man mich den Gebrauch des Worts “erinnern” gelehrt? Hat man mir gezeigt wie ein Erinnerungsbild ausschaut? (Oder habe ich's erraten?)
How was I taught the use of the word “remember”? Was I shown what a memory-image looks like? (Or did I guess?)
§
13r[2] &13r[3]
Du erinnerst Dich, daß Du die Absicht hattest – – wie war es also, wie Du sie hattest? Wenn Du nachdenkst, was fällt Dir da ein? Ich erinnere mich an Verschiedenes; aber nichts davon ist die Absicht. Und doch scheint das, woran ich mich erinnere relevant für die Absicht.
Wenn Du nun später sagst “Ich meinte …”, beurteilst Du da die ganze Situation?
You remember that you had the intention – so, what was it like, how did you have it? When you think about it, what comes to mind? I remember various things; but none of it is the intention. And yet, what I remember seems relevant to the intention.
If you later say, “I meant…,” are you then judging the whole situation?
§
13v[1]Wie hab ich denn die Worte “die Absicht haben” gelernt?
How did I learn the words “to have the intention”?
§
13v[2]Wiederum ist es seltsam: Du kannst die Absicht mimen.
Again, it’s odd: you can mime the intention.
§
13v[3] &14r[1]
Denk Dir Du hättest die Absicht darauf zu zeigen. Du machtest keine Bewegung, aber sagtest zu Dir selbst “Ich will drauf zeigen”. Später erinnerst Du Dich dran das gesagt zu haben. Sind (diese) Worte nicht auf dem gleichen Niveau wie die Bewegungen (die ja auch ein Andrer verstehen könnte). Und wenn ich mich nun erinnere mir dies gesagt zu haben, – ist es ein sicherer Beweis der Absicht, während dies die Bewegung nicht war? Ja, wozu annehmen ich hätte die Worte bloß zu mir selbst gesagt? Nehmen wir an ich hätte sie laut zu einem Anwesenden gesagt.
Imagine you had the intention of pointing at something. You make no movement, but say to yourself, “I want to point at it.” Later, you remember having said that. Are (these) words not on the same level as the movements (which another person could also understand)? And if I now remember having said this to myself, is it a certain proof of intention, while the movement was not? Yes, why assume I only said the words to myself? Let's assume I said them aloud to someone present.
§
14r[2] &14v[1] &
15r[1]
Nehmen wir an was ich als Äußerung der Absicht ansah, werde durch irgend ein Ereignis abgeschnitten. Wäre die Absicht nun vorhanden, oder wie weit darf man die Äußerung kürzen ohne die Absicht zu zerstören. Wüßte ich z.B. schon beim ersten Wort alles was ich sagen wollte? War also der Gedanke schon fertig gedacht als ich es aussprach? Und auch schon ehe ich es aussprach? Und wie lange vorher? Hätte ich den Zeitpunkt etwa durch ein Händeklatschen anzeigen können? Oder ist es so: Wenn ich, sagen wir, nach dem ersten Wort des Satzes unterbrochen, dann aber gefragt worden wäre, was ich gesagt hätte wenn nichts dazwischen gekommen wäre; so würde ich mit Sicherheit darauf antworten. D.h.: ich könnte jetzt mit voller Sicherheit fortsetzen – – aber das sagt nicht, daß der Denkakt schon von dem Satz abgelaufen war.
Let’s assume that what I considered to be the manifestation of the intention is interrupted by some event. Would the intention then still be present, or how much can the manifestation be shortened without destroying the intention? For example, did I already know everything I wanted to say from the first word? Was the thought already fully formed when I spoke it? And even before I spoke it? And how long before? Could I have indicated the point in time with a hand clap? Or is it like this: if I am interrupted after the first word of the sentence, but then asked what I would have said if nothing had happened, I would certainly be able to answer. That is, I could now continue with full certainty—but that does not mean that the thought process had already run its course.
