Ts-233b
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§Z
1[1]Aber kann man nicht sagen: “Wenn es nur eine Substanz gäbe, so hätte man keinen Gebrauch für das Wort ‘Substanz’”? Aber das heißt doch: Der Begriff ‘Substanz’ setzt den Begriff ‘Unterschied der Substanz’ voraus. (Wie der des Schachkönigs den des Schachzuges, oder wie der der Farbe den der Farben.)
But can one not say: “If there were only one substance, would one have any use for the word ‘substance’”? But this means: the concept ‘substance’ presupposes the concept ‘difference of substance’. (As the concept of the chess king presupposes the concept of the chess move, or as the concept of color presupposes the concept of colors.)
§Z
1[2]423 Aber entspricht dieser also nichts Physikalisches? Das leugne ich nicht. (Und wenn es bloß unsre Gewöhnung an diese Begriffe, an diese Sprachspiele wäre. Aber ich sage nicht, daß es so ist.) Wenn wir einem Menschen die und die Technik durch Exempel beibringen,– daß er dann mit einem bestimmten neuen Fall so und nicht so geht, oder daß er dann stockt, daß für ihn also dies und nicht jenes die ‘natürliche’ Fortsetzung ist, ist allein schon ein höchst wichtiges Naturfaktum.
423 But does this correspond to something physical? I do not deny that. (And if it were merely our habit with these concepts, with these language-games. But I do not say that that is the case.) If we teach a person the this and that technique by means of examples—that he then deals with a certain new case in this way and not in that way, or that he then hesitates, that for him this and not that is the ‘natural’ continuation, is already in itself a most important fact.
§Z
1[3]424 “Aber wenn ich mit ‘bläulichgelb’ grün meine, so fasse ich eben diesen Ausdruck anders als nach der ursprünglichen Weise auf. Die ursprüngliche Auffassung bezeichnet einen andern und eben nicht gangbaren Weg.” Was ist aber hier das richtige Gleichnis? das vom physisch nicht gangbaren Weg, oder vom nicht-Existieren des Weges? Also das Gleichnis der physikalischen, oder der mathematischen Unmöglichkeit?
424 “But if I mean green by ‘bluish-yellow’, then I simply grasp this expression differently than in the original way. The original conception refers to another and precisely unworkable path.” But what is the correct simile here? That of the physically unworkable path, or that of the non-existence of the path? Thus, the simile of physical, or mathematical impossibility?
§Z
1[4]425 Wir haben ein System der Farben wie ein System der Zahlen. Liegen die Systeme in unserer Natur, oder in der Natur der Dinge? Wie soll man's sagen? – Nicht in der Natur der Zahlen oder Farben.
425 We have a system of colors as we have a system of numbers. Are the systems in our nature, or in the nature of things? How is one to say it? – Not in the nature of numbers or colors.
§Z
1[5]426 Hat denn dieses System etwas willkürliches? Ja und nein. Es ist mit Willkürlichem verwandt und mit nicht-Willkürlichem.
426 Does this system have something arbitrary about it? Yes and no. It is related to something arbitrary and to something non-arbitrary.
§Z
1[6] &2[1]
427 Das ist klar, daß ich nichts als Zwischenfarben von rot und grün anerkenne will. (Und ob es dem Menschen immer so eingeleuchtet, oder erst nach Erfahrung und Erziehung, ist gleichgültig.)
427 It is clear that I want to recognize nothing but intermediate colors between red and green. (And whether people have always understood this, or only after experience and education, is irrelevant.)
§Z
2[2]1524 ‘a ist zwischen b und c, und dem b näher als dem c’ dies ist eine charakteristische Relation zwischen Empfindungen gleicher Art. D.h., es gibt z.B. ein Sprachspiel mit dem Befehl “Erzeuge eine Empfindung zwischen dieser und dieser, und der ersten näher als der zweiten!” Und auch: “Nenne zwei Empfindungen, zwischen welchen diese liegt”.
1524 ‘a is between b and c, and closer to b than to c’ this is a characteristic relation between sensations of the same kind. That is to say, there is, for example, a language-game with the command “Generate a sensation between this and this, and closer to the first than to the second!” And also: “Name two sensations between which this lies.”
§Z
2[3]1525 Und da ist es wichtig, daß man z.B. bei Grau “Schwarz und Weiß” zur Antwort kriegen wird; bei Violett “Blau und Rot”, bei Rosa “Rot und “Weiß”, etc.; aber nicht bei Olivgrün “Rot und Grün”.
1525 And it is important that, for example, with gray one will get “black and white” as the answer; with violet “blue and red”, with pink “red and white”, etc.; but not with olive-green “red and green”.
§Z
2[4]428 Diese Leute kenne ein Rötlichgrün. – “Aber es gibt doch gar keins!”– Welcher sonderbare Satz. – (Wie weißt du's nur?)
428 These people know a reddish-green. – “But there is no such thing!” – What a strange sentence. – (How do you know?)
§Z
2[5]430 Sagen wir's doch einmal so: Müssen denn diese Leute die Diskrepanz merken? Vielleicht sind sie zu stumpf dazu. Und dann wieder: vielleicht auch nicht. –
430 Let us say it like this: must these people notice the discrepancy? Perhaps they are too dull for that. And then again: perhaps not. –
§Z
2[6]431 Ja aber hat denn die Natur hier gar nichts mitzureden?! Doch – nur macht sie sich auf andere Weise hörbar. “Irgendwo wirst du doch an Existenz und nicht-Existenz anrennen!” Das heißt aber doch an Tatsachen, nicht an Begriffe.
431 But doesn’t nature have anything to say here?! Yes—but it makes itself heard in another way. “Somewhere you will run into existence and non-existence!” But this means facts, not concepts.
§Z
2[7]432 Es ist eine Tatsache von der höchsten Wichtigkeit, daß eine Farbe, die wir (z.B.) “rötlichgelb” zu nennen geneigt sind, sich wirklich durch Mischung (auf verschiedene Weise) von Rot und Gelb erzeugen läßt. Und daß wir nicht im Stande sind, eine Farbe, die durch Mischen von Rot und Grün entstanden ist, ohne Weiteres als eine zu erkennen, die sich so erzeugen läßt. (Was aber bedeutet “ohne Weiteres” hier?)
432 It is a fact of the greatest importance that a color that we are inclined to call (e.g.) “reddish-yellow” can actually be produced (in various ways) by mixing red and yellow. And that we are not able to recognize a color that has been created by mixing red and green as one that can be produced in this way. (But what does “without further ado” mean here?)
§Z
2[8] &3[1]
347 Verwirrung der Geschmäcke: Ich sage “Das ist süß”, der Andere “Das ist sauer”, u.s.f. Einer kommt daher und sagt: “Ihr habt Alle keine Ahnung, wovon ihr sprecht. Ihr wißt gar nicht mehr, was ihr einmal einen Geschmack genannt habt.” Was wäre das Zeichen dafür, daß wir's noch wissen? [Hängt mit einer Frage über eine Verwirrung im Rechnen zusammen.]
347 Confusion of tastes: I say “This is sweet”, the other says “This is sour”, etc. Someone comes along and says: “You all have no idea what you are talking about. You no longer know what you once called a taste.” What would be the sign that we still know it? [Related to a question about a confusion in arithmetic.]
§Z
3[2]348 Aber könnten wir nicht auch in dieser ‘Verwirrung’ ein Sprachspiel spielen? – Aber ist es noch das Frühere? – (Bezieht sich auf das, was Frege, und gelegentlich Ramsey, vom Wiedererkennen als einer Bedingung des Symbolisierens sagten. Was ist das Kriterium dafür, daß ich die Farbe richtig wiedererkannt habe? Etwa so etwas wie das Erlebnis der Freude beim Wiedererkennen?)
348 But couldn't we also play a language-game in this ‘confusion’? – But is it still the earlier one? – (This refers to what Frege, and occasionally Ramsey, said about recognition as a condition of symbolization. What is the criterion for me having correctly recognized the color? Something like the experience of pleasure upon recognition?)
§Z
3[2].2Denken wir uns Menschen, die eine Zwischenfarbe, von Rot und Gelb z.B., durch eine Art binären Dezimalbruch so ausdrücken: R,LLRL u. dergl., wo auf der rechten Seite z.B. Gelb steht, auf der linken Rot. – Diese Leute lernen schon im Kindergarten, Farbtöne in dieser Weise beschreiben, nach solchen Beschreibungen Farben auszuwählen, zu mischen, etc. Sie verhielten sich zu uns ungefähr, wie Leute mit absolutem Gehör zu Leuten, denen dies fehlt. Sie können tun, was wir nicht können. Fraglich
Let us imagine people who express an intermediate color, such as a shade between red & yellow, through a kind of binary decimal fraction, like this: R, LLRL, etc., where, for example, yellow is on the right side & red on the left. – These people would learn, even in kindergarten, to describe color shades in this way, to select colors according to these descriptions, to mix them, etc. They would relate to us in much the same way as people with perfect pitch relate to people who lack it. They can do what we cannot do. Questionable.
§Z
3[3]1272 Und hier möchte man sagen: “Ist das denn aber auch vorstellbar? Ja, das Benehmen wohl! aber auch der innere Vorgang, das Farberlebnis?” Und was man auf so eine Frage sagen soll, ist schwer zu sehen. Hätten die, die kein absolutes Gehör haben, vermuten können, es müsse auch Leute mit absolutem Gehör geben?
1272 And here one would like to say: “Is that conceivable? Yes, that behaviour probably is! but also the inner process, the experience of color?” And what one should say in answer to such a question is hard to see. Could those who do not have perfect pitch have suspected that there must also be people with perfect pitch?
§Z
3[4]1772 Der Glanz, oder die Spiegelung: Wenn ein Kind malt, so wird es diese nie malen. Ja es ist beinahe schwer zu glauben, daß sie durch die gewöhnlichen Öl- oder Wasserfarben dargestellt werden können.
1772 The brilliance, or the reflection: When a child paints, it will never paint this. Yes, it is almost hard to believe that it can be represented by ordinary oil or watercolors.
§Z
3[5] &4[1]
1624 Wie würde eine Gesellschaft von lauter tauben Menschen aussehen? Wie, eine Gesellschaft von ‘Geistesschwachen’? Wichtige Frage! Wie, also, eine Gesellschaft, die viele unserer gewöhnlichen Sprachspiele nie spielte?
1624 What would a society of only deaf people look like? What about a society of ‘mentally deficient’ people? An important question! That is, what would a society look like that never played many of our usual language-games?
§Z
4[2]1314 Den Schwachsinnigen stellt man sich unter dem Bild des Degenerierten, wesentlich Unvollständigen, gleichsam Zerlumpten vor. Also unter dem der Unordnung, statt der primitiveren Ordnung (welches eine weit produktivere Anschauungsart wäre). Wir sehen eben nicht eine Gesellschaft solcher Menschen.
1314 The mentally deficient are imagined as degenerate, essentially incomplete, as if tattered. Thus, as disorder, instead of a more primitive order (which would be a much more productive way of looking at things). We do not see a society of such people.
§Z
4[3]692 Andere, obgleich den unsern verwandte Begriffe könnten uns sehr seltsam erscheinen, Abweichungen nämlich vom Gewohnten in ungewohnter Richtung.
692 Other, albeit related, concepts could seem very strange to us, namely deviations from the familiar in an unfamiliar direction.
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4[4]682 Festbegrenzte Begriffe würden eine Gleichförmigkeit des Verhaltens fordern. Aber wo ich sicher bin, ist der Andere unsicher. Und das ist eine Naturtatsache.
682 Well-defined concepts would require a uniformity of behaviour. But where I am certain, the other is uncertain. And that is a fact of nature.
§Z
4[5]678 Dies sind die festen Schienen, auf denen all unser Denken verläuft, und also nach ihnen auch unser Urteilen und Handeln.
678 These are the fixed rails on which all our thinking proceeds, and therefore also our judging and acting.
§Z
4[6]679 Muß der Begriff der Bescheidenheit, oder der Prahlerei überall bekannt sein, wo es bescheidene und prahlerische Menschen gibt? Es liegt ihnen vielleicht dort nichts an dieser Unterscheidung. Uns sind ja auch manche Unterschiede unwichtig, und könnten uns wichtig sein.
679 Must the concept of modesty, or boastfulness, be known everywhere there are modest and boastful people? Perhaps they do not care about this distinction there. Some differences are unimportant to us, and could be important to us.
§Z
4[7]680 Und Andere haben Begriffe, die unsere Begriffe durchschneiden.
680 And others have concepts that cut across our concepts.
§Z
4a[1]Dort z.B., wo es einen Typus nur selten gibt, wird der Begriff dieses Typus nicht gebildet. Den Leuten fällt dieses Syndrom nicht als eine Einheit auf.
There, for example, where there is only rarely a type, the concept of this type is not formed. People do not recognize this syndrome as a unity.
§Z
4a[1].2Sie machen davon nicht ein Bild & erkennen es von Fall zu Fall wieder.
They do not form a picture of it & recognize it from case to case.
§Z
4a[8]637 Ein Stamm hat zwei Begriffe, verwandt unserm ‘Schmerz’. Der Eine wird bei sichtbaren Verletzungen angewandt und ist mit Pflege, Mitleid, etc., verknüpft. Den anderen wenden sie bei Magenschmerzen, z.B., an und er verbindet sich mit Belustigung über den Klagenden. “Aber merken sie denn wirklich nicht die Ähnlichkeit?” – Haben wir denn überall einen Begriff, wo eine Ähnlichkeit besteht? Die Frage ist: Ist die Ähnlichkeit wichtig? Und muß sie's ihnen sein? Und warum sollte nicht ihr Begriff unsern Begriff ‘Schmerz’ schneiden?
637 A tribe has two concepts, related to our ‘pain’. One is applied in cases of visible injuries and is associated with care, compassion, etc. The other they apply to stomach pains, for example, and it is associated with amusement at the complaining person. “But do they not really notice the similarity?” – Do we have a concept everywhere that a similarity exists? The question is: Is the similarity important? And must it be important to them? And why shouldn’t their concept cut across our concept of ‘pain’?
§Z
4a[9]639 Aber übersieht dieser dann nicht etwas, was da ist? – Er nimmt davon keine Notiz; und warum sollte er? – Aber dann ist ja eben sein Begriff grundverschieden von dem unsern. – Grundverschieden?
639 But doesn’t this mean that he overlooks something that is there? – He does not take note of it; and why should he? – But then his concept is fundamentally different from ours. – Fundamentally different?
§Z
5[1]Verschieden. – Aber es ist dann doch, als ob sein Wort nicht dasselbe bezeichnen könnte wie unseres. Oder nur einen Teil davon. – Aber so muß es ja auch ausschauen, wenn sein Begriff verschieden ist. Denn die Unbestimmtheit unseres Begriffs kann sich ja für uns in den Gegenstand projizieren, den das Wort bezeichnet. So daß, fehlte die Unbestimmtheit, auch nicht ‘dasselbe gemeint’ wäre. Das Bild, das wir verwenden, versinnbildlicht die Unbestimmtheit.
Different. – But it’s as if his word could not mean the same thing as ours. Or only part of it. – But that’s how it must look if his concept is different. Because the indeterminacy of our concept can project itself onto us in the object that the word refers to. So that, if the indeterminacy were missing, ‘the same thing’ would not be ‘meant’ either. The image that we use embodies the indeterminacy.
§Z
5[2]640 In der Philosophie darf man keine Denkkrankheit abschneiden. Sie muß ihren natürlichen Lauf gehen, und die langsame Heilung ist das Wichtigste. (Daher die Mathematiker so schlechte Philosophen sind.)
640 In philosophy, one must not cut short a mental malady. It must run its natural course, & the slow healing is the most important thing. (Hence, mathematicians are such poor philosophers.)
§Z
5[3]705 Denk dir, es würden die Leute eines Stammes von früher Jugend dazu erzogen, keinerlei Gemütsausdruck zu zeigen. Er ist für sie etwas Kindisches, das abzutun sei. Die Abrichtung sei streng. Man redet von ‘Schmerzen’ nicht; schon erst recht nicht in der Form einer Vermutung “Vielleicht hat er doch …”. Klagt jemand, so wird er verlacht, oder gestraft. Den Verdacht der Verstellung gibt es gar nicht. Klagen ist sozusagen schon Verstellung.
705 Imagine that the people of a tribe were raised from an early age to show no emotional expression. It is something childish for them, which should be discarded. The training is strict. One doesn't talk about ‘pain’; let alone in the form of a conjecture “Perhaps he does have…”. If someone complains, they are laughed at or punished. The suspicion of pretending does not even exist. Complaining is, as it were, already pretending.
§Z
5[4]709 “Verstellen”, könnten jene Leute sagen, “was für ein lächerlicher Begriff!” (Als unterschiede man einen Mord mit einer Kugel von einem mit drei Kugeln.)
709 “Pretending,” those people might say, “what a ridiculous concept!” (As if one distinguished a murder with one bullet from one with three bullets.)
§Z
5[5]706 Ich will sagen: eine ganz andere Erziehung als die unsere könnte auch die Grundlage ganz anderer Begriffe sein.
706 I mean: a completely different upbringing than ours could also be the basis for completely different concepts.
§Z
5[6]707 Denn es würde hier das Leben anders verlaufen. – Was uns interessiert, würde sie nicht interessieren. Andere Begriffe wären da nicht mehr unvorstellbar. Ja, wesentlich andere Begriffe sind nur so vorstellbar.
707 Because life would be different here. – What interests us would not interest them. Other concepts would no longer be unimaginable. Yes, essentially different concepts can only be imagined in this way.
§Z
5[7] &6[1]
630 Man könnte ihn doch einfach lehren, den Schmerz (z.B. zu mimen) (nicht in der Absicht zu betrügen). Aber wäre es Jedem beizubringen? Ich meine: Er könnte ja wohl erlernen, gewisse rohe Schmerzzeichen von sich zu geben, ohne aber je aus eigenem, aus seiner eigenen Einsicht eine feinere Nachahmung zu geben, (Sprachtalent.) (Man könnte vielleicht einem gescheiten Hund eine Art Schmerzgeheul beibringen; aber es käme doch nie bei ihm zu einem bewußten Nachahmen.)
630 One could simply teach him to mimic pain (e.g., not with the intention of deceiving). But could it be taught to everyone? I mean: he could probably learn to produce certain crude signs of pain without ever, from his own perspective, giving a more refined imitation (talent for language). (One could perhaps teach a clever dog a kind of pain-howl; but it would never come to a conscious imitation in him.)
§Z
6[2]699 ‘Diese Menschen hätten nichts Menschenähnliches.’ Warum? – Wir könnten uns unmöglich mit ihnen verständigen. Nicht einmal so, wie wir's mit einem Hund können. Wir könnten uns nicht in sie finden. Und doch könnte es ja solche im übrigen menschenähnliche Wesen geben.
699 ‘These people would have nothing human about them.’ Why? – We could not possibly communicate with them. Not even as we can with a dog. We could not find ourselves in them. And yet, there could be such beings, otherwise human.
§Z
6[3]631 Ich will (eigentlich) sagen, daß die gedanklichen Skrupel im Instinkt anfangen (ihre Wurzeln haben). Oder auch so: das Sprachspiel hat seinen Ursprung nicht in der Überlegung. Überlegung ist ein Teil des Sprachspiels. Und der Begriff ist daher im Sprachspiel zu Hause.
631 I want (actually) to say that the mental scruples originate in instinct (have their roots there). Or also: the language-game does not originate in reflection. Reflection is part of the language-game. And the concept is therefore at home in the language-game.
§Z
6[3].2‘Sandhaufen’ ist ein unscharf begrenzter Begriff – – aber warum verwendet man statt seiner nicht einen scharf begrenzten? – Liegt der Grund in der Natur der Haufen? Welche Erscheinung ist es, deren Natur unsern Begriff bestimmt?
‘A heap of sand’ is a term with an imprecise boundary – but why doesn’t one use a term with a precise boundary instead? – Is the reason to be found in the nature of heaps? What phenomenon is it whose nature determines our concept?
§Z
6[4]604 Man kann sich leicht Ereignisse vorstellen und in alle Einzelheiten ausmalen, die, wenn wir sie eintreten sähen, uns an allem Urteilen irre werden ließen. Sähe ich einmal vor meinem Fenster statt der altgewohnten eine ganz neue Umgebung, benähmen sich die Dinge Menschen und Tiere, wie sie sich nie benommen haben, so würde ich etwa die Worte äußern “Ich bin wahnsinnig geworden”; aber das wäre nur ein Ausdruck dafür, daß ich es aufgebe, mich auszukennen. Und das Gleiche könnte mir auch in der Mathematik zustoßen. Es könnte mir z.B. scheinen, als machte ich immer wieder Rechenfehler, so daß keine Lösung mir verläßlich erschiene. Das Wichtige aber für mich daran ist, daß es zwischen einem solchen Zustand und dem normalen keine scharfe Grenze gibt. Hängt mit dem Begriff des ‘Wissens’ zusammen.
604 One can easily imagine events and work them out in all details, which, if we were to see them happen, would lead us to make completely wrong judgments. If I were to see a completely new environment instead of the familiar one in front of my window, if things and animals were to behave in ways they have never behaved before, I might say, “I have gone mad”; but that would only be an expression of the fact that I give up trying to understand. And the same thing could happen to me in mathematics. It might seem to me that I am always making calculation errors, so that no solution seems reliable to me. But what is important for me about this is that there is no sharp boundary between such a state and the normal one. It is connected with the concept of ‘knowledge’.
§Z
6a[1]Klagen ist schon so schlimm, daß es das Schlimmere der Verstellung gar nicht mehr gibt.
Complaining is already so bad that it eclipses the even worse act of pretending.
§Z
6a[1].2Sie können hinter der einen Schande die andere nicht mehr sehen.
One can no longer see one disgrace behind the other.
§Z
6[5] &7[1]
1604 Angenommen, ich hätte eine Erfahrung, ähnlich einem Erwachen, befände mich dann in einer andern Umgebung, mit Leuten, die mich versichern, ich habe geschlafen. Angenommen ferner, ich bliebe dabei, ich habe nicht geträumt, sondern auf irgendeine Weise außer meinem schlafenden Körper gelebt. Welche Funktion hat dies Behauptung?
1604 Suppose I had an experience, similar to waking up, and found myself in a different environment, with people assuring me that I had been asleep. Suppose further that I maintain that I did not dream, but lived in some way outside my sleeping body. What function does this assertion have?
§Z
7[2]1599 Wie wäre es, wenn mir jemand allen Ernstes sagte, er wisse (wirklich) nicht, ob er träume oder wache? – Kann es diese Situation geben: Einer sagt “Ich glaube, ich träume jetzt”; wirklich wacht er bald danach auf, erinnert sich an jene Äußerung im Traum und sagt “So hatte ich also recht!” – – Diese Erzählung kann doch nur besagen: Einer habe geträumt, er hätte gesagt, er träume. Denke, ein Bewußtloser sagte (etwa in der Narkose) “Ich bin bei Bewußtsein“– würden wir sagen “Er muß es wissen”? Und wenn Einer im Schlaf spräche “Ich schlafe”, – würden wir sagen “Er hat ganz recht”? Spricht Einer die Unwahrheit, der mir sagt: “Ich bin nicht bei Bewußtsein”? (Und die Wahrheit, wenn er's bewußtlos sagt? Und wie, wenn ein Papagei sagte “Ich verstehe kein Wort”, oder ein Grammophon “Ich bin bloß eine Maschine”?)
1599 What if someone seriously told me they (really) didn't know whether they were dreaming or awake? – Is it possible for this situation to exist: someone says, “I think I'm dreaming now”; they really wake up soon afterward, remember that utterance in the dream, and say, “So I was right!” – This narrative can only mean: someone dreamed that they said they were dreaming. Suppose an unconscious person said (perhaps during anesthesia), “I am conscious” – would we say, “He must know”? And if someone spoke in their sleep and said, “I am sleeping,” – would we say, “He is absolutely right”? Does someone tell an untruth when they say to me, “I am not conscious”? (And the truth when they say it while unconscious? And how about when a parrot says, “I don’t understand a word,” or a gramophone says, “I am just a machine”?)
§Z
7[3]1600 Denke, in einem Tagtraum ließe ich mich sprechen “Ich phantasiere bloß”, wäre das wahr? Denke, ich schreibe so eine Phantasie, oder Erzählung, einen phantasierten Dialog, und in ihm sage ich “Ich phantasiere” – – aber, wenn ich es aufschreibe, – wie zeigt sich's daß diese Worte Worte der Phantasie sind und daß ich nicht aus der Phantasie herausgetreten bin? Wäre es nicht wirklich möglich, daß der Träumende, sozusagen aus dem Traum heraustretend, im Schlaf spräche “Ich träume”? Es wäre wohl denkbar, daß so ein Sprachspiel existierte. Dies hängt mit dem Problem des ‘Meinens’ zusammen. Denn ich kann im Dialog eines Stücks schreiben “Ich bin gesund” und es also nicht meinen, obwohl es auch wahr ist. Die Worte gehören zu diesem und nicht zu jenem Sprachspiel.
1600 Suppose, in a daydream, I were to say “I am merely fantasizing”; would that be true? Suppose I were to write such a fantasy, or story, a fantasized dialogue, and in it I say “I am fantasizing”—but, if I write it down, how does it show that these words are words of fantasy and that I have not stepped out of the fantasy? Wouldn’t it indeed be possible that the dreamer, as it were stepping out of the dream, speaks in his sleep and says “I am dreaming”? It would probably be conceivable that such a language-game existed. This is connected with the problem of ‘meaning’. For I can write in a dialogue of a play “I am healthy” and thus not mean it, even though it is also true. The words belong to this language-game and not to that one.
§Z
7[4]1601 ‘Wahr’ und ‘Falsch’ im Traum. Ich träume, daß es regnet und daß ich sage “Es regnet” – – anderseits: Ich träume, daß ich sage “Ich träume”.
1601 ‘True’ and ‘False’ in dreams. I dream that it is raining and that I say “It is raining” – – on the other hand: I dream that I say “I am dreaming.”
§Z
7[5]1602 Hat das Verbum “träumen” eine Gegenwartsform? Wie lernt diese der Mensch gebrauchen?
1602 Does the verb “to dream” have a present tense? How does a person learn to use it?
§Z
8[1]1605 “‘Ich habe Bewußtsein’, das ist eine Aussage, an der kein Zweifel möglich ist.” Warum soll das nicht das Gleiche sagen, wie dies: “‘Ich habe Bewußtsein’ ist kein Satz”? Man könnte auch so sagen: Was schadet es, daß Einer sagt, “Ich habe Bewußtsein” sei eine Aussage, die keinen Zweifel zulasse? Wie komme ich mit ihm in Widerspruch? Nimm an, jemand sagte mir dies, – warum soll ich mich nicht gewöhnen, ihm nichts darauf zu antworten, statt etwa einen Streit anzufangen? Warum soll ich seine Worte nicht behandeln, wie sein Pfeifen oder Summen?
1605 “‘I am conscious,’ that is an assertion for which no doubt is possible.” Why shouldn’t that say the same thing as this: “‘I am conscious’ is not a sentence”? One could also say: What harm is there in someone saying that “I am conscious” is an assertion that admits of no doubt? How can I contradict him? Suppose someone said this to me – why shouldn’t I get used to not answering him anything, instead of, say, starting an argument? Why shouldn’t I treat his words as if they were his whistling or humming?
§Z
8[2]1606 “Nichts ist so gewiß wie, daß mir Bewußtsein eignet.” Warum soll ich es dann nicht auf sich beruhen lassen? Diese Gewißheit ist wie eine große Kraft, deren Angriffspunkt sich nicht bewegt; die also keine Arbeit leistet.
1606 “Nothing is as certain as that consciousness belongs to me.” Why shouldn’t I then just leave it at that? This certainty is like a great force, the point of application of which does not move; which, therefore, does no work.
§Z
8a[1]1597 Was hieße es, mich darin irren, daß er eine Seele, Bewußtsein, habe? und was hieße es, daß ich mich irre und selbst keins habe? Was hieße es, zu sagen “Ich bin nicht bei Bewußtsein.”‒ ‒ Aber weiß ich nicht doch, daß Bewußtsein in mir ist? – So weiß ich's also, und doch hat die Aussage, es sei so, keinen Zweck? Und wie merkwürdig, daß man lernen kann, sich in dieser Sache mit andern Leuten zu verständigen!
1597 What would it mean to be mistaken in that he has a soul, consciousness? and what would it mean that I am mistaken and have none myself? What would it mean to say “I am not conscious”? – – But don’t I know that consciousness is in me? – So I know it, and yet the assertion that it is so has no purpose? And how remarkable that one can learn to communicate with other people on this subject!
§Z
8a[2]1598 Einer kann sich bewußtlos stellen; aber auch bewußt?
1598 One can make oneself unconscious; but can one also become conscious?
§Z
8[3]644 Erinnere dich: die Meisten sagen, man spüre in der Narkose nichts. Manche aber sagen doch: Man könnte ja doch etwas fühlen und es nur völlig vergessen. Wenn es also hier solche gibt, die zweifeln und solche, denen kein Zweifel kommt, so könnte die Zweifellosigkeit doch auch viel allgemeiner bestehen.
644 Remember: most people say that one doesn’t feel anything during anesthesia. But some do say: one could still feel something, but simply forgets it completely. So if there are some here who doubt and some for whom no doubt arises, then perhaps this certainty could also exist much more generally.
§Z
8[4]645 Oder der Zweifel könnte doch andere, und viel weniger unbestimmte Form haben, als in unserer Gedankenwelt.
