Ts-238
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§
77[1]Beschreibung an ihre Stelle treten. Und diese Beschreibung empfängt ihr Licht, d.i. ihren Zweck, von den philosophischen Problemen. Diese sind freilich keine empirischen, sondern sie werden durch eine Einsicht in das Arbeiten unserer Sprache gelöst, und zwar so, daß dieses erkannt wird: entgegen einem Trieb, es mißzuverstehen. Die Probleme werden gelöst, nicht durch Beibringen neuer Erfahrung, sondern durch Zusammenstellung des längst Bekannten. Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.
Description takes its place. And this description receives its light, i.e., its purpose, from philosophical problems. These, however, are not empirical; rather, they are solved through an insight into the workings of our language, and in such a way that it is recognized: contrary to a tendency to misunderstand it. The problems are solved, not by providing new experience, but by bringing together what has long been known. Philosophy is a struggle against the bewitchment of our understanding by the means of our language.
§
77[2]115 “Die Sprache (oder das Denken) ist etwas Einzigartiges”, das erweist sich als ein Aberglaube (nicht Irrtum!) hervorgerufen selbst durch grammatische Täuschungen. Und auf diese Täuschungen, auf die Probleme, fällt nun das Pathos zurück.
115 “Language (or thought) is something unique”; this turns out to be a superstition (not a mistake!) caused even by grammatical deceptions. And it is now that the pathos falls upon these deceptions, upon the problems.
§
77[3]116 Die Probleme, die durch ein Mißdeuten unserer Sprachformen entstehen, haben den Charakter der Tiefe. Es sind tiefe Beunruhigungen; sie wurzeln so tief in uns, wie die Formen unserer Sprache und ihre Bedeutung ist so groß, wie die Wichtigkeit unserer Sprache. – – – Fragen wir uns: Warum empfinden wir einen grammatischen Witz als tief? (Und das ist ja die philosophische Tiefe.) Eine ähnliche Gedankenbewegung: Wie kann man die Zeit schätzen, da das Leben doch fern von einer Uhr ist? – Daß uns die Zeit übereinstimmend mit der Uhr einfallen; daß wir die Zeit schätzen können; ist ein Grund, warum, was die Uhr meint, die Zeit, so wichtig ist.
116 The problems that arise from a misinterpretation of our linguistic forms have the character of depth. They are profound anxieties; they are rooted so deeply in us, just as the forms of our language are, and their meaning is as great as the importance of our language. – Let us ask ourselves: Why do we feel a grammatical joke to be profound? (And this is philosophical depth.) A similar line of thought: How can one estimate time, when life is so far removed from a clock? – That time comes to us in accordance with the clock; that we can estimate time; is a reason why what the clock means, time, is so important.
§
77[4] &78[1] &
79top[1]
117 Worin liegt z.B. die Tiefe des Witzes: “We called him tortoise because he taught us”? Wir werden plötzlich aufmerksam darauf, daß eine solche Ableitung des Substantivs unmöglich ist. – Warum Eine ähnliche Gedankenbewegung: Wie kann man die Zeit schätzen, da das Leben doch fern von einer Uhr ist? – Daß uns die Zeit übereinstimmend mit der Uhr einfallen; daß wir die Zeit schätzen können; ist ein Grund, warum, was die Uhr meint, die Zeit, so wichtig ist. sollte sie aber so unmöglich sein? Sie ließe sich auch sehr wohl denken. Und nun scheint der Witz seine Tiefe verloren zu haben. Dies kommt aber daher, daß wir unsere Aufmerksamkeit verschoben haben. – Betrachte ein andres Beispiel: In Lichtenbergs “Briefen von Mägden über Literatur” schreibt eine Magd der anderen die Zahl Hundert so 001 Wenn man sich sagt: “nun, hundert könnte ja auch in der Richtung geschrieben werden”, dann fühlt man die Tiefe des Witzes nicht. Diese liegt, glaube ich, in dem Zusammenhang unseres Dezimalsystems, in welchem das Zeichen “001” eine gewisse Stelle innehat. Die Tiefe der Absurdität des “001” erscheint erst für den, der, sozusagen, die mathematischen Konsequenzen aus diesem Schreibfehler ziehen kann. Nicht für den, der nur weiß, daß man so nicht ‘hundert’ schreibt. – Man kann, das ‘taught us’ betreffend, sagen: ein Verbum hat für uns eine Grundstellung (wie man bei Turnübungen sagt) und dann verschiedene Stellungen, verschiedenen Verrichtungen gemäß. Eine beliebige dieser Stellungen zur Bezeichnung dessen nehmen, der (z.B.) lehrt, ist so, als nähme man für das Standbild eines Menschen irgend eine Stellung, in der er sich auch einmal befinden kann. Die Tiefe der Absurdität liegt hier wieder in Verhältnissen, die eine längere Erklärung zulassen; weil sie den eigentümlichen Bau unserer Sprache betreffen. – Wenn wir auf das System unserer Sprache sehen, dann haben wir das Gefühl der Tiefe. Es ist, als sähen wir durch ihr Netz hindurch die ganze Welt.