§
15r[2]D.h.: Meine Antwort, meine Bewegung sei der Anfang eines Zeigens gewesen, beruht darauf daß ich jetzt gegebenenfalls die Bewegung fortzusetzen wüßte. Daß mir eine bestimmte Fortsetzung vorschwebt; was sozusagen die Tendenz jenes Bewegungsanfangs bezeugt.
That is, my answer, my movement, is based on the fact that I could now, if necessary, continue the movement. That a certain continuation is suggested to me; which, so to speak, bears witness to the tendency of that beginning of the movement.
§
15r[3] &15v[1]
Wer anfängt zu niesen, & steckenbleibt, sagt nicht er habe zu niesen beabsichtigt.
Someone who starts to sneeze and gets stuck does not say that they intended to sneeze.
§
15v[2]Aber hätte ich meine Bewegung auch in etwas anderes fortsetzen können? Oder: war ich nach den ersten Worten des Satzes noch frei ihn so oder so fortzusetzen ohne nämlich meine Absicht zu ändern?
But could I also have continued my movement in something else? Or: after the first words of the sentence, was I still free to continue it one way or another without changing my intention?
§
15v[3] &16r[1]
Ich zog die Linie & werde ◠ unterbrochen. Gefragt wie ich fortsetzen wollte ergänze ich sie zu einem Kreis. Angenommen ich hätte sie zu dieser Form ◠◡ ergänzt hätte ich meine Absicht geändert? Manchmal ja, manchmal nein.
I draw the line and am interrupted. When asked how I wanted to continue, I complete it into a circle. Suppose I had completed it into this form ◠◡, would I have changed my intention? Sometimes yes, sometimes no.
§
16r[2]– – – Ich könnte jenen Satz in mitten einer Sprachübung aussprechen & ihn als Mitteilung meinen, obgleich er auch in die Sprachübung passen würde, & der Andere wüßte vielleicht nicht, wie ich ihn gemeint habe.
—I could utter that sentence in the middle of a language exercise and intend it as a communication, even though it would also fit into the language exercise, and the other person might not know how I meant it.
§
16r[3] &16v[1]
Denke an das Erlebnis in einem Gespräch etwas sagen zu wollen Dich aber dann zu entscheiden nichts zu sagen. Ein charakteristisches Erlebnis ist es den Atem einzuziehen & anzuhalten. Entscheidest Du Dich dann doch nichts zu sagen, so läßt Du den Atem wieder aus. Jemand der Dich beobachtet kann deutlich sehen daß Du etwas sagen wolltest. War also die Absicht das Atem anhalten. Nein. Aber in dieser ganzen Situation machte diese Handlung etwa diese Absicht aus.
Think of the experience in a conversation of wanting to say something but then deciding not to. A characteristic experience is to take a breath and hold it. If you then decide not to say anything, you let the breath out again. Someone who observes you can clearly see that you wanted to say something. Was the intention to hold your breath? No. But in this whole situation, did this action constitute that intention?
§
16v[2] &17r[1]
Soll ich sagen die Absicht sei ein Erlebnis der Tendenz? Nun dies Atem anhalten könnte man ein Erlebnis der Tendenz zu sprechen nennen. Daher erkennt es auch der Andre als diese Tendenz. Aber würde er's in jeder Situation als Tendenz erkennen & wäre es in jeder Situation für eine Tendenz charakteristisch?
Should I say that the intention is a kind of experience of tendency? Well, this holding of the breath could be called an experience of the tendency to speak. That is why the other person also recognizes it as that tendency. But would he recognize it as a tendency in every situation, and would it be characteristic of a tendency in every situation?
§
17r[2] &17v[1]
Wie ist das: die Absicht haben etwas zu tun? Was soll ich darauf antworten? Eine Art der Antwort wäre, zu sagen, was etwa ein Romanschriftsteller sagt der die Seelenzustände seines Helden beschreibt wenn dieser die Absicht hat …. Und was geschieht da? Es wird eine Situation, eine Vorgeschichte beschrieben, die Gedanken & Empfindungen des Helden & dergl. Es wird vielleicht nirgends gesagt er habe die Absicht gehabt N. umzubringen aber wenn wir den Gang des Romans erzählen werden wir vielleicht diese Worte gebrauchen.