645 Or could the doubt take on other, and much less indefinite forms, than in our world of thoughts?
§Z
8[5]736 Niemand außer ein Philosoph, würde sagen “Ich weiß, daß ich zwei Hände habe”; wohl aber kann man sagen: Ich bin nicht im Stande, zu bezweifeln, daß ich zwei Hände habe”.
736 No one but a philosopher would say “I know that I have two hands”; but one can say: I am not in a position to doubt that I have two hands.
§Z
8[5].2“Wissen” aber wird gewöhnlich nicht in diesem Sinn gebraucht. “Ich weiß, wieviel 97 × 78 ist” “Ich weiß, daß 97 × 78 432 ist.” Im ersten Falle teile ich jemand mit, ich könne etwas besitze etwas; im zweiten versichere ich einfach, 97 × 78 sei 432. Sagt denn “97 × 78 ist ganz bestimmt 432!” nicht, ich wisse, es sei so? Der erste Satz ist kein arithmetischer, noch kann ihn ein solcher ersetzen; statt des zweiten könnte man einen arithmetischen Satz verwenden.
“Knowledge,” however, is not usually used in this sense. “I know how much 97 × 78 is.” “I know that 97 × 78 is 432.” In the first case, I tell someone that I can do something, that I possess something; in the second, I simply assert that 97 × 78 is 432. Doesn’t the sentence “97 × 78 is definitely 432!” not mean, I know that it is so? The first sentence is not an arithmetical one, nor can an arithmetical sentence replace it; in place of the second, one could use an arithmetical sentence.
§Z
8[6]Kann jemand glauben, daß 25 × 25 = 625 ist? Was heißt es, das zu glauben.? Wie zeigt es sich, daß er das glaubt?
Can someone believe that 25 × 25 = 625? What does it mean to believe that? How does it show that he believes it?
§Z
9[1]302 Aber gibt es nicht ein Phänomen des Wissens, so zu sagen, ganz abgesehen vom Sinn der Worte “Ich weiß”? Ist es nicht merkwürdig, daß ein Mensch etwas wissen kann, die Tatsache gleichsam in sich selbst haben kann? – Aber das ist eben ein falsches Bild. – Denn, sagt man, Wissen ist es nur, wenn es sich wirklich verhält, wie er sagt. Aber das ist nicht genug. Es darf sich nicht nur zufällig so verhalten. Er muß nämlich wissen, daß er weiß; das Wissen ist ja sein eigener Seelenzustand; er kann darüber– außer durch eine besondere Verblendung – nicht im Zweifel, oder Unrecht sein. Wenn also das Wissen, daß es so ist, nur ein Wissen ist, wenn es wirklich so ist; und wenn das Wissen in ihm ist, so daß er sich darin, ob es ein Wissen ist nicht irren kann; dann ist er (also) auch unfehlbar darin, daß es ist, wie es das Wissen weiß; und also muß die Tatsache, die er weiß, so wie das Wissen, in ihm sein. Und das deutet allerdings auf eine bestimmte Art der Verwendung von “Ich weiß”. “Ich weiß, daß es so ist” heißt dann: Es ist so, oder ich bin verrückt. Also: wenn ich, ohne zu lügen, sage; “Ich weiß, daß es so ist”, so kann ich nur durch eine besondere Verblendung im Unrecht sein.
302 But is there not a phenomenon of knowledge, so to speak, quite apart from the sense of the words “I know”? Is it not remarkable that a person can know something, as if the fact were, in a way, in himself? – But that is just a false picture. – For, one says, knowledge is only what it is when it actually corresponds to what he says. But that is not enough. It must not only happen to be so by chance. He must, after all, know that he knows; knowledge is, after all, his own state of mind; he cannot, except through a special delusion, be in doubt, or be wrong about it. If, then, the knowledge that it is so is only knowledge if it really is so; and if the knowledge is in him, so that he cannot be mistaken in whether it is knowledge; then he is (therefore) also infallible in the fact that it is as the knowledge knows it; and thus the fact that he knows must also be in him, as the knowledge is. And that certainly points to a certain kind of use of “I know.” “I know that it is so” then means: It is so, or I am crazy. Therefore: if I say, without lying, “I know that it is so,” then I can only be wrong through a special delusion.
§Z
9[2]a Wie kommt es, daß der Zweifel nicht der Willkür untersteht? – Und wenn es so ist, – könnte nicht ein Kind durch seine merkwürdige Veranlagung an Allem zweifeln?
a How does it come about that doubt does not succumb to arbitrariness? – And if it is so, could not a child, through his curious disposition, doubt everything?
§Z
9[3]342 b Man kann erst zweifeln, wenn man Gewisses gelernt hat; wie man sich erst verrechnen kann, wenn man rechnen gelernt hat. Dann ist es allerdings unwillkürlich.
342 b One can only begin to doubt when one has learned something certain; just as one can only make mistakes in calculation when one has learned to calculate. Then, however, it is involuntary.
§Z
9[4]335 Denke, ein Kind wäre ganz besonders gescheit, so gescheit, daß man ihm gleich die Zweifelhaftigkeit der Existenz aller Dinge beibringen kann. Es lernt also vom Anfang: “Das ist wahrscheinlich ein Sessel.” Und wie lernt es nun die Frage: “Ist das auch wirklich ein Sessel?” –
335 Imagine that a child is particularly intelligent, so intelligent that one can teach him the doubtfulness of the existence of all things right away. He thus learns from the beginning: “That is probably a chair.” And how does he now learn the question: “Is that really a chair?” –
§Z
9[5]336 Betreibe ich Kinderpsychologie? – Ich bringe den Begriff des Lehrens mit dem Begriff der Bedeutung in Verbindung.
336 Am I doing child psychology? – I connect the concept of teaching with the concept of meaning.
§Z
9[6] &10[1]
337 Einer sei ein überzeugter Realist, der Andere ein überzeugter Idealist und lehrt seine Kinder dementsprechend. In einer so wichtigen Sache wie der Existenz, oder Nichtexistenz der äußern Welt wollen sie ihren Kindern nichts Falsches beibringen. Was wird man sie nun lehren? Auch dies, zu sagen “Es gibt physikalische Gegenstände”, beziehungsweise das Gegenteil? Wenn Einer an Feen nicht glaubt, so braucht er seine Kinder nicht lehren “Es gibt keine Feen”, sondern er kann es unterlassen, sie das Wort “Fee” zu lehren. Bei welcher Gelegenheit sollen sie sagen “Es gibt …” oder “Es gibt nicht …”? Nur wenn sie Leute treffen, die entgegengesetzten Glaubens sind.
337 Let one person be a convinced realist, and the other a convinced idealist, and let them teach their children accordingly. In something as important as the existence, or non-existence, of the external world, they do not want to teach their children anything false. What will they then teach them? Also, to say “There are physical objects,” or the opposite? If one does not believe in fairies, he does not need to teach his children “There are no fairies,” but he can simply refrain from teaching them the word “fairy.” On what occasion should they say “There is…” or “There is not…”? Only when they meet people with opposing beliefs.
§Z
10[2]338 Aber der Idealist wird den Kindern doch das Wort “Sessel” beibringen, denn er will sie ja lehren, gewisses zu tun, z.B. einen Sessel zu holen. Wo wird sich also, was die idealistisch erzogenen Kinder sagen, von dem, was die realistischen sagen, unterscheiden? Wird der Unterschied nicht nur der der Schlachtrufe sein?
338 But the idealist will still teach the children the word “chair,” because he wants to teach them to do certain things, e.g., to fetch a chair. Where, then, will what the idealistically raised children say differ from what the realistically raised children say? Will the difference not just be that of battle cries?
§Z
10[3]339 Fängt denn nicht das Spiel “Das ist wahrscheinlich ein …” mit der Enttäuschung an? Und kann die erste Einstellung auf die mögliche Enttäuschung sein?
339 Doesn’t the “game” of “that is probably a…” begin with disappointment? And could the initial attitude be one of potential disappointment?
§Z
10[3].2Das Sprachspiel “Was ist das?” – “Ein Sessel.” – ist nicht das Gleiche wie: “Wofür hältst du das?” – “Es dürfte ein Sessel sein.”
The language-game “What is that?” – “A chair.” – is not the same as: “What do you think that is?” – “It is probably a chair.”
§Z
10[4]340 “So muß man ihm also zuerst eine falsche Sicherheit beibringen?” Es ist bei ihrem Sprachspiel von Sicherheit oder von Unsicherheit noch nicht die Rede. Erinnere dich: sie lernen ja etwas tun.
340 “So, must one first teach him a false sense of certainty?” In their language-game, it is not yet a question of certainty or uncertainty. Remember, they are learning to do something.
§Z
10[5]325 Einen im Anfang lehren “Das scheint rot” hat ja gar keinen Sinn. Das muß er ja spontan sagen, wenn er einmal gelernt hat, was “rot” heißt, d.i. die Technik der Wortverwendung.
325 Teaching a child “This seems red” at the beginning makes no sense. He must be able to say it spontaneously, once he has learned what “red” means, i.e., the technique of using the word.
§Z
10[6]326 Die Grundlage jeder Erklärung ist die Abrichtung. (Das sollten Erzieher bedenken.)
326 The basis of every explanation is training. (This is something educators should consider.)
§Z
10[7]“Es scheint mir rot.” – “Und wie ist rot.” – “So.” Dabei muß auf das richtige Paradigma gezeigt werden.
“It seems red to me.” – “And what is red?” – “Like this.” One must then point to the correct paradigm.
§Z
11[1]311 Wenn er zuerst die Farbnamen lernt, – was wird ihm beigebracht? Nun, er lernt z.B. beim Anblick von etwas Rotem “Rot” ausrufen. – Ist das eine richtige Beschreibung, oder hätte es heißen sollen: “Er lernt ‘rot nennen’, was auch wir ‘rot’ nennen”? – Beide Beschreibungen sind richtig. Wie unterscheidet sich davon das Sprachspiel “Wie kommt es dir vor?”? Man könnte Einem doch die Farbwörter beibringen, indem man ihn auf weiße Gegenstände durch farbige Brillen schauen läßt. Was ich ihn aber lehre, muß ein Können sein. Er kann also jetzt auf Befehle etwas Rotes bringen; oder Gegenstände nach ihren Farben ordnen. Aber was ist denn etwas Rotes?
311 If he first learns the color names, – what is he taught? Well, he learns, for example, to say “red” when he sees something red. – Is this a correct description, or should it have said: “He learns to ‘call it red,’ which is also what we ‘call red’”? – Both descriptions are correct. How does this differ from the language-game “How does it strike you?”? One could teach him the color words by having him look at white objects through colored glasses. But what I teach him must be a skill. He can now, on command, bring something red; or arrange objects according to their colors. But what is something red?
§Z
11[2]314 Warum lehrt man das Kind nicht zuerst gleich das Sprachspiel “Es scheint mir rot”? Weil es noch nicht im Stande ist den feineren Unterschied zwischen Schein und Sein zu verstehen?
314 Why doesn’t one teach the child the language-game “It seems red to me” right away? Because he is not yet able to understand the finer distinction between appearance and reality?
§Z
11[3]315 Die rote Gesichtsempfindung ist ein neuer Begriff.
315 The red visual sensation is a new concept.
§Z
11[4]316 Das Sprachspiel, was wir ihm dann beibringen, ist: “Mir scheint es …, dir scheint es …” Im ersten Sprachspiel kommt eine Person als wahrnehmendes Subjekt nicht vor.
316 The language-game that we then teach him is: “It seems to me…, it seems to you…” In the first language-game, a person does not appear as a perceiving subject.
§Z
11[5]317 Du gibst dem Sprachspiel ein neues Gelenk. Was aber nicht heißt, daß nun davon immer Gebrauch gemacht wird.
317 You are giving the language-game a new articulation. But this does not mean that it will always be used.
§Z
11[6]149 Das innere Hinblicken auf die Empfindung – welche Verbindung soll es denn zwischen Wort und Empfindung herstellen; wozu soll diese Verbindung dienen? Hat man mich das gelehrt, als ich diesen Satz gebrauchen, diesen Gedanken denken lernte? (Ihn zu denken ist ja etwas, was ich lernen müßte) Wir lernen allerdings auch dies, unsre Aufmerksamkeit auf Dinge, und auf Empfindungen, richten. Wir lernen beobachten und die Beobachtung beschreiben. Aber wie lehrt man mich dies; wie wird in diesem Falle meine ‘innere Tätigkeit’ kontrolliert? Wonach wird beurteilt, ob ich wirklich Acht gegeben habe?
149 The inner looking at the sensation – what connection should it establish between word and sensation; what is this connection supposed to serve? Was I taught that when I learned to use this sentence, to think this thought? (To think it is something I would have to learn.) We also learn to direct our attention to things, and to sensations. We learn to observe and describe the observation. But how is I taught this; how is my ‘inner activity’ controlled in this case? According to what is it judged whether I have really paid attention?
§Z
11[7]1753 “Der Sessel ist der gleiche, ob ich ihn betrachte oder nicht”– das müßte nicht wahr sein. Menschen werden oft verlegen, wenn man sie anschaut. “Der Sessel fährt fort zu existieren, ob ich ihn anschaue oder nicht.” Das könnte als Erfahrungssatz behandelt werden, oder es könnte grammatisch aufzufassen sein. Man kann aber auch einfach an dem begrifflichen Unterschied zwischen Sinneseindruck und Objekt dabei denken.
1753 “The chair is the same, whether I look at it or not” – this does not have to be true. People often become embarrassed when they are looked at. “The chair continues to exist, whether I look at it or not.” This could be treated as an empirical proposition, or it could be understood grammatically. One can also simply think of the conceptual difference between sense impression and object in this connection.
§Z
12[1]Ist aber nicht die Übereinstimmung der Menschen dem Spiel wesentlich? Muß, wer es lernt, also nicht zuerst die Bedeutung von “gleich” kennen, & setzt die nicht auch Übereinstimmung voraus? u.s.f.
But isn't the agreement of people essential to the game? Must one who learns it therefore not first know the meaning of “same,” and doesn’t that also presuppose agreement? etc.
§Z
12[2]Du sagst “Das ist rot”, aber wie wird entscheiden, ob Du recht hast? Entscheidet es nicht die Übereinstimmung der Menschen? – Aber berufe ich mich denn auf diese Übereinstimmung in meinen Farburteilen? Geht es denn so vor sich: Ich lasse eine Anzahl Leute einen Gegenstand anschauen; jedem von ihnen fällt dabei eines einer gewissen Gruppe von Wörtern (der sogenannten Farbwörter) ein; ist der Mehrzahl der Betrachter das Wort “rot”, z.B., eingefallen (zu dieser Mehrzahl muß ich selbst nicht gehören), so gebührt dem Gegenstand das Prädikat “rot”. So eine Technik könnte ja ihre Wichtigkeit haben.
You say, “This is red,” but how will it be decided whether you are right? Isn’t it decided by the agreement of people? – But do I rely on this agreement in my judgments about colors? Does it happen like this: I have a number of people look at an object; each of them has one of a certain group of words (the so-called color words) occur to them; if the word “red,” for example, occurs to the majority of the observers (I don’t necessarily have to be among that majority), then the object is given the predicate “red.” Such a technique could certainly have its importance.
§Z
12[3]Die Farbwörter werden so gelehrt: “Das ist rot” z.B.– Unser Sprachspiel kommt freilich nur zustande, wenn eine gewisse Übereinstimmung herrscht, aber der Begriff der Übereinstimmung tritt ins Sprachspiel nicht ein. Wäre die Übereinstimmung vollkommen, so könnte ihr Begriff ganz unbekannt sein.
The color words are taught like this: “This is red,” for example. Our language-game, of course, only comes about when there is a certain agreement, but the concept of agreement does not enter into the language-game. If the agreement were complete, its concept could be completely unknown.
§Z
12[4]Entscheidet die Übereinstimmung der Menschen, was rot ist? Wird das durch den Appell an die Mehrheit entschieden? Wurde uns beigebracht, die Farbe so zu bestimmen?
Does the agreement of people determine what is red? Is this decided by appealing to the majority? Were we taught to determine the color so?
§Z
12[5]312 Ich beschreibe eben das Sprachspiel “Bring etwas Rotes” dem, der es schon selbst spielen kann. Den Andern könnt' ich's nur lehren. (Relativität.)
312 I am simply describing the language-game “Bring something red” to someone who can already play it himself. I could only teach it to others. (Relativity.)
§Z
12[6] &13[1]
2012 “Was ich wahrnehme, ist dies – “und nun folgt eine Form der Beschreibung. Das Wort “Dies” könnte man auch so erklären: Denken wir uns eine direkte Übertragung des Erlebnisses! – Aber was ist nun unser Kriterium dafür, daß das Erlebnis wirklich übertragen wurde? “Nun, er hat eben dann das, was ich habe”. – Aber wie ‘hat’ er es?
2012 “What I perceive is this” – and then follows a form of description. One could also explain the word “This” as follows: Let us imagine a direct transmission of the experience! – But what is our criterion for the fact that the experience has actually been transmitted? “Well, he just has what I have.” – But how does he ‘have’ it?
§Z
13[2]659 Was heißt es “eine Empfindung mit einem Wort bezeichnen, benennen”? Gibt es da nichts zu untersuchen? Denk dir, du kämest von einem Sprachspiel mit räumlichen Gegenständen – und nun hieße es, es werden jetzt auch Empfindungen benannt. Wäre das nicht, als würde zuerst von einer Übertragung des Besitzes, und dann auch einmal von einer Übertragung der Freude am Besitz, oder des Stolzes auf den Besitz gesprochen. Müssen wir da nicht etwas Neues lernen? Etwas Neues, was wir auch “übertragen” nennen.
659 What does it mean to “designate a sensation with a word, to name it”? Is there nothing to investigate here? Imagine you come from a language-game with spatial objects – and now it turns out that sensations are also being named. Wouldn’t that be as if, first, one spoke of the transfer of possession, and then also of the transfer of pleasure in possession, or of pride in possession. Must we not learn something new here? Something new that we also call “transfer.”
§Z
13[3]1766 Die Beschreibung des subjektiv Gesehenen ist nahe oder entfernt verwandt der Beschreibung eines Objekts, aber funktioniert eben daher nicht als Beschreibung eines Gegenstands. Wie vergleicht man Gesichtsempfindungen? Wie vergleiche ich meine mit des Andern Gesichtsempfindungen?
1766 The description of the subjectively seen is closely or distantly related to the description of an object, but it does not function as a description of an object for that reason. How does one compare visual sensations? How do I compare my visual sensations with those of another?
§Z
13[4]516 “Verifying by inspection” ist ein gänzlich irreführender Ausdruck. Er sagt nämlich, daß zuerst ein Vorgang, die Inspektion, geschieht, und die wäre mit dem Schauen durch ein Mikroskop vergleichbar, oder mit dem Vorgang des Umwendens des Kopfes um etwas zu sehen. Und, daß dann das Sehen notwendig erfolge Man könnte von “sehen durch umwenden” oder “sehen durch schauen” reden. Aber dann ist eben das Umwenden (oder Schauen) ein dem Sehen externer Vorgang, der uns (daher) nur praktisch interessiert. Was man sagen möchte ist: “sehen durch sehen”.
516 “Verifying by inspection” is a completely misleading expression. It says, namely, that first a process, the inspection, takes place, and that would be comparable to looking through a microscope, or to the process of turning one’s head to see something. And that then seeing necessarily takes place. One could speak of “seeing by turning” or “seeing by looking.” But then the turning (or looking) is a process external to seeing, which only interests us (therefore) in a practical way. What one wants to say is: “seeing by seeing.”
§
13[5]454 Nicht darum handelt es sich, daß unsre Sinneseindrücke uns belügen können, sondern, daß wir ihre Sprache verstehen. (Und diese Sprache beruht, wie jede andere, auf Übereinkunft.)
454 It is not a question of our sensory impressions being able to deceive us, but of us understanding their language. (And this language is based, like any other, on agreement.)
§
13[6] &14[1]
455 Man ist geneigt zu sagen: “Es regnet, oder es regnet nicht; wie ich das weiß, wie mich die Kunde davon erreicht hat, ist eine andere Sache.” Aber stellen wir also die Frage so: Was nenne ich “eine Kunde davon, daß es regnet”? (Oder habe ich auch von dieser Kunde nur Kunde erhalten?) – Und was kennzeichnet denn diese ‘Kunde’ als Kunde von etwas? Leitet uns da nicht die Form unseres Ausdrucks irre? Ist das eben nicht eine irreführende Metapher: “mein Auge gibt mir Kunde davon, daß dort ein Sessel stehe”?
455 One is inclined to say: “It is raining, or it is not raining; how I know this, how the knowledge of it reaches me, is another matter.” But let us ask the question in this way: What do I call “knowledge of the fact that it is raining”? (Or have I only received knowledge of this knowledge?) – And what characterizes this ‘knowledge’ as knowledge of something? Doesn’t the form of our expression mislead us? Isn’t this simply a misleading metaphor: “my eye tells me that there is a chair there”?
§Z
14[2]457 Die Ursachen, warum wir einen Satz glauben, sind für die Frage, was es denn ist, das wir glauben, allerdings irrelevant; aber nicht die Gründe, die ja mit dem Satz grammatisch verwandt sind und uns sagen, wer er ist.
457 The reasons why we believe a sentence are irrelevant to the question of what it is that we believe; but not the reasons, which are grammatically related to the sentence and tell us who it is.
§Z
14[3]452 Es ist nichts gewöhnlicher, als daß die Bedeutung eines Ausdrucks in der Weise schwankt, daß ein Phänomen bald als Symptom, bald als Kriterium einer Tatsache angesehen wird. Und meisten wird dann in einem solchen Fall der Wechsel der Bedeutung nicht gemerkt. In der Wissenschaft ist es üblich, Phänomene, die genaue Messungen zulassen, zu definierenden Kriterien eines Ausdrucks zu machen; und man ist dann geneigt zu meinen, nun sei die eigentliche Bedeutung gefunden worden. Eine Unmenge von Verwirrungen ist auf diese Weise zu Stande gekommen. Es gibt z.B. Grade des Vergnügens, aber es ist unsinnig, von einer Messung des Vergnügens zu reden. Es ist wahr, daß in gewissen Fällen ein meßbares Phänomen den Platz einnimmt, den vor ihm ein nicht meßbares hatte. Das Wort, das diesen Platz bezeichnet, wechselt dann seine Bedeutung, und seine alte Bedeutung ist mehr oder weniger obsolet geworden. Man beruhigt sich dann damit, der eine Begriff sei der genauere, der andere der ungenauere; und beachtet nicht, daß hier in jedem besondern Fall ein anderes Verhältnis zwischen dem ‘genauen’ und dem ‘ungenauen’ vorliegt. Es ist der alte Fehler, die besondern Fälle nicht zu prüfen.
452 It is quite common for the meaning of an expression to fluctuate in such a way that a phenomenon is sometimes regarded as a symptom and sometimes as a criterion of a fact. And in most cases, this shift in meaning goes unnoticed. In science, it is common to make phenomena that allow for precise measurements the defining criteria of an expression; and one is then inclined to believe that the true meaning has now been found. A great deal of confusion has arisen in this way. There are, for example, degrees of pleasure, but it is nonsensical to speak of measuring pleasure. It is true that in certain cases, a measurable phenomenon takes the place of one that was previously immeasurable. The word that designates this place then changes its meaning, and its old meaning becomes more or less obsolete. One then consoles oneself with the thought that one concept is more precise, the other less precise; and one does not notice that in each particular case, a different relationship exists between the ‘precise’ and the ‘imprecise’. This is the old mistake of not examining the particular cases.
§Z
14[4] &15[1]
613 Die zureichende Evidenz geht, ohne bestimmte Grenzen zu haben, in die unzureichende über. Soll ich sagen, eine natürliche Grundlage dieser Begriffsbildung sei das komplizierte Wesen und die Mannigfaltigkeit der menschlichen Fälle? So müßte also bei einer weit geringeren Mannigfaltigkeit eine scharf begrenzte Begriffsbildung natürlich erscheinen. Und warum scheint es so schwer, sich den vereinfachten Fall vorzustellen?
613 Sufficient evidence gradually fades into insufficient evidence, without having definite boundaries. Should I say that the complicated essence and diversity of human cases form a natural basis for this conceptualization? Thus, with a much smaller diversity, a sharply defined conceptualization would naturally seem possible. And why does it seem so difficult to imagine the simplified case?
§Z
14[4] &15[1].2
Wie hätten wir uns ein komplettes Regelverzeichnis für die Verwendung eines Worts zu denken? – Was versteht man unter einem kompletten Regelverzeichnis für die Verwendung einer Figur im Schachspiel? Könnten wir uns nicht immer Zweifelsfälle konstruieren, in denen das normale Regelverzeichnis nicht entscheidet? Denke etwas an so eine Frage: wie ist es festzustellen, wer zuletzt gezogen hat, wenn die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses der Spieler angezweifelt wird? Die Verkehrsregelung in den Straßen erlaubt und verbietet gewisse Handlungen der Fahrer und Fußgänger; aber sie versucht nicht, ihre sämtlichen Bewegungen durch Vorschriften zu leiten. Und es wäre sinnlos, von einer ‘idealen’ Verkehrsordnung zu reden, die das täte; wir wüßten zunächst gar nicht, was wir uns unter diesem Ideal zu denken hätten. Wünscht Einer die Verkehrsordnung in irgendwelchen Punkten strenger zu gestalten, so bedeutet das nicht, er wünsche sie so einem Ideal anzunähern.
How would one imagine a complete catalog of rules for the use of a word? – What does one understand by a complete catalog of rules for the use of a figure in a game of chess? Couldn't one always construct cases of doubt in which the normal catalog of rules does not decide? Consider a question of this sort: how is it possible to determine who made the last move if the reliability of the players' memories is doubted? The traffic regulations in the streets permit and prohibit certain actions of drivers and pedestrians; but they do not attempt to guide all their movements through regulations. And it would be senseless to speak of an ‘ideal’ traffic code that would do this; we would not even know what to imagine under this ideal. If someone wishes to make the traffic code stricter in certain respects, that does not mean that he wishes to bring it closer to such an ideal.
§Z
14[4] &15[1].3
Betrachte auch diesen Satz: “Die Regeln eines Spiels können wohl eine gewisse Freiheit lassen, aber sie müssen doch ganz bestimmte Regeln sein.” Das ist, als sagte “Du kannst zwar einem Menschen durch vier Wände eine gewisse Bewegungsfreiheit lassen, aber die Wände müssen vollkommen starr sein” – und das ist nicht wahr. “Nun die Wände können wohl elastisch sein, aber dann haben sie eine ganz bestimmte Elastizität.” – Was sagt das nun doch? Es scheint zu sagen, daß man diese Elastizität muß angeben können, aber das ist wieder nicht wahr.
“Die Wand hat immer eine bestimmte Elastizität – ob ich sie weiß, oder nicht ”: das ist eigentlich das Bekenntnis zu einer Ausdrucksform. Derjenigen, die sich der Form eines Ideals der Genauigkeit bedient. Gleichsam als eines Parameters der Darstellung.
Consider this sentence as well: “The rules of a game can probably allow for a certain degree of freedom, but they must nevertheless be quite specific rules.” This is like saying “One can allow a person a certain degree of freedom of movement by means of four walls, but the walls must be completely rigid” – and that is not true. “Now, the walls can probably be elastic, but then they have a very specific elasticity.” – What does that really say? It seems to say that one must be able to specify this elasticity, but that is not true either.
“The wall always has a specific elasticity – whether one knows it or not”: this is essentially an acknowledgement of a form of expression. Of those who make use of the form of an ideal of precision, as if it were a parameter of representation.
§Z
16[1]104 Das Bekenntnis zu einer Ausdrucksform, wenn es ausgesprochen wird in der Verkleidung als ein Satz der von den Gegenständen (statt von dem Zeichen) handelt muß ‘a priori’ sein. Denn sein Gegenteil wird wirklich undenkbar, insofern ihm eine Denkform, Ausdrucksform, entspricht, die wir ausgeschlossen haben.
104 The profession of a form of expression, when it is expressed in the guise of a sentence that deals with the objects (instead of the sign) must be ‘a priori’. For its opposite becomes truly unthinkable, insofar as it corresponds to a form of thought, a form of expression, that we have excluded.
§Z
16[2]134 Denke dir, die Menschen pflegten auf Gegenstände immer in der Weise zu zeigen, daß sie mit dem Finger in der Luft gleichsam einen Kreis um den Gegenstand beschrieben, dann könnte man sich denken, daß ein Philosoph sagte: “Jedes Ding ist doch kreisrund; denn der Tisch sieht so aus, der Ofen so, die Lampe so” etc., indem er jedesmal einen Kreis um das Ding schlägt.
134 Imagine that people used to point to objects in such a way that they traced a circle around the object in the air with their finger; then one might imagine a philosopher saying: “Every thing is round; for the table looks so, the stove so, the lamp so,” and so on, by tracing a circle around each thing.
§Z
16[3] &17[1]
109 Wir haben nun eine Theorie; eine ‘dynamische’ Theorie* des Satzes, der Sprache, aber sie erscheint uns nicht als Theorie. Es ist ja das Charakteristische einer solchen Theorie, daß sie einen besonderen, klar anschaulichen, Fall ansieht, und sagt: “Das zeigt, wie es sich überhaupt verhält; dieser Fall ist das Urbild aller Fälle.”‒ ‒ Wir sind auf eine Form der Darstellung gekommen, die uns einleuchtet. Aber es ist, als haben wir nun etwas gesehen, was unter der Oberfläche liegt.
Freud spricht von einer ‘dynamischen’ Theorie des Traumes. Die Tendenz, den klaren Fall zu verallgemeinern, scheint in der Logik strenge Berechtigung zu haben: man scheint hier mit voller Berechtigung zu schließen: “Wenn ein Satz ein Bild ist, so muß jeder Satz ein Bild sein, denn sie müssen alle wesensgleich sein.” Denn wir sind ja in der Täuschung, das Sublime, Wesentliche unserer Untersuchung bestehe darin, daß sie ein allumfassendes Wesen erfasse.
