Ts-248

German (epub, pdf) | German/English

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§

236[2]

Wann sagen wir denn: der Vollzylinder paßt in den Hohlzylinder? Da gibt es viele verschiedene Fälle; aber ein wichtiger ist der: wir stecken sie zusammen, probieren, ob sie passen. Passen sie dann, so sagen wir, sie passen; d.h., auch dann, wenn sie wieder getrennt sind – nämlich unter bestimmten Bedingungen. Probieren wir nun wieder, und sie passen nicht, – wann, sollen wir sagen, haben sie zu passen aufgehört. Diese Frage wird manchmal so beantwortet: der Zeitpunkt der Änderung sei der einer anderen Änderung (als wir den Zylinder erhitzten, da hat er aufgehört, zu passen). Wenn wir aber kein solches Kriterium für diesen Zeitpunkt haben; wenn wir – sozusagen – garnicht wissen, was in dem Intervall zwischen den Proben mit den Dingen geschieht: passen sie nun dann, oder passen sie nicht?

When do we say that the solid cylinder fits into the hollow cylinder? There are many different cases; but an important one is the following: we put them together, test whether they fit. If they then fit, we say that they fit; that is, even when they are separated again – namely, under certain conditions. Now let us test again, and they do not fit – when, are we to say, have they ceased to fit? This question is sometimes answered as follows: the time of the change is the time of another change (when we heated the cylinder, it ceased to fit). But if we do not have such a criterion for this time; if we – so to speak – do not know what happens in the interval between the tests with the things: do they then fit, or do they not?

§

236[3] &
237[1]

Man sagt: “Es ist schwer zu wissen, ob diese Medizin wirklich hilft, oder nicht, weil man nicht weiß, ob der Schnupfen länger gedauert hätte, oder ärger gewesen wäre, wenn man sie nicht genommen hätte.” Wenn man dafür wirklich keinen Anhaltspunkt hat, ist es dann bloß schwer zu wissen? Denke, ich hätte eine Medizin erfunden; ich sage: diese Medizin, einige Monate hindurch genommen, verlängert das Leben jedes Menschen um einen Monat. Hätte er sie nicht genommen, so wäre er einen Monat früher gestorben. “Man kann nicht wissen, ob es wirklich die Medizin war; ob er nicht ohne sie ebenso lang gelebt hätte.” – Ist diese Ausdrucksweise nicht irreführend? Sollte es nicht besser heißen: “Es heißt nichts, von dieser Medizin zu sagen, sie verlängere das Leben; wenn eine Prüfung der Behauptung in dieser Weise ausgeschlossen wurde.” Nämlich: wir haben hier zwar einen richtigen deutschen Satz nach Analogie oft gebrauchter Sätze gebildet, aber Du bist Dir nicht klar über den grundlegenden Unterschied in den Verwendungen dieser Sätze. Diese zu überblicken, ist nicht leicht. Der Satz liegt Dir vor Augen, aber nicht eine übersichtliche Darstellung der Verwendung. Mit “Es heißt nichts …” will ich also sagen: dies sind Worte, die Dich irreführen, sie spiegeln einen Gebrauch vor, den sie nicht haben. Sie rufen wohl auch eine Vorstellung hervor (der Verlängerung des Lebens, etc.), aber das Spiel mit dem Satz ist so eingerichtet, daß es die wesentliche Pointe nicht hat, die dem Spiel mit ähnlich gebauten Sätzen seinen Nutzen gibt. (Wie der ‘Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel’ zwar aussieht wie ein Wettlauf, aber keiner ist.)

One says: “It is difficult to know whether this medicine really helps or not, because one does not know whether the cold would have lasted longer or been worse if one had not taken it.” If one really has no basis for this, is it then merely difficult to know? Suppose I have invented a medicine; I say: this medicine, taken for several months, extends the life of every person by one month. If he had not taken it, he would have died one month earlier. “One cannot know whether it was really the medicine; whether he would not have lived just as long without it.” – Is this way of speaking not misleading? Should it not be better to say: “It means nothing to say of this medicine that it extends life; if a test of the assertion has been ruled out in this way.” Namely: we have here formed a correct German sentence, analogous to often used sentences, but you are not clear about the fundamental difference in the uses of these sentences. It is not easy to get an overview of this. The sentence is there before your eyes, but not a surveyable representation of the use. With “It means nothing…” I want to say: these are words that mislead you, they reflect a use that they do not have. They also probably evoke an image (of the extension of life, etc.), but the game with the sentence is arranged in such a way that it does not have the essential point that gives the game with similarly constructed sentences its value. (Just as ‘the race between the hare and the hedgehog’ looks like a race, but is not one.)

§

237[2] &
238[1]

Du mußt Dich fragen: was nimmt man als Kriterium dafür, daß eine Medizin geholfen hat? Es gibt verschiedene Fälle. In welchen Fällen sagt man: “Es ist schwer zu sagen, ob sie geholfen hat”. In welchen Fällen ist die Redeweise als sinnlos zu verwerfen: “Man kann natürlich nie sicher sein, ob es die Medizin war, die geholfen hat”.

