Ts-225

German (epub, pdf) | German/English

The translation has been generated using a large language model and is provided for orientation only. The German original is the authoritative text. To cite an English translation, use the books published by Wiley-Blackwell.
This translation may contain errors!
Do not quote from or cite this translation!

§

I[1]

Vorwort:

Foreword:

§

I[2]

In dem Folgenden will ich eine Auswahl der philosophischen Bemerkungen veröffentlichen, die ich im Laufe der letzten neun Jahre niedergeschrieben habe. Sie betreffen viele der Gebiete der philosophischen Spekulation: den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Sinnesdaten, den Gegensatz zwischen Idealismus und Realismus, und anderes. Ich habe alle diese Gedanken ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten über denselben Gegenstand, manchmal sprungweise von einem zum andern übergehend. – Meine Absicht war es, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, – von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien mir, daß die Gedanken darin von einem Gegenstand von anderm in wohlgeordneter Reihe fortschreiten sollten.

In what follows, I intend to publish a selection of the philosophical remarks that I have written down over the past nine years. They concern many of the areas of philosophical speculation: the concept of meaning, of understanding, of the sentence, of logic, the foundations of mathematics, sense data, the contrast between idealism and realism, and others. I originally wrote all of these thoughts as remarks, short paragraphs, sometimes in longer chains on the same subject, sometimes jumping from one to another. – My intention was to bring all of this together in one book – the form of which I imagined differently at different times. Essentially, however, it seemed to me that the thoughts in it should progress in a well-ordered series from one subject to another.

§

I[3] &
II[1]

Vor etwa 4 Jahren machte ich den ersten Versuch so einer Zusammenfassung. Das Ergebnis war ein unbefriedigendes, und ich machte weitere Versuche. Bis ich endlich (einige Jahre später) zur Überzeugung gelangte, daß es vergebens sei; und ich alle solche Versuche aufzugeben hätte. Es zeigte sich mir, daß das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, einem Gleise entlang weiterzuzwingen. Dies hing allerdings auch mit der Natur des Gegenstands selbst zusammen. Dieser Gegenstand zwingt uns, das Gedankengebiet kreuz und quer, nach allen Richtungen hin zu durchreisen; daß die Gedanken in ihm in einem verwickelten Netz von Beziehungen zueinander stehen.

About four years ago, I made the first attempt at such a compilation. The result was unsatisfactory, and I made further attempts. Until finally (some years later) I came to the conviction that it was futile, and that I should give up all such attempts. It became clear to me that the best I could write would always only be philosophical remarks; that my thoughts soon faltered when I tried to force them, against their natural inclination, to continue along one track. This, however, was also related to the nature of the subject itself. This subject compels us to traverse the field of thought crisscross, in all directions; that the thoughts in it stand in a complex web of relationships to one another.

§

II[2]

Ich beginne diese Veröffentlichung mit dem Fragment meines letzten Versuchs, meine philosophischen Gedanken in eine Reihe zu ordnen. Dies Fragment hat vielleicht den Vorzug, verhältnismäßig leicht einen Begriff von meiner Methode vermitteln zu können. Diesem Fragment will ich eine Masse von Bemerkungen in mehr oder weniger loser Anordnung folgen lassen. Die Zusammenhänge der Bemerkungen aber, dort, wo ihre Anordnung sie nicht erkennen läßt, will ich durch eine Numerierung erklären. Jede Bemerkung soll eine laufende Nummer und außerdem die Nummern solcher Bemerkungen tragen, die zu ihr in wichtigen Beziehungen stehen.

I begin this publication with the fragment of my last attempt to arrange my philosophical thoughts in a series. This fragment may have the advantage of being able to convey a relatively easy understanding of my method. I intend to follow this fragment with a mass of remarks in more or less loose arrangement. However, I want to explain the connections between the remarks, where their arrangement does not make them recognizable, by means of a numbering system. Each remark should have a running number and also the numbers of those remarks that are in important relationships to it.

§

II[3]

Ich wollte, alle diese Bemerkungen wären besser, als sie sind. – Es fehlt ihnen – um es kurz zu sagen – an Kraft und an Präzision. Ich veröffentliche diejenigen hier, die mir nicht zu öde erscheinen.