What is it to have the intention to do something? What should I answer to that? One kind of answer would be to say what a novelist might say when describing the mental states of his hero when he has the intention to… And what happens there? A situation, a background, the hero’s thoughts and feelings, and so on, are described. Perhaps nowhere is it said that he had the intention to kill N, but when we tell the story of the novel, we might use these words.
§
17v[2] &18r[1]
“Ich hatte diesen Satz als Mitteilung gemeint”. – Ich hatte schon früher manchmal daran gedacht meinem Lehrer zu sagen ich sei unwohl um dadurch den langweiligen Unterricht zu kürzen. Nun kam dieser französische Satz & ich sagte ihn mit einer Wendung gegen den Lehrer in einem andern Ton, als die übrige Übersetzung. Dann als ich sah daß er mich nicht verstanden hatte dachte ich “Ich will doch weiter übersetzen” & setzte die Lektion fort.
“I meant this sentence as a communication.” – I had previously sometimes thought about telling my teacher that I felt unwell in order to shorten the boring lesson. Now this French sentence came along, and I said it with a twist directed at the teacher, in a different tone than the rest of the translation. Then, when I saw that he didn't understand me, I thought, “I still want to continue translating,” and I continued the lesson.
§
18r[2] &18v[1]
Man kann sich auch selbst sagen: “Ich erwarte daß er mich besuchen wird” & das wird je nach den Umständen, der Gedanken, die vorangegangen sind ein Resultat der Introspektion genannt werden können & also heißen: “Also das tue ich – ich erwarte daß er zu mir kommen wird.” Oder aber eine Äußerung der Erwartung also – wenn man so sagen will – eine Handlung der Erwartung. D.h., eine Handlung die die Situation als eine des Erwartens charakterisiert.
One can also say to oneself, “I expect him to visit me,” and, depending on the circumstances and the thoughts that preceded it, this can be called a result of introspection, and therefore mean: “So, this is what I am doing – I expect him to come to me.” Or, it is an expression of expectation, i.e., if one wants to put it that way, an act of expectation. That is, an act that characterizes the situation as one of expectation.
§
18v[2]Eine Erwartung, könnte man sagen, besteht aus Handlungen, Gedanken, Gefühlen, in bestimmten Umgebungen.
An expectation, one could say, consists of actions, thoughts, and feelings, in certain environments.
§
18v[3] &19r[1]
– – – Es wäre aber auch denkbar daß jemand ohne die geringste Ursache, ohne eine entsprechende Vorgeschichte in seinen Gedanken urplötzlich eine erwartende Stellung einnehme & sagte: “Ich erwarte jeden Moment eine Explosion”. Wir würden ihn dann vielleicht für verrückt halten. Und wenn er auf die Frage, warum er eine Explosion erwarte keine Antwort zu geben wußte & bloß wiederholte er erwarte eine Explosion, so wüßten wir nicht ob wir von ihm sagen sollten er erwarte wirklich etwas. Nicht aber weil wir in seine Seele nicht schauen können, sondern weil die Situation ein degenerierter Grenzfall des Erwartens ist.
– – – It is also conceivable that someone, without the slightest cause, without a corresponding history, suddenly assumes an expectant attitude and says: “I expect an explosion at any moment.” We would then perhaps consider him crazy. And if he couldn’t give an answer to the question of why he expected an explosion and only repeated that he expected an explosion, then we would not know whether we should say that he really expects something. Not because we cannot look into his mind, but because the situation is a degenerate borderline case of expectation.
§
19r[2]– – – Seine Antwort wird z.B. dem Andern seine Handlungsweise verständlich machen, ihn auch in den Stand setzen sich die Gedanken & Gefühle des Erwartenden auszumalen.
– – – His answer will, for example, make the other person’s way of acting understandable, and also enable him to imagine the thoughts and feelings of the person who is expecting something.