109 We now have a theory; a ‘dynamic’ theory* of the sentence, of language, but it does not appear to us as a theory. For what is characteristic of such a theory is that it looks at a particular, clearly evident, case, & says: “This shows how it is in general; this case is the prototype of all cases.”‒ ‒ We have arrived at a form of representation that seems plausible to us. But it is as if we have now seen something that lies beneath the surface.
Freud speaks of a ‘dynamic’ theory of dreams. The tendency to generalize from the clear case seems to have strict warrant in logic: one seems to be justified in concluding with full warrant: “If one sentence is a picture, then every sentence must be a picture, for they must all be essentially the same.” For we are under the illusion that the sublime, essential thing about our investigation consists in its grasping one all-encompassing essence.
§Z
17[2]108 Wie kann ich den Satz jetzt verstehen, wenn die Analyse soll zeigen können, was ich eigentlich verstehe? – Hier spielt die Idee des Verstehens als eines sonderbaren geistigen Vorgangs hinein. Denk' doch einmal gar nicht an das Verstehen als ‘seelischen Vorgang’:– Denn das ist die Redeweise, die dich verwirrt. Sondern frage dich: in was für einem Fall, unter was für Umständen, sagen wir denn “jetzt weiß ich weiter” – wenn uns die Formel eingefallen ist?
108 How can one understand the sentence now, if the analysis is supposed to show what one actually understands? – The idea of understanding as a peculiar mental process comes into play here. Don’t think of understanding as a ‘psychological process’ at all: because that is the way of speaking that confuses you. Instead, ask yourself: in what kind of case, under what kind of circumstances, do we say “now I know what to do” – when the formula occurs to us?
§Z
17[3]Es ist jene Redeweise, die uns hindert, die Tatsachen unparteiisch zu sehen. Betrachte die Aussprache eines Worts durch die Darstellungsform der Schreibung: Wie leicht kann man sich da überreden, daß zwei Worte – z.B. “für” und “führ” – im täglichen Gebrauche verschiedenen Klang haben – weil man sie verschieden ausspricht, wenn man sein Augenmerk gerade auf den Unterschied ihrer Schreibung richtet. Damit zu vergleichen ist die Meinung, ein Violinspieler mit feinem Gehör greife f immer etwas höher als eis. Überlege dir solche Fälle! – So kann es geschehen daß das Darstellungsmittel eine Einbildung erzeugt. nicht, wir müßten einen spezifischen seelischen Vorgang finden, weil das Verbum “verstehen” dasteht und weil man sagt: Verstehen sei eine seelische Tätigkeit.
It is that way of speaking which prevents us from seeing the facts impartially. Consider the pronunciation of a word through the form of its spelling: how easily can one be persuaded that two words – e.g. “for” & “lead” – have different sounds in everyday use – because one pronounces them differently when one’s attention is directed to the difference in their spelling. This can be compared to the opinion that a violinist with a fine ear always plays f slightly higher than eis. Consider such cases! – So it can happen that the means of representation creates an illusion. Not that we must find a specific mental process, because the verb “understand” is there & because one says: understanding is a mental activity.
§Z
18[1]Die Unruhe in der Philosophie, könnte man sagen, kommt daher, daß wir die Philosophie falsch ansehen, falsch sehen, nämlich gleichsam in (endlose) Längsstreifen zerlegt, statt in (begrenzte) Querstreifen. Die Umstellung der Auffassung macht die größte Schwierigkeit. Wir wollen also gleichsam den unbegrenzten Streifen erfassen, und klagen, daß es nicht Stück für Stück möglich ist. Freilich nicht, wenn man unter einem Stück einen endlosen Längsstreifen versteht. Wohl aber, wenn man einen Querstreifen darunter versteht. – Aber dann kommen wir ja mit unserer Arbeit wieder nicht zu Ende! – Freilich nicht, denn sie hat keins. (Statt der turbulenten Mutmaßungen und Erklärungen wollen wir ruhige Erwägung sprachlicher Tatsachen setzen.)
The unrest in philosophy, one might say, comes from the fact that we look at philosophy the wrong way, that we see it the wrong way, namely as if it were divided into (endless) longitudinal strips, instead of (limited) transverse strips. The change in perspective is the greatest difficulty. We want, as it were, to grasp the unlimited strip, and complain that it is not possible piece by piece. Of course not, if one understands a piece as an endless longitudinal strip. But it would be possible if one understood a transverse strip as a piece. – But then we will not be finished with our work! – Of course not, because it has no end. (Instead of turbulent speculations and explanations, let us put calm consideration of linguistic facts.)
§Z
18[2]Und sagt man denn vom Satz “Es regnet”, er sage: es verhält sich so und so? Wie gebraucht man denn diesen Ausdruck in Wirklichkeit? Denn von diesem Gebrauch hast ja Du ihn gelernt. Verwendest Du ihn nun gegen seinen ursprünglichen Gebrauch und denkst, Du spieltest noch das alte Spiel mit ihm, so ist das, als wenn Du mit Schachfiguren Dame spieltest und sagst es hafte den Figuren nun doch noch etwas vom Schachspiel an.
And when one says of the sentence “It is raining” that it says: it is so and so? How is this expression actually used? Because you learned it from this use. If you now use it against its original use and think that you are still playing the old game with it, then that is as if you were playing checkers with chess pieces and say that the figures still have something of the chess game attached to them.
§Z
18[3]89
Ausdehnung eines Begriffs in einer Theorie (z.B. ‘Wunschtraum’).
89
Extension of a concept in a theory (e.g. ‘wish fulfillment’).
§Z
18[4]1374 Wer philosophiert, macht oft zu einem Wortausdruck die falsche, unpassende, Geste.
1374 One who philosophizes often makes the wrong, inappropriate gesture with a word expression.
§Z
18[5]1459 (Man sagt das Gewöhnliche, – mit der falschen Gebärde.)
1459 (One says the ordinary thing – with the wrong gesture.)
§Z
19[1]495 Wie kommt es, daß die Philosophie ein so komplizierter Bau ist? Sie sollte doch gänzlich einfach sein, wenn sie jenes Letzte, von aller Erfahrung Unabhängige ist, wofür du sie ausgibst. – Die Philosophie löst Knoten auf in unserm Denken; daher muß ihr Resultat einfach sein, ihre Tätigkeit aber so kompliziert, wie die Knoten, welche sie auflöst.
495 How is it that philosophy is such a complicated structure? It should be completely simple if it is that last thing, independent of all experience, for which you claim it to be. – Philosophy unties the knots in our thinking; therefore, its result must be simple, but its activity must be as complicated as the knots that it unties.
§Z
19[2](Wie man manchmal eine Musik nur im inneren Ohr reproduzieren kann, aber sie nicht pfeifen, weil das Pfeifen schon die innere Stimme übertönt, so ist manchmal die Stimme eines philosophischen Gedankens so leise, daß sie vom Lärm des gesprochenen Wortes schon übertönt wird und nicht mehr gehört werden kann, wenn man gefragt wird und reden soll.)
(Just as one can sometimes only reproduce a piece of music in one’s inner ear, but not whistle it, because the whistling already drowns out the inner voice, so sometimes the voice of a philosophical thought is so faint that it is already drowned out by the noise of the spoken word and can no longer be heard when one is asked and is supposed to speak.)
§Z
19[3]Plato: “–Wie? sagte er, die sollte nicht nutzen? Denn wenn doch einmal die Besonnenheit die Erkenntnis der Erkenntnisse ist und den andern Erkenntnissen vorsteht, so muß sie ja auch dieser sich auf das Gute beziehenden Erkenntnis vorstehen und uns so doch nutzen. – Macht auch sie uns, sprach ich, etwa gesund und nicht die Heilkunde? Und so auch mit den andern Künsten; verrichtet sie die Geschäfte derselben und nicht vielmehr jede von ihnen das Ihrige? Oder haben wir nicht lange schon eingestanden, daß sie nur der Erkenntnisse und Unkenntnisse Erkenntnis wäre und keiner anderen Sache? – Allerdings wohl. –Sie also wird uns nicht die Gesundheit bewirken? – Wohl nicht. – Weil nämlich die Gesundheit für eine andere Kunst gehört? – Ja. – Also auch nicht den Nutzen, Freund, wird sie uns bewirken. Denn auch dieses Geschäft haben wir jetzt einer andern Kunst beigelegt. – Freilich. – Wie kann also die Besonnenheit nützlich sein, wenn sie uns gar keinen Nutzen bringt?”
Plato: “–How? he said, is it not useful? For if prudence is indeed the knowledge of knowledge, & is superior to other forms of knowledge, then it must also be superior to this knowledge which is concerned with the good, & must therefore be useful to us. –Does it not also make us healthy, & not medicine? And so with the other arts; does it not perform their functions, & not rather each of them its own? Or have we not long since agreed that it is only the knowledge of knowledge & ignorance, & not of any other matter? –Certainly. –Then it will not make us healthy? –No. –Because health belongs to another art? –Yes. –Therefore, it will not bring us any benefit, my friend. For this task has now been assigned to another art. –Of course. –How, then, can prudence be useful, if it brings us no benefit at all?”
§Z
19[3].2(Der Philosoph ist nicht Bürger einer Denkgemeinde. Das ist was ihn zum Philosophen macht.)
(The philosopher is not a member of a community of thought. That is what makes him a philosopher.)
§Z
19[4]593 Manche Philosophen (oder wie man sie nennen soll) leiden an dem, was man “loss of problems”, “Problemverlust” nennen kann. Es scheint ihnen dann alles ganz einfach und es scheinen keine tiefen Probleme mehr zu existieren, die Welt wird weit und flach und verliert jede Tiefe; und was sie schreiben wird unendlich seicht und trivial. Russell und H.G. Wells haben dieses Leiden.
593 Some philosophers (or whatever one may call them) suffer from what one might call a “loss of problems.” It then seems to them that everything is quite simple and that there are no longer any profound problems; the world becomes wide and flat and loses all depth; and what they write becomes infinitely shallow and trivial. Russell and H.G. Wells suffer from this affliction.
§Z
20[1](Vorwort)
311 …quia plus loquitur inquisitio quam inventio … (Augustinus)
(Preface)
311 …quia plus loquitur inquisitio quam inventio … (Augustine)
§Z
20[2]1616 Das Wesentliche der Metaphysik: daß sie den Unterschied zwischen sachlichen und begrifflichen Untersuchungen verwischt.
1616 The essence of metaphysics: that it blurs the distinction between factual & conceptual investigations.
§Z
20[2].2Das Fundamentale grammatisch ausgedrückt: Wie ist es mit dem Satz “man kann nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen”?
The fundamental expressed grammatically: What about the sentence “one cannot step into the same river twice”?
§Z
20[2].3Man kann in gewissem Sinn mit philosophischen Irrtümern nicht vorsichtig genug umgehn, sie enthalten so viel Wahrheit. “Doch solcherlei Verdrüsse pflegen die Denkungskräfte anzuregen. Wie hilft der Gedanke einem Verdruß ab?
One can, in a certain sense, never be cautious enough in dealing with philosophical errors; they contain so much truth. “However, such annoyances tend to stimulate the powers of thought. How does a thought help one overcome an annoyance?”
§Z
20[3]Ich möchte doch, daß du sagst: “Ja, es ist wahr, das könnte man sich auch denken, das konnte auch geschehen!” Aber wollte ich dich darauf aufmerksam machen, daß du imstande bist, [unreadable] dir dies vorzustellen? ‒ ‒ Ich wollte dies Bild vor deine Augen stellen, und deine Anerkennung dieses Bildes besteht darin, daß du nun geneigt bist, einen gegebenen Fall anders zu betrachten: nämlich ihn mit dieser Bilderreihe zu vergleichen. Ich habe deine Anschauungsweise geändert. (Ich habe irgendwo gelesen, daß gewissen indischen Mathematikern zum Beweis eines Satzes eine geometrische Figur dient mit den Worten: “Sieh' dies an!” Auch dies Ansehen bewirkt eine Änderung der Anschauungsweise.)
I would like you to say: “Yes, it is true, one could also think that, it could also have happened!” But did I want to draw your attention to the fact that you are capable of imagining this? ‒ ‒ I wanted to present this picture to your eyes, and your recognition of this picture consists in the fact that you are now inclined to look at a given case differently: namely, to compare it with this series of images. I have changed your perspective. (I read somewhere that some Indian mathematicians use a geometric figure to prove a theorem, saying: “Look at this!” This act of seeing also brings about a change in perspective.)
§Z
20a[1]Zur Mathematik
44 “Du hast einen falschen Begriff. – Aber aufklären läßt sich die Sache nicht dadurch, daß ich gegen deine Worte wettere; sondern nur dadurch, daß ich versuche, deine Aufmerksamkeit von gewissen Ausdrücken, Illustrationen, Vorstellungen weg und auf die Verwendung der Wörter hin zu lenken.”
Regarding mathematics
44 “You have a false concept. – But the matter cannot be clarified by me arguing against your words; rather, only by my attempting to direct your attention away from certain expressions, illustrations, images, and toward the use of the words.”
§Z
20[4]696 (Die Klassifikationen der Philosophen und Psychologen: sie klassifizieren Wolken nach ihrer Gestalt.)
696 (The classifications of philosophers and psychologists: they classify clouds according to their shape.)
§Z
20[5]1563 Der Stammbaum der psychologischen Phänomene: Nicht Exaktheit strebe ich an, sondern Übersichtlichkeit.
1563 The family tree of psychological phenomena: I am not striving for exactness, but for surveyability.
§Z
20[6]310
Die Behandlung aller dieser Erscheinungen des Seelenlebens ist mir nicht darum wichtig, weil's mir auf Vollständigkeit ankommt. Sondern, weil jede für mich auf die richtige Behandlung aller ein Licht wirft.
310
It is not because I am concerned with completeness that the treatment of all these phenomena of mental life is important to me. Rather, it is because each of them sheds light on the correct treatment of all of them.
§Z
20[6].2Und nicht um Symptome handelt sich's hier, sondern um logische Kriterien. Daß diese nicht immer scharf getrennt sind, hindert nicht, daß sie getrennt sind.
And it is not about symptoms here, but about logical criteria. The fact that these are not always sharply separated does not prevent them from being separated.
§Z
21[1]430 Unsere Untersuchung trachtet nicht, die eigentliche, exakte Bedeutung der Wörter zu finden; wohl aber geben wir den Wörtern im Verlauf unsrer Untersuchung oft exakte Bedeutungen.
430 Our investigation does not aim to find the actual, precise meaning of words; rather, in the course of our investigation, we often assign precise meanings to words.
§Z
21[2]019 “Der Mensch denkt, fürchtet sich, etc. etc.”: das könnte man etwa Einem antworten, der gefragt hat, welche Kapitel ein Buch über Psychologie enthalten soll.
019 “Humans think, they are afraid, etc.”: One might say this in response to someone who asked what chapters a book on psychology should contain.
§Z
21[3]Denke jemand sagt: “Der Mensch hofft.” Wie hätte man das allgemeine naturgeschichtliche Phänomen zu beschreiben? – Man könnte ein Kind beobachten und warten, bis es eines Tages Hoffnung äußert; und man könnte dann sagen: “Heute hat es zum ersten Mal gehofft”. Aber das klingt doch seltsam! Obwohl es ganz natürlich wäre, zu sagen “Heut hat es zum erstem Mal gesagt ‘ich hoffe’”. Und warum seltsam? – Man sagt doch nicht von einem Säugling, er hoffe … noch auch, er hoffe nicht …, und man sagt es doch vom Erwachsenen. – Nun, das Leben wird nach und nach zu dem, worin für Hoffnung Raum ist. Aber nun sagt man: Man kann eben nicht sicher sein, wann das Kind wirklich anfängt zu hoffen, denn Hoffen ist ein innerer Vorgang. Welcher Unsinn! Wie weiß man denn dann überhaupt, wovon man redet?
Suppose someone says: “Man hopes.” How would one describe this general, natural-historical phenomenon? – One could observe a child & wait until one day it expresses hope; & then one could say: “Today it has hoped for the first time.” But that sounds rather odd! Although it would be quite natural to say, “Today it said ‘I hope’ for the first time.” & why is it odd? – One doesn’t say that an infant hopes … nor that it doesn’t hope …, & yet one does say it of the adult. – Well, life gradually becomes what allows room for hope. But now one says: One cannot be certain when the child really begins to hope, because hoping is an inner process. What nonsense! How does one know what one is talking about, then?
§Z
21[4]Oder könnte er so exemplifizieren: “Ich, z.B., sehe, bin nicht blind”? Auch das klingt sonderbar. Es wäre richtig zu sagen: “Und auch an mir kannst du die Erscheinung des Denkens, Hoffens, Sehens etc. beobachten.”
Or could he exemplify it thus: “I, for example, see, I am not blind”? That also sounds strange. It would be correct to say: “And also in me you can observe the phenomenon of thinking, hoping, seeing, etc.”
§Z
21[5]Die psychologischen Verben sehen, glauben, denken, wünschen bezeichnen nicht Erscheinungen. Aber die Psychologie beobachtet die Erscheinungen des Sehens, Glaubens, Denkens, Wünschens.
The psychological verbs see, believe, think, wish do not denote phenomena. But psychology observes the phenomena of seeing, believing, thinking, wishing.
§Z
21[6] &22[1]
063 Plan zur Behandlung der psychologischen Begriffe. Psychologische Verben charakterisiert dadurch, daß die dritte Person des Präsens durch Beobachtung zu verifizieren ist, die erste Person nicht. Satz in der dritten Person Präsens: Mitteilung. In der ersten Person Präsens Äußerung. ((Stimmt nicht ganz.)) Die erste Person des Präsens der Äußerung verwandt. Sinnesempfindungen: ihre inneren Zusammenhänge und Analogien. Alle haben echte Dauer. Möglichkeit der Angabe des Anfangs und Endes. Möglichkeit der Gleichzeitigkeit, des zeitlichen Zusammenfallens. Alle haben Grade und qualitative Mischungen. Grad: kaum merkbar – nicht auszuhalten – In diesem Sinne gibt es nicht Lage- oder Bewegungsempfindung. Ort der Empfindung am Leib: unterscheidet Sehen und Hören von Druck-, Temperatur-, Geschmacks-, und Schmerzempfindung.
063 Plan for the treatment of psychological concepts. Psychological verbs are characterized by the fact that the third person of the present tense can be verified through observation, the first person cannot. Sentence in the third person present tense: communication. In the first person present tense: utterance. ((Not quite correct.)) The first person of the present tense of the utterance is related. Sensations: their inner connections and analogies. All have genuine duration. Possibility of indicating the beginning and end. Possibility of simultaneity, of temporal coincidence. All have degrees and qualitative mixtures. Degree: barely noticeable – unbearable – In this sense, there is no sensation of location or movement. Location of sensation on the body: distinguishes seeing and hearing from pressure, temperature, taste, and pain sensations.
§Z
22[2]058 Man muß daran denken, daß es einen Zustand der Sprache geben kann (und wohl gegeben hat) in welchem sie den allgemeinen Begriff der Sinnesempfindung nicht besitzt, aber doch Wörter die unseren “sehen”, “hören”, “schmecken”, entsprechen.
058 One must remember that there can be (and probably was) a state of language in which it does not possess the general concept of sensation, but does have words that correspond to our “see,” “hear,” “taste.”
§Z
22[3]059 Sinneswahrnehmungen nennen wir Sehen, Hören, … Zwischen diesen Begriffen bestehen Analogien und Zusammenhänge; sie sind unsere Rechtfertigung für diese Zusammenfassung.
059 We call sensory perceptions seeing, hearing, … There are analogies and connections between these concepts; they are our justification for this grouping.
§Z
22[4]060 Man kann also fragen: Was für Zusammenhänge und Analogien bestehen zwischen Sehen und Hören? Zwischen Sehen und Greifen? Zwischen Sehen und Riechen? etc.
060 One can therefore ask: What connections and analogies exist between seeing and hearing? Between seeing and grasping? Between seeing and smelling? etc.
§Z
22[5]061 Und fragt man das, so rücken die Sinne für uns gleich weiter auseinander, als sie auf den ersten Blick zu liegen schienen.
061 And if one asks that, then the senses seem further apart to us than they appeared at first glance.
§Z
22[6]1370 Was ist den Sinneserlebnissen gemeinsam? – Die Antwort, daß sie uns die Außenwelt kennen lehren, ist eine falsche und eine richtige. Sie ist richtig, sofern sie auf ein logisches Kriterium deuten soll.
1370 What is common to sensory experiences? The answer that they teach us to know the external world is both false and correct. It is correct insofar as it is intended to indicate a logical criterion.
§Z
22[7]1615 Die Dauer der Empfindung. Vergleiche die Dauer einer Tonempfindung mit der Dauer der Tastempfindung, die Dich lehrt, daß Du eine Kugel in der Hand hältst; und mit dem “Gefühl’ das dich lehrt, daß Deine Knie gebogen sind.
1615 The duration of sensation. Compare the duration of a sound sensation with the duration of the tactile sensation that teaches you that you are holding a sphere in your hand; and with the “feeling” that teaches you that your knees are bent.
§Z
22[8]1464 Wir fühlen unsere Bewegungen. Ja, wir fühlen sie wirklich; die Empfindung ist nicht ähnlich einer Geschmacksempfindung, oder einer Hitzeempfindung, sondern einer Tastempfindung: der Empfindung, wenn Haut und Muskeln gedrückt, gezogen, verschoben werden.
1464 We feel our movements. Yes, we really feel them; the sensation is not similar to a taste sensation, or a heat sensation, but to a tactile sensation: the sensation when skin and muscles are pressed, pulled, or shifted.
§Z
22[9]1452 Ich fühle meinen Arm und, seltsamerweise, möchte ich nun sagen: ich fühle ihn im Raum in bestimmter Lage; als wäre nämlich das Körpergefühl in einem Raum in der Form des Arms verteilt, so daß ich, um es darzustellen, den Arm, etwa in Gips, in seiner richtigen Lage darstellen müßte.
1452 I feel my arm and, strangely enough, I would now like to say: I feel it in space in a certain position; as if the body sensation were distributed in space in the shape of the arm, so that in order to represent it, I would have to represent the arm, perhaps in plaster, in its correct position.
§Z
23[1]1454 Ja, es ist seltsam. Mein Unterarm liegt jetzt horizontal und ich möchte sagen, daß ich das fühle; aber nicht so, als hätte ich ein Gefühl, das immer mit dieser Lage zusammengeht (als fühlte man etwa Blutleere, oder Plethora) – sondern, als wäre eben das ‘Körpergefühl’ des Arms horizontal angeordnet, oder verteilt, wie etwa ein Dunst, oder Staubteilchen, an der Oberfläche meines Armes so im Raume verteilt sind. Es ist also nicht wirklich, als fühlte ich die Lage meines Arms, sondern als fühlte ich meinen Arm, und das Gefühl hätte die und die Lage. D.h. aber nur: ich weiß einfach, wie er liegt– ohne es zu wissen, weil … Wie ich auch weiß, wo ich den Schmerz empfinde – es aber nicht weise, weil …
1454 Yes, it is strange. My forearm is now horizontal and I would like to say that I feel that; but not as if I had a feeling that is always associated with this position (as one feels, for example, numbness or plethora) – but as if the ‘body sensation’ of the arm is arranged horizontally, or distributed, like a mist or dust particles distributed on the surface of my arm in space. So it is not really as if I feel the position of my arm, but as if I feel my arm, and the feeling would have this and that position. That is, I simply know how it lies – without knowing it, because … How I also know where I feel the pain – but I don’t know it, because …
§Z
23[2]1363 Es ist uns förmlich, als hätte der Schmerz einen Körper, als wäre er ein Ding, ein Körper mit Form und Farbe. Warum? Hat er die Form des schmerzenden Körperteils? Man möchte z.B. sagen: “Ich könnte den Schmerz beschreiben, wenn ich nur die nötigen Worte und Elementarbedeutungen dazu hätte.” Man fühlt: es fehlt einem nur die notwendige Nomenklatur. (James) Als könnte man die Empfindung sogar malen, wenn nur der Andere diese Ausdrucksweise verstünde. – Und man kann den Schmerz ja wirklich räumlich und zeitlich beschreiben.
1363 It is as if pain has a body, as if it were a thing, a body with shape and color. Why? Does it have the shape of the painful part of the body? One would like to say, for example: “I could describe the pain if I only had the necessary words and elementary meanings for it.” One feels that one is only missing the necessary nomenclature. (James) As if one could even paint the sensation if only the other person understood this mode of expression. – And one can indeed describe the pain spatially and temporally.
§Z
23[3]063 (Wenn Empfindungen die Lage der Glieder und die Bewegungen charakterisieren, so ist ihr Ort jedenfalls nicht das Gelenk.) Die Lage der Glieder und ihre Bewegungen weiß man. Man kann sie z.B. angeben, wenn man gefragt wird. So wie man auch den Ort einer Empfindung (Schmerz) am Leibe weiß. Reaktion des Berührens der schmerzhaften Stelle. Kein lokales Merkmal an der Empfindung. So wenig wie ein zeitliches am Erinnerungsbild. (Zeitliche Merkmale an der Photographie.) Schmerz von andern Sinnesempfindungen unterschieden durch charakteristischen Ausdruck. Dadurch verwandt der Freude (die keine Sinnesempfindung).
063 (If sensations characterize the position of the limbs and their movements, then their location is not, in any case, the joint.) One knows the position of the limbs and their movements. One can, for example, indicate them if one is asked. Just as one also knows the location of a sensation (pain) on the body. Reaction to touching the painful spot. No local characteristic of the sensation. As little as a temporal one in the memory-image. (Temporal characteristics in the photograph.) Pain distinguished from other sensory experiences by a characteristic expression. Thus related to joy (which is not a sensory experience).
§Z
24[1]497 Ist es Wortklauberei: – Freude, Genuß, Entzücken seien nicht Empfindungen? – Fragen wir uns einmal: Wieviel Analogie besteht denn zwischen dem Entzücken und dem, was wir z.B. “Sinnesempfindungen nennen?
497 Is it mere quibbling: – Joy, pleasure, delight are not sensations? – Let us ask ourselves: How much analogy is there between delight and what we call, for example, “sensory experiences”?
§Z
24[2]498 Das Bindeglied zwischen ihnen wäre der Schmerz. Denn sein Begriff ähnelt dem der Tastempfindung, und zugleich dem der Gemütsbewegungen
498 The link between them would be pain. For its concept is similar to that of the tactile sensation, and at the same time to that of emotions.
§Z
24[3]643 “Ich fühle große Freude.“ –Wo? – Das klingt unsinnig. Und doch sagt man auch “Ich fühle eine freudige Erregung in meiner Brust.” – Warum aber ist Freude nicht lokalisiert? Ist es, weil sie über den ganzen Körper verteilt ist? Auch dann ich sie nicht lokalisiert, wenn etwa das Gefühl, das sie hervorruft, dies ist; wenn wir uns etwa am Geruch einer Blume freuen. – Die Freude äußert sich im Gesichtsausdruck, im Benehmen. (Aber wir sagen nicht, wir freuten uns im Gesicht.)
643 “I feel great joy.” – Where? – That sounds nonsensical. And yet one also says “I feel a joyful excitement in my chest.” – But why is joy not localized? Is it because it is distributed over the whole body? Even then, it is not localized, if, for example, the feeling that causes it is; if we are pleased by the smell of a flower. – Joy is expressed in facial expression, in behaviour. (But we do not say that we rejoice in our face.)
§Z
24[4]644 “Aber ich habe doch ein wirkliches Gefühl der Freude!” Ja, wenn du dich freust, so freust du dich wirklich. Und freilich ist Freude nicht freudiges Benehmen, noch auch ein Gefühl um die Mundwinkel und Augen. “Aber ‘Freude’ bezeichnet doch etwas Inneres.” Nein. “Freude” bezeichnet gar nichts. Weder Inneres noch Äußeres.
644 “But I do have a real feeling of joy!” Yes, if you are happy, then you are really happy. And indeed, joy is not joyful behaviour, nor is it a feeling around the corners of the mouth and eyes. “But ‘joy’ does refer to something inner.” No. “Joy” does not refer to anything at all. Neither inner nor outer.
§Z
24[5] &25[1]
147 Fortsetzung der Klassifizierung der psychologischen Begriffe. Gemütsbewegungen. Ihnen gemeinsam echte Dauer, ein Verlauf. (Zorn flammt auf, läßt nach, verschwindet; ebenso: Freude, Depression, Furcht.) Unterschied von den Empfindungen: sie sind nicht lokalisiert (auch nicht diffus!). Gemeinsam: sie haben ein charakteristisches Ausdrucksbenehmen. (Gesichtsausdruck.) Und daraus folgt schon: auch charakteristische Empfindungen. So geht die Trauer oft mit dem Weinen einher, und mit diesen charakteristische Empfindungen. (Die tränenschwere Stimme.) Aber die Empfindungen sind nicht die Gemütsbewegungen. (In dem Sinne, wie die Ziffer 2 nicht die Zahl 2 ist.) Unter den Gemütsbewegungen könnte man gerichtete von ungerichteten unterscheiden. Furcht vor etwas, Freude über etwas. Dies Etwas ist das Objekt, nicht die Ursache der Gemütsbewegung.