117 In what, for example, lies the depth of the joke: “We called him tortoise because he taught us”? We suddenly become aware that such a derivation of the noun is impossible. – Why? A similar line of thought: How can one estimate time, when life is so far removed from a clock? – That time comes to us in accordance with the clock; that we can estimate time; is a reason why what the clock means, time, is so important. But why should it be so impossible? It could also very well be thought. And now the joke seems to have lost its depth. This, however, is because we have shifted our attention. – Consider another example: In Lichtenberg's “Letters from Maids about Literature,” one maid writes the number hundred to another as 001. If one says: “well, hundred could also be written in that direction,” then one does not feel the depth of the joke. This, I believe, lies in the context of our decimal system, in which the sign “001” occupies a certain position. The depth of the absurdity of “001” only becomes apparent for someone who, as it were, can draw the mathematical consequences from this spelling error. Not for someone who only knows that one does not write ‘hundred’ that way. – One can say, with regard to ‘taught us’: a verb has a basic position for us (as one says in gymnastics) and then various positions, according to various actions. To take any of these positions to designate the one who (e.g.) teaches, is as if one were to take any one position in which a person can also be, for a snapshot of a person. The depth of the absurdity lies here again in relationships that allow for a longer explanation; because they concern the peculiar structure of our language. – If we look at the system of our language, then we have the feeling of depth. It is as if we were looking through its net and seeing the whole world.
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87middle[2]118 Ein Gleichnis, das in die Formen unserer Sprache aufgenommen ist, bewirkt einen falschen Schein; der beunruhigt uns: “Es ist doch nicht so!” – sagen wir. “Aber es muß doch so sein!”
118 A simile that has been incorporated into the forms of our language creates a false illusion; it disturbs us: “It is not like that!” – we say. “But it must be so!”
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87middle[3]119 Denk, wie uns das Substantiv “Zeit” ein Medium vorspiegeln kann; wie es uns in die Irre führen kann, daß wir einem Phantom auf und ab nachjagen. (“Aber hier ist doch nichts! – Aber hier ist doch nicht nichts!”)
119 Think of how the noun “time” can present us with a medium; how it can mislead us into chasing after a phantom. (“But there is nothing here! – But there is nothing here!”)
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87middle[4]120
Log. phil. Abh. (5.4) “Die allgemeine Form des Satzes ist: Es verhält sich so und so”. Das ist die Art von Satz, die man sich unzähligemale wiederholt. Man glaubt, wieder der Natur nachzufahren, und fährt nur der Form entlang, durch die wir sie betrachten.
120
Logical philosophical investigations (5.4): “The general form of a proposition is: things are so and so.” This is the kind of proposition that one repeats endlessly. One believes one is following nature, but one is only following the form through which we consider it.