§
19v[1] &20r[1]
“Als ich dieses Buch las unterhielt ich mich ausgezeichnet.” Wenn mir jemand das sagt so kann ich mir nun verschiedenes vorstellen, was er etwa beim Lesen gedacht, gesagt & getan hat. Ich kann daraus auch schließen daß es sich als Reiselektüre für mich eignen werde, oder das Gegenteil u.s.w. u.s.w. So funktioniert diese Mitteilung.
“When I read this book, I had an excellent time.” If someone says this to me, I can now imagine various things that he may have thought, said, and done while reading. I can also conclude from this that it will be suitable as travel reading for me, or the opposite, etc., etc. That is how this communication works.
§
20r[2]Wenn ich, statt zu sagen “Ich erwarte jeden Moment eine Explosion”, flüstere “Es wird gleich losgehen”, so sind doch diese Worte keine Beschreibung meiner Empfindung, obgleich sie & der Ton eine Äußerung meiner Empfindungen sein mag.
If, instead of saying “I expect an explosion at any moment,” I whisper “It will start soon,” then these words are not a description of my sensation, although they, and the tone, may be an expression of my sensations.
§
20r[3]Wenn ich sage “Ich erwarte ihn sehnsüchtig” so wird man diese Worte manchmal eine Handlung der Erwartung selbst nennen können.
If I say “I eagerly await him,” then sometimes these words can be called an act of expectation itself.
§
20r[4] &20v[1]
Die Worte “Ich erwarte eine Explosion” werden oft einfach heißen “Sei auf eine Explosion gefaßt” oder “Ich glaube es wird jetzt eine Explosion stattfinden”.
The words “I expect an explosion” often simply mean “Be prepared for an explosion” or “I believe an explosion will take place now.”
§
20v[2] &21r[1]
Wozu dient der Satz “Ich erwarte …”? Er teilt mir mit das & das sei zu erwarten die Situation sei die & die. Er teilt mir seine Meinung über den Ausgang einer Sache mit. Er erklärt mir … das Benehmen des andern seine Unruhe Zerstreutheit etc., oder daß er immer wieder aus dem Fenster schaut. Er erklärt mir die Stimmung des Andern. (Sehnsucht.) Er kann mir das eine oder das andere mitteilen wollen. Und welches er mir mitteilen will wird wieder zum Teil in dem liegen was seinen Worten vorangegangen ist etc. etc. Er kann aber z.B. die Worte “Ich erwarte ihn sehnsüchtig” sagen um seine volle Brust zu erleichtern um sich gegen jemand auszusprechen.
What is the purpose of the sentence “I expect…”? It tells me that this and that is to be expected, that the situation is this and that. It tells me his opinion about the outcome of something. It explains to me… the other person’s behaviour, his restlessness, distraction, etc., or that he keeps looking out the window. It explains the other person’s mood. (Longing.) He may want to communicate one or the other to me. And which one he wants to communicate will again be partly due to what preceded his words, etc., etc. But, for example, he can say the words “I eagerly await him” in order to relieve his full chest, in order to express himself against someone.
§
21r[2]Ist Glauben etwa denken & empfinden? Ich glaube daß N den Gegenstand gestohlen hat. Glauben ist grammatisch ein Zustand der sich in dem was ich denke sage empfinde tue & unterlasse zeigt.
Is believing just thinking and feeling? I believe that N stole the object. Believing is grammatically a state that manifests itself in what I think, say, feel, do, and refrain from doing.
§
21v[1] &22r[1]
Die Erwartung wächst aus einer Situation heraus. Die Erwartung einer Explosion liegt in einer bestimmten Situation eingebettet. Eine Erwartung liegt in einer Situation eingebettet. Eine Erwartung greift in eine bestimmte Situation. Eine Erwartung hat ihre Wurzeln in einer bestimmten Situation. Sie ist gleichsam in der Situation eingebettet, & wächst aus ihr heraus. Aus einer Situation z.B. in der eine Explosion zu erwarten ist.
Expectation grows out of a situation. The expectation of an explosion is embedded in a certain situation. An expectation is embedded in a situation. An expectation intervenes in a certain situation. An expectation has its roots in a certain situation. It is, as it were, embedded in the situation and grows out of it. Out of a situation, for example, in which an explosion is to be expected.
