Ts-243
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§
1[1]Vorwort.
Foreword.
§
1[2] &2[1] &
3[1] &
4[1]
In dem Folgenden teile ich Gedanken mit, die die Ergebnisse philosophischer Untersuchungen der letzten – 16 Jahre sind. Sie betreffen viele Gegenstände: Den Begriff der Bedeutung, des Verstehens, des Satzes, der – Logik, die Grundlagen der Mathematik, die Bewußtseinszustände und Anderes. Ich habe alle diese Gedanken als Bemerkungen, kurze Absätze, niedergeschrieben. Manchmal in längeren Ketten, über den gleichen Gegenstand, manchmal in raschem Wechsel vom einen Gebiet zum andern überspringend. – Meine Absicht war es von Anfang, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Wesentlich aber schien es mir, daß darin die Gedanken von einem Gegenstand zum andern in einer natürlichen und lückenlosen Folge fortschreiten sollten. Nach manchen mißglückten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, daß mir dies nie gelingen würde. Daß das Beste, was ich – schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, in – einer Richtung weiterzuzwingen. – – Und dies hing freilich auch mit der Natur der Untersuchung selbst zusammen. Sie nämlich zwingt uns, ein weites Gedankengebiet, – kreuz und quer, nach allen Richtungen hin zu durchreisen. – Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind gleichsam eine Menge von Landschaftsskizzen, die auf diesen langen & verwickelten Fahrten entstanden sind. Die gleichen Punkte, oder beinahe die gleichen, wurden stets von Neuem von verschiedenen Richtungen her berührt und immer neue Bilder entworfen. Eine Unzahl dieser war verzeichnet, oder – uncharakteristisch; mit allen Mängeln eines schwachen Zeichners behaftet. Und wenn man diese ausschied, blieb eine Anzahl halbwegser übrig, die nun, oftmals beschnitten, so angeordnet werden mußten, daß sie dem Betrachter ein Bild der Landschaft geben konnten. Ich hatte bis vor kurzem den Gedanken an eine Veröffentlichung dieser Arbeit bei meinen Lebzeiten eigentlich aufgegeben. Er wurde allerdings von Zeit zu Zeit rege gemacht, und zwar hauptsächlich dadurch, daß ich erfahren mußte, daß meine Ergebnisse, die ich in Vorlesungen, Skripten und Diskussionen weitergegeben hatte, vielfach – mißverstanden, mehr oder weniger verwässert, oder verstümmelt im Umlauf waren. Hierdurch wurde meine Eitelkeit gereizt und ich hatte immer wieder Mühe sie zu beruhigen. Vor zwei Jahren nun hatte ich Veranlassung, mein erstes – Buch (die “Logisch-Philosophische Abhandlung”) wieder zu lesen und seine Gedanken zu erklären. Da schien es mir plötzlich, daß ich jene alten Gedanken und die neuen zusammen veröffentlichen sollte: daß diese nur durch den Gegensatz, und auf dem Hintergrund meiner ältern Denkweise, ihre rechte Beleuchtung erhalten könnten. Seit ich nämlich vor 16 Jahren mich wieder mit Philosophie zu beschäftigen anfing, mußte ich schwere Irrtümer in dem erkennen, was ich in jenem ersten Buche niedergelegt hatte. Diese Irrtümer einzusehen, hat mir – in einem Maße, das ich kaum selbst zu beurteilen vermag – die Kritik geholfen, die meine Ideen durch Frank Ramsey erfahren haben, – mit welchem ich sie, während der zwei letzten Jahre seines Lebens in zahllosen Gesprächen erörtert habe. – Mehr noch als dieser – stets kraftvollen und sichern – Kritik verdanke ich derjenigen, die ein Lehrer dieser Universität, Herr P. Sraffa, durch viele Jahre, unablässig an meinen Gedanken geübt hat. Diesem Ansporn verdanke ich die folgereichsten der Ideen dieser Schrift. Aus mehr als einem Grunde wird, was ich hier veröffentliche, sich mit dem berühren, was Andere heute schreiben. – Tragen meine Bemerkungen keinen Stempel an sich, der sie als die meinen kennzeichnet, so will ich sie auch weiter nicht als mein Eigentum beanspruchen. Ich übergebe sie mit zweifelhaften Gefühlen der Öffentlichkeit. Daß es dieser Arbeit in ihrer Dürftigkeit und der Finsternis dieser Zeit beschieden sein sollte, Licht in ein oder das andere Gehirn zu werfen, ist nicht unmöglich, – aber durchaus nicht wahrscheinlich. Ich möchte nicht mit meiner Schrift Andern das Denken ersparen. Sondern, wenn es möglich wäre, jemand zu eigenen Gedanken anregen. Daß dieses Buch nicht gut ist, weiß ich. Aber ich glaube, daß die Zeit, in der es von mir verbessert werden könnte, vorüber ist.