You must ask yourself: what does one take as a criterion for the fact that a medicine has helped? There are different cases. In which cases does one say: “It is difficult to say whether it has helped.” In which cases is the way of speaking to be rejected as senseless: “One can never be sure that it was the medicine that helped.”

§

238[2]

Wann nennen wir zwei Körper gleich schwer? Wenn wir sie gewogen haben, oder nur während wir sie wägen? Wenn Wägen das einzige Kriterium für das Gewicht wäre, – wann hat nun ein Körper sein Gewicht geändert, wenn er bei einer Wägung mehr wiegt, als bei der vorhergehenden? Der Sprachgebrauch könnte so sein: der Körper hat das und das Gewicht, bis er beim Wägen ein anderes zeigt; auf die Frage: “wann hat er sein Gewicht geändert?” gibt man den Zeitpunkt dieser Wägung an. – Oder: man sagt: “Man kann nicht wissen, wann er sein Gewicht ändert, wir wissen nur: bei der ersten Wägung hatte er dieses, bei der zweiten jenes Gewicht.” – Oder: “Es ist sinnlos, zu fragen, wann er sein Gewicht geändert hat; man kann nur fragen, wann sich die Gewichtsänderung gezeigt hat”.

When do we call two bodies equally heavy? When we have weighed them, or only while we are weighing them? If weighing were the only criterion for weight, – when has a body changed its weight, if it weighs more in one weighing than in the previous one? The linguistic usage could be as follows: the body has this and that weight, until it shows a different one when weighed; to the question: “when did it change its weight?” one gives the time of this weighing. – Or: one says: “One cannot know when it changes its weight, we only know: in the first weighing it had this weight, in the second that weight.” – Or: “It is senseless to ask when it changed its weight; one can only ask when the change in weight has shown itself.”

§

238[3] &
239[1] &
240[1]

“Aber der Körper hatte doch zu jeder Zeit irgend ein Gewicht, also war doch die Antwort die richtige: wir wüßten nicht, wann er es geändert habe.” – Und wie, wenn wir sagten, ein Körper habe gar kein Gewicht, außer dann, wenn es sich irgendwie zeigt, oder, er habe kein bestimmtes Gewicht, außer, wenn es gemessen wird? Könnten wir nicht auch dieses Spiel spielen? Denke, wir verkaufen ein Material ‘nach dem Gewicht’ und das Herkommen ist so: Wir wägen das Material alle fünf Minuten und berechnen dann den Preis nach dem Resultat der letzten Wägung. Oder ein anderes Herkommen: Wir berechnen den Preis auf diese Weise nur, wenn das Gewicht bei der Wägung nach dem Kauf das gleiche ist, hat es sich dann geändert, so berechnen wir den Preis nach dem arithmetischen Mittel der beiden Gewichte. Welche Art der Preisbestimmung ist die richtigere? – (Wenn sich der Preis einer Ware von gestern auf heute geändert hat, wann hat er sich geändert? Wie hoch stand er um zwölf Uhr Mitternacht, als niemand kaufte?) Resultat: Die Verbindung der Ausdrücke: “der Körper hat jetzt das Gewicht …”, “der Körper wiegt jetzt ungefähr …”, “ich weiß nicht, wieviel er jetzt wiegt”, – mit den Ergebnissen der Wägung ist keine ganz einfache, hängt von diversen Umständen ab, wir können mit der Wägung, und also mit diesen Sätzen, uns leicht verschiedene Spiele gespielt denken. Und das Gleiche gilt von der Rolle des Wortes “passen” in unsern Sprachspielen.

“But the body did have some weight at all times, so the answer was correct: we didn’t know when it changed.” – And what if we said that a body has no weight except when it somehow manifests, or that it has no definite weight except when it is measured? Couldn’t we also play this language-game? Imagine we sell a material ‘by weight’ and the custom is as follows: We weigh the material every five minutes and then calculate the price based on the result of the latest weighing. Or another custom: We calculate the price in this way only if the weight at the weighing after the purchase is the same; if it has changed, then we calculate the price based on the arithmetic mean of the two weights. Which method of price determination is the more correct? – (If the price of a commodity has changed from yesterday to today, when did it change? What was it at twelve o’clock midnight, when no one was buying?) Result: The connection of the expressions: “the body now has the weight…”, “the body weighs approximately…”, “I don’t know how much it weighs now”, – with the results of the weighing is not entirely simple, it depends on various circumstances, we can easily imagine different language-games with the weighing, and thus with these sentences. And the same applies to the role of the word “to fit” in our language-games.

§

243[4] &
244[1]

Wir sagen: “es paßt, ich habe es probiert”, nicht nur: “es hat gepaßt, ich habe es probiert”. Und ebenso: “er wiegt 50 kg, ich habe ihn gewogen”, “er ist 1 m lang, ich habe ihn gemessen”, und auch: “ich kann es, ich habe es probiert.” Wir sagen: “der Schuh paßt”, auch wenn wir ihn nicht anhaben.