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88middle87middle[1]121 Ob wir über das Wesen des Satzes, des Verstehens, des privaten, nur mir selbst bewußten Erlebens nachdenken: “Es ist doch so – – – –” sagen wir uns wieder und wieder. Es ist uns, als müßten wir das Wesen der Sache erfassen, wenn wir unsern Blick nur ganz scharf auf dies Faktum einstellen, es in den Brennpunkt rücken könnten.
121 Whether we think about the nature of the proposition, of understanding, of the private experience that is conscious only to myself: “It is actually so” – we tell ourselves again and again. We feel as though we must grasp the essence of the matter if we could only focus our gaze very sharply on this fact, if we could bring it into focus.
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88middle87middle[2]122 Der Ausdruck dieser Täuschung aber ist die metaphysische Verwendung unsrer Wörter. Man prädiziert von der Sache, was in der Darstellungsweise liegt. Die Möglichkeit des Vergleichs, die uns beeindruckt, nehmen wir für die Wahrnehmung einer höchst allgemeinen Sachlage.
122 The expression of this illusion, however, is the metaphysical use of our words. One predicates of the thing what lies in the mode of representation. We take the possibility of comparison, which impresses us, for the perception of a very general situation.
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88middle87middle[3]123 Ein Bild uns gefangen. Und heraus konnten wir nicht, denn es lag in unsrer Sprache, und sie schien es uns nur unerbittlich zu wiederholen. Um dem Bann der Ausdrucksformen zu entgehen, müssen wir die Sprache durchpflügen.
123 A picture has captured us. And we could not get out, because it lay in our language, and it seemed only to repeat it relentlessly. To escape the spell of the forms of expression, we must plough through the language.
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89bottom[1]124 Wenn die Philosophen ein Wort gebrauchen – “Wissen”, “Sein”, “Gegenstand”, “Ich”, “Satz”, “Name” und das Wesen des Dings zu erfassen trachten, muß man sich immer fragen: wird denn dieses Wort in der Sprache, in der es seine Heimat hat, je tatsächlich so gebraucht? –
124 When philosophers use a word – “knowledge,” “being,” “object,” “I,” “proposition,” “name,” and seek to grasp the essence of the thing, one must always ask: is this word actually used in this way in the language in which it has its home?
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89bottom[2]125 Man sagt mir: “Du verstehst doch diesen Ausdruck? Nun also in der Bedeutung, die Du kennst, gebrauche auch ich ihn.” Als wäre die Bedeutung eine Aura die das Wort mitbringt und in jederlei Verwendung herüber nimmt. Wenn Einer z.B. sagt, der Satz “Dies ist hier” – wobei er auf einen Gegenstand zeigt – habe für ihn Sinn, so möge er sich fragen, unter welchen besondern Umständen man diesen Satz verwendet. In diesen hat er dann Sinn.
125 One says to me: “You understand this expression? Then I, too, use it in the meaning that you know.” As if meaning were an aura that the word brings with it and carries over into any use. If someone, for example, says that the proposition “This is here” – while pointing at an object – has meaning for him, then let him ask himself under what particular circumstances this proposition is used. In these circumstances, it then has meaning.
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89bottom[3]126 Wir führen die Wörter von ihrer metaphysischen, wieder auf ihre alltägliche Verwendung zurück. (Man steigt öfters zweimal in den gleichen Fluß . – – – Ein Gegenstand hört manchmal auf zu existieren, wenn ich aufhöre ihn zu sehen, und manchmal nicht. – – – Wir wissen manchmal, welche Farbe der Andere sieht, wenn er diesen Gegenstand betrachtet, und manchmal nicht.) Unsere Antworten müssen, wenn sie richtig sind, gewöhnliche und triviale sein. – Denn diese Antworten machen sich gleichsam über die Fragen lustig. Nicht aber die Erklärungen, die die Probleme verständlich machen.