147 Continuation of the classification of psychological terms. Emotions. They all share genuine duration, a course. (Anger flares up, subsides, disappears; the same with: joy, depression, fear.) Difference from sensations: they are not localized (not even diffusely!). Common: they have a characteristic expressive behaviour. (Facial expression.) And from this it follows: also characteristic sensations. Thus, grief often goes hand in hand with weeping, and with these characteristic sensations. (The tear-filled voice.) But the sensations are not the emotions. (In the sense that the number 2 is not the number 2.) Among the emotions, one could distinguish directed from undirected ones. Fear of something, joy about something. This something is the object, not the cause of the emotion.
§Z
25[2]Das Sprachspiel “Ich fürchte mich” enthält schon das Objekt. Angst könnte man ungerichtete Furcht nennen, insofern ihre Äußerungen ähnlich oder gleich denen der Furcht sind. Der Inhalt einer Gemütsbewegung – darunter stellt man sich so etwas vor wie ein Bild, oder etwas, wovon ein Bild gemacht werden kann. (Die Finsternis der Depression, die sich auf Einen herniedersenkt, die Flammen des Zornes.)
The language-game “I am afraid” already contains the object. One could call fear undirected fear, insofar as its manifestations are similar to or the same as those of fear. The content of an emotion – one imagines something like a picture, or something of which a picture can be made. (The darkness of depression, descending upon one, the flames of anger.)
§Z
25[3]Man könnte auch das menschliche Gesicht ein solches Bild nennen und den Verlauf der Leidenschaft durch seine Veränderungen darstellen.
One could also call the human face such a picture & represent the course of passion through its changes.
§Z
25[3].2Zum Unterschied von den Empfindungen: sie unterrichten uns nicht über die Außenwelt. (Grammatische Bemerkung.) Liebe und Haß könnte man Gemütsdispositionen nennen: auch Furcht in einem bestimmten Sinne.
Unlike sensations: they do not instruct us about the external world. (A grammatical observation.) One might call love & hate dispositions of the mind: also fear, in a certain sense.
§Z
25[4]Es ist Eines, akute Furcht empfinden, und ein anderes, jemand ‘chronisch’ fürchten. Aber Furcht ist keine Empfindung. ‘Schreckliche Furcht’: sind es die Empfindungen, die so schrecklich sind? Typische Ursachen des Schmerzes einerseits, der Depression. Trauer, Freude anderseits. Ursache dieser zugleich ihr Objekt. Das Benehmen des Schmerzes und das Benehmen der Traurigkeit. – Man kann diese nur mit ihren äußeren Anlässen beschreiben. (Wenn die Mutter das Kind allein läßt, mag es vor Trauer weinen; wenn es hinfällt, vor Schmerz.) Benehmen und Art des Anlasses gehören zusammen.
It is one thing to experience acute fear, and another to ‘chronically’ fear someone. But fear is not a sensation. ‘Terrible fear’: are it the sensations that are so terrible? Typical causes of pain on the one hand, of depression. Grief, joy on the other. The cause of these is also their object. The behaviour of pain and the behaviour of sadness. – One can only describe these with their external triggers. (If the mother leaves the child alone, it may cry with sadness; if it falls down, with pain.) Behaviour and type of trigger belong together.
§Z
25[5]Es gibt furchtvolle Gedanken, hoffnungsvolle, freudige, zornige, etc.
There are terrible thoughts, hopeful ones, joyful ones, angry ones, etc.
§Z
25[5].2Gemütsbewegungen drücken sich in Gedanken aus. Einer redet zornig, furchtsam, traurig, freudig, etc.; nicht kreuzschmerzlich. Ein Gedanke flößt mir Gemütsbewegungen Furcht, Trauer etc. ein, nicht Körperschmerz.
Emotions are expressed in thoughts. One speaks angrily, fearfully, sadly, joyfully, etc.; not with physical pain. A thought instills in one emotions of fear, sadness, etc., not bodily pain.
§Z
25[6]324 Fast möchte ich sagen: Man fühlt die Trauer so wenig im Körper, wie das Sehen im Auge.
324 I would almost say: One feels sadness as little in the body as seeing is in the eye.
§Z
25[7] &26[1]
171 Das Schreckliche an der Furcht sind nicht die Furchtempfindungen. Diese Sache erinnert auch an das Hören eines Geräusches aus einer bestimmten Richtung. Es ist beinahe, als fühlte man die Beschwerde in der Magengegend aus der Richtung der Furcht. D.h. eigentlich, daß “Mir ist schlecht vor Furcht” nicht eine Ursache der Furcht angibt.
171 The terrible thing about fear is not the fear sensations. This reminds one of hearing a sound from a certain direction. It is almost as if one felt the discomfort in the stomach from the direction of the fear. That is, it actually means that “I feel bad with fear” does not indicate a cause of the fear.
§Z
26[2]2007
“Wo spürst Du den Kummer?” – In der Seele. – – – – Was für Konsequenzen ziehen wir aus dieser Ortsangabe? Eine ist, daß wir nicht von einem körperlichen Ort des Kummers reden. Aber wir deuten doch auf unsern Leib, als wäre der Kummer in ihm. Ist das, weil wir ein körperliches Unbehagen spüren? Ich weiß die Ursache nicht. Aber warum soll ich annehmen, sie sei ein leibliches Unbehagen?
2007
“Where do you feel the sorrow?” – In the mind. – – – – What consequences do we draw from this indication of location? One is that we are not talking about a physical location of the sorrow. But we do point to our body, as if the sorrow were in it. Is that because we feel a physical discomfort? I do not know the cause. But why should I assume that it is a physical discomfort?
§Z
26[3]2008
Denke Dir folgende Frage: Kann man sich einen Schmerz, sagen wir von der Qualität des rheumatischen Schmerzes, denken, aber ohne Örtlichkeit? Kann man sich ihn vorstellen? Wenn Du anfängst, darüber nachzudenken, so siehst Du wie sehr Du das Wissen um den Ort des Schmerzes in ein Merkmal des Gefühlten verwandeln möchtest, in ein Merkmal eines Sinnesdatums, des privaten Objekts, das vor meiner Seele steht.
2008
Consider the following question: Can one imagine a pain, say of the quality of rheumatic pain, but without location? Can one visualize it? If you start thinking about it, you see how much you want to transform the knowledge of the location of the pain into a characteristic of the felt, into a characteristic of a sense-datum, the private object that stands before my mind.
§Z
26[4]1398 Wenn die Angst furchtbar ist, und wenn ich in ihr mir meiner Atmung bewußt bin und einer Spannung in meinen Gesichtsmuskeln, – sagt das, daß diese Gefühle mir furchtbar sind? Könnten sie nicht sogar eine Linderung bedeuten? Dostojewskij
1398 If fear is terrible, and if I am aware of my breathing and a tension in my facial muscles in it, – does that say that these feelings are terrible to me? Could they not even be a relief? Dostoevsky
§Z
26[5]157 Warum verwendet man aber das Wort “leiden” für die Furcht und auch für den Schmerz? Nun, es sind ja Verbindungen genug. –
157 Why does one use the word “suffering” for fear and also for pain? Well, there are enough connections.
§Z
26[6]160 Auf die Äußerung “Ich kann nicht ohne Furcht daran denken …” antwortet man etwa: “Es ist kein Grund zur Furcht, denn …” Das ist jedenfalls ein Mittel, Furcht zu beseitigen. Gegensatz zum Schmerz.
160 To the utterance “I cannot think about it without fear…”, one responds: “There is no reason to fear, because…”. This is in any case a means of eliminating fear. In contrast to pain.
§Z
26[7]173 Daß es ein Furchtkonglomerat von Empfindungen, Gedanken etc. (z.B.) gibt, heißt nicht, daß Furcht ein Konglomerat ist.
173 The fact that there is a conglomerate of sensations, thoughts, etc., of fear, does not mean that fear is a conglomerate.
§Z
26[8]1592 Wer im Studierzimmer sich die Trauer vormacht, der wird sich allerdings leicht der Spannungen in seinem Gesicht bewußt werden. Aber trauere wirklich, oder folge einer traurigen Handlung im Film, und frag Dich, ob Du Dir Deines Gesichts bewußt warst.
1592 Whoever imagines grief in the study will easily become aware of the tensions in his face. But if one truly grieves, or follows a sad action in a film, ask yourself whether you were aware of your face.
§Z
26[9]1626 Liebe ist kein Gefühl. Liebe wird erprobt, Schmerzen nicht. Man sagt nicht: “Das war kein wahrer Schmerz, sonst hätte er nicht so schnell nachgelassen.”
1626 Love is not a feeling. Love is tested, pain is not. One does not say: “That was not true pain, otherwise it would not have subsided so quickly.”
§Z
27[1]1593 Ein Zusammenhang zwischen den Stimmungen und Sinneseindrücken ist, daß wir die Stimmungsbegriffe zur Beschreibung von Sinneseindrücken und Vorstellungen benützen. Wir sagen von einem Thema, einer Landschaft, sie seien traurig, fröhlich, etc. Aber viel wichtiger ist es natürlich, daß wir das menschliche Gesicht, die Handlung, das Benehmen, durch alle Stimmungsbegriffe beschreiben.
1593 A connection between moods and sense impressions is that we use mood terms to describe sense impressions and images. We say that a theme, a landscape, is sad, cheerful, etc. But it is of course much more important that we describe the human face, the action, the behaviour, through all the mood terms.
§Z
27[2]420 Ein freundlicher Mund, ein freundliches Auge. Wie denkt man sich eine freundliche Hand? – Wahrscheinlich geöffnet und nicht als Faust. – Und könnte man sich die Haarfarbe des Menschen als Ausdruck der Freundlichkeit, oder des Gegenteils, denken? – Aber so gestellt, scheint dies die Frage zu sein, ob uns das gelingen kann. Die Frage sollte lauten: Wollen wir etwas eine freundliche, oder un-freundliche Haarfarbe nennen? Wollen wir solchen Worten Sinn geben, so würden wir uns etwa einen Menschen denken, dessen Haare dunkel werden, wenn er zornig wird. Das Hineinlesen des bösen Ausdrucks in die dunkeln Haare aber geschähe mittels einer schon früher fertigen Idee. Man kann sagen: Das freundliche Auge, der freundliche Mund, das Wedeln des Hundes, sind, unter andern, primäre und von einander unabhängige Symbole der Freundlichkeit; ich meine: sie sind Teile der Phänomene, die man Freundlichkeit nennt. Will man sich andere Erscheinungen als Ausdruck der Freundlichkeit denken, so sieht man jene Symbole in sie hinein. Wir sagen “Er macht ein finsteres Gesicht”; vielleicht, weil die Augen durch die Augenbrauen stärker beschattet werden; und nun übertragen wir die Idee der Finsternis auf die Haarfarbe.
420 A friendly mouth, a friendly eye. How does one imagine a friendly hand? Probably open and not clenched into a fist. And could one imagine the person's hair colour as an expression of friendliness, or the opposite? But as it is posed, this seems to be the question of whether it is possible for us. The question should be: Do we want to call something a friendly, or unfriendly, hair colour? If we want to give such words sense, we would perhaps think of a person whose hair turns dark when he is angry. However, reading the evil expression into the dark hair would happen by means of an idea that was already formed earlier. One can say: The friendly eye, the friendly mouth, the wagging of the dog, are, among other things, primary and independent symbols of friendliness; I mean: they are parts of the phenomena that one calls friendliness. If one wants to think of other phenomena as an expression of friendliness, one sees those symbols in them. We say “He makes a grim face”; perhaps because the eyes are more shadowed by the eyebrows; and now we transfer the idea of darkness to the hair colour.
§Z
27[3]1468 Wer fragt, ob Vergnügen eine Empfindung ist, unterscheidet wahrscheinlich nicht zwischen Grund und Ursache, denn sonst fiele ihm auf, daß man an etwas Vergnügen hat, was nicht heißt, daß dies Etwas eine Empfindung in uns verursacht.
1468 Whoever asks whether pleasure is a sensation probably does not distinguish between ground and cause, because otherwise he would notice that one has pleasure in something, which does not mean that this something causes a sensation in us.
§Z
27[4]1469 Aber Vergnügen geht doch jedenfalls mit einem Gesichtsausdruck zusammen, und den sehen wir zwar nicht an uns selbst, aber spüren ihn doch. Und versuch einmal über etwas sehr Trauriges nachzudenken mit dem Gesichtsausdruck strahlender Freude!
1469 But pleasure certainly goes together with a facial expression, and we do not see it in ourselves, but we feel it. And try to think about something very sad with the facial expression of radiant joy!
§Z
28[1]1470 Es ist ja möglich, daß die Drüsen des Traurigen anders sezernieren, als die des Fröhlichen: auch, daß diese Sekretion die, oder eine, Ursache der Trauer ist. Aber folgt daraus, daß die Trauer eine durch diese Sekretion hervorgerufene Empfindung ist?
1470 It is possible that the glands of the sad person secrete differently than those of the cheerful person: also, that this secretion is the, or one of the, causes of the sadness. But does it follow that sadness is a sensation caused by this secretion?
§Z
28[2]1471 Aber der Gedanke ist hier: “Du fühlst doch die Trauer- also mußt Du sie irgendwo fühlen; sonst wäre sie eine Chimäre.” Aber wenn du das denken willst, rufe Dir die Verschiedenheit von Sehen und Schmerz ins Gedächtnis. Ich fühle den Schmerz in der Hand – – und die Farbe im Auge? So wie wir hier ein Schema verwenden wollen, statt bloß das wirklich Gemeinsame zu notieren, sehen wir alles falsch vereinfacht.
1471 But the thought here is: “You feel the grief – so you must feel it somewhere; otherwise it would be a chimera.” But if you want to think that, recall the difference between seeing & pain. I feel the pain in my hand – & the color in my eye? Just as we want to use a scheme here instead of simply noting what is actually in common, we see everything in a falsely simplified way.
§Z
28[2].2Wollte man aber ein Analogon zum Ort des Schmerzes finden, so wäre es natürlich nicht die Seele (wie ja der Ort des Körperschmerzes nicht der Körper ist), sondern der Gegenstand der Reue.
If one were to look for an analogy to the location of pain, it would naturally not be the mind (just as the location of physical pain is not the body), but rather the object of remorse.
§Z
28[3]158 Denke, man sagte: Fröhlichkeit wäre ein Gefühl, und Traurigkeit bestünde darin, daß man nicht fröhlich ist. – Ist denn die Abwesenheit eines Gefühls ein Gefühl?
158 Suppose one said: cheerfulness is a feeling, & sadness consists in the fact that one is not cheerful. – Is the absence of a feeling itself a feeling?
§Z
28[4]319 Man spricht von einem Gefühl der Überzeugung, weil es einen Ton der Überzeugung gibt. Ja, das Charakteristikum aller ‘Gefühle’ ist, daß es einen Ausdruck, d.i. eine Miene, Gebärde des Gefühls gibt.
319 One speaks of a feeling of conviction because there is a tone of conviction. Yes, the characteristic of all ‘feelings’ is that there is an expression, i.e., a facial expression, a gesture of the feeling.
§Z
28[5]251 Nun könnte man aber sagen: Das Gesicht eines Menschen ist durchaus nicht immer dieselbe Gestalt. Es ändert sich von Minute zu Minute; manchmal wenig, manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Dennoch ist es möglich, das Bild seiner Physiognomie zu zeichnen. Freilich, ein Bild, auf dem das Gesicht lächelt, zeigt nicht, wie es weinend aussieht. Aber es läßt darauf immerhin Schlüsse zu. – Und so wäre es auch möglich, eine Art ungefähre Physiognomie des Glaubens (z.B.) zu beschreiben.
251 Now, one could say: a person’s face is certainly not always the same shape. It changes from minute to minute; sometimes little, sometimes to the point of being unrecognizable. Nevertheless, it is possible to draw a picture of his physiognomy. Of course, a picture in which the face is smiling does not show how it looks when weeping. But it does at least allow one to draw conclusions. – And so it would also be possible to describe a kind of approximate physiognomy of faith (for example).
§Z
28[6]497 Ich gebe Zeichen des Entzückens und es Verständnisses.
497 I give signs of delight and of understanding.
§Z
28[7]720 Kann man das ‘sich auskennen’ ein Erlebnis nennen? Nicht doch. Aber es gibt Erlebnisse charakteristisch für den Zustand des Sichauskennens und des Sich-nicht-auskennens. (Sich nicht auskennen und lügen.)
720 Can one call ‘knowing one’s way around’ an experience? Not really. But there are experiences characteristic of the state of knowing one’s way around and of not knowing one’s way around. (Not knowing one’s way around and lying.)
§Z
29[1]1521 Es ist aber doch wichtig, daß es alle diese Paraphrasen gibt! Daß man die Sorge mit den Worten beschreiben kann “Ewiges Düstere steigt herunter”.
1521 It is important that all these paraphrases exist! That one can describe worry with the words “eternal gloom descends.”
§Z
29[2]307 Warum kann der Hund Furcht, aber nicht Reue empfinden? Wäre es richtig zu sagen “Weil er nicht sprechen kann”?
307 Why can a dog feel fear, but not regret? Would it be correct to say “because it cannot speak”?
§Z
29[3]308 Nur wer über der Vergangenheit nachdenken kann, kann bereuen. Das heißt aber nicht, daß nur so einer erfahrungsgemäß des Gefühls der Reue fähig ist.
308 Only someone who can reflect on the past can regret. This does not mean that only such a person is, as a matter of experience, capable of the feeling of regret.
§Z
29[4]309 Es ist ja auch nichts Erstaunliches, daß ein gewisser Begriff nur auf ein Wesen anwendbar sein sollte das z.B. eine Sprache besitzt.
309 It is also nothing surprising that a certain concept should only be applicable to a being that, for example, possesses a language.
§Z
29[5]189 “Der Hund meint etwas mit seinem Wedeln.” – Wie würde man das begründen? – Sagt man auch: “Die Pflanze, wenn sie ihre Blätter hängen läßt, meint damit, daß sie Wasser braucht”? –
189 “The dog means something by wagging its tail.” – How would one justify that? – Does one also say: “The plant, when it droops its leaves, means by that that it needs water”? –
§Z
29[6]190 Wir würden kaum fragen, ob das Krokodil etwas damit meint, wenn es mit offenem Rachen auf einen Menschen zukommt. Und wir würden erklären: das Krokodil könne nicht denken, und darum sei eigentlich hier von einem Meinen keine Rede.
190 We would hardly ask whether the crocodile means anything by it when it comes towards a person with its mouth open. And we would explain: the crocodile cannot think, and therefore, in this case, there is really no question of meaning.
§Z
29[7]165 Vergessen wir doch einmal ganz, daß und der Seelenzustand des Fürchtenden interessiert. Gewiß ist, daß uns auch sein Benehmen unter gewissen Umständen als Anzeichen für künftiges Verhalten interessieren kann. Warum sollten wir also nicht dafür ein Wort haben. Man könnte nun fragen, ob dies Wort sich wirklich einfach auf das Benehmen, einfach auf die Veränderungen des Körpers bezöge. Und das wollen wir verneinen. Es liegt uns ja nichts daran, den Gebrauch dieses Worts derart zu vereinfachen. Es bezieht sich auf das Benehmen unter gewissen äußeren Umständen. Wenn wir diese Umstände & jenes Benehmen beobachten, sagen wir, Einer sei …, oder habe …
165 Let us forget for the moment that we are interested in the state of mind of the one who is afraid. It is certain that we are also interested in his behaviour under certain circumstances as an indication of future behaviour. Why shouldn’t we have a word for that? One could then ask whether this word really refers simply to the behaviour, simply to the changes in the body. And we want to deny that. We have no interest in simplifying the use of this word in such a way. It refers to the behaviour under certain external circumstances. When we observe these circumstances & that behaviour, we say that someone is …, or has …
§Z
29[8]691 Es könnte einen Furchtbegriff geben, der nur auf Tiere, also nur durch Beobachtung, Anwendung fände. – Du willst doch nicht sagen, daß so ein Begriff keinen Nutzen hätte. Das Verbum, das beiläufig dem Worte “fürchten” entspräche, hätte dann keine erste Person, & keine seiner Formen wäre Äußerung der Furcht.
691 There could be a concept of fear that applies only to animals, and therefore only through observation. – You don’t want to say that such a concept would be useless. The verb that corresponds to the word “to fear” would then have no first person, & none of its forms would be an expression of fear.
§Z
30[1]166 Ich will nun sagen, daß Menschen, welche einen solchen Begriff gebrauchen, seinen Gebrauch nicht müßten beschreiben können. Und sollten sie's versuchen, so könnten sie vielleicht eine ganz unzulängliche Beschreibung geben, (Wie die meisten, wenn sie versuchen wollten, die Verwendung des Geldes richtig zu beschreiben.) (Sie sind auf so eine Aufgabe nicht gefaßt.)
166 I now want to say that people who use such a concept should not be able to describe its use. And if they were to try, they might perhaps give a completely inadequate description (as most people would if they were to try to describe the use of money properly). (They are not prepared for such a task.)
§Z
30[2]323 Wer sich unter den und den Umständen so und so benimmt, von dem sagen wir, er sei traurig. (Auch vom Hund) Insofern kann man nicht sagen, das Benehmen sei die Ursache der Trauer; sie ist ihr Anzeichen. Sie die Wirkung der Trauer zu nennen, wäre auch nicht einwandfrei. – Sagt er's von sich (er sei traurig), so wird er im Allgemeinen dafür als Grund nicht sein trauriges Gesicht u.s.w. angeben. Wie aber wäre es damit: “Erfahrung hat mich gelehrt, daß ich traurig werde, sobald ich anfange, traurig dazusitzen, etc.? Das könnte zweierlei heißen. Erstens: “Sobald ich, etwa einer leichten Neigung folgend, es mir gestatte, mich so und so zu halten und zu benehmen, gerate ich in den Zustand, in diesem Benehmen verharren zu müssen.” Es könnte ja sein, daß Zahnschmerzen durch Stöhnen ärger würden. – Zweitens aber, könnte jener Satz eine Spekulation enthalten über die Ursache der menschlichen Trauer; des Inhalts, daß, wer im Stande wäre auf irgend eine Weise gewisse Körperzustände hervorzurufen, den Menschen traurig machen würde. Hier ist aber die Schwierigkeit, daß wir einen Menschen, der unter allen Umständen traurig aussähe und sich benähme, nicht traurig nennen würden. Ja, wenn wir einem solchen den Ausdruck “Ich bin traurig” beibrächten und er sagte das stets & ständig mit dem Ausdruck der Trauer, so hätten diese Worte, so wie die übrigen Zeichen ihren normalen Sinn verloren.
323 We say of someone who behaves in a certain way under certain circumstances that he is sad. (Also of a dog.) In this sense, one cannot say that the behaviour is the cause of the sadness; it is its sign. To call it the effect of the sadness would not be entirely correct either. – If he says it of himself (that he is sad), he will generally not give his sad facial expression, etc., as the reason for it. But how would it be with this: “Experience has taught me that I become sad as soon as I begin to sit around sadly, etc.”? This could mean two things. First: “As soon as I, following some inclination, allow myself to behave in a certain way, I find myself in the state of having to continue this behaviour.” It could be that toothache is made worse by groaning. – Second, this sentence could contain a speculation about the cause of human sadness; namely, that someone who was able to bring about certain bodily states in any way would make people sad. But here the difficulty is that we would not call a person who, under all circumstances, looked and behaved sadly, sad. Yes, if we were to teach such a person the expression “I am sad” and he said it constantly with an expression of sadness, these words, like the other signs, would have lost their normal sense.
§Z
30a[1]Ist es nicht so, als wollte man sich einen Gesichtsausdruck vorstellen, der nicht allmählicher, zarter Veränderungen fähig wäre, sondern, sagen wir nur fünf Stellungen hätte; bei einer Veränderung ginge die eine mit einem Ruck in die andere über. Wäre nun dies starre Lächeln z.B. wirklich ein Lächeln? Und warum nicht? – “Lächeln” nennen wir eine Miene in einem normalen Mienenspiel. – Ich könnte mich (vielleicht) nicht so dazu verhalten, wie zu einem Lächeln. Es würde mich z.B. nicht selber zum Lächeln bringen. “Kein Wunder” will man sagen, “daß wir diesen Begriff haben unter diesen Umständen.”
Is it not as if one wanted to imagine a facial expression that would not be capable of gradual, subtle changes, but, say, only had five positions; with one change, one would abruptly transition into the other. Would such a rigid smile really be a smile? And why not? – We call a “smile” a facial expression in a normal sequence of facial expressions. – I might (perhaps) not behave towards it as I would towards a smile. It would not, for example, make me smile myself. “No wonder,” one wants to say, “that we have this concept under these circumstances.”
§Z
30[3]765 Eine Hilfskonstruktion. Ein Stamm, den wir versklaven wollen. Die Regierung und die Wissenschaft geben aus, daß die Leute dieses
765 A helpful construction. A tribe that we want to enslave. The government and science declare that the people of this
§Z
31[1]Stamme keine Seelen haben; man könne sie also zu jedem beliebigen Zweck gebrauchen. Natürlich interessiert uns dennoch ihre Sprache; denn wir wollen ihnen ja z.B. Befehle geben und Berichte von ihnen erhalten. Auch wollen wir wissen, was sie unter einander reden, da dies mit ihrem übrigen Verhalten zusammenhängt. Aber auch, was bei ihnen unsern ‘psychologischen Äußerungen’ entspricht, muß uns interessieren; denn wir wollen sie arbeitsfähig erhalten; darum sind uns ihre Äußerungen des Schmerzes, des Unwohlseins, der Niedergeschlagenheit der Lebenslust, etc. etc. von Wichtigkeit. Ja, wir haben auch gefunden, daß man diese Leute mit gutem Erfolg als Versuchsobjekte in physiologischen und psychologischen Laboratorien verwenden kann, da ihre Reaktionen – auch die Sprachreaktionen – ganz die der seelenbegabten Menschen sind. Man habe auch gefunden, daß man diesen Automaten, durch eine Methode, die sehr ähnlich unserm ‘Unterricht’ ist, unsere Sprache statt der ihrigen beibringen kann.
tribe have no minds; so they can be used for any purpose. Of course, we are still interested in their language; because we want to give them commands, for example, and receive reports from them. We also want to know what they say to each other, since this is related to their other behaviour. But also, what in them corresponds to our ‘psychological utterances’ must interest us; because we want to keep them capable of working; therefore, their utterances of pain, discomfort, dejection, and lack of zest for life, etc., etc. are important to us. Yes, we have also found that these people can be used with good results as subjects in physiological and psychological laboratories, because their reactions – including the linguistic reactions – are just like those of people with minds. It has also been found that these automata can be taught our language instead of their own, using a method that is very similar to our ‘instruction’.
§Z
31[2]766 Diese Wesen lernen nun z.B. rechnen, schriftlich oder mündlich rechnen. Wir bringen sie aber, irgendwie, dahin, daß sie uns das Ergebnis einer Multiplikation sagen können, nachdem sie, ohne zu schreiben oder zu sprechen, sich eine Weile in ‘nachdenkender’ Haltung verhalten haben. Dabei liegt das Bild nahe, der Prozeß des Rechnens sei gleichsam untergetaucht und gehe nun unter der Wasserfläche vor sich.) Wir müssen natürlich für verschiedene Zwecke einen Befehl haben der Art “Rechne dies im Kopf!”; eine Frage “Hast Du es gerechnet?”; ja auch: “Wie weit bist Du?”; eine Aussage des Automaten “Ich habe … gerechnet”: etc.. Kurz: alles, was wir, unter uns, über das Kopfrechnen sagen, hat auch Interesse für uns, wenn sie's sagen. Und was für's Kopfrechnen gilt, gilt auch für andere Formen des Denkens. – –Äußert Einer von uns die Meinung, diese Wesen müßten doch irgendeine Art von Seele haben, in der dies und jenes vor sich ginge, so lachen wir ihn aus.
766 These entities now learn, for example, to do arithmetic, either in writing or orally. However, we somehow bring them to the point where they can tell us the result of a multiplication after, without writing or speaking, they have been in a ‘thinking’ state for a while. Here, the image suggests that the process of calculation is, as it were, submerged and now takes place under the surface of the water.) Of course, we must have a command for various purposes, such as “Calculate this in your head!”; a question “Have you calculated it?”; yes, even: “How far have you gotten?”; a statement from the automaton “I have calculated …”: etc. In short: everything that we, among ourselves, say about mental arithmetic is also of interest to us when they say it. And what applies to mental arithmetic also applies to other forms of thinking. – –If one of us expresses the opinion that these entities must have some kind of mind in which this and that is going on, we laugh at him.
§Z
32[1]770 Die Sklaven sagen auch: “Als ich das Wort “Bank” hörte, bedeutete es für mich …”. Frage: Auf dem Hintergrund welcher Sprachtechnik sagen sie das? Denn darauf kommt alles an. Was hatten wir sie gelehrt, welche Benutzung des Wortes “bedeuten”? Und was, wenn überhaupt irgendetwas, entnehmen wir ihrer Äußerung? Denn wenn wir gar nichts mit ihr anfangen können, so könnte sie uns als Kuriosität interessieren. – Denken wir uns einen Stamm von Menschen, die keine Träume kennen, und die unsere Traumerzählungen hören. Einer von uns käme zu diesen nicht-träumenden Leuten und lernte nach und nach, sich mit ihnen verständigen. Vielleicht denkt man, sie würden nun das Wort “träumen” nie verstehen. Aber sie würden bald eine Verwendung dafür finden. Und ihre Ärzte könnten sich sehr wohl für das Phänomen interessieren und wichtige Schlüsse aus den Träume des Fremden ziehen. ‒ ‒ Auch kann man nicht sagen, daß für diese Leute das Verbum “träumen” nichts anderes bedeuten könnte, als: einen Traum erzählen. Denn der Fremde würde ja beide Ausdrücke gebrauchen: “träumen” und “einen Traum erzählen”, und die Leute jenes Stammes dürften nicht “ich träumte …” mit “ich erzählte den Traum …” verwechseln.