I wish that all these remarks were better than they are. – In short, they lack force and precision. I am publishing those that do not seem too boring to me.

§

II[4] &
III[1]

Ich hatte, bis vor kurzem, den Gedanken an ihre Veröffentlichung zu meinen Lebzeiten eigentlich aufgegeben. Er wurde aber wieder rege gemacht, und zwar wohl hauptsächlich dadurch, daß ich erfahren mußte, daß die Resultate meiner Arbeit, die ich in Vorlesungen und Diskussionen mündlich weitergegeben hatte, vielfach mißverstanden, mehr oder weniger verwässert, oder verstümmelt im Umlauf waren. – Hierdurch wurde meine Eitelkeit aufgeregt und sie drohte mir immer wieder die Ruhe zu rauben, wenn ich die Sache nicht (wenigstens für mich) durch eine Publikation erledigte. Und dies schien auch in anderer Beziehung das Wünschenswerteste.

Until recently, I had actually given up the idea of publishing them during my lifetime. However, it was revived, and probably mainly because I had to realize that the results of my work, which I had communicated orally in lectures and discussions, were often misunderstood, more or less watered down, or mutilated in circulation. – This aroused my vanity and threatened to rob me of my peace of mind again and again unless I settled the matter (at least for myself) through a publication. And this also seemed most desirable in other respects.

§

III[2]

Aus verschiedenen Gründen wird, was ich hier veröffentliche, sich mit dem berühren, was Andere heute schreiben. Tragen meine Bemerkungen keinen Stempel an sich, der sie als die meinen kennzeichnet, – so will ich sie auch weiter nicht als mein Eigentum beanspruchen.

For various reasons, what I am publishing here will touch upon what others are writing today. If my remarks do not bear a stamp on them that marks them as mine, – I will not claim them any further as my own.

§

III[3]

Ich habe, seit ich vor 10 Jahren wieder mich mit Philosophie zu beschäftigen anfing, schwere Irrtümer in dem einsehen müssen, was ich seinerzeit in der ‘Logisch-Philosophischen Abhandlung’ niedergelegt hatte. Diese Irrtümer einzusehen, dazu hat mir – in einem Maße, das ich kaum selbst zu beurteilen vermag – die Kritik geholfen, die meine Ideen durch Frank Ramsey erfahren haben: mit welchem ich sie, während der zwei letzten Jahre seines Lebens, in zahllosen Diskussionen erörtert habe. – Mehr noch als dieser, stets kraftvollen und sichern, Kritik verdanke ich derjenigen, die ein Lehrer der Nationalökonomie dieser Universität, Herr P. Sraffa, unablässig an meinen Gedanken geübt hat. Diesem Ansporn schulde ich die folgereichsten der hier mitgeteilten Gedanken.

Since I began to concern myself with philosophy again 10 years ago, I have had to recognize serious errors in that which I laid down in the ‘Logical-Philosophical Treatise’ at the time. Recognizing these errors has been helped – to an extent that I can hardly judge myself – by the criticism that my ideas have received from Frank Ramsey: with whom I discussed them in countless discussions during the last two years of his life. – More than this, I owe to the constant, powerful, and sure criticism that a teacher of economics at this university, Mr. P. Sraffa, has unceasingly directed at my thoughts. I owe the most consequential of the thoughts communicated here to this stimulus.

§

III[4]

Ich übergebe sie nicht ohne zweifelhafte Gefühle der Öffentlichkeit. Ich wage nicht, zu hoffen, daß es dieser dürftigen Arbeit – in unserm dunkeln Zeitalter – beschieden sein könnte, Licht in das eine oder andere Gehirn zu werfen.

I submit them to the public not without mixed feelings. I do not dare to hope that this meager work – in our dark age – might shed light on one or another mind.

§

III[5] &
IV[1]

Ich möchte nicht mit meiner Schrift Andern das Denken ersparen; sondern, wenn es möglich wäre, jemand zu eigenen Gedanken anregen.

I do not want to spare others the effort of thinking with my writing; rather, if possible, I would like to stimulate someone to develop their own thoughts.

§

IV[2]

Cambridge, August 1938.

Cambridge, August 1938.