In what follows, I share thoughts that are the results of philosophical investigations of the last – 16 years. They concern many objects: the concept of meaning, of understanding, of the sentence, of – logic, the foundations of mathematics, states of consciousness, and other things. I have written down all these thoughts as remarks, short paragraphs, sometimes in longer chains, on the same object, sometimes jumping rapidly from one area to another. – From the beginning, my intention was to collect all this into one book, of whose form I had different ideas at different times. But it seemed essential to me that the thoughts about one object should progress in a natural & continuous sequence. After some unsuccessful attempts to weld my results together into such a whole, I saw that this would never succeed. That the best that I – could write would always only be philosophical remarks; that my thoughts soon faded when I tried to force them, against their natural inclination, in – one direction. – – And this was, of course, also related to the nature of the investigation itself. It forces us to traverse a wide field of thought, – criss-cross, in all directions. – The philosophical remarks in this book are rather like a collection of landscape sketches, produced during these long & complicated journeys. The same points, or almost the same, were always touched on again from different angles, & always new pictures were drawn. A large number of these were recorded, or – uncharacteristically; afflicted with all the defects of a weak draftsman. And if one discarded these, a number of half-finished ones remained, which now had to be arranged in such a way that they could give the observer a picture of the landscape. Until recently, I had actually given up the idea of publishing this work during my lifetime. It was, however, revived from time to time, mainly because I had to realize that my results, which I had communicated in lectures, scripts, & discussions, were often – misunderstood, more or less diluted, or mutilated in circulation. This stimulated my vanity & I always had to make efforts to calm it down. Two years ago, I had occasion to reread my first – book (the “Logical-Philosophical Treatise”) & to explain its thoughts. It suddenly seemed to me that I should publish those old thoughts & the new ones together: that these could only obtain their proper illumination through the contrast, & against the background of my earlier way of thinking. Since I began to engage with philosophy again 16 years ago, I have had to recognize serious errors in what I wrote in that first book. To see these errors has – to an extent that I can hardly judge myself – helped me with the criticism that my ideas have received from Frank Ramsey, – with whom I discussed them in countless conversations during the last two years of his life. – More than this – always powerful & certain – criticism, I owe it to the one that a teacher at this university, Mr. P. Sraffa, has exercised on my thoughts for many years, tirelessly. To this stimulus I owe the most far-reaching of the ideas in this work. For more than one reason, what I publish here will touch on what others are writing today. – If my remarks do not bear a stamp that identifies them as mine, I will not claim them any further as my property. I hand them over to the public with dubious feelings. That this work, in its inadequacy & in the darkness of this time, should be destined to shed light on one or another mind is not impossible, – but by no means likely. I do not want my writings to spare others from thinking. Rather, if possible, I would like to stimulate someone to their own thoughts. I know that this book is not good. But I believe that the time in which it could be improved by me is over.
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4[2]Cambridge im Januar 1945
Cambridge in January 1945.