770 The slaves also say: “When I heard the word ‘bank,’ it meant to me…”. The question is: against the background of which linguistic technique do they say this? Because that is what matters. What had we taught them, what use of the word “mean”? And what, if anything, do we derive from their utterance? For if we can do nothing with it, it might interest us as a curiosity. – Let us imagine a tribe of people who do not know what dreams are, and who hear our accounts of dreams. One of us comes to these non-dreaming people and gradually learns to communicate with them. Perhaps one might think that they would never understand the word “dream.” But they would soon find a use for it. And their doctors might well be interested in the phenomenon and draw important conclusions from the dreams of the stranger. – – One cannot say that for these people the verb “to dream” could mean nothing other than: to tell a dream. For the stranger would use both expressions: “to dream” and “to tell a dream,” and the people of that tribe would probably not confuse “I dreamed…” with “I told the dream…”.
§Z
32[2]117 “Ich nehme an, es schwebe ihm ein Bild vor.” – Könnte ich auch annehmen, es schwebe diesem Ofen ein Bild vor? – Und warum scheint dies unmöglich? Ist denn also die menschliche Gestalt dazu nötig?
117 “I suppose he has a picture in mind.” – Could I also suppose that this stove has a picture in mind? – And why does this seem impossible? Is the human form therefore necessary?
§Z
32[3]150 Nur inmitten gewisser normaler Lebensäußerungen gibt es eine Schmerzäußerung. Nur inmitten von noch viel weitgehender bestimmten Lebensäußerung den Ausdruck der Trauer, oder der Zuneigung. U.s.f.
150 Only within the context of certain normal manifestations of life does a manifestation of pain occur. Only within the context of even more broadly defined manifestations of life does the expression of grief, or of affection, occur, and so on.
§Z
32[4]142 Wenn ich mir, und wenn ein Andrer sich, einen Schmerz vorstellen kann, oder mir doch sagen, daß wir's können, – wie kann man herausfinden, ob wir ihn uns richtig vorstellen, und wie genau?
142 If I, and if another person, can imagine a pain, or if we can say that we can, how can one find out whether we are imagining it correctly, and how accurately?
§Z
32[5]Ich mag wissen, daß er Schmerzen hat, aber ich weiß nie den genauen Grad seiner Schmerzen. Hier ist also etwas, was er weiß & die Schmerzäußerung mir nicht mitteilt. Etwas rein Privates.
I may know that he is in pain, but I never know the exact degree of his pain. Here, then, is something that he knows & that the expression of pain does not communicate to me. Something purely private.
§
32a[1]“Ich glaube, er wird kommen” läßt sich oft durch die Behauptung “Er wird kommen” ersetzen. Und auch die Äußerung “Ich hoffe, er wird kommen” oft durch die “Er wird kommen” aber dazu gehört
“I believe he will come” can often be replaced by the assertion “He will come.” And also the utterance “I hope he will come” is often replaced by “He will come,” but that includes …
§Z
32b[1]Der Schmerzbegriff ist charakterisiert durch eine bestimmte Funktion in unserem Leben.
The concept of pain is characterized by a specific function in our lives.
§Z
32b[1].2Schmerz liegt so in unserem Leben, hat solche Zusammenhänge. (D.h.: nur was so im Leben drinliegt, solche Zusammenhänge hat, nennen wir “Schmerz.”)
Pain is present in this way in our lives; it has these connections. (That is, we call “pain” only what is present in this way in life and has these connections.)
§Z
33[1]Er weiß genau, wie stark seine Schmerzen sind? (Ist das nicht ähnlich, als sagte man, er wisse immer genau, wo er sich befinde? Nämlich hier.) Ist denn der Begriff des Grades mit den Schmerzen gegeben?
Does he know exactly how strong his pain is? (Isn’t this similar to saying that he always knows exactly where he is? Namely, here.) Is the concept of degree given with the pain?
§Z
33[2]718 Du sagst, du pflegst den Stöhnenden, weil Erfahrung dich gelehrt hat, daß du selbst stöhnst, wenn du das und das fühlst. Aber da du ja doch keinen solchen Schluß ziehst, so können wir die Begründung durch Analogie weglassen.
718 You say that you tend to the groaning person because experience has taught you that you yourself groan when you feel this and that. But since you don’t actually draw such a conclusion, we can omit the justification by analogy.
§Z
33[3]Es hat auch keinen Sinn zu sagen: “Ich kümmere mich nicht um mein eigenes Stöhnen, weil ich weiß, daß ich Schmerzen habe”– oder “weil ich meine Schmerzen fühle.” Wohl aber ist es wahr:– “Ich kümmere mich nicht um mein Stöhnen.”
It also makes no sense to say: “I don’t care about my own groaning, because I know that I am in pain” – or “because I feel my pain.” It is true, however, that: “I don’t care about my groaning.”
§Z
33[4]1581 Ich schließe aus der Beobachtung seines Benehmens, daß er zum Arzt muß; aber ich ziehe diesen Schluß für mich nicht aus der Beobachtung meines Benehmens. Oder vielmehr: ich tue auch dies manchmal, aber nicht in analogen Fällen.
1581 I infer from observing his behaviour that he must see a doctor; but I do not draw this conclusion for myself from observing my own behaviour. Or rather: I do sometimes do this, but not in analogous cases.
§Z
33[5]1582
Es hilft hier, wenn man bedenkt, daß es ein primitives Verhalten ist, die schmerzende Stelle des Anderen zu pflegen, zu behandeln, und nicht nur die eigenen – also auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten, wie auch, auf das eigene Schmerzbenehmen nicht zu achten.
1582
It is helpful here to consider that it is a primitive behaviour to care for and treat the painful area of the other person, and not only one’s own – that is, to pay attention to the other’s pain-behaviour, as well as to pay attention to one’s own pain-behaviour not.
§Z
33[6]1583 Was aber will hier das Wort “primitiv” sagen? Doch wohl, daß die Verhaltungsweise vorsprachlich ist: daß ein Sprachspiel auf ihr beruht, daß sie das Prototyp einer Denkweise ist und nicht das Ergebnis des Denkens.
1583 But what does the word “primitive” mean here? Presumably, that the mode of behavior is pre-linguistic: that a language-game is based on it, that it is the prototype of a way of thinking and not the result of thinking.
§Z
33[7]1584 “Falsch aufgezäumt” kann man von einer Erklärung sagen, wie dieser: wir pflegten den Andern, weil wir nach Analogie des eigenen Falles glaubten, auch er habe ein Schmerzerlebnis. – Statt zu sagen: Lerne also aus diesem besondern Kapitel menschlichen Betragens – aus dieser Sprachverwendung – eine neue Seite.
1584 “Incorrectly applied” can be said of an explanation such as this: we used to treat the other person, because, by analogy to our own case, we believed that he, too, had an experience of pain. – Instead of saying: learn, therefore, from this particular chapter of human behavior – from this use of language – a new aspect.
§Z
33[8]616 Zu meinem Begriff gehört hier mein Verhältnis zur Erscheinung.
616 My concept here involves my relationship to the phenomenon.
§Z
34[1]Wenn wir dem Arzt mitteilen, wir hätten Schmerzen – in welchen Fällen ist es nützlich, daß er sich einen Schmerz vorstelle? – Und geschieht dies nicht auf sehr mannigfache Weise? (So mannigfach, wie: sich an einen Schmerz erinnern.) (Wissen, wie ein Mensch ausschaut.)
When we communicate to the doctor that we are in pain – in what cases is it useful for him to imagine pain? – And does this not happen in many different ways? (As many ways as: remembering a pain.) (Knowing what a person looks like.)
§Z
34[2]Angenommen, es erklärt Einer, wie ein Kind den Gebrauch des Wortes “Schmerz” lernt, in dieser Weise: Wenn das Kind sich bei bestimmten Anlässen so & so benimmt, denke ich, es fühle, was ich in solchen Fällen fühle; & wenn es so ist, so assoziiert das Kind das Wort mit seinem Gefühl & gebraucht das Wort, wenn das Gefühl wieder auftritt. – Was erklärt diese Erklärung? Oder: Welche Art der Unwissenheit behebt sie? – Glauben, daß der Andre Schmerzen hat, zweifeln, ob er sie hat, usf., sind alles natürliche instinktive Arten des Verhaltens zu den andern Menschen, & unsre Sprache ist nur ein Hilfsmittel & weiterer Ausbau dies Verhalten. Unser Sprachspiel ist ein Ausbau des primitiven Benehmens. (Denn unser Sprachspiel ist Benehmen.) (Instinkt)
Suppose someone explains how a child learns the use of the word “pain” in the following way: When, on certain occasions, the child behaves in such and such a way, I think it feels what I feel in such cases; & if that is the case, the child associates the word with its feeling & uses the word when the feeling recurs. – What does this explanation explain? Or: Which kind of ignorance does it remedy? – Believing that the other person has pain, doubting whether he has it, etc., are all natural instinctive ways of behaving towards other people, & our language is merely an aid & further development of this behaviour. Our language-game is a development of primitive behaviour. (For our language-game is behaviour.) (Instinct)
§Z
34[3] &35[1]
“Ich bin nicht sicher, ob er Schmerzen hat.” – Wenn sich nun Einer immer, wenn er dieses sagt, mit einer Nadel stäche, um die Bedeutung des Wortes “Schmerz” lebhaft vor der Seele zu haben, (sich nicht mit der Vorstellung begnügen zu müssen) & zu wissen, worüber er beim Andern im Zweifel ist! – Wäre nun der Sinn seiner Aussage gesichert?
“I am not sure whether he is in pain.” – If, whenever one says this, one were to prick oneself with a needle in order to have a vivid image of the meaning of the word “pain” before one’s mind (and not merely be content with an imagination of it), & to know what one is in doubt about in the other person! – Would the sense of one’s statement then be secured?
§Z
35[2]Er hat also den wahren Schmerz; & der Besitz dieses ist's, war er beim Andern bezweifelt. – Aber wie macht er das nur? – Es ist, als sagte man mir: “Hier hast du einen Sessel. Siehst du ihn genau? – Gut;– nun übertrage ihn ins Französische!”
So he has the genuine pain; & the possession of this is what is doubted in the other. – But how does he do it? – It is as if one said to me: “Here you have an armchair. Do you look at it closely? – Good; – now translate it into French!”
§Z
35[3]Er hat also den wirklichen Schmerz; & nun weiß er, was er beim Andern bezweifeln soll. Er hat den Gegenstand vor sich, & es ist kein ‘Benehmen’, oder dergleichen. (Aber jetzt!) Zum Bezweifeln, ob der Andre Schmerzen hat, braucht er den Begriff ‘Schmerz’, nicht Schmerzen.
He thus has actual pain, & now he knows what he should doubt in the other. He has the object before him, & it is not ‘behaviour’, or something of the sort. (But now!) In order to doubt whether the other is in pain, he needs the concept ‘pain’, not pain.
§Z
35[4]135 Die Äußerung der Empfindung eine Behauptung zu nennen, ist dadurch irreführend, daß mit dem Wort “Behauptung” die ‘Prüfung’, die ‘Begründung’, die ‘Bestätigung’, die ‘Entkräftung’ der Behauptung im Sprachspiel verbunden ist.
135 Calling the utterance of a sensation an assertion is misleading, because the word “assertion” implies the ‘testing,’ the ‘justification,’ the ‘confirmation,’ or the ‘refutation’ of the assertion within the language-game.
§Z
35[5]136 Wozu dient etwa die Aussage: “Ich habe doch etwas, wenn ich Schmerzen habe”?
136 What is the purpose of the statement: “I have something when I am in pain”?
§Z
35[6]1477 “Der Geruch ist herrlich!” Ist ein Zweifel darüber, daß der Geruch es ist, der herrlich ist? So ist es eine Eigenschaft des Geruches? – Warum nicht? Es ist eine Eigenschaft der Zehn durch Zwei teilbar zu sein, und auch, die Zahl meiner Finger zu sein. Es könnte aber eine Sprache geben, in der die Leute nur die Augen schließen und sagen “Oh, dieser Geruch!” und es keinen Subjekt-Prädikat-Satz gibt, Das ist eben eine ‘spezifische’ Reaktion.
1477 “The smell is wonderful!” Is there any doubt that it is the smell that is wonderful? So is it a property of the smell? – Why not? It is a property of ten to be divisible by two, and also to be the number of my fingers. But there might be a language in which people simply close their eyes and say “Oh, this smell!” and there is no subject-predicate sentence. That is simply a ‘specific’ reaction.
§Z
36[1]650 Zu dem Sprachspiel mit den Worten “er hat Schmerzen” gehört– möchte man sagen – nicht nur das Bild des Benehmens, sondern auch das Bild des Schmerzes. – Aber hier muß man sich in Acht nehmen: Denke an mein Beispiel von den privaten Tabellen, die nicht zum Spiel gehören. – Es entsteht der Eindruck der ‘privaten Tabelle’ im Spiel durch die Abwesenheit einer Tabelle und durch die Ähnlichkeit des Spiels mit einem solchen, das mit einer Tabelle gespielt wird.
650 The language-game with the words “he is in pain” includes – one might say – not only the picture of the behaviour, but also the picture of the pain. – But here one must be careful: think of my example of the private tables, which do not belong to the game. – The impression of the ‘private table’ arises in the game through the absence of a table and through the similarity of the game to one that is played with a table.
§Z
36[2]646 Bedenke: Wir gebrauchen das Wort “Ich weiß nicht” oft in seltsamer Weise; wenn wir z.B. sagen; wir wissen, ob Dieser wirklich mehr fühlt als der Andere, oder es nur stärker zum Ausdruck bringt. Es ist dann nicht klar, welche Art der Untersuchung die Frage entscheiden würde. Natürlich ist die Äußerung nicht ganz müßig: Wir wollen sagen, daß wir wohl die Gefühle des A und B miteinander vergleichen können, aber uns die Umstände an einem Vergleich des A mit dem C irre werden lassen.
646 Consider: we often use the words “I do not know” in a strange way; for example, when we say that we know whether this one really feels more than the other, or only expresses it more strongly. Then it is not clear what kind of investigation would decide the question. Of course, the statement is not entirely pointless: we want to say that we can probably compare the feelings of A and B, but the circumstances lead us to make an incorrect comparison of A with C.
§Z
36[3]708
Nicht darauf sehen wir, daß die Evidenz das Gefühl [also das Innere] des Andern nur wahrscheinlich macht, sondern darauf, daß wir dies als Evidenz für irgend etwas wichtiges betrachten, daß wir auf diese verwickelte Art der Evidenz eine Aussage bauen, daß sie (also) in unserm Leben eine besondere Wichtigkeit hat und durch einen Begriff herausgehoben wird. [Das ‘Innere’ und ‘Äußere’, ein Bild.]
708
We do not see that the evidence only makes the feeling [i.e. the inner state] of the other person probable, but that we consider this as evidence for something important, that we build a statement on this complicated kind of evidence, that it (therefore) has a special importance in our lives and is highlighted by a concept. [The ‘inner’ and ‘outer’, a picture.]
§Z
36[4]681 Die ‘Unsicherheit’ bezieht sich eben nicht auf den besondern Fall, sondern auf die Methode auf die Regeln der Evidenz.
681 The ‘uncertainty’ does not refer to the particular case, but to the method, to the rules of evidence.
§Z
36[5]620 Die Unsicherheit hat ihren Grund nicht darin, daß er seine Schmerzen nicht außen am Rock trägt. Und es ist auch gar keine Unsicherheit im besondern Fall. Wenn die Grenze zwischen zwei Ländern strittig wäre, würde daraus folgen, daß die Landesangehörigkeit jedes einzelnen Bewohners fraglich wäre?
620 The uncertainty does not stem from the fact that he does not wear his pain on the outside of his coat. And it is not even uncertainty in the particular case. If the border between two countries were disputed, would it follow that the national affiliation of each individual inhabitant would be questionable?
§Z
36[6] &37[1]
701 Denke, Leute könnten das Funktionieren des Nervensystems im Andern beobachten. Sie unterschieden dann echte und geheuchelte Empfindung in sicherer Weise. – Oder könnten sie doch wieder daran zweifeln, daß der Andere bei diesen Zeichen etwas spürt? – Man könnte sich jedenfalls leicht vorstellen, daß, was sie da sehen, ihr Verhalten ohne alle Skrupel bestimmt. Und nun kann man dies doch auf das äußere Benehmen übertragen. Diese Beobachtung bestimmt ihr Verhalten gegen den Andern vollkommen und ein Zweifel kommt nicht auf.
701 Imagine that people could observe the functioning of the nervous system in the other person. They would then be able to distinguish genuine and feigned sensation in a reliable way. – Or could they still doubt that the other person is feeling something when they see these signs? – One can easily imagine that what they see determines his behaviour without any hesitation. And now one can transfer this to external behaviour. This observation completely determines his behaviour towards the other, and no doubt arises.
§Z
37[2]702 Es gibt wohl den Fall, daß Einer mir später sein Innerstes durch ein Geständnis aufschließt: aber, daß es so ist, kann mir nicht das Wesen von Außen und Innen erklären, denn ich muß ja dem Geständnis doch Glauben schenken.
702 There is perhaps the case that one person later reveals his innermost being to me through a confession: but the fact that this is so cannot explain the nature of inner and outer to me, because I must still believe the confession.
§Z
37[3]Besieh dir Leute die auch unter diesen Umständen zweifeln; und solche die nicht zweifeln.
Observe people who also doubt under these circumstances; and those who do not doubt.
§Z
37[4]647 Nur Gott sieht die geheimsten Gedanken. Aber warum sollen diese so wichtig sein? Manche sind wichtig, nicht alle. Und müssen alle Menschen sie für wichtig halten?
647 Only God sees the innermost thoughts. But why should these be so important? Some are important, not all. And must all people consider them important?
§Z
37[5]668 Eine Art der Unsicherheit wäre die, die wir auch einem uns unbekannten Mechanismus entgegenbringen könnten. Bei der andern würden wir uns möglicherweise an eine Begebenheit in unserm Leben erinnern. Es könnte z.B. sein, daß Einer, der gerade der Todesangst entronnen ist, sich davor scheuen würde, eine Fliege zu erschlagen und es sonst ohne Bedenken täte. Oder, anderseits, daß er mit diesem Erlebnis vor Augen, das zögernd tut, was er sonst ohne Zögern täte.
668 One kind of uncertainty would be the one we might also have towards an unknown mechanism. In the other case, we might remember an event in our lives. For example, someone who has just escaped from the fear of death might be afraid to kill a fly, and otherwise would do so without hesitation. Or, conversely, that with this experience in mind, he does hesitantly what he would otherwise do without hesitation.
§Z
37[6]669 Auch wenn ich ‘nicht sicher in meinem Mitleid ruhe’, muß ich nicht an die Ungewißheit seines spätern Benehmens denken.
669 Even if I ‘don’t rest securely in my compassion,’ I don’t have to think about the uncertainty of his later behaviour.
§Z
37[7]670 Die eine Unsicherheit geht so zu sagen von dir aus, die andere von ihm. Von der einen könnte man also doch sagen, sie hinge mit einer Analogie zusammen; von der Andern nicht. Aber nicht, als ob ich aus der Analogie einen Schluß zöge!
670 One kind of uncertainty, so to speak, comes from you, the other from him. So, one could say that the one is connected with an analogy; the other is not. But not as if I were drawing a conclusion from the analogy!
§Z
37[8]666 Wenn ich aber zweifle, ob eine Spinne wohl Schmerz empfindet, dann ist es nicht weil ich nicht weiß, was ich mir zu erwarten habe.
666 If I doubt whether a spider feels pain, it is not because I don’t know what to expect.
§Z
37[9]667 Wir können aber nicht umhin, uns das Bild vom seelischen Vorgang zu machen. Und nicht, weil wir ihn von uns her kennen!
667 But we cannot avoid forming a picture of the mental process. And not because we know it from ourselves!
§Z
37[10]711 Könnte nicht das Verhalten, Benehmen, des Vertrauens ganz allgemein unter einer Gruppe von Menschen bestehen? So daß ihnen ein Zweifel an Gefühlsäußerungen ganz fremd ist?
711 Could not the behaviour, the conduct, of trust exist quite generally among a group of people? So that doubt about expressions of feeling is completely foreign to them?
§Z
37[11]629 Wie könntest du erklären, was es heißt “Schmerzen heucheln”, “sich stellen, als habe man Schmerzen”.
629 How could you explain what it means to “pretend to be in pain,” to “act as if one is in pain”?
§Z
38[1]628 Wie könnte man die menschliche Handlungsweise beschreiben? Doch nur, insofern man die Handlungen der verschiedenen Menschen, wie sie durcheinanderwimmeln, zeigte Nicht, was Einer jetzt tut, eine einzelne Handlung, sondern das ganze Gewimmel der menschlichen Handlungen, der Hintergrund, worauf wir eine Handlung sehen, bestimmt unser Urteil, unsere Begriffe und Reaktionen.
628 How could one describe human action? Only in so far as one shows the actions of the various people, as they swirl together, not what one does now, a single action, but the whole swirl of human actions, the background against which we see an action, determines our judgment, our concepts and reactions.
§Z
38[2]671 Wenn das Leben ein Teppich wäre, so ist dies Muster (der Verstellung z.B.) nicht immer vollständig, und vielfach variiert. Aber wir, in unserer Begriffswelt, sehen immer wieder das Gleiche mit Variationen wiederkehren. So fassen's unsere Begriffe auf. Die Begriffe sind ja nicht für einmaligen Gebrauch.
671 If life were a carpet, then this pattern (of pretending, for example) is not always complete, & it varies greatly. But we, in our conceptual world, always see the same thing recurring with variations. That is how our concepts grasp it. The concepts are not intended for one-time use.
§Z
38[3]672 Und das ist im Teppich mit vielen andern Mustern verwoben.
672 And that is interwoven with many other patterns in the carpet.
§Z
38[4]608 “So kann man sich nicht verstellen.” – Und das kann eine Erfahrung sein, – daß nämlich niemand, der sich so benimmt, sich später so und so benehmen werde; aber auch eine begriffliche Feststellung; (“Das wäre nicht mehr Verstellung”) und die beiden können zusammen hängen. (Denn man hätte nicht gesagt, die Planeten müssen sich in Kreisen bewegen, wenn es nie geschienen hätte, daß sie sich in Kreisen bewegen.) Vergleiche: “So kann man nicht reden ohne zu denken”, “So kann man nicht unwillkürlich handeln.”
608 “One cannot pretend like that.” – And this can be an experience, – namely that no one who behaves in this way will later behave in such and such a way; but also a conceptual statement; (“That would no longer be pretending”) and the two can be related. (For one would not have said that the planets must move in circles if it had never appeared that they move in circles.) Compare: “One cannot speak without thinking,” “One cannot act involuntarily.”
§Z
38[5]632 “Könntest du dir nicht eine weitere Umgebung denken, in der auch das noch als Verstellung zu deuten wäre?” Muß nicht jedes Benehmen sich so deuten lassen? Aber was heißt es: daß alles Benehmen immer Verstellung sein könnte? Hat denn Erfahrung uns das gelehrt? Und wie können wir anders über Verstellung unterrichtet sein? Nein, es ist eine Bemerkung über den Begriff ‘Verstellung’. Aber da wäre ja dieser Begriff unbrauchbar, denn die Verstellung hätte keine Kriterien im Benehmen.
632 “Could you not imagine a further environment in which that could also be interpreted as pretending?” Must not every behaviour be able to be interpreted in this way? But what does it mean: that all behaviour could always be pretending? Has experience taught us that? And how else can we be instructed about pretending? No, it is a remark about the concept of ‘pretending.’ But in that case, the concept would be unusable, because pretending would have no criteria in behaviour.
§Z
38[6]633 Liegt hier nicht etwas Ähnliches vor, wie das Verhältnis der euklidischen Geometrie zu Gesichtserfahrung? (Ich meine: es sei eine tiefgehende Ähnlichkeit vorhanden.) Denn auch die euklidische Geometrie entspricht ja der Erfahrung nur in sehr eigentümlicher Weise,, und nicht etwa nur .
633 Is there not something similar here, as in the relationship of Euclidean geometry to visual experience? (I mean: there is a deep similarity.) For Euclidean geometry also corresponds to experience only in a very peculiar way, and not just.
§Z
38[7]661 Es gibt doch im Benehmen Vertrauen und Mißtrauen! Klagt einer z.B., so kann ich mit völliger Sicherheit, vertrauensvoll regieren, oder unsicher und wie Einer, der Verdacht hat. Es braucht dazu keine Worte noch Gedanken.
661 There is trust and distrust in behaviour! For example, if someone complains, I can confidently respond with complete certainty, or insecurely, like someone who has suspicions. It does not require words or thoughts.
§Z
39[1]1478 Ist das, wovon er sagt, er habe es, und wovon ich sage, ich habe es, ohne daß wir dies aus irgendeiner Beobachtung erschließen, – ist es dasselbe, wie das, was wir aus der Beobachtung des Benehmens des Andern und aus seiner Überzeugungsäußerung entnehmen?
1478 Is what he says he has, & what I say I have, without our inferring this from any observation, – is it the same as what we gather from the observation of the other’s utterance & from his expression of conviction?
§Z
39[2]1479 Kann man sagen: Ich schließe, daß er handeln wird, wie er zu handeln beabsichtigt? (Fall der falschen Geste)
1479 Can one say: I infer that he will act as he intends to act? (Case of a false gesture)
§Z
39[3]1373 Warum schließe ich nie von meinen Worten auf meine wahrscheinlichen Handlungen? Aus demselben Grunde, aus welchem ich nicht von meinem Gesichtsausdruck auf mein wahrscheinliches Benehmen schließe. –Denn nicht das ist das Interessante, daß ich nicht aus meinem Ausdruck der Gemütsbewegung auf meine Gemütsbewegung schließe, sondern, daß ich aus jenem Ausdruck auch nicht auf mein späteres Verhalten schließe, wie dies doch die Andern tun, die mich beobachten.
1373 Why do I never infer my probable actions from my words? For the same reason that I do not infer my probable behaviour from my facial expression. – For it is not the interesting thing that I do not infer my emotional state from my expression of emotion, but that I do not infer my later behaviour from that expression, as others who observe me do.
§Z
39[4]1444 Willkürlich sind gewisse Bewegungen mit ihrer normalen Umgebung von Absicht, Lernen, Versuchen, Handeln. Bewegungen, von denen es Sinn hat, zu sagen, sie seien manchmal willkürlich, manchmal unwillkürlich, sind Bewegungen in einer speziellen Umgebung.
1444 Certain movements are arbitrarily connected with their normal environment of intention, learning, trying, acting. Movements for which it makes sense to say that they are sometimes voluntary, sometimes involuntary, are movements in a special environment.
§Z
39[5]1432 Wenn Einer uns nun sagte, er esse unwillkürlich, – welche Evidenz würde mich dies glauben machen?
1432 If someone were to tell us that he is acting involuntarily, – what evidence would make me believe this?
§Z
39[6]1474 Man ruft sich ein Niesen, oder einen Hustenanfall hervor, aber nicht eine willkürliche Bewegung. Und der Wille ruft das Niesen nicht hervor und auch nicht das Gehen.
1474 One can bring about a sneeze or a coughing fit, but not a voluntary movement. And the will does not bring about the sneeze or the walking.
§Z
39[7]1425 Ist “Ich tue mein Möglichstes” die Äußerung eines Erlebnisses? – Ein Unterschied: Man sagt “Tue Dein Möglichstes!”
1425 Is “I am doing my best” the expression of an experience? – A difference: One says “Do your best!”
§Z
39[8]1375 Wenn Einer mich auf der Straße trifft und fragt “Wohin gehst Du?” und ich antworte “Ich weiß es nicht”, so nimmt er an, ich habe keine bestimmte Absicht; nicht, ich wisse nicht, ob ich meine Absicht werde ausführen können. (Hebel)
1375 If someone meets me on the street and asks, “Where are you going?” and I answer, “I don’t know,” he assumes that I have no specific intention; not that I do not know whether I will be able to carry out my intention. (Hebel)
§Z
40[1]1423 Was ist der Unterschied zwischen diesen Beiden: Einer Linie unwillkürlich folgen – Einer Linie mit Absicht folgen. Was ist der Unterschied zwischen diesen Beiden: Eine Linie mit Bedacht und großer Aufmerksamkeit nachziehen ‒ ‒ Aufmerksam beobachten, wie meine Hand einer Linie folgt.
1423 What is the difference between these two: following a line involuntarily – following a line with intention. What is the difference between these two: tracing a line carefully and with great attention – attentively observing how my hand follows a line.
§Z
40[2]1424 Gewisse Unterschiede sind leicht anzugeben. Einer liegt im Voraussehen dessen, was die Hand tun wird.
1424 Certain differences are easy to state. One lies in the anticipation of what the hand will do.
§Z
40[3]656 Die Erfahrung: neue Erfahrungen kennen zu lernen. Etwa beim Schreiben. Wann sagt man, man habe eine neue Erfahrung kennen gelernt? Wie gebraucht man so einen Satz?
656 Experience: to learn to know new experiences. For example, when writing. When does one say that one has learned to know a new experience? How is such a sentence used?
§Z
40[3].2Das Schreiben ist gewiß eine willkürliche Bewegung, und doch eine automatische. D.h. man fühlt etwas, aber könnte das Gefühl unmöglich zergliedern. Die Hand schreibt; sie schreibt nicht, weil man will, sondern man will, was sie schreibt. Man sieht ihr nicht erstaunt oder mit Interesse beim Schreiben zu; denkt nicht “Was wird sie nun schreiben”. Aber nicht, weil man eben wünschte, sie solle das schreiben. Denn, daß sie schreibt, was ich wünsche, könnte mich ja erst recht in Erstaunen versetzen.