We say: “it fits, I tried it”, not only: “it fitted, I tried it”. And likewise: “it weighs 50 kg, I weighed it”, “it is 1 m long, I measured it”, and also: “I can do it, I tried it.” We say: “the shoe fits”, even if we are not wearing it.

§

244[2]

Was für einen Sinn hätte es, anzunehmen, daß ein Stück Stahl, wann immer man seine Festigkeit gerade nicht prüft, es seine Festigkeit verliert, oder sie sich ändert. Das hängt mit der Idee zusammen, daß die Körper um uns nur solange existieren, als sie wahrgenommen werden. Das ist wirklich: das Zifferblatt mit dem Zeiger kuppeln; denn hier kuppelt man in der Grammatik die Aussage eines Tatbestandes mit der Bedingung der Nichtkontrollierbarkeit. Man hat die Annahme dadurch zu einem leerlaufenden Rad der Sprache gemacht; und sie stört nun den Mechanismus der Sprache jedenfalls nicht.

What sense would it make to assume that a piece of steel loses its strength, or that it changes, whenever one is not checking its strength. This is connected with the idea that the objects around us only exist as long as they are perceived. That really is: coupling the clock face with the pointer; because here one couples in the grammar the statement of a fact with the condition of uncontrollability. One has turned the assumption into a non-functional wheel of language; and it certainly does not disturb the mechanism of language.

§

244[3]

Hat es einen Sinn, zu fragen: “Hat dieses Stück Eisen nur dann diese Festigkeit, oder Elastizität, wenn sie geprüft wird, oder auch sonst?” Dies ist doch eine gut deutsche Frage! Und, daß wir empfinden: “das heißt ja nichts!” – weist uns darauf hin, den eigentlichen Gebrauch des Ausdrucks, “eine Festigkeit haben” aufzusuchen, seinen Zusammenhang mit den Erfahrungen, die uns die Festigkeit zeigen. (Von so einer Frage sagen wir: ‘sie treibe das Problem auf die Spitze’.)

Does it make sense to ask: “Does this piece of iron only have this strength or elasticity when it is tested, or also otherwise?” This is a perfectly good German question! And the fact that we feel: “it doesn’t mean anything!” – points us to look for the actual use of the expression “to have strength”, its connection with the experiences that show us the strength. (We say of such a question: ‘it takes the problem to extremes’.)

§

245[1]

Vergleiche den ‘Zustand’, diese Festigkeit zu haben, mit dem ‘Zustand’, diese Farbe zu haben. Und wieder mit dem ‘Zustand’, diese Länge zu haben: a) die gesehene, b) die gemessene. – Und nun mit dem ‘Zustand’ einer bestimmten Fähigkeit: z.B., der Fähigkeit dieser Feder diesen Druck auszuüben; meiner Fähigkeit dies Gewicht zu stemmen; meiner Fähigkeit dies Gedicht aufzusagen; meiner Fähigkeit diese Reihe fortzusetzen.

Compare the ‘state’ of having this strength with the ‘state’ of having this color. And again with the ‘state’ of having this length: a) the seen one, b) the measured one. – And now with the ‘state’ of a certain ability: e.g., the ability of this spring to exert this pressure; my ability to lift this weight; my ability to recite this poem; my ability to continue this series.

§

245[2]

Unter welchen Umständen sagt man: “x ist in diesem Zustande”. D.h., wie, unter welchen Umständen, braucht man hier die Gegenwart des Verbums; unter welchen, die andern Zeitformen? Es gibt Umstände, unter denen man sagt: “ich kann es”, während man es nicht gerade tut. – Andere, unter denen man in so einem Fall sagt: “ich glaube, ich kann es”. Es gibt auch Fälle, in welchen man nur dann sagt: “ich kann es”, wenn man es gerade tut.

Under what circumstances does one say: “x is in this state”? That is, how, under what circumstances, is the presence of the verb needed; under which, the other tenses? There are circumstances under which one says: “I can do it”, while one is not actually doing it. – Others, under which one says in such a case: “I believe I can do it”. There are also cases in which one only says: “I can do it”, when one is actually doing it.

§

245[3]

Was sind unsere Kriterien dafür, ‘daß wir etwas können’? Daß wir es früher getan haben; daß wir etwas anderes (etwa ‘Schwereres’) früher getan haben; daß wir es jetzt tun; daß wir jetzt gerade etwas getan haben, was als Probe der Fähigkeit gilt. (Sich das Gedicht leise vorsagen, als Probe dafür, daß man es laut aufsagen kann.)

What are our criteria for ‘being able to do something’? That we have done it before; that we have done something else (e.g. ‘heavier’) before; that we are doing it now; that we have just done something that counts as a test of the ability. (Silently reciting the poem as a test of being able to recite it aloud.)