126 We lead the words from their metaphysical use back to their everyday use. (One often steps twice into the same river. – An object sometimes ceases to exist when I stop seeing it, and sometimes not. – We know sometimes what color the other sees when he looks at this object, and sometimes not.) If our answers are correct, they must be ordinary and trivial. – For these answers make fun of the questions, as it were. But not the explanations that make the problems understandable.
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81top[1]132 Der Begriff der übersichtlichen Darstellung ist für uns von grundlegender Bedeutung. Er bezeichnet unsere Darstellungsform, die Art, wie wir die Dinge sehen. (Ähnlich einer ‘Weltanschauung’.)
132 The concept of a clear representation is of fundamental importance to us. It designates our form of representation, the way we see things. (Similar to a ‘world-view’.)
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81top[2]133 Ein philosophisches Problem hat die Form: “ich kenne mich nicht aus.”
133 A philosophical problem has the form: “I do not know my way around.”
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81bottom[1]134 Die Philosophie darf den tatsächlichen Gebrauch der Sprache in keiner Weise antasten, sie kann ihn am Ende also nur beschreiben. Denn sie kann ihn auch nicht begründen. Sie läßt alles wie es ist. Sie läßt auch die Mathematik wie sie ist und keine mathematische Entdeckung kann sie weiterbringen. Ein ‘führendes Problem der mathematischen Logik’ (Ramsey) ist ein Problem der Mathematik, wie jedes andere.
134 Philosophy must not interfere with the actual use of language in any way; it can therefore only describe it. For it cannot justify it either. It leaves everything as it is. It also leaves mathematics as it is, and no mathematical discovery can advance it. A ‘leading problem of mathematical logic’ (Ramsey) is a problem of mathematics, like any other.
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81bottom[2]135 Ein Gleichnis gehört zu unserem Gebäude; aber wir können auch aus ihm keine Folgen ziehen; es führt uns nicht über sich selbst hinaus, sondern muß als Gleichnis stehen bleiben. –
135 A simile belongs to our building; but we cannot draw any conclusions from it; it does not lead us beyond itself, but must remain as a simile.
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81bottom[3]136 Die Philosophie stellt eben alles bloß hin, und erklärt und folgert nichts. – Da alles offen daliegt, ist auch nichts zu erklären. Denn, was etwa verborgen ist, interessiert uns nicht. “Philosophie” könnte man auch das nennen, was vor allen neuen Entdeckungen & Empfindungen möglich ist.
136 Philosophy simply lays everything out, and explains and infers nothing. – Since everything lies open, there is also nothing to explain. For what is perhaps hidden does not interest us. One could also call “philosophy” what is possible before all new discoveries & experiences.
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82bottom[1]137 Die Arbeit des Philosophen ist ein Zusammentragen von Erinnerungen zu einem bestimmten Zweck. (Die Anlage zur Philosophie beruht auf der Fähigkeit, von einer Tatsache der Grammatik einen starken und nachhaltigen Eindruck zu empfangen.)
Wollte man Thesen in der Philosophie aufstellen, es könnte nie über sie zur Diskussion kommen, weil Alle mit ihnen einverstanden wären.
137 The philosopher’s work is the gathering of recollections for a specific purpose. (The aptitude for philosophy is based on the ability to receive a strong & lasting impression from a fact of grammar.)
If one were to put forward theses in philosophy, they could never be brought up for discussion, because everyone would agree with them.
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83middle[1]139 Wer philosophiert trachtet das erlösende Wort zu finden, das ist das Wort, das uns endlich erlaubt, das zu fassen, was bis dahin, ungreifbar, unser Bewußtsein belastet hat. (Es ist, wie wenn uns ein Haar auf der Zunge liegt; man spürt es, aber kann es nicht fassen und darum nicht loswerden.) Eine unsrer (wichtigsten) Aufgaben ist es, alle falschen Gedankengänge so charakteristisch auszudrücken, daß der Andre sagt: “Ja, genau so hab ich es gemeint”. Die Physiognomie jedes Irrtums nachzuzeichnen. Wir können auch nicht den Andern eines Fehlers überführen, es sei denn, daß er diesen Ausdruck als den eigentlichen Ausdruck seines Gefühls anerkennt. – Nämlich nur, wenn er ihn als solchen anerkennt, ist er der richtige Ausdruck. (Psychoanalyse.) Was der Andre anerkennt, ist die Analogie, die ich ihm darbiete, als Quelle seines Gedankens.