§
22r[2]Die Erwartung einer Explosion z.B. wächst manchmal aus einer Situation heraus in der eine Explosion zu erwarten ist.
The expectation of an explosion, for example, sometimes grows out of a situation in which an explosion is to be expected.
§
22r[3]“Ich erwarte daß es explodieren wird” können auch die Worte sein die den Gedanken aussprechen zu dem ich jetzt gerade gelangt bin, & dann sind sie eben ein Akt der Erwartung.
“I expect that it will explode” can also be the words that express the thought to which I have now arrived, and then they are simply an act of expectation.
§
22r[4]Die Erwartung ist grammatisch ein Zustand dessen Symptome Gedanken, Handlungen etc. sind.
Expectation is grammatically a state, the symptoms of which are thoughts, actions, etc.
§
22v[1]Willst Du sagen das Meinen des Satzes als Mitteilung sei eine Empfindung oder ein Verlauf von Empfindungen?
Do you mean to say that to mean the sentence is to communicate, and this is a sensation or a series of sensations?
§
22v[2]Eine Erwartung wächst aus einer Situation heraus. Die Erwartung einer Explosion kann (z.B.) aus einer Situation entspringen, in der eine Explosion zu erwarten ist.
An expectation grows out of a situation. The expectation of an explosion can, for example, arise from a situation in which an explosion is to be expected.
§
22v[3]Eine Erwartung wächst aus dem Boden einer Situation heraus.
An expectation grows out of the ground of a situation.
§
22v[4]Eine Erwartung ist in einer Situation eingebettet aus der sie entspringt.
An expectation is embedded in a situation from which it springs.
§
23r[1]Wenn ich am Ende eines Gedankenganges zum Ergebnis gelange, es werde eine Explosion eintreten & also sage “Ich muß also eine Explosion erwarten” so ist das ein Akt der Erwartung.
If at the end of a train of thought I arrive at the conclusion that an explosion will occur, and therefore say “I must therefore expect an explosion,” then this is an act of expectation.
§
23r[2] &23v[1]
Erwartung ist, grammatisch, ein Zustand, wie Meinung, Glaube, Hoffnung. Aber die Grammatik dieses Zustands zu verstehen muß man fragen: Was sind die Kriterien dafür daß jemand in diesem Zustand ist.
Expectation is, grammatically, a state, like opinion, belief, hope. But to understand the grammar of this state, one must ask: What are the criteria for someone being in this state?
§
23v[2]Ist es ein guter Ausdruck, zu sagen: Erwarten sei ein Konglomerat aus Handlungen, Gedanken, Gefühlen?
Is it a good expression to say: To expect is a conglomerate of actions, thoughts, feelings?
§
23v[3]“Ich erinnere mich nicht mehr an meine Worte, aber ich erinnere mich genau an meine Absicht.” Das scheint ja ein schwer verständlicher Fall zu sein. Die Erinnerung an eine Absicht – beide ungreifbar.
“I no longer remember my words, but I remember my intention exactly.” This seems to be a difficult case to understand. The memory of an intention—both are elusive.
§
24r[1]“Ich erinnere mich, ich wollte ihn damals beruhigen ….” Was zeigt mir meine Erinnerung? Nun, wenn sie nichts täte als mir diese Worte einzugeben, & vielleicht noch andere, die die Situation noch genauer ausmalen!
“I remember, I wanted to calm him down at that time….” What does my memory show me? Well, if it did nothing more than give me these words, and perhaps also others that depict the situation in more detail!
§
24r[2] Der Satz als Sprachübung wird sich von dem Satz als Mitteilung im allgemeinen durch seinen Tonfall durch die Bewegungen Gedanken unterscheiden.
The sentence, when conceived of as a linguistic exercise, will generally differ from the sentence as a communication through its tone and through the way thoughts are expressed.
§
24r[3] &24v[1]
Glaub nicht immer, daß Du Deine Worte von Tatsachen abliest, diese nach Regeln im Worte abbildest. Die Anwendung der Regel im besonderen Fall müßtest Du ja doch ohne Führung machen.