Writing is certainly an arbitrary movement, and yet an automatic one. That is to say, one feels something, but one could not possibly dissect the feeling. The hand writes; it does not write because one wills it, but one wills what it writes. One does not look at it in amazement or with interest as it writes; one does not think, “What will it now write?” But not because one wishes that it should write that. For the fact that it writes what I wish could all the more put me in amazement.
§Z
40[4]268 Das Kind lernt gehen, kriechen, spielen. Es lernt nicht, willkürlich und unwillkürlich spielen. Aber was macht die Bewegungen des Spiels zu willkürlichen Bewegungen? – Wie wäre es denn, wenn sie unwillkürlich wären? – Ich könnte ebensowohl fragen was macht denn diese Bewegungen zu einem Spielen? – Ihr Charakter und ihre Umgebung.
268 The child learns to walk, to crawl, to play. It does not learn to play voluntarily and involuntarily. But what makes the movements of play into voluntary movements? – How would it be if they were involuntary? – I could just as well ask what makes these movements into playing? – Their character and their environment.
§Z
40[5]1623 Aktiv und passiv. Kann man es befehlen, oder nicht? Dies scheint vielleicht eine weithergeholte Unterscheidung, ist es aber nicht. Es ist ähnlich wie: “Kann man sich (logische Möglichkeit) dazu entschließen, oder nicht?” – Und das heißt: Wie ist es von Gedanken, Gefühlen, etc. umgeben?
1623 Active and passive. Can one command it, or not? This may seem like a far-fetched distinction, but it is not. It is similar to: “Can one (logical possibility) decide to do so, or not?” – And that is: How is it surrounded by thoughts, feelings, etc.?
§Z
40[6] &41[1]
1566 “Wenn ich mich anstrenge, tue ich doch etwas, habe doch nicht bloß eine Empfindung.” Und so ist es auch; denn man befiehlt Einem: “Streng dich an!” und er kann die Absicht äußern “Ich werde mich jetzt anstrengen”. Und wenn er sagt “Ich kann nicht mehr!” – so heißt das nicht “Ich kann das Gefühl in meinen Gliedern – den Schmerz, z.B., – nicht länger ertragen”. – Andererseits aber leidet man unter der Anstrengung, wie unter Schmerzen. “Ich bin gänzlich erschöpft” – wer das sagte, sich aber so frisch bewegte, wie je, den würde man nicht verstehen.
1566 “When I exert myself, I am indeed doing something; I am not merely having a sensation.” And so it is; for one is told: “Exert yourself!” and he can express the intention “I will now exert myself.” And when he says “I can’t go on!” – that does not mean “I can no longer endure the feeling in my limbs – the pain, for example.” – On the other hand, one suffers from the exertion, as from pain. “I am completely exhausted” – whoever says that, but moves as fresh as ever, would not be understood.
§Z
41[2]480 Mein Ausdruck kam daher, daß ich mir das Wollen als ein Herbeiführen dachte, – aber nicht als ein Verursachen, sondern – ich möchte sagen – als ein direktes, nicht-kausales Herbeiführen. Und dieser Idee liegt die Vorstellung zu Grunde, daß der kausale Nexus die Verbindung zweier Maschinenteile durch einen Mechanismus, etwa eine Reihe von Zahnrädern ist.
480 My expression came from the fact that I thought of willing as bringing about something, – but not as causing it, but – I would like to say – as a direct, non-causal bringing about. And this idea is based on the image that the causal nexus is the connection of two parts of a machine through a mechanism, for example a series of gears.
§Z
41[3]Die Verbindung unseres Hauptproblems mit dem epistemologischen Problem des Wollens ist mir schon früher einmal aufgefallen. Wenn in der Psychologie ein solches hartnäckiges Problem auftritt, so ist es nie eine Frage nach der tatsächlichen Erfahrung (eine solche ist immer viel gutmütiger), sondern ein logisches, also eigentlich grammatisches Problem.
The connection of our main problem with the epistemological problem of willing occurred to me some time ago. When such a persistent problem arises in psychology, it is never a question of actual experience (such an experience is always much more well-behaved), but a logical, and therefore actually grammatical, problem.
§Z
41[4]1506 Mein Benehmen ist eben manchmal Gegenstand meiner Beobachtung aber doch selten. Und das hängt damit zusammen, daß ich mein Benehmen beabsichtige. Selbst wenn der Schauspieler im Spiegel seine eigenen Mienen beobachtet, oder der Musiker genau auf jeden Ton seines Spiels merkt und ihn beurteilt, so geschieht es doch, um seine Handlung danach zu richten.
1506 My behaviour is sometimes the object of my observation, but only seldom. And this is connected with the fact that I intend my behaviour. Even when the actor in the mirror observes his own facial expressions, or the musician pays close attention to every note of his performance and judges it, it is still done in order to guide his action.
§Z
41[5]1507 Was heißt es z.B. daß Selbstbeobachtung mein Handeln, meine Bewegungen, unsicher macht? Ich kann mich nicht unbeobachtet beobachten. Und ich beobachte mich nicht zu dem gleichen Zweck, wie den Andern.
1507 What does it mean, for example, that self-observation makes my action, my movements, uncertain? I cannot observe myself without being observed. And I do not observe myself for the same purpose as others.
§Z
41[6] &42[1]
1508 Wenn ein Kind im Zorn mit den Füßen stampft und heult, – wer würde sagen, es täte dies unwillkürlich? Und warum? Warum nimmt man an, es täte dies nicht unwillkürlich? Was sind die Zeichen des willkürlichen Handelns? Gibt es solche Zeichen? – Was sind denn die Zeichen der unwillkürlichen Bewegung? Sie folgt befehlen nicht, wie die willkürliche Handlung. Es gibt ein “Komm her!”, “Geh dort hin!”, “Mach diese Armbewegung!”; aber nicht “Laß Dein Herz klopfen
1508 When a child stamps its feet and cries out of anger, who would say that it does so involuntarily? And why? Why does one assume that it does not do so involuntarily? What are the signs of voluntary action? Are there such signs? – What are the signs of involuntary movement? It does not follow commands, as voluntary action does. There is a “Come here!”, “Go there!”, “Make this arm movement!”; but not “Let your heart beat.
§Z
42[2]1509 Es gibt ein bestimmtes Zusammenspiel von Bewegungen, Worten, Mienen, wie den Äußerungen des Unwillens, oder der Bereitschaft, die die willkürlichen Bewegungen des normalen Menschen charakterisieren. Wenn man das Kind ruft, so kommt es nicht automatisch: Es gibt da, z.B. die Gebärde “Ich will nicht!” Oder das freudige Kommen, den Entschluß zu kommen, das Fortlaufen mit dem Zeichen der Furcht, die Wirkungen des Zuredens, alle die Reaktionen des Spiels, die Zeichen des Überlegens und seine Wirkungen.
1509 There is a certain interplay of movements, words, facial expressions, like the manifestations of unwillingness, or willingness, which characterize the voluntary movements of the normal person. If one calls the child, it does not come automatically: there is, for example, the gesture “I don’t want to!” Or the joyful coming, the decision to come, the running away with the sign of fear, the effects of persuasion, all the reactions of the game, the signs of consideration and its effects.
§Z
42[3]1511 Wie könnte ich mir beweisen, daß ich meinen Arm willkürlich bewegen kann? Etwa, indem ich mir sage “Ich werde ihn jetzt bewegen” und er sich nun bewegt? Oder soll ich sagen “Einfach, indem ich ihn bewege”? Aber wie weiß ich, daß ich's getan habe und er sich nicht nur durch Zufall bewegt hat? Fühle ich's am Ende doch? Und wie, wenn mich meine Erinnerung an frühere Gefühle täuschte, und es also gar nicht die richtigen Gefühle waren?! (Und welches sind die richtigen?) Und wie weiß denn der Andere, ob ich den Arm willkürlich bewegt habe? Ich werde ihm vielleicht sagen “Befiehl mir, welche Bewegung Du willst, und ich werde sie machen, um Dich zu überzeugen”. – Und was fühlst Du denn in Deinem Arm? “Nun, das Gewöhnliche.” Es ist nichts Ungewöhnliches an den Gefühlen, der Arm ist z.B. nicht gefühllos (wie wenn er ‘eingeschlafen’ wäre).
1511 How could I prove to myself that I can move my arm voluntarily? Perhaps by saying to myself “I will now move it” and it now moves? Or should I say “Simply by moving it”? But how do I know that I have done it and that it has not just moved by chance? Do I feel it in the end? And how, if my memory of past feelings deceives me, and so it was not the right feelings after all?! (And which are the right ones?) And how does the other person know whether I moved my arm voluntarily? I might say to him “Command me what movement you want, and I will make it in order to convince you”. – And what do you feel in your arm? “Well, the usual.” There is nothing unusual about the feelings; the arm is, for example, not numb (as if it ‘had fallen asleep’).
§Z
42[4]1512 Eine Bewegung meines Körpers, von der ich nicht weiß, daß sie stattfindet, oder stattgefunden hat, wird man unwillkürlich nennen. – Wie ist es aber, wenn ich bloß versuche ein Gewicht zu heben, eine Bewegung also nicht stattfindet? Wie wäre es, wenn Einer sich unwillkürlich anstrengte ein Gesicht zu heben? Unter welchen Umständen würde man dies Verhalten ‘unwillkürlich nennen?
1512 A movement of my body, of which I am not aware that it is taking place, or has taken place, will be called involuntary. – But what if I merely try to lift a weight, so that the movement does not take place? What if someone strained involuntarily to lift a face? Under what circumstances would one call this behaviour ‘involuntary’?
§Z
42[5]1513 Kann nicht die Ruhe ebenso willkürlich sein, wie Bewegung? Kann das Unterlassen der Bewegung nicht willkürlich sein? Welch besseres Argument gegen ein Innervationsgefühl?
1513 Can not rest be just as voluntary as movement? Can the omission of movement be voluntary? What better argument against an innervation sensation?
§Z
43[1]1517 Was für ein merkwürdiger Begriff ‘versuchen’, ‘trachten’ ist; was man alles ‘zu tun trachten’ kann! (Sich erinnern; ein Gewicht heben, aufmerken, an nichts denken.) Aber dann könnte man auch sagen: Was für ein merkwürdiger Begriff ‘tun’ ist! Welches sind die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen ‘Reden’ und ‘Denken’, zwischen ‘Reden’ und ‘zu sich selbst reden’. (Vergleiche die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Zahlenarten.)
1517 What a remarkable concept ‘trying’ or ‘endeavouring’ is; one can ‘endeavour to do’ so many things! (To remember; to lift a weight, to pay attention, to think of nothing.) But then one could also say: what a remarkable concept ‘doing’ is! What are the affinities between ‘speaking’ and ‘thinking’, between ‘speaking’ and ‘talking to oneself’? (Compare the affinities between the types of numbers.)
§Z
43[2]1518 Man zieht ganz andere Schlüsse aus er unwillkürlichen Bewegung, als aus der willkürlichen: das charakterisiert die willkürliche Bewegung.
1518 One draws quite different conclusions from involuntary movement than from voluntary movement: this characterizes voluntary movement.
§Z
43[3]1519 Aber wie weiß ich, daß diese Bewegung willkürlich war? – Ich weiß es nicht, ich äußere es.
1519 But how does one know that this movement was voluntary? – One doesn’t know it; one expresses it.
§Z
43[4]1520 “Ich ziehe so stark, als ich kann.” Wie weiß ich das? Sagt es mir mein Muskelgefühl? Die Worte sind ein Signal; und sie haben eine Funktion. Aber erlebe ich denn nichts? Erlebe ich denn nicht etwas? etwas Spezifisches? Ein spezifisches Gefühl der Anstrengung und des Nicht-weiter-könnens, des Anlangens an der Grenze? Freilich, aber diese Ausdrücke sagen nicht mehr, als “Ich ziehe so stark, als ich kann.”
1520 “I pull as hard as I can.” How do I know that? Does my muscle feeling tell me? The words are a signal; & they have a function. But do I not experience anything? Do I not experience something? something specific? A specific feeling of exertion & of not being able to go any further, of reaching the limit? Certainly, but these expressions do not say more than “I pull as hard as I can.”
§Z
43[5] &44[1]
(Denke auch daran: Manche Leute sagen, von dem und dem ‘gehe ein Fluidum aus’. – Daher fiel uns auch das Wort “Einfluß” ein.)
(Also, remember: Some people say that a fluid emanates from this and that. – Hence, the word “influence” occurred to us.)
§Z
44[2]662 Die Unvorhersehbarkeit des menschlichen Benehmens. Wäre sie nicht vorhanden, – würde man dann auch sagen, man könne nie wissen, was im Andern vorgeht?
662 The unpredictability of human behaviour. If it were not present, would one then also say that one could never know what is going on in the other person?
§Z
44[3]663 Aber wie wär's, wenn das menschliche Benehmen nicht unvorhersehbar wäre? Wie hat man sich das vorzustellen? (D.h.: wie auszumalen, welche Verbindungen anzunehmen?)
663 But what if human behaviour were not unpredictable? How is one to imagine that? (That is, how to conceive of which connections to assume?)
§Z
44[4]373 Eine der philosophisch gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise, daß wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.
373 One of the philosophically most dangerous ideas is, remarkably, that we think with the head, or in the head.
§Z
44[5]374 Die Idee vom Denken als einem Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum, gibt ihm etwas Okkultes.
374 The idea of thinking as a process in the head, in that completely separate space, gives it something occult.
§Z
44[6]372 Ist das Denken, sozusagen, ein spezifisch organischer Vorgang der Seele – gleichsam ein Kauen und Verdauen in der Seele? Kann man ihn dann durch einen anorganischen Vorgang ersetzen, der den gleichen Zweck erfüllt, sozusagen mit einer Prothese das Denken besorgen? Wie müßte man sich eine Denkprothese vorstellen?
372 Is thinking, so to speak, a specifically organic process of the mind – as it were, a kind of chewing & digesting within the mind? Could one then replace it with an inorganic process that serves the same purpose, perhaps performing thinking with a sort of prosthesis? How would one have to imagine a thinking prosthesis?
§Z
44[7] &45[1]
1571 Keine Annahme scheint mir natürlicher, als daß dem Assoziieren, oder Denken, kein Prozeß im Gehirn zugeordnet ist; so daß es also unmöglich wäre, aus Gehirnprozessen Denkprozesse abzulesen. Ich meine das so: Wenn ich rede, oder schreibe, so geht, nehme ich an, ein meinem gesprochenen oder geschriebenen Gedanken zugeordnetes System von Impulsen von meinem Gehirn aus. Aber warum sollte das System sich weiter in zentraler Richtung fortsetzen? Warum soll nicht, sozusagen, diese Ordnung aus dem Chaos entspringen? Der Fall wäre ähnlich dem – daß sich gewisse Pflanzenarten durch Samen vermehrten, so daß ein Same immer dieselbe Pflanzenart erzeugt, von der er erzeugt wurde, – daß aber nichts in dem Samen der Pflanze, die aus ihm wird, entspricht; so daß es unmöglich ist, aus den Eigenschaften, oder der Struktur des Samens auf die der Pflanze, die aus ihm wird, zu schließen, – daß man dies nur aus seiner Geschichte tun kann. So könnte also auch aus etwas ganz Amorphem ein Organismus, sozusagen ursachelos, werden; und es ist kein Grund, warum sich dies nicht mit unserem Gedanken, also mit unserem Reden oder Schreiben etc. wirklich so verhalten sollte.
1571 No assumption seems to me more natural than that associating, or thinking, is not associated with a process in the brain; so that it would thus be impossible to infer thought processes from brain processes. I mean it like this: When I speak or write, I assume that a system of impulses emanating from my brain is associated with my spoken or written thought. But why should this system continue in a central direction? Why shouldn't this order, as it were, emerge from chaos? The case would be similar to that of certain plant species reproducing by seeds, so that a seed always produces the same plant species from which it was produced, but that nothing in the seed of the plant that grows from it corresponds to it; so that it is impossible to infer the properties, or the structure of the plant that grows from it, from the properties or structure of the seed – that one can only do this from its history. Thus, an organism could also become, as it were, causelessly, from something completely amorphous; and there is no reason why this should not actually be the case with our thought, i.e. with our speaking or writing, etc.
§Z
45[2]1572 Es ist also wohl möglich, daß gewisse psychologische Phänomene physiologisch nicht untersucht werden können, weil ihnen physiologisch nichts entspricht.
1572 It is therefore probably possible that certain psychological phenomena cannot be investigated physiologically, because there is nothing physiological that corresponds to them.
§Z
45[3]1573 Ich habe diesen Mann vor Jahren gesehen; nun sehe ich ihn wieder, erkennen ihn, erinnere mich seines Namens. Und warum muß es nun für dies Erinnern eine Ursache in meinem Nervensystem geben? Warum muß irgendetwas, was immer, in irgendeiner Form dort aufgespeichert worden sein? Warum muß er eine Spur hinterlassen haben? Warum soll, es keine psychologische Gesetzmäßigkeit geben, der keine physiologische entspricht? Wenn das unsere Begriffe von der Kausalität umstößt, dann ist es Zeit, daß sie umgestoßen werden.
1573 I saw this man years ago; now I see him again, recognize him, remember his name. And why must there now be a cause for this remembering in my nervous system? Why must something, anything, have been stored there in some form? Why must it have left a trace? Why should there not be a psychological regularity to which no physiological one corresponds? If that overturns our concepts of causality, then it is time that they are overturned.
§Z
45[4]1574
Wenn man Kausalität zwischen psychologischen Erscheinungen zuläßt, die nicht physiologisch vermittelt ist, so denkt man damit das Eingeständnis eines nebelhaften Seelenwesens zu machen.
1574
If one allows causality between psychological phenomena that is not physiologically mediated, then one is thereby admitting the existence of a nebulous soul-essence.
§Z
45[5] &46[1]
1576 Denk Dir diese Erscheinung: Wenn ich will, daß jemand sich einen Text merkt, den ich ihm vorspreche, so daß jemand mir später wiederholen kann, muß ich ihm ein Papier und einen Bleistift geben; und während ich spreche, schreibt er Striche, Zeichen auf das Papier; soll er später den Text reproduzieren, so folgt er jenen Strichen mit den Augen und sagt den Text her. Ich nehme aber an, seine Aufzeichnung sei keine Schrift, sie hänge nicht durch Regeln mit den Worten des Textes zusammen; und doch kann er ohne diese Aufzeichnung den Text nicht reproduzieren; und wird an ihr etwas verändert, wird sie zum Teil zerstört, so bleibt er beim ‘Lesen’ stecken, oder spricht den Text unsicher, oder unzuverlässig, oder kann die Worte überhaupt nicht finden. – Das ließe sich doch denken! – Was ich die ‘Aufzeichnung’ nannte, wäre dann keine Wiedergabe des Textes, nicht eine Übersetzung sozusagen in einem anderen Symbolismus. Der Text wäre nicht in der Aufzeichnung niedergelegt. Und warum sollte er in unserem Nervensystem niedergelegt sein?
1576 Imagine this phenomenon: If I want someone to memorize a text that I read aloud to him, so that someone can later repeat it to me, I must give him paper and a pencil; and while I speak, he writes lines, signs on the paper; if he is later to reproduce the text, he follows those lines with his eyes and says the text. However, I assume that his record is not a script, it is not connected to the words of the text by rules; and yet he cannot reproduce the text without this record; and if something is changed in it, or it is partially destroyed, he gets stuck while ‘reading’, or speaks the text insecurely, or unreliably, or cannot find the words at all. – This could be imagined! – What I called the ‘record’ would then not be a representation of the text, not a translation in a different symbolism. The text would not be laid down in the record. And why should it be laid down in our nervous system?
§Z
46[2]1576 Warum soll nicht ein Naturgesetz einen Anfangs- und einen Endzustand eines Systems verbinden, den Zustand zwischen beiden aber übergehen? (Nur denke man nicht an Wirkung!)
1576 Why should not a natural law connect the initial and final state of a system, while allowing the state in between to pass? (Only, do not think of effect!)
§Z
46[3]1585 “Wie kommt es, daß ich den Baum aufrecht sehe, auch wenn ich meinen Kopf zur Seite neige, und also das Netzhautbild das eines schiefstehenden Baums ist?” Wie kommt es also, daß ich den Baum auch unter Umständen als einen aufrechten anspreche? – “Nun, ich bin mir der Neigung meines Kopfes bewußt, und bringe also die nötige Korrektur an der Auffassung meiner Gesichtseindrücke an.” –Aber heißt das nicht, Primäres mit Sekundärem verwechseln? Denk Dir, wir wüßten gar nichts von der inneren Beschaffenheit des Auges, – würde dies Problem überhaupt auftauchen? Wir bringen ja hier, in Wahrheit keine Korrekturen an, dies ist ja bloß eine Erklärung. Wohl – – aber da nun die Struktur des Auges einmal bekannt ist, – wie kommt es, daß wir so handeln, so reagieren? Aber muß es hier eine physiologische Erklärung geben? Wie, wenn wir sie auf sich beruhen lassen würden? – Aber so würdest Du doch nicht sprechen, wenn Du das Verhalten einer Maschine prüftest! – Nun, wer sagt, daß in diesem Sinne das Lebewesen, der tierische Leib, eine Maschine ist? – Das Vorurteil zugunsten des psycho-physischen Parallelismus ist eine Frucht primitiver Auffassungen unserer Begriffe. Denn wenn man Kausalität zwischen psychologischen Erscheinungen zuläßt, die nicht physiologisch vermittelt ist, so meint man damit die Existenz einer Seele neben dem Körper einzugestehen.
1585 “How is it that I see the tree upright, even when I tilt my head to the side, and thus the retinal image is that of a tilted tree?” How is it, therefore, that I also refer to the tree as an upright one under these circumstances? – “Well, I am aware of the tilt of my head, and therefore apply the necessary correction to my perception of visual impressions.” – But does that not mean confusing the primary with the secondary? Imagine that we knew absolutely nothing about the inner workings of the eye – would this problem even arise? We are, in truth, not applying any corrections here; this is merely an explanation. True – but since the structure of the eye is known, – how is it that we act, that we react in this way? But must there be a physiological explanation here? What if we simply let it be? – But that is not how you would speak if you were examining the behavior of a machine! – Well, who says that, in this sense, the living being, the animal body, is a machine? – The prejudice in favor of psycho-physical parallelism is a product of primitive conceptions of our concepts. For if one allows causality between psychological phenomena that are not physiologically mediated, then one is thereby admitting the existence of a soul alongside the body.
§Z
46[4]422 (Ich habe noch nie eine Bemerkung darüber gelesen, daß, wenn man eine Auge schließt und “nur mit einem Auge sieht”, man die Finsternis (Schwärze) nicht zugleich mit dem geschlossenen sieht.)
422 (I have never read an observation about the fact that if one closes one eye & “sees only with one eye”, one does not see the darkness (blackness) at the same time with the closed eye.)
§Z
46[4].2Die Grenzenlosigkeit des Gesichtsraumes ist am klarsten, wenn wir nichts sehn, bei vollständiger Dunkelheit.
The boundlessness of the field of vision is most evident when we see nothing, in complete darkness.
§Z
46[4].3Wie verhält es sich mit dem Blinden; kann ihm ein Teil der Sprache nicht erklärt werden? Oder vielmehr, nicht beschrieben werden?
How is it with the blind; can a part of language not be explained to him? Or rather, not be described to him?
§Z
47[1]Ein Blinder kann sagen, er sei blind und die Leute um ihn seien sehend. “Ja, aber meint er nicht doch etwas anderes mit den Worten ‘blind’ und ‘sehend’, als der Sehende?” Worauf beruht es, daß man das sagen will? Nun, wenn Einer nicht wüßte wie ein Leopard ausschaut, so könnte er doch sagen und verstehen “Dieser Ort ist sehr gefährlich, es gibt Leoparden dort”. Man würde aber doch vielleicht sagen, er weiß nicht, was ein Leopard ist, also nicht, oder nur unvollständig, was das Wort “Leopard” bedeutet, bis man ihm einmal ein solches Tier zeigt. Nun kommt es uns mit dem Blinden ähnlich vor. Sie wissen, so zu sagen, nicht, wie sehen ist. – Ist nun ‘Furcht nicht kennen’ analog dem ‘nie einen Leoparden gesehen haben’? Das will ich natürlich verneinen.
A blind person can say that he is blind and that the people around him can see. “Yes, but doesn’t he mean something else with the words ‘blind’ and ‘seeing’ than a person who can see?” What is it based on, that one wants to say this? Well, if someone didn’t know what a leopard looks like, he could still say and understand, “This place is very dangerous; there are leopards there.” But one might still say that he doesn’t know what a leopard is, i.e., not, or only incompletely, what the word “leopard” means, until one shows him such an animal. Now, it seems similar to us with the blind person. They, so to speak, don’t know what seeing is. – Is ‘not knowing fear’ analogous to ‘never having seen a leopard’? Of course, I want to deny that.
§Z
47[2]234 Könnte man denn nicht z.B. annehmen, daß er etwas Rotes sieht, wenn ich ihm auf den Kopf schlage? Es könnte das ja bei Sehenden einer Erfahrung entsprechen. Das angenommen, so ist er doch für das praktische Leben blind. D.h., er reagiert nicht wie der normale Mensch. Wenn aber jemand mit den Augen blind wäre, dagegen sich so benähme, daß wir sagen müßten, er sieht mit den Handflächen (dieses Benehmen ist leicht auszumalen), so würden wir ihm als Sehenden behandeln und auch die Erklärung des Wortes ‘rot’ mit dem Täfelchen würden wir hier für möglich halten.
234 Couldn’t one, for example, assume that he sees something red if I hit him on the head? It could correspond to an experience for those who can see. Assuming that, he is still blind for practical life. That is, he does not react like a normal person. But if someone were blind in his eyes, but behaved in such a way that we would have to say that he sees with his palms (this behaviour is easy to imagine), then we would treat him as someone who can see, and we would also consider the explanation of the word ‘red’ with the tablet to be possible here.
§Z
47[3] &48[1]
260 Du gibst jemanden ein Signal, wenn du dir etwas vorstellst; du benützt verschiedene Signale für verschiedene Vorstellungen. – Wie vereinbart ihr, was jedes Signal bedeuten soll?
260 One gives someone a signal when one imagines something; one uses different signals for different images. – How do you agree on what each signal is supposed to mean?
§Z
47[3] &48[1].2
Gehörsvorstellung, Gesichtsvorstellung, wie unterscheiden sie sich von den Empfindungen? Nicht durch “Lebhaftigkeit”. Vorstellungen [unreadable] belehren uns nicht über die Außenwelt, weder richtig noch falsch. (Vorstellungen sind nicht Halluzinationen, auch nicht Einbildungen.) Während ich einen Gegenstand sehe, kann ich ihn mir nicht vorstellen. Verschiedenheit der Sprachspiele: “Schau die Figur an!” und “Stell dir die Figur vor!” Vorstellung dem Willen unterworfen. Vorstellung nicht Bild. Welchen Gegenstand ich mir vorstelle, ersehe ich nicht aus der Ähnlichkeit des Vorstellungsbildes mit ihm. Auf die Frage “Was stellst du dir vor” kann man mit einem Bild antworten
Auditory image, visual image – how do they differ from sensations? Not through “vividness.” Images do not instruct us about the external world, neither correctly nor incorrectly. (Images are not hallucinations, nor are they delusions.) While I am seeing an object, I cannot imagine it. Difference of language-games: “Look at the figure!” & “Imagine the figure!” Image subject to the will. Image is not a picture. Which object I imagine, I do not determine from the similarity of the mental image with it. To the question “What are you imagining?” one can answer with a picture.
§Z
48[2]064 Man möchte sagen: Der vorgestellte Klang sei in einem andern Raum als der gehörte. Das Gesehene in einem andern Raum, als das Vorgestellte. (Frage: Warum?) Hören ist mit Hinhorchen verbunden; einen Klang sich vorstellen, nicht. Darum ist der gehörte Klang in einem andern Raum als der vorgestellte.
064 One would like to say: The imagined sound is in a different space than the heard sound. The seen thing is in a different space than the imagined thing. (Question: Why?) Hearing is associated with listening; imagining a sound, not. Therefore, the heard sound is in a different space than the imagined one.
§Z
48[3]065 Ich lese eine Geschichte und Stelle mir während des Lesens, also während des aufmerksamen Schauens alles mögliche vor.
065 I read a story and imagine all sorts of things while reading, i.e., while attentively looking.
§Z
48[4]066 Es könnte Leute geben, die nie den Ausdruck gebrauchen “etwas vor dem inneren Auge sehen”, oder einen ähnlichen; und diese könnten doch im Stande sein, ‘aus der Vorstellung’, oder nach der Erinnerung zu zeichnen, zu modellieren, andere Leute nachzuahmen, etc. Sie mögen auch, ehe sie etwas aus der Erinnerung zeichnen die Augen schließen, oder wie blind vor sich hinstarren. Und doch könnten sie leugnen, daß sie dann vor sich sehen, was sie später zeichnen. Aber wieviel müßte ich auf diese Äußerung geben? Ist nach ihr zu beurteilen, ob er eine Gesichtsvorstellung hat? Nicht nur danach. Denk an den Ausdruck: “Jetzt seh ich's vor mir – jetzt nicht mehr.” “Es gibt da eine echte Dauer.
066 There might be people who never use the expression “to see something with the inner eye,” or a similar one; and these could still be capable of ‘drawing from imagination,’ or from memory, modeling, imitating other people, etc. They may also close their eyes before drawing something from memory, or stare blankly as if blind. And yet they could deny that they then see in front of them what they will later draw. But how much weight should I give to this utterance? Is it possible to judge from it whether he has a visual image? Not only from that. Think of the expression: “Now I see it in front of me – now not anymore.” “There is a real duration there.