139 Whoever engages in philosophy seeks to find the redeeming word, that is, the word that finally allows us to grasp what, until then, has weighed heavily on our consciousness in an elusive way. (It is as if we have a hair on our tongue; one feels it, but cannot grasp it and therefore cannot get rid of it.) One of our (most important) tasks is to express all false lines of thought in such a characteristic way that the other person says: “Yes, that is exactly what I meant.” To trace the physiognomy of each error. We cannot convince another person of an error unless he recognizes this expression as the actual expression of his feeling. – Namely, only when he recognizes it as such, is it the correct expression. (Psychoanalysis.) What the other person recognizes is the analogy that I offer him as the source of his thought.
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83bottom[1] &84[1]
141 Wir befreien uns vom Zwang eines logischen Ideals, indem wir es als Bild anerkennen und seinen Ursprung angeben. – Wie bist Du zu diesem Ideal gekommen; aus welchem Material hast Du es geformt? Welche konkrete Vorstellung war sein eigentliches Urbild? Dies müssen wir uns fragen, sonst können wir seinen irreführenden Aspekt nicht los werden.
141 We free ourselves from the compulsion of a logical ideal by recognizing it as an image & indicating its origin. – How did one arrive at this ideal; from what material was it formed? What concrete image was its actual prototype? This is what we must ask ourselves, otherwise we cannot get rid of its misleading aspect.
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84[1]142 Es ist von der größten Bedeutung, daß wir uns z.B. zu einem Kalkül der Logik immer ein Beispiel denken, worauf er wirklich anzuwenden ist; und nicht Beispiele geben und sagen: dies seien nicht die idealen, für die der Kalkül wirklich gelte, diese hätten wir noch nicht. Das zeigt eine falsche Auffassung. Kann ich den Kalkül überhaupt verwenden, dann ist das auch die ideale Verwendung und die Verwendung, um die es geht. – Man will nämlich nicht das reale Beispiel als die Verwendung anerkennen, da man in ihm Verhältnisse sieht, eine Mannigfaltigkeit, die der Kalkül nicht berührt, die er gleichsam übersieht. Aber es ist der wahre Gegenstand, das Material, des Kalküls und er davon hergenommen. Und dies ist kein Fehler, keine Unvollkommenheit des Kalküls. Der Fehler lag darin, seine Anwendung in nebelhafter Ferne zu versprechen.
142 It is of the greatest meaning that we always think of an example for a calculus of logic, for instance, to which it can actually be applied; and not give examples and say that these are not the ideal ones for which the calculus really holds, these we do not yet have. This reveals a false understanding. If I can use the calculus at all, then that is also the ideal use and the use that matters. – For one does not want to recognize the real example as the use, because one sees in it relationships, a multiplicity, that the calculus does not touch, that it, as it were, overlooks. But it is the true object, the material, of the calculus and it is taken from it. And this is not a mistake, not an imperfection of the calculus. The mistake lay in promising its application in a hazy distance.
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84[2] &85top[1]
Schritt doch machen, vom Reinen, Klaren – zum Unreinlichen. Das Reine, Klare aber ist das Spiel der Zeichen.)
Take a step, yes, from the pure, clear – to the impure. But the pure, clear is the game of signs.
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85top[2]144 Nur so nämlich können wir der Ungerechtigkeit, oder Leere unserer Behauptungen entgehen, indem wir das Vorbild als das, was es ist, als Vergleichsobjekt – sozusagen als Maßstab – hinstellen; und nicht als das Vorurteil, dem die Wirklichkeit entsprechen müsse. (Die Betrachtungsweise Spenglers. Der Dogmatismus, in den man beim philosophieren so leicht verfällt).