Don’t always think that you read your words from facts, that you depict these in words according to rules. You would have to do the application of the rule in the particular case without guidance.
§
24v[2]Sagt also der Satz eigentlich etwas sehr schwer Verständliches was nur, zum Glück, dem Laien der ihn ausspricht verborgen ist?
So does the sentence actually say something very difficult to understand that is, fortunately, hidden from the layman who utters it?
§
24v[3]– – – Sie betreffen viele Gegenstände. Sie betreffen viele von den Gegenständen welche die Philosophie unserer Zeit beschäftigen. Sie betreffen eine Große Mannigfaltigkeit der Dinge …
— — — They concern many objects. They concern many of the objects that occupy the philosophy of our time. They concern a large variety of things…
§
25r[1]Sie betreffen eine große Mannigfaltigkeit desjenigen, was die Philosophie unserer Zeit beschäftigt.
They concern a large variety of what occupies the philosophy of our time.
§
25r[2]Sie betreffen viele Gegenstände unseres philosophischen Denkens.
They concern many objects of our philosophical thinking.
§
25r[3]Ich habe alle meine Gedanken über diese Gegenstände ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben. Alle meine Gedanken über diese Gegenstände habe ich ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben.
I originally wrote down all my thoughts about these objects as remarks, short paragraphs. I originally wrote down all my thoughts about these objects as remarks, short paragraphs.
§
25r[4]Das Spiel “Drei Worte nachsprechen”, das dritte ist der Ausruf “Falsch!”. Zusammenhang mit den logischen Paradoxen.
The game of “saying three words,” the third of which is the exclamation “Wrong!” Connection with logical paradoxes.
§
25v[1]Beweisen daß kein Widerspruch möglich ist, ist eine praktische Maßnahme.
To prove that no contradiction is possible is a practical measure.
§
25v[2]Die Maßnahme einer gewissen mathematischen Praxis.
The measure of a certain mathematical practice.
§
25v[3]Mich an das, was ich tat, als den Ausdruck des Meinens zu erinnern, hängt damit zusammen, daß ich die Szene im Geist reproduzieren kann. Denn dieses Reproduzieren ist eine Art des Erinnerns.
The fact that I remember what I did as the expression of my meaning is connected with the fact that I can reproduce the scene in my mind. Because this reproduction is a kind of remembering.
§
26r[1]Als Würfel, als Drahtgestell, als unfertige Schachtel gesehen bestehend nur aus den drei sichtbaren Flächen.
Seen as a cube, as a wire frame, as an unfinished box consisting only of the three visible faces.
§
26r[2]Wie ist es möglich die Zeichnung kontinuierlich in einer dieser drei Weisen zu sehen?
How is it possible to see the drawing continuously in one of these three ways?
§
26r[3]Ja man kann sie z.B. auch als Prisma sehen, das zu mir, nach rechts, oder nach oben schaut. Und was heißt das?!
Yes, one can also see it, for example, as a prism that faces me, to the right, or upwards. And what does that mean?
§
27r[2]§
28r[1]Was man befehlen kann ist eine Tätigkeit.
What one can command is an activity.
§
28r[2]Nicht das Wollen sondern das Tun ist eigentlich was man der Erfahrung gegenüberstellen will.
It is not the willing but the doing that one actually wants to contrast with experience.
§
28r[3]Das “Vielleicht-Gefühl”, was für ein Gefühl ist es? Wie wird es identifiziert?
The “perhaps-feeling,” what kind of feeling is it? How is it identified?
§
28r[4]Die Pointe des Gebrauchs eines Worts. [Zu der Erklärung die Bedeutung sei der Gebrauch]
The point of the use of a word. [To the explanation that meaning is use.]
§
28r[5] &28v[1]
– – – Und nun scheinen wir, noch ehe wir zur Logik kommen in brauenden Nebeln unentwirrbarer Fragen zu versinken.
— — — And now, even before we come to logic, we seem to be sinking into a swirling fog of inextricable questions.