§Z
48[5]070 Der Zusammenhang zwischen Vorstellen und Sehen ist eng; eine Ähnlichkeit aber gibt es nicht.
070 The connection between imagining and seeing is close; but there is no similarity.
§Z
48[6]071 Die Sprachspiele mit den beiden Begriffen sind grundverschieden, – hängen zusammen.
071 The language-games with the two concepts are fundamentally different, but they are connected.
§Z
48[7]072 Unterschied: zwischen ‘trachten, etwas zu sehen’ – und ‘trachten, sich etwas vorzustellen’. Im ersten Fall sagt man etwa “Schau genau hin!”, im zweiten “Schließ die Augen!”
072 Difference: between ‘trying to see something’ – and ‘trying to imagine something’. In the first case, one says, for example, “Look closely!”, in the second, “Close your eyes!”
§Z
48[8]080 Weil die Vorstellung eine Willenshandlung ist unterrichtet sie uns eben nicht über die Außenwelt.
080 Because imagination is an act of will, it does not inform us about the external world.
§Z
48[9]Das Vorgestellte nicht im gleichen Raum wie das Gesehene. Sehen ist mit Schauen verbunden.
The imagined is not in the same space as the seen. Seeing is connected with looking.
§Z
49[1]077 “Sehen und Verstehen sind verschiedene Phänomene.” –Die Wörter “sehen” und “vorstellen haben verschiedene Bedeutung! Ihre Bedeutungen beziehen sich auf eine Menge wichtiger Arten und Weisen menschlichen Verhaltens, auf Phänomene des menschlichen Lebens.
077 “Seeing and understanding are different phenomena.” –The words “to see” and “to imagine” have different meanings! Their meanings relate to a range of important kinds of and ways of human behaviour, to phenomena of human life.
§Z
49[2]086 Sag dir wieder, wenn Einer darauf besteht, was er “Gesichtsvorstellung” nennt, sei ähnlich dem Gesichtseindruck: daß er sich vielleicht irrt! Oder: Wie, wenn er sich darin irrte? Das heißt: Was weißt du von der Ähnlichkeit seines Gesichtseindrucks und seiner Gesichtsvorstellung?! (Ich rede vom Andern, weil, was von ihm gilt, auch von mir gilt.) Was weißt du also von dieser Ähnlichkeit? Sie äußert sich nur in den Ausdrücken, die er zu gebrauchen geneigt ist; nicht in dem, was er mit diesen Ausdrücken sagt.
086 Tell yourself again that if someone insists that what he calls a “visual image” is similar to a visual impression: that he might be mistaken! Or: what if he is mistaken in this? That is to say: what do you know about the similarity between his visual impression & his visual image?! (I am talking about the other one because what applies to him also applies to me.) So, what do you know about this similarity? It manifests itself only in the expressions that he is inclined to use; not in what he says with these expressions.
§Z
49[2].2“Es ist gar kein Zweifel: die Gesichtsvorstellung und der Gesichtseindruck sind von derselben Art!” Das mußt du aus deiner eigenen Erfahrung wissen; und dann ist es also etwas, was für dich stimmen mag und für Andere nicht. (Und das gilt natürlich auch für mich, wenn ich es sage.)
“There is absolutely no doubt: the visual image & the visual impression are of the same kind!” One must know this from one’s own experience; & then it is something that may be true for oneself & not for others. (And this naturally also applies to me, if I say it.)
§Z
49[3]087 Wenn wir uns etwas vorstellen, beobachten wir nicht. Daß die Bilder kommen und vergehen geschieht uns nicht. Wir sind nicht überrascht von diesen Bildern und sagen “Sieh da …” (Gegensatz z.B. zu den Nachbildern.)
087 When we imagine something, we do not observe. That the images come and go does not happen to us. We are not surprised by these images and say “Look there…” (Contrast, for example, with afterimages.)
§Z
49[4]088 Wir ‘verscheuchen’ nicht Gesichtseindrücke, aber Vorstellungen. Und wir sagen von jenen auch nicht, wir könnten sie nicht verscheuchen.
088 We don’t ‘banish’ visual impressions, but images. And we also don’t say that we couldn’t banish them.
§Z
49[5]097 Wenn Einer wirklich sagte “Ich weiß nicht, sehe ich jetzt einen Baum, oder stelle ich mir einen vor”, so würde ich zunächst glauben, er meine: “oder bilde ich mir nur ein, es stehe dort einer”. Meint er das nicht, so könnte ich ihn überhaupt nicht verstehen – wollte mir aber jemand diesen Fall erklären und sagte “Er hat eben so außergewöhnlich lebhafte Vorstellungen, daß er sie für Sinneseindrücke halten kann” – verstünde ich's jetzt?
097 If someone really said “I don’t know, am I seeing a tree now, or am I imagining one,” I would first believe that he means: “or am I only imagining that there is one there.” If he does not mean that, then I could not understand him at all – but if someone were to explain this case to me and said “He simply has such extraordinarily vivid images that he can mistake them for sensory impressions” – would I understand it now?
§Z
50[1]099 Muß man aber hier nicht unterscheiden: a) sich, das Gesicht eines Freundes z.B. vorstellen, aber nicht Raum der mich umgibt – : sich an dieser Wand dort ein Bild vorstellen? Man könnte auf die Aufforderung “Stell dir dort drüben einen runden Fleck vor” sich einbilden, wirklich einen dort zu sehen.
099 But must one not distinguish here: a) imagining the face of a friend, for example, but not the space around me – : imagining a picture on this wall? One could imagine, in response to the request “Imagine a round spot over there,” actually seeing one there.
§Z
50[2]109 Das ‘Vorstellungsbild” tritt nicht dort ins Sprachspiel ein, wo man es vermuten möchte.
109 The ‘mental image’ does not enter the language-game where one might expect it.
§Z
50[3]110 Ich lerne den Begriff ‘sehen’ mit dem Beschreiben dessen, was ich sehe. Ich lerne beobachten und das Beobachtete beschreiben. Ich lerne den Begriff ‘vorstellen’ in einer andern Verbindung. Die Beschreibung des Gesehenen und des Vorgestellte sind allerdings von der selben Art, und eine Beschreibung könnte sowohl das eine, wie auch das Andere sein; aber sonst sind die Begriffe durchaus verschieden. Der Begriff des Vorstellens ist eher wie der eines Tuns, als eines Empfangens. Das Vorstellen könnte man einen schöpferischen Akt nennen. (Und nennt es ja auch so)
110 I learn the concept of ‘seeing’ by describing what I see. I learn to observe and describe what is observed. I learn the concept of ‘imagining’ in a different connection. The description of the seen and the imagined are, however, of the same kind, and a description could be both the one and the other; but otherwise the concepts are quite different. The concept of imagining is more like that of an action than of a reception. One could call imagining a creative act. (And indeed it is called that.)
§Z
50[4]111 “Ja, aber die Vorstellung selbst, so wie der Gesichtseindruck, ist doch das innere Bild und du redest nur von den Verschiedenheiten der Erzeugung, Entstehung, Behandlung des Bildes.” Die Vorstellung ist nicht ein Bild, noch ist der Gesichtseindruck eines. Weder ‘Vorstellung’ noch ‘Eindruck’ ist ein Bildbegriff, obwohl in beiden Fällen ein Zusammenhang mit einem Bild statt hat, und jedes Mal ein Anderer.
111 “Yes, but the image itself, just like the visual impression, is the inner picture and you are only talking about the differences in the creation, the origin, the treatment of the picture.” The image is not a picture, nor is the visual impression one. Neither ‘image’ nor ‘impression’ is a picture concept, although in both cases there is a connection with a picture, and each time a different one.
§Z
50[5]Was nennst du “Erlebnisinhalt” des Sehens, was “Erlebnisinhalt” der Verstellung?
What do you call the “content of experience” of seeing, and what the “content of experience” of pretending?
§Z
50[6]112 “Aber könnte ich mir nicht einen Erlebnisinhalt denken von der Art der visuellen Vorstellung, aber dem Willen nicht unterworfen, in dieser Beziehung also wie der Gesichtseindruck”? Was nennst Du “Erlebnisinhalt” des Sehens, was “Erlebnisinhalt” der Vorstellung?
112 “But could I not think of a content of experience of the kind of visual image, but not subject to the will, in this respect therefore like the visual impression”? What do you call the “content of experience” of seeing, what the “content of experience” of imagining?
§Z
51[1]122 (Daß man nämlich die Willenshandlung des Vorstellens nicht mit der Bewegung des Körpers vergleichen kann, ist klar; denn, ob die Bewegung stattgefunden hat, das zu beurteilen sind auch Andere befähigt; während es bei der Bewegung meiner Vorstellungen immer nur darauf ankäme, was ich zu sehen behaupte, – was immer irgend ein Anderer sieht. Es würden also die sich bewegenden wirklichen Gegenstände aus der Betrachtung herausfallen, da es auf sie gar nicht ankäme.)
122 “The fact is that the act of willing in imagining cannot be compared with the movement of the body; for, whether the movement has taken place, others are also capable of judging; while in the case of the movement of my images, it always comes down to what I claim to see – whatever it is that someone else sees. Thus, the actually moving objects would fall outside of the consideration, as they are not at all what matters.”
§Z
51[2]123 Sagte man also: “Vorstellungen sind innere Bilder, ähnlich, oder ganz so, wie meine Gesichtsempfindungen nur meinem Willen untertan” – so hätte das vorerst noch keinen Sinn. Denn wenn Einer zu berichten gelernt hat, was er dort sieht, oder was ihm dort zu sein scheint, so ist es doch nicht klar, was der Befehl bedeute, er solle jetzt das dort sehen, oder es solle ihm jetzt das dort zu sein scheinen.
123 So, one might say: “Images are internal pictures, similar to, or exactly like, my visual sensations, and subject only to my will” – but this would not yet make sense. For if one has learned to report what one sees there, or what seems to be the case there, then it is not clear what the command means, that one should now see that there, or that that should now seem to be the case there.
§Z
51[2].2“Durch den bloßen Willen bewegen” was heißt es? Etwa, daß die Vorstellungsbilder meinem Willen immer genau folgen, während meine zeichnende Hand, mein Bleistift, das nicht tut? Immerhin wäre es ja dann doch möglich zu sagen: “Für gewöhnlich stelle ich mir ganz genau vor, was ich will; heute ist es anders ausgefallen.” Gibt es denn ein ‘Mißlingen der Vorstellung’?
“To move [something] merely through will”—what does that mean? Does it mean that mental images always precisely follow my will, while my drawing hand, my pencil, does not? After all, it would still be possible to say: “Usually, I have a very clear mental image of what I want; today, it turned out differently.” Is there such a thing as a ‘failure of the mental image’?
§Z
51[3]136 Ein Sprachspiel umfaßt ja doch den Gebrauch mehrerer Wörter.
136 A language-game does, after all, encompass the use of several words.
§Z
51[4]137 Nichts kann falscher sein, als zu sagen, Sehen und Vorstellen seien verschiedene Tätigkeiten. Das ist, als sagte man, im Schach ziehen und verlieren seien verschiedene Tätigkeiten.
137 Nothing could be more false than to say that seeing and imagining are different activities. That is as if one were to say that moving in chess and losing are different activities.
§Z
51[5] &52[1]
138 Wenn wir als Kinder die Worte “sehen”, “schauen”, “vorstellen” gebrauchen lernen, so spielen dabei Willenshandlungen Befehle eine Rolle. Aber für jedes der drei Wörter eine andere. Das Sprachspiel “Schau!” und “Stell dir … vor!” – wie soll ich sie nur vergleichen? – Wenn wir jemand abrichten wollen, daß er auf den Befehl “schau …!” reagiert und dazu , daß er den Befehl “Stell dir … dir!” versteht, so müssen wir ihn doch offenbar ganz Anderes lehren. Reaktionen, die zu diesem Sprachspiel gehören, gehören zu jenen nicht. Ja, ein enger Zusammenhang der Sprachspiele ist natürlich da, aber eine Ähnlichkeit? – Stücke des Einen sind Stücken des Andern ähnlich, aber die ähnlichen Stücke sind nicht homolog.
138 When, as children, we learn to use the words “see,” “look,” “imagine,” acts of will and commands play a role. But for each of the three words, it is different. The language-game “Look!” and “Imagine…!” – how am I to compare them? If we want to train someone to react to the command “look…!” and to understand the command “Imagine…!” then we must obviously teach him something quite different. Reactions that belong to one language-game do not belong to the other. Yes, there is of course a close connection between the language-games, but is there a similarity? – Pieces of one are similar to pieces of the other, but the similar pieces are not homologous.
§Z
52[2]139 Ich könnte mir etwas Ähnliches für wirkliche Spiele denken.
139 I could imagine something similar for actual games.
§Z
52[3] &53[1]
185 Denken wir uns eine Variante des Tennisspiels: es wird in die Regeln dieses Spiels die aufgenommen, der Spieler habe sich bei gewissen Spielhandlungen das und das vorzustellen! (Der Zweck dieser Regel sei, das Spiel zu erschweren.) Der erste Einwand ist: man könne in diesem Spiel zu leicht schwindeln. Aber dem wird mit der Annahme begegnet, das Spiel werde nur von ehrlichen und zuverlässigen Menschen gespielt. Hier haben wir also ein Spiel mit innern Spielhandlungen. – Welcher Art ist nun die innere Spielhandlung, worin besteht sie? Darin, daß er – der Spielregel gemäß – sich … vorstellt. –Könnte man aber nicht auch sagen: Wir wissen nicht, welcher Art die innere Spielhandlung ist, die er der Regel gemäß ausführt; wir kennen nur ihr Äußerungen? Die innere Spielhandlung sei ein X, dessen Natur wir nicht kennen. Oder: Es gebe auch hier nur äußere Spielhandlungen: die Mitteilung der Spielregel und das, was man die ‘Äußerung des inneren Vorgangs’ nennt. – –Nun, kann man das Spiel nicht auf alle drei Arten beschreiben? Auch das mit dem ‘unbekannten’ X ist eine ganz mögliche Beschreibungsart. Der eine sagt, die sogenannte ‘innere’ Spielhandlung sei mit einer Spielhandlung im gewöhnlichen Sinne nicht vergleichbar – der Andre sagt, sie sei mit einer solchen vergleichbar – der Dritte: sie sei vergleichbar nur mit einer Handlung, die im Geheimen geschieht und die niemand kennt, als der Handelnde. Wichtig ist für uns, daß wir die Gefahren des Ausdrucks “innere Spielhandlung” sehen. Er ist gefährlich, weil er Verwirrung hervorruft.
185 Let us imagine a variation of the game of tennis: a rule is added to this game according to which the player must imagine something and something else during certain moves in the game! (The purpose of this rule is to make the game more difficult.) The first objection is: one could easily cheat in this game. But this is countered by the assumption that the game is only played by honest and reliable people. Here we have a game with internal moves. – What is the nature of the internal move, what does it consist of? In the fact that he – according to the rule of the game – imagines… – But could one not also say: We do not know what the nature of the internal move is that he performs according to the rule; we only know its manifestation? The internal move is an X, whose nature we do not know. Or: there are only external moves here too: the communication of the rule of the game and what one calls the ‘manifestation of the internal process’. – – Well, can one not describe the game in all three ways? Even the one with the ‘unknown’ X is a perfectly possible way of describing it. One says that the so-called ‘internal’ move is not comparable to a move in the ordinary sense – the other says that it is comparable to such a move – the third: it is only comparable to an action that takes place in secret and that no one knows except the actor. What is important for us is that we see the dangers of the expression “internal move”. It is dangerous because it causes confusion.
§Z
53[2]1798 Erinnerung: “Ich sehe uns noch an jenem Tisch sitzen”. – Aber habe ich wirklich das gleiche Gesichtsbild – oder eines von denen, welche ich damals hatte? Sehe ich auch gewiß den Tisch und meinen Freund vom gleichen Gesichtspunkt wie damals also mich selbst nicht? – –Mein Erinnerungsbild ist nicht Evidenz jener vergangenen Situationen; wie eine Photographie es wäre die, damals aufgenommen, mir jetzt bezeugt, daß es damals so war. Das Erinnerungsbild und die Erinnerungsworte stehen auf gleicher Stufe.
1798 Memory: “I still see us sitting at that table.” – But do I really have the same mental image – or one of the ones I had back then? Do I also see the table and my friend from the same perspective as back then, and therefore not myself? – My memory-image is not evidence of those past situations; it is as if a photograph, taken at the time, now testifies to me that it was so at the time. The memory-image and the memory-words are on the same level.
§Z
53[3]186 Das Achselzucken, Kopfschütteln, Nicken, u.s.f., nennen wir Zeichen vor allem darum, weil sie in dem Gebrauch unsrer Wortsprache eingebettet sind.
186 Let us call shrugging, head-shaking, nodding, etc., signs, primarily because they are embedded in the use of our word-language.
§Z
53[4]54 Wenn man es für selbstverständlich hält, daß der Mensch sich an seiner Phantasie vergnügt, so bedenke man, daß die Phantasie nicht einem gemalten Bild, einer Plastik, oder einem Film entspricht, sondern einem komplexen Gebilde aus heterogenen Bestandteilen – Zeichen und Bildern.
54 If one assumes that people enjoy their imagination, one should consider that the imagination does not correspond to a painted picture, a sculpture, or a film, but to a complex structure made up of heterogeneous components – signs and pictures.
§Z
53[5]425 Manche Menschen erinnern sich an ein musikalisches Thema in der Weise, daß das Notenbild vor ihnen auftaucht und sie es herunterlesen. Es wäre denkbar, daß, was wir “Erinnern” bei einem Menschen nennen, darin bestünde, daß er sich im Geiste ein Buch nachschlagen sähe, und daß, was er in diesem Buch liest, eben das Erinnerte wäre. (Wie reagiere ich auf eine Erinnerung?)
425 Some people remember a musical theme in such a way that the musical notation appears before them and they read it down. It would be conceivable that what we call “remembering” in a person consists in their imagining themselves looking up a book in their mind, and that what they read in this book is precisely what is remembered. (How do I react to a memory?)
§Z
53[6]648 Kann man ein Erinnerungserlebnis beschreiben? – Gewiß. – Aber kann man das Erinnerungshafte an diesem Erlebnis beschreiben? Was heißt das?
648 Can one describe a memory-experience? – Certainly. – But can one describe the quality of being a memory in this experience? What does that mean?
§Z
53[7] &54[1]
1394 “Ein Bild (Vorstellungsbild, Erinnerungsbild) der Sehnsucht”. Man denkt, man habe schon alles damit getan, daß man von einem ‘Bild’ redet; denn die Sehnsucht ist eben ein Bewußtseinsinhalt, und dessen Bild ist etwas, was ihm (sehr) ähnlich ist, wenn auch undeutlicher als das Original. Und man könnte ja wohl von Einem, der die Sehnsucht auf dem Theater spielt, sagen, er erlebe, oder habe, ein Bild der Sehnsucht: nämlich nicht als Erklärung seines Handelns, sondern zu seiner Beschreibung.
1394 “A picture (mental image, memory-image) of longing.” One thinks one has done everything by simply talking about a ‘picture,’ because longing is precisely a content of consciousness, and its picture is something that is (very) similar to it, although less distinct than the original. And one could say of someone who plays out longing in the theater that he experiences, or has, a picture of longing: namely, not as an explanation of his actions, but as a description of them.
§Z
54[2]1559 Sich eines Gedankens schämen. Schämt man sich dessen, daß man den und den Satz zu sich selbst in der Vorstellung gesprochen hat? Die Sprache hat eben eine vielfache Wurzel; sie hat Wurzeln, nicht eine Wurzel. Sich eines Gedankens, einer Absicht erinnern. Keim.
1559 To be ashamed of a thought. Is one ashamed of having spoken that and that sentence to oneself in one’s imagination? Language has a multiple origin; it has roots, not one root. To remember a thought, an intention. Seed.
§Z
54[3]350 “Es schmeckt genau wie Zucker”. Wie kommt es, daß ich dessen so sicher sein kann? Aber auch, wenn es sich dann als falsch herausstellt. – Und was erstaunt mich daran? Daß ich den Begriff Zucker in eine so feste Verbindung mit der Geschmacksempfindung bringe. Daß ich die Substanz Zucker direkt im Geschmack zu erkennen scheine. Aber statt des Ausdrucks “Es schmeckt genau …” könnte ich ja primitiver “Zucker!” ausrufen. Und kann man denn sagen, bei dem Wort ‘schwebe mir die Substanz Zucker vor’? wie tut sie das?
350 “It tastes exactly like sugar.” How does it come about that I can be so sure of that? But also, even if it turns out to be false. – And what surprises me about that? That I bring the concept of sugar into such a firm connection with the sensation of taste. That I seem to be able to recognize the substance sugar directly in the taste. But instead of the expression “It tastes exactly…”, I could simply exclaim “Sugar!” And can one say that the substance sugar is present in my mind when I say that? How does it do that?
§Z
54[4]351 Kann ich sagen, dieser Geschmack brächte gebieterisch den Namen “Zucker” mit sich; oder aber das Bild eines Stücks Zucker? Keines von beiden scheint richtig. Ja, gebieterisch ist das Verlangen nach dem Begriff ‘rot’, wenn wir ihn zur Beschreibung des Gesehenen verwenden.
351 Can I say that this taste imperatively brings the name “sugar” with it; or perhaps the image of a piece of sugar? Neither of these seems right. Yes, imperatively, the desire for the concept of ‘red’ is present when we use it to describe what we see.
§Z
54[5] &55[1]
352 Ich erinnere mich, daß Zucker so geschmeckt hat. Es kommt mir das Erlebnis zurück ins Bewußtsein. Aber freilich: wie weiß ich, daß es das frühere Erlebnis ist? Das Gedächtnis hilft mir da nicht mehr. Nein, diese Worte, das Erlebnis komme zurück …, sind nur eine Umschreibung, keine Erklärung des Erinnerns. Aber wenn ich sage “Es schmeckt genau wie Zucker”, so findet in einem wichtigen Sinne gar kein Erinnern statt. Ich begründe also mein Urteil, oder meinen Ausruf, nicht. Wer mich fragt, “Was meinst du mit ‘Zucker’?” – dem werde ich allerdings ein Stück Zucker zu zeigen trachten. Und wer fragt “Wie weißt du, daß Zucker so schmeckt”, werde ich allerdings antworten “ich habe tausende Male Zucker gegessen” – aber das ist nicht eine Rechtfertigung, die ich mir selbst gebe.
352 I remember that sugar tasted like that. The experience comes back into my consciousness. But of course: how do I know that it is the earlier experience? Memory no longer helps me with that. No, these words, that the experience comes back…, are only a paraphrase, not an explanation of remembering. But if I say “It tastes exactly like sugar,” then in an important sense, no remembering takes place at all. I therefore do not base my judgment, or my exclamation, on anything. If someone asks me, “What do you mean by ‘sugar’?” – I will, of course, try to show him a piece of sugar. And if someone asks “How do you know that sugar tastes like that,” I will, of course, answer “I have eaten sugar thousands of times” – but that is not a justification that I give to myself.
§Z
55[2]345 “Es schmeckt wie Zucker.” Man erinnert sich genau und mit Sicherheit wie Zucker schmeckt. Ich sage nicht “Ich glaube, so schmeckt Zucker.” Welch merkwürdiges Phänomen. Eben das Phänomen des Gedächtnisses. – Aber ist es richtig, es ein merkwürdiges Phänomen zu nennen? Es ist ja nichts weniger als merkwürdig. Jene Sicherheit ist ja nicht (um ein Haar) merkwürdiger, als es die Unsicherheit wäre. Was ist denn merkwürdig? Das, daß ich mit Sicherheit sage “Das schmeckt wie Zucker”? oder, daß es dann wirklich Zucker ist? Oder, daß Andere dasselbe finden? Wenn das sichere Erkennen des Zuckers merkwürdig ist, so wäre es also das Nichterkennen weniger.
345 “It tastes like sugar.” One remembers exactly and with certainty how sugar tastes. I do not say, “I think sugar tastes like that.” What a remarkable phenomenon. Precisely the phenomenon of memory. – But is it correct to call it a remarkable phenomenon? It is, in fact, anything but remarkable. This certainty is not (by a hair's breadth) more remarkable than the uncertainty would be. What, after all, is remarkable? The fact that I say with certainty, “It tastes like sugar”? Or that it is actually sugar? Or that others find the same? If the certain recognition of sugar is remarkable, then the failure to recognize it would be even less so.
§Z
55[3]582 “Welcher seltsame und furchtbare Laut. Ich werde ihn nie vergessen.” Und warum sollte man das nicht vom Erinnern sagen können (“Welche seltsame … Erfahrung …”), wenn man zum ersten Mal in die Vergangenheit gesehen hat? –
582 “What a strange and terrible sound. I will never forget it.” And why should one not be able to say this about remembering (“What a strange … experience …”) when one has, for the first time, looked into the past? –
§Z
55[4]591 Erinnern: ein Sehen in die Vergangenheit. Träumen könnte man so nennen, wenn es uns Vergangenes vorführt. Nicht aber Erinnern; denn auch wenn es uns Szenen mit halluzinatorischer Klarheit zeigte, so lehrt es uns doch erst, daß dies das Vergangene sei.
591 Remembering: a seeing into the past. One might call dreaming that, if it were to present past events to us. But not remembering; for even if it showed us scenes with hallucinatory clarity, it still teaches us that this is the past.
§Z
55[5]592 Aber wenn uns nun das Gedächtnis die Vergangenheit zeigt, wie zeigt es uns, daß es die Vergangenheit ist? Es zeigt uns eben nicht die Vergangenheit. So wenig, wie unsere Sinne die Gegenwart.
592 But if memory now shows us the past, how does it show us that it is the past? It does not show us the past, any more than our senses show us the present.
§Z
56[1]593 Man kann auch nicht sagen, sie teile uns die Vergangenheit mit. Denn selbst, wäre das Gedächtnis eine hörbare Stimme, die zu uns spräche, – wie könnten wir sie verstehen? Sagt sie uns z.B. “Gestern war schönes Wetter”, wie kann ich lernen, was “gestern” bedeutet?
593 One cannot say that it shares the past with us. For even if memory were an audible voice that spoke to us, how could we understand it? If it told us, for example, “Yesterday the weather was nice,” how can I learn what “yesterday” means?
§Z
56[2]594 Ich führe mir selbst nur so etwas vor, wie ich es auch den Andern vorführe.
594 I merely demonstrate to myself in the same way that I demonstrate it to others.
§Z
56[3]595 Ich kann dem Andern mein gutes Gedächtnis vorführen, und auch mir selbst vorführen. Ich kann mich selbst ausfragen.
595 I can demonstrate my good memory to another, and I can also demonstrate it to myself. I can question myself.
§Z
56[4]596 Aber wie führe ich mir das Erinnern vor? Nun, ich frage mich “Wie verbrachte ich den heutigen Morgen?” und antworte mir darauf. – Aber was habe ich mir nun eigentlich vorgeführt? War es das Erinnern? nämlich, wie das ist, sich an etwas erinnern? – Hätte ich denn damit einem Andern das Erinnern vorgeführt?
596 But how do I demonstrate remembering to myself? Well, I ask myself, “How did I spend this morning?” and answer the question myself. — But what exactly did I demonstrate to myself? Was it remembering? namely, what it is to remember something? — Could I have demonstrated remembering to someone else with it?
§Z
56[5]98 Die Bedeutung eines Wortes vergessen – sich wieder an sie erinnern. Was für Vorgänge gibt es da? An was erinnert man sich, was fällt einem da ein, wenn man sich wieder daran erinnert, was das englische Wort “perhaps” bedeutet.
98 Forgetting the meaning of a word – remembering it again. What processes are involved? What does one remember, what comes to mind, when one remembers what the English word “perhaps” means?
§Z
56[6]Wenn man mich fragt: “Weißt du das ABC?” und ich jetzt im Geist das ABC durchgehe, oder in einem besondern Gemütszustand bin, der irgendwie dem Hersagen des ABC äquivalent ist.
If someone asks me, “Do you know the ABCs?” and I now run through the ABCs in my mind, or I am in a particular state of mind that is somehow equivalent to reciting the ABCs.
§Z
56[7]269 Wie lehrt man jemand, leise für sich selbst lesen? Wie weiß man, wenn er's kann? Wie weiß er selbst, daß er tut, was man von ihm verlangt?
269 How does one teach someone to read silently to himself? How does one know if he can do it? How does he himself know that he is doing what is expected of him?
§Z
56[8]167 Man kann doch einen Spiegel besitzen; besitzt man dann auch das Spiegelbild, das sich in ihm zeigt?
167 One can possess a mirror; does one then also possess the reflection that is shown in it?
§Z
56[9]Etwas sagen ist eine Tätigkeit. Geneigt sein, etwas zu sagen, ein Zustand. “Aber worin besteht der?” –Gib Dir darüber Rechenschaft, wie der Ausdruck verwendet wird!
Saying something is an act. Being inclined to say something is a state. “But what does that consist of?” – Explain how the expression is used!
§Z
57[1]85 “Solange die Temperatur des Stabes nicht unter … herabsinkt, kann man ihn schmieden”. Es hat also Sinn zu sagen: “ich kann ihn von 5 bis 6 Uhr schmieden”. Oder: “Ich kann von 5 bis 6 Schach spielen”, d.h. ich habe von 5 bis 6 Zeit. – “Solange mein Puls nicht unter … herabsinkt, kann ich die Rechnung ausführen.” Diese Rechnung braucht 1 1/2 Minuten; wielange braucht es aber: sie ausführen können? Und wenn du sie eine Stunde lang rechnen kannst, fängst du da immer wieder von Frischen an?