144 Only in this way can we avoid the injustice, or emptiness, of our assertions, by placing the model as what it is, as an object of comparison – as a kind of standard – & not as a prejudice to which reality must correspond. (Spengler’s point of view. The dogmatism into which one so easily falls when philosophizing).
§
92bottom[1]145 Auch sind unsere klaren, einfachen Sprachspiele nicht Vorstudien zu einer künftigen Reglementierung unserer tatsächlichen Sprache, gleichsam erste Annäherungen, ohne Berücksichtigung der Reibung und des Luftwiderstands. Diese Auffassung führt zu Ungerechtigkeiten (Nicod und Russell.) Vielmehr stehen die Sprachspiele da als Vergleichsobjekte, die durch Ähnlichkeit und Unähnlichkeit ein Licht in die Verhältnisse unsrer Sprache werfen sollen.
145 Moreover, our clear, simple language-games are not preliminary studies for a future regulation of our actual language, as if they were first approximations without taking into account friction and air resistance. This view leads to injustices (Nicod and Russell). Rather, the language-games stand as objects of comparison, which, through similarity and dissimilarity, are meant to shed light on the conditions of our language.
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91bottom93top[1]146 Wir wollen in unserm Wissen vom Gebrauch der Sprache eine Ordnung herstellen; eine Ordnung zu einem bestimmten Zweck; eine von vielen möglichen Ordnungen. (Keine Über-Ordnung.) Wir werden zu diesem Zweck immer wieder Unterscheidungen hervorheben, die unsere gewöhnlichen Sprachformen leicht übersehen lassen. Dadurch kann es den Anschein erhalten, als sähen wir es für unsre Aufgabe an, die Sprache zu reformieren. So eine Reform für bestimmte praktische Zwecke, die Verbesserung unserer Terminologie zur Vermeidung von Mißverständnissen im praktischen Gebrauch, ist wohl möglich. Aber das sind nicht die Fälle, mit denen wir es zu tun haben. Die Verwirrungen, die uns beschäftigen, entstehen, gleichsam, wenn die Sprache leerläuft, nicht wenn sie arbeitet.
146 We want to establish an order in our knowledge of the use of language; an order for a specific purpose; one of many possible orders. (No overarching order.) For this purpose, we will repeatedly emphasize distinctions that our ordinary forms of language easily allow us to overlook. This may give the impression that we consider it our task to reform language. Such a reform for specific practical purposes, the improvement of our terminology to avoid misunderstandings in practical use, is probably possible. But these are not the cases we are dealing with. The confusions that concern us arise, as it were, when language runs idle, not when it is working.
§
91bottom93top[2]147 Wir wollen nicht das Regelsystem für die Verwendung unserer Worte in unerhörter Weise verfeinern oder vervollständigen. Denn die Klarheit, die wir anstreben, ist allerdings eine vollkommene. Aber das heißt nur, daß die philosophischen Probleme vollkommen verschwinden sollen.
147 We do not want to refine or complete the system of rules for the use of our words in an unheard-of manner. For the clarity that we strive for is indeed a complete one. But that only means that the philosophical problems should completely disappear.
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93middle[1]148 Die eigentliche Entdeckung ist die, die mich fähig macht, mit dem Philosophieren aufzuhören, wann ich will. – Die die Philosophie zur Ruhe bringt, so daß sie nicht mehr von Fragen gepeitscht wird, die sie selbst in Frage stellen. – Sondern es wird nur an Beispielen eine Methode gezeigt, und die Reihe dieser Beispiele kann man abbrechen. – – – Es werden Probleme gelöst (Schwierigkeiten beseitigt), nicht ein Problem.
148 The real discovery is the one that makes me capable of stopping philosophizing whenever I want. – The one that brings philosophy to rest, so that it is no longer tormented by questions that it itself calls into question. – Instead, a method is demonstrated through examples, & one can stop the series of these examples. – – – Problems are solved (difficulties are removed), not a problem.