85 “As long as the temperature of the rod does not drop below…, one can forge it.” It therefore makes sense to say: “I can forge it from 5 to 6 o’clock.” Or: “I can play chess from 5 to 6,” that is, I have time from 5 to 6. – “As long as my pulse does not drop below…, I can perform the calculation.” This calculation takes 1 1/2 minutes; how long does it take, however, to be able to perform it? And if you can perform it for an hour, do you always start fresh?
§Z
57[2]511 Die Aufmerksamkeit ist dynamisch, nicht statisch – möchte man sagen. Ich vergleiche das Aufmerken zuerst mit einem Hinstarren: das ist es aber nicht, was ich Aufmerksamkeit nenne; und will nun sagen, ich finde, man könne nicht statisch aufmerken.
511 Attention is dynamic, not static – one might say. I first compare paying attention to staring: but that is not what I call attention; and now I want to say that one cannot pay attention statically.
§Z
57[3]519 Wenn ich in einem bestimmten Falle sage: die Aufmerksamkeit besteht in der Bereitschaft, jeder kleinsten Bewegung, die sich zeigen mag, zu folgen, – so siehst du schon, daß die Aufmerksamkeit nicht das starre Hinschauen ist, sondern ein Begriff anderer Art.
519 If, in a particular case, I say that attention consists in being ready to follow every smallest movement that may appear, then you can already see that attention is not rigid staring, but a concept of another kind.
§Z
57[4]81 Zustände: ‘Einen Berg ersteigen können’ kann man einen Zustand meines Körpers nennen. Ich sage: “Ich kann hinaufsteigen – ich meine: ich bin stark genug dazu”. Vergleiche damit diesen Zustand des Könnens: “Ja, ich kann dorthin gehen – ich meine: ich habe Zeit dazu.”
81 States: ‘Being able to climb a mountain’ can be called a state of my body. I say: “I can climb it – I mean: I am strong enough to do so.” Compare this with this state of being able: “Yes, I can go there – I mean: I have time for it.”
§Z
58[1]60 Welche Rolle spielen falsche Satze in einem Sprachspiel? Ich glaube, es gibt verschiedene Fälle. 1.) Einer hat die Signallaternen an einer Straßenkreuzung zu beobachten und einem Andern zu sagen, welche Farben sie zeigen. Er verspricht sich dabei und sagt die falsche Farbe. 2.) Es werden meteorologische Beobachtung gemacht und nach gewissen Regeln aus ihnen das Wetter für den nächsten Tag vorhergesagt. Die Vorhersage trifft ein, oder nicht. Im ersten Fall kann man sagen, er spielt falsch; im zweiten nicht – wie ich seinerzeit glaubte. Man wird hier (nämlich) von einer Frage geplagt, die etwa so lautet: Gehört die Verifikation noch (mit) zum Sprachspiel?
60 What role do false sentences play in a language-game? I believe there are various cases. 1.) One observes the traffic lights at an intersection & tells another what colors they are showing. He makes a mistake & says the wrong color. 2.) Meteorological observations are made, & predictions about the weather for the next day are made from them according to certain rules. The prediction is correct, or it is not. In the first case, one can say that he is playing the game incorrectly; in the second, not – as I believed at the time. One is here (namely) plagued by a question that is roughly as follows: Does verification still (also) belong to the language-game?
§Z
58[2]104 Ich behaupte: “Wenn dies eintrifft, so wird das eintreffen. Habe ich darin Recht, so zahlst du mir ‥‥, habe ich Unrecht, so zahle ich dir ‥‥, bleibt es unentschieden, zahlt keiner.” Das könnte man so ausdrücken: Der Fall, in welchem die Prämisse nicht eintrifft, interessiert uns nicht, wir reden nicht von ihm. Oder auch: es ist uns hier nicht natürlich, die Wörter “ja” und “nein” so zu gebrauchen, wie in dem Falle (und diesen gibt es) in welchem uns die materielle Implikation interessiert. Mit “Nein” wollen wir hier sagen “p & nicht q”, mit “Ja” nur “p & q.” Es gibt keinen Satz vom ausgeschlossenen Dritten, der so lautet: Du gewinnst die Wette, oder verlierst sie – ein Drittes gibt es nicht.
104 I claim: “If this happens, then that will happen. If I am right, you pay me ‥‥, if I am wrong, I pay you ‥‥, if it is undecided, neither of us pays.” This could be expressed as follows: The case in which the premise does not happen does not interest us; we do not talk about it. Or also: It is not natural for us here to use the words “yes” and “no” in the same way as in the case (and there is such a case) in which we are interested in material implication. With “No,” we want to say “p & not q,” and with “Yes,” only “p & q.” There is no sentence of the excluded third that says this: You win the bet, or you lose it – there is no third possibility.
§Z
58[3]1607 Einer wirft im Würfelspiel 5, dann 4 und sagt “Hätte ich bloß statt der 5 eine 4 geworfen, so hätte ich gewonnen”. Die Bedingtheit ist nicht physikalisch, sondern nur mathematisch, denn man könnte antworten: “Hättest Du zu erst 4 geworfen, – wer weiß, was Du danach geworfen hättest!“
1607 In a game of dice, someone rolls a 5, then a 4, and says, “If I had only rolled a 4 instead of a 5, I would have won.” The condition is not physical, but only mathematical, because one could answer: “If you had rolled a 4 first, who knows what you would have rolled afterward!”
§Z
58[4]1608 Sagst Du nun “Die Verwendung des Konjunktivs beruht auf dem Glauben an ein Naturgesetz”– so kann man entgegnen: “Sie beruhen nicht auf diesem Glauben; sie und dieser Glaube stehen auf gleicher Stufe.” (Ich hörte im Film einen Vater zu seiner Tochter sagen, er hätte eine Andre zur Frau nehmen sollen: “Sie hätte deine Mutter sein sollen”! (Warum ist das unrichtig?)
1608 If you now say that “the use of the subjunctive is based on the belief in a law of nature,” then one can reply: “It does not rest on this belief; it and this belief are on the same level.” (I heard a father say to his daughter in a movie that he should have married someone else: “She should have been your mother!” (Why is that wrong?)
§Z
59[1]1609 Das Schicksal steht im Gegensatz zum Naturgesetz. Das Naturgesetz will man ergründen, und verwenden, das Schicksal nicht.
1609 Fate is the opposite of a law of nature. One wants to understand and use the law of nature, but not fate.
§Z
59[2]730 “Wenn p eintritt, so trifft q ein” könnte man eine bedingte Vorhersage nennen. D.h.: für den Fall nicht-p mache ich keine Vorhersage. Aber darum wird, was ich sage, durch “nicht-p & nicht-q” auch nicht wahrgemacht. Oder auch so: es gibt bedingte Vorhersagen, und “p impliziert q” ist keine solche. ((Zu Bd.Q. S.14)).
730 “If p happens, then q happens” could be called a conditional prediction. That is: in the case of not-p, I make no prediction. But that does not mean that what I say is made true by “not-p & not-q.” Or also this: there are conditional predictions, and “p implies q” is not one of them. ((Ref. to Vol. Q, p. 14)).
§Z
59[3]731 Den Satz “Wenn p eintrifft, so trifft q ein”. Will ich “S” nennen. –“S oder nicht-S” ist eine Tautologie: (aber) ist es auch der Satz vom ausgeschlossenen Dritten? – Oder auch so: Wenn ich sagen will, daß die Vorhersage “S” richtig, falsch, oder unentschieden sein kann, wird das durch den Satz ausgedrückt “nicht (S oder nicht-S)”?
731 Let me call the sentence “If p happens, then q happens” “S.” “S or not-S” is a tautology: (but) is it also the sentence of the excluded third? Or also like this: If I want to say that the prediction “S” can be correct, false, or undecided, is that expressed by the sentence “not (S or not-S)”?
§Z
59[4]73 Ist die Verneigung eines Satzes identisch mit der Disjunktion der nicht ausgeschlossenen Fälle? Sie ist es in manchen Fällen. (Z.B. in diesem: “Die Permutation der Elemente A. B. C. die er anschrieb, war nicht ACB.”)
73 Is the negation of a sentence identical with the disjunction of the non-excluded cases? It is in some cases. (E.g., in this: “The permutation of the elements A, B, C that he wrote down was not ACB.”)
§Z
59[5]23 Der wichtige Sinn des Fregeschen Behauptungszeichens wird vielleicht am besten dadurch gefaßt, daß wir sagen; es bezeichnet deutlich den Anfang des Satzes. Das ist wichtig: denn unsere philosophischen Schwierigkeiten, das Wesen der ‘Negation’ und das ‘Denkens’ betreffend, hängen damit Zusammen daß ein Satz “⊢ nicht p”, oder “⊢ ich glaube p”, wohl den Satz “p” enthält, aber nicht “⊢p”. (Denn wenn ich jemand sagen höre: “es regnet”, so weiß ich nicht, was er gesagt hat, wenn ich nicht weiß, ob ich den Anfang des Satzes gehört habe.)
23 Perhaps the important sense of Frege’s assertion sign is best grasped by saying: it clearly designates the beginning of the sentence. That is important: for our philosophical difficulties, concerning the nature of ‘negation’ and ‘thinking’, are connected with the fact that a sentence “⊢ not p”, or “⊢ I believe p”, certainly contains the sentence “p”, but not “⊢p”. (For if I hear someone say: “it is raining”, I do not know what he said, if I do not know whether I have heard the beginning of the sentence.)
§Z
60[1]575 Ein Widerspruch verhindert mich, im Sprachspiel zur Tat zu kommen.
575 A contradiction prevents me from carrying out an act in the language-game.
§Z
60[2]576 Nehmen wir aber an, das Sprachspiel bestünde eben darin, mich fortwährend von einem Entschluß in den entgegengesetzten zu werfen!
576 But suppose the language-game consisted precisely in throwing me again and again from one decision into the opposite one!
§Z
60[3]577 Der Widerspruch ist nicht als Katastrophe aufzufassen, sondern als eine Mauer, die uns anzeigt, daß wir hier nicht weiter können.
577 The contradiction is not to be understood as a catastrophe, but as a wall that shows us that we cannot go any further here.
§Z
60[4]579 Ich möchte nicht so sehr fragen “Was müssen wir tun, um einen Widerspruch zu vermeiden?”, als “Was sollen wir tun, wenn wir zu einem Widerspruch gelangt sind?”
579 I do not want to ask so very much “What must we do to avoid a contradiction?”, but rather “What should we do if we arrive at a contradiction?”
§Z
60[5]580 Warum ist ein Widerspruch mehr zu fürchten, als eine Tautologie?
580 Why is a contradiction more to be feared than a tautology?
§Z
60[6]581 Unser Motto könnte sein: “Lassen wir uns nicht behexen!”
581 Our motto could be: “Let us not be bewitched!”
§Z
60[7]“Der Kretische Lügner”. Statt zu sagen “ich lüge”, könnte er auch hinschreiben “dieser Satz ist falsch”. Die Antwort darauf wäre: “Wohl, aber welchen Satz meinst Du?” – “Nun, diesen Satz.” – “Ich verstehe, aber von welchem Satz ist in ihm die Rede?” – “Von diesem.” – “Gut, und auf welchen Satz spielt dieser an?” u.s.w.. Er könnte uns so nicht erklären, was er meint, ehe er zu einem kompletten Satz übergeht. – Man kann auch sagen: Der fundamentale Fehler liegt darin, daß man denkt, ein Wort, z.B. “dieser Satz”, könne auf seinen Gegenstand gleichsam anspielen (aus der Entfernung hindeuten), ohne ihn vertreten zu müssen.
“The Cretan Liar.” Instead of saying “I am lying”, he could also write down “this sentence is false”. The answer to that would be: “Yes, but which sentence do you mean?” – “Well, this sentence.” – “I understand, but of which sentence is it speaking?” – “Of this.” – “Good, and to which sentence does this refer?” etc. He could not explain to us what he means until he passes over to a complete sentence. – One can also say: the fundamental mistake lies in the fact that one thinks that a word, e.g. “this sentence”, can, as it were, point to its object (indicate it from a distance) without having to represent it.
§Z
60[8]572 Stellen wir, uns die Frage: Welchem praktischen Zweck kann Russell's Theorie der Typen dienen? – R. macht uns drauf aufmerksam, daß wir manchmal den Ausdruck der Allgemeinheit einschränken müssen, um zu vermeiden, daß unerwünschte Konsequenzen aus ihm gezogen werden.
572 Let us ask the question: What practical purpose can Russell’s theory of types serve? – R. draws our attention to the fact that we sometimes have to restrict the expression of generality in order to avoid undesirable consequences being drawn from it.
§Z
60[9] &61[1]
470 Das Raisonnement, das zu einem endlosen Regreß führt ist nicht darum aufzugeben, ‘weil wir so nie das Ziel erreichen können’, sondern, weil es hier ein Ziel nicht gibt; sodaß er gar keinen Sinn hat, zu sagen “wir können es nicht erreichen”. Wir meinen leicht, wir müßten den Regreß ein paar Stufen weit durchlaufen und ihn dann sozusagen in Verzweiflung aufgeben. Während seine Ziellosigkeit (das Fehlen des Zieles im Kalkül) aus der Anfangsposition zu entnehmen ist.
470 The reasoning that leads to an endless regress is not to be given up ‘because we can never reach the goal’, but because there is no goal here; so it makes no sense to say “we cannot reach it”. We easily think that we must go through the regress for a few steps and then, as it were, give it up in desperation. Whereas its aimlessness (the lack of a goal in the calculus) can be seen from the starting position.
§Z
61[2]1764 Eine Variante des Cantor'schen Diagonalbeweises: N = F (k,n) sei die Form der Gesetze für die Entwicklung von Dezimalbrüchen. N ist die n-te Dezimalstelle der k-ten Entwicklung. Das Gesetz der Diagonale ist dann: N = F (n,n) ≝ F'(n). Zu beweisen ist, daß F'n nicht eine der Regeln F(k,n) sein kann. Angenommen, es sei die 100ste. Dann lautet die Regel zur Bildung von F'(1) F(1,1) von F'(2) F(2,2) etc.
aber die Regel zur Bildung der 100sten Stelle von F'(n) wird F(100,100); D.h., sie sagt uns nur, daß die 100ste Stelle sich selber gleich sein soll, ist also für n = 100 keine Regel. Die Spielregel lautet “Tu das Gleiche, wie …!” – und im besondern Fall wird sie nun “Tu das Gleiche, wie das, was Du tust!”
1764 A variant of Cantor’s diagonal proof: let N = F(k,n) be the form of the laws for the development of decimal fractions. N is the n-th decimal place of the k-th development. The law of the diagonal is then: N = F(n,n) ≝ F'(n). It is to be proved that F'n cannot be one of the rules F(k,n). Suppose it is the 100th. Then the rule for the formation of F'(1) is F(1,1), of F'(2) is F(2,2), etc.
but the rule for the formation of the 100th place of F'(n) is F(100,100); that is, it only tells us that the 100th place should be equal to itself, so for n = 100 it is no rule. The rule of the game is “Do the same as…!” – and in the particular case it now becomes “Do the same as what you do!”
§Z
61[3]665 Das Verstehen der mathematischen Frage. Wie wissen wir, ob wir eine mathematische Frage verstehen? Eine Frage – kann man sagen – ist ein Auftrag. Und einen Auftrag verstehen, heißt: wissen, was man zu tun hat. Ein Auftrag kann natürlich ganz vage sein – z.B., wenn ich sage: “Bring ihm etwas, was ihm gut tut!” Aber dies kann heißen: denk an ihn, seinen Zustand, etc. in freundlicher Weise und dann bring ihm etwas, was deiner Gesinnung gegen ihn entspricht.
665 The understanding of the mathematical question. How do we know whether we understand a mathematical question? A question – one can say – is an order. And to understand an order means: to know what one has to do. An order can, of course, be quite vague – e.g., if I say: “Bring him something that will do him good!” But this can mean: think of him, his state, etc. in a friendly way and then bring him something that corresponds to your disposition towards him.
§Z
61[4]668 Die mathematische Frage ist eine Herausforderung. Und man könnte sagen: sie hat Sinn, wenn sie uns zu einer mathematischen Tätigkeit anspornt.
668 The mathematical question is a challenge. And one could say: it has sense if it stimulates us to engage in mathematical activity.
§Z
61[5]669 Man könnte dann auch sagen, eine Frage in der Mathematik habe Sinn, wenn sie mathematische Phantasie anregt.
669 One could also say that a question in mathematics has sense if it stimulates mathematical imagination.
§Z
62[1]1446 Übersetzen von einer Sprache in die andere ist eine mathematische Aufgabe und das Übersetzen eines lyrischen Gedichts z.B. in eine fremde Sprache ist ganz analog einem mathematischen Problem. Denn man kann wohl das Problem stellen “Wie ist dieser Witz (z.B.) durch einen Witz in der andern Sprache zu übersetzen, d.h. zu ersetzen”; und das Problem kann auch gelöst sein; aber eine Methode, ein System, zu seiner Lösung gab es nicht.
1446 Translating from one language into another is a mathematical task, and translating a lyrical poem, for example, into a foreign language is quite analogous to a mathematical problem. Because one could pose the problem: “How is this joke (for example) to be translated into a joke in the other language, i.e., replaced?”; and the problem can also be solved; but there was no method, no system for its solution.
§Z
62[2]996 Denk dir Menschen, die mit ‘äußerst komplizierten’ Zahlzeichen rechnen. Diese stellen sich aber dar als Figuren, welche entstehen, wenn man unsere Zahlzeichen aufeinander schreibt. Sie schreiben z.B. π bis zur fünften Stelle so:
Wer ihnen zusähe, fände es schwer, zu erraten, was sie tun. Und sie könnten es vielleicht selbst nicht erklären. Es kann ja dieses Zahlzeichen, in etwas anderer Schrift geschrieben, seine Erscheinung (für uns) zur Unkenntlichkeit ändern. Und was die Leute täten, erschiene uns rein intuitiv.
996 Imagine people who are calculating with ‘extremely complicated’ numerical signs. However, these are represented as figures that arise when one writes our numerical signs on top of each other. For example, they might write π to the fifth decimal place as follows:
Someone observing them would find it difficult to guess what they are doing. And they themselves might not be able to explain it. After all, this numerical sign, written in a slightly different script, can change its appearance (for us) to the point of being unrecognizable. And what the people are doing would appear to us purely intuitively.
§Z
62[3] &63[1]
1618 Warum zählen wir? Hat es sich als praktisch erwiesen? Haben wir unsere Begriffe, z.B. die psychologischen, weil es vorteilhaft ist? – Und doch haben wir gewisse Begriffe eben deswegen, haben sie deswegen eingeführt.
1618 Why do we count? Has it proven to be practical? Do we have our concepts, e.g., the psychological ones, because it is advantageous? – And yet we have certain concepts precisely for that reason; we have introduced them for that reason.
§Z
62[3] &63[1].2
Übrigens tritt der Unterschied zwischen dem, was man Sätze der Mathematik nennt und Erfahrungssätzen zu Tage, wenn man bedenkt, ob es Sinn hat zu sagen: “ich wünschte 2 × 2 wäre 5!”
By the way, the difference between what one calls sentences of mathematics & sentences about experience becomes apparent when one considers whether it makes sense to say: “I wish that 2 × 2 were 5!”
§Z
62[3] &63[1].3
Wenn man bedenkt, daß die Gleichung 2 + 2 = 4 ein Beweis des Satzes ist “es gibt gerade Zahlen”, so sieht man wie lose hier das Wort “Beweis” gebraucht ist. Aus der Gleichung 2 + 2 = 4 soll der Satz “es gibt gerade Zahlen” hervorgehen?! – Und was ist der Beweis der Existenz von Primzahlen? – Die Methode der Zerlegung in Primfaktoren. Aber in dieser Methode wird ja überhaupt nicht geredet, auch nicht von “Primzahlen”.
If one considers that the equation 2 + 2 = 4 is a proof of the sentence “there are even numbers”, then one can see how loosely the word “proof” is used here. Is the sentence “there are even numbers” supposed to follow from the equation 2 + 2 = 4?! – And what is the proof of the existence of prime numbers? – The method of decomposition into prime factors. But in this method, nothing is said at all, not even about “prime numbers”.
§Z
62[3] &63[1].4
“Die Kinder müßten, um das Rechnen der Volksschule zu verstehen, bedeutende Philosophen sein, in Ermanglung dessen brauchen sie die Übung.” Wenn wir eine Erklärung, etwa des logischen Folgens, lesen, so halten wir uns an das, was Er schreibt. Wir halten uns an die Worte; an die Zeichen
“For children to understand the arithmetic of elementary school, they would have to be significant philosophers; lacking that, they need practice.” When we read an explanation, for instance, of logical consequence, we adhere to what he writes. We adhere to the words; to the signs.
§Z
63[2]140 Russell und Frege fassen den Begriff gleichsam als Eigenschaft eines Dings auf. Aber es ist sehr unnatürlich, die Worte Mensch, Raum, Baum, Abhandlung, Kreis, als Eigenschaften eines Substrats aufzufassen.
140 Russell and Frege, in a sense, understand the concept as a property of a thing. But it is very unnatural to understand the words man, space, tree, treatise, circle, as properties of a substrate.
§Z
63[3]20 Die Dirichlet'sche Auffassung der Funktion der Funktion ist nur dort möglich, wo sie nicht ein unendliches Gesetz durch eine Liste ausdrücken will, denn eine unendliche Liste gibt es nicht.
20 The Dirichletian conception of the function of a function is only possible where it does not want to express an infinite law through a list, because there is no infinite list.
§Z
63[4]552 Die Zahlen sind der Mathematik nicht fundamental.
552 The numbers are not fundamental to mathematics.
§Z
63[5]1765 Der Begriff des ‘Ordnens’ der Rationalzahlen z.B. und der ‘Unmöglichkeit’, die Irrationalzahlen so zu ordnen. Vergleiche das mit dem, was man ‘Ordnen’ von Ziffern nennt. Gleichermaßen der Unterschied zwischen dem ‘Zuordnen’ einer Ziffer (oder Nuß) zu einer andern und dem ‘Zuordnen’ aller ganzer Zahlen zu den geraden Zahlen; etc. Überall Begriffsverschiebungen.
1765 The concept of the ‘ordering’ of rational numbers, for example, and the ‘impossibility’ of ordering the irrational numbers in the same way. Compare this with what one calls ‘ordering’ digits. Similarly, the difference between ‘assigning’ one digit (or nut) to another and ‘assigning’ all integers to the even numbers; etc. Everywhere shifts in concepts.
§Z
63[6]157 Es gibt offenbar eine Methode, ein gerades Lineal anzufertigen. Diese Methode schließt ein Ideal ein, ich meine, ein Näherungsverfahren mit unbegrenzter Möglichkeit, denn eben dieses Verfahren ist das Ideal Oder vielmehr: Nur, wenn es ein Näherungsverfahren mit unbegrenzter Möglichkeit ist, kann (nicht muß) die Geometrie dieses Verfahrens die euklidische sein.
157 There is obviously a method for making a straight ruler. This method includes an ideal, I mean, an approximation method with unlimited possibility, because this method is the ideal. Or rather: Only if it is an approximation method with unlimited possibility, can (not must) the geometry of this method be Euclidean.
§Z
63[7]103 Die Rechnung als Ornament zu betrachten, daß ist auch Formalismus, aber einer guten Art.
103 To regard calculation as ornament is also formalism, but of a good kind.
§Z
63[8] &64[1]
102 Man kann die Rechnung als Ornament betrachten. Eine Figur in der Ebene kann an eine andere passen oder nicht, mit anderen in verschiedener Weise zusammengefaßt werden. Wenn die Figur noch gefärbt ist, so gibt es dann noch ein Passen in Bezug auf die Farbe. (Die Farbe ist nur eine weitere Dimension.)
102 One can regard the calculation as an ornament. A figure in the plane can fit with another, or it may not; it can be combined with others in various ways. If the figure is also colored, then there is also a fitting in relation to the color. (Color is just another dimension.)
§Z
63[8] &64[1].2
Es gibt eine Betrachtungsweise der elektrischen Maschinen und Apparate (Dynamos, Radiostationen, etc. etc.), die sozusagen ohne vorgefaßtes Verständnis diese Gegenstände als eine Verteilung von Kupfer, Eisen, Gummi, etc. im Raum ansieht. Und diese Betrachtungsweise könnte zu manchem interessanten Resultat führen. Sie ist ganz analog der eines mathematischen Satzes als Ornament. – Es ist natürlich eine durchaus strenge und korrekte Auffassung; und das Charakteristische und Schwierige an ihr ist, daß sie den Gegenstand ohne jede vorgefaßte Idee betrachtet (sozusagen von einem Marsstandpunkt), oder vielleicht richtiger: die normale vorgefaßte Idee, Erklärung, zerstört (durchkreuzt).
There is a way of looking at electrical machines and devices (dynamos, radio stations, etc.) that, as it were, considers these objects as a distribution of copper, iron, rubber, etc., in space, without any preconceived understanding. And this way of looking at things could lead to some interesting results. It is quite analogous to considering a mathematical sentence as an ornament. – It is, of course, a perfectly rigorous and correct view; and what is characteristic and difficult about it is that it considers the object without any preconceived idea (as it were, from a Martian point of view), or perhaps more accurately: it destroys (crosses out) the normal preconceived idea, explanation.
§Z
64[2]421 (Der Stil meiner Sätze ist außerordentlich stark von Frege beeinflußt. Und wenn ich wollte, so könnte ich wohl diesen Einfluß feststellen, wo ihn auf den ersten Blick Keiner sähe.)
421 The style of my sentences is extraordinarily strongly influenced by Frege. And if I wanted to, I could probably point out where this influence is, even though at first glance no one would see it.
§Z
65[1]1613 “Leg es hier hin” – wobei ich mit dem Finger den Platz bezeichne – – dies ist eine absolute Ortsangabe. Und, wer sagt, der Raum sei absolut, möchte als Argument dafür sagen: “Es gibt doch einen Ort: Hier.”
1613 “Put it here” – where I indicate the place with my finger – this is an absolute indication of location. And whoever says that space is absolute might want to use the following as an argument: “There is, after all, a place: here.”
§Z
65[2]1259 Man könnte sich eine Geisteskrankheit denken, in welcher Einer Namen nur in Anwesenheit ihrer Träger gebrauchen und verstehen kann.
1259 One could imagine a mental illness in which one can only use and understand names in the presence of their bearers.
§Z
65[3]1260 Es könnte von Zeichen ein Gebrauch gemacht werden solcher Art, daß die Zeichen nutzlos würden (daß man sie vernichtete), sobald der Träger aufhörte zu existieren. In diesem Sprachspiel hat sozusagen der Name den Gegenstand an einer Schnur; und hört der Gegenstand auf zu existieren, so kann man den Namen, der mit ihm zusammen gearbeitet hat, wegwerfen. (Das Wort “handle” für den Eigennamen.)
1260 It is possible that signs could be used in such a way that the signs would become useless (that one would destroy them) as soon as the bearer ceased to exist. In this language-game, the name is, as it were, attached to the object by a string; and when the object ceases to exist, one can throw away the name that has worked together with it. (The word “handle” for the proper name.)
§Z
65[4]Wie ist es mit den beiden Sätzen: “dieses Blatt ist rot” und “dieses Blatt hat die Farbe, die auf Deutsch ‘rot’ heißt”? Sagen beide dasselbe? Hängt das nicht davon ab, was das Kriterium dafür ist, daß eine Farbe auf Deutsch ‘rot’ heißt?
What about the two sentences: “This leaf is red” and “This leaf has the color that is called ‘red’ in German”? Do they say the same thing? Doesn’t that depend on what the criterion is for a color being called ‘red’ in German?
§
IIIr[1]213 Erinnere mich daran, daß ich das und das für
213 Remind me that I should think about this and that.
§
IIIr[2]dasselbe Bedürfnis nach Erklärung – wie bei den Worten?
for the same need for explanation – as with words?
§Z
IIIr[3]568 “Gott kannst du nicht mit einem Anderen reden hören, sondern nur, wenn du der Angeredete bist.“ Das ist eine grammatische Bemerkung.
568 “You cannot hear God talking to someone else, but only when you are the one being addressed.” This is a grammatical remark.
§
IIIr[4]darauf an: Wie ist es zu diesen Worten gekommen?
think about how these words came about.
§Z
IIIv[1]1603 Ein Sprachspiel analog einem Fragment eines andern. Ein Raum in begrenzte Stücke eines Raums projiziert. Ein ‘löchriger’ Raum.
1603 A language-game analogous to a fragment of another. A space projected into limited pieces of a space. A ‘holey’ space.
§
IIIv[2]505 Wie hängt das Sehen eines Aspekts zusammen mit der Fähigkeit zu operieren (z.B. in der Mathematik)? Denk an das räumliche Sehen in der darstellenden Geometrie und an das Operieren in der
505 How is seeing an aspect related to the ability to operate (e.g., in mathematics)? Think of spatial seeing in descriptive geometry and the operation in
§
IIIv[3]recht schön, aber es gibt doch Stilleben, Porträts, Landschaftsbilder, Diagramme etc. etc..
quite beautiful, but there are still still lifes, portraits, landscapes, diagrams, etc., etc.
§
IIIv[4]296 Der Verstand, sage ich, ergreift den eine Gegenstand; und dann reden wir von ihm, und seinen Eigenschaften, seiner Natur, gemäß. [Das “und” hieße: “und zwar.“]
296 The mind, I say, grasps the one object; and then we talk about it, and its properties, its nature, accordingly. [The “and” here means: “namely.”]